Antibiotikaverbrauch in der Schweiz erneut gesunken
Seit 2008 sinkt die Menge der in der Veterinärmedizin eingesetzten Antibiotika in der Schweiz. So auch im Jahr 2025, allerdings zeigen sich je nach Tierart unterschiedliche Entwicklungen.
Wie aus den Vertriebs- und Verschreibungsdaten 2025 hervorgeht, wurde bei Rinderns erstmals über alle Kategorien und Kennzahlen hinweg ein leichter Rückgang verzeichnet. Das Verbrauchsniveau liegt bei Rindern jedoch weiterhin deutlich höher als bei Schweinen und Geflügel. Die Behandlungszahlen bleiben insbesondere bei Milchvieh und in der Kälbermast hoch.
Bei Schweinen nahmen die Gesamtwirkstoffmenge und die Behandlungszahlen leicht zu. Gleichzeitig ging die Zahl der Behandlungen mit kritischen Wirkstoffen weiter zurück. Dies deutet auf einen vermehrten Ersatz durch Penicilline hin.
Beim Geflügel stiegen 2025 sowohl die Gesamtwirkstoffmenge als auch die Menge kritischer Antibiotika leicht an. Im mehrjährigen Trend geht der Einsatz kritischer Wirkstoffe jedoch zurück. Bei Hunden und Pferden blieben die Werte stabil bis leicht rückläufig. Bei Katzen nahm die Wirkstoffmenge zu, während weniger kritische Wirkstoffe eingesetzt wurden.
Die Ergebnisse zeigen Fortschritte beim sachgemässen Einsatz von Antibiotika. Weitere Verbesserungen sind vor allem bei Milchvieh und in der Kälbermast erforderlich. Bei Schweinen und Geflügel gilt es, das erreichte Niveau zu halten, da der Einsatz von Antibiotika grundsätzlich die Entstehung von Resistenzen begünstigt.
Wild- und Honigbienen stecken sich leichter gegenseitig an
Pestizide, Krankheiten, Lebensraumverlust und letztendlich der Klimawandel setzen Bienen auf der ganzen Welt zu. Dabei sind Wildbienenarten stärker gefährdet als Honigbienen.
Eine unterschiedliche Spezialisierung auf Pflanzen sorgt in der Regel auf natürliche Weise dafür, dass sich die verschiedenen Bienenarten nicht gegenseitig mit gefährlichen Erregern anstecken. Das ändert sich jedoch nach und nach angesichts steigender Temperaturen und daraus resultierenden Gletscherschmelzen. Das hat zur Folge, dass sich ganz neue Pflanzenwelten bilden und alte „Regeln“ außer Kraft gesetzt werden.
In welchem Ausmaß sich Wild- und Honigbienen nun bei gemeinsam genutzten Nahrungsquellen mit Krankheitserregern anstecken, haben Forschende der Universitäten Lausanne und Mailand sowie der italienischen Forschungseinrichtung Crea am Mont-Miné-Gletscher im Val d’Hérens VS in der Nähe von Evolène analysiert. Dabei lag der Fokus der Wissenschaftler:innen auf drei Viren und zwei Parasiten.
Die in der neuen Pflanzenwelt gemeinsam von den Bienen genutzten Blüten fungieren als Infektionsherde. Eine kranke Biene kann dort infektiöse Partikel hinterlassen, die von der nächsten Blütenbesucherin aufgenommen werden. In ihrer Studie konnten die Forschenden belegen, dass in den erst kürzlich eisfrei gewordenen Zonen alle fünf untersuchten Erreger bei Honigbienen identifiziert werden konnten, während bei Wildbienen nur zwei Pathogene auftraten. In älteren eisfreien Zonen jedoch stieg die Präsenz des Flügeldeformationsvirus – ein typischer Erreger der Honigbiene – bei den Wildbienen deutlich an. Den Grund dafür sehen die Wissenschaftler:innen in der bereits stark gewandelten Vegetation.
Die Studie hat deutlich gemacht, dass die Gletscherschmelze neben dem Verlust von Eis und Wasserressourcen auch das gesamte nachfolgende Ökosystem und das komplexe Zusammenspiel der Organismen verändern kann. „Das Verständnis dieser Prozesse ist entscheidend, um wirksame Strategien für den Schutz der Bestäuber und der von ihnen erbrachten Ökosystemleistungen zu entwickeln“, erklärt Mitautor Gianalberto Losapio von der Universität Mailand.
Auch die Universität Ulm beschäftigt sich mit der Gesundheit von Wildbienen. Dafür haben Forschende bereits vor 5 Jahren im Rahmen eines Verbundprojekts die App „Wildbienen Id BienABest“ entwickelt. Seit kurzem existiert ebenfalls eine Web-basierte Version. Das Tool kann inzwischen 300 Wildbienenarten in Deutschland bestimmen. Die App ist so konzipiert, dass sie interessierte Laien für die Vielfalt der in Deutschland vorkommenden Wildbienen begeistert, aber auch für Wildbienen-Expert:innen eine wertvolle Bestimmungshilfe ist. Die Smartphone-App, wie auch die neue PC-Version, zeichnet sich durch eine einfache Handhabung und den verständlichen Aufbau aus.
Voraussichtlich zum Ende des Jahres können sich Tierärzt:innen auf Myvetlearn.de wieder zum Thema Bienenerkrankungen fortbilden.
Krise von nationaler Tragweite in Land- und Forstwirtschaft
In Deutschland ist im Jahr 2026 mit deutlichen Ernteverlusten zu rechnen. Nach dem aktuellen Erntebericht des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) wird beim Getreide ein Minus von rund 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr erwartet.
Für die Tierhaltung ergibt sich aus der anhaltenden Trockenheit und der hohen Temperaturen in diesem Frühjahr und Sommer eine angespannte Futtersituation. Auf vielen Grünlandflächen im Süden und Südwesten wuchs nach dem ersten Schnitt kaum noch Gras nach. Zahlreiche Betriebe mussten deshalb bereits im Sommer auf eigentlich für Herbst und Winter vorgesehene Futterreserven zurückgreifen. Gleichzeitig treffen die Ernteausfälle auf hohe Kosten für Diesel und Dünger sowie wirtschaftlichen Druck insbesondere in der Schweinehaltung. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer spricht deshalb von einer „Krise von nationaler Tragweite“.
Um die Betriebe zu stabilisieren, plant der Bund mehrere Unterstützungsmaßnahmen. Das bestehende Liquiditätsprogramm der Landwirtschaftlichen Rentenbank soll um 300 Millionen auf insgesamt 500 Millionen Euro Darlehensvolumen aufgestockt und durch ein weiteres Programm mit günstigeren Zinsen und längeren Laufzeiten ergänzt werden. Zudem sollen 60 Millionen Euro EU-Düngemittelhilfen als Hektarprämien an besonders belastete Betriebe fließen. Für 2027 ist außerdem eine einmalige Erhöhung der Direktzahlungen vorgesehen.
Forschungsprojekt untersucht mikrobielle Vielfalt im Tränkesystem
Die ersten Wochen sind in der Ferkelzucht eine große Herausforderung. Gerade kurz nach der Umstellung auf feste Nahrung leiden die Ferkel häufig unter parasitären und bakteriellen Durchfallerkrankungen. In der Anpassungsphase des Magen-Darm-Systems sind daher eine bedarfsgerechte Fütterung sowie eine hohe Qualität des Tränkewassers elementar.
