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Tortur Tiertransporte - der Mensch kennt keine Gnade

21.07.2020

Zusammen mit TierschützerInnen verschiedener Organisationen hat ARD-Autor Edgar Verheyen in seiner Dokumentation "Tiertransporte gnadenlos" Rindertransporte nach Asien, nach Nordafrika und quer durch Europa begleitet. In seiner aufrüttelnden Reportage hat Verheyen die meist katastrophalen Transportbedingungen in Lastwagen oder auf maroden Schiffen, die Qualen von hochträchtigen Kühen auf ihrer 4.000 Kilometer langen und Tage dauernden Tortur, das tierunwürdige Be- und Entladen der Tiere sowie das grausame Schächten in nordafrikanischen Schlachthöfen gefilmt. Mangelnde Versorgung mit Wasser und Nahrung bei Extremtemperaturen führt nicht selten schon während des Transports zum Tod der Tiere. Tierschutzexperten wie Iris Baumgärtner von der Organisation Animal Welfare Foundation beklagen, dass der Tierschutz bei solchen Exporten kaum zu überprüfen sei. Offiziell "zu Zuchtzwecken" verkauft, landen mehr als 30.000 Rinder jährlich in Ländern außerhalb der EU.
Aktivisten von Animals Angels entdeckten zahlreiche Hochleistungsrinder, die aus EU-Ländern stammten, auf Vieh- Märkten bei Marrakesch und Casablanca, die direkt nach dem Verkauf zum nahegelegenen Schlachthof gebracht wurden. In seiner Dokumentation fragt Verheyen auch nach den Ursachen, konfrontiert Politiker in Brüssel und Berlin sowie Verantwortliche in Industrie und Landwirtschaft. Das Fazit: Der Mensch kennt keine Gnade. Die Tiere werden auf grausame Weise, ohne Rücksicht auf die Kreatur, egal ob bei großer Hitze oder extremer Kälte über tausende Kilometer an ihre Bestimmungsorte verbracht, nur um dort dann zumindest teilweise auch nur geschlachtet werden - allerdings auf sehr viel grausamere Art und Weise. Viehhändler setzen sich dabei vielfach über geltendes Recht hinweg. Die erschütternde Reportage ist noch bis zum 20.07.2021 in der ARD-Mediathek zu sehen und macht deutlich, wie dringend Humanität für das Mitgeschöpft Tier gefragt ist.

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04.08.2020: Maßnahmen für eine verbesserte Hornviehhaltung im Laufstall

WissenschaftlerInnen der Universität Kassel konnten mit ihrem Forschungsprojekt „Hörner im Laufstall“ belegen, dass Hornviehhaltung auch im Laufstall funktionieren kann. Zusammen mit dem Anbauverband Demeter und Bioland haben die ForscherInnen knapp 40 Betriebe über fünf Jahre wissenschaftlich begleitet, wie Topagrar berichtet. Enge Gänge, Konkurrenz am Futtertisch oder ein schlechtes Herdenmanagement können im Laufstall in der Hornviehhaltung Probleme bereiten. Für eine wesensgemäße und zukunftsfähige
Milchviehhaltung seien aber der Weidegang im Sommer sowie beispielsweise breitere Gänge im Laufstall zielführend, wie Mitautor und Demeter-Berater Ulrich Mück erklärt: „Das genaue Beobachten der Kühe und ein gutes Mensch-Tier-Verhältnis ist die beste Voraussetzung dafür.“ Eine weitere Maßnahme sei zudem mehr Platz am Futtertisch, damit die Konkurrenz unter den Tieren gemindert wird. Laut Mück soll das Projekt auch anderen Betrieben Mut machen, wieder horntragende Milchkühe zu halten und über eine Bio-Zertifizierung nachzudenken.

04.08.2020: Corona: Menschen können Hunde und Katzen anstecken

Italienische ForscherInnen haben mit ihrer Studie belegen können, dass mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infizierte Menschen ihre Hunde und Katzen anstecken können. Dazu wurden 540 Hunde und 277 Katzen in Norditalien untersucht. Alle Tiere hatten entweder in einem Haushalt mit einem Corona-Infizierten oder in einer Region gelebt, die besonders von Coronainfektionen betroffen war. Bei 3,4 Prozent der Hunde bzw. 3,9 Prozent der Katzen hatten sich Antikörper gegen das Virus gebildet, was auf eine vergangene Infektion hindeutet. „Wir gehen davon aus, dass im Regelfall die Übertragung des Virus vom Menschen
auf das Tier erfolgt“, erklärt der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts Greifswald, Thomas Mettenleiter, denn die Mehrheit der positiv getesteten Tiere kamen aus einem Haushalt mit infizierten Personen. Bei der Verbreitung des Covid-19-Erregers spielen Hunde und Katzen jedoch keine Rolle, denn das Virus kann sich in diesen Tieren nicht vermehren. Laut FLI gibt bisher auch keine Hinweise darauf, dass sich Schweine, Hühner und andere landwirtschaftliche Nutztiere mit Sars-CoV-2 infizieren können. Die Verbreitung des Coronavirus geschehe durch Mensch- zu-Mensch-Übertragung.

03.08.2020: Konstanzer Biologen mit Ursula M. Händel-Tierschutzpreis ausgezeichnet

Der Ursula M. Händel-Tierschutzpreis 2020 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ist an zwei Biologen der Universität Konstanz vergeben worden. Die beiden Professoren Dr. Marcel Leist und Dr. Thomas Hartung sind mit dem Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet worden. Innerhalb der letzten zehn Jahren geht die Auszeichnung bereits zum zweiten Mal an Forschende der Universität Konstanz. Mit dem Preis werden Arbeiten von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gewürdigt, die sich vorbildlich und nachhaltig darum bemühen, den Tierschutz in der Forschung zu verbessern, insbesondere durch die Entwicklung von Verfahren, die zur Reduzierung, Verfeinerung und zum Ersatz von Tierversuchen
beitragen (3R-Prinzip). Die diesjährigen Preisträger nutzen unter anderem künstliche Intelligenz, um Rückschlüsse auf die Toxizität von noch unerforschten Substanzen zu ziehen oder um auf Grundlage der in toxikologischen Datenbanken hinterlegten Informationen automatisierte Vorhersagen zu treffen. Beide Ansätze tragen dazu bei, Tierversuche zu vermeiden oder deutlich zu reduzieren. Die Preisverleihung wird im Rahmen einer offiziellen Zeremonie stattfinden, die für den 1. Oktober 2020 am 3R-Zentrum in Gießen (ICAR3R) vorgesehen ist und virtuelle mit Präsenzanteilen kombinieren wird. Im Vorfeld der Preisverleihung wird außerdem ein 3R-Symposium stattfinden. Das Preisgeld beträgt 80.000 Euro.

