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Coronavirus / Sars-CoV-2

Einleitung

Das Virus Sars-CoV-2 hält als Verursacher der Lungenkrankheit Covid-19 die Welt in Atem. Es schränkt das gewohnte Leben bereits jetzt vielfach ein. Inzwischen ist der Status der Epidemie von der Weltgesundheitsorganisation WHO am 11. März 2020 auf den einer Pandemie heraufgestuft worden. Ein Ende ist noch lange nicht in Sicht.

Die Zahl der Infizierten steigt aktuell in Europa und Deutschland täglich an, jeden Tag gibt es neue beängstigende Meldungen in der Presse. Veranstaltungen werden reihenweise abgesagt, Schulen und Geschäfte geschlossen, Quarantänen angeordnet und Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. In Deutschland herrscht bis zum 20.4. Kontaktverbot, in manchen Bundesländern wie Bayern oder Sachsen zudem Ausgangsbeschränkungen.

Klar ist, das Virus und die damit verbundenen Folgen machen auch vor den Tierarztpraxen und –kliniken nicht Halt und erschweren auch dort die Arbeit sowie die Versorgung der Tiere. Zudem herrscht große Verunsicherung über die Rechtslage, was ist erlaubt, was nicht, wie muss in welcher Situation gehandelt werden.

In diesem Fokusthema finden Sie unter dem Punkt FAQs die Antworten auf Ihre Fragen sowie in unserem VETS-Bereich Interviews mit tiermedizinischen Verbänden und Institutionen(Dr. Müller, LABOKLIN, zur Corona-Diagnose durch veterinärmedizinische Labore; Dr. Moder, bpt, über Systemrelevanz von Tierärzten; Dr. Steidl, Landestierärztekammer Baden-Württemberg, über Beatmungsgeräte für die Humanmedizin=, die sich intensiv mit der Thematik auseinandersetzen. Unter NEWS halten wir Sie über die neusten Entwicklungen auf dem Laufenden.

Corona-Krisen-Blog

In unserem Corona-Krisen-Blog im VETS-Bereich finden Sie Erfahrungsberichte und Bilder von Kolleginnen und Kollegen darüber, wie sie die Krise meistern. Wir freuen uns auch auf Ihre Geschichte an info@vetion.de.

In unserer Blitz-Umfrage wollten wir im März wissen, wie Sie die Folgen der Corona-Pandemie für die Veterinärmedizin und die Tiergesundheit einschätzen. Mehrheitlich wird ein Versorgungsengpass mit Arzneimitteln befürchtet. Lesen Sie im FAQ eine Stellungnahme des Bundesverbands für Tiergesundheit (BfT).

Anleitungen/Praxisschilder zum Ausdrucken für die Praxisräume


Diese und weitere Praxisschilder finden Sie zum kostenfreien Download im VETS- Bereich
Da das Coronavirus unser Gesundheitssystem zu überlasten droht, ist es sehr wichtig, Infektionen zu verhindern. Auch in der Tierarztpraxis muss alles getan werden, um sich, das Personal sowie die Tierhalter vor einer Infektion mit dem Virus zu schützen. Wenn Sie den Praxisbetrieb aufrecht erhalten wollen, sind Sie angehalten, bestimmte Regeln umzusetzen und in den Praxisräumen Anleitungen aufzuhängen, wie Frau/Mann sich vor einer Infektion schützen kann.

Vetion.de möchte Tierarztpraxen dabei unterstützen und hat eine Auswahl solcher Anleitungen/Praxisschilder zum Ausrucken und Aufhängen in Ihrer Praxis für Sie vorbereitet. Die Anleitungen können Sie sich kostenfrei im VETS-Bereich herunterladen und ausdrucken.

Das Virus

Die Corona-Krise wird verursacht von einem neuartigen Coronavirus, das erstmals im Dezember 2019 in der chinesischen Provinz Hubei aufgetreten ist. Das „Epizentrum“ ist vermutlich ein Wildtiermarkt in der chinesischen Stadt Wuhan. Hier soll das Virus erstmals auf einen Menschen übergesprungen sein. Somit handelt es sich bei Sars-CoV-2 um einen Zoonoseerreger. Vermutlich waren Fledermäuse die ersten Wirte. Ob die Fledermaus das Virus jedoch direkt auf den Menschen übertragen hat, oder es einen Umweg über andere tierische Zwischenwirte wie z.B. das Pangolin gab, ist unklar. Das Virus ist jedoch eng verwandt mit den verursachenden Viren von Mers und Sars, die beide durch den engen Kontakt mit tierischen Zwischenwirten auf den Menschen übertragen wurden.

Über die Gefährlichkeit sind sich die Wissenschaftler uneins, da es sich um ein neues Virus handelt, also keine Erfahrungswerte vorhanden sind. Außerdem ist die Zahl der bislang unerkannten Infektionen nicht bekannt, weshalb die Sterberate schwer anzugeben ist. In jedem Fall liegt sie höher als bei der Grippe oder der Schweinepest. Die errechnete Letalität anhand der aktuellen Datenlage wurde am 12. März 2020  durchschnittlich mit 3,5 bis 4 Prozent angegeben. Allerdings gibt es dabei große regionale Unterschiede.

Die Ursachen für Todesfälle durch das Coronavirus sind meist Lungenentzündungen, Atemnot oder Blutvergiftung

Die aktuellen globalen Infektionszahlen finden Sie auf der Webseite der Johns Hopkins Universität .