Im einem Forschungsprojekt untersucht ein Team des Diagnostik- und Forschungsinstituts für Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin der Med Uni Graz, der HBLFA Raumberg-Gumpenstein und der Veterinärmedizinischen Universität Wien mit klassischen mikrobiologischen Methoden sowie modernen metagenomischen Verfahren, welche Rolle die natürliche mikrobielle Vielfalt im Tränkesystem spielt. Das Projekt „MikroWaSta“ soll Wissenslücken schließen, die die Rolle von Biofilmen in landwirtschaftlichen Tränkesystemen und deren Einfluss auf die Verbreitung gesundheitsrelevanter Mikroorganismen angehen.
Die Untersuchungen sollen zudem die Entwicklung von Mikroorganismen in Wasserleitungen aufzeigen und neue Erkenntnisse für gezielte Hygienemaßnahmen und eine nachhaltige Reduktion des Antibiotikaeinsatzes bringen. „Wir wollen besser verstehen, welche mikrobiellen Prozesse in Tränkesystemen ablaufen und ob bestimmte Strukturen wie Biofilme eine Rolle bei der Verbreitung von Durchfallerregern spielen können. Nur wenn wir diese Zusammenhänge kennen, lassen sich gezielte Hygienemaßnahmen entwickeln“, erklärt Doris Haas vom Diagnostik- und Forschungsinstitut für Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin der Med Uni Graz.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Frage, ob sich bestimmte Bakterienstämme in unterschiedlichen Proben wiederfinden. Dadurch können mögliche Zusammenhänge zwischen Wasserleitungen, Tierumgebung und Tiergesundheit besser verstanden werden. Die Ergebnisse des Projekts sollen zeigen, welche Bedeutung Biofilme als mögliche Reservoirs für Mikroorganismen in landwirtschaftlichen Wassersystemen haben und wie sich mikrobielle Gemeinschaften über die Zeit verändern. Daraus können langfristig neue, zielgerichtete Hygienekonzepte und Managementmaßnahmen entstehen.
EU verhängt Importstopp für tierische Produkte aus Brasilien
Die EU setzt ab heute (3.9.2026) die Einfuhr von Fleisch und anderer tierischer Produkte aus Brasilien aus. Der Grund: Brasilien kann nicht nachweisen, auf den Einsatz sogenannter Wachstumsförderer wie Reserveantibiotika bei Export-Rindern während der Mastperiode von etwa 24 Monaten zu verzichten. Dafür hatte das Land drei Jahre Zeit. Desweiteren wurde ein Importverbot für Honig und Geflügelfleisch aus Brasilien verhängt. Wie lange der Importstopp gilt, ist unklar und aktuell nicht absehbar.
In der EU ist der Einsatz von Antibiotika bei der Vieh- und Geflügelzucht zur Wachstumsförderung und zur reinen Ertragssteigerung bereits seit vielen Jahren verboten; ebenso der Einsatz von antimikrobiell wirksamen Arzneimitteln, die der Behandlung von Menschen vorbehalten sind.
Sachsen meldet ersten Nachweis des Shamonda-Virus
Nach Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland ist das neue Shamonda-Virus nun auch in Sachsen nachgewiesen worden. Betroffen ist ein Rind aus einem Bestand im Vogtland. Ein weiterer Verdacht besteht bei einem Rinderbestand im Erzgebirge, hier steht die Bestätigung durch das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) noch aus.
Das Virus aus der Gattung der Orthobunyaviren, von dem inzwischen zwei Varianten (SHAV-EU1 und SHAV-EU2) in Deutschland nachgewiesen wurden, verursacht bei infizierten Milchkühen Symptome wie Fieber und einen deutlichen Milchrückgang. Aber auch Durchfall und respiratorische Probleme wurden bereits beobachtet. Expert:innen befürchten, dass das Shamonda-Virus, ähnlich wie das Schmallenberg-Virus, ebenfalls zu Missbildungen und Fehlgeburten bei einer Infektion trächtiger Tiere führen könnte. Bislang lassen sich die Symptome tierärztlich gut behandeln und die Tiere genesen nach zwei bis drei Wochen.
„Unsere Veterinärbehörden stehen mit denen von Bund und Ländern in engem Kontakt und analysieren die Lage. Wichtig sind die regelmäßige Kontrolle der Rinderbestände und ein möglichst effektiver Mückenschutz in den Ställen. Wir haben die Tierhalter in Sachsen schon informiert und halten sie weiter auf dem Laufenden“, erklärt Sachsens Sozialministerin Petra Köpping. Ihr Ministerium veranstaltet am 10. September 2026 um 14 Uhr ein Informations-Webinar für Rinderhalter:innen und praktische Tierärzt:innen. Zudem weist das Ministerium ausdrücklich darauf hin, dass Tierhalter:innen ihre Bestände aufmerksam beobachtet sollten.
ArtificialVet unterstützt Amtstierärzt:innen bei der Fleischuntersuchung
Seit Ende 2025 läuft am Standort Oer-Erkenschwick des Unternehmens Westfleisch das von Künstlicher Intelligenz (KI) unterstützte Projekt ArtificialVet. Das innovative System soll Tierärzt:innen durch digitale Vorbefunde bei der amtlichen Fleischuntersuchung unterstützen.
Im Zentrum des Pilotprojektes stehen sechs Hochleistungskameras, die den geschlossenen Schweineschlachtkörper erfassen. Eine KI analysiert auf Basis von tausenden Beispielbildern die Aufnahmen und erkennt unter anderem Veränderungen an Ohren und Schwanz sowie Umfangsvermehrungen. Abschließende Befundentscheidungen ergehen jedoch immer durch die amtlichen Tierärzt:innen.
„Unser Ziel ist es, mit dem Einsatz von KI, einen zusätzlichen Baustein für die amtliche Fleischuntersuchung zu entwickeln. Die enge Zusammenarbeit mit Behörden und Wissenschaft ist dafür eine wesentliche Voraussetzung“, sagt Dr. Anne Hiller, Leiterin Konzernqualitätsmanagement bei Westfleisch.
Das bundesweit einmalige Projekt ist eine gemeinsame Entwicklung von Westfleisch, der CIMT AG, einem international tätigen IT Consulting-Spezialisten für digitale Transformationsprojekte mit Hauptsitz in Hamburg, und dem Veterinäramt des Kreises Recklinghausen.
Mit dem Pilotbetrieb in Oer-Erkenschwick sammelt Westfleisch gemeinsam mit Wirtschaft, Behörden und Wissenschaft wichtige Erkenntnisse für die Bewertung der Chancen und Grenzen KI-gestützter Verfahren in der Fleischuntersuchung für die gesamte Branche. Diese Erfahrungen sollen die weitere Entwicklung und Einordnung der Technologie unterstützen.
Tropilaelaps-Milbe erfordert neue Strategie bei Monitoring und Bekämpfung
Die ursprünglich aus Asien stammende Tropilaelaps-Milbe (Tropilaelaps mercedesae) breitet sich im Südosten und Osten Europas weiter aus und könnte schon in wenigen Jahren auch in Deutschland heimisch werden. Nach Expert:innenmeinung hat sich der Parasit in den vergangenen Jahrzehnten an das europäische Klima angepasst und stellt für die Populationen der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) eine massive Bedrohung dar.