03.08.2020: Fall von Hasenpest in Bayern

In Lixenried im bayerischen Landkreis Cham ist bei einem Feldhasen Tularämie (Hasenpest) festgestellt worden. Das hat das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) mitgeteilt. Das Veterinäramt empfiehlt dringend, keine kranken oder toten Feldhasen anzufassen, da sich die Hasenpest durch direkten Kontakt auf andere Tiere oder Menschen überträgt. Aber auch Infektionen durch Stäube, Bisse, blutsaugende Insekten und unzureichend erhitztes Wildbret sind möglich.
Zu erkennen sind erkrankte Feldhasen, da sie matt und teilnahmslos erscheinen und verlieren ihre Schnelligkeit sowie ihre angeborene Scheu verlieren. Auch wenn sich Hunde selten mit dem Erreger der Tularämie infizieren, sollten sie dennoch von kranken oder toten Tieren ferngehalten werden. Gefährdet sind hauptsächlich Jäger, Metzger, Köche und Tierärzte. Tularämie lässt sich aber mit Antibiotika behandeln, die Heilungschancen sind sehr gut. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht bekannt.

03.08.2020: Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg untersagen lange Tiertransporte in Drittstaaten

Rheinland-Pfalz verbietet ab sofort per Erlass lange Transporte von Wiederkäuern und Schweinen in Nicht-EU-Länder. Eine Ausnahme bildet die Schweiz. Mehr als achtstündige Lebendtiertransporte in Länder außerhalb der EU sind somit nicht mehr möglich. Auch bei geplanten Transporten innerhalb der EU wird weiterhin geprüft, ob unter anderem verlässliche Informationen zu den Beförderungs- und Ruhezeiten der Tiere oder zu den Versorgungsstationen
vorliegen, die mit den EU- Tierschutzanforderungen konform sind. Geprüft werden zudem die Witterungsbedingungen im angesteuerten europäischen Zielland. Auch Baden-Württemberg untersagt bis auf Weiteres lange Beförderungen von Nutztieren in weit entfernte Drittstaaten, nachdem das Land Kenntnis über unzulängliche Transportbedingungen bzw. fehlende Versorgungsmöglichkeiten für Nutztiere erhalten hat, wie Minister Peter Hauk mitteilt.

31.07.2020: ZDG empört über neues Arbeitsschutzkontrollgesetz

Der vom Bundeskabinett beschlossene Gesetzesentwurf zum Verbot von Werksverträgen, Arbeitnehmerüberlassung und Unternehmenskooperation in der Fleischproduktion sorgt bei dem Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) für großen Unmut. „Wir sind erschüttert, mit welcher wirtschaftsfeindlichen Ideologie Bundesarbeitsminister Hubertus Heil mit seinem Entwurf eines Arbeitsschutzkontrollgesetzes die in unserem Rechtsstaat geltenden ökonomischen und juristischen Grundlagen komplett über Bord geworfen hat. Das über die Werkverträge hinaus gehende Verbot der Arbeitnehmerüberlassung und der Unternehmenskooperation ist unverhältnismäßig, mit heißer Nadel gestrickt - und gefährdet Arbeitsplätze! Die Bundesregierung nimmt in nie dagewesener Art und Weise einer einzelnen Branche rechtsstaatlich zugesicherte, marktwirtschaftliche Grundprinzipien weg“, erklärt ZDG-Präsident Friedrich-Otto Ripke. Den Verzicht auf Werksverträge hat die Geflügelindustrie bereits
verkündet. Doch gegen die Arbeitnehmerüberlassung wehrt sich der Verband vehement, denn die Fleischindustrie fürchtet, dass die Betriebe dadurch nicht flexibel auf saisonale Spitzen reagieren könnten und fordert eine verbindliche Quote. „Darüber hinaus hebelt das Verbot von Unternehmenskooperation unter anderem zwingend notwendige und etablierte lebensmittelhygienerechtliche Fakten aus. Minister Heil ignoriert all das wissentlich und nimmt sehenden Auges in Kauf, dass ein ganzer Wirtschaftszweig mit tausenden Arbeitsplätzen in Deutschland existenzgefährdet und dem Import ausländischer Fleischerzeugnisse Tür und Tor geöffnet wird. Aus Sicht der deutschen Geflügelwirtschaft ist klar: Neben der Verletzung marktwirtschaftlicher Prinzipien im Gesetzentwurf wurde hier auch die notwendige Sorgfaltspflicht, die einem jedem deutschen Gesetz zugrunde liegen muss, auf das Gröbste verletzt. Wir appellieren an die Vernunft und Sachlichkeit der Abgeordneten des Deutschen Bundestages, im weiteren Gesetzgebungsverfahren diese Fehler zu korrigieren!", so Ripke weiter.

31.07.2020: Wien richtet Dog Zone ein

Am Samstag, den 1. August 2020, startet der Tierschutz Austria (vormals Wiener Tierschutzverein) für einen Monat jeweils von donnerstags bis samstags die „Dog Zone – Outdoor statt Auto“. Bei dieser Aktion können Hundehalter ihre Tiere während des Einkaufsbummels im Shopping Center Süd in einem eingezäunten, sichtgeschützten und privaten Hundeauslauf lassen. Hier gibt es für die Vierbeiner neben Spielzeug, frischem
Wasser und Leckerlies auch einen Hunde-Pool bzw. einen kühlen Indoor-Hundestall zur Abkühlung an heißen Sommertagen. So müssen die Hunde nicht draußen oder gar im Auto warten, das schon bei Außentemperaturen ab 20 Grad Celsius zur Hitzefalle wird. Um Voranmeldung und Buchung unter +43 1 699 24 50 wird gebeten. Je nach Dauer kostet die Unterbringung der Hunde zwischen 6,90 und 12,90/ Hund.