Sars-CoV-2 Infektionen bei Tieren

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hat vor wenigen Wochen mit Infektionsstudien bei Schweinen, Hühnern, Flughunden und Frettchen begonnen. Nun wurden erste Ergebnisse veröffentlicht, die zeigen, dass Flughunde und Frettchen empfänglich für eine SARS-CoV-2 Infektion sind.

Während sich Frettchen effizient mit SARS-CoV-2 infizieren lassen, das Virus gut vermehren und es auf Artgenossen übertragen, erfolgt bei den Flughunden keine Übertragung. Unter den Versuchsbedingungen zeigten sich weder Schweine noch Hühner als empfänglich für eine Infektion mit SARS-CoV-2. Nach jetzigem Kenntnisstand sind sie also von dem Virus nicht betroffen und stellen demnach kein potentielles Risiko für den Menschen dar.

In den Infektionsstudien wurde den Tieren SARS-CoV-2 in die Nase verabreicht, um den natürlichen Infektionsweg beim Menschen über den Nasen-Rachenraum nachzuahmen. Frettchen könnten sich demnach als Tiermodell, das die Infektion des Menschen widerspiegelt, eignen.

Die komplette Auswertung aller Versuchsreihen wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, mit den Endergebnissen ist Anfang Mai zu rechnen.

Zudem existiert ein Präprint einer Publikation aus China vom 30. März 2020 für die Zeitschrift nature, in dem auch Infektionsversuche mit SARS-CoV-2 bei Katzen erfolgreich waren, während sich das Virus in Hunden nur schwach vermehren konnte. Katzen schieden in diesen Untersuchungen ebenso wie Frettchen das infektiöses Virus aus und konnten Artgenossen über Tröpfcheninfektion infizieren.

Bitte beachten Sie!
Es gibt derzeit keinen Hinweis, dass sich Menschen durch Hunde und Katzen infizieren können, da diese Tiere den Erreger nicht in ausreichender Menge ausscheiden dürften. Das bestätigen auch Untersuchungen von IDEXX, das tausende Proben von Katzen- und Hunden auf COVID-19 getestet und ausgewertet hat. Bislang konnte kein einziger positiv getesteter Fall von COVID-19 bei einem Hund oder einer Katze beobachtet werden.
Es besteht daher keinerlei Grund, Hunde und Katzen wegzugeben oder gar euthanasieren lassen zu wollen! Allerdings sollten auch beim Umgang mit den Tieren die normalen Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen durchgeführt werden.

Tierarzneimittelversorgung

Auf die Frage, ob es zu Engpässen bei Arzneimitteln für Tiere durch die Corona-Pandemie kommen kann, antwortete der Bundesverband für Tiergesundheit (BfT) wie folgt:

Hersteller von Tierarzneimitteln haben routinemäßig detaillierte Pläne für die Geschäftskontinuität und arbeiten intensiv mit Lieferanten zusammen, um sicherzustellen, dass Tierarzneimittel zum Schutz der Gesundheit und des Wohlergehens der Tiere in Deutschland weiterhin verfügbar sind. Bisher liegen keine Informationen über Lieferausfälle zu Wirkstoffen oder Tierarzneimitteln in Deutschland vor. Wir ermutigen Tierärzte, ihre normalen Bestellmuster beizubehalten, um einen angemessenen Bestand an Tierarzneimitteln aufrechtzuerhalten. In diesem Fall sollten keine zusätzlichen Bestände erforderlich sein.

Der Bundesverband für Tiergesundheit ist im Austausch mit den für Tierarzneimittel zuständigen Bundesoberbehörden (BVL und PEI), die über etablierte Mechanismen zur Behandlung von Versorgungsproblemen verfügen, die von Zeit zu Zeit auftreten. Die Auswirkungen der Epidemie mit dem neuartigen Corona-Virus werden weiter beobachtet und analysiert. Wir empfehlen Tierbesitzern auch, den Rat ihres Tierarztes zu befolgen: den Zeitpunkt von Impfungen mit ihrem Tierarzt zu besprechen und diejenigen, deren Tiere in einer Langzeitbehandlung sind, zu drängen, rechtzeitig bei ihrer Tierarztpraxis die notwendigen Tierarzneimittel verschreiben zu lassen.

Laut der Corona Blitz-Umfrage von Vetion.de ist ein Lieferengpass bei bestimmten Arzneimitteln jedoch durchaus eine Befürchtung der Tierärztinnen und Tierärzte.

Hilfsbörsen

Hier finden Sie u.a. eine Übersicht über Hilfsbörsen und Nachbarschaftshilfen, an die Sie sich wenden können, wenn Sie oder auch Ihr Haustier Hilfe brauchen oder Sie Ihre Hilfe anbieten möchten.

Speziell für Tierärzte

Vetion.de Jobbörse: Hier haben Sie ab sofort die Möglichkeit, Ihre Anzeigen mit Bezug auf die Corona-Krise speziell zu kennzeichnen, wenn Sie beispielsweise als Vetmed-Student Praxen Ihre Hilfe anbieten möchten oder Sie als Tierarztpraxis kurzfristig Bedarf an Mitarbeitern haben bzw. Ihre Mitarbeit als tiermedizinische Aushilfe anbieten möchten.

Hardenberg-Consulting: Hardenberg-Consulting hat die „Telefon- Sprechzeiten“ auf 9 – 16 Uhr verlängert. Alle Kollegen sind herzlich willkommen und eingeladen, mit den Beratern Fragen rund um Karriereplanung, Möglichkeiten der Berufsausübung, Wiedereinstieg ins Berufsleben nach der Familienpause etc. zu besprechen – selbstverständlich kostenfrei.

