Mehrheit fordert mehr Klimaschutz von der Politik
Nach Informationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) war der gerade kalendarisch zu Ende gegangene Sommer einer der wärmsten seit 1881. Die Monate Juni, Juli und August 2026 stachen besonders durch lange ausbleibenden Niederschlag, Extremtemperaturen und außergewöhnlich viel Sonnenschein hervor. Zudem geht das Robert-Koch-Institut von etwa 16.300 hitzebedingten Todesfällen bis Ende August 2026 aus.
Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass sich ein Großteil der Bevölkerung in Deutschland mehr Klimaschutz wünscht. Gemäß einer Umfrage des WWF Deutschland unter 5.000 Befragten, fordern 67 Prozent eine Verstärkung der Maßnahmen zum Klimaschutz durch die Politik. Mehr als die Hälfte der befragten Personen bewerten den Schutz der Menschen in Deutschland vor Hitze und anderen Extremwetterereignissen zudem als schlecht. Nur 15 Prozent stufen ihn als gut ein. Ein ähnliches Ergebnis zeigte die Umfrage auch in den drei Bundesländern, in denen Landtagswahlen anstanden bzw. noch anstehen. In Berlin wünschen sich sogar 73 Prozent der Menschen mehr Klimaschutzmaßnahmen von der Bundesregierung.
„Dieser Sommer war eine Warnung. Die Menschen sehen, dass Deutschland nicht ausreichend auf die Folgen der Klimakrise vorbereitet ist. Zwei Drittel der Bevölkerung wollen mehr statt weniger Klimaschutz. Die Bundesregierung muss diesen Auftrag ernst nehmen. Deutschland muss sich besser gegen die Folgen der Klimakrise wappnen und gleichzeitig alles dafür tun, dass sie nicht immer gravierender werden. Klimaanpassung und Klimaschutz sind zwei Seiten derselben Medaille“, sagt Vanessa Klocke, Co-Klimachefin beim WWF Deutschland.
Aus Sicht des WWF braucht Deutschland eine verlässliche und langfristige Finanzierung der Klimaanpassung vor Ort. Zudem warnen die Naturschützer:innen davor, Klimaanpassung als Ersatz für konsequenten Klimaschutz zu betrachten. Je stärker die Erderhitzung voranschreitet, desto größer würden die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kosten der Anpassung. Die Bundesregierung müsse den Abschied von fossilen Energien beschleunigen und die Energiewende konsequent vorantreiben, lautet die Forderung des WWF.
WWF
Antibiotika-Resistenzgene von Nutztieren in Wildtieren nachweisbar
Eine Studie des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) und des Max Delbrück Centers zu Antibiotikaresistenzen hat gezeigt, dass Gewässer in Städten und im Agrarland stark mit antibiotika-resistenten Bakterien belastet sind und auch ein Großteil der auf Bauernhöfen lebenden Mäuse Antibiotika-Resistenzgene (ARG) von gehaltenen Nutztieren in sich tragen.
In ihren Untersuchungen analysierten Forschenden die Genome von Darm-Mikroorganismen aus einer großen Population von 875 wildlebenden Hausmäusen (Mus musculus) in der Nähe zu größeren viehwirtschaftlichen Betrieben in ganz Deutschland. In der Hälfte der untersuchten Mäuse fanden die Wissenschaftler:innen ARG von Rindern, Schweinen oder Geflügel. „Wir haben eine gewisse Überschneidung erwartet, aber dass rund 50 Prozent der Resistenzgene aus den Kühen, Schweinen und Hühnern auch in unseren wildlebenden Mäusen wiederzufinden war, hat uns überrascht“, erklärt Dr. Víctor Hugo Jarquín-Díaz vom Max Delbrück Center.
Die Ergebnisse legen viele ökologische Brücken zwischen Menschen, Nutztieren und Wildtieren dar und zeigen, dass räumliche Nähe immer auch funktionale, ökologische Verflechtung bedeuten kann.
„Unsere statistischen Modelle zeigten auf, dass sich einzelne Faktoren sehr stark auf das Vorhandensein von einzelnen Resistenzgenen auswirken“, sagt Prof. Emanuel Heitlinger vom Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz (LUA). „So steht die Besatzdichte von Schweinen in starkem Zusammenhang mit Resistenzgenen, die mit von Tierärzten und Viehzüchtern häufig eingesetzten Breitbandantibiotika im Zusammenhang stehen, wie beispielweise Sulfonamide, Tetracyclin oder Beta-Laktame.“ Es gebe also direkte, nachweisbare Auswirkungen von intensiver Nutztierhaltung auf spezifische Antibiotikaresistenzen in Wildtieren.
Die erkennbaren Zusammenhänge zwischen Wirten, Mikrobiomen, Resistenzgenen und räumlichen Umweltfaktoren erfordern ein erweitertes Monitoring von Resistenzen, erklären die Wissenschaftler:innen abschließend. Wildtiere und natürliche Ökosysteme könnten eine große Unbekannte in dieser Gleichung sein und ungeahnte Reservoire für Antibiotikaresistenzen darstellen.
IZW Berlin
Dermatophilose: Fälle bei Menschen häufen sich
Dermatophilus congolensis ist ein Bakterium, das bei Rindern, Schafen, Ziegen und Pferden zu teils schmerzhaften Hautveränderungen führen kann. Da die Dermatophilose hauptsächlich in Ställen, auf Weiden und in Viehbetrieben auftritt, insbesondere wenn Regen und hohe Luftfeuchtigkeit die Haut der Tiere über längere Zeiträume hinweg feucht hält, wird die Erkrankung auch Regenfäule bzw. Rain Rot genannt.
Infizierte Rinder zeigen Symptome wie Krusten und verfilzte Haarbüschel, bei Schafen zeigt sich eine Infektion durch klumpige Veränderungen am Vlies. Bei Pferden betreffen die Hautveränderungen häufig den oberen Körperbereich; in schweren Fällen können auch die Beine in Mitleidenschaft gezogen werden, was zu Schmerzen und Lahmheit führt. In seltenen Fällen können auch Hunde und Katzen an der Dermatophilose erkranken, auch bei Wildtieren wurden Infektionen beobachtet.
Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hat nun auf eine steigende Zahl an Infektionen bei Menschen hingewiesen. Betroffen sind mehr als 120 Personen in zehn europäischen Ländern, darunter auch Deutschland und einige Nachbarländer.
Expert:innen befürchten, dass das Bakterium einen neuen Weg gefunden hat und die Krankheit sich von Mensch zu Mensch verbreiten kann, denn mehrere Patient:innen hätten keinen Kontakt zu Tieren gehabt, wie die italienische Zeitung La Stampa schreibt.
Der Erreger ruft nach einer Infektion beim Menschen Papeln, Pusteln, Krusten, Schuppenbildung und Juckreiz hervor. In der letzten Zeit wurden zudem Läsionen im Genital- und Leistenbereich sowie am Rumpf, an den Oberschenkeln und im Gesicht beobachtet.
Eine Diagnose ist schwierig, gegebenenfalls ist eine mikrobiologische Untersuchung erforderlich. Die bislang beschriebenen Fälle verliefen meist mild und sprachen auf eine Antibiotikabehandlung an. Auch wenn das Risiko für die Allgemeinbevölkerung weiterhin als gering eingeschätzt wird, beobachten Expert:innen dieses ungewöhnliche epidemiologische Phänomen genau.
„Das Bakterium Dermatophilus congolensis ist ein Mikroorganismus, der vor allem in der Veterinärmedizin seit Langem bekannt ist, da er Rinder, Pferde, Schafe und andere Tiere befällt. Beim Menschen galten Infektionen hingegen stets als recht selten“, erklärt Fabrizio Pregliasco, Virologe und Leiter der Schule für Hygiene und Präventivmedizin an der Universität Mailand.
Zunächst bleibt die Regenfäule eine Tierkrankheit. Bei engem Kontakt mit erkrankten Tieren sollten Tierhaltende die Hautveränderungen ernst nehmen und konsequent auf Hygiene und Hautschutz achten. Forschende wollen insbesondere klären, welche Übertragungswege bei den neuen Fällen eine Rolle spielen und warum sich das Infektionsgeschehen in Europa verändert. Die europäischen Behörden beobachten die humanen Dermatophilose-Fälle genau, um zu verstehen, wie ein Bakterium, das bis vor Kurzem fast ausschließlich im Veterinärbereich vorkam, neue Übertragungswege auf den Menschen gefunden hat.
Topagrar
Agrarheute
Kampagne soll Tierhaltende zur Registrierung bewegen
Die meisten Tierheime in Deutschland platzen aus allen Nähten, unter anderem weil zahlreiche Fundtiere ihren Haltenden nicht eindeutig zugeordnet werden können. Die aufgegriffenen Hunde und Katzen sind zwar häufig mit einem Mikrochip versehen, jedoch haben die Halter:innen ihre Vierbeiner nicht registrieren lassen. Eine eindeutige Zuordnung kann aber nur erfolgen, wenn die entsprechenden Kontaktdaten in einem Haustierregister hinterlegt sind.
„Viele Tierhalter gehen fälschlicherweise davon aus, dass der Mikrochip allein ausreicht oder sie wissen nicht, dass sie sich selbst um die Registrierung kümmern müssen“, sagt Kerstin Eck, Leiterin von FINDEFIX, dem Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes.
FINDEFIX hat daher eine Aufklärungskampagne gestartet, die Tierhaltende über die Folgen einer fehlenden Registrierung für Tiere und Tierheime sowie über den einfachen Weg zur Registrierung informiert. Wenn mehr Tierhaltende ihre Haustiere registrieren lassen, könnte das die Tierheime enorm entlasten, so Eck abschließend.
Deutscher Tierschutzbund
WNV in Deutschland weiter rückläufig
Nach 2025 sind auch in diesem Jahr nur wenige Infektionen mit dem West-Nil-Virus (WNV) registriert worden, wie das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) mitteilt. Anders als in verschiedenen südeuropäischen Ländern habe es bis zum 3. September 2026 lediglich zwei Fälle bei Pferden und fünf Fälle bei Wild- und Zoovögel gegeben. Zudem wurde bei zwei Personen in Rheinland-Pfalz und Berlin West-Nil-Fieber-Infektionen nachgewiesen.
Das Institut weist allerdings darauf hin, dass im Laufe der nächsten Monate mit weiteren Erkrankungsfällen zu rechnen sei. Weiterhin sollten Halter:innen von klinisch neurologisch erkrankten Pferden auch die Möglichkeit einer Infektion mit dem neu eingeschleppten europäischen Shamonda-Virus (SHAV) abklären lassen, wie das FLI betont. Aktuelle Untersuchungen weisen auf zwei unabhängige Eintragsereignisse nach Deutschland hin, die sich in manchen Bundesländern bereits überschneiden.
Derzeit arbeitet das FLI gemeinsam mit Landesuntersuchungsämtern, den Veterinärbehörden, den Privatlaboren und einzelnen Pferdekliniken intensiv daran, die Auswirkungen des neuen Virus und die Krankheitsentstehung beim Pferd besser zu verstehen.
FLI
Australien wappnet sich für die Bekämpfung der HPAI
Die Hochpathogene Aviäre Influenza (HPAI) ist im Juni 2026 erstmals in Australien als letzten Kontinent der Welt aufgetreten. Nach ersten Infektionen bei einzelnen Vögeln wurden bis Anfang September mehr als 460 Ausbrüche des hochpathogenen H5-Virus bei verschiedenen Wildvogelarten registriert. Inzwischen steigt auch das Risiko, dass das hochansteckende Virus auf die dort beheimateten einzigartigen Säugetiere überspringt.
„Unsere Tierwelt war ja bisher diesem Virus überhaupt nicht ausgesetzt“, erläutert Galit Tzipori, leitende Veterinärin des bekannten Lone Pine Koala Sanctuary in Brisbane. In dem Schutzpark leben neben Koalas auch viele Vögel, Dingos und andere australische Spezies. „Wir werden erst mit der Zeit mehr darüber lernen, was das für die verschiedenen endemischen Arten bedeutet“, so die Expertin weiter.
Erste positive Nachweise gab es bereits bei einem Rotfuchs, einem Langnasen-Seebären und einem Gemeinen Delfin. Nachdem dann bei einer Australischen Silberkopfmöwe der Erreger nachgewiesen wurde, wächst die Angst vor einer unkontrollierbaren Virus-Ausbreitung, da der australische Alltagsvogel Strände, Städte, Müllplätze und Süßwassergebiete aufsucht und so wie eine Art Taxi fungieren könnte. Tzipori sieht allerdings keine Gefahr für die ohnehin bedrohten Koalas, da diese sich fast ausschließlich von Eukalyptusblättern ernähren. Andere Säugetierarten sind jedoch weitaus mehr gefährdet, wie etwa Dingos, Tasmanische Teufel oder Tüpfelbeutelmarder, die auch tote Vögel fressen.
Für die Tasmanischen Teufel wäre ein neuer Krankheitserreger besonders problematisch, da die Population der nachtaktiven Raubbeutler in den vergangenen Jahrzehnten durch eine ansteckende Gesichtstumorerkrankung (Devil Facial Tumor Disease, DFTD) bereits enorme Verluste erlitten hat. Aktuell haben die australischen Behörden begonnen, verschiedene Tierarten, unter anderem Zwergpinguine, in Schutzzentren und Zuchtstationen gegen H5N1 zu impfen. So bereitet sich auch das Lone Pine Koala Sanctuary mit seinen Dutzenden ikonischen Spezies seit Wochen mit einem umfassenden Schutz- und Maßnahmenplan auf die Bedrohung vor.
Proplanta
Shamonda-Virus bei zwei Rinderbetrieben in Niedersachsen nachgewiesen
Von Südosten her breitet sich das im August 2026 neu in Deutschland entdeckte Shamonda-Virus (SHAV) weiter Richtung Nordwesten aus. Einen ersten Nachweis des Erregers aus der Gattung der Orthobunyaviren gab es nun auch in Niedersachsen. In zwei rinderhaltenden Betriebe im Landkreis Holzminden wurde jedoch eine andere Variante (SHAV-EU2) des bisher in Süddeutschland aufgetretenen Erregers (SHAV-EU1) nachgewiesen. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) geht daher von zwei unabhängigen Ereignissen bei dem derzeitigen Seuchengeschehen aus.
Das Virus, das von Gnitzen auf Rinder und andere Wiederkäuer übertragen wird, verursacht bei erkrankten Tieren Fieber, Milchleistungsrückgang und Durchfall.
Das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium ruft Halter:innen von Rindern, Schafen und Ziegen zu Achtsamkeit in Bezug auf Symptome, die auf eine Infektion mit dem Shamonda-Virus hinweisen können, auf.
Ministerium Niedersachsen
Wild- und Honigbienen stecken sich leichter gegenseitig an
Pestizide, Krankheiten, Lebensraumverlust und letztendlich der Klimawandel setzen Bienen auf der ganzen Welt zu. Dabei sind Wildbienenarten stärker gefährdet als Honigbienen.
Eine unterschiedliche Spezialisierung auf Pflanzen sorgt in der Regel auf natürliche Weise dafür, dass sich die verschiedenen Bienenarten nicht gegenseitig mit gefährlichen Erregern anstecken. Das ändert sich jedoch nach und nach angesichts steigender Temperaturen und daraus resultierenden Gletscherschmelzen. Das hat zur Folge, dass sich ganz neue Pflanzenwelten bilden und alte „Regeln“ außer Kraft gesetzt werden.
In welchem Ausmaß sich Wild- und Honigbienen nun bei gemeinsam genutzten Nahrungsquellen mit Krankheitserregern anstecken, haben Forschende der Universitäten Lausanne und Mailand sowie der italienischen Forschungseinrichtung Crea am Mont-Miné-Gletscher im Val d’Hérens VS in der Nähe von Evolène analysiert. Dabei lag der Fokus der Wissenschaftler:innen auf drei Viren und zwei Parasiten.
Die in der neuen Pflanzenwelt gemeinsam von den Bienen genutzten Blüten fungieren als Infektionsherde. Eine kranke Biene kann dort infektiöse Partikel hinterlassen, die von der nächsten Blütenbesucherin aufgenommen werden. In ihrer Studie konnten die Forschenden belegen, dass in den erst kürzlich eisfrei gewordenen Zonen alle fünf untersuchten Erreger bei Honigbienen identifiziert werden konnten, während bei Wildbienen nur zwei Pathogene auftraten. In älteren eisfreien Zonen jedoch stieg die Präsenz des Flügeldeformationsvirus – ein typischer Erreger der Honigbiene – bei den Wildbienen deutlich an. Den Grund dafür sehen die Wissenschaftler:innen in der bereits stark gewandelten Vegetation.
Die Studie hat deutlich gemacht, dass die Gletscherschmelze neben dem Verlust von Eis und Wasserressourcen auch das gesamte nachfolgende Ökosystem und das komplexe Zusammenspiel der Organismen verändern kann. „Das Verständnis dieser Prozesse ist entscheidend, um wirksame Strategien für den Schutz der Bestäuber und der von ihnen erbrachten Ökosystemleistungen zu entwickeln“, erklärt Mitautor Gianalberto Losapio von der Universität Mailand.
Auch die Universität Ulm beschäftigt sich mit der Gesundheit von Wildbienen. Dafür haben Forschende bereits vor 5 Jahren im Rahmen eines Verbundprojekts die App „Wildbienen Id BienABest“ entwickelt. Seit kurzem existiert ebenfalls eine Web-basierte Version. Das Tool kann inzwischen 300 Wildbienenarten in Deutschland bestimmen. Die App ist so konzipiert, dass sie interessierte Laien für die Vielfalt der in Deutschland vorkommenden Wildbienen begeistert, aber auch für Wildbienen-Expert:innen eine wertvolle Bestimmungshilfe ist. Die Smartphone-App, wie auch die neue PC-Version, zeichnet sich durch eine einfache Handhabung und den verständlichen Aufbau aus.
Voraussichtlich zum Ende des Jahres können sich Tierärzt:innen auf Myvetlearn.de wieder zum Thema Bienenerkrankungen fortbilden.
Schweizerbauer
Universität Lausanne
Forschungsprojekt untersucht mikrobielle Vielfalt im Tränkesystem
Die ersten Wochen sind in der Ferkelzucht eine große Herausforderung. Gerade kurz nach der Umstellung auf feste Nahrung leiden die Ferkel häufig unter parasitären und bakteriellen Durchfallerkrankungen. In der Anpassungsphase des Magen-Darm-Systems sind daher eine bedarfsgerechte Fütterung sowie eine hohe Qualität des Tränkewassers elementar.
