Suizidrate in Deutschland weiter gestiegen
In 2025 hat sich die Zahl der Suizide in Deutschland um rund 9 Prozent im Vergleich zu 2024 erhöht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamt es Destatis haben sich in 2025 mehr als 11.330 Menschen das Leben genommen. Innerhalb der letzten zehn Jahren ist die Suizidrate um 15,6 % gestiegen.
In Bayern, dem einzigen Bundesland, das statistisch den Suizid dem vorwiegend ausgeübten Beruf zuordnet, haben Menschen aus dem landwirtschaftlichen Sektor ein erhöhtes Risiko. Hier haben sich 463 Menschen der sogenannten grünen Berufsgruppe zwischen 2017 und 2024 das Leben genommen, durchschnittlich ein Mensch pro Woche.
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) warnt vor überdurchschnittlich hohen Suizidraten unter Landwirt:innen. Die Hauptgründe für den Freitod in der Berufsgruppe seien eine überbordende Bürokratie, der Klimawandel, der Wegfall von verschiedensten Pflanzenschutzmitteln sowie der Vertrauensverlust in die Politik. „Wenn mir gesagt wird, dass jeder dritte Landwirt Liquiditätsprobleme hat, dann ist es in der Landwirtschaft natürlich sehr, sehr schwierig“, so der Minister. Hinter jedem dieser 463 verlorenen Menschenleben stehe ein Schicksal. Rainer kündigte eine Untersuchung seines Ministeriums zu den Hintergründen der hohen Suizidrate an.
Auch Tierärztinnen und Tierärzte haben laut Studien ein deutlich höheres Risiko für Depressionen und Suizidgedanken als die Allgemeinbevölkerung. Demnach ist das Risiko in dieser Berufsgruppe fünfmal höher als in anderen Berufen. Grund für die erschreckend hohe Rate ist die enorm hohe psychische Belastung durch lange Arbeitstage, Notdienste, Personalmangel und den wirtschaftlichen Druck. Aber auch Konflikte mit den Patientenbesitzer:innen und die Entscheidungen darüber, ob ein Tier eingeschläfert werden muss, tragen zu den Belastungen bei.
„Wir treffen viele Menschen in Momenten, in denen es ihren Tieren schlecht geht. Für viele ist ein Tier eine Art Kinderersatz. Dann ist es leider oft so, dass die Emotionen auf die Tierärzte einprasseln", erklärt Alexa Bach, Präsidentin der Landestierärztekammer Rheinland-Pfalz. Sie sieht auch die Verfügbarkeit von Medikamenten und medizinischen Materialien im Berufsalltag als möglichen Risikofaktor. Prävention müsse deshalb deutlich früher ansetzen, lautet die Forderung der Landestierärztekammer. Angehende Tierärztinnen und Tierärzte sollten bereits im Studium lernen, mit Tod, Konflikten und psychischen Belastungen im Berufsalltag umzugehen.
Eine erste Anlaufstelle für ALLE im tiermedizinischen Arbeitsbereich ist VetHilfe. Alle Anrufe werden absolut vertraulich und anonym behandelt.
BTK fordert systematische Datennutzung und vereinfachte Verfahren
Bürokratieabbau und Digitalisierung voranbringen – das waren die Kernthemen des Parlamentarischen Abends, zu dem die Bundestierärztekammer (BTK) am 14. Oktober 2026 eingeladen hatte. Die Forderungen des Abends umfassten unter anderem einen geringerenVerwaltungsaufwand, die bessere Nutzung vorhandener Daten und klare Rahmenbedingungen für neue Technologien.
Schirmherrin Dr. Franziska Kersten, MdB, sowie Hermann Färber, MdB, Vorsitzender des Ausschusses für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat des Deutschen Bundestags, machten in ihren Reden deutlich, dass Tierärztinnen und Tierärzte neben dem gesundheitlichen Schutz von Tieren auch für die Lebensmittelsicherung tierischen Ursprungs sorgen und dabei den One-Health-Gedanken, die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt, im Blick behalten.
Tierärzt:innen seien eine entscheidende Stütze des Gemeinwesens und Garanten für die Gesundheit von Haus- und Nutztieren. Ihre Arbeit sei unverzichtbar für aktiven Tierschutz, eine funktionierende Landwirtschaft, die öffentliche Gesundheit und die Sicherheit der Lebensmittel sowie für die Prävention von Seuchen und Zoonosen, erklärte Kersten.
„Unser Maßstab ist deshalb nicht die Zahl der gestrichenen Vorschriften. Unser Maßstab ist, ob Verfahren besser werden, ohne Schutzstandards zu schwächen“, betonte BTK-Präsident Ltd. VD Dr. Holger Vogel.
So fordert die BTK neben einheitlichen Regeln zur Anerkennung und Qualitätssicherung von Sachkundenachweisen im Tierschutz und der Anerkennung gleichwertiger Qualifikationen, auch ein bundesweites Register für Tierhaltungsverbote sowie eine gesetzliche Regelung zur sofortigen Vollziehung bestimmter tierschutzrechtlicher Maßnahmen. Um die behördlichen Prozesse zu beschleunigen, setzt sich die Bundestierärztekammer auch für den Abbau doppelter Dokumentations- und Nachweispflichten im Fleischhygienerecht ein.
Zudem müssten vorhandene Gesundheits-, Behandlungs- und Schlachtdaten systematisch genutzt werden, um gezieltere Kontrollen zu ermöglichen. Eine zentrale Tiergesundheitsdatenbank sei dafür elementar, so die BTK-Fachausschüsse. Diese fordern fernunterstützte Verfahren und künstliche Intelligenz in der Schlachttier- und Fleischuntersuchung, die die Tierärzteschaft entlasten können. Voraussetzung seien eine belastbare fachliche Grundlage, zuverlässige Technik, qualifiziertes Personal und validierte Systeme.
Die BTK appellierte an Politik und Verwaltung, die Tierärzteschaft frühzeitig in die Entwicklung neuer Regelungen einzubeziehen. „Nicht weniger Schutz, sondern weniger vermeidbarer Aufwand. Nicht Digitalisierung um ihrer selbst willen, sondern ein spürbarer Nutzen für die tierärztliche Arbeit“, lautete das abschließende Fazit des BTK-Präsidenten.
Wildschweinfleisch häufig mit PFAS belastet
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) macht auf die hohe Belastung von Wildschweinefleisch durch per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, den sogenannten PFAS, aufmerksam. Das geht aus den Ergebnissen zweier aktueller Untersuchungen des Umweltbundesamtes hervor.
Demnach wurden die gesetzlich zulässigen Höchstgehalte für PFAS in zahlreichen Leberproben von Wildschweinen aus acht verschiedenen Bundesländern überschritten. In einigen Regionen war die PFAS-Konzentration so hoch, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen bei einem regelmäßigen, wöchentlichen Verzehr langfristig nicht ausgeschlossen werden können.
„Wenn selbst Wildtiere in Deutschland mit den Ewigkeitschemikalien belastet sind, zeigt das, wie großflächig PFAS inzwischen in unserer Umwelt verbreitet sind. Die PFAS-Belastung von Wildschweinen macht das Ausmaß der Umweltverschmutzung sichtbar", macht BUND-Vorsitzender Olaf Bandt deutlich.
