In Deutschland ist erstmals das Orthobunyavirus aus der Simbu-Serogruppe bei Rindern festgestellt worden. Der Nachweis erfolgte durch das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), nachdem mehrere Tiere in Süddeutschland klinische Symptome zeigten, die auf das Schmallenberg-Virus hinwiesen. Die Untersuchungen auf das Schmallenberg-Virus verliefen in der Folge jedoch negativ. Auch Infektionen mit dem Blauzungenvirus (BT) konnten ausgeschlossen werden.
Das neu nachgewiesene Orthobunyavirus wird durch blutsaugende Gnitzen übertragen und kommt vor allem in Afrika, Asien und Australien bei Wiederkäuern vor. Nach dem erstmals vor rund 15 Jahren nachgewiesenen Schmallenberg-Virus gibt es damit erneut gesicherte Hinweise auf die Einschleppung eines neuen Virus dieser Gruppe nach Deutschland.
Die vollständige Charakterisierung des Erregers soll in den kommenden Wochen erfolgen. Zudem arbeitet das FLI an der Anpassung und Entwicklung spezifischer diagnostischer Verfahren. Die Untersuchungen der kommenden Wochen werden zeigen, wie rasch sich das Virus ausbreitet, welche Tierarten besonders betroffen sind und mit welchen klinischen Folgen zu rechnen ist.
Die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Orthobunyaviren erfordere einen entsprechenden zeitlichen Vorlauf und setze umfangreiche Informationen über die klinische und insbesondere reproduktionsmedizinische Bedeutung des Erregers voraus, so Prof. Dr. Martin Beer, Vizepräsident des Friedrich-Loeffler-Instituts. Noch ließe sich auch nicht abschätzen, ob und in welchem Umfang Infektionen trächtiger Tiere zu Schädigungen der Feten führen können.
Da die Gnitzensaison in Deutschland noch bis Ende November andauern kann, müsse mit einer weiteren und möglicherweise schnellen Ausbreitung des Virus in empfänglichen Tierbeständen gerechnet werden, so das FLI abschließend.




