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Pestizidrückstände in 70 Prozent der Böden nachgewiesen

Die Auswirkungen von Pestiziden auf die Biodiversität in Böden sind bislang kaum erforscht. In einer aktuellen Studie, der ersten Analyse dieses Umfangs überhaupt, konnten internationale Forschende belegen, dass Pestizidrückstände das Bodenleben massiv beeinflussen.

Die Wissenschaftler:innen aus zehn europäischen Forschungseinrichtungen untersuchten die Auswirkungen von 63 Pestiziden auf Bodenarchaeen, Bakterien, Pilze, Protisten, Nematoden, Arthropoden und wichtige funktionelle Gengruppen an 373 Standorten in Wald-, Gras- und Ackerlandschaften in 26 europäischen Ländern. An 70 % der Standorte wurden Pestizidrückstände nachgewiesen.

„Die Ergebnisse deuten darauf hin“, sagt Studienleiter Prof. Marcel van der Heijden, dass der Einsatz von chemischen Präparaten „die natürliche Nährstoffversorgungsfunktion des betroffenen Bodens beeinträchtigt und zusätzliche Düngung erforderlich ist, um die Erträge aufrechtzuerhalten“, so der Forscher vom Institut für Pflanzen- und Mikrobiologie der Universität Zürich. 

Während Insektizide nur eine untergeordnete Rolle spielten, standen Fungizide mengenmäßig an erster Stelle, gefolgt von Herbiziden. Am häufigsten konnten die Forschenden das Glyphosat-Abbauprodukt  Aminomethylphosphonsäure (AMPA) nachweisen.

Die Studie „Pestizidrückstände verändern die taxonomische und funktionelle Biodiversität in Böden“ zeigte „komplexe und weitreichende, nicht-zielbezogene Effekte auf die Bodenbiodiversität“. Die Forschenden fordern, dass die Effekte von Pestiziden und Wirkstoffen auf Bodenlebewesen wie Bakterien, Pilze, Nematoden und Gliederfüßer bei deren Zulassung stärker berücksichtigt werden müssen. Die Ergebnisse unterstreichen ihrer Meinung nach die Notwendigkeit, funktionale und taxonomische Merkmale in künftigen Methoden zur Risikobewertung zu integrieren.

Agrarheute

Gutachten empfiehlt Überarbeitung der EU-Tierschutzgesetzgebung zur Putenhaltung

In der Europäischen Union konzentriert sich die Putenhaltung auf wenige Hauptländer. Seit dem Jahr 2017 ist Polen das Land mit der höchsten Putenproduktion, gefolgt von Deutschland und Frankreich. Hierzulande wurden im Jahr 2024 mehr als 30 Millionen Puten geschlachtet.

In der EU existiert bislang für die Putenhaltung keine eigene Regelung. Derzeit gilt lediglich die allgemeine Tierschutzrichtlinie 98/58/EG. So wurde die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) beauftragt,  das Wohlergehen von Puten (einschließlich Zuchtputen und Puten zur Fleischproduktion) auf Grundlage des aktuellen Forschungsstands zu untersuchen.

Das gerade veröffentliche Gutachten belegt, dass es in der europäischen Putenhaltung viele tierschutzrelevante Probleme gibt. Darunter fallen eine zu hohe Besatzdichten und Federpicken. In ihrer Stellungnahme fordert die EFSA deutlich strengere Tierschutzstandards, um gravierende Mängel zu beheben.

Die Behörde identifizierte 19 zentrale Punkte, die das Wohlbefinden von Puten beeinträchtigen können. Dazu zählen Bewegungseinschränkungen, Erkrankungen des Bewegungsapparates, Haut- und Gewebeschäden sowie Stress durch Hitze oder Kälte. Neben den genannten Besatzdichten und feuchter Einstreu zählen auch fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten, schlechte Luftqualität und extreme Temperaturen zu den beeinträchtigen Faktoren.

Deutlich positioniert sich die EFSA gegen das Kürzen des Schnabels, das Entfernen des Hautanhangs am Schnabel („Snood“) und das Kürzen der Zehen. Diese Eingriffe sollen nach Empfehlung der Behörde schrittweise auslaufen.

Die Stellungnahme dient der Europäischen Kommission als wissenschaftliche Grundlage für mögliche neue Vorschriften. Nach der umfassenden wissenschaftliche Bewertung formuliert die EFSA deshalb konkrete Empfehlungen für die Überarbeitung der EU-Tierschutzgesetzgebung.

Agrarheute

Experten warnen vor Zusammenbruch der US-Landwirtschaft

Die US-amerikanische Landwirtschaft befindet sich trotz hoher staatlicher Zuschüsse in einem dramatischen Sinkflug. Wie aus dem aktuellen Februarbericht 2026 des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) hervorgeht, wird sich das Netto-Landwirtschaftseinkommen im laufenden Jahr um 0,7 % verringern. Als Folge der fehlenden Einnahmen verschulden sich immer mehr Landwirt:innen bzw. gehen in die Insolvenz. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters reichten die rekordverdächtigen staatlichen Zahlungen, die voraussichtlich fast 29 % des Gewinns der Erzeuger:innen ausmachen werden, nicht aus. Als Grund werden niedrige Erzeugerpreise und steigende Kosten genannt.

In einem offenen Brief haben ehemalige USDA-Beamt:innen sowie führende Vertreter:innen von Agrarverbänden nun vor einem Zusammenbruch der amerikanischen Landwirtschaft gewarnt. Darin wird die Bestürzung über den „Schaden, der den amerikanischen Landwirten zugefügt wurde“, zum Ausdruck gebracht. Es gebe zwar viele Gründe für die steigenden Insolvenzen in der Landwirtschaft und die sinkenden Gewinne, doch „es ist klar, dass die Maßnahmen der aktuellen Regierung, zusammen mit der Untätigkeit des Kongresses, die Kosten für Betriebsmittel erhöht, die ausländischen und inländischen Märkte gestört, der Landwirtschaft einen verlässlichen Arbeitskräftepool entzogen und wichtige Agrarforschung und -personal gekürzt haben“, heißt es weiter in dem Brief.

Um die sinkenden Erzeugerpreise und die hohen Betriebskosten abzufedern, sei nach Meinung der Verfasser:innen möglicherweise noch mehr staatliche Unterstützung nötig. Auch müsse verhindert werden, dass die Landwirt:innen sich weiter verschulden. Als Konsequenz fordern die Unterzeichner:innen, dass der Kongress die Zölle für den Agrarsektor senkt und die internationalen Märkte erweitert sowie ein neues Landwirtschaftsgesetz verabschiedet und die Finanzierung von Agrarforschung und -personal wiederherstellt.

„Unsere Landwirte und Viehzüchter können international konkurrenzfähig sein, aber nicht unter den gegebenen chaotischen politischen Bedingungen“, betont Jon Doggett, ehemaliger Geschäftsführer des US-amerikanischen Maiszüchterverbands (National Corn Growers Association).

Topagrar

Toennies versichert Landwirt:innen gegen Tierseuchen

Ab sofort können sich Landwirt:innenebei Tönnies gegen Ausbrüche von Tierseuchen, wie der Afrikanischen Schweinepest (ASP) oder der Maul- und Klauenseuche (MKS), versichern.

Die Tönnies-Unternehmensgruppe hat gemeinsam mit dem Versicherungsmakler Marsh und dem Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) Münster einen neuen Haftpflicht-Schutzschirm für Tierlieferungen entwickelt. Ziel ist es, landwirtschaftliche Lieferbetriebe und Viehhändler:innen besser gegen existenzbedrohende Haftungsrisiken abzusichern, wie das Unternehmen berichtet.

„Wir stellen heute eine konkrete Lösung für ein reales Problem vor, das Landwirte betrifft, die Tiere an uns liefern“, sagt Robert Elmerhaus, Leiter Lebendvieheinkauf der Tönnies-Unternehmensgruppe. Wer künftig seine Tiere an einen der Schlachthöfe des Familienunternehmens liefert, ist automatisch mitversichert. „Eine umfassende Analyse hat gezeigt, dass bisher bei den Haftpflichtversicherungen der Landwirte sowohl hinsichtlich der Versicherungssumme als auch hinsichtlich des Versicherungsumfangs Deckungslücken bestehen. Bei nicht wenigen war der Seuchenfall sogar gänzlich ausgeschlossen. Das kann im Ernstfall existenzbedrohend sein. Genau hier greift nun unser Schutzschirm“, erläutert Dr. Wilhelm Jaeger, Leiter Landwirtschaft bei Tönnies.

Tönnies

Belgischer Rinderhalter wegen selbst durchgeführter Kaiserschnitte angeklagt

Ein pensionierter Landwirt aus dem belgischen Vielsalm steht aktuell vor dem Berufungsgericht in Lüttich, weil er eigenmächtig Kaiserschnitte bei seinen Kühen durchgeführt hat. Nach Informationen des Belgischen Rundfunks BRF habe der Tierhalter, der Rinder der Rasse „Blanc Bleu Belge“ züchtete, selbst zugegeben, mehr als hundert Geburten pro Jahr selbst begleitet zu haben, obwohl das Gesetz vorschreibe, dass solche Eingriffe ausschließlich von Tierärzt:innen vorgenommen werden dürfen.

Der Beklagte gab als Grund an, dass es einen Mangel an Tierärzt:innen in seiner Region gegeben habe. Die Staatsanwaltschaft forderte eine Geldstrafe von 32.000 Euro. Die Verteidigung beantragt eine Strafaussetzung.

Kontrolleuer:innen der Lebensmittelagentur Afsca waren bereits im Jahr 2022 stutzig geworden, nachdem sie festgestellt hatten, dass deutlich mehr Kälber geboren wurden, als Kaiserschnitte durch einen Tierarzt abgerechnet waren und Rinder dieser Rasse nicht ohne Kaiserschnitt gebären können.

BRF 

Zusammenarbeit von Biologin und Landwirt soll Brachvogel retten

Der Brachvogel ist ein norddeutsches Wahrzeichen, aber leider auch vom Aussterben bedroht. Um ihn zu retten, haben sich eine Biologin und ein Landwirt in der Eider-Treene-Sorge-Niederung in Schleswig-Holstein zusammengetan. Das Engagement der Beiden für ein Stückchen heile Heimat dokumentiert die NDR Doku in „die nordstory“ des Norddeutschen Rundfunks (NDR) einfühlsam und beeindruckend.

