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Detailnews

01.02.2023: Präziserer Einsatz von Pflanzenschutzmittel mittels KI

Die Internationale Grüne Woche (IGW) in Berlin ist vergangenen Sonntag zu Ende gegangen. Der Deutsche Bauernverband (DBV) zeigt sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Neben Themen wie Tierwohl in der Milchviehhaltung und der Ernährungssicherheit ging es in den zahlreichen Gesprächen mit den BesucherInnen auch um einen nachhaltigen Pflanzenschutz. Der sei möglich und auch mit mehr Biodiversität vereinbar, lautete das Fazit einer der vielen Podiumsdiskussionen des DBV. Auch wenn ein kompletter Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel zu Ertragsverlusten führen könnte, seien Biostimulanzien laut Professor Joseph- Alexander Verreet von der Uni Kiel, durchaus in der Lage, die Pflanzen widerstandsfähiger zu machen und auf diese Weise zur Verminderung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln beizutragen. Professor
Joachim Hertzberg von der Universität Osnabrück brachte auch den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) ins Spiel, von der in den nächsten Jahren erhebliche Fortschritte zu erwarten seien. Der integrierte Pflanzenschutz der Zukunft werde nach Auffassung des DBV-Vizepräsidenten Detlef Kurreck wesentlich smarter und könne daher immer präziser eingesetzt werden, der Devise folgend: „So viel wie nötig und so wenig wie möglich.“ Auch bei der am 16. Februar 2023 erstmals stattfindenden Futura.VET geht es u.a. um die Ernährungssicherheit und die Landwirtschaft sowie um die Nutztierhaltung der Zukunft. Das neue zukunftsweisende Fortbildungsformat schaut über den Tellerand hinaus in die Zukunft, wobei der Schwerpunkt die Entwicklungen und ihre Bedeutung für die Tiermedizin sind. Die Teilnahme wird TierärztInnen daher auch mit 5 ATF-Stunden anerkannt.

01.02.2023: Tierversuchsfreie Testung ab sofort in den USA erlaubt

Gemäß einem neuen Gesetz dürfen in den USA ab sofort Arzneimittel an Menschen erprobt werden, ohne vorher in Tierversuchen getestet worden zu sein. Bislang war gesetzlich vorgeschrieben, dass Pharmaunternehmen die Sicherheit und Wirksamkeit ihrer Medikamentenkandidaten in mehreren Versuchsreihen an mindestens zwei Tierarten testen, bevor sie in den sogenannten klinischen Studien an menschlichen Probanden und Patienten erprobt werden durften. Der amerikanische Präsident Joe Biden hat mit der Unterzeichnung des neuen Gesetzes im Dezember 2022 den Weg für Alternativen zu Tierversuchen wie Organoide (menschliche Miniorgane), Multiorganchips oder computerbasierte Verfahren frei gemacht. Von Tierschutzorganisationenn wird die Gesetzes-Novelle als ein wichtiger Meilenstein im Kampf gegen Tierversuche angesehen, auch wenn diese im neuen Gesetz nicht verboten werden und weiterhin als ein mögliches Testsystem erlaubt bleiben. Die für Europa zuständige Arzneimittelbehörde EMA befindet sich derweil noch in der Phase der Überprüfung alternativer Methoden auf ihre Verlässlichkeit. Noch könne nicht vollständig auf Tierversuche verzichtet werden, teilte die EMA der Deutschen Presse-Agentur mit. Was von dem
bundesweiten Verein Ärzte gegen Tierversuche heftig kritisiert wird. „Eine große Menge Daten stellt das Versagen des veralteten, auf Tierversuchen basierten Systems deutlich dar. Denn durchschnittlich 92% der Medikamentenkandidaten, die alle Tierversuche erfolgreich durchlaufen haben, werden später während der klinischen Studien an Menschen aussortiert, vor allem, weil sie nicht wirken oder erhebliche Nebenwirkungen hervorrufen“, sagt Dr. Dilyana Filipova, Wissenschaftlerin bei Ärzte gegen Tierversuche. Der Verein fordert daher, dass die EU und Deutschland sich dies zum Vorbild nehmen und eine Strategie für eine menschenrelevante Medikamentenentwicklung ohne Tierversuche ausarbeiten und umsetzen. Vom 9.-11.2.2023 findet der Kurs 1 der Online-Fortbildung für TierärztInnen zur Qualifikation als Tierschutzbeauftragte:r auf Myvetlearn.de statt. Diese Fortbildung hat das Ziel, Tierärztinnen und Tierärzte für eine Tätigkeit als Tierschutzbeauftragte zu qualifizieren. In zwei dreitägigen Kursen werden Kenntnisse vermittelt, die der Tierschutz-Versuchstierverordnung für die Pflege oder das Töten von Tieren oder die Planung oder die Durchführung von Tierversuchen erforderlich sind. Der Kurs 2 wird vom 19.-21.10.2023 als Präsenzveranstaltung stattfinden.

01.02.2023: Özdemir für einheitliche Tiertransportregelungen und Großvieheinheiten

Beim EU-Agrarministertreffen in Brüssel hat sich der Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir für einheitliche europäische Regeln beim Schutz von Tieren bei Transporten eingesetzt. „Wir müssen Lücken beim Tierschutz nach und nach schließen, dies gilt insbesondere für Tiertransporte. Denn wir können nicht länger zusehen, wie Tiere auf langen Transporten leiden oder qualvoll sterben. Deshalb haben wir die Transporte aus Deutschland in Länder außerhalb der EU bereits begrenzt. Damit nationale Beschränkungen nicht umgangen werden, brauchen wir aber dringend gemeinsame Regeln in Europa. Denn es ist keinem Tier geholfen, wenn es zunächst in einen anderen Mitgliedstaat gebracht wird, um von dort aus in ein Drittland exportiert zu werden.” Ein weiteres Diskussionsthema der EU-Agrarminister war der Vorschlag
der EU-Kommission zur Überarbeitung der EU-Industrieemissionsrichtlinie. Der Entwurf der Kommission sieht u.a. die erstmalige Einbeziehung der Rinderhaltung und die Absenkung von Tierplatzzahlen vor, ab denen Geflügel- und Schweinehaltungsbetriebe der immissionsschutzrechtlichen Genehmigungspflicht unterliegen sollen. Grundsätzlich stehen Özdemir und seine Kollegin Steffi Lempke aus dem Bundesumweltminsterium hinter diesem Vorschlag und unterstützen die Einführung eines Schwellenwertes von 300 Großvieheinheiten in der Rinderhaltung ein. „Damit verhindern wir zusätzliche Belastungen insbesondere für kleinere landwirtschaftliche Betriebe, die den Umbau der Tierhaltung beeinträchtigen und negative Folgen für den ländlichen Raum haben könnten”, so Özdemir.

