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News

Tierärztliche Versorgungslücke in Deutschland wächst

1. September 2023

In Deutschland wird die Versorgung kranker Tiere, vor allem in ländlichen Gegenden, immer mehr zu einem Problem. Insbesondere nachts und an den Wochenenden fehlt vieler Orts ein tierärztlicher Notdienst. Aber woran liegt das? Gibt es tatsächlich zu wenig Tierärzt:innen oder stecken anderen Ursachen dahinter?

Dieser Frage geht auch DER SPIEGEL-Redakteurin Birte Bredow nach (Print-Ausgabe vom 26.8.2023 / spiegel online). Darin wird der Tierärztemangel in den Praxen als gravierend beschrieben. Hintergrund sei zum einen – wie in der Gesamtgesellschaft – ein demographiebedingter Fachkräftmangel. Zum anderen änderten sich aber auch die Strukturen im Beruf. Die Zahl der selbständigen Tierärzt:innen sank zuletzt, die Nachfolgersuche sei schwierig. Stattdessen wächst der Angestelltenanteil stetig, der Tierarztnachwuchs ist zu über 80 Prozent weiblich. Damit steigt auch der Teilzeitanteil. Gleichzeitig wächst die Nachfrage durch die steigende Zahl der in Deutschland gehaltenen Haustiere. Auch die Ansprüche an deren Versorgung würden immer höher. Auf der anderen Seite hat sich die Anzahl der Kleintierkliniken mit einer Rund-um-die-Uhr-Versorgung seit 2012 von 192 auf jetzt 69 bundesweit verringert.

Es muss sich also dringend etwas tun, weiß auch die Initiative Tierarztmangel.de

20 Jahre Heiko Färber

1. September 2023

Wer kennt ihn nicht, Heiko Färber, den Geschäftsführer des Bundesverbands praktizierender Tierärzte (bpt)? Seit 20 Jahren managt er gemeinsam mit dem jeweiligen Vorstand die Interessenvertretung für praktizierende Tierärztinnen und Tierärzte in Deutschland, und das, obwohl oder gerade weil er selbst kein Tierarzt ist.

In einem Interview mit dem Journalisten Jörg Held (Der Praktische Tierarzt 104 Heft 9/2023) spricht er über die Erfolge der bpt-Lobbyarbeit, politische Bestrebungen, rechtliche Rahmenbedingungen, strukturelle Veränderungen sowie den Kampf gegen den Tierärztemangel. Eine (kurzfristige) Möglichkeit sieht der bpt hier in der Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes bei gleichbleibender Wochenhöchstarbeitszeit. Zudem ist er überzeugt, das Leitbild der Tiermedizin bleibt die Selbstständigkeit.

Der vollständige Artikel ist auf der Webseite des bpt als pdf hinterlegt.

Mehr Informationen zu den Ursachen des Tierärztemangels sowie zu Lösungswegen finden Sie auf Tierarztmangel.de

Sachsen-Anhalt investiert in Selbstständigkeit von Landwirt:innen

1. September 2023

Sachsen-Anhalt setzt auf Jung-Landwirte, die sich im landwirtschaftlichen Bereich selbstständig machen wollen. Dafür hat das Land im Jahr 2017 das Förderprogramm „Niederlassungsbeihilfe Junglandwirte“ ins Leben gerufen, mit dem die Nachwuchslandwirt:innen für den Start Fördermittel in Höhe von bis zu 100.000 Euro erhalten können. „Wir brauchen junge, engagierte Menschen, die etwas bewegen wollen und Verantwortung übernehmen“, erklärte Landwirtschaftsminister Sven Schulze. Dafür wurde die bisherige Obergrenze von 70.000 Euro angehoben.

„In der Landwirtschaft steht ein Generationswechsel an. Daher ist es mir besonders wichtig, unsere Junglandwirte zu unterstützen. Wir brauchen junge, engagierte Menschen, die in den Dörfern etwas bewegen wollen und Verantwortung übernehmen. Deshalb freue ich mich, dass das Land Sachsen-Anhalt beim Aufbau eines eigenen Betriebes mit 100.000 Euro unterstützt. Das ist ein wichtiges Signal für Sachsen-Anhalts Landwirtschaft und Ansporn für alle angehenden Bäuerinnen und Bauern“, so Schulze weiter. Das Antragsverfahren hat am 31. August 2023 begonnen. Antragsberechtigt sind Junglandwirtinnen und Junglandwirte, die zum Zeitpunkt der Antragstellung nicht älter als 40 Jahre alt sind.

