Der Amphibien-Chytridpilz (Batrachochytrium dendrobatidis, Bd) ist ein mikroskopisch kleiner Hautpilz, der bei Fröschen, Kröten, Molchen und Salamandern die tödliche Krankheit Chytridiomykose auslöst. Seit den 1980er-Jahren verursacht Bd auf der ganzen Welt massive Populationseinbrüche von über 500 Amphibienarten und hat zum vollständigen Aussterben von mindestens 90 Arten geführt. Besonders schwer betroffen von dramatischen Bestandsrückgängen waren bislang die Bergregionen Mittel- und Südamerikas.
Bislang sind jedoch einige Gebiete weltweit von Epidemien verschont geblieben, unter anderem die Sierra Nevada de Santa Marta im Norden Kolumbiens. In dieser Region lebt eine außergewöhnlich artenreiche und einzigartige Amphibiengemeinschaft, die durch eine Einschleppung des Chytridpilzes massiv gefährdet wäre, wie aus einer aktuellem Studie unter Beteiligung der Universität Trier hervorgeht. Das Gebirge beherbergt mindestens 48 Amphibienarten. 25 dieser Arten kommen sogar ausschließlich dort vor.
Das internationale Forschungsteam konnte jedoch belegen, dass der Erreger in unmittelbarer Nähe, nur rund 20 Kilometer entfernt, in den nördlichsten Ausläufern der Anden, vorkommt. Die Wissenschaftler:innen untersuchten über 2.000 Proben von Amphibien sowie Umwelt-DNA aus Gewässern. Sie fanden an keinem der 34 untersuchten Standorte in der Sierra Nevada de Santa Marta und den angrenzenden Tiefländern einen positiven Bd-Nachweis. Auch genomische Analysen einer dort endemischen Harlekin-Kröte ergaben keine Hinweise auf einen früheren starken, möglicherweise durch den Pilz verursachten Populationseinbruch.
„Wir haben hier die einzigartige Situation, dass wir eine außergewöhnlich diverse Amphibiengemeinschaft möglicherweise noch schützen können, bevor eine verheerende Epidemie einsetzt“, erklärt Prof. Dr. Stefan Lötters von der Biogeographie der Universität Trier. „Gerade deshalb müssen wir verhindern, dass der Erreger durch Menschen, Tiere oder kontaminiertes Material in dieses Gebirge eingeschleppt wird.“
Die Forschenden fordern daher strenge Biosicherheitsmaßnahmen wie z. B. Desinfektion von Schuhen, Autoreifen und Equipment vor Betreten der Region. Zudem sei eine kontinuierliche Überwachung des Erregers und der Amphibienpopulationen sowie der frühzeitige Aufbau von Schutz- und Erhaltungsprogrammen für besonders gefährdete Arten notwendig.