31.01.2023: Prof. Wieler wird Sprecher des Digital Health Clusters

Professor Dr. Lothar H. Wieler wird der Sprecher des neuen Digital Health Clusters am Hasso-Plattner-Institut (HPI) in Potsdam. Wieler verfügt über eine wertvolle wissenschaftliche Expertise im Bereich Medizin und Public Health sowie praktische Erfahrung mit digitaler Transformation. Er wird wie der Digital Health Cluster am 1.4.2023 seine Arbeit beginnen. Neben seiner wissenschaftlichen Expertise hat er sich als Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) konsequent für eine datengestützte Wissenschaft eingesetzt und die digitale Transformation des Instituts beschleunigt. Das HPI ist wiederum international bekannt für hervorragende Digital-Forschung, insbesondere in Bereichen, in denen das Verständnis komplexer Zusammenhänge in großen Datenmengen durch moderne Informatik verbessert werden soll. Einer dieser Bereiche ist Digital Health, der bereits 2017 mit dem Aufbau des Digital Health Centers (DHC) etabliert wurde, um Forschung und Lehre zu bündeln und Wissenschaftler:innen und Akteur:innen aus den Bereichen Medizin und IT interdisziplinäre Forschung zu ermöglichen.
“Wir sind sehr erfreut, dass wir mit Professor Lothar Wieler einen so renommierten Experten im Bereich Public Health für das HPI gewinnen konnten”, sagte Professor Dr. Tobias Friedrich, Geschäftsführer und Dekan des HPI. “Er wird unser vorhandenes Know-how im Bereich der digitalen Technologien durch seine wissenschaftliche Expertise und Erfahrung im Bereich Public Health optimal ergänzen. Als Sprecher des Clusters Digital Health wird er unsere Aktivitäten konzentrieren und weiter vorantreiben.” Auch Wieler freut sich auf seine neuen Aufgaben, in denen er Medizin, Wissenschaft und IT zusammenbringen kann. “Nach acht Jahren als Wissenschaftler an der Spitze des RKI, freue ich mich auf die Möglichkeit, meine Erfahrungen aus dem Public Health Sektor und der Bekämpfung von Pandemien nun im HPI, einem der führenden Forschungsinstitute in der digitalen Welt, einzubringen. Diese Pandemie wird nicht die letzte gewesen sein, aber wir können uns besser auf die nächste vorbereiten, indem wir jetzt die richtigen Schlüsse ziehen und in die Forschung investieren.”

31.01.2023: Neues Referenzzentrum zur Stärkung gefährdeter Nutztierrassen

Schwarzes Bergschaf, Wollschwein, Warzenente oder Brillenschaf – das sind alles alte Nutztierrassen, die in Europa auf der sogenannten Roten Liste stehen. Weltweit ist die Vielfalt der Nutztierrassen bedroht. In Deutschland betrifft das schon mehr als 70 Prozent. Das EU-Referenzzentrum für gefährdete Nutztierrassen ist zu Anfang des Jahres gegründet worden, um diese Vielfalt wieder zu stärken. „Mit dem neuen European Union Reference Centre for Endangered Animal Breeds, kurz EURC-EAB, stärken wir die Zusammenarbeit zwischen den Behörden und Zuchtverbänden der EU-Mitgliedstaaten,” fasst Dr. Hanns-Christoph Eiden, Präsident der BLE, die Arbeit des Referenzenzentrums zusammen. „Es geht um den Austausch von Erfahrungen und Lösungsansätzen, was wir gemeinsam und konkret für gefährdete Nutztierrassen tun können.” Die Leitung des Zentrums haben gleichermaßen das niederländische Institut Wageningen Livestock Research (WLR),
das Institut de l’Élevage (IDELE) aus Frankreich sowie das Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt (IBV) in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) übernommen. Ein besonderer Fokus des Konsortiums wird in der Umsetzung der in der Tierzuchtverordnung verankerten Sonderregelungen für bedrohte Nutztierrassen liegen. Hierzu zählen beispielsweise die vereinfachte Aufnahme von Tieren in Zuchtbücher, um die Nutztierrassenvielfalt und die genetische Diversität innerhalb einer Rasse zu erhalten. Dazu müssen unter anderem Definitionen und Kriterien für den Gefährdungsstatus einer Rasse EU-weit harmonisiert werden – diese werden zunächst in einer europaweiten Umfrage erfasst. Zudem soll eine enge Zusammenarbeit mit dem Europäischen Netzwerk für die Erhaltung und nachhaltige Nutzung tiergenetischer Ressourcen zu einem umfangreichen Wissensaustausch führen.

30.01.2023: Forschungstierhaltung am UKE für mehr Tierwohl

Auch wenn viele Menschen in Europa sich gegen Tierversuche aussprechen, kommt die Forschung noch nicht ganz ohne Tiermodelle aus. Die Entwicklung von neuen Therapien bei Herz- Kreislauf- und Stoffwechselstörungen, immunologischen oder neurobiologischen Erkrankungen, Infektionen oder Krebs kann nicht ohne Tierversuche von statten gehen. Um eine moderne Tierhaltung und zeitgemäße Arbeitsplätze zu gewährleisten, wurde in dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) eine neue Forschungstierhaltung erstellt, die am 20. Januar 2023 eingeweiht wurde. „Das neue Gebäude vereint Tierschutz und moderne Arbeitsprozesse auf bestmögliche Weise“, sagt Prof. Dr. Christian Gerloff, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKE. Alle Tiere werden artgerecht gehalten und von 45 ausgebildeten TierpflegerInnen versorgt. In der tierexperimentellen Forschung des UKE wird durchgängig das 3R-Prinzip (Replace, Reduce, Refine) angewandt, um unnötiges Leiden von
Versuchstieren zu verhindern und so wenig Tiere wie möglich für die Forschung einzusetzen. „Solange wir Tierversuche in der Medizin nicht vollständig durch Alternativen ersetzen können, muss es unser Anspruch sein, Forschung mit höchsten Standards beim Tierschutz zu betreiben. Mit dem Neubau der Forschungstierhaltung auf dem UKE-Gelände haben wir einen Ort geschaffen, der zeitgemäße Forschungstierhaltung garantiert“, betonte Katharina Fegebank, Senatorin der Behörde für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke bei der Einweihung des Gebäudes. Um solche Einrichtungen betreiben zu können, bedarf es auch eines/einer Tierschutzbeauftragten. Diese Qualifikation können Tierärztinnen und Tierärzte auf Myvetlearn.de erlangen. Kurs 1 “Fortbildung für Tierärzte zur Qualifikation als Tierschutzbeauftragte” findet vom 9.-11. Februar 2023 als Online-Veranstaltung statt, Kurs 2 folgt im Oktober 2023, voraussichtlich als Präsenzveranstaltung in Berlin.

30.01.2023: Mehr als 1,2 Mio. europäische Stimmen gegen Tierversuche

Die Europäische Bürgerinitiative „Save Cruelty Free Cosmetics – Für ein Europa ohne Tierversuche“ hat nach der finalen Auszählung über 1,2 Millionen validierte Stimmen erhalten. Der Deutsche Tierschutzbund als einer der Unterstützer der Initiative fordert ein umgehendes Handeln der Europäischen Kommission. „Die europäischen Bürgerinnen und Bürger haben mit ihren Stimmen deutlich gemacht, dass die leidvolle und fragwürdige Methode des Tierversuches in Europa ein Ende haben muss“, sagt Biologin Jessica Rosolowski, Fachreferentin für Alternativmethoden zu Tierversuchen beim Deutschen Tierschutzbund. „Die EU-Kommission ist aufgefordert, das Tierversuchsverbot für Kosmetik zu gewährleisten und zu stärken, die EU-Chemikaliengesetzgebung umzugestalten und eine Strategie für die schrittweise Abschaffung aller Tierversuche zu erarbeiten.“ Als nächsten Schritt ist eine Anhörung vor dem EU- Parlament vorgesehen. Innerhalb von sechs Monaten muss dann die EU-Kommission schließlich darlegen, ob und welche Maßnahmen sie als Reaktion auf
die Bürgerinitiative ergreifen wird. Mit rund 20 Prozent haben sich zahlreiche BürgerInnen auch aus Deutschland an der Aktion beteiligt. „Die große Unterstützung aus Deutschland sollte der Bundesregierung zu denken geben“, meint Rosolowski. „Auch national muss sich endlich etwas bewegen. Wir brauchen eine Gesamtstrategie für den Ausstieg aus Tierversuchen.“ Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes ist es unabdingbar, humanbasierte und tierfreie Methoden stärker zu fördern, um Tierversuche zu ersetzen. Vom 9.-11.2.2023 findet der Kurs 1 der Online-Fortbildung für TierärztInnen zur Qualifikation als Tierschutzbeauftragte:r auf Myvetlearn.de statt. Diese Fortbildung hat das Ziel, Tierärztinnen und Tierärzte für eine Tätigkeit als Tierschutzbeauftragte zu qualifizieren. In zwei dreitägigen Kursen werden Kenntnisse vermittelt, die der Tierschutz-Versuchstierverordnung für die Pflege oder das Töten von Tieren oder die Planung oder die Durchführung von Tierversuchen erforderlich sind. Der Kurs 2 wird vom 19.-21.10.2023 als Präsenzveranstaltung stattfinden.