31.07.2020: Animal Hording: Mehr als 90 Katzen sichergestellt

Bei Wohnungsräumungen in den Berliner Stadtteilen Spandau und Pankow im Juli 2020 wurden mehr als 90 Katzen, oft in einem erbärmlichen Zustand, von den Veterinärämtern beschlagnahmt und ins Berliner Tierheim gebracht. Falsch verstandene Tierliebe führte dazu, dass unzählige Katzen in den beiden Haushalten gehortet wurden und die Haltung komplett außer Kontrolle geraten war. „Der erste Fall betraf eine Messie-Wohnung im Bezirk Pankow“, sagt Tierheim-Sprecherin Annette Rost. „Gegen die Bewohner hatte man schon vor Jahren ein Tierhaltungsverbot verhängt, doch sie hielten sich nicht daran.“ Die 55 in dem Pankower Haushalt sichergestellten Tiere waren alle in einem katastrophalen Zustand. Die Tiere hatten entzündete und verklebte
Augen oder litten an Katzenschnupfen. Bei einer Katze wurden so viele Tumore diagnostiziert, dass diese umgehend eingeschläfert werden musste. In der Tierarzt-Praxis des Tierheims stapelten sich die Boxen und die TierärztInnen kamen mit dem Behandeln der Tiere kaum hinterher. Diese Situation wurde durch die zweite Räumung einer Wohnung in Spandau nicht besser, denn da mussten weitere 36 Katzen versorgt werden. Entsprechend viele Katzen müssen nach ihrer Genesung in ein neues Zuhause vermittelt werden, allerdings sollen sie jeweils nur zu zweit abgegeben werden. Interessenten können sich per Mail an schillow1@tierschutz-berlin.de wenden, sie benötigen allerdings eine ausgefüllte Selbstauskunft.

31.07.2020: Versicherung für Tiere - wann sie Sinn machen

Versicherungen für Haustiere werden immer wichtiger. Wer Besitzer einer Katze oder eines Hundes ist oder sich mit dem Gedanken beschäftigt, sich ein Haustier anzuschaffen, sollte für den Krankheits- bzw. Schadensfall vorsorgen. Denn es kann ganz schnell gehen, dass Hund und Katze krank werden und hohe Behandlungskosten beim Tierarzt auflaufen. Eine Krankenversicherung deckt diese Kosten ab. Sie greift bei der Versorgung nach einem Unfall, nach Operationen und übernimmt die medikamentöse Versorgung des Tieres. Die Kosten einer solchen Tierkrankenversicherung berechnen sich meist anhand von Alter und Gesundheitsstatus des Tieres zum Zeitpunkt des Abschlusses. Je jünger das Tier, desto geringer sind die regelmäßigen Kosten für die Versicherung.
Ratsam ist darüber hinaus eine Haftpflichtversicherung für Tierbesitzer. Diese tritt in Kraft, wenn ein Sachschaden durch das Tier entsteht oder Menschen verletzt werden. Hier sollte darauf geachtet werde, dass der Tarif Mietschäden und Auslandsaufenthalte mit versichert. Bei einer Pferdehaftpflichtversicherung sollten Flurschäden, Deckschäden und Mietschäden mitsamt der Deckung der Kosten durch Verstöße gegen die Halterpflichten integriert sein. Bei Pferden empfiehlt sich außerdem eine OP-Kosten-Versicherung, die die Kosten für notwendige Operationen und die sich daraus ergebende Nachsorge abdeckt. Grundsätzlich sollten die unterschiedlichen Tarife miteinander verglichen werden, denn teuer bedeutet nicht auch gleichzeitig besser.

31.07.2020: Verluste durch Wildbienenrückgang höher als gedacht

In den USA sowie Kanada bereitet der immer weiter sinkende Wildbienenbestand Sorgen, da dieser die Obst- und Gemüseernte inzwischen stark beeinträchtigt. ForscherInnen verschiedener Universitäten in den beiden Ländern haben in einer Studie herausgefunden, dass ein Zusammenhang zwischen der Rückgang der Wildbienenpopulationen und der geringeren Produktionsmenge bei fünf von sieben der für die nordamerikanische Agrarwirtschaft zentralen Nutzpflanzen besteht. Dafür hatten die WissenschaftlerInnen Proben von mehr als 130 landwirtschaftlichen Betrieben analysiert. Die Rolle der Wildbienen bei der Bestäubung von Nutzpflanzen wie Kürbissen, Äpfeln, Süßkirschen, Blaubeeren und Wassermelone hat sich
als bedeutender als bisher angenommen herausgestellt. Nach den Berechnungen der Studienautoren beträgt der monetäre Wert der Bestäuberleistung durch Wildbienen in den USA mehr als 1,5 Milliarden Dollar, bei den Honigbienen sind es 6,4 Milliarden Dollar. Letztere werden in den USA häufig von Landwirten für die Bestäubung ihrer Pflanzen angemietet. Um dem dramatischen Rückgang der Bienen sowie den damit einhergehenden Auswirkungen auf die Lebensmittelproduktion entgegenzuwirken, appellieren die AutorInnen der Studie an die Landwirte, auf für Bienen giftige Pflanzenschutzmittel zu verzichten. Mit dem Aufbaukurs Bienen auf myvetlearn.de können sich TierärztInnen zu dem Thema fortbilden.

30.07.2020: Grippeviren in Schweinehaltungen besitzen präpandemisches Potenzial

Zusammen mit dem Universitätsklinikum Freiburg hat das Friedrich- Loeffler-Institut (FLI) eine umfangreiche Studie veröffentlicht, die sich mit neuen Grippeviren mit präpandemischem Potenzial in Schweinehaltungen befasst hat. Bekannt ist, dass sich in Schweinen eine zunehmende Anzahl diverser, von Mensch, Schwein oder Vogel stammenden Influenzaviren vermehren und neu sortieren können. Daraus können wiederum zunehmend neue Virusvarianten entstehen. Für ihre Untersuchungen haben die ForscherInnen gut 18.000 Einzelproben aus fast 2.500 schweinehaltenden Betrieben mit Atemwegserkrankungen bei Schweinen in Deutschland und 16 weiteren europäischen Ländern analysiert. In über 50 Prozent der untersuchten Betriebe konnten die ForscherInnen ganzjährig Influenzavirusinfektionen ausmachen. Schwerpunktmäßig wurden besonders die Viren untersucht, die ein mögliches Potential haben, auf den Menschen übertragen zu werden. Die WissenschaftlerInnen konnten belegen, dass einige
Varianten der analysierten Influenzaviren ein zoonotisches Potential haben. „Einige der Schweine-Influenza-Viren haben bereits eine wichtige Barriere für die Übertragung auf den Menschen überwunden. Das erhöht das Risiko deutlich“, sagt Prof. Dr. Martin Schwemmle vom Universitätsklinikum Freiburg. Die Studienergebnisse sollen zu einem besseren Kenntnisstand über die Infektionslage und damit zu verbesserten Bekämpfungsstrategien sowie einer Optimierung von Impfstoffen für Schweine gegen Influenzaviren beitragen, was wiederum zu mehr Tierwohl führen, aber auch wirtschaftliche Einbußen in der Schweineproduktion vermindern könnte. Gleichzeitig würde ein Rückgang der Influenzaviren in Schweinebeständen eine Verringerung des Expositionsrisikos von Menschen gegenüber potentiell zoonotischen Influenzaviren aus diesem Reservoir bewirken. „Der vielbeschworene 'One Health-Gedanke' ließe sich gerade hier erfolgversprechend in praktische Projekte zum gegenseitigen Nutzen von Mensch und Tier umsetzen“, sagt Prof. Dr. Timm Harder vom FLI.