Die Ergebnisse legen nahe, dass sich PFAS längst in Ökosystemen ausgebreitet haben und sich in Wildtieren anreichern. Der BUND fordert eine weitreichende Beschränkung der Produktion und Verwendung von PFAS. Aktuell läge es an der Europäischen Kommission und den Mitgliedstaaten, den Weg für eine wirksame Regulierung der Ewigkeitschemikalien freizumachen. „Mit jedem PFAS-Eintrag in die Umwelt hinterlassen wir zukünftigen Generationen ein zunehmendes Gesundheitsrisiko und gefährden unsere Ökosysteme. Wir fordern die Bundesregierung und die EU-Kommission auf, die weitere PFAS-Verschmutzung unverzüglich zu stoppen. Die Produktion und Verwendung dieser Ewigkeitschemikalien muss umfassend beschränkt werden", so Bandt.
Umfrage zur zukünftigen Rolle von KI in der Pferdemedizin
Doktorandin Greta Hahn beleuchtet in ihrer wissenschaftlichen Studie die Risiken, Chancen und Herausforderungen, die der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Pferdemedizin mit sich bringt. Denn die Einsatzmöglichkeiten wachsen stetig, ob bei der Ganganalyse, zur Überwachung im Stall oder im Training.
Hahn, die in der Pferdeklinik Seeburg tätig ist, sucht aktuell für ihre Dissertation noch Pferdetierärzt:innen sowie Personen mit Pferdebezug, die an einer kurzen Online-Umfrage zum Thema „Einstellung und Vertrauen in Künstliche Intelligenz in der Pferdemedizin“ teilnehmen möchten und damit einen wertvollen Beitrag zur Forschung leisten.
Die Umfrage läuft, bis die für die Statistik nötige Anzahl an Teilnehmenden erreicht ist. Zur Umfrage kommen Sie hier.
Geflügelbranche erneuert Forderungen nach HPAI-Impfung
In Deutschland breitet sich die Geflügelpest weiter aus. Seit Herbst vergangenen Jahres verzeichneten die Veterinärbehörden bundesweit Ausbrüche in annähernd 270 Betrieben, insgesamt verendeten rund vier Millionen Stück Geflügel an der Hochpathogene Aviäre Influenza (HPAI) oder mussten gekeult werden, um eine weitere Ausbreitunge einzudämmen. Zusätzlich zu dem massiven Tierleid und den wirtschaftlichen Folgeschäden für die Halter:innen, mussten die Tierseuchenkassen insgesamt 82 Mio. Euro aufbringen.
Inzwischen ist der Erreger in den Wildvogelpopulationen endemisch und zirkuliert ganzjährig. Vetreter:innen der Branche sowie Verwaltungen und Wissenschaftler:innen beklagen, dass die bisherigen Maßnahmen nicht mehr ausreichen, um Ausbrüche wirksam einzudämmen, und fordern mit Nachdruck eine präventive Impfung gegen die Geflügelpest, insbesondere für bestimmt Geflügelarten sowie in Risikogebieten zu ermöglichen.
Eine Expertengruppe hat daher ein Schreiben an das Bundeslandwirtschaftsministerium, die Länder-Agrarministerien sowie Abgeordnete von Bundes- und Landtag verfasst. Darin fordern die Unterzeichnenden eine Feldstudie zur Impfung von Gänsen, die frühzeitige und umfassende Bewertung möglicher Auswirkungen auf Handel und Export sowie die Erarbeitung geeigneter Maßnahmen zur Minimierung potenzieller Handelsrestriktionen. Zudem fordern die Verfasser:innen die zügige Schaffung einer Rechtsgrundlage für Impfprogramme, einschließlich EU-rechtlicher Ausnahmen für kleinere Zieltierpopulationen.
Die Expert:innen stützen ihre Forderungen auf das Beispiel Frankreich. Dort werden Enten bereits seit drei Jahren gegen HPAI erfolgreich geimpft und auch die zunächst damit verbundenen Exportbeschränkungen konnten im Laufe der Zeit deutlich reduziert werden. In naher Zukunft sei eine Delegationsreise nach Frankreich geplant, um in Erfahrung zu bringen, welche Maßnahmen auch für Deutschland relevant wären. Den Bund bittet die Gruppe, sich an der Reise zu beteiligen.
Lungenpest: WHO will Aufklärung vorantreiben
Ende September 2026 hat der Tod einer Labormitarbeiterin im sibirischen Irkutsk eine weltweite Diskussion in Gang gebracht. Die 28-jährige Frau hatte an einem Forschungsinstitut zur Bekämpfung von Pestkrankheiten gearbeitet, was zu Spekulationen über Lungenpest als Todesursache geführt hat. Diese wurden durch die Quarantäne von Hunderten Menschen in der Region befeuert.
Die russische Gesundheitsaufsicht Rospotrebnadsor hat nun erklärt, dass die Frau an einer Lungenentzündung unklarer Herkunft gestorben sei und es keinen Laborunfall in dem Institut gegeben habe. Es seien keine weiteren Infektionen verzeichnet worden.
Der Todesfall nach einer Lungenentzündung unbestimmter Ursache hat bei vielen Menschen ungute Erinnerungen an den Beginn der Corona-Pandemie geweckt. Die USA haben zudem den Pesterreger Yersinia pestis im Zusammenhang mit Bioterrorismus ins Gespräch gebracht. Entwarnung gibt jedoch vorerst Roman Wölfel, Leiter des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr. Er sehe derzeit keine belastbare Grundlage für die Annahme, dass der Vorfall mit der Entwicklung biologischer Kampfstoffe zusammenhänge, so Wölfel. „Dafür bräuchte man sehr viel weitergehende mikrobiologische, epidemiologische und forensische Befunde."
Für gute Heilungsaussichten muss die durch Husten oder Niesen übertragbare Lungenpest möglichst sofort bei ersten Symptomen mit Antibiotika behandelt werden. Eine Gefahr stellen allerdings multiresistente Formen dar, bei denen gängige Mittel nicht mehr wirken. Zu den vielen aktuell kursierenden unbelegten Spekulationen zählt, dass am Institut in Irkutsk womöglich mit solchen Stämmen des Pesterregers gearbeitet werde.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO ist angesichts des Pest-Verdachts in Sorge, da die genaue Todesursache der Labormitarbeiterin noch immer ungeklärt ist. Aus diesem Grund forciert die Organisation auch einen zeitnahen, vollständigen und transparenten Informationsaustausch im Rahmen der internationalen Gesundheitsvorschriften. Nur so sei eine Aufklärung widersprüchlicher Berichte sowie eine genaue Einschätzung möglicher Risiken für die öffentliche Gesundheit möglich, so WHO-Chef Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus.
Nutrition Research Grant 2026 – Bewerbung noch bis Ende Oktober möglich
Zum dritten Mal nach 2024 und 2025 fördern die Federation of Veterinarians of Europe (FVE) und Purina Pro Plan auch in diesem Jahr wissenschaftliche Forschungsprojekte, die neue Erkenntnisse auf dem Gebiet der Ernährung von Hunden und Katzen liefern.
Wissenschaftler:innen und praktizierende Tierärzt:innen sowie Studierende der Veterinärmedizin, Promovierende und EBVS-Residents sind aufgerufen, sich mit ihren innovativen Ernährungskonzepten und Forschungsansätzen bis zum 31. Oktober 2026 zu bewerben. Das Forschungsstipendium ist mit 10.000 Euro dotiert.