30.01.2023: Dürre bedroht Tausende Rinder in Argentinien

Argentinien wird derzeit von einer extremen Trockenheit heimgesucht. In dem südamerikanischen Land sprechen ExpertInnen von der schwersten Dürre seit mindestens 60 Jahren. In einigen Regionen hat es in den letzten drei Jahren kaum geregnet. Der regional dramatische Wassermangel hat bereits zu hohen Ernteverlusten geführt, Tausende Rinder sind bereits verhungert. Rund 26 Millionen weitere Rinder seien gefährdet, berichten Behörden.
Das wäre rund die Hälfte des gesamten argentinischen Rinderbestands. Der argentinische Wirtschaftsminister Sergio Massa sucht derweil zusammen mit Agrarexporteuren nach Lösungen. Zudem trägt die anhaltende Trockenheit zu einer allgemeinen Wirtschaftskrise in dem südamerikanischen Land bei, die durch eine besonders hohe Inflation und eine schwächelnde Landeswährung gekennzeichnet ist.

30.01.2023: Fördermaßnahmen für Mobile Schlachtung

Nach der Ankündigung der Bundesregierung wird auch das Land Mecklenburg- Vorpommern kleinere landwirtschaftliche Betriebe unterstützen, die in mobile Schlachtungseinheiten investieren wollen. Die Förderung kann jedoch nur in Anspruch genommen werden, wenn der Betrieb Lieferverträge mit mindestens drei Erzeugern geschlossen hat. „In Deutschland werden jährlich ca. 60 Millionen Huftiere geschlachtet, ein Drittel davon von einem Konzern. Bei der Schlachtung außerhalb eines Schlachbetriebes handelt es sich derzeit noch um eine kleine Nische. Die Diskussion über die Form der Schlachtung
und die Anstrengungen, das Tierwohl bis hin zur Schlachtung zu verbessern, sind aber unter Tier- und Umweltschutzaspekten völlig berechtigt. Tiertransporte zu vermeiden hilft dem Klimaschutz und bedeutet für die Tiere weniger Stress. Beides ist auch im Sinne der Verbraucher“, betonte Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus. Für das Förderprojekt des Bundeslandwirtschaftsministeriums können noch bis zum 6. April 2023 Projektideen rund um die mobile Schlachtung, einschließlich der Weideschlachtung, bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) als Projektträger eingereicht werden.

27.01.2023: GOT-Reform war längst überfällig

Seit dem November 2022 gilt die neue Gebührenordnung für TierärztInnen (GOT). Die Preiserhöhungen waren längst überfällig, wie Prof. Sabine Tacke, Präsidentin der Landestierärztekammer (LTK) Hessen, betont. Für die zuletzt im Jahr 1999 geänderte Gebührenordnung hatte die Bundestierärztekammer (BTK) bereits vor zehn Jahren eine strukturelle Reform gefordert, in der z. B. moderne bildgebende Verfahren wie MRT und CT oder die komplexe Narkoseüberwachung stärkere Berücksichtigung finden. Doch war der Zeitpunkt für das jetzige In-Krafttreten der GOT alles andere als günstig, denn die steigenden Energiepreise und die Inflationsentwicklung belasten die Haushalte in Deutschland ohnehin schon stark. Die gestiegenen Kosten der tierärztlichen Versorgung können einige TierhalterInnen in finanzielle Nöte bringen. Dies sei zweifellos ein Problem, aber nicht den Tierärzten anzulasten, sagt Tacke. Für die erbrachten Leistungen müssen TierärztInnen dementsprechend auch entlohnt werden. Die LTK-Präsidentin wehrt sich dagegen,
dass die Kollegen in Kliniken und Praxen sich rechtfertigen müssen, dass sie ihre Praxis wirtschaftlich führen, Mitarbeiter bezahlen und ihren Lebensunterhalt verdienen wollen. „Es ist keineswegs so, dass die niedergelassenen Kollegen sich auf Kosten ihrer Patienten eine goldene Nase verdienen“, betont die Oberärztin am Gießener Klinikum für Veterinärmedizin. Tacke versteht die Sorgen der LandwirtInnen und TierbesitzerInnen durchaus, jedoch sollten die TierärztInnen nicht das Ziel der Kritik sein. Sie wünscht sich stattdessen, dass sich mehr TierhalterInnen vor der Anschaffung eines Tieres über die Kosten Gedanken machen. Wie Tacke erklärt, sei die Zahl der Tierhalter, die ihre Rechnung nicht oder nur nach Mahnung zahlen, bei Tierärzten schon immer hoch gewesen, sie wird aber in Zukunft möglicherweise weiter steigen. „Wir erwarten, dass auch der Wunsch nach Ratenzahlungen häufiger geäußert wird“, so Tacke. Zu den Änderungen der GOT sowie Tipps zur Kommunikation der angehobenen Gebühren gibt TierärztInnen eine kostenfreie Online-Fortbildung auf Myvetlearn.de.

27.01.2023: Konsequenzen für Exotenhaltung aus EXOPET-Studie gefordert

Nach Hunden und Katzen rangieren Papageien und Wellensittiche auf den Plätzen drei und vier der beliebtesten Heimtiere in Deutschland. Doch leider werden diese und andere sogenannte Exoten häufig nicht artgerecht gehalten, wie die Landestierschutz-Beauftragte Dr. Madeleine Martin erklärt. „Umfangreiche wissenschaftliche Arbeiten im Rahmen der sog. EXOPET-Studie im Auftrag früherer Bundesregierungen belegen zweifelsfrei, dass selbst die angeblich leicht zu haltenden Exoten in Privathand und häuslichen Wohnzimmern oft unter Bedingungen leben müssen, die sie letztlich krank machen und leiden lassen. Das Wissen über Verhalten, die Haltungsbedingungen, aber auch über die Kosten für Futter, Energie, Sachkunde, tierärztliche Behandlung solcher Tiere fehlt oft”, so Martin. Die Machbarkeitsstudie zum EXOPET-Projekt, die exemplarisch für die Spezies Graupapagei (Psittacus erithacus) durchgeführt wurde, verdeutlicht, dass neben einer artgleichen Vergesellschaftung harmonierender Individuen das „Environmental
enrichment“ bei Papageien besonders wichtig ist, wobei die angebotenen Reize möglichst den natürlichen Verhaltensweisen der Papageien nachempfunden werden sollten. Das wird in Privathaltungen nur selten erfüllt. Die Tiere entwickeln in Einzelhaltung, aber auch in Haltung von lediglich zwei harmonierenden Individuen, häufig Verhaltensstörungen. Daher fordert die Landestierbeauftragte Martin strengere gesetzliche Vorgaben für die Haltung von exotischen Tieren. „Die Bundesregierung sollte unbedingt diese Erkenntnisse, für die in einzigartiger Weise Praktiker und Universitäten über Jahre zusammengearbeitet haben, endlich aus der Schublade holen, in die man sie versenkte, und umsetzen! Die Fakten liegen also seit nunmehr fünf Jahren auf dem Tisch. In anderen europäischen Ländern gibt es längst Vorgaben!” so Martin. „Die Bundesregierung will das Tierschutzgesetz zeitgemäß novellieren. In diesem Rahmen wäre eine gute Gelegenheit, sich endlich auch dieser Tiere anzunehmen!”, lautet Martins Appell.