30.07.2020: Immunokastrationsverbot für Öko-Betriebe - Entscheidung stößt auf breites Unverständnis

Die Länderarbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (LÖK) hat beschlossen, die seit 2010 für den Öko-Landbau zugelassene Impfung gegen Ebergeruch für Öko-Betriebe zu verbieten. Mit ihrer Entscheidung gefährdet die LÖK den für Ende 2020 beschlossenen Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration. Hintergrund des drohenden Verbots ist eine nicht bindende Interpretation der EU- Öko-Verordnung durch die EU-Kommission. Der Öko-Verband Naturland, die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) und der Tierschutzverband PROVIEH sowie die REWE Group fordern nun von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, die deutsche EU- Ratspräsidentschaft dazu zu nutzen, sich in Brüssel aktiv für das Tierwohl einzusetzen, das gerade in Öko-Betrieben einen besonders hohen Stellenwert hat. „Es ist völlig schleierhaft, warum die Impfung gegen Ebergeruch nicht vereinbar mit der EU-Öko-Verordnung sein soll. Die EU-Kommission hat für diese Einschätzung bislang keine einzige stichhaltige Begründung geliefert, weder aus wissenschaftlicher noch aus tierschutzfachlicher Sicht. Bei dem verwendeten Impfstoff handelt es sich nicht um ein Hormonpräparat; er unterdrückt auf immunologischem Wege die natürliche Hormonproduktion der männlichen Schweine. Die chirurgische Kastration stellt im
Gegensatz dazu einen viel größeren Eingriff in den Hormonhaushalt der Tiere dar und ist zudem mit Leiden und Schmerzen verbunden“, kritisiert Prof. Thomas Blaha, Stv. Vorsitzender der TVT die Entscheidung der LÖK. „Unser Ziel muss die Unversehrtheit der Schweine sein. Daher hat PROVIEH von Anfang an die Ebermast, mit und ohne Impfung gegen Ebergeruch, aktiv unterstützt. Die Immunokastration gewährleistet die Unversehrtheit der männlichen Ferkel und soll nun trotzdem ausgerechnet für den Öko-Landbau verboten werden. Diese Entscheidung ist absurd und gefährlich. Die Öko-Betriebe verlieren ein etabliertes und zukunftsweisendes Verfahren, und im konventionellen Sektor wird dessen Einführung von Beginn an erschwert. Stattdessen wird die chirurgische Kastration unter Narkose mit Millionen von Steuergeldern bezuschusst – ein Verfahren, bei dem die Tiere weiterhin verstümmelt werden“, erklärt Jasmin Zöllmer, PROVIEH e.V., abschließend. Dennoch ist es für TierärztInnen wichtig, bei Ferkeln eine fachgerechte Isofluran-Narkose durchführen zu können, wie sie bei der Ferkelkastration ab 2021 durchgeführt werden muss. Das entsprechende Wissen vermittelt ein gemeinsames Online-Seminar von bpt, ATF und Vetion.de am 18. August 2020 auf der Fortbildungsplattform Myvetlearn.de.

30.07.2020: Foodwatch fordert grundlegende Reform der Lebensmittelüberwachung

Die vom Bundeskabinett beschlossene Neufassung der sogenannten "Allgemeine Verwaltungsvorschrift Rahmen-Überwachung" (AVV RÜb) für die Lebensmittelkontrollen werden von foodwatch stark kritisiert. Den neuen Regeln gemäß sollen Pflicht-Kontrollen künftig verringert, Problembetriebe sollen hingegen häufiger kontrolliert werden. Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei der Verbraucherorganisation foodwatch befürchtet, dass durch die neue Regelung der nächste Lebensmittelskandal vorprogrammiert sei und erklärt: „In Fleischbetrieben, die der höchsten Risikoklasse zugeordnet sind, sollen in Zukunft statt tägliche nur noch wöchentliche Kontrollen stattfinden müssen. Und andere Lebensmittelbetriebe, die bisher monatlich kontrolliert werden müssen, sollen künftig nur vierteljährlich verpflichtend kontrolliert
werden.“ Aber häufig würden Probleme bei Betrieben erst durch Pflicht-Kontrollen bemerkt. „Zudem orientiert sich die Zahl der Lebensmittelkontrolleure an der Zahl der Kontrollen. Werden diese Vorgaben verringert, kann das langfristig den Personalmangel in den Behörden noch verstärken. Statt die Zahl der Pflicht-Kontrollen zu verringern, muss Frau Klöckner eine grundlegende Reform der Lebensmittelüberwachung anstoßen. Was wir haben, sind 400 politisch abhängige Behörden mit oft eklatantem Personalmangel, die die allermeisten Kontrollergebnisse geheim halten. Was wir brauchen, ist eine unabhängige Landesanstalt für die Lebensmittelüberwachung pro Bundesland, die ausreichend Personal vorhält und alle Ergebnisse veröffentlichen muss", fordert Huizinga abschließend.

30.07.2020: Weniger gewerbliche Schweineschlachtungen in NRW

Die Zahl der Schweineschlachtungen in Nordrhein-Westfalen ist im Juni 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat um knapp 15 Prozent zurückgegangen. Laut Angaben des Statistischen Landesamtes NRW (IT.NRW) wurden im vergangenen Monat annähernd 1,18 Millionen Schweine gewerblich geschlachtet. Im Vergleich zum Mai 2020 waren das neun Prozent weniger Schlachtungen. Im April diesen Jahres wurden noch knapp 20 Prozent mehr Schweine geschlachtet. Der Grund
für die verringerte Zahl der Schlachtungen sind die Schließungen von Schlachthöfen in den Regierungsbezirken Münster und Detmold. Während im Regierungsbezirk Detmold im Juni 2020 46,2 Prozent weniger Schweine als im Mai geschlachtet wurden, ist die Zahl der gewerblichen Schweineschlachtungen im Regierungsbezirk Münster jedoch wieder um 24,3 Prozent gestiegen. Im Vergleich zum April 2020 war aber ein Rückgang von 4,5 Prozent zu verzeichnen.

