Deutsche Bio-Milchproduktion weiter rückläufig
In Deutschland ist die Nachfrage nach Biomilchprodukten im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Nach Informationen des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) wurden in 2025 6,7 Prozent mehr abgesetzt. Gleichzeitig geben immer mehr Bio-Produzent:innen ihren Betrieb auf, wie der Deutsche Bauernverband (DBV) erklärt. Im vergangenen Jahr stiegen annähernd 400 Biobetriebe mit Rinderhaltung aus, obwohl die Molkereien einen höheren Preis für Biomilch zahlten.
Der DBV sieht das Ziel, einen Anteil von mehr als 25 Prozent Ökolandbau zu erreichen, inzwischen „in weite Ferne gerückt“. Die „praxisferne gesetzliche Auslegung der EU-Öko-Verordnung durch die EU-Kommission“ sei die Hauptursache für die hohe Anzahl an Betriebsaufgaben, so der Verband. Denn auch in den Nachbarländern zeige sich eine ähnliche Entwicklung. Hier stellten seit 2021 zwischen 10 und 15 Prozent der Bio-Milchbauern wieder auf konventionelle Produktion um.
Darum fordert der Verband nun in einem Positionspapier zur Zukunft des Ökolandbaus eine grundlegende agrarpolitische Kurskorrektur. Darin werden sowohl praxistaugliche und gleichzeitig tierwohlgerechte Regelungen als auch verlässliche Investitionsbedingungen für die Öko-Tierhaltung gefordert. Zudem ist nach Meinung des Verbandes eine „verfahrensoffene“ Gestaltung der Kreislaufwirtschaft im Ökolandbau und eine stärkere Förderung praxisnaher Forschung notwendig, um die Effizienz im Ökolandbau zu steigern.
Ohne funktionierende Nährstoffkreisläufe verliert der Ökolandbau seine Grundlage, warnt der DBV. EU, Bund und Länder seien daher gefordert, die gesetzlichen Regelungen praxisgerecht anzupassen. Andernfalls drohe dem Ökolandbau ein struktureller Rückgang – mit negativen Folgen für die betroffenen Betriebe, aber auch für die Umweltleistungen des Ökolandbaus und die regionale Wertschöpfung.
NABU warnt vor fortschreitendem Verlust mariner Ökosysteme
Der Welttag der Ozeane wird seit 2009 jedes Jahr am 8. Juni begangen. Der Naturschutzbund NABU weist im Rahmen dieses Gedenktages besonders auf den besorgniserregenden Zustand der Meere in der Europäischen Union hin und fordert einen konsequenteren Schutz. Mehr als 90 Prozent der europäischen Meeresgebiete seien massiv geschädigt.
„Europas Meere stehen unter massivem Druck: Fischerei, Verschmutzung und Klimakrise wirken gleichzeitig. Mit der Offshore-Windenergie, Wasserstoffnutzung und der unterirdischen Speicherung von Kohlenstoffdioxid (CCS) drängen weitere Belastungen in das kränkelnde Ökosystem Meer. Deshalb muss die EU-Wiederherstellungsverordnung jetzt genutzt werden, um Schutzgebiete wirksam zu machen und marine Lebensräume, wo immer möglich, aktiv zu regenerieren“, kritisiert Kim Detloff, Teamleiter Meeresschutz im NABU-Bundesverband. Nach Angaben der Naturschützer:innen müssen die Meere und Küsten auch im Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz zukünftig eine größere Bedeutung einnehmen, die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur zusammen mit der europäischen Biodiversitätsstrategie sei eine historische Chance, den fortschreitenden Verlust mariner Ökosysteme zu stoppen und umzukehren, heißt es in einer Pressemeldung. Nun komme es darauf an, die Vorgaben ambitioniert umzusetzen und den Meeresschutz in Deutschland und Europa zur politischen Priorität zu machen.
„Die Wiederherstellung von Salz- und Seegraswiesen sowie Riffen ist kein Luxusprojekt des Naturschutzes“, so Detloff. „Sie ist eine Investition in den Klima- und Küstenschutz und in kommende Generationen. Deshalb müssen die Meere und Küsten auch im Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz zukünftig eine größere Bedeutung einnehmen.“
Tool bewertet Papageiengesundheit
Die Privathaltung von Papageien ist für Betreuende nicht selten eine Herausforderung, denn die Vögel haben komplexe Bedürfnisse. Zahlreiche Verhaltens- und Gesundheitsprobleme können auftreten, sofern diese von den Haltenden nicht erfüllt werden.
Um das Wohlergehen von Papageienvögel in Privathaltung besser bewerten zu können, haben Forschende der Veterinärmedizinischen Universität Wien und der Universität Utrecht das Tool PsittaWel entwickelt. Mit Hilfe eines umfassenden Fragenkatalogs rund um Themen wie körperliche Verfassung, Haltungsumgebung, soziale Interaktionen, Verhalten, Ernährung und tägliches Management, können Papageienhaltende lernen, das Wohlbefinden ihrer Papageien fundiert einzuschätzen und besser zu verstehen.
Ein internationales Expertengremium hat das Tool über einen Zeitraum von vier Jahren entwickelt. An dem Projekt, das im Rahmen der Dissertation von Andrea Piseddu (Vetmeduni Wien) gestartet wurde, waren auch Tierärzt:innen und zertifizierte Verhaltensberater:innen beteiligt.
„PsittaWel wurde entwickelt, um eine wissenschaftlich fundierte, praxisnahe Ressource bereitzustellen, die Betreuenden hilft, das Wohlergehen der mit ihnen lebenden Papageien zu überwachen und zu verstehen – und um das Bewusstsein für deren Bedürfnisse zu schärfen“, erklärt Jean-Loup Rault von der Vetmeduni Wien. „Fachliche Begleitung bleibt für Gesundheit und Wohlergehen von Papageien unerlässlich, insbesondere bei Sorgen oder Problemen“, ergänzt Yvonne van Zeeland (Universität Utrecht). „Das Instrument soll die Arbeit von Tierärztinnen und Tierärzten sowie zertifizierten Verhaltensberaterinnen und -beratern ergänzen, nicht ersetzen.“
„PsittaWel soll die Haltung von Papageien als Heimtiere weder fördern noch rechtfertigen. Ethische Fragen zur Gefangenschaft sind und bleiben wichtig, und weitere Forschung zum Wohl von Papageien ist unerlässlich. Solange Papageien – langlebige Arten – jedoch in häuslichen Umgebungen leben, besteht ein klarer Bedarf, ihr Wohlergehen zu beurteilen und ihre Haltungsbedingungen zu verbessern, um ihnen das bestmögliche Leben zu ermöglichen“, sagt Doktorandin Andrea Piseddu abschließend.
Bundesgesundheitsblatt thematisiert Antibiotikaresistenzen
Antibiotikaresistenzen (AMR) werden als eine der größten Bedrohungen für die globale Gesundheit betrachtet. Nach Informationen der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben weltweit pro Jahr schätzungsweise mehr als 5 Millionen Menschen an resistenten Infektionen.
Auch in Deutschland führen Resistenzen zu einer erheblichen Krankheitslast, Sterblichkeit und wirtschaftlicher Belastung. Um für diese Thematik mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, hat sich das Bundesgesundheitsblatt in seiner Mai-Ausgabe mit der Frage „Antibiotikaresistenz – eine unendliche Geschichte?“ intensiv beschäftigt.
In der monatlich erscheinenden Fachzeitschrift widmen sich elf Beiträgen dem Thema AMR. So werden unter anderem Ursachen, Einflussfaktoren und Interventionsmöglichkeiten entlang der gesamten One-Health-Kette beleuchtet. Die Redaktion geht zudem auf die Entstehungsmechanismen von Resistenzen in der Umwelt und den Antibiotikaeinsatz bei Geflügel sowie die Bedeutung von Antibiotic Stewardship und auf den Einsatz von Impfstoffen zur Prävention bakterieller Resistenzentwicklung ein.
Ein Beitrag aus dem Robert Koch Institut (RKI) als einer der Herausgeber befasst sich mit der Entwicklung der Epidemiologie antibiotikaresistenter Erreger in der Humanmedizin und deren Bedeutung für das Gesundheitssystem.