Abgelehntes Verbot von Tierbörsen in der Kritik
In der vergangenen Woche hat sich der Petitionsausschuss mehrheitlich gegen ein Verbot von Tierbörsen ausgesprochen und empfohlen, das Petitionsverfahren abzuschließen. Ein generelles Verbot sei „unverhältnismäßig“, heißt es in der Beschlusserklärung. Für die Organisation und Durchführung von Tierbörsen würden die Anforderungen des Tierschutzgesetzes gelten, die von den für den Tierschutz zuständigen Behörden der Länder kontrolliert würden, heißt es weiter.
Der Deutsche Tierschutzbund bedauert die Entscheidung des Ausschusses sehr: „Untersuchungen und Vor-Ort-Besuche auf Börsen der letzten Jahre zeigen klar, dass bestehende Regelungen im Tierschutzgesetz sowie die Tierbörsenleitlinien nicht ausreichen, um einen tierschutzkonformen Ablauf von Tierbörsen zu gewährleisten! Denn die 2006 veröffentlichten ‚Leitlinien zur Ausrichtung von Tierbörsen unter Tierschutzgesichtspunkten‘ sind nicht rechtsverbindlich, sondern haben nur Empfehlungscharakter. Entsprechend werden sie in der Praxis gar nicht oder nur ungenügend umgesetzt", betont James Brückner, Leiter der Fachabteilung für Wildtiere beim Deutschen Tierschutzbund.
Die Tierschützer:innen gehen davon aus, dass Tierbörsen schon aufgrund der häufigen Wochenendtermine nur sporadisch von den Behörden kontrolliert würden. Wegen der massiven Tier- und Artenschutzprobleme, die insbesondere überregionale und internationale Börsen verursachen und den Strapazen für viele Tiere, bedingt durch An- und Abreise, wäre ein generelles Verbot konsequent gewesen. Zumindest ist der Gesetzgeber in der Pflicht, rechtsverbindliche Regelungen in Form einer Tierbörsenverordnung zu erlassen, die Tier- und Artenschutzrecht umfassend berücksichtigt, aber auch den Vollzug für die Behörden machbar gestaltet.
Gleiches forderten auch die Verfasser der ‚Exopet-Studie‘, die bereits 2015 von der damaligen Bundesregierung in Auftrag gegeben worden war. Die Ergebnisse daraus sind bis heute nicht umgesetzt.
Niederlande verdoppelt Beitragssätze für Geflügelhalter:innen
Die weitreichende Ausbreitung der Hochpathogenen Aviären Influenza (HPAI) hat weltweit zu dramatischen Tierverlusten und hohen Kosten geführt. Auch in den Niederlanden haben zahlreiche Geflügelpestausbrüche eine Kostenexplosion verursacht. Nach Informationen des Agrarmagazins Boerderij habe sich die Mittelzuweisung für Verdachtsfälle und Bekämpfung der HPAI annähernd vervierfacht und seien von 2,6 Mio. auf 8,5 Mio. Euro gestiegen.
Die Niederlande hat daher verkündet, dass die Abgaben für den Geflügel-Gesundheitsfonds 2027 deutlich angehoben werden. Die Beitragssätze für Halter:innen von Geflügel werden im Vergleich zu 2026 fortan um mehr als doppelt so hoch ausfallen. Die höhere Abgabe ist auch auf Defizite aus der Vergangenheit zurückzuführen. Der Geflügelsektor trägt hierfür etwas mehr als 10,7 Mio. Euro bei, der Rindersektor etwas mehr als 3,6 Mio. Euro.
Kritik kommt von Seiten der Bio-Geflügelhalter:innen. Der Verband äußerte Kritik und argumentierte, dass die Sätze für Bio-Geflügel gesenkt werden sollten, da die Halter:innen eine zunehmende Anzahl von Tieren pro Arbeitskraft betreuen, wodurch der Arbeitsaufwand mit dem in Freilandhaltungssystemen vergleichbar sei.
China verkündet neuen Weg zu qualitativ hochwertigem Schweinefleisch
In China stagniert der Schweinekonsum weiter. Daher will das Land zukünftig auf eine intelligente Tierhaltung und die Beschleunigung des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz (KI) setzen. Der Höhepunkt des Konsums sei weitestgehend erreicht, wie das Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Angelegenheiten (MARA) bei der Verkündung seines 15. Fünfjahresplanes erklärte.
Die neue Strategie verlagert den Fokus auf Qualität und Versorgungssicherheit. „Der Plan legt klar fest, dass die qualitativ hochwertige Entwicklung der Tierhaltung bis 2030 ein neues Niveau erreichen soll – mit einer stabileren und sichereren Versorgung mit wichtigen Produkten aus der Vieh- und Geflügelhaltung sowie einer deutlichen Verbesserung der Gesamtqualität der Branche“, erklärte ein Vertreter des MARA gegenüber Reporter:innen.
Demnach sieht der nationale Entwicklungsplan für die Vieh- und Veterinärwirtschaft 15 quantitative Ziele vor und legt einen stärkeren Schwerpunkt auf Technologie, Produktivität und die Modernisierung der Branche. Bewusst sei dabei auf ein Wachstumsziel für die gesamte Fleischproduktion verzichtet worden, wie das Portal AgNavigator mitteilt.
Projekt OnkoDog testet Spürhunde zur Krebserkennung
Hunde können mit ihrem außergewöhnlichen Geruchssinn hundertfach feinere Nuancen erschnüffeln als Menschen. Daher werden Hund in unterschiedlichen bereichen zu besonderen Spürhunden ausgebildet und beispielsweise in der Drogen- und Sprengstoffdetektion sowie auf der Jagd eingesetzt. Studien der Klinik für Kleintiere der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) haben schon vor Jahren gezeigt, dass trainierte Hunde SARS-CoV-2-Infektionen beim Menschen erkennen können, schneller und genauer als Antigen-Schnelltests.
Erkrankte Menschen setzen in Folge von veränderten Stoffwechselprozessen eine spezifische Mischung flüchtiger organischer Verbindungen frei, die wie ein geruchlicher Fingerabdruck wirkt. Hunde lassen sich so trainieren, dass sie bestimmte Krankheiten anhand von menschlichen Proben erschnüffeln können. So sind bereits Hunde, die vor epileptischen Anfällen warnen sowie Unterzuckerungen bei Diabetiker:innen anhand des Geruchs erkennen, im Einsatz.
Das auf zwei Jahre angelegte Projekt „OnkoDog“ unter der Beteiligung der TiHo möchte das besondere Talent von Hunden nun für die Erkennung von Prostatakrebs nutzen, der mit rund 80.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebsart bei Männern in Deutschland ist. Gemeinsam mit der AWiAS Aviation Services GmbH, einem Unternehmen mit langjähriger Erfahrung in der Ausbildung von Spürhunden, und Sindojan Automotive, einem Technologieunternehmen mit Schwerpunkt auf Softwareentwicklung, wird das Team um Sebastian Meller und Professor Holger Volk medizinische Spürhunde ausbilden, die anhand von Urinproben Krebserkrankungen des Urogenitaltrakts erkennen sollen.