Jede Art von Hilfe

Diese Hilfe-Plattformen bringen - bundesweit, wenn nicht anders gekennzeichnet - unkommliziert diejenigen, die Hilfe brauchen, mit denjenigen zusammen, die helfen wollen: Hunde ausführen oder Einkaufen gehen für Menschen in Quarantäne für Risikogruppen, Kinderbetreuung etc. Sie können nach PLZ suchen.

Quarantäne-Helden,

CoronaPort (Berlin)

Die Einkaufshelden

Nebenan.de

Help Unity

Wirhelfen

Speziell für Hundebesitzer

Pro-Hund Corona-Notfallhilfe: Facebook-Seite für Zusammenhalt unter Haustierbesitzern. Hier wird sich speziell um tierische Notfälle gekümmert.

Erntehelfer gesucht!

Bis zu 300.000 Erntehelfer fehlen dieses Jahr auf deutschen Feldern, da aufgrund der Corona-Krise viele Einreisebeschränkungen, -verbote bestehen. Helfen Sie jetzt!


Deutschland

DasLandHilft.de Bundeslandwirtschaftsministerium und Maschinenring e.V., seit 23.3.20

Saisonarbeit in Deutschland: Dieses Portal hilft seit Langem bei der Zusammenführung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern in der Landwirtschaft mit Fokus auf Saisonarbeit


Schweiz

AgriX

Coople

bpt-Webinar zu aktuellen Fragen der Tierärzte

Zu dem am 30.3.2020 gemeinsam von bpt, ATF und Vetion.de durchgeführten Webinar zu SARS-CoV-2 / Covid-19: Aktuelle Themen und Antworten, schrieb der bpt: „Das gab’s noch nie: Ein Webinar für rund 500 Teilnehmer, das über Nacht augebucht war und noch dazu viel Anerkennung eingebracht hat für die schnelle Reaktion, wichtige Themen aufzugreifen und Fragen zu beantworten, die vielen unter den Nägeln brennen. (…)“ Eine Aufzeichnung des Webinars finden Sie auf myvetlearn.de und hier eine kurze Zusammenfassung.

Das Webinar kostet normalerweise 20€, aber ist kostenlos für bpt-Mitglieder.

Praxisalltag in der Corona-Quarantäne

Jana Heimer, Nutztierärztin in der Praxis am Weinberg

"Alle großen Zufahrtsstraßen nach Jessen – dem Standort unserer Praxis – sind seit gestern früh (26.03., Anm. der Red.) abgeriegelt. In der Stadt kam es zu einem plötzlichen Ausbruch von Covid-19 und kurzer Hand wurde das Gebiet für zwei Wochen unter strikte Quarantäne gesetzt. Polizei und Feuerwehr kontrollieren nun jeden, der hinein oder hinaus will. Diese Maßnahme traf die meisten Bewohner überraschend. Nach der Allgemeinverfügung haben nun nur noch ganz bestimmte Berufsgruppen das Recht, die Abgrenzung zu übertreten. Wir Tierärzte gehören zum Glück dazu, unsere Patientenbesitzer nicht in jedem Fall. Das führte bereits dazu, dass ein Notfallpatient von einer Kollegin an der Absperrung behandelt werden musste. Für die nächsten Tage könnte es eine Lösung sein, die Tiere an der Absperrung abzuholen, in der Praxis zu therapieren und zurückzubringen oder in andere Praxen zu überweisen (Post auf der Praxis-Facebook-Seite):

Jessen Corona Tierarztpraxis

Als Tierärztin im Nutztierbereich muss ich die Absperrung mehrmals am Tag durchqueren, um zu den von uns betreuten Betrieben zu fahren und in der Praxis Medikamente abzuholen. Jedes Mal werde ich kontrolliert und muss – die aktuellste – Arbeitgeberbescheinigung und meinen Personalausweis vorzeigen. Einige Betriebe haben uns bereits abgesagt aus Angst, dass wir das Virus zu ihnen einschleppen. Aber wir müssen die Tiere ja versorgen und versuchen dabei – nicht erst seit der Quarantäne – bestmöglich auf Abstand und Hygiene zu achten.

Im Schweinebetrieb geht das sehr gut, da duschen wir ohnehin ein und aus und benutzen betriebseigene Kleidung. Dennoch verschieben wir zurzeit nicht dringend Notwendiges wie Blutentnahmen. Außerdem machen wir den Betriebsrundgang nur noch allein. Der Schweinehalter schreibt uns vorher auf, welche Tiere wir uns genauer ansehen sollen. Unser Protokoll gibt es sowieso schon immer schriftlich am Schluss und alles weitere besprechen wir nun eben am Telefon. Diese Vorbereitung erleichtert zumeist sogar den Arbeitsablauf, vielleicht kann man etwas davon für später beibehalten.

Im Rinderbereich ist das Abstandhalten schon schwieriger: Vor zwei Tagen war ich zur Geburtshilfe, das kannst du nicht allein machen.

In den Praxisräumen versuchen wir ebenfalls so wenig möglich Kontakt zu einander zu haben. Lager und Praxisräume sind nun streng voneinander getrennt: Medikamente werden mir nach draußen gegeben. Wir versuchen zudem so wenig Zeit wie nötig im Büro zu verbringen und erledigen den meisten Papierkram bereits auf dem Hof. Mittagspause machen wir allein und wenn ich zurückkomme und bereits zwei Mitarbeiter in der Praxis sind, warte ich im Auto.

Es ist eine Situation, mit der man vorher noch nie konfrontiert war, aber wir sind gut aufgestellt."

