Menü ≡

Immer mehr gebietsfremde Schildkröten in deutschen Gewässern

08.06.2026

Neben Waschbären, Asiatischen Hornissen und Nutrias siedeln sich auch immer mehr gebietsfremde Reptilienarten in Teilen Deutschlands an. Besonders Wasserschildkrötenarten scheinen sich in den Gewässern hierzulande wohl zu fühlen. So konnte ein Team aus Forschenden der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN) und des Museums für Naturkunde Berlin 14 gebietsfremde Schildkrötenarten, die mittlerweile in der Natur zu finden sind, nachweisen. Drei dieser Arten haben sich bereits so etabliert, dass sie sich selbstständig fortpflanzen.

Das ist das Ergebnis einer Analyse von 1.770 Schildkröten-Nachweisen, die aus Citizen Science-Projekten stammen. Als einzige ursprünglich heimische Schildkrötenart konnte die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) nachgewiesen werden. Die Nordamerikanische Buchstaben-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta), die bislang als einzige invasive Art gilt, trat mit rund 70 Prozent aller Beobachtungen am häufigsten auf. Die Forschenden mutmaßen, dass deren Verbreitung hauptsächlich auf Aussetzungen zurückzuführen ist, da diese vor allem in der Nähe von Städten sowie in westdeutschen Ballungsräumen zu finden waren. „2016 wurde Trachemys scripta in die ‚EU-Liste der unerwünschten Spezies‘ aufgenommen. Auch in Deutschland hat sich die eingeschleppte Schildkröte mit einer Panzerlänge von etwa 13 bis 25 Zentimetern etabliert und kommt in zahlreichen Gewässern vor“, erläutert Dr. Melita Vamberger von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden.

„Durch den Klimawandel könnten sich jedoch künftig mehr Arten erfolgreich vermehren, eventuell ausbreiten und stärkere Auswirkungen auf heimische Ökosysteme verursachen. Deshalb fordern wir einen Dialog mit allen beteiligten Stakeholdern, um effiziente Lösungen für Tiere und Haltende zu finden sowie eine stärkere Aufklärung der Öffentlichkeit. Dafür haben wir bei Senckenberg ‚AquaSchild‘ ins Leben gerufen – in diesem Senckenberg Solutions Lab entwickeln wir mit Akteur:innen aus Verwaltung, Natur- und Tierschutz, Forschung, Bildung, Tierhandel und Öffentlichkeit praxisnahe Lösungen für den Umgang mit gebietsfremden Arten“, so Vamberger.

Die Studie zeigt, dass die Artenvielfalt und Anzahl der Schildkröten besonders hoch in Städten und stadtnahen Gebieten sind, also Regionen mit einer hohen Urbanisierung. „Das Muster bestätigt einen engen Zusammenhang zwischen der Verbreitung der Tiere und menschlicher Präsenz. Es deutet stark darauf hin, dass menschliche Aktivitäten – insbesondere das Aussetzen von Haustieren – eine entscheidende Rolle spielen“, betont Studentin und Erstautorin Hedi Schloddarick.

SGN