Da die Tropilaelaps-Milbe sich jedoch grundlegend von der bekannten Varroamilbe unterscheidet, müssen Strategien für Monitoring, Diagnostik und Bekämpfung zeitnah angepasst werden. Das ist das Ergebnis einer Übersichtsarbeit unter der Leitung der Universität Hohenheim. In der Studie beschreiben die Wissenschaftler:innen, wie groß das Risiko für die Bienen in Europa tatsächlich ist und welche Konsequenzen sich daraus ergeben.
„Befallene Völker entwickeln sich deutlich schwächer, produzieren weniger Honig und weisen eine erhöhte Sterblichkeit sowohl bei der Brut als auch bei erwachsenen Tieren auf“, erklärt Dr. Kirsten Traynor, Leiterin der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim sowie der Studie. Das Tückische an der Tropilaelaps-Milbe ist, dass diese bereits während der Larven- und Puppenentwicklung erhebliche Schäden verursacht, die sich unter anderem durch Missbildungen an Antennen, Flügeln und Beinen zeigen. „Weil die Milbe auf erwachsenen Bienen kaum auffällt, bleibt sie oft lange unentdeckt“, so Traynor weiter.Aus diesem Grund, und auch wegen der möglichen Übertragung von verschiedenen Krankheitserregern durch Tropilaelaps, sei eine frühzeitige Erkennung entscheidend. Das erfodere eine Anpassung des Völkermanagements, insbesondere durch regelmäßige vollständige Brutpausen im Abstand von zwei bis drei Monaten.
„Tropilaelaps kann nicht als ‚weitere Varroa‘ betrachtet werden“, warnt die Bienenkundlerin. „Ihre Biologie unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von der der Varroamilbe. Umso wichtiger ist es, Überwachungs- und Bekämpfungsstrategien frühzeitig weiterzuentwickeln und Maßnahmen international abzustimmen, bevor sich die Milbe in weiteren Regionen etablieren kann“, sagt die Hohenheimer Wissenschaftlerin abschließend.
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Shamonda-Virus für neurologische Störungen bei Pferden verantwortlich?
Das Institut für Virologie und Immunologie (IVI) der Schweiz hat am 31. Juli 2026 erstmals das europäische Shamonda-Virus (SHAV) in Proben von Rindern nachgewiesen. Die Tiere hatten zuvor Fieber, Durchfall und Milchrückgang gezeigt. Seitdem wurde das Virus auch in abortierten Rinderfoeten und im Hirnmaterial von Pferden mit zentralnervösen Störungen nachgewiesen. Anschließend konnten auch Antikörper, welche im Schmallenberg-Antikörper-Test kreuzreagieren, in mehreren Pferden und zwei Alpakas nachgewiesen werden.
Der Nachweis der Antikörper weist auf eine vorausgegangene Exposition gegenüber dem Virus hin, erlaubt jedoch keinen Rückschluss auf einen kausalen Zusammenhang zwischen einer möglichen Shamondavirus-Infektion und den beobachteten neurologischen Symptomen.
Aus der Literatur geht hervor, dass Orthobunyaviren der Simbu-Serogruppe, zu der das Shamondavirus ebenso wie das Schmallenberg-Virus gehören, zwar vor allem Wiederkäuer, aber selten auch Pferde infizieren können. Der Virusnachweis wurde aber in Europa bei Pferden noch nie erbracht.
Seit einigen Wochen werden in der Schweiz vermehrt Fälle von ungeklärten zentralnervösen Erkrankungen bei Pferden in verschiedenen Regionen der Schweiz gemeldet; ein Zusammenhang zwischen diesen Erkrankungen und dem Orthobunyavirus gilt als sehr wahrscheinlich.
Virus auch bei erkranktem Pferd in Baden-Württemberg nachgewiesen
Auch in Deutschland werden unterdessen auffällige Fälle bei Pferden untersucht. Dr. med. vet. Bianca C. Schwarz, DipECEIM, European Veterinary Specialist in Equine Internal Medicine, berichtet gegenüber dem Bayerischen Wochenblatt von Beobachtungen im Saarland und in der Rheinebene.
Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hat inzwischen eine Infektion bei einem Pferd mit zentralnervösen Störungen aus Rheinland-Pfalz sowie einem Alpaka aus Hessen bestätigt. In Proben von Schafen und Ziegen aus Baden-Württemberg, die dem FLI freundlicherweise zu Monitoringzwecken zur Verfügung gestellt wurden, ist ebenfalls SHAV nachgewiesen worden. Die Ausbreitung bei empfänglichen Tieren in Deutschland hält an, wobei eine exakte und einheitliche Erfassung der Fälle in Deutschland aufgrund fehlender Meldepflichten bisher nicht erfolgt. Daher kann das FLI nicht wie sonst bei meldepflichtigen Tierseuchen üblich Verbreitungskarten auf Basis der von den Landesveterinärbehörden ins Tierseuchennachrichtensystem eingetragenen bestätigten Fälle erstellen.
Betroffene Pferde sind häufig teilnahmslos und matt. Im weiteren Verlauf können Schläfrigkeit und Koordinationsprobleme auftreten, die mit einem unsicheren oder schwankenden Gang einhergehen. Auch Muskelzuckungen und eine ungewöhnlich starke Reaktion auf Berührungen oder andere Reize können auftreten. Eine schiefe Kopfhaltung, unwillkürliche Augenbewegungen oder Schielen können ebenfalls auf Gleichgewichtsstörungen hinweisen.
Die Prognose ist sehr unterschiedlich. Es scheint leichte Fälle zu geben, so dass sich die Pferde wieder erholen, aber auch so schwere, dass die Pferde von ihrem Leiden erlöst werden müssen. Grundsätzlich ist aktuell nur eine symptomatische Behandlung möglich.
Der Virusnachweis gelang bislang nur im Hirnmaterial, während Blut und Liquor negativ blieben, wodurch es aktuell keine Möglichkeit der Diagnostik für lebende Pferde gibt. Es werde aber mit Hochdruck daran gearbeitet, heißt es aus dem IVI.
Es wird vermutet, dass das Virus durch Stechmücken (Gnitzen) übertragen wird, weshalb einem konsequenten Insektenschutz eine große Bedeutung zukommt.
Riesige Anlage für Bio-Sauen in Brandenburg geplant
Immer mehr Schweine haltende Betriebe in Deutschland sind gezwungen, aufzugeben bzw. ihre Tierbestände zu verringern. Steigende Kosten, strenge Auflagen und sinkende Erlöse führen dazu, dass die Betriebe nicht mehr rentabel sind. Mitten in der Krise der Schweinehaltenden soll nun in Brandenburg eine der größten Bio-Sauenanlagen Deutschlands entstehen.
In Wulfersdorf bei Wittstock plant die Ponnath Family Group eine Riesenanlage für mehr als 500 Bio-Sauen. Langfristig sollen hier bis zu 14.000 Mastschweine pro Jahr erzeugt werden. Der Neubau umfasst insgesamt rund 55.000 m² Gesamtfläche, davon entfallen etwa 24.000 m² auf Gebäude, bauliche Anlagen und Verkehrsflächen. Dafür investiert das Unternehmen, das die aus seiner Sicht nicht gedeckte Nachfrage nach Bio-Schweinefleisch bedienen möchte, mehrere Millionen Euro. Bezuschusst wird das Projekt mit 1,8 Mio. Euro von der EU und 1,2 Mio. Euro vom Land Brandenburg.