Tierärztliche Praxis am Weinberg GmbH
Weinberge 39A
06928 Jessen (Elster)

www.vetkomb.de


Weitere spannende Corona-Praxisgeschichten finden Tierärzte in unserem Corona-Krisen-Blog im VETS-Bereich.

Aktuelle Meldungen

03.04.2020: Natur- und Artenschutz sind wesentlich zum Schutz vor Pandemien

Natur- und Artenschutz sind der Schlüssel zur Verhinderung von Infektionskrankheiten wie Sars-CoV-2 / Covid-19. Diese Pandemie muss ein Weckruf sein, so die Warnung der Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Je tiefer der Mensch in den Lebensraum der Tiere eindringt und umso enger der Kontakt zwischen Mensch und Wildtieren ist, die häufig das Reservoir für viele
Krankheitserreger darstellen, desto größer das Risiko, dass die Erreger auch den Menschen infizieren und es zu einer weltweiten Pandemie kommt. Die Zerstörung der Natur ist die Krise hinter der Coronakrise, warnt Schulze. Wildtiermärkte und der weltweite Schmuggel von Wildtieren begünstigen die Übertragung von Krankheitserregern auf den Menschen sowie deren Verbreitung.

03.04.2020: Einigung bei Saisonarbeitern erzielt

Bundesinnenminister Horst Seehofer und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner haben sich nun doch auf eine begrenzte Einreise von Saisonarbeitskräften nach Deutschland als Erntehelfer unter strengen Auflagen geeinigt. Ziel war es, die derzeit notwendigen strengen Vorgaben des Infektionsschutzes mit den Erfordernissen in der Landwirtschaft in Einklang zu bringen. Nun steht fest: im April und im Mai dürfen jeweils bis zu 40.000 Saisonarbeiter mit dem Flugzeug organisiert einreisen. Bei der Einreise erfolgt ein von den Arbeitergebern veranlasster Gesundheitscheck durch medizinisches Personal. Gesunde Erntehelfer werden dann von den Betrieben abgeholt und in ihre Quartiere gebracht, die maximal zur Hälfte belegt und wo strenge Hygienevorschriften einzuhalten sind. 14 Tage müssen die Eingereisten strikt getrennt von den sonstigen Beschäftigten leben und arbeiten. Zudem
dürfen sie wie auch in der Quarantäne das Betriebsgelände nicht verlassen. Die Arbeiter sind in gleichbleibende, möglichst kleine Gruppen von fünf bis zehn, max. ca. 20 Personen einzuteilen. Außerdem hat die EU-Kommission weitere Maßnahmen wie administrative Erleichterungen und Kredithilfen zur Unterstützung der Landwirtschaft in der Coronakrise beschlossen. So gibt es einen höheren Vorschuss auf die Direktzahlungen, dieser steigt von von 50 auf 70 Prozent. Die Vorschüsse auf Zahlungen zur ländlichen Entwicklung steigen von 75 auf 85 Prozent. Zudem soll es vergünstigte Darlehen bis zu einer Höhe von 200.000 Euro geben. Außerdem soll die finanzielle Flexibilität der Mitgliedstaaten verbessert werden, indem ungenutzte Mittel aus den ländlichen Entwicklungsplänen nicht an den EU-Haushalt zurückgezahlt werden müssen. Stattdessen dürfen sie innerhalb der Entwicklungsprogramme übertragen werden.

03.04.2020: Erste Ergebnisse der Infektionsstudien mit Tieren liegen vor

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hat vor wenigen Wochen mit Infektionsstudien bei Schweinen, Hühnern, Flughunden und Frettchen begonnen. Nun wurden erste Ergebnisse veröffentlicht, die zeigen, dass Flughunde und Frettchen empfänglich für eine SARS-CoV-2 Infektion sind. Während sich Frettchen effizient mit SARS-CoV-2 infizieren lassen, das Virus gut vermehren und es auf Artgenossen übertragen, erfolgt bei den Flughunden keine Übertragung. Unter den Versuchsbedingungen zeigten sich weder Schweine noch Hühner als empfänglich für eine Infektion mit SARS-CoV-2. Nach jetzigem
Kenntnisstand sind sie also von dem Virus nicht betroffen und stellen demnach kein potentielles Risiko für den Menschen dar. In den Infektionsstudien wurde den Tieren SARS-CoV-2 in die Nase verabreicht, um den natürlichen Infektionsweg beim Menschen über den Nasen-Rachenraum nachzuahmen. Frettchen könnten sich demnach als Tiermodell, das die Infektion des Menschen widerspiegelt, eignen. Die komplette Auswertung aller Versuchsreihen wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, mit den Endergebnissen ist Anfang Mai zu rechnen.

Frequently Asked Questions

Dürfen Tierarztpraxen geöffnet bleiben? Sind Tierärzte systemrelevant? Was geschieht bei Ausgangbeschränkungen?

Tierärzte sind systemrelevant.

Das wurde von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner am 23.3. als Antwort auf einen Brandbrief der Tierärzteverbände bestätigt. Darin heißt es: „Aus Sicht des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sind die im Nutztierbereich und für die veterinärmedizinische Grund- bzw. Notfallversorgung von Heimtieren tätigen Tierärzte, Tiermedizinischen Fachangestellten und Tierpfleger als systemrelevant einzustufen. Ich habe mein Haus darum gebeten, über das Bundesministerium für Gesundheit die obersten Landesbehörden hierüber zu unterrichten,…“

Damit dürfen selbstverständlich auch Tierarztpraxen geöffnet bleiben, ebenso in Österreich.