„Antibiotikaresistenzen stellen nicht allein ein mikrobiologisches oder klinisches Problem dar, sondern sind durch ein komplexes Zusammenspiel biologischer, epidemiologischer, ökologischer und gesellschaftlicher Faktoren geprägt. Ein wirksamer Umgang mit antimikrobiellen Resistenzen erfordert daher ein integriertes Verständnis dieser Zusammenhänge sowie koordinierte Maßnahmen“, schreiben die Heft-Koordinatoren Sebastian Günther (Universität Greifswald) und Peter Heisig (emeritiert) von der Universität Hamburg in ihrem Editorial.
Um Antibiotikaminimierung im Stall und somit ebenfalls un Resistenzminimierung geht es auch bei der Lernplattform VetMAB, die sich an Landwirt:innen sowie bestandsbetreuende Tierärzt:innen richtet.
Verbot der Anbindehaltung in Niedersachsen in Kraft getreten
Als erstes deutsches Bundesland steigt Niedersachsen aus der Anbindehaltung für Rinder aus. Am gestrigen Dienstag (02.06.2026) sind die niedersächsischen Veterinärbehörden über das Inkrafttreten des Runderlasses informiert worden und haben nun vier Wochen Zeit, die Untersagung der Anbindehaltung mittels Allgemeinverfügung öffentlich bekanntzugeben.
„In Zukunft wird in Niedersachsen kein Rind mehr sein Leben im Stall angebunden verbringen. Ich bin froh und dankbar, dass die unterschiedlichsten Interessengruppen aus Landwirtschaft, Wissenschaft und Tierschutz beim ‚Niedersächsischen Tierschutzplan für nachhaltige Nutztierhaltung‘ gemeinsam einen Ausstiegsplan erarbeitet haben, sich vereint hinter dieses Ziel stellen und an einem Strang ziehen. Das ist wirklich etwas ganz Besonderes und kann Vorbild für ganz Deutschland sein. Auf diesen gemeinsamen Ausstiegsplan können alle Beteiligten stolz sein“, erklärt Landwirtschafts- und Tierschutzministerin Miriam Staudte.
Für die Landwirt:innen sind Übergangsfristen vorgesehen. Abhängig von der Haltungsform sind diese nun aufgerufen, binnen einer bestimmten Frist mitzuteilen, ob sie beabsichtigen, die Anbindehaltung auf ein anderes Haltungssystem umzustellen oder die betroffene Rinderhaltung aufzugeben.
Betriebe mit saisonaler, kombinierter oder Anbindehaltung von männlichen Mastrindern, die ihrer Meldepflicht nicht nachkommen oder beabsichtigen, die betroffene Rinderhaltung aufzugeben, müssen diese mit Ablauf von fünf Jahren ab Bekanntgabe der Allgemeinverfügung beenden.
„Wer die Bilder sieht, wenn Rinder nach dem Winter wieder auf die Weide gelassen werden, weiß, dass sie Bewegung lieben. Viele landwirtschaftliche Betriebe haben bereits in den vergangenen Jahren in mehr Tierwohl investiert und halten ihre Rinder in Laufställen oder bieten ihnen darüber hinaus noch Hof- und Weidegang. Es ist nur fair, wenn künftig alle Betriebe die Anforderungen nach artgerechter Bewegungsmöglichkeit erfüllen müssen. Dank angemessener Umstellungsfristen haben alle anderen Tierhalterinnen und Tierhalter ausreichend Zeit, nachzuziehen. Über das Agrarinvestitionsförderprogramm können entsprechende Zuschüsse beantragt werden. Und über unsere Diversifizierungsrichtlinie ermöglichen wir den Umstieg auf andere Einkommensquellen. Die Landwirtschaftskammer unterstützt die Betriebe mit einer fachlichen Beratung“, so die Ministerin abschließend.
Bundeskabinett beschließt Lockerungen beim Umbau von Tierwohlställen
In der vergangenen Woche hat das Bundeskabinett beschlossen, den Umbau von Tierställen zu erleichtern, die vor 2013 errichtet worden sind. Ein entsprechender Gesetzentwurf hatte das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) vorgelegt. Demnach wird auch ein Wechsel der in dem Stall gehaltenen Tierart ermöglicht, sofern der Umbau die Haltungsbedingungen verbessert. Die neue Regelung soll ab 2027 greifen.
Gemäß der aktuellen Gesetzeslage dürfen Landwirt:innen ihre Ställe, die vor 2013 errichtet wurden, nicht umgebauen. Gemäß einer Rechtsänderung waren vor allem flächenarme Betriebe mit starker Tierhaltung im Außenbereich nicht mehr privilegiert.
„Wir machen den Stallumbau möglich, damit Tierwohl nicht am Genehmigungsrecht scheitert“, erklärt Silvia Breher, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH). „So stärken wir unsere Landwirtschaft und sichern Wertschöpfung im ländlichen Raum.“ Nach Information des BMLEH werden künftig zahlreiche unnötige Auflagen aufgehoben. Unter anderem entfällt die bisherige Vorgabe, dass der Umbau die höheren Haltungsstufen des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes erfüllen muss. Ab 2027 soll zudem ein Rück- und Neubau statt eines Stallumbaus erlaubt sein. Auch die Genehmigung von Biomasseanlagen im Außenbereich soll mit dem Gesetzentwurf erleichtert werden.
Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) fordert außerdem, dass die laufenden Mehrkosten für die Tierwohlställe in den nächsten Jahren gefördert werden. Anlässlich der Haushaltsdebatte soll daher die Bundesregierung eine entsprechende zusätzliche Fördersumme aus dem Kernhaushalt auch für das Jahr 2027 für das Bundesprogramm Umbau Tierhaltung (BUT) bereitstellen.
Tierärztestatistik 2025 veröffentlicht
Die Bundestierärztekammer (BTK) hat die Tierärztestatistik 2025 veröffentlicht. Aus den von den Landestierärztekammern gesammelten Mitgliederdaten 2025 geht hervor, dass die Zahl der Tierärzt:innen weiter angestiegen ist (+ 444). Insgesamt waren zum Jahresende 46.089 Tierärzt:innen Mitglied in einer Landes-/Tierärztekammer, davon waren 66,8 Prozent Frauen. Die Zahl der berufstätigen Tierärzt:innen wird mit 34.476 (davon 24.707 Frauen). Davon waren wiederum 23.546 kurativ tätig. Wie bereits in den vergangenen Jahren zu beobachten war, hat sich die Zahl der niedergelassenen Tierärzt:innen weiter auf 11.216 verringert, während die der angestellten Tierärzt:innen um 135 leicht gewachsen ist (12.125).
„Die Zahlen zeigen, dass die Tiermedizin ein attraktiver Beruf bleibt. Gleichzeitig bestätigen sie die seit einigen Jahren zu beobachtende Veränderung der Berufsstruktur. Immer weniger Tierärzt:innen entscheiden sich für die eigene Niederlassung, während angestellte Tätigkeiten weiter zunehmen“, erklärt Ltd. VD Dr. Holger Vogel, Präsident der Bundestierärztekammer (BTK).
Auch bei den Praxisstrukturen zeige sich Handlungsbedarf, denn in der Mehrzahl der Kammerbereiche war die Zahl der Tierarztpraxen 2025 rückläufig. Die Zahl der tierärztlichen Kliniken blieb hingegen weitgehend stabil. Diese Entwicklung ist v. a. mit Blick auf die Alterung der Berufsgruppe – die Zahl der Kammermitglieder ab 60 Jahren stieg im Vergleich zum Vorjahr erneut – und der damit einhergehenden Nachfolgefrage, Notdienststrukturen und die flächendeckende tierärztliche Versorgung relevant. „Ein reiner Blick auf die Gesamtzahl der Tierärzt:innen reicht nicht aus. Entscheidend ist, wo und in welchen Arbeitsformen Tierärzt:innen tätig sind. Wenn Praxen keine Nachfolge finden oder immer weniger Kolleg:innen eine eigene Niederlassung übernehmen möchten, kann das regional zu Versorgungsengpässen führen – insbesondere in ländlichen Räumen und in der Nutztierpraxis“, erläutert der BTK-Präsident.
„Wir brauchen Rahmenbedingungen, die tierärztliche Tätigkeit in allen Bereichen attraktiv halten – in der Praxis, im öffentlichen Veterinärdienst, in der Wissenschaft und in der Industrie. Dazu gehören planbare Arbeitszeiten, eine verlässliche Finanzierung tierärztlicher Leistungen und moderne Praxis- und Kooperationsmodelle“, verdeutlicht der BTK-Präsident.