Die Ponnath Family Group plant, die gesamte Wertschöpfungskette zu kontrollieren. So sollen Mengen und Preise besser planbar werden und dem Lebensmitteleinzelhandel eine verlässliche Versorgung geboten werden. Nach Unternehmensinformationen soll beim Tierwohl über die Mindestanforderungen und nach eigenen Angaben auch über bestehende Naturland-Vorgaben hinausgegangen werden. So seien unter anderem mehr Bewegungsfläche, insbesondere im Abferkelbereich, durchgängige Stroheinstreu und ständiger Auslauf ins Freie vorgesehen, heißt es weiter.
BfR: Antibiotikaverbrauchsmengen in 2025 leicht rückläufig – Resistenzentwicklung unerfreulich
Die Antibiotikaverbrauchsmengen bei Rindern, Schweinen, Hühnern und Puten sind für das Jahr 2025 um 3% gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Insgesamt wurde im Jahr 2025 in allen Nutzungsarten ein Antibiotikaverbrauch von etwa 494 Tonnen erfasst. Das geht aus dem Jahresbericht des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) hervor.
Die bei Rindern, Schweinen, Hühnern und Puten erfassten Verbrauchsmengen von für die Humanmedizin besonders wichtigen Wirkstoffen konnte seit Bestehen des Antibiotika-Minimierungskonzeptes deutlich von über 66 Tonnen im Jahr 2014 nur bei Masttieren auf 29 Tonnen im Jahr 2025 bei allen Nutztieren reduziert werden. Der Rückgang ist hauptsächlich auf die Reduktion des Antibiotikums Colistin zurückzuführen.
Auch die Therapiehäufigkeiten war bei zugekauften Kälbern, Milchkühen sowie Lege- und Junghennen rückläufig; besonders stark bei Legehennen (−55 %) und Milchkühen (−7 %). Bei Mastferkeln und ‑schweinen, Masthühnern sowie Mastputen stieg die Therapiehäufigkeiten dagegen zumeist an.
„Seit der Einführung des Antibiotika-Minimierungskonzepts ist der Einsatz von für die Humanmedizin wichtigen Wirkstoffen deutlich reduziert worden”, sagt BfR-Präsident Professor Andreas Hensel. „Zudem sind in vielen neu in das System aufgenommenen Nutzungsarten bereits leichte Rückgänge des Antibiotika-Einsatzes zu verzeichnen. Bei den Masttieren sollte allerdings eine weitere Reduktion angestrebt werden.“
Dagegen ist die Resistenzentwicklung bei E. coli von Mastschweinen sowie Mastkälbern und Jungrindern weniger positiv als noch vor zwei Jahren. Kurzfristig, im Vergleich von 2025 zu 2023, stiegen die Resistenzraten bei E. coli von Mastschweinen bei der Schlachtung gegenüber den Wirkstoffen Sulfamethoxazol und Trimethoprim signifikant an. Die langfristigen Trends für den Zeitraum von 2015 bis 2025 zeigen bei Mastschweinen lediglich gegenüber einer einzigen Substanz eine statistisch signifikante Abnahme der Resistenz, nämlich gegenüber Tetracyclin. Gleichzeitig gab es eine statistisch signifikante Zunahme der Resistenz gegenüber dem Makrolid Azithromycin.
Auch bei Mastkälbern und Jungrindern wurde eine kurzfristige signifikante Zunahme der Resistenzraten gegenüber den Wirkstoffen Sulfamethoxazol und Trimethoprim festgestellt. Langfristig stehen zwei statistisch signifikanten Rückgängen von Resistenzraten (gegen Nalidixinsäure und Azithromycin) sogar drei Zunahmen gegenüber (gegen Ampicillin, Chloramphenicol und Tetracyclin). Angesichts des ansteigenden Antibiotika-Einsatzes bei Masthühnern und ‑puten ist auch in diesen Nutzungsarten mit weiteren Zunahmen der Resistenzen von E. coli zu rechnen.
Weitere Informationen zum Thema Antibiotikaeinsatz bei Lebensmittel liefernden Tieren finden sich auf der BfR-Website. Online-Fortbildungen zur Antibiotikaminimierung im Stall finden Landwirt:innen und Tierärzt:innen auf VetMAB.de
Brasilien droht Importstopp von Rindern in die EU
Ab dem 3. September 2026 wird voraussichtlich kein Rindfleisch mehr aus Brasilien in die Länder der Europäischen Union importiert werden. Sollte das südamerikanische Land nicht doch noch fristgerecht bis Ende August 2026 nachweisen, dass auf Reserveantibiotika und Wachsturmshormone in der Zucht verzichtet wurde, wird die EU Ernst machen und Rindfleischimporte aus Brasilien stoppen. Noch seien keine ausreichenden Nachweise eingegangen, so eine Sprecherin der EU-Kommission. Es sei kaum damit zu rechnen, dass die Deadline gehalten werde.
Laut einer EU-Regelung muss Brasilien nachweisen, dass die Rinder über den gesamten Lebenszyklus nicht mit in der EU verbotenen Wirkstoffen oder nach EU-Recht als Reserveantibiotika deklarierten Wirkstoffen behandelt worden sind. Bei mehreren Audits des brasilianischen Kontrollsystems hatte die EU-Kommission zuvor Mängel festgestellt. Nach Informationen der EU ist für Ende August noch ein entsprechendes Audit eines Teams aus Kommissionsexperten der Generaldirektion für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (DG SANTE) geplant.
Kandidatengene für Zitzenzahl bei Sauen identifiziert
Für Schweinehalter:innen sind Reproduktionsmerkmale wichtige Faktoren. Dazu gehört unter anderen auch die Zitzenzahl einer Sau. Denn eine hohe Zahl Zitzen verspricht eine höhere Milchleistung sowie eine hohe Anzahl Ferkel, die gleichzeitig versorgt werden kann. Weiterhin lässt die Zitzenzahl Rückschlüsse auf die Körpergröße zu.
Wissenschaftler:innen der chinesischen Jilin-Universität haben in einer sogenannten genomweiten Assoziationsstudie (GWAS) die genetischen Varianten im Zusammehang mit der Zitzenzahl bei 300 Jishen-Schwarz-Sauen untersucht. Neben der Gesamtzahl der Zitzen analysierten die Forschenden auch die Anzahl auf der linken und rechten Körperseite.
Die Wissenschaftler:innen identifizierten elf genetische Marker (sogenannte SNPs), die mit der Zitzenzahl in Zusammenhang standen. Solche Marker definieren Stellen im Erbgut, an denen sich Tiere derselben Art durch einen einzelnen DNA-Baustein unterscheiden. Zudem grenzten sie fünf Gene als mögliche Kandidatengene ein. Eine Variante eines solchen Gens war dabei sowohl mit der Gesamtzahl der Zitzen als auch mit der Zitzenzahl auf der linken Körperseite verbunden. Die Studie liefert damit einen möglichen Ansatzpunkt für die Zucht auf reproduktionsrelevante Merkmale. Die Autoren erklären, dass weitere Untersuchungen mit größeren Populationen und über mehrere Rassen hinweg nötig seien, um die gefundenen Zusammenhänge zu bestätigen.
Tierschutzbeirat Niedersachsen feiert 35-jähriges Jubiläum
Seit 35 Jahren steht der Tierschutzbeirat des Landes Niedersachsen der Landesregierung beratend zur Seite. Während seiner langjährigen Tätigkeit hat der Beirat den Tierschutz in dem Bundesland maßgeblich verbessert, unter anderem bei der Haltung landwirtschaftlicher Nutztiere oder bei grundsätzlichen Fragen im Tierschutzrecht. Viele Empfehlungen und Positionen des Gremiums sind dabei über die Jahre zu wichtigen Impulsen für die tierschutzpolitische Arbeit in Niedersachsen geworden.