„Unsere Erfahrungen aus der COVID-19-Forschung haben gezeigt, wie präzise Hunde Erkrankungen am Geruch erkennen können“, erklärt Meller. „Nun wollen wir herausfinden, ob sie auch in der Krebsfrüherkennung eine verlässliche Unterstützung sein können und der Medizin frühzeitig Hinweise liefern können, wo genauer hingeschaut werden sollte.“
Ziel des gerade gestarteten Projektes ist die betriebliche Gesundheitsvorsorge in Form einer einfachen, nicht-invasiven Vorsorgeuntersuchung. Ob das im Alltag funktioniert, wird im Projekt direkt in einem Betrieb unter realen Bedingungen erprobt. Eine eigens entwickelte Software anonymisiert dafür die Proben und ordnet auffällige Befunde den jeweiligen Arbeitsbereichen zu. So lassen sich mögliche physikalische, biologische oder chemische Belastungen am Arbeitsplatz erkennen und gezielt Gegenmaßnahmen ergreifen.
Abschaffung des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes gefordert
Vor rund drei Jahren ist das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz (THKG) in Kraft getreten. Mit Beginn des kommenden Jahres soll dann die Pflicht zur Kennzeichnung von Lebensmitteln greifen, die an Endverbraucher abgegeben werden. Hinsichtlich des nur noch kurzen Zeitfensters und der fehlenden Einigung bei der dringend notwendigen Neugestaltung des Gesetzes, fordert der Deutschen Bauernverband (DBV) die sofortige Abschaffung der gesetzlichen Kennzeichnungspflicht.
„Unsere Geduld ist zu Ende. Das bestehende THKG ist untauglich, weil es keinen Mehrwert zu bestehenden Haltungskennzeichen bringt, stattdessen zusätzlichen Aufwand und Bürokratie schafft. Wir haben das Vertrauen in eine echte Neugestaltung verloren“, so Beringmeier. „Seit über einem Jahr gibt es konkrete wirtschaftsseitige Vorschläge, Rechtsgutachten und Gesprächsangebote, um eine vollumfängliche, praktikable und wirksame Umsetzung zu erreichen“, erklärt DBV-Veredelungspräsident Hubertus Beringmeier. Die noch verbleibende Zeit reiche nicht aus für eine Neugestaltung. Es gäbe nunmehr keine andere Wahl, als das bestehende THKG abzuschaffen, um Schaden von der Wirtschaft abzuhalten, so Beringmeier abschließend.
Tierhalter:innen ziehen persönlichen tierärztlichen Kontakt der KI vor
Die Tierarztpraxis stellt noch immer den ersten Kontaktpunkt für Halter:innen dar, wenn ihre Vierbeiner Krankheitssymptome zeigen. Laut einer Umfrage der Uelzener Versicherungen führt der Weg bei mehr als 60 Prozent in die Tierarztpraxis. Lediglich 6 Prozent suchen erst einmal Rat bei KI-Tools wie etwa ChatGPT.
„Was tun, wenn der Hund sich ständig die Pfote leckt oder die Katze plötzlich nichts mehr frisst? In solchen Momenten kann ein Chatbot vielleicht Hinweise geben, aber das schafft keine Sicherheit", sagt Dr. Felix Garlipp von den Uelzener Versicherungen. „Bei einer tierärztlichen Untersuchung lässt sich dagegen beurteilen, was wirklich dahintersteckt. Dieser Unterschied zwischen allgemeiner Information und individueller Diagnose spiegelt sich in den Zahlen unserer Studie wider."
Die versicherungsgesellschaft hatte für seine aktuelle Haustier-Studie rund 1.000 Hunde- und Katzenhalter:innen in Deutschland befragt.Die Ergebnisse zeigen, dass die Gesundheitsvorsorge für die Besitzer:innen einen hohen Stellenwert haben. Die Umfrage hat ergeben, dass 73 Prozent der Tierhalter:innen auf Vorsorge setzen und ihr Tier regelmäßig untersuchen lassen. Die Entwurmung sowie Impfungen spielen bei rund 80 Prozent der Befragten eine Rolle.
Der Großteil der befragten Halter:innen äußerte Skepsis gegenüber KI in Sachen Tiergesundheit. Nur 5 Prozent der Befragten vertrauen Informationen von KI-Tools zur Gesundheit ihres Tieres "sehr stark", 29 Prozent "eher stark". Dem stehen 46 Prozent gegenüber, die solchen Informationen eher wenig vertrauen, und 20 Prozent, die ihnen gar nicht vertrauen.
„Die Ergebnisse sind kein grundsätzliches Misstrauensvotum gegen Künstliche Intelligenz", erklärt Garlipp weiter. „Für eine erste Orientierung können digitale Angebote hilfreich sein und schnell einen Überblick verschaffen. Geht es jedoch um gesundheitliche Entscheidungen für das eigene Tier, sind Verlässlichkeit und eine individuelle Einordnung gefragt."
Der gerade erschienene Tierärzte Atlas 2026 weist noch viel mehr Zahlen und Statistiken rund um die Veterinärmedizin und die Tiergesundheit auf. Dieser kann hier kostenlos als PDF heruntergeladen werden bzw. als gedruckter Band im Vetion-Shop bestellt werden.
Erneut leichter Rückgang der Antibiotika-Abgabemengen
Die Menge der in der Tiermedizin abgegebenen Antibiotika in Deutschland ist auch im Jahr 2025 weiter gesunken, wenn auch der Rückgang um nur 0,3 t (0,05 Prozent) sehr gering gegenüber dem Vorjahr ausfiel. Wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mitteilt, wurden rund 562 Tonnen (t) Antibiotika an die Tierärzteschaft und weitere Empfänger:innen abgegeben. „Nach der deutlichen Reduktion von über zwei Dritteln der Antibiotika-Abgabemengen seit Beginn der Erfassung im Jahr 2011 stabilisieren sich die Mengen in den letzten Jahren auf einem niedrigen Niveau“, sagt die Präsidentin des BVL, Prof. Dr. Gaby-Fleur Böl. „Insbesondere der deutliche Rückgang der Abgabemenge des von der WHO als kritisch eingestuften Wirkstoffes Colistin im Jahr 2025 ist als Erfolg zu bewerten.“
Die abgegebene Menge des Polypeptidantibiotikums Colistin reduzierte sich im Vergleich zum Vorjahr von 31 auf 26 t und erreicht damit ihren bisher niedrigsten Wert seit dem Jahr 2011. Für Colistin sind Anfang des Jahres 2025 strengere gesetzliche Regelungen in Kraft getreten, die Anwendungsbeschränkungen und den verpflichtenden Einsatz von Antibiogrammen beinhalten.
Neben Colistin stuft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auch die Wirkstoffgruppen der Cephalosporine der 3. und 4. Generation sowie Fluorchinolone als besonders bedeutend für die Therapie beim Menschen ein (Highest Priority Critically Important Antimicrobials for Human Medicine). Auch für diese Wirkstoffe sank die Abgabemenge im Vergleich zum Vorjahr und zwar um 13,4 Prozent (rund 0,1 t), im Gegensatz dazu wurde für die Fluorchinolone ein deutlicher Anstieg der Abgabemengen um 18 Prozent (rund 1 t) registriert.