27.01.2023: Darstellung von CO2-Angaben auf Lebensmitteln essentiell

Die Darstellung der CO2-Angaben auf Lebensmitteln hat einen Einfluss auf das Konsumverhalten der VerbraucherInnen. Ein internationales Forscherteam hat in einem Feldexperiment belegen können, dass eine Visualisierung in Ampelfarben sowie die grafische Darlegung der Umweltkosten das Essverhalten am meisten beeinflussen. Das Experiment wurde über zehn Tage in einer der größten Mensen des Studentenwerks München mit mehr als 8.000 BesucherInnen durchgeführt. Die Darstellung der CO2-Angaben wurde einmal täglich geändert. Das Ergebnis hat verdeutlicht, dass die Informationen, wie viel Euro an Umweltschäden das Mittagessen jeweils verursacht, den größten Effekt hatten. Diese Form der Informationen sorgte dafür, dass bis zu knapp zehn Prozent weniger CO2 durch die Mahlzeiten verursacht wurden als ohne die Informationen. „Unser Experiment macht
deutlich, dass Informationen zum CO2- Fußabdruck zu einer Verhaltensänderung bei Konsumenten führen können. Diese Erkenntnis kann Politik und Wirtschaft dabei helfen, geeignete Maßnahmen für eine nachhaltigere Zukunft zu ergreifen”, sagt Thorsten Sellhorn, Professor für Rechnungslegung und Wirtschaftsprüfung an der LMU. „Unternehmen könnten sich beispielsweise freiwillig dazu entscheiden, CO2-Angaben für Lebensmittel oder andere Produkte und Dienstleistungen auszuweisen.” Wie aber ist der CO2-Abdruck für Laborfleisch, das in Kürze konventionelles Fleisch verdrängen wird, so die Überzeugung von Prof. Nick Lin-Hi. Der Professor für Wirtschaft und Ethik an der Universität Vechta wird sich am 16. Februar 2023 in seinem Online-Vortrag auf der Futura.VET intensiv mit der Zukunft der Ernährung und somit auch der landwirtschaftlichen Tierhaltung und die der NutztierärztInnen befassen.

27.01.2023: Stichtagsmeldungen nur noch an die Tierseuchenkasse

Um den Ablauf für die Stichtagsmeldungen einfacher zu gestalten, fordert Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus, dass diese künftig nur noch an die Tierseuchenkasse übermittelt werden müssen. Dazu wurde am 26.01.2023 ein entsprechender Gesetzesentwurf vorgelegt. „Ziel der Gesetzesänderung ist die Erweiterung der Aufgaben der Tierseuchenkasse von Mecklenburg-Vorpommern im Hinblick auf die Zusammenführung von Stichtagsmeldungen. Sie dient außerdem der Einführung des zentralen Betriebsregisters (zBR). Das bietet die Möglichkeit der Speicherung und der elektronischen Übermittlung der Betriebs-Stammdaten
zwischen den verschiedenen Fachanwendungen der Veterinärverwaltung“, erklärt Backhaus. Mit der Änderung entfalle die Pflicht für die TierhalterInnen, ihre Meldungen auch bei der HIT-Regionalstelle vorzunehmen, so der Minister. Auch die jährliche Aktualisierung der Tierzahlen soll über die Tierseuchenkasse stattfinden. Diese soll die Zahlen sowie Halteränderungen dann den zuständigen Stellen elektronisch übermitteln. „Denn ein regelmäßiger Stammdatenaustausch zwischen den verschiedenen Veterinärbehörden des Landes und des Bundes, verbunden mit einem aktuellen Bestands- und Tierzahlregister, sind für die Tierseuchenbekämpfung unverzichtbar“, betont der Minister abschließend.

26.01.2023: Pferdebesitzer müssen Hausbesuchsgebühr zahlen

Gemäß der im November 2022 in Kraft getretenen neuen Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) ist fortan eine Hausbesuchsgebühr für HalterInnen von Haustieren und Pferden zu erheben. Verschiedene Reitsportverbände hatten jüngst Zweifel an der Verpflichtung einer Hausbesuchsgebühr für Pferdehalter gestreut. Die Bundesierärztekammer (BTK) weist auf ihrer Internetseite darauf hin, dass Pferde nicht in die Kategorie „landwirtschaftlich genutzte Tiere“ fallen und die Gebühr bei einem Haus- bzw. Stallbesuch fällig wird. Für PferdehalterInnen bedeutet die neue Regelung eine finanzielle Mehrbelastung, denn die Behandlung eines Pferdes im heimischen Stall ist eher die Regel als die Ausnahme. Anders als beim Wegegeld ist auch keine anteilige Berechnung möglich, wenn sich beispielsweise mehrere Pferdebesitzer zu einem Termin zusammenschließen. Nach Auffassung der von BTK und dem
Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt) gegründeten “AG GOT” könne nur bei drei Ausnahmen ein Pferd als landwirtschaftlich gehaltenes Tier eingestuft werden: bei Stutenhaltung zur Milchgewinnung, der Pferdehaltung zur Fleischgewinnung (ist nicht identisch mit Eintragung als Lebensmittel lieferndes Tier im Equidenpass) sowie als Zuchtstute im landwirtschaftlichen Betrieb. Auch ein LM-Status eines Pferdes heiße nicht, das dieses landwirtschaftlich gehalten wird. Falls die Zuchtstuten als landwirtschaftliche Nutztiere einzustufen sind, gelten auch deren Fohlen (Nachzucht) für die Dauer des Verbleibs in diesem Betrieb als landwirtschaftlich gehaltene Tiere. TierärztInnen haben noch bis zum 26. März 2023 die Möglichkeit, sich mit Hilfe der kostenfreien Online-Fortbildung von ATF und Vetion.de die Anwendungshinweise und Kommunikationtipps zur neuen GOT erklären zu lassen.