„35 Jahre Tierschutzbeirat stehen für 35 Jahre fachliche Kompetenz, ehrenamtliches Engagement und den gemeinsamen Einsatz für das Wohl der Tiere. Der Beirat ist ein wichtiges Bindeglied zwischen Praxis, unterschiedlichsten Verbänden, Wissenschaft und Politik. Heute sind Dialogformate ein beliebtes Instrument der niedersächsischen Landesregierung, aber vor 35 Jahren war es etwas Besonderes, ein solches Gremium einzurichten. Seine Arbeit zeigt: Guter Tierschutz braucht den Dialog, aber auch den Mut, Veränderungen anzustoßen. Dafür danke ich allen Mitgliedern, die sich über viele Jahre mit großer Sachkenntnis und Leidenschaft eingebracht haben“, betonte Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten.
„Jahrzehnte-andauernden Tätigkeit des Tierschutzbeirats werden gleichzeitig auch konstruktive Auseinandersetzungen darüber geführt, wie wir das Leben von Tieren besser schützen und verbessern können. Besonders wertvoll ist, dass im Beirat unterschiedliche Sichtweisen zusammenkommen. Tierschutz lebt vom fachlichen Austausch und davon, dass auch schwierige Fragen offen diskutiert werden“, erklärt die Landestierschutzbeauftragte Dr. Julia Pfeiffer-Schlichting.
Am 3. und 4. September 2026 findet die traditionelle Hybrid-Tagung Aktuelle Probleme des Tierschutzes statt. Eine Anmeldung für das zweitägige Online-Seminar auf Myvetlearn.de ist auch jetzt noch möglich.
Neuer Sammelband zum Kamel im Zusammenhang mit One-Health
Angesichts von zunehmenden Dürrezeiten gewinnen Kamele immer mehr an Bedeutung. Anders als Nutztiere wie Schafe und Rinder können Kamele wochenlang ohne Wasser auskommen und fressen auch verdorrte Pflanzen. Aber auch in Hinblick auf den One-Health-Ansatz können die robusten und anpassungsfähigen Tiere Gesundheit, Ernährung und Klima verbinden. Das wird in einem neuen Sammelband verdeutlicht. Dieser Band thematisiert neben Zoonosen-Prävention und Tiergesundheit auch die nachhaltige Milch- und Fleischproduktion, Naturschutz und biomedizinische Anwendungen.
Gemeinsam mit einem internationalen Forschungsteam zeigt Mitherausgeberin Pamela Burger vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI), wie Kamele in Trockengebieten Leben sichern können und wie die Bedeutung der Tiere im Zusammenhang mit One-Health stetig wächst. Die Wissenschaftler:innen legen dar, wie sehr Kamele zur Gesundheit von Gemeinschaften, zur Nachhaltigkeit von Lebensmittelsystemen und zur Resilienz gegenüber dem Klimawandel beitragen.
Als Open-Access-Publikation macht der Band aktuelle Erkenntnisse zu Kamelgesundheit, Produktivität und ökologischem Einfluss breit zugänglich – und zeigt, warum Kamele für nachhaltige Entwicklung und die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt zentral sind.
Eine neue dreiteilige Online-Seminar-Reihe auf Myvetlearn.de befasst sich mit Neuweltkamelen im Notdienst. Tierärzt:innen können sich ab dem 15. Oktober 2026 zu dem Thema online fortbilden.
Steigende Anzahl an Hühnern hat Auswirkungen auf Campylobacter-Stämme
Die Entwicklung von Campylobacter jejuni wird offenbar eng von der zunehmenden weltweiten Hühnerhaltung beeinflusst. Forschende der Universitäten Oxford und Sheffield analysierten knapp 2.800 Campylobacter-Genome aus Proben von Hühnern und Wildvögeln, die zwischen 1979 bis 2024 in unterschiedlichen Ländern genommen wurden.
Die Ergebnisse zeigen, dass der Erreger heute wesentlich häufiger zwischen Hühnern und Wildvögeln wechselt als in der Vergangenheit. Gleichzeitig haben sich bestimmte Linien dauerhaft an Hühner angepasst. Die stark gewachsene Hühnerpopulation könnte dabei die Etablierung entsprechender Stämme begünstigt haben. Je mehr mögliche Wirte vorhanden sind, desto größer ist die Chance, dass ein ursprünglich bei Wildvögeln vorkommender Stamm auf Hühner überspringt und sich dort dauerhaft hält. Umgekehrt können auch an Hühner angepasste Stämme wieder Wildvögel erreichen.
Für die Geflügelwirtschaft bleibt die konsequente Kontrolle entlang der gesamten Produktionskette entscheidend. Im Mastbetrieb stehen Biosicherheitsmaßnahmen im Vordergrund, um einen Eintrag möglichst zu verhindern oder hinauszuzögern. Dazu gehören Hygieneschleusen, betriebseigene Kleidung und Schuhe, gereinigte Geräte sowie die Bekämpfung von Fliegen und Schadnagern. Am Schlachthof soll die Prozesshygiene die Keimbelastung reduzieren. Seit Januar 2025 dürfen nach dem EU-Prozesshygienekriterium höchstens 10 von 50 untersuchten Halshautproben den Wert von 1.000 KBE/g überschreiten. Für lebende Masthähnchen besteht dagegen kein gesetzlicher Grenzwert.
Parallel wird an neuen Möglichkeiten zur Reduktion der Campylobacter-Besiedlung geforscht. Dazu zählen Bakteriophagen, die gezielt Campylobacter-Stämme angreifen können, sowie Impfstoffe. Für Campylobacter sind entsprechende Präparate in der EU bislang jedoch nicht zugelassen. Dass Phagen grundsätzlich für die Geflügelhaltung nutzbar gemacht werden können, zeigt die seit 2025 bestehende EU-Zulassung eines Phagen-Futtermittelzusatzstoffes gegen Salmonella Enteritidis. Auch experimentelle Impfstoffe gegen C. jejuni liefern erste Ansätze. Bis zu einem praxistauglichen Impfstoff für Hühner besteht jedoch noch weiterer Forschungsbedarf.
Neue Technik könnte Ackerbau auf Sand möglich machen
Bestimmte Bakterien und Pilze könnten helfen, dass auch Regionen mit sehr sandigen Böden für den Anbau von landwirtschaftlichen Kulturpflanzen genutzt werden können. Forschende der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) und der Universität Abu Dhabi haben in einer aktuellen Studie aus sogenannten Biopolymeren mikrobielle Netzwerke, eine Art natürlichen Verbundwerkstoff, hergestellt, die Wüstensand stabilisieren und diesen widerstandsfähiger gegen Erosion machen. Zudem lassen die den Sand durchziehenden Biopolymer-Fasern Wasser bis zu sechsmal langsamer durchsickern als normaler Sand, so die Wissenschaftler:innen.
Dieser Schritt könnte das Wachstum von anderen Mikroorganismen und Pflanzen in solchen Böden ermöglichen, hoffen die Wissenschaftler:innen. Der Einsatz solcher Mikroorganismen sei keine Science-Fiction, so die Forschenden. Als nächstes müssten die Biopolymeren in kontrollierten Feldstudien oder in Gewächshäusern eingesetzt werden, um zu sehen, welchen Einfluss sie auf das Wachstum von Pflanzen haben und wie groß das Potenzial der Technologie für die Landwirtschaft ist.