Am 16.3.2020 wurden Leitlinien der Bunderegierung und der Länder über die Reduzierung sozialer Kontakte im öffentlichen Raum veröffentlicht. Darin ist beschrieben, dass von der pauschalen Schließung ausgenommene Einrichtungen nur unter "gestiegenen hygienischen Bedingungen" geöffnet bleiben dürfen.
Hinweise für einen so angepassten Praxisbetrieb in Zeiten von Covid-19 geben verschiedene Berufsverbände unter dem FAQ-Punkt "Wie verhindere ich eine Ansteckung meiner Mitarbeiter und die Virusverbreitung im Wartezimmer?"
Um eine weitere Ausbreitung des Virus zu vermeiden und Ihre Mitarbeiter und Kunden ausreichend zu schützen, empfiehlt die Landestierärztekammer Hessen beispielsweise:
• Telefonische Beratung vor dem Tierarztbesuch / Erweiterung der zeitlichen telefonischen Erreichbarkeit der Tierarztpraxen
• Keine freie Sprechstunde mehr, nur noch feste Termine mit ausreichenden Zeitfenstern
• Tierarztbesuch nur in dringenden Fällen / Telefonische Anmeldung von Notfällen
• Kurze Kontaktzeiten - Aufnahme der Tierhalterdaten und des Vorberichts bereits am Telefon / per E-Mail
• Keine Impfungen, keine Routineuntersuchungen, keine Routineoperationen
• Nur eine gesunde, erwachsene Person darf das Haustier begleiten
• Tiere mit ihren Besitzern warten vor der Praxis im Auto, bis sie aufgerufen werden
• Nur ein Kunde im Wartebereich, nur ein Kunde im Behandlungsbereich
• Anwendung einschlägiger Hygienemaßnahmen für Praxispersonal und Tierhalter, Schutzausrüstung, Reinigung, Desinfektion, Mindestabstand
• Kein Bargeld, "kontaktlose" Bezahlung
• Notwendige Überweisungen nur in die nächstgelegene Klinik

Jede Tierarztpraxis kann individuelle Verhaltensregeln zur Verhütung der Virusverbreitung vom Tierbesitzer beim Betreten der Praxis fordern.

Es empfiehlt sich, die in Ihrer Praxis getroffenen Maßnahmen zur Kontaktvermeidung ihrer zuständigen Gesundheitsbehörde zu übermitteln und deren Ratschläge umzusetzen. So stellen Sie sicher, dass im Infektionsfall nicht die gesamte Praxis unter Quarantäne gestellt wird, sondern nur Kontaktgruppe 1 (RKI). Hier gibt es gelockerte Regelungen für systemkritische Berufe.

Im Falle von Ausgangsbeschränkungen im Bundesland, seit dem 23.3. etwa in Sachsen angeordnet, ist es ratsam einen "Passierschein" mitzuführen, aus dem ersichtlich ist, dass man weiterhin zur Arbeit muss. Eine Vorlage findet sich bei der Sächsischen Landestierärztekammer: Arbeitgeberbestätigung für Ausgangsbeschränkungen

Tierarztpraxen dürfen geöffnet bleiben (Bayern, 20.3.)
Bundestierärztekammer Deutschland
Österreichische Tierärztekammer

Was geschieht bei einem Covid-19-Fall in der Tierarztpraxis?

Der erste Ansprechpartner ist das Gesundheitsamt. Tierhalter sollten dazu angehalten werden, die Tierarztpraxis über einen Covid-19 Nachweis im zeitlichen Zusammenhang mit dem Besuch in Kenntnis zu setzen und andersrum. In diesem und auch im Fall der Ansteckung eines Mitarbeiters müssen Kontaktpersonen in Quarantäne. Als Kontaktpersonen mit „erhöhtem Infektionsrisiko“ werden nach einer Information des Landkreis Augsburg etwa so definiert:

  • „Personen mit kumulativ mindestens 15-minütigem Gesichts- („face-to-face") Kontakt, z.B. im Rahmen eines Gesprächs. Dazu gehören z. B. Personen aus Lebensgemeinschaften im selben Haushalt.
  • Personen mit direktem Kontakt zu Sekreten oder Körperflüssigkeiten, insbesondere zu respiratorischen Sekreten eines bestätigten COVID-19-Falls, wie z.B. Küssen, Kontakt zu Erbrochenem, Mund-zu-Mund Beatmung, Anhusten, Anniesen, etc.
  • Medizinisches Personal mit Kontakt zum bestätigten COVID-19-Fall im Rahmen von Pflege oder medizinischer Untersuchung (≤ 2m), ohne verwendete Schutzausrüstung.“
Landkreis Augsburg/

Damit in einem solchen Fall nicht die gesamte Praxisbelegschaft gleichzeitig ausfällt, ist es ratsam, frühzeitig einen Pandemieplan aufzustellen. Dieser beinhaltet beispielsweise die Arbeit im strikt getrennten Schichtsystem. Tipps zur betrieblichen Pandemieplanung für Unternehmen gibt es von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung:
https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/2054

Der Verdienstausfall bei einer Covod-19-Erkrankung ist wie bei einer „normalen“ Erkrankung geregelt.
Bundesgesundheitsministerium.de

Wer zahlt im Fall der Quarantäne/Praxisschließung den Verdienstausfall?

Bei Verdienstausfall durch behördlich angeordnete Quarantäne/Tätigkeitsverbot oder Betriebsschließung haben Arbeitnehmer und Arbeitgeber sowie Selbstständige nach §56 Infektionsschutzgesetz Anspruch auf Entschädigung.