Im einem Forschungsprojekt untersucht ein Team des Diagnostik- und Forschungsinstituts für Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin der Med Uni Graz, der HBLFA Raumberg-Gumpenstein und der Veterinärmedizinischen Universität Wien mit klassischen mikrobiologischen Methoden sowie modernen metagenomischen Verfahren, welche Rolle die natürliche mikrobielle Vielfalt im Tränkesystem spielt. Das Projekt „MikroWaSta“ soll Wissenslücken schließen, die die Rolle von Biofilmen in landwirtschaftlichen Tränkesystemen und deren Einfluss auf die Verbreitung gesundheitsrelevanter Mikroorganismen angehen.
Die Untersuchungen sollen zudem die Entwicklung von Mikroorganismen in Wasserleitungen aufzeigen und neue Erkenntnisse für gezielte Hygienemaßnahmen und eine nachhaltige Reduktion des Antibiotikaeinsatzes bringen. „Wir wollen besser verstehen, welche mikrobiellen Prozesse in Tränkesystemen ablaufen und ob bestimmte Strukturen wie Biofilme eine Rolle bei der Verbreitung von Durchfallerregern spielen können. Nur wenn wir diese Zusammenhänge kennen, lassen sich gezielte Hygienemaßnahmen entwickeln“, erklärt Doris Haas vom Diagnostik- und Forschungsinstitut für Hygiene, Mikrobiologie und Umweltmedizin der Med Uni Graz.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Frage, ob sich bestimmte Bakterienstämme in unterschiedlichen Proben wiederfinden. Dadurch können mögliche Zusammenhänge zwischen Wasserleitungen, Tierumgebung und Tiergesundheit besser verstanden werden. Die Ergebnisse des Projekts sollen zeigen, welche Bedeutung Biofilme als mögliche Reservoirs für Mikroorganismen in landwirtschaftlichen Wassersystemen haben und wie sich mikrobielle Gemeinschaften über die Zeit verändern. Daraus können langfristig neue, zielgerichtete Hygienekonzepte und Managementmaßnahmen entstehen.
Vetmeduni Wien
ArtificialVet unterstützt Amtstierärzt:innen bei der Fleischuntersuchung
Seit Ende 2025 läuft am Standort Oer-Erkenschwick des Unternehmens Westfleisch das von Künstlicher Intelligenz (KI) unterstützte Projekt ArtificialVet. Das innovative System soll Tierärzt:innen durch digitale Vorbefunde bei der amtlichen Fleischuntersuchung unterstützen.
Im Zentrum des Pilotprojektes stehen sechs Hochleistungskameras, die den geschlossenen Schweineschlachtkörper erfassen. Eine KI analysiert auf Basis von tausenden Beispielbildern die Aufnahmen und erkennt unter anderem Veränderungen an Ohren und Schwanz sowie Umfangsvermehrungen. Abschließende Befundentscheidungen ergehen jedoch immer durch die amtlichen Tierärzt:innen.
„Unser Ziel ist es, mit dem Einsatz von KI, einen zusätzlichen Baustein für die amtliche Fleischuntersuchung zu entwickeln. Die enge Zusammenarbeit mit Behörden und Wissenschaft ist dafür eine wesentliche Voraussetzung“, sagt Dr. Anne Hiller, Leiterin Konzernqualitätsmanagement bei Westfleisch.
Das bundesweit einmalige Projekt ist eine gemeinsame Entwicklung von Westfleisch, der CIMT AG, einem international tätigen IT Consulting-Spezialisten für digitale Transformationsprojekte mit Hauptsitz in Hamburg, und dem Veterinäramt des Kreises Recklinghausen.
Mit dem Pilotbetrieb in Oer-Erkenschwick sammelt Westfleisch gemeinsam mit Wirtschaft, Behörden und Wissenschaft wichtige Erkenntnisse für die Bewertung der Chancen und Grenzen KI-gestützter Verfahren in der Fleischuntersuchung für die gesamte Branche. Diese Erfahrungen sollen die weitere Entwicklung und Einordnung der Technologie unterstützen.
Westfleisch
Tropilaelaps-Milbe erfordert neue Strategie bei Monitoring und Bekämpfung
Die ursprünglich aus Asien stammende Tropilaelaps-Milbe (Tropilaelaps mercedesae) breitet sich im Südosten und Osten Europas weiter aus und könnte schon in wenigen Jahren auch in Deutschland heimisch werden. Nach Expert:innenmeinung hat sich der Parasit in den vergangenen Jahrzehnten an das europäische Klima angepasst und stellt für die Populationen der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) eine massive Bedrohung dar.
Da die Tropilaelaps-Milbe sich jedoch grundlegend von der bekannten Varroamilbe unterscheidet, müssen Strategien für Monitoring, Diagnostik und Bekämpfung zeitnah angepasst werden. Das ist das Ergebnis einer Übersichtsarbeit unter der Leitung der Universität Hohenheim. In der Studie beschreiben die Wissenschaftler:innen, wie groß das Risiko für die Bienen in Europa tatsächlich ist und welche Konsequenzen sich daraus ergeben.
„Befallene Völker entwickeln sich deutlich schwächer, produzieren weniger Honig und weisen eine erhöhte Sterblichkeit sowohl bei der Brut als auch bei erwachsenen Tieren auf“, erklärt Dr. Kirsten Traynor, Leiterin der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim sowie der Studie. Das Tückische an der Tropilaelaps-Milbe ist, dass diese bereits während der Larven- und Puppenentwicklung erhebliche Schäden verursacht, die sich unter anderem durch Missbildungen an Antennen, Flügeln und Beinen zeigen. „Weil die Milbe auf erwachsenen Bienen kaum auffällt, bleibt sie oft lange unentdeckt“, so Traynor weiter.Aus diesem Grund, und auch wegen der möglichen Übertragung von verschiedenen Krankheitserregern durch Tropilaelaps, sei eine frühzeitige Erkennung entscheidend. Das erfodere eine Anpassung des Völkermanagements, insbesondere durch regelmäßige vollständige Brutpausen im Abstand von zwei bis drei Monaten.
„Tropilaelaps kann nicht als ‚weitere Varroa‘ betrachtet werden“, warnt die Bienenkundlerin. „Ihre Biologie unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von der der Varroamilbe. Umso wichtiger ist es, Überwachungs- und Bekämpfungsstrategien frühzeitig weiterzuentwickeln und Maßnahmen international abzustimmen, bevor sich die Milbe in weiteren Regionen etablieren kann“, sagt die Hohenheimer Wissenschaftlerin abschließend.
Voraussichtlich zum Ende des Jahres können sich Tierärzt:innen auf Myvetlearn.de wieder über Bienenerkrankungen fortbilden.
Uni Hohenheim
Riesige Anlage für Bio-Sauen in Brandenburg geplant
Immer mehr Schweine haltende Betriebe in Deutschland sind gezwungen, aufzugeben bzw. ihre Tierbestände zu verringern. Steigende Kosten, strenge Auflagen und sinkende Erlöse führen dazu, dass die Betriebe nicht mehr rentabel sind. Mitten in der Krise der Schweinehaltenden soll nun in Brandenburg eine der größten Bio-Sauenanlagen Deutschlands entstehen.
In Wulfersdorf bei Wittstock plant die Ponnath Family Group eine Riesenanlage für mehr als 500 Bio-Sauen. Langfristig sollen hier bis zu 14.000 Mastschweine pro Jahr erzeugt werden. Der Neubau umfasst insgesamt rund 55.000 m² Gesamtfläche, davon entfallen etwa 24.000 m² auf Gebäude, bauliche Anlagen und Verkehrsflächen. Dafür investiert das Unternehmen, das die aus seiner Sicht nicht gedeckte Nachfrage nach Bio-Schweinefleisch bedienen möchte, mehrere Millionen Euro. Bezuschusst wird das Projekt mit 1,8 Mio. Euro von der EU und 1,2 Mio. Euro vom Land Brandenburg.
Die Ponnath Family Group plant, die gesamte Wertschöpfungskette zu kontrollieren. So sollen Mengen und Preise besser planbar werden und dem Lebensmitteleinzelhandel eine verlässliche Versorgung geboten werden. Nach Unternehmensinformationen soll beim Tierwohl über die Mindestanforderungen und nach eigenen Angaben auch über bestehende Naturland-Vorgaben hinausgegangen werden. So seien unter anderem mehr Bewegungsfläche, insbesondere im Abferkelbereich, durchgängige Stroheinstreu und ständiger Auslauf ins Freie vorgesehen, heißt es weiter.
Agrarheute
Brasilien droht Importstopp von Rindern in die EU
Ab dem 3. September 2026 wird voraussichtlich kein Rindfleisch mehr aus Brasilien in die Länder der Europäischen Union importiert werden. Sollte das südamerikanische Land nicht doch noch fristgerecht bis Ende August 2026 nachweisen, dass auf Reserveantibiotika und Wachsturmshormone in der Zucht verzichtet wurde, wird die EU Ernst machen und Rindfleischimporte aus Brasilien stoppen. Noch seien keine ausreichenden Nachweise eingegangen, so eine Sprecherin der EU-Kommission. Es sei kaum damit zu rechnen, dass die Deadline gehalten werde.
Laut einer EU-Regelung muss Brasilien nachweisen, dass die Rinder über den gesamten Lebenszyklus nicht mit in der EU verbotenen Wirkstoffen oder nach EU-Recht als Reserveantibiotika deklarierten Wirkstoffen behandelt worden sind. Bei mehreren Audits des brasilianischen Kontrollsystems hatte die EU-Kommission zuvor Mängel festgestellt. Nach Informationen der EU ist für Ende August noch ein entsprechendes Audit eines Teams aus Kommissionsexperten der Generaldirektion für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (DG SANTE) geplant.
Agrarheute
Kandidatengene für Zitzenzahl bei Sauen identifiziert
Für Schweinehalter:innen sind Reproduktionsmerkmale wichtige Faktoren. Dazu gehört unter anderen auch die Zitzenzahl einer Sau. Denn eine hohe Zahl Zitzen verspricht eine höhere Milchleistung sowie eine hohe Anzahl Ferkel, die gleichzeitig versorgt werden kann. Weiterhin lässt die Zitzenzahl Rückschlüsse auf die Körpergröße zu.
Wissenschaftler:innen der chinesischen Jilin-Universität haben in einer sogenannten genomweiten Assoziationsstudie (GWAS) die genetischen Varianten im Zusammehang mit der Zitzenzahl bei 300 Jishen-Schwarz-Sauen untersucht. Neben der Gesamtzahl der Zitzen analysierten die Forschenden auch die Anzahl auf der linken und rechten Körperseite.
Die Wissenschaftler:innen identifizierten elf genetische Marker (sogenannte SNPs), die mit der Zitzenzahl in Zusammenhang standen. Solche Marker definieren Stellen im Erbgut, an denen sich Tiere derselben Art durch einen einzelnen DNA-Baustein unterscheiden. Zudem grenzten sie fünf Gene als mögliche Kandidatengene ein. Eine Variante eines solchen Gens war dabei sowohl mit der Gesamtzahl der Zitzen als auch mit der Zitzenzahl auf der linken Körperseite verbunden. Die Studie liefert damit einen möglichen Ansatzpunkt für die Zucht auf reproduktionsrelevante Merkmale. Die Autoren erklären, dass weitere Untersuchungen mit größeren Populationen und über mehrere Rassen hinweg nötig seien, um die gefundenen Zusammenhänge zu bestätigen.
Agrarheute
Tierschutzbeirat Niedersachsen feiert 35-jähriges Jubiläum
Seit 35 Jahren steht der Tierschutzbeirat des Landes Niedersachsen der Landesregierung beratend zur Seite. Während seiner langjährigen Tätigkeit hat der Beirat den Tierschutz in dem Bundesland maßgeblich verbessert, unter anderem bei der Haltung landwirtschaftlicher Nutztiere oder bei grundsätzlichen Fragen im Tierschutzrecht. Viele Empfehlungen und Positionen des Gremiums sind dabei über die Jahre zu wichtigen Impulsen für die tierschutzpolitische Arbeit in Niedersachsen geworden.
„35 Jahre Tierschutzbeirat stehen für 35 Jahre fachliche Kompetenz, ehrenamtliches Engagement und den gemeinsamen Einsatz für das Wohl der Tiere. Der Beirat ist ein wichtiges Bindeglied zwischen Praxis, unterschiedlichsten Verbänden, Wissenschaft und Politik. Heute sind Dialogformate ein beliebtes Instrument der niedersächsischen Landesregierung, aber vor 35 Jahren war es etwas Besonderes, ein solches Gremium einzurichten. Seine Arbeit zeigt: Guter Tierschutz braucht den Dialog, aber auch den Mut, Veränderungen anzustoßen. Dafür danke ich allen Mitgliedern, die sich über viele Jahre mit großer Sachkenntnis und Leidenschaft eingebracht haben“, betonte Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten.
„Jahrzehnte-andauernden Tätigkeit des Tierschutzbeirats werden gleichzeitig auch konstruktive Auseinandersetzungen darüber geführt, wie wir das Leben von Tieren besser schützen und verbessern können. Besonders wertvoll ist, dass im Beirat unterschiedliche Sichtweisen zusammenkommen. Tierschutz lebt vom fachlichen Austausch und davon, dass auch schwierige Fragen offen diskutiert werden“, erklärt die Landestierschutzbeauftragte Dr. Julia Pfeiffer-Schlichting.
Am 3. und 4. September 2026 findet die traditionelle Hybrid-Tagung Aktuelle Probleme des Tierschutzes statt. Eine Anmeldung für das zweitägige Online-Seminar auf Myvetlearn.de ist auch jetzt noch möglich.
Ministerium Niedersachsen
Neuer Sammelband zum Kamel im Zusammenhang mit One-Health
Angesichts von zunehmenden Dürrezeiten gewinnen Kamele immer mehr an Bedeutung. Anders als Nutztiere wie Schafe und Rinder können Kamele wochenlang ohne Wasser auskommen und fressen auch verdorrte Pflanzen. Aber auch in Hinblick auf den One-Health-Ansatz können die robusten und anpassungsfähigen Tiere Gesundheit, Ernährung und Klima verbinden. Das wird in einem neuen Sammelband verdeutlicht. Dieser Band thematisiert neben Zoonosen-Prävention und Tiergesundheit auch die nachhaltige Milch- und Fleischproduktion, Naturschutz und biomedizinische Anwendungen.
Gemeinsam mit einem internationalen Forschungsteam zeigt Mitherausgeberin Pamela Burger vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI), wie Kamele in Trockengebieten Leben sichern können und wie die Bedeutung der Tiere im Zusammenhang mit One-Health stetig wächst. Die Wissenschaftler:innen legen dar, wie sehr Kamele zur Gesundheit von Gemeinschaften, zur Nachhaltigkeit von Lebensmittelsystemen und zur Resilienz gegenüber dem Klimawandel beitragen.
Als Open-Access-Publikation macht der Band aktuelle Erkenntnisse zu Kamelgesundheit, Produktivität und ökologischem Einfluss breit zugänglich – und zeigt, warum Kamele für nachhaltige Entwicklung und die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt zentral sind.
Eine neue dreiteilige Online-Seminar-Reihe auf Myvetlearn.de befasst sich mit Neuweltkamelen im Notdienst. Tierärzt:innen können sich ab dem 15. Oktober 2026 zu dem Thema online fortbilden.
Vetmeduni Wien
Neue Technik könnte Ackerbau auf Sand möglich machen
Bestimmte Bakterien und Pilze könnten helfen, dass auch Regionen mit sehr sandigen Böden für den Anbau von landwirtschaftlichen Kulturpflanzen genutzt werden können. Forschende der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) und der Universität Abu Dhabi haben in einer aktuellen Studie aus sogenannten Biopolymeren mikrobielle Netzwerke, eine Art natürlichen Verbundwerkstoff, hergestellt, die Wüstensand stabilisieren und diesen widerstandsfähiger gegen Erosion machen. Zudem lassen die den Sand durchziehenden Biopolymer-Fasern Wasser bis zu sechsmal langsamer durchsickern als normaler Sand, so die Wissenschaftler:innen.
Dieser Schritt könnte das Wachstum von anderen Mikroorganismen und Pflanzen in solchen Böden ermöglichen, hoffen die Wissenschaftler:innen. Der Einsatz solcher Mikroorganismen sei keine Science-Fiction, so die Forschenden. Als nächstes müssten die Biopolymeren in kontrollierten Feldstudien oder in Gewächshäusern eingesetzt werden, um zu sehen, welchen Einfluss sie auf das Wachstum von Pflanzen haben und wie groß das Potenzial der Technologie für die Landwirtschaft ist.
Schweizerbauer
Baden-Württemberg sagt Weidetierhaltenden finanzielle Unterstützung zu
Viele Wochen mit extrem hohen Temperaturen und wenig Niederschlägen haben in zahlreichen Region Deutschlands zu ausgetrockneten Weiden und Wiesen geführt. Teilweise mussten Reserven bereits jetzt an die Tiere verfüttert werden. In manchen Betrieben sind die Futterbestände so stark eingebrochen, dass Landwirt:innen erste Tiere notschlachten mussten.
Um die Tierhalter:innen finanziell zu unterstützen, stellt das Agrarministerium Baden-Württemberg bis zu fünf Millionen Euro zur Verfügung. Halter:innen von Rindern, Schafe und Ziegen haben so die Möglichkeit, auf einen finanziellen Teilausgleich von Schäden zu erhalten, die unmittelbar infolge der Hitze und Trockenheit an Futterflächen verursacht wurden.
„Im ganzen Land sind Wiesen und Weiden ausgetrocknet und auf den Grünlandflächen wächst kaum noch etwas nach. Silomais ist zum Teil großflächig vertrocknet oder gänzlich ausgefallen“, erklärt Agrarministerin Marion Gentges. „Sofern ergiebiger Regen ausbleibt und in den verbleibenden Vegetationsmonaten nichts nachwächst, stehen wir folglich erst am Anfang einer großen Herausforderung“, so Gentges weiter.
Proplanta
Projekt macht Dimensionen von Animal Hoarding deutlich
Das Animal Hoarding hat in Deutschland problematische Ausmaße angenommen. Das machen die Ergebnisse eine aktuellen Forschungsprojekts deutlich. Gemeinsam mit dem Bundesverband der beamteten Tierärzte (BbT), der Forschungsgruppe Mensch-Tier-Beziehung der TU Dresden und dem Verein TierSucht hat der Deutsche Tierschutzbund dieses interdisziplinäre Projekt durchgeführt und damit erstmals verlässliche, bundesweite Zahlen veröffentlicht.