Wer tiefer in die Tierärztestatistik einsteigen möchte und sich auch für die Entwicklungen über die Zeit interessiert, kann einen Blick in den Tierärzte Atlas Deutschland (2024) werfen. Hier finden sich neben Zahlen auch viele Erklärungen und Interpretationen, was die Entwicklungen für die Zukunft bedeuten.
Der Tierärzte Atlas Deutschland 2026 wird Ende September 2026 erscheinen.
Deutscher Tierschutzbund erneuert Forderung nach Verbot der Anbindehaltung
Heute (1.6.) ist der Internationale Tag der Milch. Aus diesem Anlass hat der Deutsche Tierschutzbund seine Forderung nach einem Verbot der Anbindehaltung für Rinder noch einmal bekräftigt. Laut Angaben der Tierschutzorganisation werden in Deutschland für die Produktion von Kuhmilch noch immer 410.000 Milchkühe in Anbindehaltung gehalten. Hinzu kommen Jungtiere, Bullen und Färsen.
„Milch entsteht nicht im idyllischen Bilderbuchstall, sondern oft unter Bedingungen, die aus Tierschutzsicht nicht akzeptabel sind. Kühe sind soziale und bewegungsaktive Tiere – dennoch werden noch immer hunderttausende von ihnen den Großteil des Jahres oder sogar dauerhaft angebunden“, erklärt Dr. Melanie Dopfer, Fachreferentin für Tiere in der Landwirtschaft beim Deutschen Tierschutzbund. Der Verband fordert ein klares gesetzliches Verbot sowohl für die ganzjährige als auch für die saisonale Anbindehaltung. „Das Anbinden von Rindern ist ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz“, so Dopfer.
Gleichzeitig sind auch die Verbraucher:innen aufgefordert, mit ihrer Kaufentscheidung ein Zeichen zu setzen.
BTK-Stellungnahme zur SWR-Doku über Tierarztkosten
Die Bundestierärztekammer hat zu dem am 19. Mai 2025 ausgestrahlten SWR-Beitrag „Tierisch
teuer – Was hinter den hohen Tierarztkosten steckt“ Stellung bezogen. Man nehme den Beitrag mit großer Sorge zur Kenntnis, da er ein einseitiges und tendenziöses Bild der tierärztlichen Versorgung in Deutschland aufzeichnet und der komplexen Realität in den Praxen und Kliniken nicht gerecht wird, heißt es darin:
Zwar wird im Beitrag der Eindruck erweckt, unterschiedliche Perspektiven – von Tierhaltenden,
Tierärzt:innen sowie aus der Politik – seien gleichermaßen berücksichtigt worden. In der
Gesamtschau entsteht jedoch kein ausgewogenes Bild. Vielmehr werden v. a. Einzelfälle mit
besonders hohen Rechnungen, emotionale Härtefälle und zugespitzte Aussagen in den
Mittelpunkt gestellt. Dadurch wird der Eindruck verstärkt, hohe Tierarztkosten seien Ausdruck
mangelnder Fairness oder unangemessener Abrechnung durch die Tierärzteschaft. Dies
weisen wir entschieden zurück.
Auch hinken die dort ausgestrahlten Vergleiche einzelner Praxisbeispiele. Durch einzelne Aussagen im Beitrag entsteht zudem der Eindruck, eine „faire“ Abrechnung bestehe darin, bestimmte Leistungen nicht oder nur teilweise zu berechnen. Das ist aus Sicht der Bundestierärztekammer irreführend und entspricht nicht den Vorgaben der Gebührenordnung (GOT).
Die Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte ist kein Instrument zur Benachteiligung von Tierhaltenden. Im Gegenteil: Sie schafft Transparenz, setzt verbindliche Unter- und Obergrenzen und schützt damit sowohl Tierhaltende als auch die Qualität der tierärztlichen Versorgung. Ohne eine verbindliche Gebührenordnung drohten unübersichtlichere Preise, wachsender wirtschaftlicher Druck auf Praxen und Kliniken, eine Verschlechterung der Versorgung – insbesondere in ländlichen Regionen und im Notdienst – und langfristig möglicherweise sogar höhere Kosten für Tierhaltende.
Gleichzeitig ist eine angemessene Vergütung die Voraussetzung dafür, dass Tierärzt:innen qualifiziertes
Personal beschäftigen, Mitarbeitende leistungsgerecht bezahlen, in moderne Diagnostik investieren und Behandlungen mit der gebotenen Sorgfalt durchführen können. Das dient unmittelbar dem Tierwohl.
Schon heute ist es vielerorts schwierig, Notdienste aufrechtzuerhalten und ausreichend Fachpersonal zu finden. Gerade die Notfallversorgung bedeutet erhebliche Personalvorhaltung zu Nacht-, Wochenend- und Feiertagszeiten, hohe organisatorische Belastungen und zusätzliche Kosten. Trotz der in der GOT vorgesehenen Zuschläge ist dieser Bereich für viele Praxen wirtschaftlich kaum rentabel.
Der Beitrag stellt hingegen v. a. Extremfälle mit sehr hohen Rechnungsbeträgen in den Vordergrund. Diese Fälle sind für die betroffenen Tierhaltenden zweifellos belastend. Sie bilden jedoch nicht den Alltag tierärztlicher Abrechnung ab. Der Großteil tierärztlicher Rechnungen bewegt sich auf einem deutlich niedrigeren Niveau und liegt in der Regel nicht im Bereich besonders hoher Sätze. Gerade deshalb wäre es aus unserer Sicht journalistisch geboten gewesen, die gezeigten Einzelfälle stärker einzuordnen und nicht als repräsentativen Eindruck tierärztlicher Versorgung stehen zu lassen.
Zur ungekürzten Stellungnahme >>>
Auch die Darstellung, Tierhaltende müssten künftig stärker selbst entscheiden, welche Behandlungen „Sinn machen“ und ob es immer die neueste Untersuchung sein müsse, greift zu kurz. Selbstverständlich gehört eine sorgfältige Beratung über Diagnostik- und Therapieoptionen, Prognosen, Kosten und Alternativen zum tierärztlichen Alltag. Gleichzeitig darf nicht der Eindruck entstehen, moderne Diagnostik oder fachlich sinnvolle Untersuchungen seien bloße Zusatzleistungen, auf die ohne weiteres verzichtet werden könne. Tierärzt:innen sind dem Tierwohl verpflichtet. Ihre Empfehlungen beruhen auf fachlicher Einschätzung, medizinischer Verantwortung und dem Ziel, Leiden zu vermeiden oder zu lindern.
Kritisch sehen wir zudem, dass im Beitrag Aussagen zur Rechtmäßigkeit der GOT unwidersprochen stehen bleiben. Die Gebührenordnung ist geltendes Recht. Sie wurde auf Grundlage einer fachlichen und wissenschaftlichen Bewertung novelliert und dient ausdrücklich der Sicherstellung einer transparenten, qualitätsgesicherten und flächendeckenden tierärztlichen Versorgung. Eine Debatte über Weiterentwicklung und Evaluation der GOT ist legitim und notwendig. Sie sollte jedoch sachlich geführt werden und darf nicht auf die Erzählung vermeintlich überhöhter Tierarztrechnungen reduziert werden.
Die Bundestierärztekammer spricht sich dafür aus, die Gebührenordnung im Zuge der Evaluation sachgerecht weiterzuentwickeln. Dazu gehört auch eine regelmäßige, planbare Anpassung der Gebührenhöhe. Solche schrittweisen Anpassungen schützen Tierhaltende besser als sprunghafte Erhöhungen nach langen Zeiträumen, weil Kosten dadurch berechenbarer bleiben.
Wir halten es daher für erforderlich, die einseitige Darstellung des Beitrags journalistisch nachzuarbeiten. Aus Sicht der Bundestierärztekammer sollte der SWR die Berichterstattung um einen Folgebeitrag ergänzen, in dem die tierärztliche Perspektive angemessen zu Wort kommt. Dazu gehören insbesondere die wirtschaftliche Realität von Praxen und Kliniken, die weiterhin im Vergleich zu anderen akademischen Heilberufen häufig nicht angemessene Vergütung tierärztlicher Arbeit, die Herausforderungen im Notdienst, der Fachkräftemangel sowie die zentrale Bedeutung der GOT für Transparenz, Qualität und Versorgungssicherheit.