Ministerium Sachsen-Anhalt

Förderantrag für Junglandwirt:innen

Katastrophale Kürzungen bei Nutztierwissenschaften

1. September 2023

Das Bundesprogramm Nutztierhaltung ist zentraler Baustein der Nutztierstrategie und hat das Ziel, die Tierhaltung nachhaltig und zukunftsfähig umzubauen. Die vom Bundeministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) angekündigten Kürzungen für das Programm sorgen für massive Kritik seitens der Verbände. Bereits für das laufende Jahr sind Kürzungen geplant. Die Förderung ab 2027 soll voraussichtlich komplett eingestellt werden. Auch wenn bereits laufende Maßnahmen fortgesetzt werden können, wären zahlreiche Forschungsprojekte im Bereich der Nutztierwissenschaften und landwirtschaftlichen Tierhaltung von den Streichungen betroffen!

Als einen herben Rückschlag nicht nur für die wissenschaftlichen Einrichtungen, sondern auch für den landwirtschaftlichen Sektor, alle Tierhaltungsbetriebe und damit letztlich auch das gesamte Agribusiness bezeichnen die Verbände die Pläne des BMEL

In einem Positionspapier betont der Bundesverband Rind und Schwein e.V. gemeinsam mit weiteren Verbänden, noch einmal die Bedeutung der Forschung im Bereich Tierhaltung und fordert eine ungekürzte Forschungsförderung über das Jahr 2027 hinaus. „Die Forschung und Entwicklung in den Bereichen Tierzucht, Tiergesundheit, nachhaltige Fütterung und artgerechte Haltung sind von grundlegender Bedeutung für unsere Gesellschaft, um eine zukunftsfähige gesunde Ernährung der Bevölkerung zu sichern und die Qualität und Wettbewerbsfähigkeit unserer landwirtschaftlichen Produkte zu gewährleisten,“ erklären die Verfasser:innen des Schreibens.

Betroffene und Befürworter einer ungekürzten Forschungsförderung über das Jahr 2027 hinaus, können den Appell durch Mitzeichnung auf der Internetseite Forschung sichern, Innovation fördern öffentlich unterstützen.

BRS

AGES warnt vor Asiatischer Hornisse

31. August 2023

Immer mehr invasive Tierarten gelangen nach Europa und bedrohen dort die heimische Tierwelt. So warnt die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit AGES aktuell vor der asiatischen Hornisse, die an der Grenze zu Ungarn gesichtet wurde. Foto- und Videomaterial hätten einen eindeutigen Beweis geliefert, so die Agentur. Die Asiatische Hornisse, die sich seit ihrer Einschleppung aus Südostasien vor knapp 20 Jahren von Frankreich aus verbreitet, macht bevorzugt Jagd auf Bienen, Wespen und Fliegen, um ihre Brut zu versorgen. Daher empfiehlt die AGES den österreichischen Imker:innen, besonders aufmerksam zu sein und den Bienenflug vor den Völkern intensiv zu beobachten, da die Hornissen den heimkehrenden Bienen im Schwebflug auflauern.

Da sich die invasiven Insekten immer schneller verbreiten, könnten sie zu einer wirklichen Bedrohung für Bienenvölker werden. Bei hoher Dichte der Asiatischen Hornisse könne es zur Schwächung der Völker und sogar zu Völkerverlusten kommen.

Tierärzt:innen haben die Möglichkeit, sich auf Myvetlearn.de zum Thema Bienen online fortzubilden. Die Kursreihe ist geeignet zur Weiterbildung für den Erwerb der Zusatzbezeichnung Bienen/den Fachtierarzt für Bienen.

AGES

Veterinärmedizinische Fakultät Leipzig feiert 100. Geburtstag

31. August 2023

Die Veterinärmedizinische Fakultät der Leipziger Universität wurde im Jahr 1923 nach dem Umzug aus Dresden mit der Eingliederung in die Universität Leipzig gegründet. Mit einer Akademischen Festveranstaltung am 29. September 2023 sowie einem Gesellschaftsabend in der Kongresshalle am Zoo Leipzig am Folgetag soll das große Jubiläum gebührend gefeiert werden. Die Karten für die Veranstaltung können vorab online erworben werden.