26.01.2023: ASP dominiert Tierseuchengeschehen in Europa

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) führte auch im vergangenen Jahr die Liste der in Europa nachgewiesenen Tierseuchen an. Das geht aus den Jahresdaten 2022 des europäischen Tierseuchenmeldesystems (ADIS) hervor. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr knapp 8.000 ASP-Fälle gemeldet, doch sank die Zahl um rund 40 Prozent gegenüber 2021. Erfreulicherweise haben die Einschleppungen in Hausschweinebestände um mehr als 70 % auf 537 abgenommen. Nach Polen kam es in Deutschland zu den meisten ASP-Vorkommen im Schwarzwildbestand. Besonders in den östlichen europäischen Ländern wie Rumänien, Bulgarien und Nordmazedonien scheinen die Ausbrüche allerdings wieder zuzunehmen. Erst am 24.02.2023 teilte die Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) mit, dass ein verendetes Wildschwein im Norden Griechenlands positiv auf das Virus getestet wurde. Damit wurde die ASP hier erstmalig wieder nach drei Jahren nachgewiesen. Auch in Tschechien gab es vor wenigen Wochen einen neuen Ausbruch. Zum ersten Mal nach fünf Jahren bestätigte das
Staatliche Veterinärinstitut in Prag die Infektion bei einem tot aufgefundenen Wildschwein. Es wurde in der Nähe der Grenze zu Polen in Frýdlant in der Region Liberec gefunden. Aktuell bereitet den Behörden jedoch die Geflügelpest noch größere Sorgen. Die Hochpathogene Aviäre Influenza (HPAI) war 2022 gemessen an den absoluten Zahlen die Tierseuche mit dem stärksten Zuwachs. Von den europaweit insgesamt rund 5.880 Nachweisen ist der Anteil der Einschleppungen in Hausgeflügelbestände um rund ein Drittel auf 2.322 Betriebe angestiegen. Hinter Frankreich mit 1.594 Fällen und Ungarn (294 Fälle) lag Deutschland mit 97 infizierten Nutzgeflügel-Beständen auf dem dritten Platz. Auch die Zahl der gemeldeten Nachweise mit dem West-Nil-Virus (WNV) ist im Vergleich zu 2021 stark angestiegen. Insgesamt wurden 364 Fälle registriert; ein Jahr zuvor waren es nur 53 Nachweise. Vor allem in Italien und Deutschland mit 247 beziehungsweisen 67 Fällen gab es deutlich mehr Infektionen. Das WNV kann auch auf den Menschen übertragen werden und hier Grippe-ähnliche Symptome hervorrufen.

Tierärztliche Notversorgung in Sachsen nicht mehr gewährleistet

26.01.2023

Anlässlich der Ankündigung der Kleintierklinik an der Universität Leipzig, ab dem 1. Februar 2023 keinen Wochenend- und Nacht-Notdienst mehr anbieten zu können, wächst die Sorge in Sachsen vor einer Notlage in der tierärztlichen Betreuung. Die Parteichefin der Linken, Susanne Schaper, sieht die tierärztliche Notversorgung in dem Bundesland als gefährdet an. Grund dafür sei in erster Linie der dramatische Personalmangel, der schon seit längerer Zeit in der Veterinärmedizin zu verzeichnen sei, so Schaper. Die Politikerin fordert daher neben einem leichteren Zugang zum Studium, die Anerkennung von Ausbildungen in Landwirtschaftsberufen bei der Vergabe von
Studienplätzen und eine Erhöhung ihrer Anzahl. Weiterhin bedarf es auch einer zentralen, vom Land geförderten Rufnummer für den Tiernotdienst. Lösungen müssten schnell gefunden werden, erklärte die Parteichefin. Nach den angekündigten Einschränkungen im Notdienst blieben nach Ansicht Schapers lediglich die Tierkliniken in Panitzsch (Landkreis Leipzig) sowie Crimmitschau (Landkreis Zwickau), die eine 24-Stunden-Notversorgung anbieten können und aktuell noch anbieten. Diese beiden Kliniken könnten aber anders als die Kleintierklinik der Universität Leipzig kein Maximalversorger auch für Thüringen und Sachsen-Anhalt sein, so Schaper abschließend.

25.01.2023: Human-Medikamente nicht ohne Rücksprache an Tiere verabreichen

Im November 2022 ist die neue Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT) in Kraft getreten, die auch die Kosten für Tierarztbesuche erhöht haben. Um diese Preissteigerung zu umgehen, nehmen TierbesitzerInnen leider häufig die Behandlung ihrer Vierbeiner in die eigene Hand und verabreichen ihnen Medikamente, die für Menschen hergestellt wurden. Diese können jedoch bei Haustieren zu starken Nebenwirkungen führen, schlimmstenfalls den Tod herbeiführen. „So löst bereits eine kleine Dosis Ibuprofen oder Paracetamol bei Katzen schwere Vergiftungen aus“, erklärt Stephanie Ohm, Tierärztin bei der R+V Versicherung. Eine Überdosierung kann bei Hunden Magenblutungen oder Erbrechen verursachen. Die Reaktionen hängen mit
dem Stoffwechsel der Tiere zusammen, der anders als bei Menschen ist. „Manche Substanzen in schmerz- und fiebersenkenden Medikamenten oder Naturheilmitteln können Tiere nicht oder nur sehr langsam abbauen. Das führt unter Umständen zu lebensbedrohlichen Vergiftungen”, so Ohm. Daher weist die Tierärztin HalterInnen eindringlich darauf hin, ihren Tieren niemals eigenmächtig Human-Medikamente ohne tierärztliche Beratung zu verabreichen. Stephanie Ohm rät auch davon ab, Tiere mit vermeintlich harmlosen Mitteln selbst zu behandeln. „Die Tierärztin oder der Tierarzt entscheidet, ob ein Medikament für Menschen eingesetzt werden kann und wie es dosiert sein muss.“ Zudem gibt es Krankheiten, bei denen ein spezielles Tier-Präparat die bestmögliche Behandlung darstellt.

24.01.2023: EU erteilt Zulassung für Hausgrillen in Lebensmitteln

Um den Bedarf an Proteinen der wachsenden Weltbevölkerung zu decken, werden in vielen Ländern der Welt Insekten als Nahrungsmittel geschätzt. Denn sie gelten als nahrhaft und reich an Proteinen. Im Jahr 2021 hat die Europäische Union die Genehmigung erteilt, den getrockneten gelben Mehlwurm in Lebensmitteln zu verwenden. Die Zulassung für die Europäische Wanderheuschrecke folgte danach. Mit dem heutigen Dienstag (24.01.2023) ist die Liste um Hausgrillen ergänzt worden. Ausgewählte Unternehmen dürfen zunächst für fünf Jahre bestimmte neue Produkte in Lebensmitteln verarbeiten. Laut EU-Verordnung können die genannten Insekten gefroren, getrocknet oder als Pulver verwendet werden. „Die Lebensmittelsicherheit
hat für die Kommission oberste Priorität“, erklärt eine Sprecherin der EU-Kommission. So müsse für jedes Insekt, das für die Lebensmitteproduktion verwendet wird, eine Zulassung beantragt werden. In der Zutatenliste muss zudem der Artname aufgeführt werden. So könne die Behörde bestätigen, dass diese sicher seien. In der Schweiz ist es bereits seit 2017 gesetzlich erlaubt, Heimchen, Mehlwürmer im Larvenstadium sowie Europäische Wanderheuschrecken zum menschlichen Verzehr anzubieten. Auch in Deutschland und Österreich werden Snacks und Nudeln mit Insekten schon länger verkauft. Wie es von Seiten der EU-Kommission heißt, gibt es aktuell acht weitere Anträge auf die Zulassung von Insekten als Lebensmittel.