Von den im Jahr 2025 abgegebenen 562 Tonnen Antibiotika entfallen wie in den Vorjahren die größten Mengen auf Penicilline (221 t) und Tetrazykline (111 t). Es folgen Sulfonamide (66 t), Makrolide (55 t) und Aminoglykoside (41 t). Der Rückgang der eingesetzten Antibiotikamenge im Vergleich zu 2011 beträgt 67 Prozent.
Informations- und Fortbildungskurse für Landwirt:innen zum Thema Antibiotikaminimierung im Stall finden sich unter Vetmab.de.
Perspektive für landwirtschaftlichen Nachwuchs schaffen
Die Altersstruktur der Landwirtschaft in Deutschland ist prekär: mehr als 40 Prozent der Betriebsleiter:innen sind über 55 Jahre alt und bei knapp zwei Dritteln ist die Hofnachfolge noch nicht geklärt.
Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) möchte daher Hofnachfolger:innen besser bei der Existenzgründung sowie der Übernahme des elterlichen Betriebes unterstützen. Aus diesem Grund stand der Generationenwechsel im Mittelpunkt eines Treffens des Bundeslandwirtschaftsministers Alois Rainer (CSU) mit Vertreter:innen von Agrarjugendverbänden. Auch die Themen Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) nach 2027 sowie Frauen in der Landwirtschaft wurden diskutiert.
„Der Generationswechsel ist die zentrale Frage für die Landwirtschaft von morgen – und für mein Ministerium. Wer unter den heutigen Herausforderungen ‚Ja‘ zur Landwirtschaft sagt, verdient unsere höchste Anerkennung und vor allem verlässliche Rahmenbedingungen. Genau hier liegt die wichtigste Aufgabe der Politik. Deshalb arbeitet mein Haus an einer Strategie für den Generationenwechsel. Wir wollen dabei den Blick auch stärker auf die spezifischen Belange von Frauen in der Landwirtschaft richten. Ich begrüße zudem die Strategie der Europäischen Kommission zur GAP nach 2027 für einen europaweit gelingenden Generationswechsel, die ebenfalls richtige Impulse setzt“, erklärt der Minister.
DLG-VetCon feiert Premiere auf der EuroTier
Vom 10.-13. November 2026 findet auf dem Messegelände in Hannover die 16. EuroTier, die weltweit führende Fachmesse für professionelle Tierhaltung, statt. Rund 150.000 Besucher:innen werden erwartet, die sich über die Neuheiten rund um die Rinder-, Schweine-, Geflügel- und Aquakulturhaltung informieren werden. Mit dem diesjährigen Leitthema „Intelligence in Animal Farming“ steht die EuroTier 2026 ganz im Zeichen von Innovation, Nachhaltigkeit und Tierwohl.
Erstmals wird die DLG-VetCon am 12. und 13. November 2026 in die Messe integriert, mit der Groß- und Bestandstierärzt:innen eine eigene Plattform für aktuelle Fachthemen, praxisnahe Fortbildung und den Austausch mit Wissenschaft, Landwirtschaft und Industrie zur Verfügung steht. Die Veranstaltung findet in der Conference Area der Hallen 19/20 statt. Tickets für die DLG-VetCon und das vollständige Programm sind schon jetzt online verfügbar.
Im Mittelpunkt des Programms stehen aktuelle Fragen zu Tiergesundheit, Fruchtbarkeit, Biosicherheit, Fütterung, Haltung und Praxismanagement. Workshops, Fachführungen und ein Networking-Abend verbinden die fachliche Weiterbildung mit dem direkten Blick auf Innovationen der Nutztierhaltung.
Bundesumweltminister will Anreize für wassersparende Technologien schaffen
Der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) deutscher Unternehmen entwickelt sich rasant. Damit einhergehend wächst auch die Anzahl der für die KI-Ausbau notwendigen Rechenzentren. Diese verbrauchen große Mengen an Strom sowie Wasser zur Kühlung. Da Wasser angesichts des Klimawandels immer knapper wird, sollen die Betreiber:innen von Rechenzentren nach den Plänen von Bundesumweltminister Carsten Schneider in Zukunft stärker zur Kasse gebeten werden.
„Dies führt zu neuen Verteilungsfragen, auf die wir gerechte Antworten finden müssen. Wenn Wasser knapp ist, kann es nicht sein, dass die Grundbedürfnisse der Bürger mit Großverbrauchern wie Rechenzentren konkurrieren müssen“, erklärt der Minister. Schneider möchte damit Anreize für Investitionen in effiziente und wassersparende Technologien schaffen.
Wasser müsse zudem möglichst gut in der Landschaft gehalten werden, etwa durch die Wiedervernässung von Mooren, mehr Raum für Flüsse und mehr Mischwälder, betont Schneider.„Leistungsfähige Wasserspeicher, Kanalnetze und Kläranlagen sind entscheidende Zukunftsinvestitionen. Die Länder tun daher gut daran, die Mittel aus dem Sondervermögen zu einem relevanten Teil in die Wasserinfrastruktur zu investieren“, so der Minister weiter.
Rumänien plant den Abschuss von rund 900 Bären
In Rumänien leben laut Schätzungen des Umweltministeriums annähernd 12.800 Bären. Die dramatisch gestiegene Anzahl der Raubtiere führt immer häufiger zu Konflikten mit der Bevölkerung. Vermehrt kommt es zu Rissen von Schafen und Angriffe auf Wandernde. Erst vor wenigen Tagen sei ein Bauer während der Arbeit auf seinem Feld von einem Bären getötet worden, heißt es in örtlichen Medien.
Da die Bärenpopulation schon lange nicht mehr als ökologisch vertretbar gilt, hat die Regierung die Verdopplung der Abschussquote beschlossen. Die Pläne sehen den Abschuss von 859 Bären im Jahr 2026 vor. Bei nachweislicher Gefährdung von Menschen sollen weitere 110 Tiere abgeschossen werden dürfen.
Im Vorfeld hatte Staatspräsident Dan Nicusor sich wegen Verletzung des EU-Rechts gegen den Entwurf ausgesprochen, diesen aber erfolglos beim Verfassungsgericht angefochten. Auch nach einer anschließenden Neuberatung des Parlaments und trotz zahlreicher Proteste von Tierschützer:innen einschließlich der Welttierschutzgesellschaft in Berlin, blieb die Volksvertretung bei ihrem früheren Beschluss.
Währenddessen versuchen einzelne Kommunen, die Bären mit elektrisch geladenen Zäunen, dem Beseitigen von Obstbäumen und dem Verschließen von Mülltonnen fernzuhalten. Leider setzen sich aber zu viele Tourist:innen über das offizielle Fütterungsverbot hinweg und füttern weiterhin die Tiere. Auch deswegen suchen sie verstärkt die Nähe des Menschen, wodurch die Konflikte potenziert werden.
Traditionelle Eichelernte durch freilaufende Schweine zum Schutz von Pferden und Rindern
Seit dem 14. September 2026 sind im südenglischen New Forest rund 600 Schweine zur traditionellen Pannage (Eichelernte) unterwegs. Die Tiere fressen herabgefallene Eicheln, Bucheckern und Kastanien und schützen so freilebende Ponys, Rinder und Wildtiere. Im Gegensatz zu den Schweinen vertragen diese die Eicheln nicht, zu große Mengen sind wegen der enthaltenen Gerbsäure giftig für die Tiere. Die weidenden Schweine jedoch fressen die Eicheln mit Begeisterung und säubern so den Waldboden. Gleichzeitig nutzen sie die Eicheln als natürliches Mastfutter.
