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Umdenken bei der Geflügelpest-Bekämpfung gefordert

27.10.2026

Nachdem in Schleswig-Holstein in mehreren Beständen die aviäre Influenza (AI) festgestellt worden ist und es auch positive Befunde bei Wildvögeln gibt, mahnt der Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Till Backhaus, zu erhöhter Vorsicht.

„Bereits in der vergangenen Woche hatte ich auf die drohende Gefahr durch die aviäre Influenza hingewiesen. Die Nachweise von Geflügelpest bei Haus- und Wildvögeln in Schleswig-Holstein zeigen eindringlich, dass das Virus da ist und jederzeit mit Einträgen in die Bestände gerechnet werden muss. Ich bleibe daher dabei: Die Biosicherheitsmaßnahmen sind unbedingt einzuhalten und ggf. zu verbessern. Und wenn irgend möglich, sollte Geflügel möglichst jetzt geschlachtet werden.“ 

Geflügelhalter, die Auffälligkeiten – zum Beispiel vermehrte Todesfälle oder eine verminderte Futter- und Wasseraufnahme sowie Leistungsabfall – in ihrem Bestand bemerken, sollten sich umgehend beim zuständigen Veterinäramt melden.

Seit Anfang Oktober 2025 mussten in Deutschland mehr als 4 Millionen Stück Geflügel wegen der Geflügelpest getötet werden, davon rund 1,6 Millionen Tiere allein in Niedersachsen. Dies führte zu einem Schaden nur in diesem Bundesland von bereits rund 41 Millionen Euro, sagt die Geschäftsführerin der Niedersächsischen Tierseuchenkasse, Dr. med. vet. Ursula Gerdes. Sie verweist dabei auf ein Papier einer Expertengruppe, in der unter anderem Wissenschaftler des Friedrich-Loeffler-Instituts und der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Vertreter der Geflügelwirtschaft sowie von Behörden vertreten sind. Sie fordern ein Umdenken in der Tierseuchenbekämpfung und die Impfung von Geflügel gegen die Geflügelpest.

„Wir müssen dieses Instrument der Impfung als weiteres Instrument in der Tierseuchenbekämpfung auch bei der Geflügelpest einsetzen“, fordert Gerdes. Die bestehenden Maßnahmen reichten nicht mehr aus: Die Tierseuche sei inzwischen dauerhaft in Deutschland angekommen. Und alle vier bis fünf Jahre komme es zu großen Ausbrüchen. „Wir können nicht immer alles nur töten“, sagt sie. Die Impfung der Tiere müsse weiterentwickelt werden. Die Möglichkeiten, die Bestände gegen eine Ansteckung zu schützen, seien ausgereizt.

Für Europa wird der finanzielle Schaden durch die Diagnostik, die Tötung und Entsorgung der Tiere, die Entschädigungszahlungen sowie für Reinigung und Desinfektion, mit rund 82 Millionen Euro weitaus größer eingeschätzt. Daher sollte Deutschland rasch von Frankreich lernen, wo in der vergangenheit die Impfung von Enten eingeführt wurde.

In Deutschland gehe es jedoch nicht um Enten, sondern vielmehr um Gänse. „Wir haben 80 Prozent der Elterntierpopulation an Gänsen getötet im letzten Winter.“ Das sei auch ein genetisches Problem, denn dieser Verlust bedrohe auch die Existenz der deutschen Zuchtlinie. Für Gänse gibt es noch keinen zugelassenen Impfstoff. Bei Puten sieht es laut Gerdes anders aus: Es gebe einen Impfstoff, und die Betroffenheit der Putenbestände sei hoch, weil die Ställe offene Wände haben. «Aber es gibt die Befürchtungen, dass bei einer Impfung der Export zusammenbricht.»

Dänemark habe die Impfung für Puten angeordnet, aber nach der aktuellen Rechtslage dürften dänische Puten, die nach Deutschland zur Schlachtung kommen, hier nicht vermarktet werden. Der Bund müsse also nicht nur die Impfung über eine Verordnung erlauben, sondern auch in Verhandlungen mit der EU und mit Drittländern den Export ermöglichen. Das Thema Impfung werde auch von anderen EU-Ländern vorangetrieben, sagte Gerdes.

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