30.07.2020: Forscher identifizieren 157 Gene bilateral-symmetrischer Tiere

ForscherInnen der Universität zu Köln unter der Leitung von Dr. Peter Heger in der Arbeitsgruppe Wiehe am Institut für Genetik ist es gelungen, 157 Gene zu identifizieren, die es nur bei Tieren mit symmetrischen Körperseiten gibt. Bilateral- symmetrische Tierarten haben gemeinsam, dass sie eine symmetrisch aufgebaute rechte und linke Körperhälfte, ein vorderes und hinteres Körperende sowie eine dorsale und ventrale Seite (Rücken und Bauch) haben. Das gilt zwar für die überwiegende Zahl der Lebewesen, inklusive des Menschen, dennoch stammen alle von einem gemeinsamen Vorfahren ab. Während der Kambrischen Explosion vor
540 Millionen Jahren sind aus diesem Vorfahren die verschiedenen bilateral-symmetrischen Tierstämme hervorgegangen. Einige wenige Lebewesen wie Nesseltiere (Cnidaria), Schwämme (Porifera) und Rippenquallen (Ctenophora) haben keine Bilateralsymmetrie. Durch umfassende Genomanalysen konnten die Kölner WissenschaftlerInnen mithilfe des High Performance Computers nun diese Gene ermitteln, die möglicherweise an der Entstehung der bilateral-symmetrisch Tierarten beteiligt waren. Die Ergebnisse der Kölner Gruppe werfen Licht auf die genetischen Grundlagen eines sehr bedeutsamen Kapitels in der Evolution der Tiere.

29.07.2020: Menge an abgegebenen Antibiotika in der Tiermedizin erneut deutlich gesunken

Die Menge der in der Veterinärmedizin zur Behandlung von Tieren abgegebenen Antibiotika in Deutschland ist im Jahr 2019 erneut zurückgegangen. Sie sank im Vergleich zum Vorjahr um 52,2 auf 670 Tonnen. Das entspricht einem Rückgang von 7,2 Prozent. Gleichzeitig wurde damit das niedrigste Niveau seit der ersten Erfassung im Jahr 2011 mit 1.706 Tonnen erreicht. Das wiederum entspricht einem Rückgang von 2011 bis 2019 von 60,7 %, wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mitteilte. Besonders erfreulich ist, dass die abgegebenen Mengen der für die Therapie beim Menschen besonders wichtigen Fluorchinolone sowie Cephalosporine der 3. und 4. Generation auf den niedrigsten Wert seit 2011 sanken. Die Abgabemenge der Fluorchinolone ist im Vergleich zum Vorjahr um ca. 1,7 Tonnen (t) gesunken, die der Cephalosporine der 3. und 4. Generation um 0,5 t. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 670 t
Antibiotika von pharmazeutischen Unternehmen und Großhändlern an Tierärzte in Deutschland abgegeben. Die Hauptabgabemengen bildeten wie in den Vorjahren Penicilline mit etwa 264 t und Tetrazykline mit etwa 140 t, gefolgt von Polypeptidantibiotika (Colistin) mit 66 t und Sulfonamiden (59 t) sowie Makroliden (57 t). Dabei lassen sich die gemeldeten Wirkstoffmengen nicht einzelnen Tierarten zuordnen, da die Mehrzahl der Wirkstoffe für die Anwendung bei verschiedenen Tierarten zugelassen ist. Wird die Antibiotikaabgabemenge regional betrachtet, ergibt sich, dass die Menge in fast allen Regionen von 2011 bis 2019 abgenommen hat. Absolut gesehen wurde in der Postleit-Region 49 weiterhin mit Abstand die höchste Abgabemenge mit rund 276 t verzeichnet. Das BVL führt am 11. August 2020 zum Thema Antibiotika ein kostenfreies Online-Seminar zu den Resistenzentwicklungen und der Bedeutung von Resistenzen durch.

29.07.2020: Wölfe und Menschen im sozialen und wissenschaftlichen Kontext

Die Rückkehr des Wolfes in Europa ist ein viel diskutiertes Thema. Wie die Gesellschaft darauf reagiert und wie sie mit dem streng geschützten Tier umgeht und lebt, beschäftigt ForscherInnen aller Länder des Kontinents. Herausgekommen ist ein Buch der international und interdisziplinär arbeitenden Forscherinnen und Forschern. „Managing the Return of the Wild. Human Encounters with Wolves in Europe.“ so der Buchtitel, der im Juli 2020 im Routledge Verlag erschienen ist. „Die Populationen mancher Wildtiere erstarken derzeit wieder. Aber was bedeutet das für die Gesellschaften in Europa? Das ist die Kernfrage des Sammelbandes“, erklärt Michaela Fenske von der Julius- Maximilians-Universität Würzburg. Sie hat dort den Lehrstuhl
für Europäische Ethnologie inne. Aus kulturwissenschaftlicher, kultur- und sozialanthropologischer, historischer und sprachwissenschaftlicher Perspektive beschäftigt sich der Band in insgesamt elf Fallstudien aus ganz Europa mit dem Themenkomplex von Wölfen und Menschen. „Es ist bemerkenswert, wie unterschiedlich Gesellschaften an das Thema herangehen“, erklärt die Wissenschaftlerin weiter. Während Wölfe in Regionen, die von Strukturwandel betroffen sind, als weiteres Problem verhandelt werden, sehen andere Regionen in ihnen eine Chance für mehr Biodiversität oder nachhaltigen Tourismus. Der Band gibt unter anderem Einblick in Wolfsdiskurse in Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Finnland und Portugal.