Tierhaltende brauchen eine sachliche und nachvollziehbare Einordnung tierärztlicher Kosten.
Sie brauchen keine Verunsicherung und keine pauschale Gegenüberstellung von „fairen“ und
vermeintlich überteuerten Tierärzt:innen. Die große Mehrheit der Tierärzteschaft arbeitet verantwortungsvoll, transparent und unter erheblichem wirtschaftlichem und personellem Druck. Dieses Bild kam in dem Beitrag aus unserer Sicht nicht ausreichend zur Geltung.
Wir stehen dem SWR für eine sachliche Einordnung und für weitere Gespräche gern zur Verfügung.
Asiatische Tigermücke breitet sich weiter aus
Die Asiatische Tigermücke breitet sich in Nordrhein-Westfalen weiter aus. In Bonn und im Rhein-Erft-Kreis gibt es bereits etablierte Populationen. Im vergangenen Jahr wurde die Tigermücke aber bereits erstmals auch in vier Kölner Stadtteilen gefunden. „In den kommenden Monaten ist wieder mit einem Auftreten von Tigermücken in Köln zu rechnen", warnte daher die Stadt. Zudem sei davon auszugehen, dass sich die tagaktive Mücke weiter im Rheinland ausbreiten werde, teilte das Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz (LfGA) mit. Dies liege an den günstigen klimatischen Bedingungen und dem internationalen Reise- und Güterverkehr.
Die Asiatische Tigermücke ist etwa 0,5-1 cm groß und auffällig schwarz-weiß gestreift. Sie kann Krankheitserreger wie Dengue- und Chikungunya-Viren übertragen.
Um die Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke zu verhindern oder zu verlangsamen, sollten mögliche Brutstätten wie offene Wasseransammlungen auf dem Grundstück beseitigt werden. Regentonnen sollten mit Deckeln oder Insektenschutznetzen abgedeckt und Gegenstände wie Eimer, Schubkarren, Blumenkübel, Untersetzer oder Gießkannen umgedreht oder einmal pro Woche ausgeleert werden, da sich hier der Mückennachwuchs entwickeln kann.
Wer eine Tigermücke finde, solle sie nach Möglichkeit fangen, einfrieren und zur Bestimmung an den "Mückenatlas" des ZALF schicken.
Praxisnetzwerk SwissVets soll tiermedizinische Versorgung von Nutztieren sichern
Das Schweizer Praxisnetzwerk SwissVets betreibt in der Deutschschweiz aktuell sechs Tierarztpraxen mit Schwerpunkt Nutztiermedizin. Der Eintritt der Agrargenossenschaft fenaco im Juni 2026 soll dem Netzwerk eine langfristige Entwicklungsperspektive geben, erklärt Ulrich Witschi, Präsident des Verwaltungsrats von SwissVets.
Als neue Mehrheitsaktionärin von SwissVets wird die fenaco Genossenschaft gemeinsam mit Swissgenetics, der Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter (ASR) und weiteren Kleinaktionären daran arbeiten, die tiermedizinische Versorgung in ländlichen Regionen der Schweiz langfristig zu sichern. Dafür soll das Netzwerk in der nahen Zukunft um weitere Nutztierpraxen erweitert werden.
„Mit der Beteiligung an SwissVets will die fenaco einen Beitrag zur langfristigen Sicherung der medizinischen Versorgung für Nutztiere in der Schweiz leisten. Das entspricht unserem genossenschaftlichen Zweckauftrag. Gleichzeitig stärken wir unsere Position als Nahversorgerin für essenzielle Bedürfnisse der Bevölkerung auf dem Land“, betont Michael Feitknecht, Vorsitzender der Geschäftsleitung der fenaco.
Aktuell stehen viele selbstständige Großtierärzt:innen vor der Pensionierung, haben aber Probleme, Nachfolger:innen für ihre Praxis zu finden. Jüngere Veterinärmediziner:innen lehnen meist jedoch die Übernahme einer Einzelpraxis mit 24-Stunden-Notfalldienst ab und entscheiden sich stattdessen für die Mitarbeit in einer bestehenden Praxisstruktur. Das Konzept von SwissVets soll dieser Entwicklung entgegenwirken.
Gut informiert mit dem Vierbeiner in den Urlaub
Spätestens, wenn in vier Wochen in Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland die Sommerferien beginnen, werden sich auch viele Tierhalter:innen mit ihrem Hund in den Urlaub begeben. Um diese besondere Zeit entspannt und sicher genießen zu können, bedarf es einer guten und frühzeitigen Planung, teilt der Bundesverband für Tiergesundheit (BfT).
So sollten Hundebesitzer:innen vor Reiseeintritt prüfen, ob der Impfstatus ihres Vierbeiners ausreichend ist, der in dem für Reisen in andere EU-Länder vorgeschriebenen EU-Heimtierausweis dokumentiert ist. Außerdem muss der Hund mittels eines Mikrochips gekennzeichnet sein. Ohne diese Voraussetzungen kann es bei Grenzübertritten zu Problemen kommen, so der Verband.
Neben dem vollständigen Impfschutz gegen die Tollwut empfiehlt sich bei Reisen in südliche Länder auch die Impfung gegen die Leishmaniose. Die Tierärztin bzw. der Tierarzt berät in diesem Fall und erstellt einen entsprechenden Impfplan. Auch erhalten Tierbesitzer:innen in der Tierarztpraxis eine umfassende Beratung hinsichtlich des notwendigen Schutzes gegen Ekto- und Endoparasiten.
Der BfT weist zudem auf eine sichere Unterbringung des Tieres während der Reise hin, beispielsweise in einer Transportbox oder durch andere geeignete Sicherungssysteme im Fahrzeug. Und genau wie die Halter:innen benötigen auch die Vierbeiner regelmäßige Pausen sowie ausreichend Wasser und Schutz vor Hitze. Für den Fall einer Erkrankung am Urlaubsort sollte eine gut ausgestattete Reiseapotheke mitgeführt werden, in die unter anderem Mittel gegen Übelkeit und Durchfall, Verbandsmaterial für kleinere Verletzungen sowie Augenpflegeprodukte gehören. Bei bekannten Allergien und chronischen Erkrankungen sollten entsprechende Medikamente ebenfalls mitgeführt werden.
Grundsätzlich empfiehlt der BfT Hundehalter:innen, sich frühzeitig über Einreisebestimmungen oder Einschränkungen für bestimmte Hunderassen sowie regionale Gesundheitsrisiken und tierärztliche Versorgungsmöglichkeiten vor Ort zu informieren. Dann steht einer Reise mit Hund nichts mehr im Weg.
Schönen Urlaub!
Rindertuberkulose: Baden-Württemberg trifft Vorbereitungen
Das seit Jahren durchgeführte Monitoring der Rotwild-Tuberkulose in Tirol hat eine erneute Zunahme der Infektionen in einzelnen Regionen gezeigt. Damit steigt auch das Risiko einer Übertragung auf Rinder, die während der Alpung Weideflächen gemeinsam mit Rotwild nutzen. Das haben Ausbrüche von Rindertuberkulose (M. bovis, TBC) in den vergangenen Monaten, zuletzt im April 2026 im österreichischen Vorarlberg, belegt.
Die aktuelle Entwicklung wird von dem baden-württembergischen Agrarministerium intensiv beobachtet. In dem Land gab es zuletzt im Jahr 2024 Fälle der TBC. Zwar gäbe es keinen Grund zur Beunruhigung, aber Vorbereitungen für das Übergehen der Krankheit auf Rinder aus dem Südwesten seien getroffen worden, so das Ministerium. Bereits seit dem Jahr 2013 werden alle
zurückkehrenden Weidetiere, die auf bayerischen und österreichischen Almen aufgetrieben worden sind, getestet.
„Die Untersuchung der rückkehrenden Weidetiere von bayerischen und österreichischen Almen hat sich bewährt und wird fortgesetzt“, teilte ein Sprecher mit. Die anzeigepflichtige Tierseuche kann unter Umständen vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Bei einem positiven TBC-Nachweis in einem Betrieb müssen laut dem Bundeslandwirtschaftsministerium alle Rinder des Bestands getestet sowie erkrankte Tiere gekeult werden.
