In Deutschland ist die Katze das beliebteste Haustier. Rund 15,9 Millionen der Samtpfoten leben hierzulande in den Haushalten. Hinzu kommen ca. zwei Mio. verwilderte Hauskatzen. Tausende dieser Streunerkatzen wurden in den vergangenen Jahren erschossen. Allein in Schleswig-Holstein haben Jäger:innen innerhalb eines Jahres (April 2023-März 2024) annähernd 2600 der Vierbeiner getötet. Das geht aus dem Jagdbericht des Landes hervor. Wie viele Katzen im gesamten Bundesgebiet jährlich erschossen werden, kann nicht ermittelt werden, da es keine vollständige bundesweite Statistik gibt. Der Deutsche Tierschutzbund geht von mehr als 160.000 in Hessen, NRW, Schleswig-Holstein, Hamburg und dem Saarland getöteten Katzen zwischen 2007 und 2022 aus.
Die Jäger:innen in Schleswig-Holstein und Brandenburg sind nach dem Jagdgesetz befugt, wildernde Katzen zu töten, sobald diese in einem Jagdbezirk mehr als 200 Meter vom nächsten Haus entfernt angetroffen werden. In Bayern liegt die Grenze bei 300 Metern zum nächsten bewohnten Gebäude. Eine Ausnahme gilt, wenn der Besitzer eindeutig und mit vertretbarem Aufwand ermittelt werden kann.
Die Abschüsse würden zum Schutz von Bodenbrütern und anderen gefährdeten Arten durchgeführt, so die Jagdverbände. Tierschützer:innen bestreiten nicht, dass Katzen Wildtiere töten, mahnen jedoch an, dass sich Freigänger- und herrenlose Katzen auf größere Entfernung von vollständig verwilderten Tieren kaum unterscheiden ließen.
Zum 1. Juli 2026 hat Niedersachsen die Voraussetzungen für eine Tötung verschärft. Nach der neuen Regelung dürfen nur noch „erkennbar verwilderte, wildernde Hauskatzen“ erschossen werden, die sich mehr als 350 Meter vom nächsten Wohnhaus entfernt befinden. Bereits seit mehr als 10 Jahren dürfen Katzen in NRW im Rahmen des Jagdschutzes nicht mehr getötet werden, das Saarland verbietet den Abschuss von Hunden und Katzen bereits seit dem Jahr 2014. Auch in Baden-Württemberg darf eine streunende Hauskatze nur im Einzelfall und mit behördlicher Genehmigung getötet werden.
Das Problem Streunerkatzen wird in anderen Ländern teils sehr unterschiedlich angegangen. In Italien werden verwilderte Katzen eingefangen, sterilisiert und anschließend in ihre Kolonie zurückgebracht. Das italienische Modell setzt damit auf geschützte Kolonien und Geburtenkontrolle statt auf Abschüsse. In Australien gelten Katzen als eingeschleppte Raubtiere, die einheimische Arten massiv gefährden. Hier werden die Samtpfoten je nach Region mit Fallen, Ködern und gezielten Abschüssen bekämpft.