24.01.2023: Pläne für Tierhaltungs-Umbau unzureichend

Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Dr. Till Backhaus hat im Rahmen der Internationen Grünen Woche (IGW) das Bundesprogramm zum Umbau der Tierhaltung kritisiert. Den rasanten Rückgang der Schweinehaltung in Deutschland sowie die zunehmende Verlagerung der Produktion ins Ausland hob der Minister dabei besonders hervor. „Ich bin mit den vorgelegten Eckpunktepapieren und Gesetzentwürfen der Bundesregierung nicht einverstanden. Anstatt den allgemein anerkannten Borchert-Plan komplett umzusetzen, wird nur ein Teil des ursprünglichen Konzeptes angegangen. So wird ein Ansatz, der viel Zuspruch erfahren hat wirkungslos. Es erzeugt keinerlei Aufbruchstimmung, sondern eher das Gegenteil – Frust und Perspektivlosigkeit bei den Tierhaltern“, so die Kritik von Backhaus. Der Minister
fordert eine Anhebung der Tierbestandszahlen für die Förderung, da die Wirtschaftlichkeit bei kleineren Größenordnungen für Schweine zumindest im konventionellen Bereich infrage gestellt sei. Auch die Borchert- Kommission nutzte die durch die IGW allgemein gestiegene Aufmerksamkeit und erneuerte ihre Kritik an Özdemirs Plänen zur Tierhaltung. In einer Stellungnahme fordert die Kommission den Einstieg in eine überzeugende Transformationsstrategie. Das Borchert-Papier nennt die im Bundesprogramm zur Förderung des Umbaus der Tierhaltung vorgesehene Tierwohl-Prämie „unzureichend“ und schlägt stattdessen eine Förderung in Höhe von 80-90 Prozent der Mehrkosten vor. Zudem sollten LandwirtInnen Verträge über 20 Jahre erhalten, um Abschreibungen für Stallbauten voll berücksichtigen zu können.

24.01.2023: Kritische Stimmen gegen Positivliste exotischer Tiere

Rund 35 Millionen Heimtiere leben in Haushalten in Deutschland. Den größten Teil machen zwar Hunde und Katzen aus, doch finden sich auch Tausende exotische Tiere darunter. Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir möchte die Privathaltung exotischer Tiere nun verbieten. „Warum braucht jemand etwa anspruchsvoll zu haltende, exotische Tiere wie Schlangen oder ein Chamäleon zu Hause? Das habe ich nie verstanden”, erklärt Özdemir. Schon länger drängt der Minister darauf, bestimmte Tierarten in privatem Besitz über eine Positivliste verbieten zu lassen. In zahlreichen Fällen landen Schlangen, Warane und Spinnen in den Tierheimen, die ohnehin schon an ihre Grenzen geraten sind. Diese gelte es vor dem hohen Aufwand und den zusätzlichen Kosten, die die Haltung exotischer Tiere verursache, zu schützen, so Özdemir. Als „reinen Populismus“ bezeichnet der Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde, Axel Kwet, die Pläne des Grünen-Politikers: „Mit seiner geforderten Positivliste will er zwar den Tier- und Artenschutz stärken, aber er erreicht das Gegenteil.“ Scharfe Kritik erntet Özdemir für seine Pläne auch vom Zentralverband
Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands e.V. (ZZF). „Trotz des harmlos klingenden Namens wäre eine Positivliste nichts anderes als ein grundsätzliches Verbot der Heimtierhaltung“, mahnt Norbert Holthenrich. Der ZZF-Präsident ist der Meinung, dass eine Positiv- bzw. Erlaubnisliste die Heimtier-Vielfalt in den Haushalten behindern und einen radikalen Bruch mit dem bisherigen Verständnis des Zusammenlebens von Menschen mit Heimtieren in Deutschland darstellen würde. „Ob Tiere für das Zusammenleben mit Menschen in normalen Privathaushalten geeignet sind, hängt davon ab, ob sie ihrer Biologie und ihren Bedürfnissen entsprechend gehalten werden können“, so der ZZF-Präsident. Der Verband nennt weitere Argumente gegen die Einführung einer Positivliste, wie dem Fehlen von sinnvollen und objektivierbaren Kriterien für die Aufnahme von Tierarten in diese oder dem Risiko, dass Tiere dann am Zoofachhandel vorbei und über unprofessionelle Kurierdienste erworben würden. Thomas Kölpin, Direktor des Stuttgarter Zoos, schlägt hingegen einen verpflichtenden Sachkundenachweis beim Erwerb eines Tieres vor, der zudem Spontankäufen oder Mode- Haltungen vorbeugen könnte.

23.01.2023: Kampf gegen multiresistente Erreger muss fortgesetzt werden

Die Zunahme antimikrobieller Resistenzen (AMR) ist hauptsächlich auf den inflationären und unsachgemäßen Gebrauch von Antibiotika, Virostatika oder Antimykotika zurückzuführen. Immer häufiger treten Erreger auf, die sich resistent gegenüber den bekannten Wirkstoffen zeigen. Pharma- und Forschungsunternehmen sind auf der Suche nach effizienten Gegenmaßnahmen, was sich jedoch alles andere als einfach gestaltet. Eine neue Research-Publikation der VDI Technologiezentrum GmbH, bietet einen Überblick zu Hintergründen, dem aktuellen Stand und Ansätzen im Kampf gegen multiresistente Erreger. Neben neuen wirksamen Antibiotika forschen WissenschaftlerInnen beispielsweise an Impfstoffen gegen antibiotikaresistente Bakterien. Nach dem Scheitern einiger Projekte zielt ein neuer, vielversprechender Ansatz auf den Stoffwechsel der Bakterien ab. Da die Entwicklung von entsprechenden Antibiotika sowie von Impfstoffen einerseits sehr kostenintensiv, andererseits wenig erfolgversprechend ist, ist die Pharmaindustrie
kaum noch bereit, in die Forschung zu investieren. Der Einsatz von Bakteriophagen, der sowohl als Option für die Therapie als auch die Prävention von Erkrankungen mit resistenten Bakterien gilt, scheint mehr Erfolg zu versprechen. Auch in der Tiermedizin wird die Phagentherapie als Ansatzpunkt im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen diskutiert. Problematisch wird auch die stetige Zunahme von resistenzen bei anderen Mikroorganismen wie Pilzen gesehen. Im vergangenen Jahr berichtete die US- amerikanische Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) über Ausbrüche von Candida-auris- Infektionen in Pflegeeinrichtungen, bei denen Fälle von Panresistenz auftraten und demnach sämtliche Antimykotika wirkungslos waren. Um die Entwicklung weiterer Resistenzen im Stall zu verhindern, ist die Online- Plattform VetMAB.de geschaffen worden. Denn durch eine Verbesserung der Haltungsbedingungen von Nutztieren und dem Betriebsmanagement können weniger Antibiotika in der Nutztierhaltung eingesetzt werden.

23.01.2023: BMEL fördert klima- und umweltschonende Aquakulturen

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ruft zur Einreichung von Forschungsprojekten für eine klima- und umweltschonende Aquakultur auf. Gefördert werden Projekte von Forschungseinrichtungen und Unternehmen, die den nachhaltigen Konsum und die gesellschaftliche Anerkennung stärken. Zudem können Projektideen eingereicht werden, die ein Bestands- und Produktionssystemmanagement
entwickeln, Nährstoffkreisläufe optimieren und Anpassungen an klimatische Veränderungen umsetzen. Projekte zu Tiergesundheit und -monitoring, zur Zucht und Reproduktion sowie zur Förderung der Algenaquakultur sind ausdrücklich erwünscht. Bis zum 20. April 2023 können Projektskizzen bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) als Projektträger eingereicht werden.

