Dänemark gehört zu den weltweit größten Top-Exporteuren für Ferkel. Deutschland ist eins der Hauptabnehmer. Den dänischen Schweinehalter:innen steht aktuell ein radikaler Umbruch bevor. Die Regierung des skandinavischen Landes plant ein Ende der exportorientierten Schweineproduktion. Das erklärte politische Ziel der neuen Mitte-links-Regierung ist die massive Drosselung der Ferkelimporte, die bei mehr als 16,7 Millionen Tieren jährlich liegen.
Das Ziel ist eine stärkere Ausrichtung auf die heimische Wertschöpfung. Nach den Plänen der Regierung sollen Ferkel bevorzugt in Dänemark gemästet, veredelt und geschlachtet werden, anstatt diese zur Mast nach Deutschland oder Polen zu schicken. Das würde zudem dem Arbeitsmarkt im eigenen Land zu Gute kommen.
Die vorgeschlagenen Maßnahmen umfassen neben einem Stopp für Stallneubauten auch die Einführung einer CO2-Steuer für die Tierhaltung. Weiterhin sollen die Tierschutzregeln verschärft werden, die den Export indirekt erschweren könnten. Bis 2030 soll ein vollständiges Verbot des Schwanzkupierens durchgesetzt werden, die Fixierung von Sauen im Abferkelbereich komplett abgeschafft, die Absetzzeit auf mindestens vier Wochen festgelegt und deutlich mehr Platz in den Buchten vorgeschrieben werden. Für viele Betriebe könnte das zu einer Existenzbedrohung werden. Auch auf die deutschen Abnehmer dänischer Ferkel hätte die Neuregelung einen starken Einfluss.
Aktuell werden rund 7,3 Millionen Ferkel nach Deutschland sowie 7,8 Millionen nach Polen importiert. Ein Wegbrechen dieser Exportmärkte ohne die Möglichkeit, die Tiere im Inland kostendeckend zu mästen, würde für viele dänische Betriebe das Aus bedeuten.
Jedoch zweifeln Expert:innen an der Umsetzung dieser Vorhaben. So betont Peter Pagh, Professor für Recht an der Universität Kopenhagen, dass der EU-Vertrag mengenmäßige Ausfuhrbeschränkungen zwischen Mitgliedstaaten strikt untersagt. „Man darf nicht das Ziel haben, Exporte zu beschränken. Man darf auch keine Maßnahmen beschließen, die darauf abzielen, Exporte einzuschränken“, so Pagh in der LandbrugsAvisen. Selbst indirekte Maßnahmen, wie eine Sonderabgabe auf exportierte Ferkel, wären demnach rechtswidrig.
Zwar setzt die dänische Regierung auf einen radikalen Kurs in Richtung Tierschutz und Binnen-Wertschöpfung. Doch der rechtliche Spielraum innerhalb des EU-Binnenmarktes ist eng. Sollte Kopenhagen versuchen, den Export durch nationale Vorschriften – etwa im Bereich Transport oder Tierschutz – indirekt zu drosseln, drohen Klagen vor dem Europäischen Gerichtshof und hohe Schadensersatzforderungen.