Wurmbefall hat keinen Einfluss auf Impfschutz bei Hühnern
Ein Befall mit Spulwürmern kann das Immunsystem von Hühnern beeinflussen – doch beeinträchtigt er auch den Impfschutz? Eine bereits 2021 veröffentlichte Untersuchung des damaligen Leibniz-Instituts für Nutztierbiologie (FBN) und weiterer Forschungseinrichtungen liefert für die Infektiöse Bronchitis (IB) zunächst beruhigende Ergebnisse. Hennen der Linien Lohmann Brown Plus und Lohmann Dual waren nach einem üblichen Impfprogramm unter anderem gegen IB, Newcastle-Krankheit und aviäres Metapneumovirus immunisiert worden. Erst im Alter von 24 Wochen wurden sie experimentell mit Ascaridia galli und Heterakis gallinarum infiziert. In den folgenden 18 Wochen zeigte sich keine Abschwächung der Antikörperantwort gegen IB oder die anderen untersuchten Impfungen. Ein nach der Impfung auftretender Wurmbefall scheint demnach eine bereits aufgebaute humorale Immunantwort nicht wesentlich zu beeinträchtigen.
Offen bleibt jedoch, wie sich ein bereits bestehender Wurmbefall auf eine nachfolgende Impfung auswirkt. Dieser Frage geht derzeit auch die Freie Universität Berlin in einem Dissertationsprojekt unter Leitung von Prof. Isabelle Ruhnke nach.
Erneut massenhaftes Fischsterben in Polen wegen Goldalge
In Polen scheint es wieder zu einem massenhaften Fischsterben zu kommen. In den vergangenen Tagen wurden mehr als vier Tonnen toter Fische aus einem Nebengewässer der Oder geborgen. Betroffen sei bislang der Abschnitt Gleiwitzer Kanal, so ein Bericht des Senders Tok.fm. Als Ursache für das Massensterben wird von den Behörden die Blüte der giftigen Goldalge (Prymnesium parvum) angegeben. Als Kosequenz wurde der Betrieb von zwei Schleusen ausgesetzt, wodurch die Ausbreitung der Goldalge auf weitere Kanalabschnitte verhindert werden soll. Sollte dies nicht gelingen, erwägt die Wasserbehörde die kontrollierte Einleitung von Wasserstoffperoxid, das die Zellen der Goldalge zerstört.
Baden-Württemberg sagt Weidetierhaltenden finanzielle Unterstützung zu
Viele Wochen mit extrem hohen Temperaturen und wenig Niederschlägen haben in zahlreichen Region Deutschlands zu ausgetrockneten Weiden und Wiesen geführt. Teilweise mussten Reserven bereits jetzt an die Tiere verfüttert werden. In manchen Betrieben sind die Futterbestände so stark eingebrochen, dass Landwirt:innen erste Tiere notschlachten mussten.
Um die Tierhalter:innen finanziell zu unterstützen, stellt das Agrarministerium Baden-Württemberg bis zu fünf Millionen Euro zur Verfügung. Halter:innen von Rindern, Schafe und Ziegen haben so die Möglichkeit, auf einen finanziellen Teilausgleich von Schäden zu erhalten, die unmittelbar infolge der Hitze und Trockenheit an Futterflächen verursacht wurden.
„Im ganzen Land sind Wiesen und Weiden ausgetrocknet und auf den Grünlandflächen wächst kaum noch etwas nach. Silomais ist zum Teil großflächig vertrocknet oder gänzlich ausgefallen“, erklärt Agrarministerin Marion Gentges. „Sofern ergiebiger Regen ausbleibt und in den verbleibenden Vegetationsmonaten nichts nachwächst, stehen wir folglich erst am Anfang einer großen Herausforderung“, so Gentges weiter.
ASP in mehreren Hausschweinebeständen in Ungarn
Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist in Ungarn in mehreren Hausschweinebeständen im Süden des Landes nachgewiesen worden. Die Behörden haben umgehend Bekämpfungsmaßnahmen eingeleitet. Dazu gehört die Keulung der Tiere sowie die Sperrung der Betriebe und das Einrichten von Sperr- und Überwachungszonen.
Erstmals war die ASP im Juni 2026 in Ungarn bei Hausschweinen nachgewiesen worden. Nun meldete die Nationale Behörde für Lebensmittelsicherheit (Nébih) den Ausbruch der Tierseuche in drei weiteren Hausschweinebeständen im Komitat Baranya in unmittelbarer Nähe zur ungarisch-kroatischen Grenze. Demnach sind insgesamt rund 80 Schweine betroffen. Die Tiere zeigten klinische Symptome wie Fieber, Schwäche und Durchfall, zudem häuften sich die Verluste.
Die Behörden appellieren eindringlich an alle Schweinehalter in der Region, die Biosicherheitsmaßnahmen strikt einzuhalten, um eine weitere Ausbreitung des Seuchengeschehens zu verhindern.
Bei Myvetlearn.de finden Tierärzt:innen entsprechende Online-Fortbildungen zum Thema Biosicherheit und auch einen Grundkurs für Tierärzte zur Erlangung des besonderen Fachwissens gemäß § 7 (2) SchHaltHygV sowie viele weitere Online-Fortbildungen für Groß- und Kleintierpraktiker. Am 14.9.2026 wird ein kostenfreies Seminar zur neuen Tierseuchenmeldeverordnung angeboten.
Projekt macht Dimensionen von Animal Hoarding deutlich
Das Animal Hoarding hat in Deutschland problematische Ausmaße angenommen. Das machen die Ergebnisse eine aktuellen Forschungsprojekts deutlich. Gemeinsam mit dem Bundesverband der beamteten Tierärzte (BbT), der Forschungsgruppe Mensch-Tier-Beziehung der TU Dresden und dem Verein TierSucht hat der Deutsche Tierschutzbund dieses interdisziplinäre Projekt durchgeführt und damit erstmals verlässliche, bundesweite Zahlen veröffentlicht.
Gemäß aktueller Informationen der beteiligten Veterinärbehörden wurde im Jahr 2023 durchschnittlich ein Fall von Animal Hoarding pro Tag mit 47,5 Tieren pro Fall gemeldet. Dabei waren drei Viertel der Hoarder den Behörden bereits bekannt, davon über ein Viertel durch frühere Fälle von Tiersammelsucht.
„Das Forschungsprojekt macht die tatsächlichen Dimensionen von Animal Hoarding deutlich und zeigt, dass wir das Problem an der Wurzel angehen müssen. Auch, wenn die Beschlagnahmung der Tiere akutes Tierleid beendet, beginnt der Kreislauf immer wieder von vorn, wenn betroffene Menschen keine passende Unterstützung erhalten. Genau deshalb brauchen wir jetzt ein Umdenken in Politik und Praxis“, sagt Nina Brakebusch, Leiterin des Forschungsprojekts beim Deutschen Tierschutzbund.
Die Zahlen verdeutlichen, dass Animal Hoarding weiterhin ein gravierendes Tierschutzproblem bleibt, und dass von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist. So sollen im Rahmen des Forschungsprojekts auch die psychologischen und biografischen Ursachen untersucht werden. Ziel ist es, Präventionsmaßnahmen und Leitlinien für Veterinärbehörden, Sozialarbeit und weitere beteiligte Berufsgruppen zu entwickeln.