In den ersten 6 Wochen wird das bisherige Arbeitsentgelt durch den Arbeitgeber in voller Höhe weitergezahlt. Der Arbeitgeber bekommt dieses auf Antrag (innerhalb von drei Monaten zu stellen) erstattet, ein Vorschuss ist möglich.

Ab der 7. Woche werden die Ausgleichszahlungen in Höhe des Krankengeldes gezahlt.

Selbstständig Tätige stellen den Antrag auf Ausgleichszahlungen direkt beim Gesundheitsamt ihres Bundeslandes.

Wir-sind-tierarzt.de fasst zusammen: „Auch Praxisinhaber haben Anspruch auf Entschädigung des Verdienstausfalls, aber zunächst nur in Höhe des Arbeitseinkommens, nicht in Höhe der Praxiskosten. Das Arbeitseinkommen ist in § 15 Sozialgesetzbuch IV definiert und errechnet sich aus der Einkommenssteuererklärung.
Selbständige können aber auch für Betriebsausgaben „in angemessenem Umfang“ entschädigt werden (§ 56 Abs. 4 IfSG). Dies müssen sie allerdings extra beantragen.
Inwieweit eine Betriebsausfallversicherung greift, regelt der individuelle Vertrag. Eine Quarantäne muss mitversichert sein.“

Kassenärztliche Bundesvereinigung: Hinweise zu Entschädigung im Quarantänefall
§56 IfSG
www.wir-sind-tierarzt.de
AOK

Wie schränken geschlossene Kitas den Praxisbetrieb ein?

Seit dem 23.3. gehören Tierärzte in Deutschland offiziell zu den systemrelevanten Berufen und haben beispielsweise in Berlin damit Anspruch auf Notbetreuung unter den genannten Kriterien. Dies ist aber nicht in allen Bundesländern der Fall.



Ist dies nicht der Fall und der Arbeitnehmer muss für die Kinderbetreuung zuhause bleiben, gibt es keine Ausgleichszahlungen. Der Arbeitnehmer muss Urlaub nehmen, bezahlt oder unbezahlt. Lediglich 5 Tage bezahlter Freistellungsanspruch ergeben sich aus §616 BGB. Sollte das Kind krank werden, zahlt die Krankenkasse unter bestimmten Voraussetzungen ein "Kinderkrankengeld".

Update 25.3.: Der Bundestag hat Lohnausgleichzahlungen nun auch für den Fall der Kinderbetreuung daheim beschlossen, für sehr kleine Kinder gibt es die bis zu 67% sogar im Fall des Homeoffice. Das Geld fließt nicht im Ferienzeitraum.

Wie verhindere ich eine Ansteckung meiner Mitarbeiter und die Virusverbreitung im Wartezimmer?

Verhindern sie unnötigen Personenkontakt und machen sie auf die Einhaltung allgemeiner Hygienemaßnahmen (Niesen in die Armbeuge, Händewaschen) aufmerksam.

Mitarbeiter: Zeitlich strikt getrennte Dienste, getrennter Aufenthalt in Sozialräumen (kein gemeinsames Mittag), nach Möglichkeit räumliche Trennung der Arbeitsbereiche.

Patientenbesitzer: Terminsprechstunde, Abstand von Wartezimmerstühlen von mindestens 1,5 Metern, besser vereinzelter Einlass, Bereitstellen von Desinfektionsmittel am Eingang, Zwischendesinfektion von Türkliniken, Tresen, WC etc; Am besten kein Einlass von Tierbesitzern mehr: Entgegennahme und Anamnese des Tieres am Auto/vor der Praxis. Bitten Sie Tierbesitzer alleine zukommen; Tierbesitzer von Behandlungsraum/Röntgenraum ausschließen, Fixierung des Tieres nur durch Mitarbeiter der Praxis. Kein Händeschütteln.

Informieren sie Patientenbesitzer am besten mit entsprechenden Infozetteln an der Praxistür und auch auf der Webseite. Infozettel/anleitungen, auf dem das korrekte Verhalten im Wartezimmerund bei der Anmeldung abgebildet ist, sowie eine Aufforderung zum Händewaschen usw. finden Sie zum kostenlosen Download bei Vetion.de im VETS-Bereich für Tierärzte.

Die Schweizerische Vereinigung für Kleintiermedizin, die Österreichische Tierärztekammer, die Bayerische Landestierärztekammer und die Bundestierärztekammer haben Hinweise für einen angepassten Praxisbetrieb im Klein- und Großtierbereich zusammengestellt:

Schweizerische Vereinigung für Kleintiermedizin
Bayerische Landestierärztekammer
Bundestierärztekammer
Österreichische Tierärztekammer

Stellen Sie Mitarbeitern gegebenenfalls Schutzkleidung (Masken) bereit.

In unserem Corona-Krisen-Blog berichten Kollegen vom Praxisalltag zu Covis-19-Zeiten. Hier finden Sie sicher unkomplizierte Anregungen für die eigene Praxis. Gern können Sie auch ihre Geschichte einsenden.

In der Nutztierpraxis könnte etwa darauf hingewiesen werden, dass Abstand zum Tierarzt gehalten wird, nur dringend nötige Hilfspersonen anwesend sind, das Tier vor der Ankunft des Tierarztes bereits fixiert, um die Kontaktzeit zu verringern.

Bayerische Landestierärztekammer Hinweise für Landwirte

Sollten Mitarbeiter Symptome eines Atemwegsinfektes zeigen, können Sie (prohylaktisch) eine Krankschreibung von bis zu 14 Tagen auch ohne Arztbesuch erhalten. Ein Anruf genügt. (Übergangsregelung zunächst bis 23. Juni geltend; Stand: 26.3.)