29.07.2020: Broschüre gibt Landwirten Hilfen zur Verbesserung des Stallklimas

Die Arbeitsgruppe „Stallklima und Emissionen“, bestehend aus WissenschaftlerInnen der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern und des Institutes für Tierproduktion in Dummerstorf, hat eine neue Broschüre zum Thema Stallklima herausgebracht. Denn sowohl steigende Temperaturen als auch länger dauernde Wärmeperioden aufgrund des Klimawandels müssen für Nutztierhalter ein Umdenken bedeuten. „Es ist wichtig, wissenschaftlich fundiert nach Anpassungsstrategien zu suchen und den Tierhaltern Antworten zu geben, wie man im
Stallbau, in der Haltung und im Management Verbesserungen für Mensch und Tier erreicht“, erklärt Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus. „Nur in Abstimmung zwischen den Einrichtungen in Deutschland, die Kapazitäten auf diesem wichtigen Arbeitsgebiet besitzen, lassen sich konkrete Ergebnisse erzielen“, so der Minister weiter. Die Broschüre, die den Hitzestress bei Milchrindern als auch Problemfelder wie Emissionen in der Schweinehaltung oder aus diffusen Quellen der Rinderhaltung beleuchtet, steht auf der Homepage der LFA MV zur Verfügung.

28.07.2020: Mehrheit der Tierhalter hat zusätzliche Zeit mit den Tieren genossen

Laut einer Umfrage der AGILA Haustierversicherung unter 400 Hundehaltern war die Mehrheit in Zeiten der Corona-Beschränkungen glücklich über die Gesellschaft ihrer Tiere. Durch die Pandemie mussten viele Menschen viel Zeit in ihrem Zuhause verbringen. Mehr als 42 Prozent der Befragten freuten sich da über die ständige Gesellschaft ihrer Hunde. „71 Prozent waren froh darüber, dass sie dank ihrer Hunde regelmäßig vor die Tür gekommen sind“, erklärt AGILA-Expertin Franziska Obert. „Besonders positiv nahmen Besitzer mittleren Alters diese Abwechslung wahr: Unter den 40- bis 69-jährigen zeigten sich 79 Prozent glücklich darüber.“ Tierheime und
Züchter konnten sich kaum retten vor zahlreichen Vermittlungsanfragen. Wegen der zusätzlichen Belastungen durch die Betreuung und des Homeschooling ihrer Kinder hielt sich allerdings bei Familien die Freude in Grenzen. Hier freuten sich nur 38 Prozent über die ständige Gesellschaft ihrer Hunde während der Beschränkungen. Nur vier Prozent betrachteten die ständige Anwesenheit und dmait auch die Beschäftigung ihrer Hundes als Belastung. Die Tiere scheinen es auch genossen zu haben, dass ihre Halter so viel Zeit mit ihnen verbringen konnten, denn laut dem Großteil der Befragten haben sich die Tiere nicht anders verhalten als sonst.

28.07.2020: Schleswig-Holstein verlängert ASP-Präventionsmaßnahmen

Auf die Verlängerung des gemeinsamen Maßnahmenpakets zur Vorbeugung gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) für weitere zwei Jahre haben sich die Landesregierung Schleswig-Holstein, die Kreise sowie kreisfreien Städte geeinigt. „Ich bedanke mich bei den Kreisen und kreisfreien Städten für den Konsens zur Weiterführung dieses erfolgreich etablierten Maßnahmenpakets. Die Maßnahmen sind vor dem Hintergrund der in Nachbarländern kursierenden Afrikanischen Schweinepest ein starkes Signal für eine gemeinsam getragene Prävention im Land. Sie bieten der Jägerschaft
in Schleswig-Holstein auch in Zukunft verbesserte Bedingungen für die Schwarzwildjagd und schaffen Anreize für das wichtige ASP- Monitoring bei Fallwild. Diese Schritte haben sich in den vergangenen Jahren bewährt und werden von den Jägerinnen und Jägern gut angenommen. Für ihr Engagement und ihr Mitwirken danke ich auch der Jägerschaft", kommentierte Dr. Dorit Kuhnt, Staatssekretärin für Landwirtschaft, die Entscheidung. Die Kosten teilen sich jeweils zur Hälfte die Kreise und kreisfreien Städte mit dem Land; die Aufwandsentschädigung im Zusammenhang mit Fallwild wird ausschließlich vom Land getragen.

28.07.2020: Bei Veränderungen des Hundeauges den Tierarzt aufsuchen

Der typische Hundeblick weckt die verschiedensten Gefühle in uns. Hundehalter sollten jedoch immer genau hinsehen, denn Veränderungen der Hundeaugen können ein Hinweis auf zahlreiche Erkrankungen sein, besonders wenn der Vierbeiner öfter die Augen zusammenkneift bzw. diese mit der Pfote reibt. Auch Symptome wie getrübte Augen, Tränenfluss oder gerötete Bindehäute können ein Zeichen für eine Augenerkrankung sein. Die genaue Diagnose sollte eine Tierärztin / ein Tierarzt stellen. Im häufigsten Fall handelt es sich um eine Bindehautentzündung, die durch Zugluft oder Staub entsteht und mit Salben oder Augentropfen behandelt werden kann. Zudem können rassetypische Fehlstellungen des Augenlides, wie beispielsweise bei Boxern oder Bassets, eine Bindehautentzündung verursachen. Weniger harmlos sind chronische Hornhautentzündungen wie
das "Trockene Auge" und die sogenannte Schäferhundkeratitis (Keratokonjunktivitis sicca), die auf eine Störung des Immunsystems hinweisen können. Verschiedene Rassen wie Collie, Golden Retriever, Labrador oder Cocker Spaniel sind besonders anfällig für chronische angeborene Netzhautstörungen, die in der Regel kaum zu behandeln sind. Bevor Hunde dieser Rassen verpaart werden, sollte unbedingt ein Gentest durchgeführt werden, um erbliche Augenerkrankungen auszuschließen. Viele Rassehundevereine verlangen einen solchen Gentest für die Zuchterlaubnis. Bei allen Veränderungen der Augen kann die Tierärztin /der Tierarzt klären, ob es sich nur um eine ungefährliche kurze Beeinträchtigung handelt, die man im besten Falle zu Hause mit Salben oder Augentropfen in den Griff bekommt, oder ob schwerwiegende Erkrankungen Auslöser für das Augenleiden sind.

28.07.2020: Neue Mausmaki-Art in Madagaskar entdeckt

Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung von Dr. Ute Radespiel aus dem Institut für Zoologie der TiHo Hannover hat in Madagaskar eine bisher unbekannte Mausmaki-Art entdeckt und diese Jonah’s Mausmaki (Microcebus jonahi) getauft. Namensgeber ist der madagassische Primatologe Jonah Ratsimbazafy, der sich seit vielen Jahren für den Erhalt der Arten einsetzt. Mausmakis sind Lemuren, die ausschließlich in Madagaskar und auf nahe gelegenen kleinen Inseln vorkommen. Die ForscherInnen waren für Untersuchungen der Mausmakis in den Regenwäldern
Nordost- Madagaskars zusammengekommen, als sie die etwa 26 Zentimeter lange und 60 Gramm leichten Lemuren entdeckten. Dies sei nur wegen der intensiven Kooperation zwischen den beteiligten Expertinnen und Experten möglich geworden, so Radespiel. Doch auch Jonah’s Mausmaki ist durch den Verlust der natürlichen Lebensräume bereits vom Aussterben bedroht. Ziel der ForscherInnen ist, die Vielfalt der Mausmakis zu verstehen, ihre Entstehungsgeschichte zu entschlüsseln und so zu ihrem Fortbestehen beizutragen.