Politische Anklage auf dem bpt-Neujahrsempfang

23.01.2023

Die Internationale Grüne Woche ist am vergangenen Donnerstag eröffnet worden und präsentiert noch bis zum 29.1.2023 die Neuigkeiten rund um die Landwirtschaft. Traditionell hat auch der Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt) im Rahmen der Veranstaltung seinen Neujahrsempfang abgehalten. bpt-Präsident Dr. Siegfried Moder nutzte den Moment und lenkte seine Kritik hinsichtlich der Novelle des Tierarzneimittelgesetzes (TAMG) in Richtung der Ampel-Koalition. „Wenn Sie, sehr geehrte Bundestagsabgeordnete, meinen, Sie wissen es besser, als diejenigen, die bereits zu einer Reduktion des Antibiotikaverbrauchs von über 60 % beigetragen haben, dann sparen Sie sich und uns die Zeit für Alibiveranstaltungen!“, so Moder. Der Präsident zeigte so seinen Unmut darüber, dass die Regierung das TAMG über EU- Vorgaben
hinaus weiter verschärft hat, ohne die fachliche Tierarzt-Expertise mit in die Entscheidung einfließen zu lassen. Sämtliche Fachverbände hätten im Vorfeld darauf hingewiesen, dass das Vorhaben mit Blick auf die Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen nicht zielführend sei, so Moder. Der bpt-Präsident kritisierte zudem, dass stattdessen ein immenser bürokratischer Mehraufwand durch die Meldepflicht in den Praxen und Kliniken entstehe, obwohl der Tierärztemangel schon jetzt für enorme Probleme sorge. Die dramatische Personalsituation im veterinärmedizinischen Bereich hat weitreichende Konsequenzen. „Die anfänglich vorhandene Begeisterung für die Arbeit an und mit den Tieren geht immer mehr über in Frust, weil die Wertschätzung der Politik fehlt und die Bürokratie immer mehr Zeit frisst, die man eigentlich lieber am Patienten/Tier verbringen würde“, betonte Moder.

20.01.2023: Tierschutz: Tierärztliche Expertise besser nutzen

Die tierärztliche Expertise muss im Bereich Tierschutz mehr genutzt werden. Doch der bestehende rechtliche Rahmen führt häufig dazu, dass den VeterinärInnen die Hände gebunden sind. Auf der Pressekonferenz, zu der die Bundestierärztekammer (BTK) anlässlich der Internationalen Grünen Woche eingeladen hatte, referierten drei ExperteInnen über die fehlende Unterstützung seitens der Politik. Am Beispiel aktueller Tierschutzprobleme in der Nutztierhaltung forderte Dr. Sylvia Heesen, 2. stellvertretende Vorsitzende der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT), Verbesserungen beim Umgang mit verletzten oder schwer erkrankten Tieren. Damit die TierärztInnen ihrer Aufgabe nachkommen können, um Tierleid durch mangelhaften Umgang, mangelhafte Versorgung, leistungsüberfordernde Zucht und nicht
bedürfnisgerechte Haltung zu verhindern, bedarf es der Schaffung neuer Gesetzesgrundlagen. Dr. Iris Fuchs, 1. Vizepräsidentin der BTK, verwies auf die Bedeutung der Tierärzteschaft als integraler Bestandteil der öffentlichen Gesundheitsvorsorge in der Nutztierhaltung. Die intensive Einbindung der Tierärzteschaft sei essenziell, um Tierschutzverstöße in landwirtschaftlichen Betrieben zu vermeiden, so Fuchs. Auch Prof. Dr. Achim Gruber, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Tierpathologie der Freien Universität Berlin, machte in seinem Vortrag deutlich, dass die bestehenden Gesetze sowohl präzisiert als auch geschärft werden müsse. Gruber kritisierte auch die fehlende Umsetztung des geltenden Rechts in Bezug auf Defektzuchten (sog. Qualzuchten) und Inzucht bei Hunden, Katzen und anderen Klein- und Heimtieren.

20.01.2023: Neue Erkenntnisse zu Mikroben und dem Wiederkäuerstoffwechsel

Mikroorganismen im Pansen versorgen Wiederkäuer mit hochwertigem Eiweiß und wichtigen Stoffwechselprodukten, welche die Hauptenergie- und Proteinquelle für die Tiere bilden. Bislang war jedoch kaum erforscht, welchen Einfluss die Mikroben auf die Verstoffwechselung der Futtermittel von Wiederkäuer haben. In einer aktuellen Studie haben Forschende der Vetmeduni Wien, des Österreichischen Kompetenzzentrums für Futter- und Lebensmittelsicherheit sowie der Universität Wien, nun erstmals dominante als auch aktive mikrobielle Populationen an der Pansenwand identifizieren können. So fanden die WissenschaftlerInnen heraus, dass die kurzkettige Fettsäure Acetat den Wiederkäuer mit dem für den Fettaufbau so wichtigen Kohlenstoff versorgt. Neben einer bereits seit langem bekannten dosisabhängigen Beziehung zwischen Acetat und Milchfett, ist Acetat auch Substrat für andere, sehr wichtige Stoffwechselprozesse im Körper. „Eine Gruppe
von Mikroben, die sich dabei als besonders häufig und aktiv herausstellte, waren zuvor unkultivierbare Campylobacteraceae“, berichtet Cameron Strachan, Erstautor der Studie. „Diese sind hoch spezifisch an das Rind angepasst, und haben nichts mit lebensmittelassoziierten Erkrankungen beim Menschen, wie zum Beispiel durch Campylobacter jejuni hervorgerufen, zu tun“, ergänzt er. Auch fanden die AutorInnen einen so genannten metabolischen „trade-off“, bei dem eine Population unter Acetat besser wachsen kann, aber durch eine andere kurzkettige Fettsäure, Propionat, gehemmt wird, während die andere Population ohne das jeweilige Substrate einen nachweisbaren Wachstumsvorteil oder -nachteil zeigte. Zusammengefasst zeigen die Ergebnisse, wie metabolische Unterschiede, die aus mikroevolutionären Prozessen entstehen, mikrobiologische Populationen formen können, die wiederum die Verfügbarkeit von kurzkettigen Fettsäuren für Wiederkäuer erheblich beeinflussen.

20.01.2023: Verbot der Kükentötung führt zu Wettbewerbsverzerrung

Bis Ende 2021 wurden pro Jahr annähernd 45 Millionen männliche Nachkommen von Legehennen direkt nach dem Schlüpfen getötet, weil sich die Aufzucht wirtschaftlich nicht rechnet. Seit Anfang 2022 ist dieses Kükentöten verboten. TierschützerInnen und auch die Geflügelbranche zeigen sich mit der aktuellen Entwicklung jedoch noch unzufrieden und weisen auf die wettbewerbsverzerrenden Effekte der uneinheitlichen Gesetzeslage hin. Denn das Verbot gilt nicht für alle EU-Länder. Sowohl die Einfuhr von Legehennen als auch von Eiern aus dem Ausland ist noch immer erlaubt. Dadurch können Eierproduzenten das deutsche Kükentötungsverbot umgehen. „Insbesondere in verarbeiteten Produkten werden sowohl viele Eier aus einer Produktion mit Kükentöten als auch Eier aus Käfighaltung eingesetzt“, kritisiert Dietmar Tepe vom Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT) in Bonn. Aus Sicht der Geflügelwirtschaft lohne sich die so genannte Bruderhahnhaltung überhaupt nicht, wie
Friedrich-Otto Ripke, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG), erklärt. Zudem fehlen spezielle Regelungen zur Aufzucht der männlichen Tiere, die sich körperlich und mit Blick auf ihr Verhalten deutlich von den Masthähnchen unterscheiden. Die Bruderhähne würden so kostengünstig wie möglich aufgezogen, ohne dass man dabei ihren Bedürfnissen gerecht werde, wie eine Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes betont. Neben der Bruderhahnhaltung stellt die Geschlechtsbestimmung im Ei eine weitere Möglichkeit dar. Die bislang zur Verfügung stehenden Methoden liefern jedoch erst Ergebnisse ab dem 9. oder 13. Tag des Brütens. Verfahren, die schon früher Ergebnisse liefern, sind noch in der Entwicklung und bislang nicht marktreif. Ein Ei muss vom Legen bis zum Schlüpfen des Kükens 21 Tage lang bebrütet werden. Im nächsten Jahr soll jedoch eine Verschärfung in Kraft treten, die die Eierselektion ab dem 7. Tag des Brütens verbietet.