Gemäß aktueller Informationen der beteiligten Veterinärbehörden wurde im Jahr 2023 durchschnittlich ein Fall von Animal Hoarding pro Tag mit 47,5 Tieren pro Fall gemeldet. Dabei waren drei Viertel der Hoarder den Behörden bereits bekannt, davon über ein Viertel durch frühere Fälle von Tiersammelsucht.
„Das Forschungsprojekt macht die tatsächlichen Dimensionen von Animal Hoarding deutlich und zeigt, dass wir das Problem an der Wurzel angehen müssen. Auch, wenn die Beschlagnahmung der Tiere akutes Tierleid beendet, beginnt der Kreislauf immer wieder von vorn, wenn betroffene Menschen keine passende Unterstützung erhalten. Genau deshalb brauchen wir jetzt ein Umdenken in Politik und Praxis“, sagt Nina Brakebusch, Leiterin des Forschungsprojekts beim Deutschen Tierschutzbund.
Die Zahlen verdeutlichen, dass Animal Hoarding weiterhin ein gravierendes Tierschutzproblem bleibt, und dass von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist. So sollen im Rahmen des Forschungsprojekts auch die psychologischen und biografischen Ursachen untersucht werden. Ziel ist es, Präventionsmaßnahmen und Leitlinien für Veterinärbehörden, Sozialarbeit und weitere beteiligte Berufsgruppen zu entwickeln.
Deutscher Tierschutzbund
ASP erfordert dauerhaftes und pragmatisches Seuchenmanagement
Auch wenn sich das Seuchengeschehen bei der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Deutschland etwas beruhigt hat, bleibt die ASP eine langfristige Herausforderung. Das verdeutlichen neben mehr als 500 positiv getesteten Wildschweinen in diesem Jahr in Nordrhein-Westfalen auch neue Funde in Brandenburg. Ende Juli 2026 wurde die ASP bei einem tot aufgefundenen Wildschwein in der Uckermark bestätigt. Bei weiteren fünf Tieren besteht ebenfalls der Verdacht auf eine Infektion.
Aufgrund der aktuellen Funde hat die Kreisverwaltung Uckermark die Tierseuchenallgemeinverfügung geändert. Demnach gelten nun für weitere Teilgebiete der bisherigen Sperrzone II verschärfte Maßnahmen. So gilt für die landwirtschaftlichen Flächen innerhalb des Bereiches ein Bewirtschaftungsverbot und das Jagdverbot wird auf das neue Gesamtgebiet ausgedehnt. Hunde sind unbedingt an der Leine zu führen und die Tore des Schutzzauns zu schließen, teilt der Landkreis auf seiner Internetseite mit.
Weiterhin appellieren die Behörden an die landwirtschaftlichen Betriebe, Biosicherheitsmaßnahmen konsequent einzuhalten. Bis zu der möglichen Einführung eines Impfstoffs blieben Prävention und ein schnelles Eingreifen die wirksamsten Mittel. Wie der Umgang mit der Geflügelpest zeigt, wird auch bei der ASP ein dauerhaftes und pragmatisches Seuchenmanagement erforderlich sein.
Auf Myvetlearn.de können sich Tierärztinnen und Tierärztinnen in der neunteiligen E-Learningreihe „Biosicherheit in der tierärztlichen Bestandsbetreuung“ online fortbilden. Kurs 4 befasst sich mit der Betreuung von Schweinebeständen.
Landkreis Uckermark
BRS
20.000 Arztbehandlungen in Österreich wegen Lyme-Borreliose
Mit dem Klimawandel und den dami einhergehenden ganzjährig höheren Temperaturen nimmt auch die aktive Zeit der Zecken zu. Neben der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen die Spinnentiere u.a. auch die Borreliose (Lyme-Krankheit), die am häufigsten in Europa auftritt. Laut einer aktuellen Studie von Pfizer Austria müssen jedes Jahr allein in Österreich geschätzt 20.000 Menschen aufgrund einer Lyme-Borreliose medizinisch behandelt werden, rund 900 davon im Krankenhaus. Kinder und ältere Menschen waren am häufigsten betroffen.
„Da die Erkrankung keiner Meldepflicht unterliegt, fehlten bisher belastbare epidemiologische Daten. Unsere Studie schließt nun diese Wissenslücke“, sagt Martin Zurl von Pfizer Austria und Mitautor der Studie.
Auch in Deutschland erkrankten im Jahr 2024 mehrere Tausend Menschen an der Borreliose. Das statistische Bundesamt Destatis bezifferte die Zahl der Krankenhausbehandlungen mit rund 4.830, bei 15 von ihnen verlief die Erkrankung letal.
Im Unterschied zu der durch Viren verursachte FSME kann die Lyme-Borreliose verschiedene Organe befallen, allem voran die Haut. Ein typischer Hinweis auf eine Erkrankung ist ein ringförmiger, roter Hautausschlag, der nach 3–30 Tagen, meist an der Einstichstelle auftritt. Symptome wie Fieber, Müdigkeit sowie Kopf- und Gelenksschmerzen können zusätzlich auftreten. Unbehandelt kann sich die Infektion auf Gelenke, das Herz und das Nervensystem ausbreiten, wodurch es zu langanhaltenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen kann.
Borrelien können auch bei Tieren, vor allem beim Hund zu gesundheitlichen Problemen wie wechselnde Lahmheiten, Gelenksentzündungen und Fieber führen. Betroffene Hunde müssen unbedingt beim Tierarzt vorgestellt und antibiotisch versorgt werden. Um solchen vector borne disease vorzubeugen, sollten die Tiere das ganze Jahr hinweg durch ein geeignetes Präparat gegen Zecken geschützt werden.
OTS
FLI rechnet mit weiterer Ausbreitung des Shamonda-Virus
Anfang August 2026 ist in Deutschland erstmals das Orthobunyavirus nachgewiesen worden. Diese neu eingeschleppte europäische Variante des Shamonda-Virus wird durch blutsaugende Gnitzen übertragen und verursacht ähnliche Symptome wie das Schmallenberg-Virus, das hierzulande vor rund 15 Jahren erstmalig festgestellt wurde.
Nach Informationen des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) breitet sich das Shamonda-Virus weiter bei Rindern von Süddeutschland aus. Inzwischen gab es Nachweise in Rheinland-Pfalz und Hessen. Wie das FLI mitteilt, scheint es sich diesem Virus um das gleiche zu handeln, das kürzlich auch in der Schweiz und Frankreich aufgetreten ist.
Noch sei der Zeitpunkt der Einschleppung des Erregers nach Europa ungeklärt, so das Institut. Aktuell laufen die Untersuchungen dazu noch. Das FLI geht jedoch von einer weiteren Ausbreitung aus. So seien den Veterinärlaboren der Bundesländer bereits Testprotokolle für die Diagnostik zur Verfügung gestellt worden, um Erstuntersuchungen von Verdachtsfällen in den dafür zuständigen Landeslaboren zu beschleunigen.
FLI
Baden-Württemberg erhöht Zuschuss für Nestentfernungen der Asiatischen Hornisse
Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) breitet sich seit mehreren Jahren in Deutschland aus. Inzwischen hat sich die invasive Art in mehreren Bundesländer angesiedelt und gilt dort bereits als etablierte Art. Problematisch sind die Hornissen für Bienenvölker, da diese besonders im Spätsommer gezielt Honigbienen jagen und dadurch komplette Bienenvölker schwächen können.
Baden-Württemberg plant, stärker gegen die Ausbreitung vorzugehen und hat die Erhöhung der Förderung bei Nestentfernungen beschlossen. Damit möchte das Land auch im Herbst den Anreiz für die Nestentfernung hoch halten. Während der Zuschuss bis einschließlich August 60 Euro je entferntem Nest beträgt, wird die Pauschale ab September auf 200 Euro erhöht. So sollen auch die sogenannten Sekundärnester, die meist schwer zugänglich sind, entfernt werden.
„Die Asiatische Hornisse ist eine invasive Art, die für die Imkerei, den Obst- und Weinbau zunehmend zur Gefahr wird. Die weitere Verbreitung müssen wir deshalb so weit wie möglich eindämmen. Entscheidend dafür ist die konsequente und möglichst frühzeitige Entfernung ihrer Nester. Deshalb passen wir die Förderpauschale für die Nestentfernung an und weiten die Förderung jetzt auch auf die Sekundärnester aus“, erklärt Sarah Schweizer, Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat. Die Bezuschussung der Entnahme von Nestern richtet sich an qualifizierte und bei der Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim registrierte Nestentferner:innen oder Schädlingsbekämpfer:innen.
Ministerium Baden-Württemberg
Strukturwandel in der Schweinehaltung setzt sich fort
Die Schweinehaltung in Deutschland befindet sich seit langem in einer Krise. Laut Angaben des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) ist ein kontinuierlicher Rückgang der Schweine haltenden Betriebe zu beobachten, der sich schon seit Jahrzehnten hinzieht. Demnach sank die Zahl der Betriebe in den vergangenen 15 Jahren um mehr als die Hälfte auf derzeit 14.700 Betriebe in Deutschland. Gleichzeitig ist die Bestandszahl pro Betrieb seit 2011 um knapp 70 Prozent gestiegen.
Vor 15 Jahren lag der Durchschnitt noch bei 844 Tieren, aktuell leben durchschnittlich rund 1.400 Tiere in einem Betrieb. Durch die Spezialisierung in der Schweinehaltung geht die Zahl der kleinen Betriebe zurück und Betriebe mit über 1.000 Schweinen werden zum Standard.
Niedersachsen ist das Land mit den meisten Schweinen (6,8 Mio. Tiere), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (5,9 Mio.) und Bayern (2,4 Mio.). Weiterführende Statistiken rund um die Schweinehaltung sind auf der Internetseite des BMLEH zu finden.
BMEL-Statistik
Erster Tollwutnachweis bei Fledermaus seit 2010
Erstmals seit 16 Jahren ist bei einer Fledermaus in Rheinland-Pfalz die Tollwut nachgewiesen worden. Wie das Landesuntersuchungsamt mitteilt, gibt es aber lediglich ein sehr geringes Infektionsrisiko, da in der Regel kein Kontakt zu den scheuen und nachtaktiven Fledermäusen besteht. Nur bei einem direkten Kontakt mit einem infizierten Tier, wie etwa durch Kratz- oder Bissverletzungen, sei eine Ansteckung möglich.
Wer Fledermäuse nicht anfasst und gebotenen Abstand hält, habe praktisch kein Ansteckungsrisiko, so das Landesuntersuchungsamt. Grundsätzlich sei der aktuelle Tollwut-Nachweis nicht außergewöhnlich, da eine Infektion immer wieder in Deutschland beobachtet werde.
So wird empfohlen, geschwächte, verletzte, scheinbar tote oder sich auffällig verhaltende Fledermäuse niemals ungeschützt angefasst und aufgenommen werden sollten. Da das Risko einer Einschleppung durch illegale Tiertransporte bestehe, sollten Halter:innen ihre Hunde und Katzen gegen Tollwut impfen lassen. Eine Infektion mit dem Virus endet immer letal.
Proplanta
Verbot von Lebendtiertransporten gefordert
Der Sommer hält ganz Deutschland mit Extremtemperaturen und einem dramatischen Mangel an Niederschlägen in Atem. Die wichtigsten Flüsse hierzulande weisen ein fast historisches Niedrigwasser auf, sodass der Transport zunehmende auf die Straße verlagert werden muss.
Der Deutsche Tierschutzbund macht in diesem Zusammenhang die drohenden Gefahren für Tiere auf Transporten deutlich und fordert Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer und Bundesverkehrsminister Steffen Bilger deshalb auf, während der Hitzeperiode umgehend ein bundesweites Verbot von Lebendtiertransporten zu verhängen.
„Tiertransporte sind insbesondere bei Hitze für Rinder, Schweine, Schafe und Geflügel purer Stress. Kommt durch die Verlagerung des Güterverkehrs von den Wasserwegen auf die Straße noch mehr Verkehr hinzu, drohen zunehmende Staus. Für die Tiere auf Transportern kann das zu einer Tortur werden, die mit dem Tod endet. An den Autobahnen gibt es keine ausreichende Versorgung, wenn beladene Tiertransporter stundenlang feststecken. Minister Rainer und Minister Bilger sind deshalb gefordert, sofort zu handeln und Lebendtiertransporte während der extremen Hitze zu untersagen“, erklärt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.
In dem Fall, dass Transporte nicht vermeidbar seien, müssten diese gut geplant und so kurz wie möglich gehalten werden, so der Tierschutzbund weiter. Neben einer Verlagerung der Fahrten auf Morgen- oder Abendstunden fordern die Tierschützer:innen eine Reduzierung der Ladedichte sowie den Einsatz von Fahrzeugen mit aktiver Kühlung. Zudem sei eine ausreichende Wasserversorgung der Tiere jederzeit sicherzustellen.
„Die aktuellen Regelungen sind unzureichend und können Tiere auf Transporten nicht sicher schützen. Hitzestress kann bei landwirtschaftlich genutzten Tieren bereits bei deutlich niedrigeren Temperaturen und auch auf kürzeren Strecken zum ernsten Problem werden – insbesondere, wenn die Fahrt durch einen Stau deutlich länger dauert als geplant. Direkte Sonneneinstrahlung und mangelnde Luftbewegung können die Belastung zusätzlich enorm verstärken“, kritisiert Schröder.
Der Tierschutzverein Vier Pfoten ermuntert zudem auch Passanten dazu, bei beobachteten Missständen auf Tiertransporten oder bei Pannenfahrzeugen sowie verlassenen Tiertransportern die Polizei oder ggf. auch die Autobahnpolizei zu benachrichtigen. Sie sind verpflichtet, dem nachzugehen. Außerdem sollten die beobachteten Missstände per Foto und Video dokumentiert und an das zuständige Veterinäramt weitergeleitet werden.
Deutscher Tierschutzbund
Französisches Gericht weist Beschwerde gegen LSD-Impfpflicht ab
Seit Ende Juni vergangenen Jahres sind mehrere Ausbrüche der Lumpy-Skin-Disease (LSD) in Frankreich aufgetreten. In den betroffenen Regionen Auvergne-Rhône-Alpes Savoie und Haut-Savoie wurden daraufhin Schutz- und Überwachungszonen eingerichtet, die auch das Schweizer Kanton Genf miteingeschlossen haben.
Um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden, hat die französische Regierung in den Risikoregionen und definierten Sperrzonen eine verpflichtende Impfung angeordnet. Gegen diese haben verschiedene Impfgegner, darunter der Kleinverband Verte France, Klage eingereicht. Der französische Staatsrat hat als das oberste Verwaltungsgericht Frankreichs nun mehrere Beschwerden abgewiesen. So stehen der Fortführung der Impfkampagne und weiterer angeordneter Schutzmaßnahmen nichts mehr im Weg.
Verte France hatte in seiner Beschwerde angeführt, dass Eigentumsrechte und Unternehmensfreiheit dadurch eingeschränkt würden. Ebenfalls nicht stattgegeben hat das Gericht zudem mehreren Beschwerden nach behördlichen Anordnungen gegen impfunwillige Betriebe, wie ein Verbot von Viehtransporten.
Der Kleinverband war in der Vergangenheit bereits mit dem Versuch gescheitert, die Impfkampagne zur Bekämpfung der LSD vom Staatsrat stoppen zu lassen. Im Umfeld des Verbandes haben sich mittlerweile die impfkritischen Rinderhalter:innen organisiert und das „Collectif Libre“ gegründet, dem sich etwa tausend Unterstützer:innen angeschlossen haben. Das Kollektiv hat zudem eine Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) eingelegt.
Die LSD ist eine anzeigepflichtige Virusseuche, die Rinder und Wasserbüffel betrifft. Sie wird hauptsächlich durch blutsaugende Insekten übertragen und verursacht schwere wirtschaftliche Schäden. Die erkrankten Tiere zeigen Symptome wie schmerzhafte Knoten am ganzen Körper sowie hohes Fieber und starken Tränen- und Nasenausfluss.
Schweizerbauer
Tierseucheninfo Niedersachsen
Umfrage zur tiermedizinischen Ausbildung mit Schwerpunkt One Health
Mit einer globalen Online-Umfrage zu One Health und Planetary Health möchte die Weltvereinigung für Veterinärmedizin (World Veterinary Association, WVA) herausfinden, wie weltweit die Konzepte in Studium und Ausbildung der Gesundheitsberufe verankert sind und wie die notwendigen Kompetenzen vermittelt werden. Denn noch fehlen messbare Belege dafür, wie effektiv diese in die Aus- und Weiterbildung verschiedener Disziplinen und Länder integriert werden. Ziel dieser Umfrage ist ein besseres Verständnis, wie One Health und Planetary Health gelehrt, verstanden und in der Praxis angewendet werden.
Studierende und Fachkräfte aus verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens sind eingeladen, an der Umfrage teilzunehmen. Die Ergebnisse der Studie tragen dazu bei, evidenzbasierte Empfehlungen zu entwickeln, die mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen übereinstimmen. Ziel ist es, die interdisziplinäre Ausbildung zu stärken, die Qualifizierung der Fachkräfte im Gesundheitswesen zu verbessern, die Widerstandsfähigkeit von Klima und Ökosystemen zu fördern und die globale Gesundheitssicherheit weltweit zu verbessern. Jede Antwort hilft dabei, die erste globale Basiserhebung zur Integration von „One Health“ und „Planetary Health“ in den Gesundheitsberufen zu erstellen.
Die Teilnahme an der Umfrage dauert etwa 10 Minuten. Machen Sie mit und unterstützen Sie so die Weiterentwicklung der Ausbildung und des Studiums im Sinne des One Health-Gedankens!
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Warnsignale für Schmerzen bei Kühen erkennen
Ob Kühe Schmerzen haben, ist für Tierhalter:innen nicht leicht erkennbar. Die Tiere verändern meist trotz Beschwerden ihr Fressverhalten nicht oder machen sich durch Lautäußerungen bemerkbar. Rinerhalter:innen können jedoch anhand von Veränderungen an Beinen, Rücken, Gesicht oder im Verhalten erkennen, dass eine Kuh Beschwerden hat. Bei solchen Anzeichen sollten die Tiere genauer beobachtet werden, ein gesundheitliches Problem könnte bestehen, insbesondere wenn mehrere Auffälligkeiten zusammenkommen.