28.07.2020: Nicht-invasive Vogelidentifizierung durch Künstliche Intelligenz

Um Vogelpopulationen langfristig zu überwachen und die Arten vor klimaverändernden Belastungen zu schützen, ist eine Kennzeichnung der Tiere wichtig. Vögel werden für die Unterscheidung mit Ringen, die an Vogelbeinen befestigt werden, gekennzeichnet. Dafür müssen die Vögel jedoch zunächst eingefangen werden, was großen Stress bei den Tieren verursacht. Ein neu entwickeltes Verfahren mittels Künstlicher Intelligenz (KI) kann zukünftig die Kennzeichnung durch Fußringe ersetzen. Dafür haben Forscher aus Frankreich, Deutschland, Portugal und Südafrika maschinelles Lernen genutzt, um ihr KI-Programm darauf zu trimmen, Vögel gleicher Rasse voneinander zu unterscheiden. Das Programm wurde zunächst an
Siedelwebern, Zebrafinken und Kohlmeisen getestet, wobei die Fehlerquote bei zehn bis 13 Prozent lag. Das ist eine sehr viel geringere Quote als bei bisher eingesetzten Kennzeichnungen. „Die Entwicklung von Methoden zur automatischen, nicht-invasiven Identifizierung von Tieren, die von Forschern nicht markiert und nicht manipuliert wurden, ist ein wichtiger Durchbruch auf diesem Forschungsgebiet", so Erstautor Ferreira. Es erspare den Tieren den Stress beim Einfangen sowie Markieren und sorge zusätzlich dafür, dass die Identifizierung zuverlässiger wird. Das Verfahren lässt sich auch in der Wildnis nutzen. Nötig sind lediglich ein entsprechend programmierter Rechner und eine Wildkamera.

Fehlender tierärztlicher Sachverstand nicht akzeptabel

27.07.2020

Die am 08.07.2020 beschlossene Einsetzung der „Zukunftskommission Landwirtschaft“ wird vom Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt) zwar grundsätzlich begrüßt, doch bemängelt der Verband das Fehlen des tierärztlichen Sachverstandes. Dieser soll laut des Beschlusses des Bundeskabinetts nur bei Bedarf hinzugezogen werden. Wie bpt-Präsident Dr. Siegfried Moder in einem Schreiben an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner erklärt, dürfte gerade bei den Themen Tierwohl und Tiergesundheit ein praktizierender Tierarzt als fachlich
fundierter Berater sowie als dauerhaftes Mitglied der Kommission nicht fehlen. In der tierhaltenden Landwirtschaft werden künftig die Eindämmung zoonosebedingter Pandemien sowie die weitere Minimierung von Antibiotikagaben die wichtigsten Herausforderungen bedeuten, bei deren Bewältigung tierärztlicher Sachverstand unbedingt notwendig sei. Zudem wies Moder in seinem Schreiben darauf hin, dass ein praktizierender Tierarzt aufgrund seiner Unabhängigkeit auch ideal als fachlicher Mittler zwischen den Landwirten und NGOs auftreten könne.

27.07.2020: Vietnam beschließt Handelsstopp mit Wildtieren

Vietnams Premierminister Nguyen Xuan Phuc hat Ende der vergangenen Woche den Handel mit Wildtieren mit sofortiger Wirkung verboten, um das Risiko für weitere Pandemien zu verringern. Das entsprechende Dekret umfasst sowohl die Einfuhr von Wildtieren und Wildtierprodukten als auch deren Jagd, Transport, Verzehr und Verkauf. Das betrifft den Wildtierhandel auf Märkten sowie über das Internet. Unterstützt wird das Verbot von mehr als 40 CEOs der führenden Wirtschaftsunternehmen Vietnams und zahlreichen internationalen Handeskammern. Umfragen zu Folge befürworten mehr als 70 Prozent aller Vietnamesen die Schließungen von Wildtiermärkten im Land als effektive
Maßnahme gegen ähnliche Ausbrüche wie der Covid-19-Pandemie. Zusammen mit Thailand ist Vietnam Spitzenreiter in der Region hinsichtlich des Handels mit Schildkröten, Zibetkatzen, lebenden Vögeln und Pangolinen. Hoang Thi Minh Hong, Experte bei WildAid Vietnam, begrüßt die Entscheidung der vietnamesischen Regierung, denn der Handel habe verheerende Auswirkungen gehabt und seit Jahren Sorgen bereitet. „Dies ist das erste Mal, dass die Regierung Dutzende von Ministerien und Behörden mobilisiert hat, um das Problem des Wildtierhandels aktiv anzugehen“, so der Experte. Bereits seit vielen Jahren hatten Umweltorganisationen für ein Wildtierverbot gekämpft.

27.07.2020: Schweine haben mehr Ausdauer bei Problemlösung als Hunde

Die Beliebtheit von Minischweinen (Sus scrofa domesticus) wächst zunehmend. Diese werden unter ähnlichen Umständen wie Hunde als Hausschweine gehalten. Nun haben ForscherInnen um Paula Pérez Fraga von der Budapester Universität ELTE in einer Studie herausgefunden, dass Minischweine Probleme eigenständiger und hartnäckiger lösen als etwa gleichaltrige Hunde. Dazu haben die WissenschaftlerInnen ca. sieben Monate alten Minischweinen und
Hunden erst eine leicht zu öffnende, dann eine schwieriger zu öffnende und mit einem leckeren Inhalt gefüllte Schachtel in einen Raum gestellt. Die Minischweine knackten die schwierigere Schachtel mit mehr Hartnäckigkeit sowie viel schneller als die Hunde. „Sie waren viel ausdauernder als die Hunde bei ihrem Bemühen, die Schachtel zu öffnen“, erklärt Ko-Autorin Linda Gerencser. „Dies könnte eine Fähigkeit zur eigenständigen Problemlösung reflektieren.“