20.01.2023: WNV breitet sich weiter aus

Das West-Nil-Virus (WNV) hat sich im vergangenen Jahr weiter ausgebreitet. Wie das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) mitteilt, wurden insgesamt 17 WNV-Infektionen bei Pferden sowie 54 bei Wild- und Zoovögeln nachgewiesen. Neben Fällen in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen wurden erstmals auch aus dem Großraum Hamburg Infektionen mit dem WNV gemeldet. Betroffen waren ein Pferd sowie zwei Wildvögel. Eine weitere Erkrankung wurde bei einem Pferd in Südwest-Mecklenburg (Landkreis LUP) festgestellt, das Tier hatte ebenfalls keine Reiseanamnese. Erstmalig waren zudem im Bundesland Sachsen der Landkreis Görlitz, im Bundesland Sachsen-Anhalt der Landkreis Altmarkkreis Salzwedel und im Bundesland
Thüringen der Landkreis Kyffhäuserkreis betroffen. In Berlin wurde eine WNV-Infektion zudem bei einem Seehund (Phoca vitulina) festgestellt, der infolge zentralnervöser Symptomatik verstarb. Das FLI weist auf das Infektionsrisiko bei Pferden und Vögeln mit Beginn der Stechmückensaison hin. Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) empfiehlt die WNV-Impfung von Pferden in den bereits betroffenen Gebieten und auch von Pferden, die in solche Gebiete verbracht werden. Zur Anwendung an Vögeln sind derzeit keine Impfstoffe zugelassen, jedoch ist es laut der EU- Tierarzneimittel-Verordnung möglich, Pferdeimpfstoffe umzuwidmen. Das FLI führt erste Pilotstudien durch, die aufzeigen sollen, wie wertvolle Zoovögel vor einer Erkrankung geschützt werden können.

19.01.2023: BTK mit neuen Erkenntnissen über Qualzuchten und Tierschutz

Im Rahmen der Internationalen Grünen Woche (IGW) lädt die Bundestierärztekammer (BTK) am morgigen Freitag (20.01.2023) um 11.30 Uhr zu einem Pressegespräch ein. Unter dem Motto „TierärztInnen im Tierschutz: Expertise, die genutzt werden muss!“ werden BTK-Präsident Dr. Uwe Tiedemann, BTK-Vizepräsidentin Dr. Iris Fuchs, Dr. Sylvia Heesen sowie Prof. Achim Gruber vom Institut für Tierpathologie der FU Berlin über die Rolle der
TierärztInnen im Tierschutz sowie Prävention und Ahndung von Tierschutzverstößen diskutieren. Ein weiterer Fokus des Pressegesprächs wird auf dem Thema Defektzucht (sog. Qualzucht) bei Klein- und Heimtieren liegen. Hier gibt es neue Erkenntnisse zur Inzuchtproblematik, die aus der Perspektive der Pathologie das Tierleid besonders deutlich machen. Die Pressekonferenz findet im Pressezentrum (Halle 6.3), Raum B, der Messe Berlin GmbH statt.

19.01.2023: Schönheit vor Gesundheit – Deutsche stehen auf Extremrassen

Unter den zehn beliebtesten Hunderassen in Deutschland finden sich leider auch einige Rassen, die zuchtbedingte Merkmale aufweisen, die zu gesundheitlichen Problemen und Leiden führen. Daher werden sie auch als Qualzuchten bezeichnet. Laut Informationen des Haustierzentralregisters TASSO belegt der Deutsche Schäferhund nach Mischlingshunden und Labradoren den dritten Platz. Die Französische Bulldogge landete auf dem 4. Platz der beliebtesten Rassen. Das Ranking der beliebtesten Hunderassen basiert auf den Daten der im Jahr 2022 geborenen
und bei der AGILA Haustierversicherung AG angemeldeten Tiere. Die neue 7-teilige Online-Seminarreihe „Tierärztliche Gesundheitsbescheinigung für Hunde“ auf Myvetlearn.de startet bereits am 2. Februar 2023 mit dem ersten Live-Webinar zum Thema „Hinweise zu Gesundheitsbescheinigungen aus amtlicher Sicht“. In dieser mehrteiligen Online-Fortbildungsreihe für TierärztInnen wird auf häufige Qualzucht- bzw. Defektzuchtmerkmale bei Hunden eingegangen. Die Fortbildungsreihe richtet sich gleichermaßen an AmtstierärztInnen als auch an kurativ tätige KollegInnen.

Personalmangel sorgt beim tierärztlichen Notdienst für Probleme

19.01.2023

Der massive Personalmangel sowie die wachsende Zahl der Hausiere haben zu einer hohen Arbeitsbelastung der TierärztInnen in Deutschland geführt. Hinzu kommt der aktuell hohe Krankheitsstand. Besonders die notdienstliche Versorgung der Tiere wird immer schwieriger, da die wenigsten niedergelassenen PraktikerInnen die Notdienst-Bereitschaft gewährleisten können. Das hat zur Folge, dass viele TierbesitzerInnen auf Kliniken ausweichen, die jedoch auch zunehmend Probleme haben, die steigenden Patientenzahlen zu bewältigen. „Die Notdienstversorgung ist überall in Deutschland ein großes Problem“, weiß auch Prof. Sabine Tacke, die seit November letzten Jahres Präsidentin der Landestierärztekammer Hessen ist. Ein zusätzliches Problem ist, dass Kliniken nachts und am Wochenende aufgesucht werden, obwohl es sich eigentlich nicht um einen Notfall handelt. Die richtige telefonische Einschätzung der Patienten würde nach Meinung der Fachtierärztin an der Veterinärklinik der Universität die Lage etwas entschärfen. Das Hauptproblem sei jedoch die dramatische Personalentwicklung der Praxen und Kliniken. Dazu gehören neben dem Wunsch nach einer Work-Life-Balance
auch die zunehmende Feminisierung des veterinärmedizinschen Berufes, so Tacke. Gemäß der Berufsordnungen einiger Landestierärztekammern sind TierärztInnen verpflichtet, einen Notdienst nachts und an Feiertagen/Wochenenden sicherzustellen. In vielen Regionen haben sich die Praxen über einen Notdienstring zusammengeschlossen, der gut funktioniert, so lange keine Lücken entstehen, weil TierärztInnen aus dem Modell wegen Überlastung aussteigen. Im Gegensatz zu Praxen müssen tierärztliche Kliniken jederzeit, also 24 Stunden an 7 Tagen die Woche, für einen Notdienst sorgen. Immer weniger MitarbeiterInnen sind jedoch bereit, nachts und an Wochenenden zu arbeiten. Da auch die Kliniken aufgrund des dramatischen Mangels an Fachpersonal an ihre Grenzen kommen können, geben immer mehr ihren Status auf. Zudem habe die idealistische Vorstellung vieler junger Leute nichts mit dem anstrengenden Job in Praxis oder im Stall zu tun, sodass viele dem Beruf nicht treu blieben. Eine Herausforderung der Zukunft müsse es daher sein, mehr TiermedizinerInnen durch gute Rahmenbedingungen und angemessene Bezahlung dazu zu motivieren, im Job zu bleiben, so Tacke.