Tierärztin Sophia Neukirchner (Vetion.de) hat zur Einstimmung auf das Jubiläumsjahr einige Fakultätsgesichter aus jüngerer Zeit auf der Internetseite ihrer ehemaligen Lehrstätte vorgestellt. Außerdem zeigt die Veterinärmedizinhistorische Sammlung historische Zeitzeugnisse, die unter anderem von Prof. Manfred Fürll zusammengetragen wurden.

Mehr zu der Geschichte der Veterinärmedizinischen Fakultät Leipzig finden Sie hier.

Uni Leipzig

DVG empfiehlt Anpassung der Vorschriften für Neuweltkameliden

31. August 2023

Da in Deutschland immer mehr Neuweltkameliden (NWK) gehalten werden, empfiehlt die DVG-Fachgruppe "Kleine Wiederkäuer und Neuweltkamele" in einer Stellungnahme, notwendige Anpassungen vorzunehmen. In erster Linie sollte der Tierartenkatalog des Tierseuchen-Nachrichtensystems (TNS) um die Tierarten Lama, Alpaka, Vikunja und Guanako erweitert werden. Bislang können NWK weder bei Meldung, noch über den Filter ausgewählt werden.

Da die Tiere aus Sicht der Infektionsmedizin jedoch eine artenübergreifende Position zwischen großen und kleinen Wiederkäuern sowie auch den Equiden einnehmen, rät die Fachgruppe dazu, eine Datenbank und die gesetzliche Verpflichtung für Tierhalter zur jährlichen Meldung der Tierzahl zu schaffen, da inzwischen von mindestens 30.000 NWK in Deutschland auszugehen ist.

Zudem sind die Halter:innen von Neuweltkameliden bei einer Verbringung in andere EU-Mitgliedstaaten verpflichtet, an einem Tuberkulose-Überwachungsprogramm teilzunehmen. Problematisch ist das, da keines der von der EU vorgeschriebenen Testverfahren in Deutschland validiert und zugelassen ist. Daher sieht die DVG-Fachgruppe in der verpflichtenden Einführung der Sektion aller verendeten, geschlachteten und getöteten NWK in Deutschland die aktuell einzige Möglichkeit, valide Prävalenzdaten zu erhalten. Diese sollte finanziell bezuschusst werden.

Neben Erhebungen der Schlachtzahlen und der Einrichtung einer nationalen Arbeitsgruppe, rät die Fachgruppe außerdem zur Förderung eines Projektes zur Auswertung der bisherigen Sektionsdaten in Deutschland, um eine Risikobewertung in Zusammenarbeit mit dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) durchführen zu können.

DVG

Mortellarosche Krankheit konsequent behandeln  

31. August 2023

Die Digitale Dermatitis (DD), auch als Mortellarosche Krankheit bekannt, ist eine infektiöse Erkrankung der Klaue und kommt in vielen Beständen vor. Bakterien dringen in die Haut ein, wenn die Hautbarriere geschwächt ist, vermehren sich dort und verursachen Läsionen von wenigen Millimeter bis hin zu Geschwüren in Münz- bis Kinderfaustgröße. In einem einjährigen Praxisversuch haben Tierärzt:innen auf zwei Betrieben die Schäden einerseits mit einer zweimaligen wöchentlichen Waschung der Klauen behandelt. In der anderen Versuchsgruppe wurden die Klauen zusätzlich mit einem Klauenpflegeprodukt eingesprüht, das hautpflegend wirken, einen Schutzfilm auf der Haut ausbilden und zudem auf die Haut treffendes Ammoniak binden soll. Zudem untersuchten Tierärzt:innen einmal monatlich alle Gliedmaßen im Melkstand bzw. am Fressgitter und do­kumentierten die Ergebnisse.

Es zeigte sich, dass sich lediglich durch die konsequente Behandlung zu Versuchsbeginn die Anzahl der akuten, offenen Läsionen in beiden Betrieben reduzierte. In dem Betrieb, in dem zusätzlich das Klauenpflegeprodukt eingesetzt wurde, kam es jedoch zu weniger Reinfektionen. Die Tierärzt:innen fanden auch immer weniger chronisch verbleibende leichte Hyperkeratosen. Die Kontrollfüße der gleichen Kühe zeigten dagegen deutliche Läsionen, die immer wieder bei den Klauen­pflegemaßnahmen behandelt werden mussten.