Belastet etwa eine Kuh ihre Gliedmaßen ungleichmäßig, könnte eine Lahmheit vorliegen. Dies zeigt sich dann in der Bewegung. Probleme an den Klauen äußern sich häufig in dem Versuch, die schmerzenden Bereiche zu entlasten. Ein gewölbter Rücken kann auf Schmerzen im Bauch- oder Beckenbereich bzw. an den Klauen oder Gliedmaßen hinweisen. Ein Hinweis auf starke Schmerzen ist ein hörbares Zähneknirschen. Ein solches Verhalten sollte deshalb zeitnah tierärztlich abgeklärt werden.
Kühe mit Schmerzen zeigen teilweise auch ein „Schmerzgesicht“. Die Augen können verengt oder eingesunken wirken, am Oberlid kann es zu Falten kommen. Hängende oder nach hinten gerichtete Ohren sowie eine Anspannung rund um Maul und Nüstern kann ebenfalls ein Zeichen für Schmerzen sein.
Weitere durch Schmerzen getriggerte Verhaltensauffälligkeiten sind eine Kopftiefhaltung, Unaufmerksamkeit, Apathie und ein leerer Blick. Manche Tiere ziehen sich außerdem von der Herde zurück. Auch ein verändertes Fress- und Trinkverhalten sowie ein gedämpftes Brunstverhalten kann ein Hinweis sein.
Agrarheute
Antiparasitikum verändert Zusammenspiel zwischen Pflanze und Insekt
Damit Weidetiere gesund bleiben und vor Parasiten geschützt sind, verabreichen Landwirt:innen ihren Tieren Wurmmittel. Diese Antiparasitika haben jedoch einen vielfältigen Einfluss auf die Umwelt. Unter anderem wird das Keimungsverhalten von Samen verändert oder die Überlebensraten von Käfer- und Fliegenlarven verringert.
Nun haben Forschende der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und der Universität Trier in einer Studie belegen können, dass ganze ökologische Beziehungsgefüge verändert werden. Die Wissenschaftler:innen haben den Einfluss des von Landwirt*innen häufig eingesetzten Präparates Cydectin® analysiert und die Effekte auf das Zusammenspiel mehrerer Arten unter die Lupe genommen.Der enthaltene Wirkstoff Moxidectin gehört zur Gruppe der makrozyklischen Laktone (Antiparasitika mit Langzeitwirkung). Da dieser im Körper der behandelten Tiere kaum abgebaut wird, gelangt der Wirkstoff deshalb zu großen Teilen über den Kot in den Boden. Die Forschenden konnten in Modellversuchen nachweisen, dass dadurch einerseits Pflanzen weniger Früchte bilden, andererseits sich Blattläuse zehnmal stärker vermehren können.
„Wir waren überrascht, wie weitreichend ein einzelnes Präparat das Zusammenspiel zwischen Pflanze und Insekt verändern kann“, sagt Dr. Andrés García, Erstautor der Studie. „Das zeigt, dass wir bei der Bewertung von Tierarzneimitteln nicht nur einzelne Arten, sondern ganze ökologische Beziehungen im Blick behalten müssen.“
Weitere Studien sollen zeigen, welchen Anteil der Wirkstoff Moxidectin, die übrigen Inhaltsstoffe und deren Abbauprodukte an diesen Effekten haben und wie sie in der Nahrungskette weitergegeben werden.
Uni Kiel
Überlebenspaket für Schweinehalter:innen gefordert
Am heutigen Mittwoch (12.08.2026) hat Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer Vertreter:innen der Schweinebranche zu einem runden Tisch eingeladen. Hintergrund des „Schweinegipfels“ ist der zunehmende Kostendruck durch massive Preisrückgänge und die Verschlechterung der Exportbedingungen, die die Schweinehalter:innen teilweise an den Rand der Existenz bringen.
Mit diesem Hintergrund fordert der Deutsche Bauernverband (DBV) ein sofortiges „Überlebenspaket“ mit Liquiditätshilfen, die unbürokratisch bewilligt werden sollten. „Die Marktlage ist so prekär, dass es für viele Betriebe ums nackte Überleben geht“, erklärt DBV-Veredelungspräsident Hubertus Beringmeier.
In einem Papier führt der Verband einige kurzfristige und breit wirksame Maßnahmen an, wie etwa die Anpassung und Streckung von Umbaufristen für Stallanlagen, die Einführung einer verbindlichen Haltungs- und Herkunftskennzeichnung für die gesamte Wertschöpfungskette sowie ein nationales Sonder-Förderungsprogramm für die Sauenhaltung.
DBV
Keine Einschleppung neuer Tierseuchen in die Schweiz
Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen in der Schweiz (BLV) hat den Bericht zur Überwachung und Früherkennung von Tierseuchen 2025 vorgelegt. Daraus geht hervor, dass im vergangenen Jahr keine neuen Tierseuchen in die Alpenrepublik eingeschleppt worden sind. Grundsätzlich sei der Gesundheitszustand der Schweizer Nutztiere gut, heißt es von Seiten der Bundesbehörde weiter.
Um Tierbestände und die öffentliche Gesundheit im Land zu schützen, überwacht die Schweiz Tierseuchen nicht erst bei Krankheitsfällen oder konkretem Verdacht. Ergänzt wird die laufende Überwachung durch die Früherkennung. „Nur wenn Daten und Informationen rasch erfasst, untersucht und weitergegeben werden, können Tierseuchen früh erkannt und wirksam bekämpft werden“, betont das BLV.
Rund 377.000 Untersuchungen zu insgesamt 70 meldepflichtigen Tierseuchen und Zoonosen sind nach Angaben des BLV in 2025 im Rahmen der Überwachung in der ganzen Schweiz durchgeführt worden. Neben den im Land bereits auftretenden Tierseuchen, wie der Blauzungenkrankheit und der Moderhinke, wurde besonders die Lumpy-Skin-Krankheit (LSD) überwacht. Alle 456 untersuchten Proben waren jedoch negativ. Auch die nationalen Früherkennungsprogramme zur Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei Wildschweinen, zum Kleinen Beutenkäfer und zur Tuberkulose bei Rotwild haben keine Hinweise auf eine Einschleppung ins Land ergeben.
Da sich das reglement zum Melden von Tierseuchen geändert hat, finden Tierärzt:innen bei Myvetlearn.de eine Online-Fortbildung zur neuen Meldeverordnung. Am 14.9.2026 findet um 19:00 Uhr ein entsprechendes Live-Seminar kostenfrei statt, das aufgezeichnet wird, so dass die Fortbildung auch langfristig zur Verfügung steht.
BLV
Schweizerbauer
Tollwutfall: Papiere und Impfungen waren manipuliert
Jedes Jahr sterben weltweit etwa 60.000 Menschen an Tollwut. Annähernd 99 Prozent dieser Fälle gehen auf Bisse von streunenden oder infizierten Hunden zurück. Während in West-, Mittel- und Südwesteuropa die klassische Tollwut bei Füchsen oder Hunden ausgerottet ist, kommt das Rabiesvirus weiterhin weltweit in mehr als 150 Ländern vor. Aufgrund von konsequenten Impfprogrammen und strenger Überwachung gilt Deutschland seit 2008 als tollwutfrei.
Das Risiko der Tollwuteinschleppung ist jedoch weiterhin hoch, besonders durch illegale Einschleusung von Hunden meist aus osteuropäischen Ländern. So auch im Fall des im Januar 2026 an Tollwut gestorbenen Hundes. Der Vierbeiner soll nach offiziellem Impfpass gechipt und ordnungsgemäß gegen Tollwut geimpft gewesen sein. Wie das Unternehmen MSD Tiergesundheit aktuell mitteilt, waren sowohl die Papiere als auch die eingetragenen Impfungen manipuliert, um die illegalen Transporte zu tarnen. Das belegen Untersuchungen des forensischen Labors von MSD im schweizerischen Schachen, die eine eindeutige Fälschung nachweisen können.
„Gefälschte Impfnachweise stellen ein erhebliches Risiko für die Tiergesundheit und den Schutz der Bevölkerung dar“, erklärt Dr. F. Koithan, Amtstierarzt der Kreisverwaltung Rhein-Pfalz-Kreis, Verbraucherschutz- und Veterinärwesen. „Der aktuelle Fall zeigt, wie wichtig es ist, dass Impfungen korrekt durchgeführt und lückenlos dokumentiert werden. Nur so lassen sich Tiere wirksam schützen und eine mögliche Einschleppung der Tollwut verhindern.“
MSD
Trennungsbedingte Verhaltensauffälligkeiten bei Katzen
Katzen können Verhaltensstörungen entwickeln, wenn sie zu lange allein gelassen werden. Das zeigen neuere Studien, wie auch die Auswertung einer Fragenbogenstudie mit 130 Katzenbesitzer:innen im brasilianischen Juiz de Fora deutlich. Demnach leiden besonders Wohnungskatzen unter Einsamkeit, wenn sie regelmäßig längere Zeit allein zu Hause sind. Die Untersuchungen ergaben, dass mehr als jede zehnte Katze Auffälligkeiten zeigt, die auf Einsamkeit oder Trennungsangst zurückzuführen sein können. Zu den Verhaltensweisen gehören Aggressivität gegenüber Menschen und anderen Tieren im Haushalt, Unsauberkeit und Zerstörungswut. Besonders häufig treten diese Probleme auf, wenn Katzen zwischen fünf und sieben Tagen pro Woche jeweils mehr als sechs Stunden allein gelassen werden.
Brasilianische Forschenden konnten mit Hilfe eines Fragebogens die Verhaltensweisen und den psychischen Zustand im Zusammenhang mit Trennungsangst bei Katzen identifizieren. Obwohl der Fragebogen eine detaillierte Untersuchung jedes einzelnen Falls nicht ersetzen kann, könnte dieser als Ausgangspunkt für zukünftige Forschung zu Trennungsangst bei Katzen dienen und ein praktisches sowie effizientes Instrument darstellen, das Etholog:innen und Tierärzt:innen hilft, eine sicherere Erstdiagnose von Trennungsangst zu stellen.
Tierärzt:innen können sich mit den Online-Kursen Verhaltenstherapie auf Myvetlearn.de zu diesem Thema weiterbilden. Der Einstieg ist jederzeit möglich!
Das 10-teilige Modulreihe ist in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Tierverhaltensmedizin und -therapie und der DVG-Fachgruppe Verhaltensmedizin und Bissprävention entstanden.
Stern
BTK und bpt nehmen Stellung zum Eckpunktepapier des BMELH
Im vergangenen Monat hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat (BMELH) ein Eckpunktepapier zur Vereinfachung des nationalen Antibiotikaminimierungskonzeptes vorgelegt.
Dieses hat das Ziel, das nationale Antibiotikaminimierungskonzept durch das Tierarzneimittelgesetz (TAMG) zu entschlacken. Demnach sollen Nutztierhaltende von Bürokratie entlastet und die Zahl behördlicher Maßnahmenpläne landesweit um mehr als die Hälfte verringert werden.
In einer gemeinsamen Stellungnahme begrüßten die Bundestierärztekammer (BTK) und der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) Anpassungen, die zu einer sachgerechteren Differenzierung von Tierhaltungs- und Produktionssystemen beitragen. Diese bringen aus ihrer Sicht eine Reduzierung des teils unnötigen Dokumentations- und Verwaltungsaufwands mit sich.
Des Weiteren gehen die Verbände in ihrem Schreiben detailliert auf einzelne Punkte des Eckpunktepapiers ein. Die Stellungnahme kann hier nachgelesen werden.
Kostenfreies Kennenlern-Treffen bei Support4vetmed.de
Am kommenden Montag (10.08.2026) um 12.30 Uhr findet erneut ein Kennenlerntreffen für internationale Tierärzt:innen auf Support4vetmed.de (s4vm) statt.
Bei dem Online-Meeting stellen sich das Unternehmen Purina PetCare Deutschland und der Verbund Unabhängiger Kleintierkliniken e.V. (VUK) als potentielle Arbeitgeber vor. Außerdem wird das Netzwerk Integration durch Qualifizierung (IQ) über die verschiedenen Möglichkeiten als „Nicht-EU-Tierarzt/Tierärztin“ in Deutschland zu arbeiten referieren. Die Teilnehmenden erfahren bei dem Treffen, welche Voraussetzungen Tierärzt:innen aus dem Ausland erfüllen müssen, um auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, und wie sie am besten ans Ziel gelangen. Neben den Voraussetzungen wird auch auf die unterschiedlichen Visa eingegangen. Weiterhin gibt es Informationen über die Nutzung der Lernplattform Support4vetmed.de, die internationalen Tierärzt:innen bei der Anerkennung der Approbation helfen soll.
Um an dem Treffen teilnehmen zu können, ist eine vorherige Anmeldung erforderlich. Die Teilnahme an dem Zoom-Meeting ist kostenfrei.
Zur Anmeldung >>
Vorsicht beim Verbringen von Tieren aus dem Urlaubsland
Der August ist die Hauptreisezeit der Deutschen. Viele Menschen verbringen ihre Ferien in südeuropäischen Ländern. Das Institut für Verbraucherschutz und Veterinärwesen in Düsseldorf warnt aktuell vor der Einfuhr von Tieren aus diesen Ländern, denn Katzen und Hunde aus vielen europäischen Regionen können gefährliche Krankheiten einschleppen.
Das Mitleid mit den auf der Straße lebenden Vierbeinern führt nicht selten dazu, dass Urlauber:innen die Tiere über Organisationen vor Ort adoptieren oder diese als Flugpaten mit ins Heimatland nehmen. Nicht bedacht wird dabei jedoch in vielen Fällen, dass jedes nach Deutschland eingeführte Tier einen EU-Heimtierausweis benötigt, in dem neben Name und Anschrift der Tierhalterin bzw. des Tierhalters auch die individuelle Chip-Nummer und der Nachweis einer gültigen Tollwutimpfung vermerkt sein müssen. Fehlen diese Papiere, droht den Tieren eine langwierige Quarantäne, für die teils hohe Kosten entstehen, die die/der „Retter:in“ tragen muss. Zusätzlich wird in diesen Fällen ein Bußgeld fällig.
„Wer trotz der damit verbundenen Risiken unbedingt ein Tier aus dem Ausland mitbringen möchte, sollte sich vorher ausführlich informieren, ob alle Einreisebestimmungen definitiv erfüllt sind“, betont Klaus Meyer, Leiter des Düsseldorfer Instituts.
Diesen Rat sollten Urlauber auch beherzigen, wenn sie sich vor Ort als Flugpate für einen Vierbeiner anwerben lassen. Besonders diesen Tieren fehlen häufig die notwendigen Impfungen oder die dazugehörigen Papiere. Der Flugpate ist während des Transportes für das Tier verantwortlich und muss alle geltenden Einreisebestimmungen beachten.
Vor der Mitnahme eines Tieres sollten Reisende sich in jedem Fall – auch vom Urlaubsort aus – in Deutschland bei den zuständigen Veterinärämtern über die Organisation und die geltenden Einreisebestimmungen erkundigen. Meyer weist darauf hin, dass Hunde und Katzen hierzulande in zahlreichen Tierheimen und Auffangstationen dringend auf neue Besitzer:innen warten. „Sie sind bereits geimpft und gekennzeichnet und in der Regel auch kastriert“, betont der Institutsleiter. Weitere Fragen zum Thema Einreisebestimmungen beantwortet das Institut für Verbraucherschutz und Veterinärwesen unter der Telefonnummer 0211-8993242.
Institut für Verbraucherschutz und Veterinärwesen
Campylobacter immer häufiger resistent
Campylobacter-Bakterien entwickeln sich zunehmend zu einem Problem für Geflügelhaltende auf der ganzen Welt. Stämme des Erreger, die ursprünglich in Wildvogelpopulationen zirkulierten, konnten sich in den vergangenen Jahren in kommerziellen Geflügelbeständen ausbreiten. Das geht aus einer neuen Studie des Ineos Oxford Institute for Antimicrobial Research hervor. Demnach nehmen auch die Resistenzen der Campylobacter-Bakterien gegen Antibiotika zu. Wie die Forschenden erklären, können sich die Stämme an das Leben im Geflügel anpassen und dabei Eigenschaften entwickeln, die ihr Überleben unter widrigen Bedingungen sichern.
Nach Meinung der beteiligten Wissenschaftler:innen haben die ursprünglich von Wildvögeln stammenden Bakterienstämme dauerhaft in den weltweit massiv zugenommenen Geflügelbeständen ideale Bedingungen für die Ausbreitung und Vermischung des Bakteriums sowie für die Entwicklung neuer, das Überleben begünstigender Eigenschaften gefunden haben. Dabei können riesige, dicht gedrängte Hühnerbestände als ökologische „Erreger-Schwämme“ fungieren, die Bakterienstämme aus verschiedensten Quellen aufnehmen und vermehren.
Campylobacter ist weltweit die häufigste bakterielle Ursache für Durchfallerkrankungen. Die Behandlung solcher Infektionen wird durch die Zunahme der antimikrobiellen Resistenzen (AMR) erschwert.
„Die industrielle Tierhaltung hat einen der größten Lebensräume für Tiere auf unserem Planeten geschaffen. Unsere Ergebnisse liefern neue Belege dafür, dass vom Menschen verursachte Umweltveränderungen die Ausbreitung von Infektionskrankheiten begünstigen können“, erklären die Studienautor:innen. „Mit dem Wachstum der Hühnerbestände haben Bakterien, die zuvor weitgehend auf Wildvögel beschränkt waren, weitaus mehr Gelegenheiten erhalten, in Geflügelbestände einzudringen, sich dort auszubreiten und dauerhaft zu etablieren. Das Verständnis dieser evolutionären Folgen ist entscheidend, wenn wir künftige Risiken durch Zoonosen und antimikrobielle Resistenzen verringern wollen.“
Agrarheute
Pflanzenfresser sollen Landschaften widerstandfähiger gegen Waldbrände machen
Verheerende Waldbrände haben in zahlreichen europäischen Ländern für enorme Verwüstung gesorgt. Besonders schwere und teilweise unkontrollierbare Feuer haben in diesem Jahr in Frankreich und Spanien zu massenhaften Evakuierungen geführt. Aber auch Portugal, Griechenland, Zypern, Süditalien, die Türkei, die Ukraine und Teile Großbritanniens waren oder sind betroffen.
Nach Informationen des französischen Innenministers Laurent Nuñez haben die Brände seit Beginn des Jahres 119.000 Hektar Wald in seinem Land verwüstet. Weitgehend eingedämmt sind die Brände in den Regionen Madrid, Ávila und Toledo, wie auf dem Portal „Incendios España“ zu lesen ist. Demnach seien die meisten Evakuierungen und Ausgangsbeschränkungen in Spanien inzwischen aufgehoben.