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PRRS-resistente Schweine in Kanada zugelassen

Nach den USA, Brasilien und Kolumbien hat nun auch Kanada den Einsatz von genetisch veränderten, gegen das porzine Reproduktions- und Atemwegssyndrom (PRRS) resistenten Schweinen genehmigt. Wie das englische Unternehmen für Tierbiotechnologie und Genetik, Genus PLC, mitteilte, habe die Regierung die Verwendung seiner Genomeditierung für Schweine genehmigt. Dadurch bilden die Tiere ein spezifisches Rezeptor-Protein (CD163) nicht mehr aus, das das Virus benötigt, um in die Zellen einzudringen. Eine Studie beziffert die Kosten durch PRRS allein in den USA auf 1,2 Milliarden USD pro Jahr.

Genus strebt weitere Zulassungen in wichtigen nordamerikanischen Exportmärkten wie Mexiko sowie Japan und China an.

Marked Screener

Niedersachsen plant Verbot der Anbindehaltung von Rindern

Niedersachsen plant als erstes Bundesland, die sogenannte Anbindehaltung von Rindern künftig zu verbieten. Dazu sei ein Erlass zur Umsetzung von mehr Tierschutz erarbeitet worden, sagte eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums. Es sei eine Übergangsfrist von sieben Jahren vorgesehen.

Die Anbindehaltung sei mit den Anforderungen des Tierschutzgesetzes nicht vereinbar. Dieses schreibt vor, dass ein Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernährt, gepflegt und verhaltensgerecht untergebracht werden muss. Die Anbindehaltung ermögliche keine artgerechten Verhaltensweisen.

Nach Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums gab es in Niedersachsen im Mai 2025 insgesamt 17.969 rinderhaltende Betriebe mit über 2,2 Millionen Tieren. Schätzungsweise werden auf „deutlich mehr als 1.000 Betrieben“ die Rinder in Anbindehaltung gehalten, so das Ministerium.

Das niedersächsische Landvolk steht nach eigenen Angaben „im Ergebnis“ hinter dem Schritt. Frank Kohlenberg, der Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen sagte: „Entscheidend ist für uns, dass der Wandel praxisnah und mit Augenmaß erfolgt. Für die betroffenen Landwirte ist vor allem eines unverzichtbar: Planungssicherheit.“

Utopia

Trendwende bei Milchpreisen in Sicht?

Die Ergebnisse der letzten drei Auktionen der globalen Handelsbörse GDT in 2026 lassen Milchviehhalter nach einer monatelangen Hängepartie bei niederigen Preisen nun auf die lang ersehnte Trendwende hoffen. Dank der steigenden globalen Nachfrage könnten die Preise rasch wieder anziehen. Der GDT-Index stieg am Dienstag um 6,7 Prozent – der höchste Anstieg seit März 2021.

Aktuell liegen die Auszahlungspreise der Molkereien an die Milchbauern teilweise noch unter 35 Cent je Liter, wodurch eine Kostendeckung bei den Landwirten nicht gegeben ist.

Bundesagrarminister Alois Rainer hat die Milchverbände daher für kommenden Mittwoch zu einem Milchgipfel in Berlin eingeladen. „Ich will nicht in die Preisgestaltung eingreifen“, sagte Rainer, „aber wenn Butter nur noch 99 Cent kostet, kann ich das nicht gut finden.“ Ein Thema dürfte auch die Diskussion um eine Risikoausgleichsrücklage sein, wie sie der Koalitionsvertrag vorsieht. Weiterhin dürfte es um eine Marktentlastung durch Lagerhaltung gehen, denn weniger Angebot an Butter, Käse oder Magermilchpulver könnte den Preisverfall bremsen. Ein Sprecher des Ministeriums warnte jedoch vor zu hohen Erwartungen.

Neues Positionspapier zu Tiergesundheit und Tierwohl von Kälbern

Kälber haben besonders in ihren ersten Lebenswochen ein hohes Erkrankungsrisiko. Um dieses zu verringern und einen guten Grundstein für das Immunsystem, den Stoffwechsel und das Verhalten zu legen, ist in dieser wichtigen Phase neben geeigneten Haltungsbedingungen und frühen sozialen Kontakten besonders die frühzeitige und ausreichende Kolostrum- und Milchversorgung von Bedeutung.

Das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) hat ein neues Positionspapier zur tiergerechten Kälberaufzucht erarbeitet. Darin weisen die Wissenschaftler:innen auf die Relevanz der ad-libitum-Milchversorgung, einer frühzeitigen Gruppenhaltung sowie auf die Bedeutung der kuhgebundenen Kälberaufzucht hin. Ein weiterer Fokus des Positionspapiers liegt in der Einordnung der aktuellen gesetzlichen Vorgaben sowie der Gegenüberstellung der weitergehenden wissenschaftlichen Empfehlungen, unter anderem der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).

„Eine tiergerechte Kälberaufzucht ist keine optionale Zusatzleistung, sondern eine Investition in Tiergesundheit, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Akzeptanz der Milchviehhaltung“, betonen die Autor:innen. Die empfohlenen Maßnahmen würden sich langfristig durch robustere, gesündere Tiere auszahlen, auch wenn der Aufwand zu Beginn höher sei.

Unter dem Titel „Tiergerechte Aufzucht von Kälbern – Herausforderungen, wissenschaftliche Erkenntnisse und Empfehlungen für die Praxis“ stellt das Positionspapier die wesentlichen Stellschrauben für Tiergesundheit und Tierwohl bereit und formuliert konkrete Empfehlungen für Landwirtschaft, Beratung und Politik.

FBN

Schweden verbietet Bejagung von Wölfen

Das Bejagen von Wölfen ist in vielen Ländern ein Streitthema. Während in Deutschland noch um eine klar umgrenzte Bejagung gestritten wird, wurde in Schweden die sogenannte Lizenzjagd auf Wölfe in den vergangenen Jahren bereits praktiziert. Nun hat das Verwaltungsgericht im schwedischen Luleå die Wolfsjagd auf Drängen von Naturschützer:innen untersagt. Die Lizenzjagd auf 48 Wölfe, die gesetzlich vom 2. Januar bis 15. Februar möglich ist, wurde bereits im Dezember 2024 verboten. Die Berufung, die von den betroffenen Regionen eingelegt worden war, wurde nun vom Berufungsgericht in Sundsvall abgewiesen.

Den Naturschützern war dabei vor allem der niedrige Referenzwert für einen „günstigen Erhaltungszustand“ von 0,8 Wölfe pro 1.000 km² ein Dorn im Auge. Er entbehre „jeglicher wissenschaftlichen Grundlage“ und wurde von der EU-Kommission abgelehnt. In Deutschland liegt die Wolfsdichte bei etwa 4,6 Raubtieren/1.000 km², allein in Niedersachsen bei ca. 8,6 Wölfen/1.000 km².

Der schwedische Bauernverband kritisiert das Verbot und warnt vor Folgen für die Nutztierhalter:innen, die biologische Vielfalt und die Umsetzung der nationalen Lebensmittelstrategie.

Agrarheute

ASP in Katalonien sorgt für hohe Verluste

In der spanischen Provinz Katalonien greift die Afrikanische Schweinepest (ASP) unter Wildschweinen weiter um sich. Nach rund 30 Jahren war die Tierseuche in 2025 erstmals wieder in der Region nachgewiesen worden.

Die Zahl der ASP-Ausbrüche steigt unterdessen weiter, erst in der vergangenen Woche wurden 13 weitere Fälle bekannt. Auch wenn bislang keine Ausbrüche in Schweinebetriebe nachgewiesen wurden, leiden die katalanischen Landwirt:innen bereits massiv unter den bisherigen Folgen der ASP-Ausbrüche in dem schweinestärksten Land der EU. Nach Informationen des katalanischen Bauernverband Unió de Pagesos belaufen sich die Verluste der Schweinehalter:innen bis zum Jahresende 2025 schon auf 63 Mio. Euro.

Der Grund für die dramatischen Umsatzeinbußen sind die strikten Verbringungsbeschränkungen, denen rund 61.500 Tiere (10 Prozent des Bestands der Provinz Barcelona) unterliegen. Der Export wird durch die ASP erheblich belastet, was insbesondere den Handel mit China beeinträchtigt. Zudem wächst mit jedem neuen Fund der Druck auf Biosicherheit und Prävention.

Die 9-teilige Online-Fortbildungsreihe zum Thema Biosicherheit in der tierärztlichen Bestandsbetreuung von Myvetlearn.de vermittelt Tierärzt:innen in allgemeinen und tierartspezifischen Kursen fundiertes Wissen zu den Hygiene- und Biosicherheitsmaßnahmen in Beständen zu verschiedenen Tierarten. Kurs 4 behandelt die Biosicherheit von Schweinen. 

Agrarheute

Landwirte aus Pakistan verklagen deutsche Industrieunternehmen wegen Klimaschädigung

Kaum ein Sektor ist so vom Klima abhängig wie die Landwirtschaft. Denn das Wetter entscheidet über eine gute Ernte oder Ernteausfälle und damit über die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln. Durch den menschengemachten Klimawandel kommt es weltweit jedoch immer häufiger zu Wetterextremen, wie Stürme, Überflutungen und Dürren. Darunter leiden neben den Bewohner:innen der betroffenen Regionen vor allem die Landwirt:innen.

Jetzt haben 39 Bäuerinnen und Bauern aus der Provinz Sindh in Pakistan, die von den starken Überflutungen im Jahr 2022 betroffen waren, eine Klage in Deutschland beim Landgericht Heidelberg eingereicht. Die Klage richtet sich gegen die Energiekonzern RWE und den Zementhersteller Heidelberg Materials. Die Menschenrechtsorganisationen medico international, ECCHR sowie die pakistanischen Organisationen HANDS Welfare Foundation und der National Trade Union Federation unterstützen die Landwirt:innen.

Die Überflutungen im Sommer 2022 setzten ein Drittel des Landes unter Wasser, vernichteten Ernten und beschädigten Häuser. Die Kläger:innen berufen sich auf das in Deutschland geltende Verursacherprinzip. Sie argumentieren, dass diejenigen, die langfristig große Mengen Treibhausgase ausgestoßen haben, dafür auch finanziell Verantwortung übernehmen müssen. Einer Studie zufolge soll RWE mindestens für 0,68 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen und Heidelberg Materials für 0,12 Prozent verantwortlich sein. RWE ist zudem eines der 100 Unternehmen, die gemeinsam für 70 % der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich sind.