Der Praxisversuch konnte belegen, dass eine Kombination aus Klauenpflege, Nachkontrolle, regelmäßiger Anwendung eines Klauenpflegeproduktes und Stallhygiene den größten Erfolg im Kampf gegen die DD bringen kann. Um sich gegen die Mortellarosche Krankheit zu schützen, werden zudem neben einem ansprechenden Kuhkomfort und einer verbesserten Stallhygiene auch Biosicherheitsmaßnahmen wie den zeitweiligen Verzicht auf Tierzukauf und das Tragen von Schutzkleidung empfohlen.

Die 7-teilige Online-Fortbildungsreihe Biosicherheit in der tierärztlichen Bestandsbetreuung von Myvetlearn.de bietet Nutztierärzt:innen in allgemeinen und tierartspezifischen Kursen fundiertes Wissen zu den Hygiene- und Biosicherheitsmaßnahmen in Beständen verschiedener Tierarten (Rind, Schwein, Geflügel, Pferd). Ein kostenfreies Impulsreferat zur Bedeutung der Maßnahmen dient als Einführung. 

Topagrar

E-Learningreihe Biosicherheit auf Myvetlearn.de

Leadership-Wochenende Tiermedizin vermittelt Führungs-Knowhow

30. August 2023

Am kommenden Freitag (01.-03.09.2023) geht der Campus für „führende“ Diplomates & Collegen in die nächste Runde. Dipl.-Psych. Ute Klarius und und Dr. Felix von Hardenberg laden zum nächsten Leadership-Wochenende Tiermedizin im Gut Altona bei Bremen ein. Die Teilnehmer:innen können drei Tage lang ihr Wissens- und Verhaltensrepertoire zum Thema Führung bei der ATF-anerkannten Veranstaltung erweitern, um kleine und große Probleme im Praxisalltag schnell „in den Griff“ zu kriegen. Ute Klarius vermittelt in dem Leadership-Seminar entsprechendes Führungs-Knowhow und wichtige Führungswerkzeuge. Die Referent:innen gehen zudem auf die Führungsrolle im Wandel, Leitungstypisches Verhalten sowie individuelle Feedbacks und Karriereberatung ein. Weitere Informationen erhalten Sie telefonisch unter 06431/ 9719632 oder per mail an ute.klarius@klarius.de. Noch gibt es freie Plätze.

Vetion.de

Massiver Abbau von Schweinen in China

30. August 2023

Die aktuell schlechte Wirtschaftslage in China hat auch einen starken Einfluss auf die Schweinehaltung. Seit einigen Monaten haben die Schweinehalter:innen in China mit niedrigen Preisen zu kämpfen, was zu einem massiven Abbau der Bestände sowie hohen Schlachtzahlen geführt hat. Die Schweinefleischproduktion hat zwischen April und Juni 2023 den höchsten Stand seit mindestens einem Jahrzehnt erreicht, berichtet das chinesische Landwirtschaftsministerium. „Schweinehalter in China haben aufgrund niedriger Schweinepreise sieben Monate lang Verluste erlitten, den längsten Zeitraum in der Geschichte. Aber die Situation wird sich in der zweiten Jahreshälfte verbessern“, versprach Ma Xiangjie, Präsident der Tochtergesellschaft Shuanghui Development der WH Group, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. 

Das hinge auch mit einer erfahrungsgemäß stärkeren Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte zusammen. „Die Nachfrage nach Schweinefleisch ist in der zweiten Jahreshälfte saisonal bedingt stärker, was die Angebots- und Nachfragesituation wieder verbessern wird“, so Ma Xiangjie. Gleichzeitig erwartet die WH Group, dass die Schweinepreise in den USA und Europa in der zweiten Jahreshälfte von den aktuellen saisonalen Höchstständen zurückgehen werden und die Importe sich so verbilligen. Tierseuchen, wie beispielsweise die Afrikanische Schweinepest (ASP), werden aber auch im nächsten Jahr zu weiterhin niedrigen Preisen führen, prognostiziert das US-Landwirtschaftsministerium (USDA).

Agrarheute