Insgesamt haben die Waldbrände in Europa ein dramatisches Ausmaß erlangt. Die EU verfolgt daher einen neuen Ansatz gegen zukünftige Waldbrände. Neben einer feuerresistenten Vegetation und grünen Brandschneisen sollen Rinder, Pferde und Wisente als Brandschützer eingesetzt werden. Durch ihr Fressverhalten könnte neben der Reduzierung des Brandrisikos so auch die Artenvielfalt gefördert werden. Die Weidetiere halten die Vegetation kurz und verringern damit die Menge an leicht brennbarem Material, wodurch sich Brände langsamer ausbreiten können.
Während die Europäische Umweltagentur davon überzeugt ist, dass Wälder auf diesem Weg langfristig widerstandsfähiger gegen Feuer sein könnten, kritisieren Gegner, dass große Renaturierungsprojekte häufig ohne ausreichende Beteiligung der betroffenen ländlichen Bevölkerung umgesetzt würden.
Agrarheute
Handelsblatt
Neues Virus bei Rindern in Deutschland nachgewiesen
In Deutschland ist erstmals das Orthobunyavirus aus der Simbu-Serogruppe bei Rindern festgestellt worden. Der Nachweis erfolgte durch das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), nachdem mehrere Tiere in Süddeutschland klinische Symptome zeigten, die auf das Schmallenberg-Virus hinwiesen. Die Untersuchungen auf das Schmallenberg-Virus verliefen in der Folge jedoch negativ. Auch Infektionen mit dem Blauzungenvirus (BT) konnten ausgeschlossen werden.
Das neu nachgewiesene Orthobunyavirus wird durch blutsaugende Gnitzen übertragen und kommt vor allem in Afrika, Asien und Australien bei Wiederkäuern vor. Nach dem erstmals vor rund 15 Jahren nachgewiesenen Schmallenberg-Virus gibt es damit erneut gesicherte Hinweise auf die Einschleppung eines neuen Virus dieser Gruppe nach Deutschland.
Die vollständige Charakterisierung des Erregers soll in den kommenden Wochen erfolgen. Zudem arbeitet das FLI an der Anpassung und Entwicklung spezifischer diagnostischer Verfahren. Die Untersuchungen der kommenden Wochen werden zeigen, wie rasch sich das Virus ausbreitet, welche Tierarten besonders betroffen sind und mit welchen klinischen Folgen zu rechnen ist.
Die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Orthobunyaviren erfordere einen entsprechenden zeitlichen Vorlauf und setze umfangreiche Informationen über die klinische und insbesondere reproduktionsmedizinische Bedeutung des Erregers voraus, so Prof. Dr. Martin Beer, Vizepräsident des Friedrich-Loeffler-Instituts. Noch ließe sich auch nicht abschätzen, ob und in welchem Umfang Infektionen trächtiger Tiere zu Schädigungen der Feten führen können.
Da die Gnitzensaison in Deutschland noch bis Ende November andauern kann, müsse mit einer weiteren und möglicherweise schnellen Ausbreitung des Virus in empfänglichen Tierbeständen gerechnet werden, so das FLI abschließend.
FLI
Vetmeduni Wien erhält erneut EAEVE-Akkreditierung
Nach 2019 hat die Veterinärmedizinische Universität Wien wieder eine Voll-Akkreditierung von der European Association of Establishments for Veterinary Education (EAEVE) erhalten. Dieser ist ein umfassendes Qualitätssicherungsverfahren durch die EAEVE vorausgegangen, in dem unter anderem Curriculum, Infrastruktur, Studierendenbetreuung, Prüfungswesen und Forschung nacheuropäischen Richtlinien und nationalen gesetzlichen Vorgaben geprüft werden. Vor der Überprüfung erfolgten neben einer intensiven Vorbereitung und zwei erfolgreichen Probeaudits auch die Erstellung eines detaillierten Self-Evaluation-Reports.
„Für uns ist das Feedback der EAEVE nicht nur eine große Auszeichnung, sondern ein Ansporn, die Lehre an unserer Uni auch in Zukunft weiterzuentwickeln und unsere Ausbildungsqualität an höchsten Standards zu messen. Besonders erfreulich ist die klare Bestätigung der inhaltlichen Ausrichtung des Studiums: Das Curriculum verbindet Theorie, Simulation am Tiermodell und praktische Arbeit am lebenden Tier zu einem schlüssigen Gesamtkonzept“, erklärt Barbara Bockstahler, Vizerektorin für Lehre, Lehrinnovationen und klinische Angelegenheiten.
„Unsere vorklinische und klinische Ausbildung wurde als breit, anspruchsvoll und qualitativ sehr hochwertig bewertet. Auch die Organisation der Universität wurde ausdrücklich positiv hervorgehoben. Was mich besonders freut: Die offene, wertschätzende Zusammenarbeit zwischen Studierenden, Lehrenden und Support Staff wurde als große Stärke wahrgenommen“, ergänzt Rektor Matthias Gauly.
Vetmeduni Wien
Earth Overshoot Day: Ressourcenverbrauch dringend senken
Schon bevor der Juli 2026 zu Ende geht, hat die Welt die natürlichen Ressourcen, die die Erde innerhalb eines Jahres erneuern kann, aufgebraucht. Denn der gobale Erdüberlastungstag (Earth Overshoot Day) fällt in diesem Jahr auf den 30. Juli. Rein rechnerisch heißt das, dass 1,73 Erden nötig wären, um den aktuellen weltweiten Verbrauch zu decken. Für die verbleibenden fünf Monate lebt die Menschheit über ihre ökologischen Verhältnisse. Dieser Trend hält seit dem Jahr 1970 an, seit mehr als 55 Jahren übersteigt der jährliche Verbrauch die global zur Verfügung stehenden Ressourcen.
„Tatsächlich wächst die Lücke zwischen dem hohen Ressourcenverbrauch der Menschheit und der Regenerationsfähigkeit der Erde weiter“, sagt Björn Schulz, Experte für Kreislaufwirtschaft beim WWF Deutschland. „Das könnte sich jedoch ändern. Viele Menschen sind bereit, ressourcenschonender zu leben – wenn die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen.“ „Der Earth Overshoot Day macht deutlich, wie groß der Handlungsbedarf ist. Um den Ressourcenverbrauch zu senken, kommt es jetzt darauf an, die notwendigen politischen Weichen zu stellen. Dafür brauchen wir einen entschlossenen Ausstieg aus fossilen Energien und eine konsequente Priorisierung von zirkulären Geschäftsmodellen“, so Schulz abschließend.
WWF Deutschland
Forschende entdecken übertragbare Krebsart bei Welsen
Im Lake Memphremagog, einem ca. 95–102 km² großen See, der sich über Vermont (USA) und Quebec (Kanada) erstreckt, sind annähernd ein Drittel der dort lebenden Katzenwelse (Ameiurus nebulosus) an schwarzem Hautkrebs erkrankt. Forschende der University of Vermont sind in einer Studie der Ursache nachgegangen und haben Genom der Katzenwelse und ihrer Tumore analysiert. Sie konnten belegen, dass der Krebs von Fisch zu Fisch übertragen wird und nicht aus den körpereigenen Zellen der jeweiligen Fische entstanden sind. Die Melanome scheinen sich wie ein Parasit auszubreiten. „Hunderttausende genetischer Varianten kommen in den Tumorproben gemeinsam vor, fehlen jedoch bei den Wirtsfischen, was das bei herkömmlichen Krebsarten beobachtete Ausmaß bei weitem übersteigt“, berichtet das Team.
Da vor allem größere, ältere Welse im Laichalter von den Tumoren betroffen sind, könnte ein möglicher Ansteckungsweg durch gegenseitiges Berührungen beim Laichen sein, so die Forschenden. Auch könnten sich Krebszellen im Sediment des Sees befinden und so die am Grund lebenden Welse bei Kontakt infizieren. Die Wissenschaftler:innen vermuten ebenfalls einen Zusammenhang zwischen hohen Arsenkonzentrationen im Boden rings um den Lake Memphremagog sowie benachbarten Seen und den erkrankten Fischen. Denn auch in den Tumorzellen fanden die Forschenden erhöhte Arsenwerte. Untersuchungen zu dem genauen Ursprung laufen noch.
„Es könnte sein, dass übertragbare Krebserkrankungen gar nicht so selten sind wie gedacht. Möglicherweise sehen wir viele Fälle einfach nicht, weil wir nicht danach suchen“, erklärt die an der Studie beteiligte US-Wissenschaftlerin Julie Dragon. Diese Forschungslücke möchte die Forscherin mit ihrem Team in Zukunft füllen – und damit auch Einblicke in die Krebsbiologie gewinnen. „Indem wir untersuchen, wie Krebserkrankungen außerhalb ihres ursprünglichen Wirts überleben und sich ausbreiten, können wir viel darüber lernen, was Krebserkrankungen in Schach hält – und was passiert, wenn diese Grenzen zusammenbrechen“, so Dragon. „Diese Fische bieten die Gelegenheit, die Evolution von Krebs zu erforschen.“
Wissenschaft.de
Forschende finden neuen Ansatz gegen antibiotikaresistente Bakterien
Antibiotikaresistenzen nehmen weltweit zu. Um diese zu bekämpfen, sind Forschende auf der Suche nach neuen Wirkstoffen, die an Angriffspunkten ansetzen, die von bisherigen Antibiotika noch nicht genutzt werden.
Nun ist es einem Forschungsteam am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) in zwei Studien gelungen, eine Reihe synthetischer Wirkstoffkandidaten zu entwickeln, die ein essenzielles molekulares Versorgungssystem blockieren und damit die lebenswichtige Vitaminversorgung der Bakterien unterbrechen. Das führt dazu, dass die Erreger aushungern und dadurch keine Infektionen auslösen können.
Der an dem HIPS entwickelte Wirkstoffkandidat hemmt die sogenannten Energy-Coupling-Factor-Transporter (ECF-Transporter), die die benötigten Vitamine aktiv und effizient aus der Umgebung in die Zelle einschleusen. In einer Studie konnten die Forschenden nbelegen, dass Bakterien, bei denen die Transportergene stillgelegt waren, deutlich empfindlicher auf die experimentellen Substanzen reagierten. „ECF-Transporter sind Biologinnen und Biologen seit Jahren bekannt, wurden in der Wirkstoffforschung aber weitgehend übersehen, weil sie als zu schwer angreifbar galten. Ich denke, dass diese beiden Studien zusammen sehr deutlich zeigen, dass es sich lohnt, weiterhin Zeit und Aufwand in die Entwicklung von Wirkstoffen gegen dieses Ziel zu investieren“, betont Studienleiterin Anna Hirsch von der Abteilung „Drug Design and Optimisation“ am HIPS.
„Am meisten beeindruckt mich an diesen Ergebnissen, wie konserviert dieses Ziel ist. Wir haben Streptococcus-Stämme aus aller Welt untersucht – isoliert aus Blut, Liquor und Lungenflüssigkeit infizierter Patientinnen und Patienten – und die Gene der ECF-Transporter sind in all diesen Stämmen nahezu identisch. Das ist ungewöhnlich. Es bedeutet, dass unser Ansatz möglicherweise nicht nur gegen einen einzelnen Stamm wirksam ist, sondern potenziell gegen die gesamte Spezies“, sagt Dr. Eleonora Diamanti, Erstautorin der zweiten Publikation.
In einem Mausmodell der Lungeninfektion verringerte einer der vielversprechendsten Wirkstoffkandidaten die bakterielle Last in der Lunge im Vergleich zur unbehandelten Kontrollgruppe um das Zehnfache. Im Verlauf der Experimente traten zudem keine resistenten bakteriellen Varianten auf, was die Hoffnung weckt, dass ein künftiges Antibiotikum auf dieser Grundlage weniger anfällig für Resistenzentwicklung sein könnte.
Die Ergebnisse veröffentlichte das Team in zwei direkt aufeinanderfolgenden Studien im Journal of Medicinal Chemistry.
Helmholtz-Institut
Artenvielfalt und Ernährungssicherheit in der EU in Gefahr
135 führende Forschende aus Ökologie, Ökonomie, Politikwissenschaft und Umweltrecht sehen Biodiversität and Ernährungssicherheit in Europa gefährdet. Der Hauptgrund liegt nach Meinung der Wissenschaftler:innen in politischen, sich widersprechenden Regelungen: die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) und die Biodiversitätsstrategie 2030. Einige EU-Bestimmungen zielen darauf ab, die Natur zu erhalten, andere jedoch fördern die intensive Landwirtschaft und den Einsatz von Pestiziden.
In einem Strategiepapier fordern die Expert:innen nun eine einheitliche Linie von der Politik, um den Rückgang von Bienen, Schmetterlingen und anderen Bestäubern aufzuhalten und das Management von Bestäubern zu fördern. Laut der Autor:innen, unter ihnen Professor Ingolf Steffan-Dewenter und Jie Zhang vom Lehrstuhl für Zoologie III (Tierökologie und Tropenbiologie) am Biozentrum der Universität Würzburg, wäre ein fortlaufender Insektenschwund folgenschwer, sowohl in gesundheitlicher als auch finanzieller Hinsicht.„Wir müssen uns klar machen, dass Insektenschutz eine notwendige Investition in unsere eigene Zukunft ist“, erklärt Steffan-Dewenter. „Es geht um den Erhalt grundlegender Voraussetzungen für eine stabile Gesellschaft, gesunde Ernährung und intakte Ökosysteme. Untätigkeit können wir uns nicht erlauben.“
80 bis 90 Prozent aller Wildpflanzen und 75 Prozent der wichtigsten Nutzpflanzen brauchen für die Bestäubung die Hilfe von Insekten. Ohne sie gäbe es kaum Obst, Gemüse und Nüsse. Schon heute fehlen weltweit drei bis fünf Prozent der Nahrungspflanzen, weil es in vielen Regionen nicht mehr genug Bestäuber gibt.
Die Verfasser:innen des Strategiepapiers plädieren daher für einen zeitnahen Systemwechsel. Die Politik müsse sich weiter in die Richtung entwickeln, dass sie Biodiversität als integralen Bestandteil gesellschaftlicher, ökonomischer und ökologischer Resilienz begreift. Zudem sei es dringend notwendig, dass die Lücke zwischen wissenschaftlichem Wissen und politischem Handeln geschlossen werde.
IDW
BTV-8-Ausbruch in Niedersachsen
Erstmals im aktuellen Seuchenzug ist die Blauzungenkrankheit des Serotyps 8 (BTV-8) in Niedersachsen nachgewiesen worden. Betroffen ist eine Rinderhaltung in Herzberg am Harz im Landkreis Göttingen. Die nach dem BTV-Ausbruch in Hessen eingerichtete Restriktionszone wächst um weitere 150 Kilometer. Große Teile Niedersachsens liegen nun innerhalb dieser Sperrzone. Betroffen sind die Landkreise im Süden des Bundeslandes bis hin zu Teilen der Landkreise Osnabrück, Nienburg, Diepholz, Verden, Heidekreis, Uelzen und Lüchow-Dannenberg.
Für Rinder, Schafe, Ziegen, Lamas, Kamele und Alpakas gelten nun Einschränkungen, wenn diese aus der Zone heraus in noch BTV-8-freie Gebiete innerhalb Deutschlands oder in andere EU-Mitgliedstaaten verbracht werden sollen. Innerhalb der Zone bestehen keine Beschränkungen.
Schon seit Längerem gilt auch in Niedersachsen die Empfehlung, empfängliche Wiederkäuer gegen BTV-3 und BTV-8 zu impfen. Denn nur die Impfung schützt vor schweren Verläufen. Auch dürfen nur geimpfte Tiere aus der Sperrzone gebracht werden
Land und Forst
NDR
Klimawandel verstärkt Blaualgenentwicklung
Die teilweise seit Ende Mai herrschenden hohen sommerlichen Temperaturen erwärmen auch die Seen und Flüsse in Deutschland massiv. Besonders in stehenden Gewässern fördert das die Vermehrung von Cyanobakterien (Blaualgen) sowie die Bildung der typischen grünlichen Algenblüten stark.
Da einige der Cyanobakterien-Arten Giftstoffe produzieren, die bei Menschen und Tieren gesundheitliche Schäden verursachen, werden jedes Jahr für diverse Seen und Weiher amtliche Warnungen vor den Blaualgen ausgesprochen. Seltener treten die Cyanobakterien in Flüssen auf. Wegen eines möglichen Zusammenhangs mit Blaualgen raten aktuell die Behörden vom Baden in der Donau ab. Nach Angaben des Landratsamt Kelheim wurden die Algen bei Wasserproben aus der Donau nachgewiesen. Zwei Menschen und mehrere Hunde sind nach dem Baden in der Donau bei Kelheim erkrankt, ein Tier starb.
Wenn belastetes Wasser verschluckt wird oder Giftstoffe über die Schleimhäute aufgenommen werden, können Krankheitszeichen wie Hautausschläge, Übelkeit, Durchfall, Atemnot oder Muskelkrämpfe auftreten. Schon geringe Mengen der Giftstoffe können für Hunde jedoch lebensgefährlich sein, da die Vierbeiner aus flachen Uferbereichen trinken bzw. Steine und Wasserpflanzen ablecken. Erste Warnzeichen für eine mögliche Vergiftung sind Nach Angaben der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) starker Speichelfluss, Zittern oder Krämpfe. In diesem Fall sollten Tierhaltende umgehend einen Tierarzt aufsuchen.
Forschende der Technischen Universität München untersuchen bereits seit Jahren die Verbreitung der Bakterien im Zusammenhang mit dem Klimawandel und befürchten, dass diese in Zukunft häufiger vorkommen könnten. Cyanobakterien benötigen neben Sonnenlicht auch Nährstoffe wie Phosphor und Stickstoff, wie das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) erklärt. Um die Verbreitung zu verringern, sollten Nährstoffeinträge möglichst reduziert werden, was den Wissenschaftler:innen der TU jedoch nicht ausreicht. Sie raten dringend zu Maßnahmen, die einer weiteren Erwärmung der Gewässer entgegenwirken, damit diese als funktionierende Systeme erhalten werden können.
BR
Schweinepreise weiter unter Druck
Während in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres die Erzeugerpreise für Rinder und Geflügel teilweise deutlich gestiegen sind, fielen die Preise für Schweine und Ferkel weiter. Die Preise für Kälber nahmen im Vorjahresvergleich von rund 259 € auf 310 € pro Tier zu, was einem Plus von 21 % entspricht. Gründe für die Preissteigerungen waren unter anderem eine anhaltend gute Nachfrage und ein geringeres Tieraufkommen. Auch die Erlöse für Geflügelfleisch konnte im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 zulegen.