Widerstandsfähige Viehhaltungssysteme im Fokus der EAAP 2026
Nach Innsbruck im vergangenen Jahr wird die Jahrestagung der European Federation of Animal Science (EAAP) in 2026 in Hamburg stattfinden. Vom 7. bis 11. September 2026 werden rund 1.800 Fachleute aus Landwirtschaft, Wissenschaft, Beratung, Wirtschaft und Politik aus mehr als 60 Ländern zu nahezu 100 wissenschaftlichen Veranstaltungen zu Themen wie Tiergesundheit, Tierwohl, Genetik und Fütterung erwartet. Im Fokus der 77. EAAP-Tagung steht die Gestaltung widerstandsfähiger Viehhaltungssysteme als Schlüssel zur Kreislauflandwirtschaft.
Eine frühzeitige Buchung lohnt sich. Noch bis zum 31. Mai 2026 können Interessierte von vergünstigten Teilnahmegebühren profitieren. Den Teilnehmenden bietet sich auf der Tagung die Möglichkeit, sich über neue Entwicklungen und wissenschaftliche Erkenntnisse zu informieren, internationale Perspektiven kennenzulernen und sich mit Fachleuten aus aller Welt auszutauschen. Neben dem umfangreichen Fachprogramm erwartet die Besucher:innen außerdem ein vielseitiges Rahmenprogramm mit Exkursionen, Netzwerkveranstaltungen und zahlreichen Möglichkeiten zum persönlichen Austausch.
Der Kongress wird gemeinsam vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Züchtungskunde e.V (DGfZ) organisiert. Die Kongresssprache ist Englisch.
Zahl der Milchviehbetriebe in Ostdeutschland nimmt weiter ab
Im Osten Deutschlands schreitet der Strukturwandel in der Nutztierhaltung massiv voran. So habe sich die Zahl der Milchviehbetriebe in den fünf ostdeutschen Bundesländern bereits stark verringert, erklärt Klaus Siegmund vom Interessenverband Milcherzeuger (IVM). Während vor gut 30 Jahren noch rund 4.760 Milchkuhbetriebe in der Region gezählt wurden, könnten in 10 Jahren möglicherweise nur noch 500 bis 700 Betriebe aktiv sein. Gleichzeitig dominierten immer mehr Großbetriebe den Markt, betonte Siegmund auf der IVM-Jahrestagung in der vergangenen Woche, auf der auch das 35-jährige Verbandsbestehen gefeiert wurde.
Damit einhergehend wurden seit 2015 1 Mio. Tonnen Milch weniger produziert, was einem bundesweiten Anteil an 18,4 Prozent entspricht. Ein Grund für den Strukturwandel ist nach Angaben des Branchenexperten der stark unterschiedliche Modernisierungsgrad der ostdeutschen Milchviehbetriebe.
Der Milchindustrieverband (MIV) hob anlässlich des Jubiläums die zielorientierte Zusammenarbeit hervor. Dabei sei der IVM als „durchaus kritischer, aber auch konstruktiver Begleiter“ der eigenen Verbandsarbeit aufgetreten. Als ein wichtiger Beitrag zur Transparenz in der Milchbranche seien Zahlen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in der Vergangenheit kritisch hinterfragt worden, so MIV-Hauptgeschäftsführer Björn Börgermann.
Arbeitszufriedenheit unter angestellten Tierärzt:innen nur bedingt besser
Im letzten Jahresdrittel 2025 hat der Bund angestellter Tierärzte (BaT) eine bundesweite Umfrage zu den aktuellen Arbeitsbedingungen von Veterinärmediziner:innen durchgeführt. Die nun veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass unter den Befragten eine nur mäßige Arbeitszufriedenheit herrscht, die jedoch dem Niveau der Gesamtbevölkerung gleicht. Während ein überwiegender Teil der Teilnehmenden zufrieden mit dem Team und den körperlichen Arbeitsbedingungen war, zeigten sich viele äußerst unzufrieden mit den Karriereperspektiven und der Vergütung sowie mit dem Management und der Art und Weise, wie ihre Fähigkeiten genutzt bzw. gewertschätzt werden.
Grundsätzlich spiegeln die Umfrageergebnisse im Vergleich zu den Vorjahren jedoch eine verbesserte Situation wider. Der BaT als reine Arbeitnehmendenvertretung sieht jedoch noch immer einen deutlichen Handlungsbedarf. So fällt weiterhin der Vergleich zwischen tiermedizinischen Berufsanfänger:innen und anderen akademische Berufsgruppen hinsichtlich der Einstiegsgehälter schlecht aus. Die Ergebnisse legen zudem dar, dass das Lohnniveau trotz Erhöhung der GOT nicht stärker gestiegen als im Bundesdurchschnitt. Auch zeigen die Ergebnisse häufige Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz, denn mehr als zwei Drittel der Befragten leisten regelmäßig Überstunden. Fehlende Pausen, unzureichende Ruhezeiten und eine problematische Arbeitszeiterfassung wurden von etwa der Hälfte der Teilnehmenden kritisiert.
„Die Studie zeigt deutlich, dass gute Arbeitsbedingungen entscheidend für die Zukunft der tierärztlichen Versorgung sind“, erklärt Dr. Elisabeth Brandebusemeyer, 1. Vorsitzende des BaT. „Höhere Gehälter, mehr Personal und eine verlässlichere Dienstplanung sind zentrale Voraussetzungen, um den Beruf langfristig attraktiv zu halten“, ergänzt der 2. Vorsitzende Dr. Christian Wunderlich.
Bewusstsein für den Schutz der Artenvielfalt schärfen
Seit dem Jahr 2000 wird weltweit jedes Jahr am 22. Mai der Tag der biologischen Vielfalt gefeiert. Der Gedenktag wurde vor 26 Jahren von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen, um auf die Bedeutung und den Schutz von Tier- und Pflanzenarten, Genen und Lebensräumen aufmerksam zu machen.
Dank moderner Technologien wie DNA-Analysen werden jedes Jahr Tausende neue Arten identifiziert. Gleichzeitig wächst aber auch das Wissen über den massiven Verlust der globalen Biodiversität durch Klimawandel, Umweltverschmutzung, Überfischung sowie eingeschleppte invasive Arten. Zudem schwinden immer mehr Lebensräume.
„Der Kampf gegen das weltweite Artensterben ist kein ‚Nice-to-have‘, sondern hat für uns Priorität. Dort, wo wir gezielt mit Schutzprogrammen helfen, können wir messbare Erfolge erzielen. Dadurch siedeln sich längst verschwundene Arten wie die Wildkatze oder der Fischotter wieder bei uns an. Wir setzen auch in Zukunft auf die enge Zusammenarbeit mit allen Partnern vor Ort“, betont Oliver Krischer, Umweltminister des Landes Nordrhein-Westfalen. So wird das Land in diesem Jahr mehr Fördermittel für Projekte im Artenschutz bereitstellen: Rund 8,8 Millionen Euro fließen zusätzlich in Maßnahmen für mehr Biodiversität.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) nimmt den internationalen Tag der biologischen Vielfalt zum Anlass, die Bevölkerung einzuladen, die Wildnis in Deutschland zu entdecken. Ob in Naturwäldern, an Küsten, in den Bergen oder in Moor- und Auenlandschaften - die 85 Wildnisgebiete Deutschlands sind bedeutende Rückzugsräume für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten und leisten einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Naturschutz.
Wer sich bewusst in diese Gebiete begibt, könne besondere Naturerlebnisse in vielen Facetten erleben, so der BUND. Oftmals ließen sich Wildtiere hier besser beobachten, weil nicht gejagt wird. Für die bessere Planung hat der BUND eine Karte mit allen 85 Wildnis- und Wildnisentwicklungs-Gebieten erstellt, die auf seiner Internetseite zu sehen ist.Auf der Karte sind neben der geografischen Lage der Flächen jeweils Steckbriefe, Links zu Angeboten wie Führungen oder Erlebnis-Camps sowie zur umweltverträglichen Anreise abrufbar.
Großer ASP-Ausbruch in Polen in Grenznähe
Auch wenn die Afrikanische Schweinepest (ASP) gerade wenig in den Medien präsent ist, grassiert das Virus weiterhin in Deutschland und anderen europäischen Staaten. So auch in Polen. Dort ist das hoch ansteckende Virus am 18. Mai 2026 in einem Schweine haltenden Betrieb mit 21.390 Tieren in der Woiwodschaft Westpommern nachgewiesen worden. Dies ist der bislang zweitgrößte Ausbruch der ASP in Polen seit dem Nachweis des Virus im Land.