ASP erfordert dauerhaftes und pragmatisches Seuchenmanagement
Auch wenn sich das Seuchengeschehen bei der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland etwas beruhigt hat, bleibt die ASP eine langfristige Herausforderung. Das verdeutlichen neben mehr als 500 positiv getesteten Wildschweinen in diesem Jahr in Nordrhein-Westfalen auch neue Funde in Brandenburg. Ende Juli 2026 wurde die ASP bei einem tot aufgefundenen Wildschwein in der Uckermark bestätigt. Bei weiteren fünf Tieren besteht ebenfalls der Verdacht auf eine Infektion.
Aufgrund der aktuellen Funde hat die Kreisverwaltung Uckermark die Tierseuchenallgemeinverfügung geändert. Demnach gelten nun für weitere Teilgebiete der bisherigen Sperrzone II verschärfte Maßnahmen. So gilt für die landwirtschaftlichen Flächen innerhalb des Bereiches ein Bewirtschaftungsverbot und das Jagdverbot wird auf das neue Gesamtgebiet ausgedehnt. Hunde sind unbedingt an der Leine zu führen und die Tore des Schutzzauns zu schließen, teilt der Landkreis auf seiner Internetseite mit.
Weiterhin appellieren die Behörden an die landwirtschaftlichen Betriebe, Biosicherheitsmaßnahmen konsequent einzuhalten. Bis zu der möglichen Einführung eines Impfstoffs blieben Prävention und ein schnelles Eingreifen die wirksamsten Mittel. Wie der Umgang mit der Geflügelpest zeigt, wird auch bei der ASP ein dauerhaftes und pragmatisches Seuchenmanagement erforderlich sein.
Auf Myvetlearn.de können sich Tierärztinnen und Tierärztinnen in der neunteiligen E-Learningreihe „Biosicherheit in der tierärztlichen Bestandsbetreuung" online fortbilden. Kurs 4 befasst sich mit der Betreuung von Schweinebeständen.
20.000 Arztbehandlungen in Österreich wegen Lyme-Borreliose
Mit dem Klimawandel und den dami einhergehenden ganzjährig höheren Temperaturen nimmt auch die aktive Zeit der Zecken zu. Neben der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen die Spinnentiere u.a. auch die Borreliose (Lyme-Krankheit), die am häufigsten in Europa auftritt. Laut einer aktuellen Studie von Pfizer Austria müssen jedes Jahr allein in Österreich geschätzt 20.000 Menschen aufgrund einer Lyme-Borreliose medizinisch behandelt werden, rund 900 davon im Krankenhaus. Kinder und ältere Menschen waren am häufigsten betroffen.
„Da die Erkrankung keiner Meldepflicht unterliegt, fehlten bisher belastbare epidemiologische Daten. Unsere Studie schließt nun diese Wissenslücke“, sagt Martin Zurl von Pfizer Austria und Mitautor der Studie.
Auch in Deutschland erkrankten im Jahr 2024 mehrere Tausend Menschen an der Borreliose. Das statistische Bundesamt Destatis bezifferte die Zahl der Krankenhausbehandlungen mit rund 4.830, bei 15 von ihnen verlief die Erkrankung letal.
Im Unterschied zu der durch Viren verursachte FSME kann die Lyme-Borreliose verschiedene Organe befallen, allem voran die Haut. Ein typischer Hinweis auf eine Erkrankung ist ein ringförmiger, roter Hautausschlag, der nach 3–30 Tagen, meist an der Einstichstelle auftritt. Symptome wie Fieber, Müdigkeit sowie Kopf- und Gelenksschmerzen können zusätzlich auftreten. Unbehandelt kann sich die Infektion auf Gelenke, das Herz und das Nervensystem ausbreiten, wodurch es zu langanhaltenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen kann.
Borrelien können auch bei Tieren, vor allem beim Hund zu gesundheitlichen Problemen wie wechselnde Lahmheiten, Gelenksentzündungen und Fieber führen. Betroffene Hunde müssen unbedingt beim Tierarzt vorgestellt und antibiotisch versorgt werden. Um solchen vector borne disease vorzubeugen, sollten die Tiere das ganze Jahr hinweg durch ein geeignetes Präparat gegen Zecken geschützt werden.
FLI rechnet mit weiterer Ausbreitung des Shamonda-Virus
Anfang August 2026 ist in Deutschland erstmals das Orthobunyavirus nachgewiesen worden. Diese neu eingeschleppte europäische Variante des Shamonda-Virus wird durch blutsaugende Gnitzen übertragen und verursacht ähnliche Symptome wie das Schmallenberg-Virus, das hierzulande vor rund 15 Jahren erstmalig festgestellt wurde.
Nach Informationen des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) breitet sich das Shamonda-Virus weiter bei Rindern von Süddeutschland aus. Inzwischen gab es Nachweise in Rheinland-Pfalz und Hessen. Wie das FLI mitteilt, scheint es sich diesem Virus um das gleiche zu handeln, das kürzlich auch in der Schweiz und Frankreich aufgetreten ist.
Noch sei der Zeitpunkt der Einschleppung des Erregers nach Europa ungeklärt, so das Institut. Aktuell laufen die Untersuchungen dazu noch. Das FLI geht jedoch von einer weiteren Ausbreitung aus. So seien den Veterinärlaboren der Bundesländer bereits Testprotokolle für die Diagnostik zur Verfügung gestellt worden, um Erstuntersuchungen von Verdachtsfällen in den dafür zuständigen Landeslaboren zu beschleunigen.
Baden-Württemberg erhöht Zuschuss für Nestentfernungen der Asiatischen Hornisse
Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) breitet sich seit mehreren Jahren in Deutschland aus. Inzwischen hat sich die invasive Art in mehreren Bundesländer angesiedelt und gilt dort bereits als etablierte Art. Problematisch sind die Hornissen für Bienenvölker, da diese besonders im Spätsommer gezielt Honigbienen jagen und dadurch komplette Bienenvölker schwächen können.
Baden-Württemberg plant, stärker gegen die Ausbreitung vorzugehen und hat die Erhöhung der Förderung bei Nestentfernungen beschlossen. Damit möchte das Land auch im Herbst den Anreiz für die Nestentfernung hoch halten. Während der Zuschuss bis einschließlich August 60 Euro je entferntem Nest beträgt, wird die Pauschale ab September auf 200 Euro erhöht. So sollen auch die sogenannten Sekundärnester, die meist schwer zugänglich sind, entfernt werden.
„Die Asiatische Hornisse ist eine invasive Art, die für die Imkerei, den Obst- und Weinbau zunehmend zur Gefahr wird. Die weitere Verbreitung müssen wir deshalb so weit wie möglich eindämmen. Entscheidend dafür ist die konsequente und möglichst frühzeitige Entfernung ihrer Nester. Deshalb passen wir die Förderpauschale für die Nestentfernung an und weiten die Förderung jetzt auch auf die Sekundärnester aus“, erklärt Sarah Schweizer, Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat. Die Bezuschussung der Entnahme von Nestern richtet sich an qualifizierte und bei der Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim registrierte Nestentferner:innen oder Schädlingsbekämpfer:innen.
