Dermatophilus congolensis ist ein Bakterium, das bei Rindern, Schafen, Ziegen und Pferden zu teils schmerzhaften Hautveränderungen führen kann. Da die Dermatophilose hauptsächlich in Ställen, auf Weiden und in Viehbetrieben auftritt, insbesondere wenn Regen und hohe Luftfeuchtigkeit die Haut der Tiere über längere Zeiträume hinweg feucht hält, wird die Erkrankung auch Regenfäule bzw. Rain Rot genannt.
Infizierte Rinder zeigen Symptome wie Krusten und verfilzte Haarbüschel, bei Schafen zeigt sich eine Infektion durch klumpige Veränderungen am Vlies. Bei Pferden betreffen die Hautveränderungen häufig den oberen Körperbereich; in schweren Fällen können auch die Beine in Mitleidenschaft gezogen werden, was zu Schmerzen und Lahmheit führt. In seltenen Fällen können auch Hunde und Katzen an der Dermatophilose erkranken, auch bei Wildtieren wurden Infektionen beobachtet.
Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hat nun auf eine steigende Zahl an Infektionen bei Menschen hingewiesen. Betroffen sind mehr als 120 Personen in zehn europäischen Ländern, darunter auch Deutschland und einige Nachbarländer.
Expert:innen befürchten, dass das Bakterium einen neuen Weg gefunden hat und die Krankheit sich von Mensch zu Mensch verbreiten kann, denn mehrere Patient:innen hätten keinen Kontakt zu Tieren gehabt, wie die italienische Zeitung La Stampa schreibt.
Der Erreger ruft nach einer Infektion beim Menschen Papeln, Pusteln, Krusten, Schuppenbildung und Juckreiz hervor. In der letzten Zeit wurden zudem Läsionen im Genital- und Leistenbereich sowie am Rumpf, an den Oberschenkeln und im Gesicht beobachtet.
Eine Diagnose ist schwierig, gegebenenfalls ist eine mikrobiologische Untersuchung erforderlich. Die bislang beschriebenen Fälle verliefen meist mild und sprachen auf eine Antibiotikabehandlung an. Auch wenn das Risiko für die Allgemeinbevölkerung weiterhin als gering eingeschätzt wird, beobachten Expert:innen dieses ungewöhnliche epidemiologische Phänomen genau.
„Das Bakterium Dermatophilus congolensis ist ein Mikroorganismus, der vor allem in der Veterinärmedizin seit Langem bekannt ist, da er Rinder, Pferde, Schafe und andere Tiere befällt. Beim Menschen galten Infektionen hingegen stets als recht selten“, erklärt Fabrizio Pregliasco, Virologe und Leiter der Schule für Hygiene und Präventivmedizin an der Universität Mailand.
Zunächst bleibt die Regenfäule eine Tierkrankheit. Bei engem Kontakt mit erkrankten Tieren sollten Tierhaltende die Hautveränderungen ernst nehmen und konsequent auf Hygiene und Hautschutz achten. Forschende wollen insbesondere klären, welche Übertragungswege bei den neuen Fällen eine Rolle spielen und warum sich das Infektionsgeschehen in Europa verändert. Die europäischen Behörden beobachten die humanen Dermatophilose-Fälle genau, um zu verstehen, wie ein Bakterium, das bis vor Kurzem fast ausschließlich im Veterinärbereich vorkam, neue Übertragungswege auf den Menschen gefunden hat.