RWE hält die Vorwürfe unterdessen für unbegründet und hat Forderungen nach Schadensersatzleistungen bereits zurückgewiesen.

Agrarheute

Amsterdam verbietet Werbung für klimaschädliche Produkte

Als erste europäische Hauptstadt hat Amsterdam das Verbot für die öffentliche Werbung für Fleisch verkündet. Demnach verbietet die Stadt ab dem 1. Mai 2026 Werbung im öffentlichen Raum für Produkte, die nachweislich zur Klimakrise beitragen. Neben Fleisch betrifft das auch die Bewerbung von Flugreisen, Kreuzfahrten und Dieselautos auf Plakatwänden sowie Werbeflächen im öffentlichen Nahverkehr. Auf privaten Flächen und in Online-Kanälen gilt das Verbot, mit dem die Stadt ihre Bemühungen für mehr Klimaschutz verschärfen möchte, allerdings nicht.

Mit diesem Beschluss folgt der Stadtrat den Vorschlägen der beiden Parteien GroenLinks und der Partij voor de Dieren. Scharfe Kritik kommt von Seiten der Landwirt:innen. Sowohl die Werbebranche als auch verschiedene Wirtschaftsverbände werfen Amsterdam zudem vor, das Verbot schreibe den Menschen vor, was sie konsumieren sollten. Gegner:innen argumentieren zudem mit vertraglichen Risiken, da Werbeflächen langfristig vergeben sind. Laut der Interessengemeinschaft Wild beim Wild produziere ein Werbeverbot nicht direkt weniger Tierleid, aber es verändere die kulturelle Präsenz und Legitimation von tierlicher Nutzung im öffentlichen Raum.

In anderen niederländischen Städten, wie Den Haag, Delft und Nimwegen, gilt bereits ein solches Werbeverbot für Fleisch.

Agrarheute

Antikörper gegen HPAI bei Kuh in Europa nachgewiesen

Seit Frühjahr 2024 breitet sich das Geflügelpestvirus des Subtyps H5N1 unter Milchkühen in den USA aus. Betroffen sind viele hundert Betriebe in zahlreichen US-Bundesstaaten.

Nun wurden erstmals bei einer Kuh in Europa Antikörper gegen das Virus nachgewiesen. Auf einem Betrieb in den Niederlanden hatte die niederländische Behörde für Lebensmittel- und Produktsicherheit (NVWA) umfassend Milchproben von Tieren der Milchkuhherde genommen, nachdem der behandelnde Tierarzt bei einer Katze des Hofes die Geflügelpest festgestellt hatte. Die Proben wurden im Wageningen Bioveterinary Research (WBVR) untersucht. Bei einer der Milchkühe konnte zwar das Virus nicht nachgewiesen werden, jedoch fanden die Forschenden Antikörper dagegen. Das bedeutet, dass das Tier vorher mit H5N1 infiziert worden war. Nachforschungen der NVWA ergaben, dass die Kuh Mitte Dezember Symptome gezeigt, die für eine HPAI-Infektion sprechen. Das Tier ist inzwischen wieder frei von Symptomen.

Bei keiner der getesteten Kühe wurde das Virus H5N1 nachgewiesen. Die Suche nach Antikörpern dauert noch länger. Diese Untersuchungen nehmen mehr Zeit in Anspruch. Die Ergebnisse werden im Laufe der Woche erwartet. Bis dahin gelten für den Betrieb restriktive Maßnahmen.

Universität Wageningen

One-Health-Ansatz essentiell zur Bekämpfung von Zoonosen aus dem Stall

Die Kälberflechte ist eine Zoonose, das heißt, die Infektionskrankheit kann von Tieren auf den Menschen übertragen werden. Erkrankte Menschen zeigen Symptome wie kreisrunde rötliche Flecken und einen starken Juckreiz. Die Zahl der Zoonosen nimmt weltweit zu. Rinder, Schafe und Ziegen als Lebensmittel liefernde Nutztiere sind dabei häufig Erregerträger, wobei die Wiederkäuer selbst keine sichtbaren Anzeichen einer Erkrankung zeigen. Die Tiere scheiden Krankheitserreger häufig völlig symptomlos aus.

Um Übertragungen auf den Menschen zu vermeiden, müssen die Risiken auf dem Betrieb frühzeitig erkannt werden. Risken der Übertragung bestehen bei direktem Kontakt zu Tieren sowie zu Ausscheidungen, Geburtsmaterial oder kontaminiertem Stallstaub. Eine Infektion ist auch möglich durch den Verzehr von Rohmilch, Rohmilchkäse oder unzureichend erhitztem Fleisch, durch verunreinigtes Wasser oder Boden bzw. durch Vektoren wie Zecken oder Mücken. Eine zoonotische Erkrankung kann Magen-Darm-Beschwerden bis hin zu schweren systemischen Infektionen nach sich ziehen.

Bakterielle Zoonosen, wie Q-Fieber, Brucellose, STEC/EHEC, Salmonellen und Campylobacter werden am häufigsten gemeldet. Viele von ihnen stehen direkt oder indirekt mit Wiederkäuern in Verbindung. Zudem treten auch immer wieder virale oder parasitäre Zoonosen auf. Pilzinfektionen oder Prionenerkrankungen sind eher selten, dafür aber folgenschwer.

Effektive Prävention, wie ein umfassendes Tiergesundheitsmonitoring, Lebensmittelüberwachung, ein Umwelt- und Aerosolmonitoring sowie humanmedizinische Überwachung sind essentiell bei der Früherkennung und Bekämpfung von Zoonosen. Diese lassen sich nur wirksam kontrollieren, wenn Veterinärmedizin, Humanmedizin und Umweltwissenschaft eng zusammenarbeiten. Ein integrierter One-Health-Ansatz ermöglicht es, Risiken frühzeitig zu erkennen, Infektionswege nachzuvollziehen und Ausbreitungen effektiv einzudämmen.

Ceva Tiergesundheit

KI zur Früherkennung von Stressepisoden bei Milchkühen

Milchkühe haben einen ausgeprägten zirkadianen Rhythmus, der den Tag der Tiere durch Fressen, Wiederkäuen, Trinken, Liegen und Pflegen strukturiert. Bestimmte Managementfehler oder Stressoren können diesen Rhythmus stören, was negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Gesundheit nach sich ziehen kann. Zu diesen Faktoren gehören ungünstige Umweltbedingungen (z.B. Hitzestress) und Veränderungen der täglichen Routinen, die bei den Tieren Stress-Reaktionen verursachen können, wie eine verringerte Futteraufnahme, Veränderung der Ruhephasen und eine erhöhte Anfälligkeit für Erkrankungen. Um eine geringere Milch- und  Fruchtbarkeitsleistung zu vermeiden, ist eine frühzeitige und genaue Erkennung von Stress von großer Bedeutung.

Wissenschaftler:innen aus Ecuador, Peru und Brasilien haben daher in einer aktuellen Studie untersucht, ob eine Stresserkennung bei Milchkühen durch die Erfassung ihres zirkadianen Rhythmus mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) aussagekräftige Vorhersagen ermöglicht. Die Forschenden haben Verhaltensbiomarker wie Futteraufnahme, Ruhephasen und Wiederkäuen bei zehn Kühen über einen Zeitraum von 12 Monaten mithilfe von Sensoren kontinuierlich überwacht. Anschließend wurden die Daten mithilfe von Kl ausgewertet. Diese konnte belegen, dass eine bis zu 82-prozentig genaue Vorhersage von Stressepisoden bei Rindern mit einer Vorlaufzeit von einer Stunde möglich ist.

Wie die Studienautoren erklären, bietet eine Vorlaufzeit von einer Stunde ein entscheidendes Zeitfenster für präventive Maßnahmen. Indem Maßnahmen bereits vor Auftreten von negativen Einflüssen ergriffen werden können, wäre dies ein grundlegender Fortschritt, um das Tierwohl und die Profitabilität zu verbessern.

Milchpraxis

Geflügelpestgeschehen in Niedersachsen lässt Landwirt:innen verzweifeln

Mehr als die Hälfte der deutschen Masthühner werden in Niedersachsen gehalten, dazu kommt eine hohe Konzentration an Puten haltenden Betrieben. Das Bundesland hat seit vergangenem Herbst massiv unter der Hochpathogenen Aviären Influenza (HPAI, Geflügelpest) zu leiden. Schon die Bilanz des Tierseucheninformationssystems (TSIS) des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) für 2025 fiel dramatisch aus: seit dem 15. Oktober 2025 wurden bis zum 29.12.2025 93 Geflügelpestausbrüche bei Hausgeflügel nachgewiesen, davon 59 in Putenhaltungen. Insgesamt mussten im vergangenen Jahr mehr als 1,7 Millionen Tiere aus Seuchenschutzgründen getötet werden.

Auch in 2026 gab es bereits die ersten HPAI-Ausbrüche. Betroffen waren unter anderem 10.500 Mastputen im Landkreis Oldenburg sowie 12.400 Entenküken im geflügelstarken Landkreis Cloppenburg. In dem Entenbetrieb war der hochansteckende Erreger H5N1 nachgewiesen worden.

Die Landwirt:innen sind aufgrund des anhaltenden Seuchengeschehens verzweifelt, denn noch nie mussten in Niedersachsen so viele Tiere auf Grund der Geflügelpest getötet werden, wie im vergangenen Jahr. In dem geflügelstärksten Bundesland werden mehr als 100 Millionen Stück Geflügel gehalten. Als Konsequenz fordert Landvolk Niedersachsen einen raschen Bürokratieabbau sowie den Stallbau in weniger dichten Regionen, um das Ausbruchsgeschehen in Zukunft zu minimieren. „Wir würden es sehr begrüßen, wenn wir wieder mehr Ställe in Regionen bauen dürften, wo die Nutztierhaltung weniger dicht ist“, erklärt Landvolk-Präsident Holger Hennies. Solche Vorhaben würden derzeit jedoch kaum genehmigt. „Gerade von den Hähnchenmästern weiß ich, dass sie händeringend neue Ställe bauen wollen, und die bekommen sie gerade im Osten Niedersachsens fast nicht genehmigt“, betont Hennies. Das Bau- und Immissionsschutzrecht müsse wieder so „schlank“ werden, dass der Bau von Ställen wieder möglich werde, fordert Hennies.

