Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist hat sich seit ihrem ersten Auftreten in China im Jahr 2018 über den ganzen Kontinent ausgebreitet. Neben Verlusten für die Schweinefleischindustrie in Höhe von 130 bis 192 Milliarden US-Dollar hat die Tierseuche dramatische Auswirkungen auf Wildtiere Asiens. Gemäß einer aktuellen Studie, die in der Nature Reviews Biodiversity veröffentlicht wurde, sind 5 der 12 endemischen Wildschweinarten durch die ASP vom Aussterben bedroht, eine weitere gilt als gefährdet. „Die asiatischen Wildschweine verschwinden in einem Tempo, das den meisten Menschen nicht bewusst ist. Dabei gehören sie zu den ökologischen Grundlagen eines Großteils des tropischen Regenwaldes der Region“, sagte Dr. Matthew Linkie, Technischer Direktor der Wildlife Conservation Society (WCS) und Leiter der Studie. „Mir ist keine andere Bedrohung bekannt, die eine ganze Säugetiergruppe so schnell an den Rand des Aussterbens gebracht hat. Beim Schutz dieser Arten geht es nicht nur darum, ihr Aussterben zu verhindern, sondern auch darum, die ökologischen Prozesse zu sichern, die Wälder, Wildtiere und die von ihnen abhängigen Gemeinschaften erhalten.“ Aus diesem Grund haben die an der Studie beteiligten Wissenschaftler:innen einen umfassenden Aktionsplan entwickelt. Denn Wildschweine sind nicht nur eine wichtige Beute für Raubtiere, sondern bilden auch die Ernährungsgrundlage für viele indigene Völker und lokale Gemeinschaften. „Eine Infektion mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) wurde inzwischen bei mindestens sechs endemischen Wildschweinarten Asiens bestätigt oder wird stark vermutet“, erklärt Dr. Eva Johanna Rode-White, Vorsitzende der IUCN SSC Wild Pig Specialist Group und Mitautorin der Studie. „Zusätzlich zum bereits bestehenden Druck durch Lebensraumverlust und Jagd könnte die Krankheit für einige Arten den Aussterbepunkt bedeuten. Für viele Inselendemiten ist das Aussterben innerhalb einer einzigen Generation nun eine reale Möglichkeit, weshalb Zuchtprogramme und andere Schutzmaßnahmen immer dringlicher werden.“ Die acht Prioritätsmaßnahmen des Fahrplans umfassen den Schutz wildlebender Populationen, die Sicherung von Arten in Gefangenschaft sowie die Sicherstellung der dafür notwendigen Finanzierung und politischen Unterstützung. Zudem seien Frühwarnsysteme sowie der Ausbau der Zuchtprogramme und Soforthilfe rasch umzusetzen, so die Wissenschaftler:innen. Künstliche Intelligenz und Bürgerwissenschaft bieten dabei wertvolle zusätzliche Überwachungsmöglichkeiten. Die Umsetzung des Fahrplans erfordere nachhaltige Investitionen in den nächsten fünf Jahren – eine Summe, die, wie die Autor:innen anmerken, um ein Vielfaches geringer ist als die Verluste der Schweinefleischindustrie selbst, verglichen mit den Kosten des Aussterbens, die ökologisch, kulturell und wirtschaftlich irreversibel wären. WCS