Der betroffene Betrieb liegt nur rund 70 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, weshalb die Behörden in Deutschland alamiert sind. In Polen gibt es damit seit 2014 insgesamt 571 Ausbrüche bei Hausschweinen. Auch bei den Wildschweinen bleibt die Lage angespannt. In 2026 lag die Zahl der bestätigten infizierten Wildschweinkadaver landesweit bei 1.241 Tieren (Stand: 20.5.2026).
Erster Geflügelpestnachweis bei Eisbär in Norwegen
Saisonbedingt hat sich das Seuchengeschehen der Geflügelpest in Europa weitestgehend beruhigt. Nach einer starken Infektionswelle im vergangenen Winter ist die Zahl der Ausbrüche nach offiziellen Angaben stark zurückgegangen.
Nun ist das Virus des Subtyps H5N5 erstmals bei einem tot aufgefundenen Eisbären auf der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen nachgewiesen worden. Wie das norwegische Veterinärinstitut mitteilt, sei der Erreger auch bei einem ausgewachsenen toten Walross entdeckt worden. Bereits vor drei Jahren hatten die Behörden das Virus bei einem jungen Eisbären in Alaska nachgewiesen.
„Die Funde sind Teil einer Entwicklung, bei der das Vogelgrippe-Virus vermehrt bei Säugetieren in Europa nachgewiesen wird“, erklärt Ragnhild Tønnessen vom Veterinärinstitut. Nach Angaben der Veterinärin habe sich das Virus demnach in den vergangenen Jahren in neue Gebiete ausgebreitet, unter anderem in die Arktis, wo es Auswirkungen auf gefährdete Populationen und Ökosysteme haben könne.
Warnung vor tierischen Lebensmitteln als Urlaubsmitbringsel
Mit den anstehenden Pfingstferien beginnt auch die Reisezeit in Deutschland. Aus diesem Anlass weist das Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg erneut auf die Gefahren von tierischen Lebensmitteln als Urlaubsmitbringsel hin. Landwirtschaftsministerin Marion Gentges warnt vor der Einschleppungsgefahr von Tierseuchen, wie der Afrikanischen Schweinepest (ASP) oder der Maul- und Klauenseuche (MKS).
„Lebensmittel tierischen Ursprungs im Reisegepäck können Tierseuchen wie die Maul- und Klauenseuche, Afrikanische Schweinepest oder die Schafpocken unbemerkt mit nach Deutschland bringen. Solche schmackhaften Erinnerungen an den Urlaub oder nett gemeinte Mitbringsel an Freunde können für die Tierbestände unserer heimischen Landwirtschaft verheerende Folgen haben. Zum Schutz unserer Tiere ist dringend davon abzuraten Fleisch- und Wurstwaren oder Milch und Milchprodukte aus dem Urlaub mit nach Deutschland zu bringen. Der Ausbruch von Tierseuchen muss unbedingt mit Achtsamkeit, Rücksicht und Sorgfalt vermieden werden“, so die Ministerin.
Der Aufruf richtet sich besonders an Rückkehrende aus Zypern und Griechenland, da in Teilen dieser Länder derzeit ein aktives Infektionsgeschehen der Maul- und Klauenseuche (MKS) herrsche. Zudem seien in Griechenland bereits 600.000 Schafe nach Infektionen mit dem Schafpocken-Virus gestorben, so Gentges. „Ich rufe alle Reisenden in diesen Regionen zu erhöhter Vorsicht und Achtsamkeit auf. Verzichten Sie auf das Mitbringen von Lebensmitteln tierischen Ursprungs und achten Sie auf eine gründliche Reinigung von Kleidung und Schuhwerk nach dem Aufenthalt in ländlichen Regionen betroffener Länder“, betont die Ministerin.
Sowohl Schafpocken als auch die MKS seien zwar für den Menschen ungefährlich, hätten jedoch im Falle eines Tierseuchenausbruches verheerende Auswirkungen auf die Tierbestände und die Wirtschaftsbeteiligten. Das Gleiche gilt für die ASP.
Niederlande plant verpflichtende Impfung von Legehennen gegen HPAI
Die Hochpathogene Aviäre Influenza (HPAI) hat niederländische Geflügelhaltende in den Niederlanden in den vergangenen sieben Monaten stark gebeutelt. Aufgrund von HPAI-Ausbrüchen mussten allein in diesem Zeitraum rund 2,25 Millionen Tiere gekeult werden.
Nachdem ein groß angelegter Impfversuch auf einem Legehennenbetrieb bislang ohne Probleme verlaufen ist und die befürchtenden Handelsbeschränkungen ausgeblieben sind, plant Deutschlands Nachbarland nun in Abstimmung mit der Geflügelbranche eine Impfstrategie. Geplant ist laut Angaben der Regierung eine verpflichtende Impfung für Legehennen.
Im Vorfeld hat Wageningen Bioveterinary Research (WBVR) im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums bereits mehrere Feldversuche mit unterschiedlichen Impfstoffen durchgeführt. Die Studienergebnisse fallen durchweg positiv aus. Nach Aussagen der Forschenden erkrankten geimpfte Bestände seltener an der Geflügelpest. Zudem breite sich das Virus langsamer aus, falls es dennoch in einen Betrieb gelangt.
Mit den wichtigsten Handelspartnern USA, Kanada, Japan und Großbritannien hat die Regierung bereits Gespräche über den Strategieplan, der noch in diesem Jahr vorgelegt werden soll, geführt. Die Partner akzeptierten den Versuch unter der Bedingung, dass die Eier ausschließlich in den Niederlanden vermarktet werden.
Als weitere Bekämpfungsmaßnahme will die Regierung eine Verschärfung der Biosicherheitsmaßnahmen als Schutz vor Erregereinträgen in die Ställe weiter vorantreiben. So muss seit März 2025 jeder kommerzielle Geflügelbetrieb einen verbindlichen Biosicherheitsplan vorweisen.
Tierärzt:innen können sich auf Myvetlearn.de zum Thema Biosicherheit online fortbilden. Kurs 5 beschäftigt sich mit der Biosicherheit in Geflügelbeständen.
WOAH: Tiergesundheit als Schlüssel für globale Gesundheits- und Ernährungssicherheit
Im Rahmen der 93. Generalversammlung der World Organisation for Animal Health (WOAH) im Mai 2026 in Paris haben die teilnehmenden Minister:innen und hochrangige Vertreter:innen aus den Bereichen Tiergesundheit, Landwirtschaft und Ernährung eine gemeinsame Erklärung zur globalen Stärkung der Tiergesundheit und des Tierwohls verabschiedet. Darin wird betont, dass Tiergesundheit längst kein rein veterinärmedizinisches Thema mehr ist, sondern eine zentrale Voraussetzung für Ernährungssicherheit, wirtschaftliche Stabilität, sichere Handelsbeziehungen sowie die Prävention von Gesundheitskrisen im Sinne des One-Health-Ansatzes darstellt.
Es wird betont, dass die Welt zunehmend mit biologischen Risiken, klimabedingten Veränderungen, neuen Handelsdynamiken und einer steigenden Nachfrage nach Lebensmitteln tierischer Herkunft konfrontiert ist. Vor diesem Hintergrund werden leistungsfähige Veterinärdienste als essenziell für resiliente Gesundheitssysteme angesehen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auch auf der Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen (AMR), der Verbesserung von Tierwohlstandards sowie der Prävention grenzüberschreitender Tierseuchen.
Daher sollten Investitionen in Tiergesundheit und Tierwohl als strategische Zukunftsinvestitionen betrachtet werden. Die Verfasser fordern nationale Regierungen, internationale Organisationen, Finanzinstitutionen und den privaten Sektor dazu auf, Tiergesundheit stärker in politische und finanzielle Prioritäten einzubinden. Dabei wird darauf verwiesen, dass Tierseuchen erhebliche volkswirtschaftliche Schäden verursachen und direkte Auswirkungen auf menschliche Gesundheit, Lebensmittelsicherheit und soziale Stabilität haben können.