Einer der Hauptgründe für die dramatische Zahl an Tierverlusten sei die hohe Tierdichte in zahlreichen Regionen, so Hennies. Dort steige die statistische Wahrscheinlichkeit eines Seuchenfalles. Perspektivisch hält Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte es für notwendig, dass es in einigen Regionen eine geringere Besatzdichte bei Geflügelhaltungen gebe. Die Ministerin sieht außerdem bei den Sicherheitsmaßnahmen auf den Betrieben gegen ein Einschleppen des Virus noch Verbesserungsmöglichkeiten.

Agrarheute

NDR

Geflügelnews

Nach BTV-8 Nachweis ruft NRW zu Schutzimpfungen auf

Nach ersten Ausbrüchen der Blauzungenkrankheit des Virus BTV-3 im Jahr 2023 und einem anschließenden massiven Seuchengeschehen sowie einem eher ruhigen vergangenen Jahr ist das Blauzungenvirus vom Serotyp 8 (BTV-8) Anfang 2026 in Nordrhein-Westfalen nachgewiesen worden. Betroffen ist ein einzelnes Kalb eines Betriebes in Herzogenrath (Städteregion Aachen). Als Folge des Ausbruchs musste ein bereits bestehender 150-Kilometer-Radius um einen zuvor bestätigten Fall im benachbarten Rheinland-Pfalz erweitert werden. Aktuell ist mehr als die Hälfte des Bundeslandes von einem 150-Kilometer-Radius rund um einen BTV-8-Ausbruchsberieb herum betroffen. Das Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW appelliert daher an Halter:innen von Rindern, Schafen und Ziegen, die Schutzimpfungen gegen BTV durchzuführen, auch um unnötiges Tierleid zu verhindern und Tierverluste zu minimieren.

„Das Virus der Blauzungenkrankheit ist ein Virus, das großes Tierleid hervorrufen kann, wenn die Erkrankung ausbricht. Um die Tiere vor schweren klinischen Erkrankungen zu schützen und im Fall von BTV-8 auch Verbringungsbeschränkungen zu vermeiden, empfehlen wir, alle Tiere, die sich mit dem Virus infizieren können, gegen BTV impfen zu lassen. Die ersten Tiere, die Symptome einer Blauzungenkrankheit aufweisen, sind umgehend dem zuständigen Veterinäramt zu melden“, erklärt NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen.

Sowohl Grundimmunisierungen als auch Wiederholungsimpfungen von Tieren, die bereits im vergangenen Jahr geimpft worden sind, sollten spätestens im Mai abgeschlossen sein, so Gorißen weiter. „Um Tiere vor schweren klinischen Erkrankungen zu schützen und auch um Handelshemmnisse zu vermeiden, empfehle ich empfängliche Tiere jetzt gegen BTV-8 impfen zu lassen. Es stehen gut wirksame und zugelassene Impfstoffe zur Verfügung“, ergänzt Monika Meyer-Schoppmann, Vetrinäramtsleiterin des zuletzt betroffenen Oberbergischen Kreises.

Erkrankte Tiere zeigen Symptome wie Fieber, Lahmheiten, Apathie und teilweise Schleimhautläsionen. Auch Aborte und Todesfälle sind möglich. Tierhalter:innen finden neben umfassenden Informationen auch eine interaktive Landkarte zur Überprüfung der eigenen Betroffenheit sowie gegebenenfalls erforderliche Vordrucke für Tierhaltererklärungen sind auf der Homepage des Landesamtes für Verbraucherschutz und Ernährung NRW (LAVE).

Ministerium NRW

Waldbröl.de

bpt für schnelleren Bürokratie-Abbau

Am vergangenen Freitag (16.01.2026) ist die Jubiläumsausgabe der Grünen Woche in Berlin an den Start gegangen. Noch bis zum 25. Januar feiert die in den Bereichen Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau führende internationale Veranstaltung ihren 100. Geburtstag.

Traditionell hat der Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt) kurz vor der offiziellen Eröffnung zum Neujahrsempfang geladen. In seiner Begrüßungsrede wies bpt-Präsident Dr. Siegfried Moder auf die große Bedeutung des Schutzes von Lebensmittelketten hin. Sowohl für die nationale Sicherheit als auch für die Volkswirtschaft habe die Tiergesundheit – sowohl in der Lebensmittelproduktion und -sicherheit als auch für Haustiere und ihre Besitzer- eine große Relevanz, so Moder. Der bpt-Präsident appellierte daher an die anwesenden Zuhörer:innen, u.a. Professor Dr. Eberhard Haunhorst, Leiter der Abteilung 3 „Lebensmittelsicherheit, Tiergesundheit“ im BMLEH und den für Tiergesundheit zuständigen Berichterstatter der CDU-Bundestagsfraktion, MdB Dieter Stier, neben der Gesundheit des Menschen auch die Tiergesundheit als kritische Infrastruktur zu betrachten und in die Krisenprävention einzubeziehen.

In seiner Rede wies Moder zudem auf die in diesem Jahr anstehende GOT-Evaluierung hin. Die mit der GOT angestrebte Steigerung der Attraktivität des Berufsbildes durch die damalige Ampel-Regierung hat für günstigere Arbeitsbedingungen und für eine Stabilisierung einer flächendeckenden Notdienstversorgung geführt. Daher dürfe die GOT auf keinen Fall, wie aktuell von einigen politischen Parteien diskutiert, abgeschafft werden. Die GOT verhindere eine Preisexplosion, insbesondere in den Regionen mit einer geringen Tierärztedichte.

In seiner Begrüßungsrede forderte Moder ebenso wie auf der Veranstaltung Tier.Zeit.Dialog auf der Grünen Woche am Donnerstag (22.1.2026) erneuerte den Abbau überflüssiger Bürokratie. Hier ginge es nicht schnell genug und verwies erneut auf die vom bpt an den Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat Alois Rainer überreichten 10-Punkte-Plan im vergangenen Sommer.

bpt

Förderbescheide für mehr Digitalisierung und KI in der Landwirtschaft übergeben

Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) stärkt die Digitalisierung und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Landwirtschaft mit rund 10 Millionen Euro. Ziel ist es, neue Technologien für Betriebe aller Größen praxistauglich zu machen, Arbeitsprozesse zu vereinfachen, Ressourcen effizienter einzusetzen und Bürokratie zu reduzieren. Die Förderbescheide für fünf Projekte wurden auf der Grünen Woche vom Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Alois Rainer übergeben.

„Unsere Aufgabe als Politik ist es, Innovationen gezielt möglich zu machen. Mit den digitalen Experimentierfeldern fördern wir Innovationen dort, wo sie gebraucht werden: in der landwirtschaftlichen Praxis. Künstliche Intelligenz hilft, Betriebsmittel passgenauer einzusetzen, unsere Umwelt besser zu schützen, das Tierwohl zu fördern und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe zu stärken. Entscheidend ist, dass neue Technologien nicht im Labor bleiben, sondern auf den Höfen ankommen – als praxisnahe Lösungen, die Arbeit erleichtern und Ressourcen schonen“, so Rainer. 

Diese fünf Projekte werden vom BMLEH gefördert:

  • iSoBeD (KI-gestützte Bewässerung und Drohneneinsatz im Wein- und Gemüsebau)
  • FarmerSpaceAI (digitale und KI-basierte Lösungen für einen ressourcenschonenden Pflanzenschutz)
  • DigiMilchPro (vernetzte Stalltechnik und KI für Tierwohl und Weidemanagement in der Milchviehhaltung)
  • DiKI-Südwest (Hybrid-Cloud und vernetzte Datenräume für KI-basierte Beratungsdienste)
  • EXPRESS.smart (praxisnahe KI-Anwendungen u. a. für Frost-, Pflanzen- und Wasserhaushaltsmonitoring).  

Der Technologie- und Wissenstransfer in die Praxis ist fester Bestandteil aller Vorhaben.

Ergänzend fördert das BMLEH das Projekt „Smart Farming“ des Deutschen Instituts für Normung (DIN e.V.) mit rund 172.000 Euro. Ziel ist es, internationale Normen und Standards für datenbasierte Agrar- und Lebensmittelsysteme zu entwickeln. Einheitliche Standards verbessern die Interoperabilität digitaler Anwendungen, erleichtern den Datenaustausch und können einen wichtigen Beitrag zur Bürokratieerleichterung leisten. 

BMLEH

Agrarminister beraten über Problem der Wasserknappheit

Am 17. Januar 2026 haben sich im Berliner City Cube Ministerinnen und Minister aus 61 Staaten sowie Vertreter:innen von 14 internationalen Organisationen getroffen, um auf der 18. Berliner Agrarministerkonferenz über eine effizientere Wassernutzung in der Landwirtschaft zu beraten.

In ihrer Abschlusserklärung betonten die Minister:innen, dass die Landwirtschaft auf ausreichend Wasser angewiesen sei, um Lebensmittel zu produzieren. Dabei spiele die Landwirtschaft eine Schlüsselrolle für die globale Ernährungssicherheit. Zugleich machten die Agrarminister deutlich, dass die Landwirtschaft als einer der größten Wassernutzer ein zentraler Teil der Lösung bei der Bewältigung von Wasserknappheit ist. Sie kann entscheidend zu einer nachhaltigen Wassernutzung beitragen und wirksame Lösungen für eine globale Wasserresilienz liefern.

„Ich freue mich, dass heute von Berlin das klare Bekenntnis ausgeht, dass die Landwirtschaft nicht das Problem, sondern ein zentraler Teil der Lösung für eine nachhaltige Wassernutzung ist. Darauf haben wir uns in unserer Abschlusserklärung verständigt. Diese Abschlusserklärung ist der Ausdruck unseres gemeinsamen Willens, Verantwortung zu übernehmen. Wir bekennen uns dazu, eine effizientere Wassernutzung in der Landwirtschaft zu fördern, etwa durch präzise Bewässerung, Wassereinsparung, besseren Bodenschutz und die Reduzierung von Lebensmittelverlusten. Das zeigt, dass die Agrarministerkonferenz ein Ort für Brücken ist, nicht für Gräben“, so Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU).

Die Ministerinnen und Minister haben zudem gefordert, die Stimme der Landwirtschaft im Vorfeld der UN-Wasserkonferenz 2026 zu stärken und den Sektor in der globalen Wasserpolitik einzubeziehen.