Aus unbegründeter Angst vor hustenden Kollegen wird übrigens niemand von seiner Arbeitspflicht entbunden.

infektionsschutz.de - Hygienetipps
Bundesministerium für Arbeits und Soziales - Arbeitsrechtliche Auswirkungen Coronavirus
Bund angestellter Tierärzte e.V. - Covid-19-Pandemie – Aktuelle Informationen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Sicherstellung der tierärztlichen Versorgung
DGB- Fragen und Antworten für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu Corona
DGB Rechtsschutz GmbH - Coronavirus: Was Beschäftigte wissen müssen
www.wir-sind-tierarzt.de - Corona: Wer zahlt, wenn eine Tierarztpraxis unter Quarantäne steht?

Ist Covid-19 auf Tiere übertragbar oder über diese übertragbar?

Nach derzeitigem Wissensstand nicht. Kurt Frühwirth, Präsident der Österreichischen Tierärztekammer sagte im März dazu: „Wir können sagen, dass es bisher keinen Hinweis darauf gibt, dass Haustiere Covid-19 auf Menschen oder andere Haustiere übertragen können. Sie erkranken auch nicht daran. Sie spielen bei der Verbreitung des Virus nach derzeitigem Kenntnisstand keine Rolle.“ Ob das Virus Auswirkungen auf die Nutztierhaltung hat, wird derzeit an Tierversuchen durch das Friedrich-Loeffler- Institut (FLI) untersucht. Erste Ergebnisse sind seit 02.04. verfügbar.
Die Weltorganisation für Tiergesundheit (Oie) ordnet in ihrem FAQ auch die beiden in China positiv getesteten Hunde ein.

Wie kommen Tiere von kranken oder gefährdeten Tierhaltern in die Praxis?

Tierhalter, die Symptome einer Atemwegserkrankung zeigen, sollten die Tierarztpraxis vorher telefonisch darüber informieren. Der Tierhalter sollte die Praxisräume dann in jedem Fall nicht betreten. Das Tier sollte vor der Praxis übergeben werden, zum Beispiel aus dem Auto heraus. Im besten Fall wird das Tier von einer gesunden Person zur Tierarztpraxis gebracht. Die Anamnese erfolgt dann telefonisch oder per Mail vorab.

Grundsätzlich sollten planbare Eingriffe (Impfungen, Kastrationen) verschoben werden.

Auf Hausbesuche sollte gänzlich verzichtet werden. Manche Tierarztpraxen bieten bereits einen Abholservice für Tiere an, um den Kontakt von Patientenbesitzern in den Warteräumen zu verringern und auch die Versorgung der Tiere von Tierhaltern zu ermöglichen, die zu einer sogenannten Risikogruppe gehören.

Schweizerische Vereinigung für Kleintiermedizin

Dürfen Hunde noch ausgeführt werden, wenn eine allgemeine Ausgangssperre verhängt wird? Wie erhalten Tiere von Personen unter Quarantäne Hilfe im Notfall?

Das Bundesgesundheitsministerium verweist in ihrer Handreichung zur Quarantäne darauf, dass Personen unter Quarantäne ihre Hunde von Nachbarn ausführen lassen sollen. Gleiches kann man vermutlich auf den notwendigen Besuch in der Tierarztpraxis anwenden.

Bundesgesundheitsministerium.de

Sollte eine Ausgangsperre verhängt werden, werden kurze Gassirunden von einer Person voraussichtlich zulässig sein, ebenso wie andere, unabdingbare Versorgungsleistungen von Haustieren. Letzteres ist in der Bekanntmachung zur bayerischen Ausgangsperre vom 20.3.20 explizit festgehalten.

Bekanntmachung zur Ausgangssperre in Bayern.de

Tierbesitzer sollten beim Besuch der Tierarztpraxis bestimmte Verhaltensregeln einhalten: Ratschläge für den Tierarztbesuch von FECAVA und FVE

Studierende: Durch die Schließung der Universitäten fallen Vorlesungen, Präsenzveranstaltungen und möglicherweise auch Prüfungen aus. Welche Folgen hat dies für die Studierenden, u.a. auf den weiteren BAföG-Erhalt?

BAföG wird weitergezahlt, wenn Unterrichts- oder Prüfungsausfall wegen Covid-19 geschieht. An den Universitäten herrscht Notbetrieb, nicht zwingend notwendige Mitarbeiter sollen dem Campus fern bleiben, das gilt auch für Studenten. Der Beginn des Sommersemesters und Prüfungen sind vorerst auf den 20.04. verschoben (Stand: 03.04., Berlin). Lehrveranstaltungen dieses verkürzten Semesters sollen weitestgehend in Online-Lehre angeboten werden. Dr. Siegfried Moder, Präsident des Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt), sprach sich am 30.3. gegenüber Praktikern dafür aus, Studenten soweit möglich ihre Praktika zu ermöglichen (im Rahmen der gebotenen Maßnahmen des Infektionsschutzes).

BMBF zum BAFÖG

TiHo Hannover.de
Fachbereich Vetmed FU Berlin
JLU Giessen
Uni München
Uni Leipzig

Wie erfülle ich meine Fortbildungspflicht, wenn Kongresse und Fortbildungsveranstaltungen ausfallen?

In einem Informationsschreiben vom 18.03.20 erklärte bereits die Berliner Tierärtzekammer, dass in 2020 die erforderlichen ATF-Stunden zu 100% durch E-Learning gedeckt gedeckt werden können. ATF-zertifizierte E-Learning-Kurse und Webinare finden Sie auf
www.myvetlearn.de

Was gehört zur Grundversorgung? Welche Eingriffe sollten verschoben werden?