Strukturwandel in der Schweinehaltung setzt sich fort
Die Schweinehaltung in Deutschland befindet sich seit langem in einer Krise. Laut Angaben des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) ist ein kontinuierlicher Rückgang der Schweine haltenden Betriebe zu beobachten, der sich schon seit Jahrzehnten hinzieht. Demnach sank die Zahl der Betriebe in den vergangenen 15 Jahren um mehr als die Hälfte auf derzeit 14.700 Betriebe in Deutschland. Gleichzeitig ist die Bestandszahl pro Betrieb seit 2011 um knapp 70 Prozent gestiegen.
Vor 15 Jahren lag der Durchschnitt noch bei 844 Tieren, aktuell leben durchschnittlich rund 1.400 Tiere in einem Betrieb. Durch die Spezialisierung in der Schweinehaltung geht die Zahl der kleinen Betriebe zurück und Betriebe mit über 1.000 Schweinen werden zum Standard.
Niedersachsen ist das Land mit den meisten Schweinen (6,8 Mio. Tiere), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (5,9 Mio.) und Bayern (2,4 Mio.). Weiterführende Statistiken rund um die Schweinehaltung sind auf der Internetseite des BMLEH zu finden.
Erster Tollwutnachweis bei Fledermaus seit 2010
Erstmals seit 16 Jahren ist bei einer Fledermaus in Rheinland-Pfalz die Tollwut nachgewiesen worden. Wie das Landesuntersuchungsamt mitteilt, gibt es aber lediglich ein sehr geringes Infektionsrisiko, da in der Regel kein Kontakt zu den scheuen und nachtaktiven Fledermäusen besteht. Nur bei einem direkten Kontakt mit einem infizierten Tier, wie etwa durch Kratz- oder Bissverletzungen, sei eine Ansteckung möglich.
Wer Fledermäuse nicht anfasst und gebotenen Abstand hält, habe praktisch kein Ansteckungsrisiko, so das Landesuntersuchungsamt. Grundsätzlich sei der aktuelle Tollwut-Nachweis nicht außergewöhnlich, da eine Infektion immer wieder in Deutschland beobachtet werde.
So wird empfohlen, geschwächte, verletzte, scheinbar tote oder sich auffällig verhaltende Fledermäuse niemals ungeschützt angefasst und aufgenommen werden sollten. Da das Risko einer Einschleppung durch illegale Tiertransporte bestehe, sollten Halter:innen ihre Hunde und Katzen gegen Tollwut impfen lassen. Eine Infektion mit dem Virus endet immer letal.
Verbot von Lebendtiertransporten gefordert
Der Sommer hält ganz Deutschland mit Extremtemperaturen und einem dramatischen Mangel an Niederschlägen in Atem. Die wichtigsten Flüsse hierzulande weisen ein fast historisches Niedrigwasser auf, sodass der Transport zunehmende auf die Straße verlagert werden muss.
Der Deutsche Tierschutzbund macht in diesem Zusammenhang die drohenden Gefahren für Tiere auf Transporten deutlich und fordert Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer und Bundesverkehrsminister Steffen Bilger deshalb auf, während der Hitzeperiode umgehend ein bundesweites Verbot von Lebendtiertransporten zu verhängen.
„Tiertransporte sind insbesondere bei Hitze für Rinder, Schweine, Schafe und Geflügel purer Stress. Kommt durch die Verlagerung des Güterverkehrs von den Wasserwegen auf die Straße noch mehr Verkehr hinzu, drohen zunehmende Staus. Für die Tiere auf Transportern kann das zu einer Tortur werden, die mit dem Tod endet. An den Autobahnen gibt es keine ausreichende Versorgung, wenn beladene Tiertransporter stundenlang feststecken. Minister Rainer und Minister Bilger sind deshalb gefordert, sofort zu handeln und Lebendtiertransporte während der extremen Hitze zu untersagen“, erklärt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.
In dem Fall, dass Transporte nicht vermeidbar seien, müssten diese gut geplant und so kurz wie möglich gehalten werden, so der Tierschutzbund weiter. Neben einer Verlagerung der Fahrten auf Morgen- oder Abendstunden fordern die Tierschützer:innen eine Reduzierung der Ladedichte sowie den Einsatz von Fahrzeugen mit aktiver Kühlung. Zudem sei eine ausreichende Wasserversorgung der Tiere jederzeit sicherzustellen.
„Die aktuellen Regelungen sind unzureichend und können Tiere auf Transporten nicht sicher schützen. Hitzestress kann bei landwirtschaftlich genutzten Tieren bereits bei deutlich niedrigeren Temperaturen und auch auf kürzeren Strecken zum ernsten Problem werden – insbesondere, wenn die Fahrt durch einen Stau deutlich länger dauert als geplant. Direkte Sonneneinstrahlung und mangelnde Luftbewegung können die Belastung zusätzlich enorm verstärken“, kritisiert Schröder.
Der Tierschutzverein Vier Pfoten ermuntert zudem auch Passanten dazu, bei beobachteten Missständen auf Tiertransporten oder bei Pannenfahrzeugen sowie verlassenen Tiertransportern die Polizei oder ggf. auch die Autobahnpolizei zu benachrichtigen. Sie sind verpflichtet, dem nachzugehen. Außerdem sollten die beobachteten Missstände per Foto und Video dokumentiert und an das zuständige Veterinäramt weitergeleitet werden.
Französisches Gericht weist Beschwerde gegen LSD-Impfpflicht ab
Seit Ende Juni vergangenen Jahres sind mehrere Ausbrüche der Lumpy-Skin-Disease (LSD) in Frankreich aufgetreten. In den betroffenen Regionen Auvergne-Rhône-Alpes Savoie und Haut-Savoie wurden daraufhin Schutz- und Überwachungszonen eingerichtet, die auch das Schweizer Kanton Genf miteingeschlossen haben.
Um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden, hat die französische Regierung in den Risikoregionen und definierten Sperrzonen eine verpflichtende Impfung angeordnet. Gegen diese haben verschiedene Impfgegner, darunter der Kleinverband Verte France, Klage eingereicht. Der französische Staatsrat hat als das oberste Verwaltungsgericht Frankreichs nun mehrere Beschwerden abgewiesen. So stehen der Fortführung der Impfkampagne und weiterer angeordneter Schutzmaßnahmen nichts mehr im Weg.
Verte France hatte in seiner Beschwerde angeführt, dass Eigentumsrechte und Unternehmensfreiheit dadurch eingeschränkt würden. Ebenfalls nicht stattgegeben hat das Gericht zudem mehreren Beschwerden nach behördlichen Anordnungen gegen impfunwillige Betriebe, wie ein Verbot von Viehtransporten.
Der Kleinverband war in der Vergangenheit bereits mit dem Versuch gescheitert, die Impfkampagne zur Bekämpfung der LSD vom Staatsrat stoppen zu lassen. Im Umfeld des Verbandes haben sich mittlerweile die impfkritischen Rinderhalter:innen organisiert und das „Collectif Libre“ gegründet, dem sich etwa tausend Unterstützer:innen angeschlossen haben. Das Kollektiv hat zudem eine Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) eingelegt.
Die LSD ist eine anzeigepflichtige Virusseuche, die Rinder und Wasserbüffel betrifft. Sie wird hauptsächlich durch blutsaugende Insekten übertragen und verursacht schwere wirtschaftliche Schäden. Die erkrankten Tiere zeigen Symptome wie schmerzhafte Knoten am ganzen Körper sowie hohes Fieber und starken Tränen- und Nasenausfluss.