BMLEH

Neuer Höchstwert bei Geflügelfleischerzeugung in NRW

In Nordrhein-Westfalen ist die Produktion von Schweinefleisch im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Nach Informationen des Statistischen Landesamtes (IT.NRW) betrug die Menge des erzeugten Schweinefleisches in 2024 rund 1,6 Mio. Tonnen. Zwar haben die gewerblichen Schlachtunternehmen mehr Fleisch als im Vorjahr produziert, doch lag diese noch immer 14,5 % unter dem Niveau von 2010.

Während die nordrhein-westfälische Geflügelproduktion mit 58.300 t Schlachtgewicht in 2024 einen wahren Boom erlebt hat (+25,4 % im Vergleich zu 2010), setzt sich der seit 2015 anhaltende Rückgang bei der Schlachtmengen bei Rindern weiter fort. Wie IT.NRW mitteilt, wurden im letzten Jahr insgesamt 160.300 t Rindfleisch (Schlachtgewicht) produziert, was einen Rückgang von rund 28 % im Vergleich mit dem Jahr 2010 bedeutet.

Bei den Fleischimporten führt Geflügel (+28,5 %) vor Rindfleisch (+ 6,2 %) die Liste an. Die Importmenge bei Schweinefleisch hingegen hat sich um 17,3 % verringert.

IT.NRW

Topagrar

100 Jahre Grüne Woche in Berlin

Vom 16. bis 25. Januar 2026 findet in Berlin in den Messehallen am Funkturm die Internationale Grüne Woche statt. In diesem Jahr feiert die weltweit größte Landwirtschafts- und Ernährungsmesse ihr 100-jähriges Bestehen. Währenddessen hat sich die IGW von einer landwirtschaftlichen Ausstellung zur internationalen Leitmesse für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau entwickelt. Angemeldet sind rund 1.600 Aussteller aus über 50 Ländern. Partner ist in diesem Jahr Mecklenburg-Vorpommern.

„Seit 100 Jahren begleitet und gestaltet die Grüne Woche den Wandel von Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau“, sagt Dr. Mario Tobias, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Berlin GmbH. „Als internationale Leitmesse bringt sie Akteure aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Berlin zusammen und schafft Raum für Austausch, Innovation und Dialog. Und zudem ist die Grüne Woche in jedem Jahr ein kulinarisches Highlight und ein Blick in die Welt für hunderttausende Besucherinnen und Besucher.“

Außerdem diskutieren vom 14. bis 17. Januar 2026 Expert:innen im CityCube Berlin auf dem Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) unter dem Motto „Wasser. Ernten. Unsere Zukunft“. Am 17. Januar werden rund 70 Landwirtschaftsministerinnen und -minister aus aller Welt dort zur Agrarministerkonferenz erwartet.

Ergänzend finden rund 300 Fachkonferenzen statt, darunter der Internationale Fachkongress „Kraftstoffe der Zukunft“. Sie bieten Gelegenheit, neue Entwicklungen und Best Practices vorzustellen und zu diskutieren.

„Die Grüne Woche ist der agrarpolitische Höhepunkt zu Beginn eines jeden Jahres und steht voll im Zeichen geopolitischer Veränderungen. Wir werden den Menschen und der Politik vermitteln, was nötig ist, um eine stabile und zuverlässige Versorgung mit hochwertigen heimischen Lebensmitteln in Deutschland zu erhalten. Um Abhängigkeiten vom Ausland zu vermeiden, brauchen wir eine eigene wettbewerbsfähige, starke Landwirtschaft. Die Selbstversorgung mit heimischen Lebensmitteln muss aufrechterhalten werden. Dafür muss die Politik die richtigen Rahmenbedingungen setzen“, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied.

IGW

Großbritannien bringt neue Tierwohlstrategie ins Parlament ein

Großbritannien möchte durch eine neue Strategie das Tierwohl verbessern. Dazu hat das britische Landwirtschaftsministerium (DEFRA) seine Tierwohlstrategie kurz vor Weihnachten noch ins Parlament eingebracht. Demnach soll die Käfighaltung von Legehennen, das Töten von Eintagsküken, die Verwendung von Ferkelschutzkörben und die Schlachtung ohne Betäubung mit Kohlendioxid verboten werden. Dies seien „unerlässliche“ Reformen, so Ressortchefin Emma Reynolds und wies darauf hin, dass der Trend im Legehennensektor bereits jetzt hin zu Freiland- und Stallhaltungssystemen gehe und entsprechende Programme vom Staat unterstützt würden.

Dagegen kämen in der britischen Schweineerzeugung mehrheitlich noch Stallhaltungssysteme mit Abferkelbuchten mit Ferkelschutzkörben zum Einsatz. Lediglich etwa 8 % seien bereits auf alternative Abferkelanlagen umgestellt worden. Die Regierung möchte die Nutzung von alternativen Abferkelsystemen vorantreiben.

Weiterhin sollen die Landwirt:innen „ermutigt“ werden, die seit 2007 bestehenden Ausnahmen im Tierschutzgesetz zum Kupieren der Schwänze von Schweinen, das Kürzen der Schnäbel von Legehennen, die Kastration bzw. das Kupieren der Schwänze von Lämmern nicht mehr routinemäßig anzuwenden. Um dieses Ziel zu erreichen, will das Ministerium mit der Branche und den Tierärzt:innen kooperieren.

Topagrar

LSD-Impfung nach neuen Nachweisen in Frankreich verstärkt

In dem französischen Département Ariège, nur wenige Kilometer von der Grenze zu Spanien entfernt, sind direkt zu Jahresbeginn zwei Fälle von Lumpy-Skin-Disease (LSD) bestätigt worden. Ein Grund mehr für die Behörden der beiden Nachbarländer, die Impfung gegen die Rinderkrankheit voranzutreiben.

Aktuell sehen die französischen sowie spanischen Impfkampagnen vor, 1,5 Millionen Rinder in deren Grenzgebiet zu impfen. Um das gesteckte Ziel zu erreichen, sind unter anderem auch Studierende der Veterinärmedizin, Freiwillige sowie Militärtierärzt:innen im Einsatz. Nach Informationen des Landwirtschaftsministeriums in Paris nähert sich der Impfkorridor, der die weitere Ausbreitung der Rinderseuche im Südwesten des Landes stoppen soll, seiner Vollendung. Insgesamt sollen hier , auch wegen der neuesten Nachweise, 750.000 Tiere bis Ende Januar 2026 geimpft werden.

Auch in Spanien werden die Impfungen intensiviert, wie das spanische Landwirtschaftsministerium mitteilte. In Nordspanien werden demnach rund 590.000 weitere Rinder auf mehr als 6.800 Betrieben angesichts der aktuellen LSD-Ausbrüche im Grenzbereich geimpft werden. Hinzu kommen 152.895 Tiere auf 2.000 Betrieben, die bereits in den Schutzzonen selbst geimpft wurden. Seit Oktober 2025 hat die Provinz Girona insgesamt 17 Infektionen gemeldet.

Topagrar

Raiffeisen

Überflutungen in Australien kosten rund 20.000 Rindern das Leben

Weltweit nehmen die Extremwetterereignisse aufgrund des Klimawandels stark zu. Erst kürzlich kam es in Australien im Nordwesten des Bundesstaates Queensland zu starken Überschwemmungen. Dabei haben die betroffenen Landwirte mehr als 19.000 Rinder verloren, die entweder ums Leben kamen oder vermisst sind. Es wird davon ausgegangen, dass die Verluste mit dem Rückgang des Hochwassers noch weiter ansteigen werden. Neben Tierverlusten sind auch viele Zäune kaputt gegangen.

Die Nutztiere, die gerettet werden oder sich retten konnten, werden aktuell per Hubschrauber über die Luft mit Futter versorgt.

Agrarheute

Strukturwandel in der Landwirtschaft wirkt sich negativ auf Selbstversorgungsgrad aus

Der Strukturwandel bei der tierischen Erzeugung hat sich in den vergangenen Jahren in der EU beschleunigt. Die erzeugten Fleischmengen sind in der EU deutlich rückläufig – einzige Ausnahme ist die Erzeugung von Geflügelfleisch (+ 5,6 %). Gleichzeitig stieg der Verbrauch in der EU um 2,6 % an, weshalb der Selbstversorgungsgrad der EU bei Fleisch stark zurückgegangen ist. Bei Milchprodukten ist der EU–Selbstversorgungsgrad ebenfalls kleiner geworden, aber nicht so stark. Der Selbstversorgungsgrad stellt das Verhältnis inländischer Erzeugung zum inländischen Verbrauch dar.

Zwischen 2010 und 2020 verringerte sich die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in der EU – von 12,1 auf 9,1 Mio., das entspricht einem Rückgang um 25 %. Besonders stark ging die Zahl kleiner Betriebe zurück, die weniger als 5 ha Fläche landwirtschaftlich nutzten. Obgleich sie in diesem Jahrzehnt um knapp ein Drittel zurückging, machen die kleinen Betriebe immer noch 64 % aller landwirtschaftlichen Betriebe der EU aus.

Aus dem Situationsbericht des Deutschen Bauernverbandes (DBV) geht hervor, dass vor allem Deutschland überdurchschnittlich stark für den Rückgang der Nahrungsmittelversorgung in der EU verantwortlich ist. Im Zehnjahresvergleich hat Deutschland in allen wichtigen Produktbereichen mit Ausnahme von Hülsenfrüchten, Kartoffeln, Zucker und Eiern zum Teil erhebliche Anteile an der EU–Agrarerzeugung verloren.

Topagrar

Geschlechtsbestimmung bei Küken anhand der Federn

Das US-amerikanische Unternehmen Targan aus Raleigh (North Carolina) hat ein System entwickelt, das automatisch das Geschlecht von Masthähnchenküken erkennt. Die neue WingScan-Lösung erkennt anhand der Federn das Geschlecht von bis zu 160.000 Tieren pro Stunde.

Unter anderem wegen der Ungenauigkeit und einem erheblichen Arbeitsaufwand hatten sich viele Bereiche der Branche von der manuellen Geschlechtsbestimmung abgewandt, was die Notwendigkeit einer Modernisierung dieser einst lukrativen Praxis deutlich machte.

Mit diesem Verfahren soll die Rentabilität gesteigert werden. Die Lösung erleichtere die Optimierung der Fütterungsstrategien, fördere ein gleichmäßiges Wachstum der Herde und steigere die Effizienz in Brütereien und Verarbeitungsbetrieben, heißt es seitens des Unternehmens.

So wirbt Targan hinsichtlich der WingScan-Lösung mit einer konstanten Genauigkeit von über 97 % . Zudem erfolge die Sortierung danach tierschonend, wie das Unternehmen weiter mitteilt.

