Hundehaltung in der heutigen Gesellschaft


Hund an der Kette

Hunde waren die ersten domestizierten Tiere überhaupt. Ihre Domestikation erfolgte Tausende von Jahren vor dem Auftauchen der nächsten domestizierten Tierarten wie Rindern oder Rentieren. Seitdem waren Hunde dem Menschen immer selbstverständliche Begleiter und ein wesentlicher Bestandteil ihres Lebens und wohl auch ihrer Lebensqualität.

Anfang der 90er Jahre tauchte das Wort "Kampfhund" in den Medien auf und erfreute sich zunehmender Beliebtheit. 1998 nahmen die Berichte über so genannte "Beißvorfälle" in den Medien unübersehbar zu. Der Gesetzgeber reagierte darauf mit einer Flut von Verordnungen. Zahlreiche "Kampfhunde-Verordnungen" wurden erlassen, die auf so genannten "Rasselisten" beruhten. Es kam zu einer wahren "Kampfhundehysterie", die Hundesteuer wurde angehoben, die Tierheime quollen über und manch ein Hundehalter fürchtete um das Wohlergehen seines Hundes.

Am 18. Dezember 2002 hat das Bundesverwaltungsgericht in seinem Urteil zur Gefahrhundeverordnung des Landes Schleswig-Holstein entschieden, dass die Gefährlichkeit eines Hundes nicht alleine aus seiner Rasse hergeleitet werden kann. Dieser Beschluss führt dazu, dass nun alle Bundesländer, die zur Zeit Rassen als "unwiderleglich gefährlich" einstufen, ihre Verordnungen überarbeiten mussten.

Ob ein Hund gefährlich und deshalb eine besondere Haltung und Aufsicht notwendig ist (z.B. Maulkorb-, Leinenzwang), muss nun individuell entschieden werden. Dies ist eine Chance für eine differenzierte, sachliche und fachlich fundierte Auseinandersetzung mit diesem Thema.
Nur auf diesem Weg kann ein tierschutzgerechter und ungefährlicher Umgang von Mensch und Tier erreicht werden. Eine bundesweit einheitliche Regelung ist anzustreben.

Hundebeißunfälle gehören zu der Schattenseite der Mensch-Hund-Beziehung. Es gilt, das Risiko von Hundebeißunfällen durch Prävention auf breiter Basis zu verkleinern.

Dabei darf nicht vergessen werden, dass Hunde durch ihren engen sozialen Kontakt zum Menschen helfen, ein Verständnis für die Natur aufzubauen und zu vertiefen. Hunde stellen eine wesentliche Bereicherung des familiären Alltags dar. Sie fördern soziale Verhaltensweisen von Kindern. Für alleinstehende Menschen ist der Hund Sozialpartner und Hilfe zur Kommunikation mit anderen Menschen. Außerdem nimmt er als Begleit- oder Sporthund in unserer freizeitbetonten Gesellschaft eine zunehmend größere Rolle ein.

Deshalb sollte jeder Hundehalter die Ängste von Nicht-Hundehaltern ernst nehmen, auch wenn er sie selbst nicht nachvollziehen kann. Es muss selbstverständlich sein, dass jeder Hundehalter seinen Hund in der Öffentlichkeit so führt, dass Menschen und andere Hunde nicht belästigt oder geschädigt werden.

Erstellt von Dr. Barbara Gooß in Zusammenarbeit mit Dr. Carola Fischer-Tenhagen für Vetion.de


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