Schon seit vielen Jahrhunderten werden Hausschweine jedes Jahr im Herbst zur Pannage (Common of Mast) im 570 km² großen Nationalpark freigelassen. Diese Tradition geht bis ins Mittelalter auf Wilhelm den Eroberer zurück. Die Tiere gehören den Anwohner:innen, die ein sogenanntes Weiderecht besitzen. Die Dauer der Saison wird jährlich von der Parkverwaltung (Court of Verderers) je nach Eichelaufkommen festgelegt. Die New Forest Pannage Season 2026 dauert noch bis zum 29. November an.
Frühzeitige Diagnose der CNE bei Katzen elementar
Die chronische Nierenerkrankung (CNE) bei der Katze betrifft häufig ältere Tiere. Ab einem Alter von sieben Jahren erkrankt etwa jede 5. Katze an der CNE, ab 12 Jahren ist ca. jede 2. Katze von der Krankheit betroffen. Da sich die chronische Nierenerkrankung meist schleichend entwickelt, sind regelmäßige Gesundheitschecks gerade bei älteren Katzen besonders wichtig. So hätten die behandelnden Tierärzt:innen die Möglichkeit, Veränderungen der Nierenfunktion früh zu erkennen und entsprechend zu behandeln, erklärt der Bundesverband für Tiergesundheit (BfT).
Eine eventuell eingeschränkte Nierenfunktion kann beispielsweise von einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) überdeckt werden. Zudem sollte der Blutdruck parallel im Blick behalten werden. Zu Beginn einer CNE-Erkrankung zeigt die Katze Symptome, die meist auf das Alter geschoben werden. Die Tiere wirken ruhiger, schlafen mehr oder sind weniger aktiv als gewohnt. Hinzu kommen im weiteren Verlauf ein vermehrter Urinabsatz und die Katzen trinken mehr. Übelkeit und Erbrechen können bei fortgeschrittener Erkrankung ebenfalls auftreten. Der BfT appelliert an die Halter:innen, spätestens jetzt eine:n Tierärzt:in zu konsultieren.
Da die CNE nicht heilbar ist, ist ein möglichst frühzeitiger Befund von Bedeutung, damit das Fortschreiten möglichst verlangsamt werden kann sowie Folgeerscheinungen begrenzt und Beschwerden gelindert werden können. Welche Maßnahmen notwendig sind, richtet sich nach dem Krankheitsstadium und den individuellen Befunden. Bei der Therapie geht es in erster Linie darum, dass die Phosphoraufnahme über die Nahrung reduziert und die Eiweißversorgung angepasst wird. Die behandelnde Tierärztin oder der Tierarzt kann zu der passenden Fütterung beraten und stimmt die erforderlichen Medikamente individuell auf das Tier ab. Der BfT weist zudem darauf hin, dass neben Blutdruck, Körpergewicht und Ernährungszustand auch Blut und Urin regelmäßig untersucht werden sollten.
Der Verlauf ist von Katze zu Katze unterschiedlich. Eine frühzeitige Diagnose, eine an das Krankheitsstadium angepasste Behandlung und regelmäßige Verlaufskontrollen können dazu beitragen, die Erkrankung möglichst lange zu stabilisieren und die Lebensqualität der Katze zu erhalten.
Tierärzt:innen können sich zum Thema Chronische Nierenerkrankungen im Kurs 4 der Reihe Consensus Statements für die Kleintiermedizin online fortbilden.
Geflügelpest: Dänemark will Impfpflicht für Puten einführen
Seit vielen Jahren breitet sich die Hochpathogene Aviäre Influenza (HPAI) in Europa aus. Inzwischen haben sich verschiedene Subtypen des Erregers entwickelt. Bei einem Ausbruch der Geflügelpest in kommerziellen Geflügelbeständen müssen alle Tiere des Betriebs gekeult werden, was dramatische finanzielle Einbußen für die Halter:innen zur Folge hat.
Dänemark plant nun, eine verpflichtende HPAI-Impfung für größere Putenbestände einzuführen. Demnach soll die Impfpflicht für Haltungen mit mehr als 2.000 Mastputen gelten. Nach Plänen der dänischen Lebensmittelbehörde soll die Vakzination Ausbrüche verhindern, das Tierwohl verbessern und die Putenproduktion stabilisieren. Jedoch sollen auch geimpfte Bestände im Fall eines HPAI-Ausbruchs nicht von der Keulung verschont bleiben. Die geplanten Neu-Regelungen beinhalten zudem, dass geimpfte und ungeimpfte Vögel nicht auf demselben Betrieb gehalten werden dürfen.
Noch steht die endgültige Verabschiedung durch die Politik aus. Zudem ist noch nicht klar, wie die die Handelspartner auf die Impfung reagieren. Dänemark sieht derzeit zwar keine grundsätzlichen Hindernisse für den Export, kann Beschränkungen einzelner Staaten aber nicht ausschließen.
Im Herbst wächst das Risiko für Wildtierunfälle
Mit dem Beginn des Herbstes verändern sich auch die Lichtverhältnisse. Gleichzeitig sind Wildtiere vermehrt unterwegs, um Nahrung zu finden. Bei Rotwild und Wildschweinen hat zudem die Brunftzeit begonnen bzw. steht kurz bevor. Damit steigt das Risiko von Wildtierunfällen. In Deutschland und der Schweiz kommt es jedes Jahr, speziell im Herbst, zu mehreren Tausend Kollisionen mit Wildtieren.
Besonders während der Dämmerung und bei Dunkelheit ist die Gefahr groß, dass Autofahrer:innen Wildtiere übersehen, die am Straßenrand stehen oder Übergänge zwischen Wald und Wiese nutzen. Um Unfälle zu vermeiden, ist eine gute Sicht sowie eine funktionierende Beleuchtung elementar.
Da die Tiere im Scheinwerferlicht oft erstarren oder orientierungslos laufen, sind Autofahrer:innen dringend angehalten, das Fernlicht auszuschalten. Grundsätzlich gelten Bremsbereitschaft und eine angepasste Fahrweise in bewaldeten Gebieten und bei Wildwechseln. In dem unvermeidlichen Fall eines Aufpralls sollte danach die Unfallstelle gesichert, die Warnblinker eingeschaltet und die Polizei verständigt werden. Die Polizei rät, das verletze Tier nicht anzufassen werden, da es aggressiv reagieren könnte Möglich ist auch eine Übertragung von Infektionen. Und auch wenn das Tier nach dem Unfall flieht, sollten die Behörden verständigt werden, damit sie eine Nachsuche veranlassen und dem Tier so Leid ersparen können.
Wer ein verletztes Tier liegen lässt und Fahrerflucht begeht, macht sich strafbar. Wenn das Tier danach noch Stunden oder Tage leidet, liegt zudem ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vor.
Marktöffnung für Geflügelexporte aus Brasilien steht bevor
Schon bald könnte wieder Geflügelfleisch aus Brasilien in die EU importiert werden. Laut einem Prüfbericht der Behörde der EU-Kommission könne das südamerikanische Land sicherstellen, dass bei der Produktion keine Antibiotika zur Leistungssteigerung eingesetzt werden. Die Kontrollsysteme, die erst vor Kurzem eingerichtet worden seien, funktionierten in den Sektoren Ausbildung und amtlicher Überwachung effektiv, heißt es in dem Bericht.