Topagrar

Strukturwandel in der Schweinehaltung in NRW schreitet voran

In Nordrhein-Westfalen (NRW) ist die Zahl der Schweine haltenden Betriebe in 2025 erneut zurück gegangen. Das geht aus den aktuellen Zahlen des Statistischen Landesamtes NRW hervor. Demnach ging die Zahl der Betriebe um 2,4 % gegenüber dem Vorjahr zurück (-35,2 % in 10 Jahren).

Auch bei der Anzahl der gehaltenen Schweine kann über die vergangenen 19 Jahre ein deutlicher Rückung um 19,3 % beobachtet werden. Zum Stichtag am 3. November 2025 wurden in NRW rund 5,9 Millionen Schweine gehalten. Zwischen November 2024 und 2025 hat der Schweinebestand jedoch um 0,5 % zugenommen.

IT.NRW

Tierhaltungskennzeichnungspflicht auf 2027 verschoben

Der Start des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes ist erneut verschoben worden. Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) hatte die Einführung der Kennzeichnungspflicht bereits kurz nach seinem Amtsantritt auf Anfang März 2026 verlegt. Nun haben sich Union und SPD auf eine erneute Verschiebung geeinigt. Der voraussichtliche Start ist nun für den 1. Januar 2027 vorgesehen.

Eine Pflicht zur Verwendung der Tierhaltungskennzeichnung ab dem 1. März 2026 würde zu Unsicherheiten in der Branche und bei den betroffenen Akteuren führen, heißt es auf der Seite des Deutschen Bundestages. Daher sei eine Verschiebung dieses Stichtags geboten.

Die verlängerte Vorbereitungszeit solle genutzt werden, um das Tierhaltungskennzeichnungsgesetz „besser, verständlicher und praxistauglicher“ zu machen, so der SPD-Tierschutzbeauftragte Jens Behrens, der verlässliche Regeln für landwirtschaftliche Betriebe und mehr Transparenz für Verbraucher:innen verspricht.

Ab dem 1. Juli 2027 wird nach den Plänen der Bundesregierung auch die Kennzeichnung in Restaurants verpflichtend sein. Weitere Verbesserungen betreffen auch die Sauenhaltung und Ferkelaufzucht, die mindestens ab der Stufe „Frischluftstall“ berücksichtigt werden sollen.

Der Entwurf soll am heutigen Donnerstagabend (18.12.2025) in erster Lesung im Bundestag debattiert und anschließend dem federführenden Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat zur weiteren Beratung überwiesen werden.

Agrarheute

Ungarn fordert Maßnahmen zur Stabilisierung des Milchmarktes

In der vergangenen Woche sind die Agrarminister:innen der 27 EU-Staaten in Brüssel zusammengekommen, um über die Zukunft der EU-Agrarpolitik zu beraten. Im Rahmen des Treffens hat Ungarns Landwirtschaftsminister István Nagy die Aktivierung der privaten Lagerhaltung (PLH) für Milchprodukte zur Marktstabilisierung gefordert. Der Minister erklärte, dass laut seiner Analyse eine steigende Produktion und dadurch fallende Rohmilchpreise auf einen sinkenden Konsum sowie einen schwächelnden Export träfe.

Im Oktober 2025 war der Spotpreis für Magermilch in der EU um 12% und für Vollmilch um 11% gefallen, weitere Rückgänge werden befürchtet. Ähnliche Rückgänge werden auch für Käse (28% günstiger als vor einem Jahr), Butter (-34%) und Sahne (-39%) verzeichnet.

EU-Agrarkommissar Christophe Hansen geht ebenso wie die ungarische Regierung von einem weiteren Abfall der Milchpreise aus. „Wir erleben eine deutliche Preiskorrektur bei bestimmten Milchprodukten, insbesondere bei Butter und Milchpulver.“ Er sicherte vor diesem Hintergrund zu, die Marktentwicklung im Milchsektor genauestens im Auge zu behalten. Während Frankreich, Italien, Spanien, Polen, Rumänien, Kroatien, Bulgarien und die Slowakei die Forderung Ungarns teilen, hat die deutsche Delegation zu dem Thema keine Stellung bezogen.

Schweizerbauer

Französische Landwirt:innen protestieren gegen Massenkeulungen wegen LSD

Die Lumpy Skin Disease (LSD) ist eine anzeigepflichtige, hauptsächlich durch blutsaugende Insekten übertragene Viruserkrankung bei Rindern und Wasserbüffeln. Erkrankte Rinder zeigen Fieber und typische knotige Hautveränderungen (Noduli), vor allem an Kopf, Hals, Rücken und Eutern. Diese können auch sehr unauffällig sein und teilweise nur ertastet werden. Erstmals seit 2017 ist die Tierseuche, die erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen kann, im Juni 2025 in Frankreich und auf der italienischen Insel Sardinien aufgetreten.

Die französischen Behörden haben auf die Ausbrüche mit der Keulung ganzer Rinderbestände reagiert, was für massive Proteste seitens der Tierhalter:innen gesorgt hat. So fuhren erboste Landwirt:innen im Südwesten des Landes mit ihren Traktoren auf, blockierten Straßen und zündeten Stapel von Reifen und Paletten an. Mit ihren Protesten drücken die Tierhaltenden ihren Ärger über die aus ihrer Sicht übertriebenen Massenkeulung aus und fordern mehr Unterstützung durch die Regierung.

Nach Informationen von Landwirtschaftsministerin Annie Genevard sollen so schnell wie möglich zwischen 600.000 und 1 Mio. Rinder in betroffenen Regionen gegen die Viruserkrankung geimpft werden.

Proplanta

Neue Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheits- und Tierschutzstandards auf Rinderbetrieben

Mit dem Start des neuen Jahres werden für Rinderbetriebe einige Änderungen in Kraft treten. Unter anderem sind Rinderhalter:innen ab dem 1. Januar 2026 verpflichtet, eine individuelle Risikobewertung der Biosicherheit ihres Betriebs vorzunehmen, über die ab dem 1. Juli 2026 im QS-Audit ein Nachweis erbracht werden muss. Kostenlose Online-Risikoampeln sollen die Tierhalter:innen dabei unterstützen, eine einfache und praxisorientierte Einschätzung zu erhalten. Das Ziel dieser Maßnahme ist die Prävention von Krankheiten, sie soll aber auch einer verbesserten Hygiene dienen.

Im Rahmen der Initiative Tierwohl (ITW) müssen Milchviehhalter:innen ihren Tieren ab Januar 2025 Zugang zum Außenklima ermöglichen. Bei einer jährlichen Eigenkontrolle soll zudem überprüft werden, ob alle Anforderungen des Tierschutzlabels „Für Mehr Tierschutz“ erfüllt werden. Diese Änderungen sollen den Tierschutz weiter verbessern und die Tierhaltung auf den Betrieben optimieren.

Agrarheute

ASP-Ausbruch in Spanien könnte auf Laborunfall zurückgehen

Nach dem ersten Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Spanien hat sich die Zahl der nachweislich infizierten Wildschweine auf 13 Tiere erhöht. Alle 39 Schweinehaltungsbetriebe im Sperrgebiet wurden bislang jedoch negativ auf die Tierseuche getestet. 1.000 Einsatzkräfte arbeiten in dem betroffenen Gebiet daran, weitere verendete Wildschweine zu finden.

Hinsichtlich des Viruseintrags gibt es aktuell Spekulationen, wonach ein Laborvirus oder ein Abkömmling den ASP-Ausbruch verursacht haben könnte. Der Grund für den Verdacht liegt in den ersten Ergebnissen der Virusanalyse. Demnach unterscheidet sich das in Spanien nachgewiesene Virus von allen im Feld nachweisbaren ASP-Viren, die in den EU-Ländern zirkulieren, wie das spanische Agrarministerium mitteilt. Es gäbe jedoch Verbindungen zu einem Referenzvirus, das 2007 in Georgien aufgetreten sei und das derzeit häufig bei experimentellen Infektionen in Laboren verwendet werde. Nach Informationen des Ressorts seien weitere Untersuchungen dazu eingeleitet worden. Nach Informationen der FAZ wird aktuell in einem staatlichen Labor in der Nähe des Infektionsgebiets an der Entwicklung eines Impfstoffs gearbeitet.

Derweil hat die spanische Regierung die vorsorgliche Tötung von 80.000 gesunden Hausschweinen in der Sperrzone angeordnet, um eine weitere Ausbreitung der hoch ansteckenden Tierseuche zu verhindern.

Agrarheute

BRS

Schaf- und Ziegenpocken belasten griechische Landwirt:innen

Die Pockenkrankheit bei Schafen und Ziegen (Schaf- und Ziegenpocken) ist eine anzeigepflichtige Tierseuche, die durch Capripoxviren hervorgerufen wird. In Griechenland breitet sich die Krankheit nach dem ersten Ausbruch im Sommer 2024 immer weiter aus. Grund dafür sind nach Informationen des griechischen Ministeriums für ländliche Entwicklung der nachlässige Umgang mit den erforderlichen Biosicherheitsmaßnahmen einzelner Tierhalter:innen. Die strenge Einhaltung der Maßnahmen sei jedoch elementar, um die weitere Ausbreitung der hochansteckenden Krankheit einzudämmen.

Die Produktion von griechischem Feta aus Schaf- und Ziegenmilch gerät aktuell durch die von der Regierung angeordneten Massenkeulungen ganzer Herden ins Stocken, was zu Engpässen führen könnte. Rund 430.000 Schafe und Ziegen mussten im vergangenen Jahr bereits getötet werden. Die Fetaproduktion ist ein wichtiger Bestandteil der griechischen Wirtschaft. In 2024 wurden Exporterlöse in Höhe von 785 Mio. Euro erreicht.

Griechische Landwirt:innen erleiden nicht nur finanzielle Einbußen durch den Verlust ihrer Schafe und Ziegen, sondern verlieren auch erhebliche Einnahmen aus dem Verkauf von griechischem Feta.

Trotz anfänglicher Erfolge bei den Bekämpfungsmaßnahmen hätten Nachlässigkeiten bei den Biosicherheitsmaßnahmen in den vergangenen Monaten zu einem sprunghaften Anstieg der Fallzahlen geführt, heißt es seitens der Ministeriums. Schaf- und Ziegenhalter:innen sind nun aufgefordert, ihre Tiere täglich auf Krusten, Geschwüre oder Risse zu untersuchen und diese den Behörden zu melden, falls sie bei mehr als einem Schaf oder einer Ziege auftreten.