Ein weiterer Schwerpunkt der Erklärung ist die Modernisierung des öffentlichen Veterinärwesens. Digitale Technologien, verbesserte Surveillance-Systeme, Datenaustausch und innovative Diagnostik sollen zukünftig eine noch wichtigere Rolle spielen. Gleichzeitig wird die Bedeutung von gut ausgebildetem veterinärmedizinischem Fachpersonal hervorgehoben, einschließlich der stärkeren Einbindung junger Fachkräfte und Frauen in das Veterinärwesen.
Die WOAH-Mitgliedstaaten sprechen sich zudem für eine intensivere internationale Zusammenarbeit aus. Insbesondere bei zoonotischen Erkrankungen, der hochpathogenen aviären Influenza, der Afrikanischen Schweinepest sowie anderen grenzüberschreitenden Tierseuchen sollten Kooperation, Transparenz und harmonisierte Standards weiter ausgebaut werden. Die WOAH wird in diesem Zusammenhang als zentrale wissenschaftliche und koordinierende Instanz bestätigt.
Für praktizierende Tierärztinnen und Tierärzte ist die WOAH-Erklärung vor allem deshalb relevant, weil sie die zentrale Rolle des Berufsstandes in der globalen Gesundheitsvorsorge ausdrücklich anerkennt. Die Veterinärmedizin wird als unverzichtbarer Bestandteil der internationalen Gesundheitsarchitektur beschrieben – nicht nur im Hinblick auf Tierseuchenbekämpfung, sondern auch für Pandemievorsorge, Lebensmittelsicherheit, nachhaltige Tierhaltung und die Sicherstellung des internationalen Handels.
Weltbienentag: gesunde Bienenvölker für Ökosysteme unverzichtbar
Am 20. Mai ist Weltbienentag. Im Jahr 2018 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen diesen besonderen Tag eingeführt, um einerseits auf die immense Bedeutung von Bienen hinzuweisen und andererseits auf den starken Rückgang der Bienenpopulation und den erforderlichen Schutz dieser Insekten aufmerksam zu machen.
Die Österreichische Tierärztekammer (ÖTK) nimmt den Weltbienentag zum Anlass, die Bedeutung von Honigbienen als eines der wichtigsten landwirtschaftlichen Nutztiere aufzuzeigen. „Der Weltbienentag erinnert uns daran, wie unverzichtbar gesunde Bienenvölker für unsere Ernährung und unsere Ökosysteme sind. Bienengesundheit ist daher auch ein veterinärmedizinisches Thema“, betont ÖTK-Präsident Mag. Kurt Frühwirth. Höhere Bestandsdichten sowie eingeschleppte Parasiten und Krankheitserreger, die das Risiko für Krankheitsausbrüche erheblich erhöhen, hätten die Anforderungen an die Bienenhaltung in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert, so Frühwirth weiter. Um so wichtiger sei die veterinärmedizinische Expertise. So fordert die ÖTK eine stärkere Einbindung der Veterinärmedizin in die Betreuung von Bienenvölkern. Wie bei anderen Nutztieren müsse auch bei Bienen die Gesunderhaltung, Prävention und Behandlung veterinärmedizinisch begleitet werden.
„Seuchenhafte Erkrankungen gefährden nicht nur die Bienen, sondern auch die gesamte Lebensmittelkette. Mit wissenschaftlich fundierter Expertise und gesetzlicher Grundlagen setzen wir uns gezielt für die Gesunderhaltung der Bienenvölker ein. Denn gesunde Bienen bedeuten nicht nur sichere Honigprodukte, sondern auch eine funktionierende Landwirtschaft und Biodiversität. Die Biene verdient unsere volle Aufmerksamkeit – heute und jeden Tag“, sagt Frühwirth abschließend.
„Wir Menschen sind auf Bienen angewiesen“, betont auch Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus und verweist auf die Rolle der Landwirt:innen. „Auch sie sind wichtig bei der Erhaltung der Bienen. Schließlich werden 58 Prozent der Fläche unseres Landes landwirtschaftlich genutzt.“
Um die Nahrungssituation der Bienen auch in den Städten und Gemeinden zu verbessern, seien öffentliches Grün und private Gärten von großer Bedeutung. „Und da zählt jede noch so kleine Wiese oder jedes begrünte Dach. Denn jeder kann selbst zum Bienenschutz und damit zur Artenvielfalt beitragen. Neben der Schaffung von Lebensräumen, in denen Nahrungsquellen und Nistmöglichkeiten für Insekten vorkommen, sollte man darauf achten, gezielt Gehölze oder Wildpflanzen aus der Region zu kaufen und anzupflanzen. Beliebt bei Wildbienen sind etwa Glockenblumen, Korbblütler wie Färberkamille und Rainfarn sowie der Natternkopf“, sagt der Minister abschließend.
Hinweis: Im Herbst startet auf Myvetlearn.de zum Thema Bienengesundheit eine mehrteilige Fortbildungsreihe für Tierärztinnen und Tierärzte.
Wasserhygiene für Impferfolg bei ND wesentlich
Die Newcastle Disease (ND) ist eine anzeigepflichtige Tierseuche, die aktuell nach 30 Jahren ohne Ausbrüche wieder in den Bundesländern Brandenburg und Bayern grassiert. Das Virus ist hochansteckend und ein Ausbruch hat drastische wirtschaftliche Folgen. Deshalb ist die Impfung gegen die Erkrankung, die in der Regel über das Trinkwasser erfolgt, eine Pflichtimpfung, die regelmäßig bei Hühnern und Puten durchzuführen ist. Geflügelhalter sind angehalten, den Impfschutz zu prüfen und gegebenenfalls aufzufrischen. Für einen erfolgreichen Impfschutz ist aber nicht allein die Impfstoffgabe, sondern auch das begleitende Hygienemanagement maßgeblich, weiß Carola Basmer, Fachberaterin Geflügel. „Wir sehen in Blutuntersuchungen immer wieder unzureichende Impftiter, trotz korrekt durchgeführter Impfmaßnahmen.“
Ein zentraler Schwachpunkt ist laut Basmer die Trinkwasserhygiene, genauer gesagt der Umgang mit Desinfektionsmitteln, da die meisten der erhältlichen Impfstoffe Lebendimpfstoffe sind, also lebende, wenn auch abgeschwächte Viren enthalten. Diese wiederum sind sehr empfindlich.
Viele Betriebe setzen zur Kontrolle von Biofilmen in den Tränkwassersystemen noch immer auf herkömmliche Chlorprodukte. Verbleiben vor der Impfung Chlorreste im Leitungssystem, kann dies zu einer Inaktivierung des Impfstoffes noch im Rohr führen. „Das Tier nimmt zwar Wasser auf, aber keinen wirksamen Impfstoff mehr. Im schlimmsten Fall bleibt der Impfschutz komplett aus“, weiß Basmer.
Um diesen ungewollten Effekt zu vermeiden, müssen die Desinfektionsmaßnahmen rechtzeitig vor der Impfung gestoppt und die Leitungen gründlich gespült werden. „Es reicht nicht, einfach nur den Dosierer abzustellen“, betont Basmer. „Das System muss wirklich frei von Rückständen sein.“ Neben der regelmäßigen und fachgerecht angewendeten Impfung spielen aber auch weitere Biosicherheitsmaßnahmen eine wichtige Rolle. „Biosicherheit ist kein bürokratischer Aufwand, sondern ein wirtschaftlicher Schutzschild für den Betrieb“, fasst Basmer zusammen. Gerade bei der Newcastle Disease zeigt sich, dass nicht die Impfung allein über den Erfolg entscheidet, sondern die Bedingungen, unter denen sie stattfindet.
Interzoo erfolgreich zu Ende gegangen
Die Interzoo 2026 in Nürnberg, die am 15. Mai zu Ende ging, hat erneut ihre Bedeutung als weltweit wichtigste Fachmesse der Heimtierbranche unter Beweis gestellt. Mit rund 2.400 Ausstellern aus etwa 70 Ländern sowie rund 39.000 Fachbesuchern aus mehr als 130 Nationen verzeichnete die Messe die höchsten Teilnehmerzahlen ihrer Geschichte. Besonders deutlich zeigte sich dabei die internationale Ausrichtung: Über 87 % der Aussteller und mehr als 70 % der Besucher kamen aus dem Ausland.