Heiko Färber, Geschäftsführer des bpt, sagt, das müsse jeder Tierarzt selbst entscheiden und dabei die Minderung der Mensch-Mensch-Kontakte auf das Nötigste im Hinterkopf haben. Als Kriterium könne die „Planbarkeit“ eines Eingriffes zur Hand genommen werden. Es ist nicht so, dass alle Impfungen automatisch verschoben werden müssen.

Kann ich Videokonsultationen etc. (Telemedizin) zur Minderung der Praxisbesuche einsetzen?

In der Musterberufsordnung der Bundesländer/TÄHAV steht, dass eine Behandlung eines Tieres oder Bestandes ohne vorherige „physische“ Untersuchung grundsätzlich unzulässig sei. Diese zu ändern, wäre aufwändig und langwierig. Nun wird schnell reagiert und flexibel ausgelegt. Färber berichtet von Gesprächen mit dem BMEL und BMG am 24.3., in denen klar herauskam, dass man sich in einer Ausnahmesituation befinde und deshalb besondere Maßstäbe angelegt würden. Somit darf man sich Telemedizinischer Hilfsmittel bedienen. Das Fernbehandlungsverbot werde also für diese Zeit gelockert. Im Einzelfall entscheidet die Landestierärztekammer.

Färber: „Wir sollten die Telemedizin nun für uns Tierärzte nutzen und nicht-tiermedizinischen Anbietern nicht den Markt überlassen.“

Gabriele Moog, Referentin der Geschäftsführung des bpt, sagte, die Telemedizin ist immer noch ein „unbekanntes Terrain mit vielen Grauzonen“ und werde eine „Insellösung“ bleiben; man müsse bei der Telemedizin Datenschutz und Haftung im Blick behalten. Eine gute Dokumentation und Aufklärung des Tierhalters über die Grenzen und Risiken seien grundlegend: „Gut begründen, gut dokumentieren und Mut haben!“

Auch die Haftpflichtversicherung vorher über das geplante Vorgehen zu informieren, könne nicht schaden. Datenschutzrechtlich ist auf eine sichere Verbindung zu achten. Auch das Heilmittelwerbegesetz wurde angesprochen. Moog: „Natürlich dürfen Sie mit ihrem telemedizinischen Angebot auf ihrer Homepage werben!“

Auch bei der Abrechnung könne man die GOT flexibel auslegen. §7 lässt Analogien zu, zb zu telefonischer Beratung oder Gutachtenerstellen. Wenn kein Notdienst bestehe, dann 1-3-fache Anwendung.

Nähere Ausführungen des bpt zu Telemedizin und Arzneimittelversand in der Ausnahmesituation als Artikel

und im Webinar vom 30.03.

Darf ich Tierarzneimittel im Einzelfall versenden?

Zum Versenden von Arzneimittel, was ohne vorherige Konsultation laut AMG/TÄHAV ebenfalls unzulässig wäre, sagte Färber: „Wenn es sich dabei um ihnen gut bekannte, nicht-lebensmittelliefernde Tiere handelt, ist das zulässig.“ Diese Lockerung gilt ebenfalls nur für die derzeitige Notsituation.

Mir bleiben die Kunden weg. Welche Soforthilfen gibt es für die Tierarztpraxis?

Die Bundesregierung hat Hilfe für Freiberufler aufgrund der Pandemie zugesichert. Der Bundesverband der Freien Berufe (BFB) informiert über die Hilfsmaßnahmen (Schutzschild) für Freie Berufe, wie Kurzarbeitergeld, Steuerstundungen inkl. Verzicht auf Pfändungen bis zum Jahresende und Liquiditätshilfen. Weitere Informationen zu den ab 14.4. zugänglichen KfW-Krediten für Unternehmer und Soforthilfen des Bundes (bis 31.5.) gibt der bpt und der Verband Deutscher Bürgschaftsbanken für Tierarztpraxen

hier.

Was ist mit Kurzarbeit?

Kurzeitarbeit ist eine Möglichkeit, um finanzielle Einbußen durch eingeschränkten Praxisbetrieb abzufedern. Dafür gibt es Lohnausgleichszahlungen, die 60 bis 67 % des Entgeltausfalls abdecken. Kurzzeitarbeitsgeld muss vor dem Antrag angezeigt worden sein. Eine Mustervereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer findet sich auf der Seite der Bundestierärztekammer. Ausführliche Informationen im bpt-Webinar vom 30.03 oder in der Zusammenfassung des Webinars.


Mustervereinbarung der Bundestierärztekammer für Kurzarbeit
FAQ bpt
TK Niedersachsen zum Kurzarbeitergeld
Arbeitsagentur.de zum Kurzarbeitergeld
Arbeitsagentur.de zu Kurzarbeit wegen Corona
Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Corona / Arbeitsrechtliche Auswirkungen
Arbeitgeberverband Stade Elbe‑Weser‑Dreieck e. V: Arbeitsrechtliche Folgen einer Pandemie

Welche Desinfektionsmittel wirken gegen Sars-CoV-2?

Desinfektionsmittel mit der Aufschrift „begrenzt viruzid“, „begrenzt viruzid plus“ und „viruzid“. Welche das sind, ist der Desinfektionsmittelliste des RKI zu entnehmen.

Impfung von Pferden gegen das West-Nil-Virus

Wie beurteilen Sie die Impfung von Pferden gegen das West-Nil-Virus in Deutschland?