Die 9-teilige Online-Fortbildungsreihe zum Thema Biosicherheit in der tierärztlichen Bestandsbetreuung von Myvetlearn.de vermittelt Tierärzt:innen in allgemeinen und tierartspezifischen Kursen fundiertes Wissen zu den Hygiene- und Biosicherheitsmaßnahmen in Beständen zu verschiedenen Tierarten. Kurs 9 behandelt die Biosicherheit von Schafen und Ziegen. Außerdem bietet Myvetlearn.de ab dem 1.1.2026 wieder eine Online-Fortbildung für Tierärzt:innen zum Thema Die Ziege als Patient an.

Topagrar

Mikroplastik im Pansen schafft potenziell neue Risiken

Wenn der Pansen von Rindern Mikroplastik fragmentiert, wird die Fermentation beeinträchtigt. Das ist das Ergebnis einer Studie unter Beteiligung der Universität Hohenheim. Die Forschenden konnten mit ihren Untersuchungen neue Risiken für die Tiergesundheit und Lebensmittelsicherheit aufdecken.

Das im Pansen zerlegte Mikroplastik beeinflusst das Darmmikrobiom. Zu ihren Ergebnissen gelangten die Wissenschaftler:innen, indem sie Flüssigkeit aus dem Pansen mit verschiedenen gängigen Mikroplastikarten inkubierten. Dabei zeigte sich, dass alle getesteten Kunststoffe die mikrobielle Aktivität veränderten, die Gasproduktion verringerten und teilweise abgebaut wurden.

„Wir müssen besser verstehen, wie sich Mikroplastik auf die Tiergesundheit und die Lebensmittelsicherheit auswirkt – insbesondere, da die weltweite Kunststoffproduktion weiter steigt“, erklärt Studienleiter Daniel Brugger, Associate Professor in Companion and Monogastric Production Animal Nutrition der Universität Helsinki, das Ziel der Forschung. 

Besorgniserregend sei, dass kleinere Kunststofffragmente zudem leichter ins Gewebe gelangen und damit auch in die Lebensmittelkette gelangen können, wie Jana Seifert, Professorin für Funktionelle Mikrobiologie bei Nutztieren an der Universität Hohenheim ergänzt.

„Plastikverschmutzung hat direkte biologische Folgen für Nutztiere und möglicherweise auch für den Menschen über die Nahrungskette“, betont Cordt Zollfrank, Professor für Biogene Polymere an der Technischen Universität München. Die Wissenschaftler:innen betonen, dass ein sorgfältiger Umgang mit Materialien aus Plastik in der Landwirtschaft immer wichtiger wird – sei es bei Folien, Verpackungen oder beim Einsatz von Klärschlamm.

Uni Hohenheim

Bundeswettbewerb zeichnet innovative Stallbauprojekte aus

Auch im kommenden Jahr zeichnet das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) im Rahmen des Bundeswettbewerbs „Landwirtschaftliches Bauen“ landwirtschaftliche Betriebe aus, die ihre Ställe hin zu mehr Tierwohl und einer tiergerechten Haltung umgestaltet haben.

Sowohl im gesellschaftspolitischen Diskurs als auch im Lebensmitteleinzelhandel nimmt die Bedeutung des Tierwohls zu. So beschließen auch immer mehr Landwirt:innen, in zukunftsweisende Stallbauten, die das Tierwohl verbessern, zu investieren. Das BMLEH möchte in 2025 Betriebe herausstellen, die ihre Stallanlage in ein schlüssiges Betriebskonzept integriert haben. Aber auch Umweltaspekte, Wirtschaftlichkeit, Biosicherheitskonzepte sowie die innovative Lösung und Nutzung von Digitalisierung fließen in die Gesamtbewertung ein. Dabei stehen innovative Ställe im Fokus, die die ursprünglichen Haltungsbedingungen verbessern, zum Beispiel durch mehr Platz, zusätzliches Beschäftigungsmaterial, bessere Belüftung, mehr Außenklima oder Weidezugang.

Für den Bundeswettbewerb „Landwirtschaftliches Bauen 2026“ können sich Landwirt:innen, die Rinder, Schweine, Geflügel, Schafe oder Ziegen halten, bewerben. Mit insgesamt 30.000 Euro Preisgeld zeichnet das BMLEH kreative und zukunftsfähige Stallbauprojekte aus. Bewerbungsschluss ist der 27. Februar 2026.

BMLEH

Viehzucht und Goldabbau lassen Regenwald weiter schrumpfen

Seit dem 10. November 2025 verhandelt die Staatengemeinschaft im brasilianischen Belèm erneut über die Zukunft des globalen Klimaschutzes. Der Austragungsort am Rande des Amazonas ist dabei äußerst symbolträchtig, gilt er doch als Hotspot der Artenvielfalt und indigenen Völker. Der Amazonas ist zudem die CO2-Senke und steht repräsentativ für die globale Ungleichheit, mit der die Klimakrise verschiedene Länder, Einkommens- und Bevölkerungsgruppen trifft. Der Regenwald in dem südamerikanischen Land wird auch als Lunge der Erde bezeichnet.

Allerdings gibt es immer mehr Straßen, die den Wald durchschneiden, so auch in Belém. Dies führt zu sehr großem Stress, wie der regionale Greenpeace-Experte Romulo Batista erklärt. „Sobald der Wald durch Straßen erreichbar wird, kommt es zu Abholzung – und man hat eine Menge Probleme mit illegaler Abholzung“, so Batista.

Durch Rodung sind in den vergangenen 40 Jahren rund 52 Millionen Hektar Natur verloren gegangen. Das entspricht einem Rückgang um 13 Prozent, einer Fläche größer als Spanien. Neben der Viehzucht und dem Sojaanbau werden große Flächen auch für den Goldabbau entwaldet. „Wenn legale Goldförderung betrieben wird, wissen die Menschen, dass es in dieser Gegend Gold gibt“, erzählt der Greenpeace-Experte. Oft setzten dann neben diesen Stellen illegale Goldgräber an. Zudem kann der Wald erheblich durch den Einsatz von Quecksilber zur Trennung von Gold und Erz geschädigt werden. Das Quecksilber verschmutzt das Wasser und schädigt Fische, Bäume und die lokale Bevölkerung – etwa am Nervensystem.

Brasilianisches Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva möchte die Entwaldung bis 2030 zu stoppen. Vom Ziel der Null-Abholzung ist Brasilien jedoch noch weit entfernt. Nach Berechnungen der Denkfabrik World Resources Institute (WRI) gehen in jeder Minute eine Fläche tropischen Regenwaldes so groß wie 18 Fußballfelder verloren. Feuer tragen zusätzlich zu der Zerstörung bei, die in den meisten Fällen durch Menschen verursacht werden und die zusätzliche Emissionen freisetzen. Der Rückgang der Regenwaldfläche bedeutet aber auch, dass weniger CO2 aufgenommen werden kann.

Es sei nahezu unausweichlich, dass sich der Regenwald irreversibel zu einer Savanne entwickelt, so erklärt Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. „Wenn wir 1,5 Grad überschreiten, was wir sehr wahrscheinlich in den nächsten 5 bis 10 Jahren tun werden, und wenn wir weiterhin Waldfläche verlieren, können wir nicht ausschließen, dass wir in den nächsten Jahrzehnten diesen Kipppunkt erreichen“, so Rockström.

Proplanta

Bundesumweltamt

Insektenschwund könnte massive Ertragseinbußen nach sich ziehen

Obst, Gemüse und Ölsaaten sind ernährungsphysiologisch von zentraler Bedeutung für die Ernährung der Menschen. Für den Ertrag dieser nährstoffreichen Lebensmittel spielen wildlebende Insekten eine bedeutende Rolle. Ein stetig wachsender Insektenschwund hätte einen massiven Einfluss auf die Verfügbarkeit dieser Lebensmittel und würde starke Preissteigerungen nach sich ziehen.

Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Universität Hohenheim. Die Forschenden haben ihren Untersuchungen ein Szenario zugrunde gelegt, in dem die Insekten bis zum Jahr 2030 um bis zu 90 Prozent zurückgegangen sind. Die Wissenschaftler:innen kamen zu dem Ergebnis, dass die Erträge bestäuberabhängiger Kulturen wie Obst, Gemüse und Ölsaaten in Europa im Durchschnitt um mehr als 13 Prozent zurückgehen könnten. „Regionen wie Spanien oder Teile Osteuropas, die stark von wildlebenden Bestäubern abhängen, müssten sogar mit Ertragseinbußen von über 20 Prozent rechnen“, betont Professor Arndt Feuerbacher, der die Studie leitete. Der Experte befürchtet, dass der Insektenschwund massive wirtschaftliche, ökologische und soziale Folgen hätte, weit über die Landwirtschaft hinaus.

Die Folgen wären u.a. starke Preissteigerungen für Lebensmittel. „Der daraus resultierende gesamtwirtschaftliche Schaden beliefe sich im Jahr 2030 allein in Europa auf etwa 24 Milliarden Euro“, beziffert Feuerbacher. Zudem hätten die sinkenden europäischen Erträge und steigenden Preise Verschiebungen im internationalen Handel zur Folge. Die Europäische Union (EU), bislang Nettoexporteur vieler Obst- und Gemüsearten, würde zum Nettoimporteur.

„Asien sowie Mittel- und Südamerika könnten zwar rund 80 Prozent der zusätzlichen europäischen Nachfrage decken, doch weltweit würden Verbraucher:innen durch höhere Preise belastet“, konstatiert der Hohenheimer Wissenschaftler. Besonders ärmere Länder und Haushalte wären stärker betroffen, da sie einen größeren Anteil ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssten. Der gesamtwirtschaftliche Verlust weltweit würde sich nach Schätzungen der Forschenden im Jahr 2030 auf über 34 Milliarden Euro belaufen. Zusätzlich zu den wirtschaftlichen Konsequenzen hätte der Verlust der Wildbestäuber auch ökologische Folgen.

Da Wildbestäuber nicht vollständig durch Honigbienen oder andere technische Verfahren ersetzt werden könnten, erneuen die Wissenschaftler:innen ihre Forderung nach mehr Schutz ihrer Lebensräume. „Wenn Europa auch nur einen Teil der 24 Milliarden jährlich in eine biodiversitätsfreundliche Landwirtschaft, die Förderung von Blühstreifen, Hecken und extensiv genutzten Flächen investieren würde, könnten wir die Folgen des Insektenrückgangs deutlich abmildern oder sogar umkehren, und langfristig sowohl Erträge als auch Ernährung sichern“, lautet das Fazit von Professor Feuerbacher.