Auf der anderen Seite ist der Schweine- und Ferkelmarkt weiter massiv unter Druck. Die rückläufigen Erzeugerpreise sind das Ergebnis eines zunehmend schwierigen Fleischabsatzes, der die Nachfrage nach Schlachtschweinen erheblich gedrosselt hat. Auf dem an die Entwicklung gebundenen Ferkelmarkt kam es im Verlauf des Halbjahres zu einem spürbaren Angebotsüberhang. Mit durchschnittlich 53,40 € pro Tier lagen die Ferkelpreise um rund 22 % unter dem Niveau des Vorjahres.
Topagrar
Bpt bietet Fortbildung für Ausbildungspraxen an
Unter dem Titel „Rechtliche Voraussetzungen für Praktika oder professionelle Begleitung von Studierenden während des Praktikums“ bietet der Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt) für seine Mitglieder eine Fortbildung an. Diese Online-Fortbildung besteht aus der Aufzeichnung einer Präsenz-Veranstaltung im Rahmen der bpt-INTENSIV Kleintierfortbildung in Bielefeld am 01. März 2024 und enthält zudem einen Vortrag zu Voraussetzungen für Ausbildungspraxen aus dem Jahr 2026, der den Vorgaben der EAEVE entspricht.
bpt-Mitglieder können diese Fortbildung, die noch bis Ende 2026 buchbar ist, für ihre Registrierung als bpt-Ausbildungspraxis nutzen. Es werden jedoch auch andere Fortbildungen mit adäquaten Inhalten nach Vorlage eines Zertifikats akzeptiert.
bpt
KI könnte Antibiotikaentwicklung optimieren
Antibiotikaresistente Bakterien verursachen weltweit Millionen Todesfälle. Um dem entgegenzuwirken, müssen dringend neue wirksame Antibiotika entwickelt werden. Da aber bereits viele mögliche Kandidaten schon in frühen Entwicklungsstadien auf Grund von mangelnder Wirksamkeit oder unerwünschter Nebenwirkungen ausscheiden, gestaltet sich dieses Vorhaben als schwierig.
Das Verbundprojekt OptimAIze soll die Entwicklung neuer Antibiotika nun deutlich effizienter gestalten. Mit Hilfe von modernsten Methoden der Künstlichen Intelligenz (KI) sowie innovativen biologischen Testverfahren könnten vielversprechende Antibiotikakandidaten schneller identifiziert und optimiert werden.
Im Fokus von OptimAIze steht ein neuartiger, geschlossener Lernkreislauf aus KI und experimenteller Validierung. Zusätzlich werden hochauflösende Daten zur Zytotoxizität mit modernen KI-Verfahren ausgewertet. Die Modelle lernen dabei nicht nur, die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Molekülen vorherzusagen, sondern können auch gezielt neue Wirkstoffvarianten vorschlagen, die anschließend experimentell getestet werden. Die Ergebnisse fließen wiederum zurück in die KI-Modelle und verbessern deren Vorhersagekraft kontinuierlich.
„Künstliche Intelligenz eröffnet enorme Chancen für die Wirkstoffforschung. Gleichzeitig stoßen rein datengetriebene Modelle an Grenzen, insbesondere wenn nur wenige oder unausgewogene Daten zur Verfügung stehen. Deshalb setzen wir in OptimAIze auf die Kombination von KI und mechanistischem Fachwissen. So können wir nicht nur präzisere Vorhersagen treffen, sondern auch besser nachvollziehen, warum bestimmte Moleküle wirksam oder toxisch sind“, erklärt Prof. Dr. Verena Wolf, die das Projekt OptimAIze koordiniert.
Das Projekt wurde von dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), der Universität des Saarlandes, dem Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) und dem Biotechnologieunternehmen smartbax GmbH das Verbundprojekt OptimAIze ins Leben gerufen. Die Projektpartner zielen darauf ab, neben der Entwicklung konkreter Antibiotikakandidaten zudem innovative KI-Methoden und Softwarewerkzeuge für die wissenschaftliche Gemeinschaft verfügbar zu machen.
DFKI
App vermittelt umfassendes Wissen zu Wildtieren
Viele junge Wildtiere landen als vermeintliche Notfälle in Tierkliniken und -praxen. Doch in den meisten Fällen sind die Jungtiere gar nicht hilfsbedürftig, erklärt Prof. Dr. Michael Pees von der Klinik für Heimtiere, Reptilien und Vögel der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo). Sie wären besser in ihrer natürlichen Umgebung aufgehoben gewesen.
Damit hilfsbereite Menschen besser erkennen, welche Tiere wirklich tierärztliche Hilfe benötigen, hat ein Team der TiHo die App „Wildtier SOS“ entwickelt. Die KI-gestützte App bietet Finder:innen eine schnelle und fundierte Entscheidungshilfe. Mit Hilfe von Beispiel-Bildern und -Videos sowie einer hilfreichen SOS-Funktion, lassen sich unnötige Eingriffe in die Natur vermeiden.
„Jetzt geht das ganz praktisch mit der neuen KI-Integration. Per Foto kann die App in kürzester Zeit die Tierart erkennen, was Laien besonders bei Jungtieren schwer fallen kann“, so der Klinikleiter. Zudem finden die User:innen wichtige Hinweise zu gesetzlichen Vorgaben, Zoonosen und dem Schutzstatus des Tieres.
„Die App Wildtier SOS ist ein digitaler Meilenstein für den Tier- und Artenschutz in Deutschland“, fasst Professor Dr. Michael Pees zusammen. „Sie vermittelt wertvolles Wissen über die Wildtiere in unserer Umgebung, erkennt, ob ein Tier Hilfe benötigt, leitet Finderinnen und Finder bei der Erstversorgung an und unterstützt dabei, die richtigen Anlaufstellen in der Nähe zu finden.“
Um besser auf Wildtierpatienten vorbereitet zu sein, können sich Tierärzt:innen auf Myvetlearn.de mit einer vierteiligen Wildtierreihe online fortbilden. Für Tiermedizinische Fachangestellte steht eine separate Reihe zur Verfügung.
TiHo
Tierhaltungsstrategie der EU wird unterschiedlich bewertet
Am 7. Juli 2026 hat die Europäische Kommission die Strategie für die Nutztierhaltung (Livestock Strategy) angenommen. Ziel der Strategie ist die Sicherstellung eines nachhaltigen und widerstandfähigen Tierhaltung in Europa.
„In der heute angenommenen Strategie wird ein zukunftsorientierter Ansatz für die Tierhaltung vorgeschlagen, bei dem die Tiergesundheit und der Tierschutz im Mittelpunkt stehen. Es ist das Ergebnis unseres umfassenden Konsultationsprozesses mit Interessenträgern in der gesamten Branche, insbesondere Landwirten, deren Ansichten sorgfältig berücksichtigt wurden. Durch Investitionen in Prävention, Innovation und Vorsorge helfen wir Tieren und Landwirten gleichermaßen“, erklärte Olivér Várhelyi, Mitglied der EU-Kommission für Gesundheit und Tierwohl in der vergangenen Woche.
Der Deutsche Tierschutzbund begrüßt den nun festgelegten Zeitplan für Tierschutzverbesserungen, kritisiert jedoch das Festhalten der Kommission an einer auf den Erhalt und Ausbau der Tierhaltung ausgerichteten Agrarpolitik. Stattdessen fordern die Tierschützer:innen den dringend notwendigen Wandel des Ernährungssystems.
„Mit dieser Strategie zementiert die Europäische Kommission ein System der Tierhaltung, das erhebliches Tierleid verursacht und zugleich Klima, Umwelt und Ressourcen belastet“, sagt Jürgen Plinz, Präsidiumsmitglied des Deutschen Tierschutzbundes und Board Member des europäischen Tierschutzdachverbands Eurogroup for Animals. „Wer Europas Landwirtschaft zukunftsfähig machen will, muss den Mut haben, den Umfang der Tierhaltung zu reduzieren und pflanzliche Proteine deutlich stärker zu fördern. Diese Chance lässt die Kommission ungenutzt.“
Europa brauche weniger Tiere in besseren Haltungssystemen – nicht eine Strategie, die den Tierschutz ausbremst, statt ihn voranzubringen, so Plinz weiter. Der Verband kritisiert besonders, dass die Strategie die Ursachen vieler Probleme der intensiven Tierhaltung ausblende. Zwar würden Maßnahmen zur Krankheitsprävention und Biosicherheit angekündigt, die Risiken hoher Tierbestände und Besatzdichten seien aber weitgehend unberücksichtigt geblieben.
Ganz anders das Urteil des Bundesverbandes Rind und Schwein e. V. (BRS). Er bewertet die EU-Tierhaltungsstrategie grundsätzlich positiv. Besonders begrüßt der Verband, dass die Nutztierhaltung ausdrücklich als strategisch wichtiger Sektor für Ernährungssicherheit, ländliche Räume, Biodiversität und Kreislaufwirtschaft anerkannt wird; ebenso den Ansatz, Tiergesundheit, Tierwohl, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit künftig stärker zusammenzudenken. Auch die angekündigte Förderung der Kreislaufwirtschaft, die Unterstützung von Innovationen sowie der Abbau bürokratischer Hürden werden ausdrücklich begrüßt.
Positiv bewertet der BRS zudem den europäischen Ansatz im Bereich der Tiergesundheit. Die stärkere Ausrichtung auf Prävention, Biosicherheit, Früherkennung und Krisenmanagement sei der richtige Weg. Auch die angekündigte Überprüfung der Kategorisierung von Tierseuchen im EU-Tiergesundheitsrecht wird als sinnvoll angesehen. Da Tierseuchen keine Landesgrenzen kennen, brauche es europaweit einheitliche Maßstäbe, klare Zuständigkeiten sowie verlässliche Bekämpfungs- und Finanzierungsmechanismen. Einen vergleichbar präventiven und strategischen Ansatz wünsche sich der Verband auch auf nationaler Ebene.
Ob die Strategie tatsächlich zu Verbesserungen für die Tierhaltung in Deutschland führe, hänge jedoch maßgeblich von ihrer konkreten Ausgestaltung ab, mahnt der BRS.
Deutscher Tierschutzbund
BRS
Mehr Einschränkungen bei Wasserentnahme gefordert
Die Folgen des Klimawandels werden immer spürbarer. Länger anhaltende Hitzewellen, Trockenheit und Dürre sowie Starkregen und Hagel – Extremwetterereignisse nehmen drastisch zu. Aufgrund der häufigeren Trockenperioden und knapper werdender Grundwasservorkommen fordert der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) jetzt strengere Regeln zur Wasserentnahme. Der Druck auf die Grundwasserressourcen wachse mit dem Klimawandel. „Genehmigungsfreie Nutzungen müssen so weit wie möglich eingeschränkt werden“, sagte VKU-Vizepräsident Karsten Specht der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). Dazu gehöre auch die private Nutzung. „Sauberes Wasser jederzeit, überall und zu fairen Preisen ist in unserem Land keine Kür, sondern Pflicht“, ergänzte er. Damit das so bleibe, müsse Transparenz in der Frage geschaffen werden, wer wann und in welchem Umfang auf die Wasserressourcen zugreift.
Der VKU fordert daher endlich die Umsetzung des digitalen Wasserbuches in allen Bundesländern. Dabei handelt es sich um ein elektronisches Register, in dem wasserrechtliche Genehmigungen, Wasserentnahmen, Einleitungen und Schutzgebiete zentral dokumentiert und verwaltet werden.
Bisher müssen lediglich kommunale Wasserversorger und wirtschaftliche Unternehmen Wasserentnahmen genehmigen lassen. Zu den genehmigungsfreien Nutzungen gehören unter anderem die Bewässerung des Gartens oder die Wassernutzung für den landwirtschaftlichen Hofbetrieb, einschließlich Tränken von Vieh außerhalb des Hofes. Der VKU fordert außerdem eine Priorisierung, in der die öffentliche Wasserversorgung an erster Stelle steht.
NOZ
Ergebnisse des Pharmakovigilanzreport Tierarzneimittel für 2025 liegen vor
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat den „Pharmakovigilanzreport Tierarzneimittel“ für das Jahr 2025 veröffentlicht. Darin werden unerwünschte Ereignisse nach der Anwendung von Tierarzneimitteln erfasst. Demnach wurden im Jahr 2025 insgesamt 4.858 Meldungen erfasst. Die meisten davon betrafen die Tierarten Hund und Katze. Aber auch beim Menschen kann der Kontakt mit Tierarzneimitteln zu unerwünschten Ereignissen führen. Der Bericht unterstreicht die Bedeutung der Pharmakovigilanz für die Sicherheit von Tierarzneimitteln sowie für den Schutz von Tieren und Menschen.
„Bei der Sammlung von unerwünschten Ereignissen von Tierarzneimitteln arbeitet das BVL eng mit der Tierärzteschaft, den Pharmakovigilanz-Zentren der veterinärmedizinischen Hochschulen, Giftinformationszenten und Tierhaltenden zusammen“, erläutert BVL-Präsidentin Prof. Dr. Gaby-Fleur Böl. „Ihre Meldungen tragen wesentlich zur Sicherheit von Tierarzneimitteln bei.“
Knapp 98 Prozent der Meldungen betrafen unerwünschte Ereignisse beim Tier. Die mit Abstand häufigsten Meldungen betrafen die Tierarten Hund, Katze, Rind und Pferd. Bei Hühnern und Puten gab es im Vergleich dazu zwar weitaus weniger Meldungen unerwünschter Ereignisse, es war jedoch eine deutlich höhere Zahl von Tieren betroffen.
Circa ein Drittel der unerwünschten Ereignisse wurden von Hormonpräparaten ausgelöst. Knapp 30 Prozent gingen auf die Gabe von Antiparasitika zurück. An dritter Stelle (ca. 10 %) folgten Tierarzneimittel mit Wirkung auf das Nervensystem. Der mit Abstand häufigste Anlass für eine Meldung war der Verdacht auf eine mangelnde Wirksamkeit. Mit deutlichem Abstand folgten die klinischen Anzeichen Erbrechen, Juckreiz und Lethargie.
BVL
Giftige Substanzen können Verbrennungen bei Rindern verursachen
Starke Sonneneinstrahlung in Kombination mit der Aufnahme giftiger Substanzen können bei Rindern zu extremen Verbrennungen der Haut führen. Diese Photosensibilitätsreaktion kann besonders bei hellen Rinderrassen wie Galloway auftreten.
Die ersten Symptome dieser Reaktion sind Hautveränderungen, die zunächst wie ein starker Sonnenbrand aussehen. Nach Informationen von betroffenen Rinderhalter:innen folgen weitere Hautveränderungen, wie Rötungen und Verdickungen der weniger pigmentierten Hautflächen. Diese Stellen verfärben sich nach zwei oder drei Tagen dunkel und lösen sich von der Hautunterlage. Der ganze Prozess dauert rund zwei Wochen.
Analysen der Rinderklinik der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) zufolge sind größere Mengen giftiger Substanzen wie Johanniskraut und Buchweizen Verursacher der Verbrennungen. Zudem können Leberegel schwere Symptome hervorrufen. Ein sofortiges Aufstallen und eine symptomatische Behandlung in Zusammenarbeit mit der/dem Tierärzt:in sind hier dringend angeraten.
Agrarheute
Globale Umfrage zum Stand der Kleintiermedizin
Die World Small Animal Veterinary Association (WSAVA) bittet Tierärzt:innen und andere tiermedizinische Fachkräfte, an einer globalen Umfrage teilzunehmen. Das Ziel dieser Umfrage ist die Stärkung und Förderung der tierärztlichen Kleintierpraxen auf der ganzen Welt. Die Antworten der Teilnehmenden sollen dazu beitragen, Realitäten, Herausforderungen und Chancen der Kleintiermedizin besser zu verstehen.
Diese wegweisende Initiative bildet die Grundlage für den kommenden globalen Bericht zum Stand der Kleintiermedizin – eine wichtige neue Publikation der WSAVA, die entscheidende Erkenntnisse für Tierärzte und andere tiermedizinische Fachkräfte liefert, nationale Verbände stärkt und globale Interessenvertretung und Maßnahmen unterstützt. Die Bearbeitung der Umfrage dauert etwa 20 bis 25 Minuten, alle Antworten sind vertraulich und werden nicht mit dem Namen oder der Organisation verknüpft.
Alle Teilnehmenden haben zudem die Chance, eine kostenlose Anmeldung für den WSAVA-Kongress und/oder WSAVA Academy Credits zu gewinnen.
Hier gehts direkt zur Umfrage
WSAVA
Sommerhitze sorgt für viele Wildtiere in der tierärztlichen Praxis
Der Sommer hat Deutschland fest im Griff. Laut Wetterprognosen kündigt sich bereits die dritte Hitzewelle in diesem Jahr mit Temperaturen weit über der 30-Grad-Marke an.
Auch für Wildtiere bedeuten diese Extremtemperaturen eine große Herausforderung. Schon während der letzten Hitzeperiode im Juni wurden Hunderte Tiere in der Wildtierklinik der Justus-Liebig-Universität (JLU) in Gießen abgegeben, die damit an ihre Grenzen kommt. Wie aus einem Instagram-Post zu entnehmen ist, wurden dort allein an einem Tag 180 Tiere aufgenommen und 508 Telefonate geführt.
Besonders häufige Patienten sind Mauersegler und Schwalben. Die Jungvögel springen nicht selten aus Panik in die Tiefe und können sich dabei schwer verletzen. Ein zusätzliches Problem sind Aufnahmestopps von Wildtierstationen und Pflegestellen, die sich im Normalfall um die weitere Versorgung der Tiere kümmern. Nur dem außergewöhnlichen Einsatz von Mitarbeitenden, Studierenden, Praktikanten sowie Freiwilligen ist zu verdanken, dass bislang alle Wildtiere behandelt werden konnten. Sollte aber das Aufkommen weiter auf diesem Niveau bleiben, sehe man sich gezwungen, ernsthaft zu prüfen, wie lange eine weitere Aufnahme von Tieren noch möglich sei, so die JLU.
Um auch auf Wildtierpatienten vorbereitet zu sein, können sich Tierärzt:innen auf Myvetlearn.de mit einer vierteiligen Wildtierreihe online weiterbilden. Für Tiermedizinische Fachangestellte steht eine separate Reihe zur Verfügung.
Gießener Allgemeine
Große Veränderungen in der dänischen Landwirtschaft
Der Strukturwandel in der Landwirtschaft zeichnet sich in Dänemark inzwischen deutlich ab. Wie auch in anderen Ländern, hat die Zahl der Betriebe stark abgenommen, während gleichzeitig die Zahl der größeren landwirtschaftlichen Betriebe spürbar gewachsen ist.