Ob und wann brasilianisches Geflügelfleisch und Honig in europäische Länder verkauft werden dürfen, entscheiden die Mitgliedstaaten im Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel (SCoPAFF) voraussichtlich am 20. und 21. Oktober 2026.
Anders sieht es bei Rindfleisch aus Brasilien aus. Hier hat die EU-Kommission aktuell offenbar nicht vor, die dortigen Kontrollsysteme zeitnah zu überprüfen, wie Eric Thevenard, Direktor der zuständigen Abteilung in der Generaldirektion Gesundheit (DG SANTE), erklärte. Er verwies auf den etwa zweijährigen Produktionszyklus bei Rindfleisch. Innerhalb der nächsten beiden Jahre sollte es keine Lieferungen geben, so Thevenards Einschätzung.
Film-Tipp: „Geheimsache Tierversuche – Unter Ausschluss der Öffentlichkeit“
Seit dem 29.09.2026 ist die Dokumentation „Geheimsache Tierversuche“ in der ZDF-Mediathek verfügbar. Der Journalist und Filmemacher Manfred Karremann macht in seinem Film das enorme Leiden der Versuchstiere in deutschen und europäischen Laboren sichtbar. Er zeigt schonungslos das Tierleid, das die Tierversuchsindustrie mit aller Macht vor der Öffentlichkeit verbergen zu versucht.
Für die Doku hat Karremann mehr als 12 Monate lang versucht, mit Tierversuchslaboren ins Gespräch zu kommen. Lediglich Prof. Stefan Schlatt von der Universität Münster hat sich angeboten, mit ihm über Tierversuche und seine Beweggründe zu sprechen. In dem Film werden neben heimlich entstandenen Aufnahmen aus einem britischen Labor aber auch Alternativen zu Experimenten mit Tieren aufgezeigt. So können menschliche Zellkulturen, künstliche Haut und Organe auf Chips als adäquater Ersatz dienen und in bestimmten Bereichen auch wissenschaftlich bessere Ergebnisse liefern.
"Geheimsache Tierversuche" zeigt Einblicke in die streng abgeschottete Welt der Labore. Fragt: Wie kann eine Gesellschaft etwas ethisch und wissenschaftlich beurteilen, das weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit geschieht?
Deutliche Hinweise für pathogenes Potenzial von T. abortisuis gefunden
Trueperella abortisuis, ein grampositives, anaerob wachsendes Bakterium, gewinnt als potenzieller Erreger von Fortpflanzungsstörungen und Aborten bei Schweinen mehr und mehr an Bedeutung. Wissenschaftler:innen der Veterinärmedizinischen Universität Wien konnten nun belegen, dass T. abortisuis für Fehlgeburten bei Schweinen verantwortlich sein kann.
Nach der intensiven Analyse einer Sau, die am 100. Trächtigkeitstag elf Föten abortiert hat, und der Auswertung von routinemäßig an der Vetmeduni erhobenen, österreichischen Diagnosedaten der vergangenen 6 Jahre, konnten die Forschenden deutliche Hinweise auf das pathogene Potenzial des Bakteriums finden.
„Das Zusammenspiel aus fetaler Infektion, charakteristischen Veränderungen an Lunge und Plazenta und dem Nachweis hoher Mengen von T. abortisuis ist ein wichtiger Hinweis auf eine mögliche ursächliche Beteiligung dieses Erregers am Abort“, betont Studien-Erstautor Lukas Schwarz vom Klinischen Zentrum für Populationsmedizin bei Fisch, Schwein und Geflügel.
Die Studienergebnisse zeigen deutlich, dass das bislang wenig erforschte Bakterium bei Fortpflanzungsstörungen von Schweinen stärker berücksichtigt werden sollte, so die Wissenschaftler:innen. Sie empfehlen, das Bakterium künftig in die Differentialdiagnostik von Aborten bei Sauen aufzunehmen.
„Unsere retrospektiven Daten zeigen, dass T. abortisuis nicht nur in einem Einzelfall vorkommt. Der wiederholte Nachweis im Zusammenhang mit Abortmaterial und Proben aus dem Genitaltrakt macht den Erreger für die Differentialdiagnostik relevant“, erklärt Lukas Schwarz.
Weitere Studien sollen klären, unter welchen Bedingungen T. abortisuis Erkrankungen verursacht, welche Wechselwirkungen mit der bakteriellen Flora des Genitaltraktes bestehen und welche Bedeutung der Erreger für die Reproduktionsgesundheit von Schweinebeständen hat.
Mutmaßliche Rinderdiebe gefasst
Eine Serie von Rinderdiebstählen zwischen März und Mai dieses Jahres hat in Brandenburg für viel Aufregung gesorgt. In mehreren Landkreisen waren rund 240 Kühe von verschiedenen Weiden sowie aus Ställen gestohlen worden. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) hat nun bestätigt, dass sie zwei Tatverdächtige festgenommen haben. Die beiden mutmaßlichen Rinderdiebe im Alter von 46 und 41 Jahren konnten am 17. September in Polen beziehungsweise an der Raststätte Berstetal an der A13 gefasst werden und befinden sich aktuell in Untersuchungshaft.
Im Rahmen der Ermittlungen hat das Brandenburger Landeskriminalamt gemeinsam mit polnischen Kolleg:innen zudem Rinder gefunden, die aus den Diebstählen stammen könnten. Haarproben sollen nun Aufschluss über die Herkunft der Tiere geben. Es besteht der Verdacht, dass die gestohlenen Rinder nach Polen gebracht, dort umetikettiert und neu registriert wurden.
Mit einem solchen Ermittlungserfolg habe man nach so langer Zeit kaum noch gerechnet, erklärte Heiko Terno, Vorstandsmitglied des Landesbauernverbands und Vorsitzender des Kreisbauernverbands Südbrandenburg. Die Festnahmen hätten in der Region für Beruhigung gesorgt und könnten hoffentlich Nachahmungstäter abschrecken. Terno hofft, dass möglichst alle gestohlenen Tiere zu ihren Besitzer:innen zurückkehren.
Ferkelerzeuger: Festpreise für mehr Planungssicherheit
Die Krise in der deutschen Schweinehaltung hält weiter an. In Niedersachsen, dem Kernland der Branche, hat sich Zahl der Schweine haltenden Betriebe gemäß der Viehzählung vom Mai 2026 um 7,5 Prozent verringert. Im Laufe des vergangenen Jahrzehnts hat sich die Zahl nahezu halbiert. Lediglich 1.100 Betriebe sind Ferkelerzeuger. Der Großteil von ihnen macht jeden Monat hohe Verluste und steht kurz vorm Aufgeben. Aktuell liegt die maßgebliche Notierung der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften (VEZG) bei nur 30 Euro pro Ferkel.
Damit die Landwirt:innen besser planen können, schlägt Deutschlands größter Schlachtkonzern Tönnies einen sogenannten Mehrmonatspreis vor. Landwirte und Schlachtbranche sollen demnach gemeinsam einen kostendeckenden Preis kalkulieren, der sich am Markt orientiert und zunächst sechs Monate gilt, wie Robert Elmerhaus, Leiter Lebendtiereinkauf bei Tönnies, erklärt. Preisspitzen nach unten wie nach oben würden so gekappt. Funktionieren könne das aber nur, wenn der Lebensmittelhandel mitmacht.
