Der Handel mit wild lebenden Arten boomt weiterhin. Rund 100.000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten werden weltweit gehandelt, knapp die Hälfte davon sind Tiere. Damit ist das Ausmaß doppelt so groß, wie zuvor von dem Weltbiodiversitätsrat IPBES geschätzt. Da aus vielen Ländern der Welt Daten zu Handel und Entnahme von wildlebenden Arten fehlen, gehen Wissenschaftler:innen von einer weitaus höheren Dunkelziffer aus. Das geht aus einer aktuellen Studie unter Leitung der Universität Melbourne hervor.
„Wenn wir an den Handel mit wild lebenden Arten denken, denken wir meist an den illegalen Handel mit Elefanten, Tigern und Schuppentieren. Aber es geht um sehr viel mehr“, erklärt Studienleiterin Alice Hughes. Doch werde der größte Teil der Arten legal gehandelt, so Hughes weiter. Demnach nimmt der illegale Handel mit geschätzten 28,4 bis 39,5 Milliarden Dollar nur einen kleinen Teil der Gesamtmenge ein (197 bis 268 Milliarden Euro).
Nicht nachhaltige Entnahmen reduzieren die ohnehin kleinen und gefährdeten Bestände zahlreicher Arten und haben zudem direkt oder indirekt zum weltweiten Aussterben von annähernd 300 Arten beigetragen, heißt es in der Studie. 25 weitere Arten sind in freier Wildbahn verschwunden und überleben nur noch in menschlicher Obhut. In 192 Fällen sind Populationen regional vollständig verschwunden.
Viele Daten seien nicht öffentlich zugänglich oder entsprächen möglicherweise nicht den Standards, die nötig wären, um das tatsächliche Ausmaß des Handels zu erfassen“, betont die Studienleiterin. Aus diesem Grund fordern die Wissenschaftler:innen eine systematische und international abgestimmte Erfassung. Bestehende Zoll- und veterinärrechtliche Kontrollverfahren könnten dafür genutzt werden, Handelsdaten umfassender zu dokumentieren. „Wenn wir es ernst meinen mit dem Ziel, den Verlust der biologischen Vielfalt aufzuhalten, benötigen wir eine wesentlich umfassendere, transparentere und weltweit koordinierte Dokumentation des Handels mit wild lebenden Arten“, so Hughes abschließend.




