Osteoarthrose (OA) ist eine häufige, chronische und fortschreitende Gelenkerkrankung, die durch Entzündung sowie den Abbau von Gelenkstrukturen gekennzeichnet ist und zu Schmerzen sowie Bewegungseinschränkungen führt. Bis zu 40 % aller Hunde und Katzen können von radiologisch nachweisbarer Osteoarthrose betroffen sein. Obwohl es derzeit keine Heilung für Arthrose gibt, kann man medizinisch durchaus eingreifen, um die osteoarthrose-bedingten Schmerzen in den Griff zu bekommen und die Lebensqualität zu verbessern.
Identifizierung und Behandlung von OA-bedingten Schmerzen
Chronische Schmerzen haben einen negativen Einfluss auf viele Aspekte der Gesundheit eines Haustieres. Bei Hunden kann sich das Gangbild, aber auch Schlaf, soziale Beziehungen und kognitive Fähigkeiten verändern. Bei Katzen können OA-bedingte Schmerzen zu einer Einschränkung der täglichen Fellpflege und einer allgemeinen Verringerung der Mobilität ist führen. Das Springen wird von den erkrankten Tieren vermieden oder in Etappen ausgeführt. Nicht immer zeigen die Haustiere klare Symptome. Besonders bei älteren Tieren nehmen die Halter:innen häufig an, dass das normale altersbedingte Erscheinungen sind.
Schmerzen seien schwer zu beurteilen und nicht immer offensichtlich, erklärt Dr. Richard Goldstein, seit März 2024 Global Chief Medical Officer and Head of Global Medical Affairs bei Zoetis, in einem Gespräch mit Vetion.de. Daher sei eine sorgfältige Beobachtung unerlässlich. Alle Beteiligten, Halter:innen und behandelnde Veterinär:innen, müssten noch mehr in dieser Hinsicht sensibilisiert werden, so Goldstein.
Monoklonale Antikörper zur Schmerzlinderung
Monoklonale Antikörper (mAbs) sind hochspezifische Proteine des Immunsystems, die auf Moleküle abzielen, die an Krankheiten beteiligt sind, und diese neutralisieren. Bei dem Nervenwachstumsfaktor (NGF) handelt es sich um ein Protein im Körper, dessen Konzentration in den Gelenken von Tieren mit Arthritis erhöht sein kann und das mit der Weiterleitung von Schmerzempfindungen an das Gehirn in Verbindung steht. mAbs binden an NGF und verringern so die Menge an freiem NGF, die an die Rezeptoren auf Neuronen, Immunzellen und anderen Zelltypen binden können.
Die Zukunft der Versorgung bei chronischen Schmerzen
Zoetis forscht seit mehr als einem Jahrzehnt an der Entwicklung monoklonaler Antikörper für die Veterinärmedizin. Zur Behandlung von Arthroseschmerzen bei Hunden und Katzen hat das Unternehmen im Jahr 2021 die Zulassung für Librela® (für Hunde) und Solensia® (für Katzen) erhalten, eine Injektion zur monatlichen Schmerzlinderung. Im Juli 2026 hat Zoetis sein OA-Schmerzportfolio um Lenivia® (Hund) und Portela® (Katze) erweitert. Eine einzige Injektion verspricht bis zu drei Monate Schmerzlinderung. Die beiden Mittel richten sich gegen den Nervenwachstumsfaktor (NGF), einen zentralen Vermittler von OA-Schmerzen und Entzündungen. Lenivia und Portela binden dabei an eine andere Stelle des NGF an als die einmal monatlich anzuwendenden Alternativen Librela® und Solensia®.
Die Vorteile der innovativen Dreimonatsspritzen liegen auf der Hand: Die lange Wirkungsdauer bedeutet eine deutliche Stressreduktion für die Tiere und deren Halter:innen, da der Tierarztbesuch nur noch viermal statt zwölfmal im Jahr nötig ist. In Studien erwies sich zudem Portela® auch bei Katzen mit chronischen Nierenerkrankungen im Frühstadium (IRIS-Stadien 1, 2 und 3) als gut verträglich.
Schmerz kann zu weiterem Schmerz führen
„Ist das Mittel sicher?“, lautet die häufigste Frage der Tierhalter:innen. Was allerdings passiert, wenn die erkrankten Tiere gar nicht erst behandelt werden, werde eher zu selten gefragt, so Goldstein. Denn Schmerz kann zu weiterem Schmerz führen. Eine konsequente Schmerzbehandlung kann künftigen Schmerzen vorbeugen. Der Veterinär betont besonders, dass auch Hunde- und Katzensenioren eine gute Lebensqualität verdienen.