Inhaltlich standen insbesondere die Themen Tiergesundheit und Nachhaltigkeit im Fokus. Der globale Heimtiermarkt wächst weiterhin dynamisch und erreichte laut Euromonitor ein Volumen von 189 Milliarden Euro. Besonders stark entwickelt sich der Bereich präventiver Gesundheitslösungen für Heimtiere. Zahlreiche Aussteller präsentierten Produkte, die Tierhalter dabei unterstützen sollen, die Gesundheit ihrer Tiere aktiv zu überwachen und zu fördern. Dieses Thema spiegelte sich auch im Rahmenprogramm wider, unter anderem mit einer eigenen Academy Session zum Bereich Healthcare.
Ein weiterer Schwerpunkt war die nachhaltige Entwicklung der Heimtierbranche. Bereits vor Messebeginn fand die Interzoo Sustainability Conference mit Teilnehmern aus 30 Ländern statt. Im Mittelpunkt standen praxisorientierte Ansätze zur nachhaltigen Gestaltung von Produktions- und Lieferketten. Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung innovativer Inhaltsstoffe und ressourcenschonender Herstellungsverfahren.
Experten halten Klimakrise für gesundheitliche Notlage
Eine Expertenkommission hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) aufgefordert, die Klimakrise zur gesundheitlichen Notlage mit internationaler Tragweite zu erklären. Denn die von der WHO selbst eingesetzte paneuropäische Expertenkommission, zu der auch Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach gehört, sehen in der Klimakrise einen medizinischen Notfall. "Die WHO muss der Bekämpfung der Klimakrise mehr Aufmerksamkeit widmen. Abwarten im Verlauf der Katastrophe macht keinen Sinn", so Lauterbach.
Die Experten fordern außerdem die Einrichtung und Bereitstellung eines Klima-Informations-Hub mit Faktenchecks und seriösen Prognosen auf wissenschaftlicher Basis. Regierungen werden aufgefordert, die Klimakrise in ihrer nationalen Sicherheits- und Gesundheitspolitik zu verankern.
Umfrage zur Zukunft der Selbstständigkeit
Der Wirtschaftsverband Freier Großtierärzte (WFG), der verbund unabhängiger Kleintierkliniken (VUK) und der Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt) wollen durch eine kurze Online-Umfrage (ca. 3 Minuten) herausfinden, wie Tierärzt:innen über das Thema Selbstständigkeit denken.
Durch die Umfrage sollen die größten Herausforderungen, Wünsche oder auch Hindernisse analysiert werden. Anschließend sollen passende Angebote zur Verwirklichung der Selbstständigkeit entwickelt werden.
Unter allen Teilnehmenden wird ein Ticket (inkl. Rahmenprogramm) für das DACH-Wirtschaftsforum am 15. und 16. September in Freiburg verlost.
Die Umfrage steht bis 31. Mai zur Verfügung.
Peptide in Ameisengift schützen Brut vor Krankheitserregern
Wissenschaftler:innen der Freien Universität (FU) Berlin und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg konnten zwei völlig neue Peptid-Familien in den Giften von Schuppenameisen nachweisen. Die in dem untersuchten Ameisengift erstmals identifizierten Peptide erfüllen scheinbar die Funktion, die Brut vor Infektionen zu schützen.
„Einige der Peptide zeigen eine ausgeprägte Wirkung gegen Pilze. Das ist interessant vor dem Hintergrund einer Bedrohung sozialer Gemeinschaften durch Umweltmikroben und Krankheitserreger sowie zunehmender Resistenzen dieser Mikroben gegen antimikrobielle Wirkstoffe“, betont Dr. Simon Tragust, Projektleiter am Institut für Biologie der Universität Halle. „Mit über 3.700 Arten eröffnet die Unterfamilie Formicinae (Schuppenameisen) ein enormes Potenzial für die Entdeckung weiterer bioaktiver Substanzen.“
Bislang stand die Annahme im Raum, dass Ameisensäure zentraler und nahezu alleiniger Inhaltsstoff von Ameisengiften ist. „Wir sind in unserem Projekt einer jahrzehntealten und weitgehend unbeachteten Publikation nachgegangen, in der erwähnt wurde, dass diese Gifte vielleicht auch eiweißartige Stoffe enthalten“, sagt der Projektleiter und Professor für Pharmazeutische Biologie am Institut für Pharmazie der Freien Universität Berlin, Timo Niedermeyer. Er ergänzt: „Wir haben nun zwei völlig neue Peptid-Familien in den Giften von Schuppenameisen nachgewiesen. Diese Peptide sind einzigartig in diesen Ameisen, kommen dort aber weit verbreitet vor. Ihr Gift ist wesentlich komplexer als bisher angenommen.“
Mit ihren Studienergebnissen schließen die Forschenden eine jahrhundertalte Wissenslücke. Die Entdeckung der neuen Peptide hat Bedeutung für die medizinische Wirkstoffforschung und eröffnet neue Perspektiven auf die Immunabwehr und den Umgang mit Mikroben in sozialen Insektengemeinschaften. Die Studie ist im Fachmagazin Science Advances erschienen.
Schweiz will Ausstiege aus Schweinehaltung fördern
Züchterische Fortschritte, eine verbesserte Tiergesundheit sowie höhere Leistungen in den Betrieben haben in den vergangenen Jahren in der Schweiz zu einer jährlichen Zunahme der Schweinefleischproduktion um mehr als 1,5 Prozent geführt. Pro Woche werden in der Schweiz rund 48.000 Schweine geschlachtet, verkauft werden jedoch nur 44.000 Tiere. Nach Informationen des Landwirtschaftlichen Informationsdienstes LID ist der Auszahlungspreis für Schlachtschweine durch das Überangebot innerhalb eines Jahres stark gefallen.
Um den dadurch entstehenden Preisdruck aus der Branche zu nehmen, stellt der Bund Zuchtbetrieben, die früher aussteigen wollen, bis zu 10 Millionen Franken zur Verfügung. Die Regierung verfolgt mit dieser Maßnahme das Ziel, die Zahl der Schweine zu verringern. Wer an dem Modell teilnimmt, darf den betroffenen Zuchtschweineplatz für 25 Jahre nicht mehr nutzen. Zusätzlich soll während zehn Jahren der Bau neuer Schweineställe untersagt werden.
Das über einen Fonds der Branchenorganisation Proviande finanzierte Vorhaben hat innerhalb der Branche zu kontroversen Diskussionen geführt. So werden fehlende Abklärungen sowie eine unzureichende Ausarbeitung des Modells kritisiert.
Datenbank für Falltiere gefordert
In Deutschland versterben jedes Jahr Millionen Nutztiere auf landwirtschaftlichen Betrieben schon vor der Schlachtung. Die Hauptgründe sind Krankheiten oder Verletzungen, die sich Geflügel und Schweine sowie andere Tiere aufgrund von schlechten Haltungsbedingungen zuziehen. Wie hoch die Zahl der sogenannten Falltiere genau ist, steht nicht fest. Lediglich für Rinder wird jährlich eine Zahl ermittelt, die bei ca. 500.000 Tieren pro Jahr liegt.
Der Deutsche Tierschutzbund fordert daher von der Bundesregierung, eine Datenbank über die Sterblichkeitsraten von Nutztieren zu erstellen, um einen grundlegenden Überblick über die tatsächliche Zahl der Tiere, die die Schlachtung gar nicht erst erreichen, sondern verenden oder notgetötet werden müssen, zu erhalten.
„Die Bundesregierung hat offensichtlich kein Interesse daran zu wissen, wie viele Tiere in Deutschland “für die Tonne” gezüchtet werden“, kritisiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Trotz bestehender Strukturen zur Entsorgung der Tiere werden diese Daten nicht systematisch gesammelt oder ausgewertet. Dadurch bleibt unsichtbar, wie groß das tatsächliche Ausmaß von Tierverlusten in der Landwirtschaft ist und wo die größten tierschutzrelevanten Probleme liegen.“
Gemäß Koalitionsvertrag sollte „eine praxistaugliche Rechtsgrundlage für Kontrolle und Kennzeichnung von toten Tieren in Verarbeitungsbetrieben tierischer Nebenprodukte" geschaffen werden, was bisher nicht umgesetzt wurde, so der Verband. Die Tierschützer:innen fordern daher eine verpflichtende bundesweite Erfassung aller „Falltiere“ und ihrer Todesursachen in einer Datenbank.




