Die Installation von Windrädern sorgt seit langem für viele Diskussionen. Einerseits entstehen bei dieser Art von Stromerzeugung weder Treibhausgase noch andere Schadstoffe, andererseits sorgen beispielsweise das Recycling ausgedienter Anlagen, Lärmbelästigung oder Optik für einen heftigen Diskurs. Hauptkritikpunkte sind jedoch Kollisionen von (Zug)Vögeln mit den Rotorblättern.
Während in den USA schätzungsweise jedes Jahr 140.000 bis 330.000 Tiere mit Windrädern kollidieren, gibt es für Europa in dieser Hinsicht keine Zahlen. Da aber mehr als 25.000 neue Windturbinen in den kommenden Jahren geplant sind, hat sich ein Team von der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in der Schweiz mit Maßnahmen zum Schutz von Zugvögeln beschäftigt. Die Forschenden konnten belegen, dass sich mit Hilfe von Wetterradar-Daten das Risiko für Kollisionen bei nur geringen Einbußen bei der Stromproduktion mindern ließe. Da der Großteil des Vogelzugs in einem relativ engen Zeitfenster stattfindet und die Spitzen dieser Bewegungen auf relativ kurze Phasen konzentriert sind, könnten gezielte Abschaltungen Kollisionen vermeiden.
Mit Hilfe von Wetterradaren, die über den Kontinent verteilt sind, können auch die Bewegungen von Vogelschwärmen erfasst werden. Das Team hat Daten von 37 Wetterradaren und aufwendigen statistischen Analysen ausgewertet und die Anzahl Vögel abgeschätzt, die 2018 potenziell mit den Rotorblättern hätten kollidieren können. Im Durchschnitt galten knapp 800 Vögel pro Turbine als gefährdet. In drei Abschaltszenarien konnten die Wissenschaftler:innen die Zahl der Kollisionen im Kontext mit der Menge der jeweiligen Stromeinbußen grob berechnen.
„Viele Menschen lehnen Windturbinen ab, weil sie glauben, dass diese eine enorme Menge an Vögeln töten“, sagt Silke Bauer vom WSL. „Ich möchte nachhaltige Energieproduktion und Vogelschutz vereinbaren und aufzeigen, dass es Strategien gibt, um die Zahl gefährdeter Vögel zu reduzieren.“ Effiziente Kompromisse seien jedoch möglich, bei denen nur wenig Energieproduktion verloren gehe, konstatiert die Biodiversitätsforscherin, die nun die Berechnungen auf ganz Europa und auf längere Zeiträume ausweiten möchte.




