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Wild- und Honigbienen stecken sich leichter gegenseitig an 

04.09.2026

Pestizide, Krankheiten, Lebensraumverlust und letztendlich der Klimawandel setzen Bienen auf der ganzen Welt zu. Dabei sind Wildbienenarten stärker gefährdet als Honigbienen. 

Eine unterschiedliche Spezialisierung auf Pflanzen sorgt in der Regel auf natürliche Weise dafür, dass sich die verschiedenen Bienenarten nicht gegenseitig mit gefährlichen Erregern anstecken. Das ändert sich jedoch nach und nach angesichts steigender Temperaturen und daraus resultierenden Gletscherschmelzen. Das hat zur Folge, dass sich ganz neue Pflanzenwelten bilden und alte „Regeln“ außer Kraft gesetzt werden. 

In welchem Ausmaß sich Wild- und Honigbienen nun bei gemeinsam genutzten Nahrungsquellen mit Krankheitserregern anstecken, haben Forschende der Universitäten Lausanne und Mailand sowie der italienischen Forschungseinrichtung Crea am Mont-Miné-Gletscher im Val d’Hérens VS in der Nähe von Evolène analysiert. Dabei lag der Fokus der Wissenschaftler:innen auf drei Viren und zwei Parasiten.

Die in der neuen Pflanzenwelt gemeinsam von den Bienen genutzten Blüten fungieren als Infektionsherde. Eine kranke Biene kann dort infektiöse Partikel hinterlassen, die von der nächsten Blütenbesucherin aufgenommen werden. In ihrer Studie konnten die Forschenden belegen, dass in den erst kürzlich eisfrei gewordenen Zonen alle fünf untersuchten Erreger bei Honigbienen identifiziert werden konnten, während bei Wildbienen nur zwei Pathogene auftraten. In älteren eisfreien Zonen jedoch stieg die Präsenz des Flügeldeformationsvirus – ein typischer Erreger der Honigbiene – bei den Wildbienen deutlich an. Den Grund dafür sehen die Wissenschaftler:innen in der bereits stark gewandelten Vegetation.

Die Studie hat deutlich gemacht, dass die Gletscherschmelze neben dem Verlust von Eis und Wasserressourcen auch das gesamte nachfolgende Ökosystem und das komplexe Zusammenspiel der Organismen verändern kann. „Das Verständnis dieser Prozesse ist entscheidend, um wirksame Strategien für den Schutz der Bestäuber und der von ihnen erbrachten Ökosystemleistungen zu entwickeln“, erklärt Mitautor Gianalberto Losapio von der Universität Mailand.

Auch die Universität Ulm beschäftigt sich mit der Gesundheit von Wildbienen. Dafür haben Forschende bereits vor 5 Jahren im Rahmen eines Verbundprojekts die App „Wildbienen Id BienABest“ entwickelt. Seit kurzem existiert ebenfalls eine Web-basierte Version. Das Tool kann inzwischen 300 Wildbienenarten in Deutschland bestimmen. Die App ist so konzipiert, dass sie interessierte Laien für die Vielfalt der in Deutschland vorkommenden Wildbienen begeistert, aber auch für Wildbienen-Expert:innen eine wertvolle Bestimmungshilfe ist. Die Smartphone-App, wie auch die neue PC-Version, zeichnet sich durch eine einfache Handhabung und den verständlichen Aufbau aus.

Voraussichtlich zum Ende des Jahres können sich Tierärzt:innen auf Myvetlearn.de wieder zum Thema Bienenerkrankungen fortbilden.

Schweizerbauer

Universität Lausanne