Festpreise könnten grundsätzlich ein Instrument sein, sagt Torsten Staack, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN). Seinen Mitgliedern rät er jedoch, nichts zu unterschreiben, solange die Details unklar sind.
Niedersachsen unterstützt Tierheime mit 20 Millionen Euro
Aufgrund einer neuen, am 21. September in Kraft getretenen Förderrichtlinie haben Tierheime und Wildtierauffangstationen in Niedersachsen die Möglichkeit, finanzielle Unterstützung bei Sachinvestitionen zu erhalten. Für Investitionen zur Verbesserung und Sicherung der Unterbringung stellt das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) den Einrichtungen insgesamt 20 Millionen Euro zur Verfügung, die über mehrere Jahre verteilt werden.
„Tierheime und Wildtierauffangstationen leisten jeden Tag einen unverzichtbaren Beitrag für den Tierschutz. Gleichzeitig sind viele Einrichtungen bei den baulichen und finanziellen Herausforderungen längst am Limit. Bei meinen Besuchen vor Ort habe ich immer wieder gesehen, mit wie viel Einsatz die Menschen diese schwierige Situation auffangen. Doch notdürftige Provisorien sollten nicht zur Dauerlösung werden! Deswegen habe ich mich dafür stark gemacht, 20 Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Bundes für unsere Tierheime zur Verfügung zu stellen. Mit der Förderung wollen wir die Einrichtungen dabei unterstützen, notwendige Investitionen umzusetzen – und damit dauerhaft gute Bedingungen für die Tiere zu schaffen. Ob Neubau, Sanierung, Modernisierung oder die notwendige Ausstattung – wir schaffen mit der Richtlinie eine verlässliche Unterstützung für diejenigen, die Verantwortung für Tiere in Not übernehmen“, erklärt die niedersächsische Tierschutzministerin Miriam Staudte.
Anträge können bis 30.06.2036 gestellt werden. Die Förderung beläuft sich auf bis zu 80 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben, wobei die maximale Fördersumme bei zwei Millionen Euro pro Zuwendungsempfänger liegt.
Fortbildung mit Festivalcharakter
Erstmals richten in diesem Jahr der Niedersächsische Tierärztetag (NTT) und das TiHo-VetFestival gemeinsam eine Fortbildungsveranstaltung aus. Dafür haben sich die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo), die Tierärztekammer Niedersachsen und die Schlütersche Fachmedien GmbH zusammengetan. Eingeladen sind Tierärzt:innen, und Tiermedizinische Fachangestellte sowie Tierpflegeri:nnen und Studierende. Die Besucher:innen erwartet vom 26. bis 28. August 2027 auf dem Campus der TiHo eine umfangreiche Fachfortbildung mit Festivalatmosphäre.
„Wir bringen zwei erfolgreiche Konzepte zusammen und schaffen damit etwas völlig Neues für die veterinärmedizinische Fortbildungslandschaft“, erklärt Dr. Christiane Bärsch, Präsidentin der Tierärztekammer Niedersachsen. „Die Kombination aus hochwertigem Fachprogramm und verbindender Festivalatmosphäre ermöglicht es den Teilnehmenden, nicht nur fachlich auf dem neuesten Stand zu bleiben, sondern auch in entspannter Umgebung Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen. #Fortbilden #Feiern #Fairnetzen trifft #Gemeinsam in die Zukunft. Diese Mischung macht Fortbildung attraktiv und nachhaltig wirksam“, betont Prof. Holger Volk, Direktor der Klinik für Kleintiere der TiHo.
Neben Vorträgen und Workshops zu Kleintieren, Schweinen, Rindern, Pferden und für das Öffentliche Veterinärwesen können sich die Teilnehmenden auf ein unterhaltsames Rahmenprogramm mit Musik, Streetfood und Networking-Möglichkeiten auf der Festival-Wiese freuen. So wird der Campus Bünteweg zu einem Ort des Lernens, des Austauschs und der Unterhaltung.
ASP: Wildschweinarten in Asien vom Aussterben bedroht
Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist hat sich seit ihrem ersten Auftreten in China im Jahr 2018 über den ganzen Kontinent ausgebreitet. Neben Verlusten für die Schweinefleischindustrie in Höhe von 130 bis 192 Milliarden US-Dollar hat die Tierseuche dramatische Auswirkungen auf Wildtiere Asiens. Gemäß einer aktuellen Studie, die in der Nature Reviews Biodiversity veröffentlicht wurde, sind 5 der 12 endemischen Wildschweinarten durch die ASP vom Aussterben bedroht, eine weitere gilt als gefährdet.
„Die asiatischen Wildschweine verschwinden in einem Tempo, das den meisten Menschen nicht bewusst ist. Dabei gehören sie zu den ökologischen Grundlagen eines Großteils des tropischen Regenwaldes der Region“, sagte Dr. Matthew Linkie, Technischer Direktor der Wildlife Conservation Society (WCS) und Leiter der Studie. „Mir ist keine andere Bedrohung bekannt, die eine ganze Säugetiergruppe so schnell an den Rand des Aussterbens gebracht hat. Beim Schutz dieser Arten geht es nicht nur darum, ihr Aussterben zu verhindern, sondern auch darum, die ökologischen Prozesse zu sichern, die Wälder, Wildtiere und die von ihnen abhängigen Gemeinschaften erhalten.“
Aus diesem Grund haben die an der Studie beteiligten Wissenschaftler:innen einen umfassenden Aktionsplan entwickelt. Denn Wildschweine sind nicht nur eine wichtige Beute für Raubtiere, sondern bilden auch die Ernährungsgrundlage für viele indigene Völker und lokale Gemeinschaften. „Eine Infektion mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) wurde inzwischen bei mindestens sechs endemischen Wildschweinarten Asiens bestätigt oder wird stark vermutet“, erklärt Dr. Eva Johanna Rode-White, Vorsitzende der IUCN SSC Wild Pig Specialist Group und Mitautorin der Studie. „Zusätzlich zum bereits bestehenden Druck durch Lebensraumverlust und Jagd könnte die Krankheit für einige Arten den Aussterbepunkt bedeuten. Für viele Inselendemiten ist das Aussterben innerhalb einer einzigen Generation nun eine reale Möglichkeit, weshalb Zuchtprogramme und andere Schutzmaßnahmen immer dringlicher werden.“
Die acht Prioritätsmaßnahmen des Fahrplans umfassen den Schutz wildlebender Populationen, die Sicherung von Arten in Gefangenschaft sowie die Sicherstellung der dafür notwendigen Finanzierung und politischen Unterstützung. Zudem seien Frühwarnsysteme sowie der Ausbau der Zuchtprogramme und Soforthilfe rasch umzusetzen, so die Wissenschaftler:innen. Künstliche Intelligenz und Bürgerwissenschaft bieten dabei wertvolle zusätzliche Überwachungsmöglichkeiten. Die Umsetzung des Fahrplans erfordere nachhaltige Investitionen in den nächsten fünf Jahren – eine Summe, die, wie die Autor:innen anmerken, um ein Vielfaches geringer ist als die Verluste der Schweinefleischindustrie selbst, verglichen mit den Kosten des Aussterbens, die ökologisch, kulturell und wirtschaftlich irreversibel wären.