Nach Informationen des dänischen Statistikamtes gab es zum Stichtag am 1. Juni 2026 noch rund 27.000 Betriebe, was einem Minus von knapp 48 Prozent im Vergleich zum Jahr 2005 entspricht. Währenddessen ist der Anteil der Höfe mit mehr als 400 Hektar von 0,6 % auf 5,4 % gestiegen. Kleine Höfe mit weniger als 30 Hektar stellen weiterhin über die Hälfte aller Betriebe; ihr Anteil ist von 2005 bis 2025 mit 53,9 % beziehungsweise 54,4% vergleichsweise stabil geblieben.
Die Zahl der Rinder oder Schweine haltenden Betriebe ist in den vergangenen 20 Jahren von 32,7 % auf 28,6 % bzw. von 17,4% auf 6,3% gesunken.
Topagrar
Meerestiere reagieren mit Größenveränderung auf Erderwärmung
Die Erderwärmung führt dazu, dass Meerestiere stetig schrumpfen. Bereits seit Hunderten Millionen Jahren ist der sogenannte „Lilliput-Effekt“ eine Reaktion auf Umweltkrisen. Laut einer Studie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) nimmt die Körpergröße der Meeresbewohner in starken globalen Erwärmungsphasen jedoch besonders ab.
Gemeinsam mit Forschenden der Universitäten Warschau und Lille haben die FAU-Wissenschaftler:innen annähernd 9.000 Größenänderungen aus fossilen, historischen und modernen Untersuchungen analysiert und die Größenveränderungen der Tiere über einen Zeitraum von rund 450 Millionen Jahren verglichen.
„Unsere Daten belegen, dass die Abnahme der Körpergröße eine allgemeine Reaktion von Meerestieren auf Umweltkrisen ist“, sagt Dr. Paulina Nätscher, frühere Wissenschaftlerin am Lehrstuhl für Paläoumwelt an der FAU und Erstautorin der Studie. „Wir beobachten dieses Phänomen in sehr unterschiedlichen Tiergruppen, von Zwergwuchs in einzelnen Arten bis hin zu einer Dominanz kleinerer Arten in ganzen Lebensgemeinschaften. Es ist ein deutliches Zeichen dafür, dass Ökosysteme unter Stress stehen.“
Ein Zusammenhang mit der Temperaturentwicklung sei klar erkennbar, wie auch Professor Wolfgang Kießling, Leiter des Lehrstuhls für Paläoumwelt an der FAU, ausführt: „Je stärker die Temperatur steigt, desto ausgeprägter ist der Rückgang der Körpergröße. Die Erdgeschichte liefert damit ein deutliches Warnsignal für die Zukunft der Ozeane.“ Das Schrumpfen der Meerestiere sei keineswegs ein kurzfristiges Phänomen, sondern folge einem langfristigen Muster, lautet das Fazit der Studie. Setzt sich die globale Erwärmung fort, könnten kleinere Körpergrößen in den Weltmeeren zunehmend zur Regel werden – mit weitreichenden Folgen für Nahrungsketten und Fischerei.
FAU
Neue Katzenschutzverordnung ab 1. Juli rechtskräftig
Mit Beginn der 2. Jahreshälfte tritt in Schleswig-Holstein eine landesweite Katzenschutzverordnung in Kraft, die sowohl die Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Freigängerkatzen als auch die landesweiten Kastrationsaktionen für Straßenkatzen einheitlich regelt.
Der Deutsche Tierschutzbund und sein Landesverband Schleswig-Holstein zeigen sich zufrieden über die neue Verordnung. „Diese Maßnahmen können nicht nur das Leid unzähliger Straßenkatzen nachhaltig reduzieren, sondern auch die Tierheime spürbar entlasten“, sagt Ellen Kloth, Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes und Vorsitzende des Landesverbands Schleswig-Holstein.
„Wir hoffen, dass andere Bundesländer und insbesondere der Bund die Signalwirkung erkennen und diesem Beispiel folgen“, betont Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, und verweist ausdrücklich auf die dramatische Situation vieler Tierheime.
Die nun zügige Umsetzung des einstimmigen Landtagsbeschlusses aus 2025 bewerten die Tierschützer:innen als positiv. Die Bearbeitungszeit zwischen parlamentarischem Beschluss und Erlass der Verordnung betrug nur etwas mehr als ein Jahr.
Deutscher Tierschutzbund
GOT-Evaluation: Online-Befragung von Tierhaltenden und Tierärzten läuft
Die Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT) ist im Jahr 2022 umfassend novelliert worden und wird nun, wie vorgesehen, nach vier Jahren evaluiert. Im Rahmen dieses Evaluierungsprozesses führt das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) auch eine deutschlandweite Befragung von Tierärzten und Tierhaltenden durch.
Unter anderem hatte auch der Pferdesport Deutschland eine solche Umfrage gefordert. Seitdem die Evaluation der GOT durch das BMLEH angestoßen worden ist, hat sich der Verband nachdrücklich dafür eingesetzt, dass neben der Tierärzteschaft auch die Tierhaltenden zu den Auswirkungen der GOT-Novelle im Jahr 2022 direkt befragt werden.
„Auskömmlich für den Tierarzt und leistbar für den Tierhalter – das ist unser erklärtes Ziel“, erklärt Dr. Klaus Miesner, Vorstand Zucht. „Dass die ursprünglich nicht geplante Befragung stattfindet, werten wir als einen ersten Erfolg auf dem Weg zur Gestaltung fairer Tierarztkosten“, ergänzt Miesner, der immense Auswirkungen der GOT Novelle auf den Pferdesektor sieht.
Für die Beantwortung der Fragen ist eine Dauer von etwa 10 Minuten einzuplanen. Die Befragung läuft bis zum 26. Juli 2026.
Zur Tierärzte-Umfrage
Pferdesport Deutschland inkl. Umfrage für Tierhalter
Österreich plant Außenstelle für Nutztiermedizin
Besonders in ländlichen Regionen siedeln sich immer weniger Tierärzt:innen an, was die tierärztliche Versorgung von Nutztieren gefährdet. Um Studierenden der Veterinärmedizin die Nutztiermedizin näherzubringen, plant die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni) gemeinsam mit dem Land Oberösterreich eine neue Außenstelle für Nutztiermedizin. Hier sollen künftig zehn bis zwanzig Studierende pro Semester sowie wissenschaftliches Personal, Ausbildende und Tierärzt:innen in die Arbeit der Außenstelle eingebunden werden.
Die gemeinsame Ausbildungsinitiative soll dem wachsenden Nutztierärztemangel entgegenwirken. Geplant ist die Einrichtung einer Außenstelle im Zentralraum, die künftig als Ausbildungs- und Forschungsstandort für Wiederkäuer-, Schweine- und Geflügelmedizin dienen soll. Neben klinischen Ausbildungsmodulen in Kooperation mit regionalen Tierarztpraxen sind Bereiche der angewandten Forschung sowie Weiterbildungsangebote geplant. Darüber hinaus soll die Zusammenarbeit mit den Höheren landwirtschaftlichen Schulen intensiviert werden, um frühzeitig Interesse an der Nutztiermedizin zu wecken.
„Unsere Bäuerinnen und Bauern brauchen eine verlässliche tierärztliche Versorgung direkt in den Regionen. Die neue Außenstelle ist ein Meilenstein für unsere heimische Landwirtschaft“, erklärt Agrarlandesrätin Michaela Langer-Weninger. „Wir investieren gezielt in die Ausbildung hochqualifizierter Fachkräfte und stärken damit unseren ländlichen Raum“, ergänzt Landeshauptmann Thomas Stelzer.
„Mit der neuen Außenstelle in Oberösterreich schaffen wir einen wichtigen Ausbildungsstandort für die Nutztiermedizin und stärken gleichzeitig die Praxisnähe im Studium. Unser Ziel ist es, Studierende frühzeitig mit den vielfältigen beruflichen Perspektiven in der Großtierpraxis und den Chancen des ländlichen Raums vertraut zu machen. Wir freuen uns auf die enge Zusammenarbeit mit dem Land Oberösterreich, den Schulen sowie allen Partnern, um gemeinsam die tierärztliche Versorgung der Zukunft zu sichern“, sagt Vetmeduni-Rektor Matthias Gauly abschließend.
Vetmeduni Wien
Extremhitze in Frankreich verursacht Massensterben von Hühnern
Nicht nur in Deutschland leiden Menschen und Tiere seit Tagen unter Extremtemperaturen, die beinahe überall deutlich über der 30-Grad-Marke liegen. Auch in Frankreich lähmt eine rekordverdächtige Hitzewelle das Land. Am vergangenen Dienstag wurden regional bis zu 44,3 Grad Celsius gemessen. Die Extremhitze hat dort nun zum Tod von Hunderttausenden Stück Geflügel geführt, da es immer wieder auch zu Stromausfällen gekommen ist. Eine endgültige Zahl lässt sich bislang nicht beziffern, zumal die Hitzewelle noch einige Tage anhalten sollen.
„In unseren beiden größten Geflügelregionen beobachten wir hitzebedingte Übersterblichkeit“, erklärt Yann Nedelec, der Präsident des französischen Geflügelverbandes ANVOL. „Die Kapazitäten der Tierkörperbeseitigung reichen vielerorts nicht mehr aus, um die verendeten Tiere zeitnah abzuholen“, so Nedelec. Da die Kadaversammeldienste komplett überfordert sind, sollten die Behörden in Erwägung ziehen, in den beiden wichtigsten Geflügelregionen des Landes, der Bretagne und im Pays de la Loire, Bestattungen auf den Betrieben zuzulassen.
Durch die gleichzeitig stark gestiegene Luftfeuchtigkeit stoßen aber auch gut belüftete Ställe an ihre Grenzen. Die Tiere können überschüssige Körperwärme nur über die Atmung abgeben.
Agrarheute
Menschgemachte Faktoren lassen wandernde Tiere vom Weg abkommen
Laut einem aktuellen UN-Bericht ist gut jede vierte wandernde Tierart bedroht, bei fast 50% der Arten sind Bestandrückgänge zu beobachten. Über Wochen machte der Buckelwal Timmy Schlagzeilen, der in der Ostsee gestrandet war und nach einer umstrittenen Rettungsaktion letztendlich tot vor der dänischen Insel Anholt aufgefunden wurde.
Einem Bericht der RiffReporter ist zu entnehmen, dass die Wahrscheinlichkeit solcher tierischen Irrwege steigt, wenn sich Lebensräume verändern, Beute verschwindet, Barrieren entstehen oder technische Reize natürliche Signale überlagern. Denn die wandernden Tiere orientieren sich unter anderem an ökologischen Gesetzmäßigkeiten wie Jahreszeiten und Nahrung sowie offenen Korridoren und Rastplätzen. Einige dieser Gesetze verlieren gerade ihre Gültigkeit. Denn der Mensch bringt die Tiere zunehmend vom Kurs ab.
Durch die steigende Erderwärmung, veränderte Meeresströmungen und Fischerei verlagern sich die Verbreitungsgebiete der Fischschwärme, denen die Tiere folgen. So landen unter anderem Wale in Gebieten wie der Ostsee, die kein offenes Jagdrevier, sondern eine Sackgasse aus Untiefen, Küsten, Schiffsrouten und begrenzten Ausweichmöglichkeiten bildet.
Erst am vergangenen Samstag war ein weiterer Buckelwal gefilmt worden, der sich in Richtung Ostsee bewegte. Einem Meeresbiologen zufolge deutet die helle Färbung des Rückens darauf hin, dass das Tier „massive Hautprobleme“ hat. Der Experte stellte außerdem fest: „Wenn sich das Tier wie berichtet immer sehr nah an der Oberfläche aufhält, deutet das auf jeden Fall auf Schwäche hin.“ Der Meeresbiologe Carl Kinze vom Dänischen Naturhistorischen Museum erklärte nach Sichtung des Videomaterials, dass die helle Hautoberfläche des mutmaßlichen Buckelwals seltsam aussehe: „Das kann an einem Pilzbefall liegen, aber auch an einem ganz natürlichen Bewuchs mit Seepocken.“
Neben Walen sind auch Meeresschildkröten und Zugvögel bei ihren Wanderungen durch menschgemachte Einflüsse gefährdet, ihre Orientierung zu verlieren. So krabbeln frisch geschlüpfte Jungtiere krabbeln statt ins schützende Meer häufig landeinwärts, da sie von hell erleuchteten Hotels, Straßen oder Strandbars angezogen werden. In der Nacht leuchtende Städte beispielsweise stören massiv die instinktive Navigation von Zugvögeln. Künstliches Licht kann Vögel anziehen, ihre Flughöhe verändern, sie kreisen lassen oder in gefährliche Räume lenken.
Tagesspiegel
NRW schreibt Tierschutzpreis 2026 aus
Das Land Nordrhein-Westfalen hat den Tierschutzpreis 2026 ausgerufen. Der mit 30.000 Euro dotierte Preis wird durch die Landestierschutzbeauftragte Dr. Gerlinde von Dehn und Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen beriets zum sechsten Mal an Menschen verliehen, die sich in den Bereichen des Tierschutzes und Tierwohles besonders engagieren. Eine Jury, bestehend aus Mitgliedern des Tierschutzbeirates des Landes sowie Mitarbeiter:innen des Landwirtschaftsministeriums, wählt aus den Bewerbungen aus.
„Wer sich im Tierschutz engagiert, zeigt Herz und Haltung. Mit dem Tierschutzpreis NRW sollen Menschen gewürdigt werden, die Verantwortung übernehmen und denen eine Stimme verleihen, die keine eigene Stimme haben. Die jährliche Auslobung und Verleihung des Preises zeigt die Wertschätzung für das Engagement sowie die ehrenamtliche Arbeit und soll die vielen verschiedene Tierschutzinitiativen in Nordrhein-Westfalen sichtbar machen. Ich möchte alle, die sich für Tiere einsetzten, ermuntern, sich zu bewerben“, betont von Dehn.
In NRW ansässige Bürger:innen, Verbände, Vereine, Betriebe sowie sonstige Einrichtungen und Organisationen können sich bis einschließlich 4. September 2026 bewerben bzw. Tierschutzinitiativen in ihrem Umfeld vorschlagen.
Ministerium NRW
Einfache Maßnahmen können Mensch, Tier und Wald schützen
Die aktuell herrschenden Temperaturen stellen eine hohe Belastung für Mensch und Tier dar. Gleichzeitig steigt auch das Waldbrandrisiko in vielen deutschen Regionen wieder gefährlich an.
„Heiße Tage und tropische Nächte können für Mensch und Tier herausfordernd sein. Übermäßige Hitze kann gesundheitliche Folgen haben. Daher müssen wir insbesondere bei der erwarteten Hitze der kommenden Tage uns und unsere Tiere vor den hochsommerlichen Temperaturen schützen. Zudem steigt die Waldbrandgefahr im Land“, erklärt Marion Gentges, Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat des Landes.
Viel Flüssigkeit und nur leichte Kost können der Bevölkerung helfen, durch diese Hitzewelle zu kommen. Auch für Hunde und Katzen stellen die jetzigen Temperaturen eine Herausforderung dar, denn die Tiere schwitzen nicht und können hohe Außentemperaturen nur in begrenztem Maße kompensieren. Um einen Hitzschlag zu vermeiden, benötigen Haustiere ausreichend kühles Wasser und einen möglichen Rückzug in kühle und schattige Plätze. Ein Hitzestress zeigt sich durch Symptome wir schnelles Atmen oder Verwirrung. In diesen Fällen sollten umgehend Gegenmaßnahmen in Absprache mit dem Tierarzt eingeleitet werden.
Nutztiere müssen ebenfalls vor Hitze geschützt werden. Hitzestress kann zu Kreislaufproblemen, Leistungseinbußen, erhöhter Krankheitsanfälligkeit und im Extremfall auch zum Tod führen. „Auf der Weide würden den Tieren Zugänge zu Schattenplätzen, idealerweise natürlich durch Bäume oder Sträucher, helfen. Ställe sollten gut durchlüftet, durch Ventilatoren oder Luftströme gekühlt und vor direkter Sonne geschützt sein. Frisches, sauberes Wasser müsse immer verfügbar sein“, erklärt die Ministerin. Der Wasserbedarf steige bei Hitze stark an, daher sollten Tränken regelmäßig kontrolliert und nachgefüllt werden. Garten- oder Balkonbesitzer:innen helfen den heimischen Wildtieren durch das Bereitstellen von Tränken. „Diese sollten regelmäßig gereinigt und mit frischem Wasser gefüllt werden“, so Gentges.
Die Waldbrandgefahr steigt aktuell in den deutschen Wäldern, besonders im Osten und Süden des Landes. In einigen Regionen wie in Brandenburg, Bayern und Baden-Württemberg, gilt Stufe 4 von 5. „Daher gilt sich umsichtig zu verhalten, denn ein heißer Katalysator von einem unachtsam abgestellten Fahrzeug oder die Hitze eines Einweggrills kann ausreichen, um einen Waldbrand zu entfachen“, warnt Ministerin Gentges.
Sollten Waldbesucher bei ihrem Aufenthalt im Wald Rauch oder Feuer feststellen, bittet die Forstverwaltung darum, sofort den Notruf 112 zu wählen und die Feuerwehr zu verständigen. Eine schnelle Entdeckung und Meldung von Waldbränden hilft, das Ökosystem Wald aktiv zu schützen.
Ministerium Baden-Württemberg
Tool sagt Hitzestress bei Flussfischen voraus
Intensive Hitzeperioden mit Extremtemperaturen bis zu 40 Grad haben in den vergangenen Jahren massiv zugenommen und könnten in Europa zur Normalität werden. Die hohen Temperaturen führen immer häufiger auch bei Flussfischen zu Hitzestress. Um die Fischpopulationen entsprechend zu schützen, haben Forschende der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) gemeinsam mit Expert:innen aus der ganzen Schweiz ein Frühwarnsystem entwickelt. Das Prognosetool kann bis zu drei Wochen im Voraus vor einer Gefährdung der Fische in Schweizer Flüssen durch Hitzestress warnen.