24.07.2020: Online Fortbilden ist zeitgemäß und praktisch

Für Tierärztinnen und Tierärzte besteht mit Erhalt der Approbation laut Berufsordnung eine Fortbildungspflicht. Das bedeutet, sie müssen eine festgelegte Anzahl an Fortbildungsstunden in einem festgelegten Zeitraum zwischen einem und drei Jahren, je nach Kammerberufsordnung, ableisten. Geeignete Fortbildungen sollten von der Akademie für Tierärztliche Fortbildung (ATF) anerkannt sein. Der Nachweis über diese abgeleisteten Stunden ist auf Wunsch der zuständigen Landestierärztekammer vorzulegen. Die Landesberufsordnung legt auch fest, ob und in welchem Umfang Nicht-Präsenzfortbildungen wie E-Learning-Kurse oder Online-Seminare (Webinare) von den Landestierärztekammern anerkannt werden. Dies ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Während manche Kammern wie beispielsweise Schleswig-Holstein, Thüringen und Hessen mit der Zeit gehen und auch 100% als Nicht-Präsenzfortbildungen akzeptieren, dulden andere wie Bayern maximal 10 Stunden Nicht-Präsenzfortbildung im Jahr. Dies gilt auch für das "Sonderjahr 2020", in dem aufgrund der Corona-Pandemie ein Großteil der Präsenzveranstaltungen ausfallen.
Die Kammern haben auf diesen Umstand erwartungsgemäß sehr unterschiedlich reagiert. Während die Landestierärztekammer Berlin zumindest für 2020 entschieden hat, Online-Fortbildungen zu 100% anzuerkennen und damit u.a. einer Forderung des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte (bpt) entsprechen, reduzieren andere wie Baden-Württemberg und Brandenburg lieber die Fortbildungspflicht um 50%. Worin die Skepsis gegenüber Nicht-Präsenzfortbildungen begründet ist, ist nicht klar, zumal die Anforderungen an den Lernerfolg durch die stets geforderte Lernerfolgskontrolle in Form eines Multiple-Choice-Tests, deutlich höher sind als in einer Präsenzveranstaltung. Gerade zu Zeiten des Home-Office bieten E-Learning-Kurse und Online-Seminare eine hervorragende Möglichkeit, sich neues Wissen anzueignen und sich fachlich mit Kollegen auszutauschen. Auf der Fortbildungsplattform Myvetlearn.de finden Tierärztinnen und Tierärzte bereits seit 2004 ein vielfältiges Angebot an Online-Fortbildung. Ob E-Learning oder Live-Webinare, ob Kleintier-, Pferde- oder Nutztierpraktiker, hier ist für jede/n etwas Passendes dabei.

24.07.2020: Auch Niedersachsen verbietet Tiertransporte in Drittländer

Das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium zieht mit Nordrhein-Westfalen, Hessen, Schleswig-Holstein und Bayern gleich und verbietet die Abfertigung von langen Nutztiertransporten in Drittländer. "So lange bei den zuständigen Veterinärämtern zu wenig sichere Informationen vorliegen, dass die Tierschutzanforderungen auf der gesamten Strecke eingehalten werden können, so lange können wir keiner Abfertigung zustimmen“,
erklärte Agrarministerin Barbara Otte-Kinast den Erlass. Zur Thematik „Tiertransport“ wurde eine eigene Arbeitsgruppe in der „Niedersächsischen Nutztierstrategie – Tierschutzplan 4.0“ eingerichtet. Man sehe die Wirtschaft in der Pflicht, Konzepte für einen tierschutzkonformen Transport mit hohen Standards entsprechend der europarechtlichen Vorgaben und im Sinne des Tierwohls auch darüber hinaus bis zum Bestimmungsort in Drittländern sicherzustellen.

24.07.2020: Mit der Reisezeit steigt die Gefahr der ASP-Einschleppung

Sommerzeit bedeutet Reisezeit. Diese birgt aber auch Gefahren, z.B. die der Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) nach Deutschland durch weggeworfene Speisereste auf Rastplätzen. Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast warnt: „Die größte Gefahr für Niedersachsens Wild- und Hausschweine geht vom Menschen selbst aus. Jedes achtlos weggeworfene Wurstbrot birgt eine Gefahr!“
Deshalb sei es wichtig, keine fleischhaltigen Lebensmittel aus dem Ausland mitzubringen und Speisereste unbedingt nur in dafür vorgesehene Behälter zu entsorgen. Zudem sollten generell keine Essensreste an Tiere verfüttert werden und es sollte Abstand zu Haus- und Wildschweinen gehalten werden, denn eine Übertragung des hoch ansteckenden Virus ist auch durch Kleidung, Gegenstände und Fahrzeuge möglich.

23.07.2020: Provieh fordert bundesweites Verbot von Tiertransporten

Provieh begrüßt den Beschluss Nordrhein-Westfalens, Lebendtierexporte in Drittstaaten zu verbieten. Nach Hessen, Schleswig-Holstein und Bayern hatte die nordrhein-westfälische Landesregierung am 23.07.2020 einen entsprechenden Erlass herausgegeben. „Dies ist ein guter Tag für die Tiere. PROVIEH begrüßt es sehr, dass die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen nun alle Lebendtierexporte in Drittstaaten verbietet. Bisher gab es in NRW noch mindestens zwei Landkreise, die Lebendtierexporte genehmigt haben: der Kreis Steinburg und der Rhein-Sieg-Kreis. Damit ist nun zum Glück Schluss. Es muss jetzt unbedingt ein bundesweites Moratorium folgen, damit die nächsten Transporte aus NRW nicht über Brandenburg oder andere Bundesländer
ohne Erlass abgefertigt werden“, erklärt Patrick Müller, Hauptstadtreferent von PROVIEH. Die Tierschutzorganisation fordert daher die Bundesregierung auf, ein bundesweites und sofortiges Verbot aller Tiertransporte in Drittländer zu erlassen. Zahlreiche deutsche Amtsveterinäre hatten offiziell bestätigt, dass Russland als Transitland nicht über die unbedingt notwendigen Versorgungsstationen für Langstrecken-Tiertransporte verfügt. "Transporte nach und durch die Russische Föderation verstoßen unserer Einschätzung nach damit generell gegen europäisches Recht", so Müller. Weiter fordert der Tierschutzverein eine Beschränkung der Transportdauer auf maximal acht Stunden innerhalb der EU und vier Stunden bei Inlandstransporten.

Verbot von Tiertransporten in Drittländer

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