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„Die Akzeptanz und Hilfsbereitschaft sind sehr hoch“

19.05.2021

Seit Mitte April gibt es am Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin (FU) ein eigenes Testzentrum für Studierende und MitarbeiterInnen. Vetion.de hat mit Forschungsdekan und Epidemiologe Prof. Uwe Rösler gesprochen, der als Leiter des Instituts für Tier- und Umwelthygiene am Fachbereich maßgeblich an der Einrichtung des Testzentrums beteiligt war.

Vetion.de: Wie funktioniert so ein eigenes Testzentrum?

Rösler: Am Testzentrum in der umfunktionierten Mensa haben alle MitarbeiterInnen und Studierenden die Möglichkeit, sich zweimal pro Woche kostenlos im Rahmen eines assistierten Selbsttests testen zu lassen. Termine können unkompliziert über ein Online-Buchungssystem gemacht werden. Die Auswertung erfolgt durch geschultes Personal. Am Ende gibt es eine offizielle Bescheinigung. Bei positiven Nachweisen erfolgt eine interne, datenschutzkonforme Erfassung und die oder der Betroffene muss sich einem PCR-Test unterziehen. Davon gab es bisher aber nur zwei.

Ist das Testzentrum ein Unikat an der Universität?

Es gibt an der FU nur zwei Fachbereiche, die Präsenzveranstaltungen durchführen, weil es für die Lehre essenziell ist. Nur diese haben ein eigenes Testzentrum. Alle anderen Einrichtungen stellen an ihren Instituten Tests für die MitarbeiterInnen zur Verfügung. Damit sind wir neben dem Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie, der einzige Fachbereich, der ein eigenes Testzentrum betreibt. Das ist eine Besonderheit, auch verglichen mit den anderen veterinärmedizinischen Fakultäten in Deutschland.

Gibt es eine Testpflicht für Studierende?

Als wir mit dem offenen Testzentrum für Studierende und MitarbeiterInnen am 15.4.21 begonnen haben, gab es noch keine Testpflicht für Studierende. Wir haben aber allen Studis klar kommuniziert, dass sich die MitarbeiterInnen in der Lehre einem erhöhten Risiko aussetzen und wenn der Anteil der Nicht-getesteten zu hoch ist, wir die MitarbeiterInnen nicht mehr zur Durchführung einer Lehrveranstaltung verpflichten können; dass dann der Anteil der Präsenzveranstaltungen abnimmt. Eine Statistik darüber, wer sich wann testen lässt, führen wir nicht, aber wir sehen auch jetzt viele Studierende regelmäßig, gehen also davon aus, dass sich alle vor einer Präsenzveranstaltung testen lassen.

Welche Vorteile bietet ein Testzentrum für die Lehre?

Der Anteil an Präsenzveranstaltungen wird bei uns so hochgehalten, auch dank des anhaltend starken Einsatzes unseres Lehrdekans, Prof. Jörg Aschenbach, für die Wichtigkeit der Hands-On-Lehre im Tiermedizinstudium. Um Ostern herum war mit einer zentralen Teststrategie am Fachbereich so bereits die praktische Propädeutikausbildung möglich. Da haben wir alle Studierenden des fünften Semesters täglich über zwei Wochen getestet. Das System wurde damit erprobt und hat gut funktioniert. In diesem Semester laufen vor Ort die klinische Rotation, die Parasitologiekurse, die klinische Labordiagnostik, die Kurse für Mikrobiologie und Lebensmittelhygiene.

Natürlich erlischt mit einem Schnelltest nicht das Risiko einer Übertragung, aber die Sicherheit ist höher. Das ist wichtig, um den Studierenden die Angst vor und nach einer Präsenzveranstaltung zu nehmen. Und natürlich werden damit Infektketten unterbrochen. Alle Hygienemaßnahmen, wie Abstand und Maske gelten weiterhin.

Die Einrichtung eines Testzentrums war damit vorausschauend, da nun (ab 1. Mai, Anm. d. Red.) mit der Aktualisierung der SARS-CoV-2-Infektionsschutzmaßnahmenverordnung nur dann Präsenzveranstaltungen möglich sind, wenn ein negativer Corona-Test vorliegt, der nicht älter als 24 Stunden ist. Dafür würde die Möglichkeit, sich von staatlicher Seite aus einmal pro Woche kostenlos in einer öffentlichen Einrichtung in Berlin testen zu lassen, nicht mehr ausreichen. So ist es für alle Beteiligten strukturierter und einfacher.

Wie wird das Testzentrum finanziell und personell gestemmt?

Die Finanzierung der Tests übernimmt das FU-Präsidium, weil wir eine exponierte Stellung haben. Wir testen täglich etwa 120-150 Personen. Die Akzeptanz und Hilfsbereitschaft sind sehr hoch.

Für das Testzentrum haben sich in den Kliniken und Instituten schnell über 40 MitarbeiterInnen gefunden, die die Schichten von jeweils etwa drei Stunden am Vormittag und Nachmittag freiwillig abdecken. Das ist natürlich unbezahlbar. Im vergangenen Jahr haben bereits alle am Fachbereich Großes geleistet.

Wie lang wird es das Testzentrum noch geben?

Wir hoffen, dass wir das Testzentrum insgesamt aber nur noch wenige Wochen aufrechterhalten müssen. Im Sommer werden wir uns noch mit einer Teststrategie beschäftigen müssen. Dann werden die Impfungen ihre Wirkung entfalten und wir können hoffentlich zur Normalität zurückkehren.