„Wenn die Wassertemperatur steigt, verändern sich die chemischen Reaktionen in den Zellen der Fische – das bezeichnen wir als Hitzestress“, erklärt Camille Albouy, die Teil einer gemeinsamen Forschungsgruppe von WSL und der ETH Zürich ist. Das Tool basiert auf den Faktoren Wassertemperaturen, Fischphysiologie und Artenverteilung. Die Fischarten in der Schweiz sind allerdings sehr ungleichmäßig verteilt. Daher macht der Einbezug ihrer Verbreitung die Prognosen ortsspezifisch. „Es ist ein ständiger Kompromiss zwischen der Komplexität und der Qualität des Modells“, erklärt die Foerscherin. „Da unsere Idee war, eine Risikokarte für die gesamte Schweiz anhand der besten Klimaprognosen zu entwickeln, mussten wir sie einfach halten und uns auf das konzentrieren, was für das Management wichtig ist.“
Um die Prognosen zu prüfen, wandten die Forschenden ihr Tool auf Daten aus dem Sommer 2018 an, als in der Schweiz rund drei Tonnen Flussfische starben. Von den drei gemeldeten Fällen von Fischsterben im Jahr 2018 hat das Tool zwei korrekt vorhergesagt. „Es ist ein vielversprechender Anfang“, so Albouy. „Jetzt müssen wir sehen, ob daraus eine langfristige Lösung für die Schweizer Flüsse wird.“
WSL
Dänemark plant radikale Veränderung in der Schweinehaltung
Dänemark gehört zu den weltweit größten Top-Exporteuren für Ferkel. Deutschland ist eins der Hauptabnehmer. Den dänischen Schweinehalter:innen steht aktuell ein radikaler Umbruch bevor. Die Regierung des skandinavischen Landes plant ein Ende der exportorientierten Schweineproduktion. Das erklärte politische Ziel der neuen Mitte-links-Regierung ist die massive Drosselung der Ferkelimporte, die bei mehr als 16,7 Millionen Tieren jährlich liegen.
Das Ziel ist eine stärkere Ausrichtung auf die heimische Wertschöpfung. Nach den Plänen der Regierung sollen Ferkel bevorzugt in Dänemark gemästet, veredelt und geschlachtet werden, anstatt diese zur Mast nach Deutschland oder Polen zu schicken. Das würde zudem dem Arbeitsmarkt im eigenen Land zu Gute kommen.
Die vorgeschlagenen Maßnahmen umfassen neben einem Stopp für Stallneubauten auch die Einführung einer CO2-Steuer für die Tierhaltung. Weiterhin sollen die Tierschutzregeln verschärft werden, die den Export indirekt erschweren könnten. Bis 2030 soll ein vollständiges Verbot des Schwanzkupierens durchgesetzt werden, die Fixierung von Sauen im Abferkelbereich komplett abgeschafft, die Absetzzeit auf mindestens vier Wochen festgelegt und deutlich mehr Platz in den Buchten vorgeschrieben werden. Für viele Betriebe könnte das zu einer Existenzbedrohung werden. Auch auf die deutschen Abnehmer dänischer Ferkel hätte die Neuregelung einen starken Einfluss.
Aktuell werden rund 7,3 Millionen Ferkel nach Deutschland sowie 7,8 Millionen nach Polen importiert. Ein Wegbrechen dieser Exportmärkte ohne die Möglichkeit, die Tiere im Inland kostendeckend zu mästen, würde für viele dänische Betriebe das Aus bedeuten.
Jedoch zweifeln Expert:innen an der Umsetzung dieser Vorhaben. So betont Peter Pagh, Professor für Recht an der Universität Kopenhagen, dass der EU-Vertrag mengenmäßige Ausfuhrbeschränkungen zwischen Mitgliedstaaten strikt untersagt. „Man darf nicht das Ziel haben, Exporte zu beschränken. Man darf auch keine Maßnahmen beschließen, die darauf abzielen, Exporte einzuschränken“, so Pagh in der LandbrugsAvisen. Selbst indirekte Maßnahmen, wie eine Sonderabgabe auf exportierte Ferkel, wären demnach rechtswidrig.
Zwar setzt die dänische Regierung auf einen radikalen Kurs in Richtung Tierschutz und Binnen-Wertschöpfung. Doch der rechtliche Spielraum innerhalb des EU-Binnenmarktes ist eng. Sollte Kopenhagen versuchen, den Export durch nationale Vorschriften – etwa im Bereich Transport oder Tierschutz – indirekt zu drosseln, drohen Klagen vor dem Europäischen Gerichtshof und hohe Schadensersatzforderungen.
Agrarheute
BaT feiert zehnjähriges Bestehen
Der Bund angestellter Tierärzte e.V. (BaT) ist am 13. Juni 2026 10 Jahre alt geworden. Seit einer Dekade macht sich der berufspolitische Verband für die angestellten Tierärzt:innen stark und vertritt die Interessen seiner Mitglieder sowohl bei Arbeitgeber:innen und Kammern als auch in der Politik und Öffentlichkeit. Die Basis für Gespräche und Diskussionen bilden einerseits die fachliche Orientierung und andererseits wissenschaftliche Datengrundlagen, die unter anderem aus zwei wichtigen Studien zu Arbeitsbedingungen und Arbeitszufriedenheit angestellter Tierärzt:innen stammen.
„Unser Antrieb ist derselbe wie vor zehn Jahren: angestellten Tierärztinnen und Tierärzten eine Stimme zu geben, nachzuhaken und kritisch zu hinterfragen, wenn behauptet wird, es habe sich doch schon genug verbessert“, sagte die 1. Vorsitzende Dr. Elisabeth Brandebusemeyer in ihrer Rede. „Ja, vieles hat sich verbessert – oftmals auch infolge des Engagements des BaT. Gleichzeitig gibt es weiterhin alte Herausforderungen und neue Aufgaben.“
So sei die Satzungsänderung zur Tariffähigkeit im Jahr 2019 ein besonderer Meilenstein gewesen, sagte Brandebusemeyer. Damit sei der BaT nicht nur Interessenvertretung, sondern auch tariffähiger Verband geworden. Am 1. Juni 2024 trat schließlich der erste Tarifvertrag des BaT mit dem Tiergesundheitszentrum Lichtenau in Kraft.
„Das ist nicht das Ende der Arbeit, sondern ein starkes Signal“, betonte Dr. Christian Wunderlich, 2. Vorsitzender des BaT und Gründungsmitglied. „Faire und verlässliche Arbeitsbedingungen sind verhandelbar. Gute Standards schaffen Sicherheit – für Angestellte, aber auch für Arbeitgeber, die im Wettbewerb um Fachkräfte bestehen wollen.“
Das Jubiläum wurde mit Mitgliedern, Vertreter:innen aus Arbeitgeberkreisen, Kammern, Kooperationspartner:innen, Wegbegleiter:innen und Gäste ausgiebig in Hamburg gefeiert.
Vetion.de gratuliert herzlich zu 10 Jahren BaT und wünschen weiterhin viel Erfolg für die Umsetzung der Ziele im Sinne der Tiermedizin!
Mecklenburg-Vorpommern stellt Weichen für rechtssicheres Wolfsmanagement
Am 2. April 2026 ist das geänderte Bundesjagdgesetz in Kraft getreten. So haben Behörden nun die Möglichkeit, schneller und zielgerichteter auf Wolfsrisse reagieren zu können. Unter der Voraussetzung, dass Nachweise sowohl über einen Nutztierriss durch einen Wolf als auch über ausreichende Maßnahmen zum Herdenschutz vorliegen, können Maßnahmen unmittelbar nach der Begutachtung eingeleitet werden. Über die Umsetzung der neuen Regelungen sind die zuständigen Behörden und beteiligten Institutionen in Kenntnis gesetzt worden.
„Der Wolf gehört inzwischen dauerhaft zur Natur in Mecklenburg-Vorpommern. Gleichzeitig tragen unsere Weidetierhalter täglich Verantwortung für ihre Tiere und leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt unserer Kulturlandschaften. Artenschutz und Weidetierhaltung dürfen deshalb nicht gegeneinander ausgespielt werden“, erklärt Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus.
Der Minister betont, dass sowohl Nutztiere wirksam zu schützen seien als auch der günstige Erhaltungszustand des Wolfes gesichert werden müsse. Vor dem Einleiten einer Maßnahme müsse fachkundlich begutachtet werden, dass nachweislich ein Wolf trotz ausreichender Schutzmaßnahmen Schäden in Nutztierbeständen verursacht hat. Herdenschutzmaßnahmen seien weiterhin die beste Maßnahme, um eine nachhaltige Koexistenz von Weidetierhaltung und Wölfen in dem Bundesland zu gewährleisten, so der SPD-Politiker.
„Wer seine Tiere schützt und dennoch von Wolfsschäden betroffen ist, erwartet zu Recht, dass der Staat handlungsfähig ist. Die neuen Regelungen schaffen dafür zusätzliche Möglichkeiten und mehr Rechtssicherheit für alle Beteiligten“, so Backhaus.
Ein landesweiter Wolfsmanagementplan zur Schaffung eines einheitlichen Rahmens für den Umgang mit dem Wolf in Mecklenburg-Vorpommern ist derzeit in Arbeit.
Ministerium Mecklenburg-Vorpommern
Maßnahmen zur Sicherung des tierärztlichen Nachwuchses dringend notwendig
Die Österreichische Tierärztekammer (ÖTK) hat eine aktuelle Zukunftsprognose zur Entwicklung der tierärztlichen Versorgung in Österreich veröffentlicht. Demnach bereitet die derzeitige Altersstruktur große Sorgen. Denn zum Ende des vergangenen Jahres waren rund 360 versorgungsrelevante Tierärzt:innen über dem gesetzlichen Pensionsantrittsalter angesiedelt. Entsprechend werden in den nächsten Jahren ein Großteil erfahrener Praktiker:innen aus dem Berufsleben ausscheiden, so die ÖTK.
Die Studie hat gezeigt, dass in den kommenden 14 Jahren durchschnittlich rund 84 Pensionierungen pro Jahr stattfinden werden. Besonders im Nutztierbereich würden diese Stellen nicht mehr adäquat besetzt werden können. So prognostiziert die Studie ein Defizit zwischen 43 und minus 65 Vollzeitäquivalenten, je nachdem, wie sich das tatsächliche Pensionsverhalten der Tierärzt:innen entwickeln wird. Dies entspricht etwa 70 bis 100 Tierärzt:innen, die für eine ausreichende Versorgung im Nutztierbereich fehlen würden.
Die ÖTK zeigt sich aber zufrieden, dass die Zukunftsprognose bei verschiedenen Medien auf großes Interesse gestoßen ist und das Thema aufgegriffen haben. So werde vermehrt auf die Notwendigkeit, frühzeitig Maßnahmen zur Sicherung des tierärztlichen Nachwuchses und zur langfristigen Aufrechterhaltung der tierärztlichen Versorgung in Österreich zu ergreifen, aufmerksam gemacht.
ÖTK
Forschungsnetzwerk mit ersten vielversprechenden Ergebnissen
Vor etwas mehr als einem Jahr hat das European Vaccines Hub (EVH) seine Arbeit aufgenommen. Das europäische Forschungsnetzwerk, an dem auch neun deutsche Forschungseinrichtungen -darunter die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo)- beteiligt sind, soll Europa optimal auf künftige großflächige Infektionsgeschehen wie Epidemien oder Pandemien vorbereiten. Im Fokus steht dabei der Aufbau eines nachhaltigen, proaktiven Impfstoffentwicklungsökosystems.
Die ersten Ergebnisse, die der EVH bei seiner Jahrestagung im Mai 2026 präsentiert hat, sind vielversprechend. Neben Industriepartnerschaften zur Entwicklung eines mukosalen Impfstoffs gegen die Vogelgrippe H5N1 und fortgeschrittene Gespräche mit BioNTech zur klinischen Entwicklung eines mRNA-basierten Impfstoffkandidaten gegen Mpox konnten die Forschenden bereits neutralisierende humane monoklonale Antikörper gegen Mpox isolieren und mithilfe künstlicher Intelligenz neue Impfstoffantigene identifizieren. Zudem wurden Studien begonnen, um langfristige, kreuzreaktive Immunantworten bei Personen zu untersuchen, die zuvor gegen H5N1 geimpft wurden. Multizentrische, länderübergreifende Studien für H5N8-Impfstoffe zur Pandemievorsorge sind in Vorbereitung.
Auch seinen ersten Pandemie-Bereitschaftsplan legte der EVH vor. Außerdem hat der EVH die europäischen Produktionskapazitäten für Impfstoffe und monoklonale Antikörper erfasst, die Arbeitsgruppen zu Influenza und vorrangigen Krankheitserregern eingerichtet, eine Pilotplattform für Interessensbekundungen ins Leben gerufen, um die europaweite Zusammenarbeit auszuweiten und seine Zusammenarbeit mit der Behörde für Gesundheitsnotfallvorsorge und -reaktion (GD HERA) verstärkt.
TiHo
Strukturwandel in der globalen Schweinehaltung schreitet voran
Die Schweinehaltung befindet sich in vielen Regionen der Welt in einem Strukturwandel. Die sinkende Nachfrage, aber auch die Afrikanische Schweinepest (ASP) haben den Welthandel verändert.
So hat die Tierseuche in der Dominikanischen Republik einen dramatischen Rückgang der Schweineproduktion verursacht: 85 Prozent der kommerziellen Betriebe sind ausgestiegen oder stehen kurz davor. Inzwischen müssen 80 % des Schweinefleisches importiert werden. Um wieder einen gesunden Tierbestand aufzubauen, schlägt Carlos Trincado, Fachmann für Schweinegesundheit und Biosicherheit, einen radikalen Schritt vor. Für einen Neustart ohne die hochpathogenen ASP-Viren, soll der komplette Schweinebestand des Landes einmal gekeult werden. Mit getesteten „Sentinelschweinen“ sollen die Farmen nach einer Zwischenphase von 2 bis 3 Jahre wieder neu beginnen.
Aufbau statt Abbau heißt es in Vietnam: in dem ostasiatischen Land ist bereits die zweite Riesenanlage für die Fleischproduktion in Planung. In Hanoi soll auf rund 220 Hektar ein mehrstöckiger Schweinezuchtkomplex nach dem Vorbild eines Apartmentgebäudes entstehen. Wie auch schon in China soll das Großprojekt die Schweinehaltung mit eigenem Anbau von Futterpflanzen und einem geschlossenen Kreislaufsystem kombinieren.
In der vietnamesischen Provinz Tay Ninh entsteht aktuell bereits eines der größten Schweinehaltungsprojekte Südostasiens. In einem Gebäudekomplex mit sechs Etagen sollen bis zu 64.000 Zuchtsauen gehalten werden. Die jährliche Produktion wird mit bis zu 1,6 Millionen Mastschweinen angegeben. Noch in diesem Jahr soll der Bau beginnen, bereits 2027 sollen die ersten Tiere eingestallt werden.
Topagrar
Agrarheute
Rückläufige Tierhaltung gefährdet Grünland
Der Strukturwandel in der Nutztierhaltung hat dazu geführt, dass sowohl die Fleischproduktion als auch der gesamte Nutztierbestand in Deutschland seit Jahren rückläufig ist. Die Hauptgründe liegen an einem veränderten Konsumverhalten, gestiegenen Kosten für Futter und Energie sowie geringen Erlösen und letztendlich auch an den verschärften gesetzlichen Auflagen. Der Rückgang der Weidetierhaltung beeinflusst aber auch das Grünland.
Durch die sinkende Nachfrage nach Grünlandfutter bestehe die Gefahr, dass die bisher benötigten Flächen langfristig nicht mehr genutzt und gepflegt werden. Das wiederum habe negative Auswirkungen auf Biodiversität und Landschaftsbild, erklärt Prof. Dr. Andre Deppermann von der Technischen Hochschule Bingen. Um die Risiken zu identifizieren, hat der Wissenschaftler ein Forschungsprojekt ins Leben gerufen, in dem verschiedene Daten systematisch zusammengeführt werden, um Risiken zu identifizieren.
Das Projekt „Entwicklung eines integrierten Analyserahmens für die Landnutzung in Rheinland-Pfalz“ läuft von Juni 2026 bis Mai 2028 und wird von der Carl-Zeiss-Stiftung im Rahmen des Programms „CZS Forschungsstart“ mit rund 236.000 Euro gefördert. Ziel des Vorhabens ist, Szenarien zu gefährdeten Regionen zu erstellen. Langfristig soll das Projekt zur Reform der Europäischen Gemeinsamen Agrarpolitik beitragen.
Das Forschungsprojekt richtet sich an Akteur:innen in Rheinland-Pfalz, darunter Politik, Verwaltung und Praxis, die sich mit der Nutzung und Pflege von Grünlandflächen befassen.
TH Bingen
Aromatisiertes Stroh animiert Schweine zum Spielen
Beschäftigungsmangel kann in Schweinehaltungen dazu führen, dass Schweine Verhaltensstörungen wie Schwanzbeißen entwickeln. Fehlt organisches Beschäftigungsmaterial, beginnen die Tiere, sich gegenseitig durch Bisse und Knabbern zu verletzen. Parfümiertes Stroh kann dieses Verhalten von Schweinen ändern und das Spielen fördern. Das ist das Ergebnis einer Studie der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften (Sveriges lantbruksuniversitet, SLU).
Ein Forschungsteam hat über einen Zeitraum von zwei Jahren untersucht, ob sich das Spielverhalten von Schweinen ändert, wenn den Tieren aromatisiertes Stroh angeboten wird. Die Wissenschaftler:innen haben 1.600 Ferkel im Alter von 10 Wochen bis zur Schlachtung Stroh zur Verfügung gestellt, das einerseits mit ätherischen Ölen, wie beispielsweise Lavendel, Anis und Kiefer, andererseits mit geruchsneutralem Mineralöl behandelt war. Die Untersuchungen konnten belegen, dass parfümiertes Stroh sowohl das Spielverhalten der Schweine als auch ihr Interesse am Stroh erhöhte.
„Mit dieser Studie wollten wir das Gesamtbild betrachten: Es ging uns nicht nur darum, wie sich ein schlechtes Tierwohl vermeiden lässt, sondern auch darum, ob geeignete biologische Maßnahmen die Schweine positiv beeinflussen können – etwa indem sie natürliche Verhaltensweisen wie Spielen und das Erkunden der Umgebung fördern“, sagt Maria Vilain Rørvang, außerordentliche Professorin am Institut für Biosysteme und Technologie der SLU und Hauptautorin der Studie. Es sei sehr interessant zu beobachten, wie die Neugier der Schweine geweckt werde, wenn sie an etwas riechen dürfen, das sie normalerweise nicht kennen, so die Forscherin. Die Aromatisierung des Strohs könnte eine Möglichkeit sein, Stroh über einen längeren Zeitraum hinweg interessant zu halten.
Der wissenschaftliche Artikel wurde nun in der Fachzeitschrift „Animal“ veröffentlicht.
SLU
Agrarheute