Uni Hohenheim

Früherkennung von Krankheiten bei Geflügel dank KI

Mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) können Krankheiten bei Geflügel entdeckt werden, bevor Symptome auftreten. Das britische Unternehmen Optifarm hat ein Frühwarnsystem entwickelt, das Daten zu Wasseraufnahme und Verhaltensmustern der Tiere auswertet und mit Hilfe von KI vor eventuellen Gesundheitsproblemen warnt.

Das System kann voraussagen, wie sich die Tiere innerhalb von 15 Minuten verhalten werden. Wenn Daten abweichen, etwa ein ungewohntes Ansteigen oder Abfallen der Trinkaktivität, werde geprüft, ob Belüftung, Beleuchtung, Futterumstellungen oder Stress zu Veränderungen bei den Tieren geführt haben, erklärt das Unternehmen auf seiner Internetseite. So können Krankheitsausbrüche deutlich früher erkannt werden.

Das KI-Modell könne mit über 91 % Genauigkeit eine Reaktion des Immunsystems erkennen, erklärt Optifarm-CEO David Speller. Und das zwei bis drei Tage, bevor sichtbare Symptome auftreten. Landwirtschaftliche Betriebe können das System ohne zusätzliche Hardware anwenden, denn dieses nutzt bereits vorhandene Technik im Stall. Die Basisversion der App ist kostenlos, nur für tiefere Analysen und den Zugriff auf die Datenplattform fallen Gebühren an.

Topagrar

Wolfsentnahmen bald rechtssicherer

Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) und Umweltminister Carsten Schneider (SPD) haben sich auf die Aufnahme des Wolfes in das Bundesjagdgesetz (BJagdG) geeinigt. Auf diesem Weg begegnet die Bundesregierung den zunehmenden Konflikten zwischen Weidetierhalter:innen und Tierschützer:innen, die der gute Erhaltungszustand des Raubtiers mit sich gebracht hat.

Weidetierhalter:innen sollen durch ein umfassendes Paket mehr Rechtssicherheit erhalten. Zudem ist eine verbesserte Förderung des Herdenschutzes in Planung. Eine leichtere Finanzierung und höhere Prämien für den Herdenschutz will der Bund gemeinsam mit den Ländern abstimmen.

Gleichzeitig betonte zumindest Schneider: „Der Wolf darf bleiben. Es geht nicht darum, den Wolf wieder zu vertreiben, sondern um gangbare Wege, friedlich mit ihm zu leben.“

Agrarheute

Britische Landwirt:innen schauen besorgt in die Zukunft

In Deutschland und zahlreichen anderen europäischen Staaten macht sich unter Landwirt:innen vermehrt eine pessimistische Stimmung breit. Eine aktuelle Umfrage unter britischen Landwirt:innen hat alarmierende Ergebnisse zutage gebracht. Rund die Hälfte der 200 Befragten hat erklärt, in den vergangenen 12 Monaten aus finanziellen Gründen über den Ausstieg nachgedacht zu haben.

Wie der Farmdex Reports 2025 ergeben hat, gehen zudem 40 Prozent der britischen Bauern davon aus, dass sie ihr Berufsfeld innerhalb der nächsten 10 Jahre verlassen werden müssen.​ Lediglich 12 Prozent der Befragten schauen optimistisch in die Zukunft. Der sogenannte „Farmdex Optimism Index“ liegt bei -38 Prozent, was die weitverbreitete Sorge um die Zukunft des britischen Agrarsektors widerspiegelt. Niedrige Gewinnspannen und steigende Kosten sorgen für eine pessimistische Stimmung bei einem Großteil der Landwirt:innen. 35 Prozent berichten von Verlusten oder einer Situation, in der lediglich die Ausgaben gedeckt werden.

Die Krise hat auch massive Auswirkungen auf die mentale Gesundheit der Bauern und Bäuerinnen. Mehr als 61% gaben an, dass sich ihr Beruf negativ auf ihre mentale Gesundheit auswirkt. Zu der unbezahlten Familienarbeit, die in 60 Prozent der Betriebe notwendig ist, kommen generell lange Arbeitszeiten mit teils weit mehr als 40 Stunden pro Woche. Bei 36 Prozent sind es in der Hochsaison sogar über 70 Stunden.

Weiterhin machen sich 86 % große Sorgen um die langfristige Ernährungssicherheit in Großbritannien.  Nahezu alle Befragten fordern Investitionen, um die Versorgungssicherheit zu bewahren.

Agrarheute

Landestierschutzbeauftragte äußert Kritik an Massenkeulungen von Geflügel

Die Hochpathogene Aviäre Influenza (HPAI) greift in Deutschland weiter um sich. Besonders betroffen ist das Bundesland Niedersachsen. In mehreren Landkreisen meldete der Niedersächsische Geflügelwirtschaftsverband (NGW) am gestrigen Donnerstag (06.11.2025) bei Betrieben mit Putenhaltung, Masthähnchen und Gänsehaltung mehrere bestätigte Fälle der Geflügelpest sowie einige Verdachtsfälle. Die Tiere der betroffenen Betriebe müssen getötet werden. Niedersachsens Landestierschutzbeauftragte Julia Pfeier-Schlichting hat die Massentötungen scharf kritisiert. Die Tierärztin fordert eine Anpassung der EU-Regeln, damit die Pflicht zu präventiven Maßnahmen, vorangetrieben werden könne.

„Ich halte die gesamte Tierseuchenpolitik aus Sicht des Tierschutzes für fragwürdig“, sagte die Tiermedizinerin Julia Pfeier-Schlichting auf eine Frage zu den derzeitigen Keulungen von Puten und Hühnern. Ihrer Meinung nach werde das massenhafte Töten von Tieren von der Gesellschaft nicht mehr akzeptiert. Kritik äußert die Landestierschutzbeauftrage zudem an der Massentierhaltung bei Geflügel. Der Wechsel von weniger ansteckenden zu hochansteckenden Erregern passiere dort – „und nicht in der Natur“, sagte sie mit Verweis auf einen Experten des Friedrich-Loeffler-Instituts. Der geringe Abstand von Betrieben untereinander in einigen Regionen Niedersachsens erhöhe zudem das Übertragungsrisiko.

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) teilt mit, dass die Fallzahlen HPAI Infektionen in Deutschland aktuell deutlich zunehmen. Das verdeutlicht auch die Karte, die das Institut wöchentlich aktualisiert. „Wir sehen weiterhin stetig steigende Zahlen, eine Beruhigung der Lage ist nicht in Sicht. Auf der Europakarte ist anhand der Fälle bei Wildvögeln eindrücklich quasi der Herbstvogelzug Richtung Südwesten abzulesen.“, so FLI-Präsidentin Prof. Dr. Christa Kühn. Die Aufmerksamkeit dürfe nicht nachlassen, weder bei den Biossicherheitsmaßnahmen für Geflügel noch bei der Meldung von toten Wildvögeln. Auch wenn die örtlichen Veterinärbehörden bereits stark ausgelastet seien, bliebe die Bergung toter Wildvögel wichtig.

Die 9-teilige Online-Fortbildungsreihe zum Thema Biosicherheit in der tierärztlichen Bestandsbetreuung von Myvetlearn.de vermittelt Tierärzt:innen in allgemeinen und tierartspezifischen Kursen fundiertes Wissen zu den Hygiene- und Biosicherheitsmaßnahmen in Beständen zu verschiedenen Tierarten. Kurs 5 behandelt die Biosicherheit in Geflügelbeständen.

Proplanta

DGS

Schweiz intensiviert Maßnahmen gegen Antibiotika-Resistenzen

Die Entstehung von Resistenzen gegen antimikrobielle Arzneimittel nimmt weltweit zu. Die Schweiz plant daher eine Intensivierung der Maßnahmen, um die Ausbreitung zu verhindern. So sollen auch die Krankenhäuser verstärkt unterstützt werden.

„Die Situation ist dramatisch, es ist sicher etwas, das man ernst nehmen muss“, erklärt die Direktorin des Bundesamts für Gesundheit (BAG), Anne Lévy. „Multiresistente Keime und die Tatsache, dass nicht mehr jedes Antibiotikum für jede Infektion nützlich ist, gehören zu den großen Herausforderungen für die öffentliche Gesundheit.“

Eine der Maßnahmen ist, dass sogenannte „Antimicrobial Stewardship“-Programme, die unter anderem die Überwachung von Antiobiotikaeinsätzen und Resistenzen umfassen, in möglichst vielen Krankenhäusern des Alpenstaates implentiert werden. „Wir spüren in den letzten Jahren eine Zunahme an multiresistenten Keimen“, sagt Nina Khanna, Chefärztin für Infektiologie am Universitätsspital Basel. Das USB ist eines der wenigen Krankenhäuser, das bereits mit dem Programm arbeitet.

Mit einem entsprechenden Aktionsplan und der laufenden Revision des Epidemiegesetzes sollen nach Angaben des Bundes die Grundlagen zur Prävention und Bekämpfung von Resistenzen geschaffen werden. Dabei sollen gemäß des One-Health-Prinzips auch die Veterinärmedizin und Landwirtschaft einbezogen werden, wie Lévy betont.

Um die Resistenzen weiter zu reduzieren, sei es von großer Bedeutung, dass Antiobiotika stets zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Menge eingesetzt werden. Zudem müsse die Bevölkerung besser aufgeklärt werden, wie zum Beispiel, dass übrig gebliebene Antibiotikamengen nicht in den Hausmüll gehören, sondern zur Apotheke zurückgebracht werden müssen, so die BAG-Direktorin abschließend.

Mehr Informationen zu Antibiotika-Resistenzen bei Nutztieren und wie der Einsatz von Antibitika bei Nutztieren zur Verringerung der Resistenzen minimiert werden kann, gibt es auf der Lernplattform VetMAB.de.

Schweizerbauer

Geflügelpest: BfT fordert ein Umdenken in der Seuchenbekämpfungsstrategie

Angesichts des massiven Ausmaßes der in Deutschland aktuell grassierenden Geflügelpest (HPAI) hat der Bundesverband für Tiergesundheit (BfT) die Bundesregierung aufgefordert, die Seuchenbekämpfungsstrategie zu überdenken und die Türen für eine Impfung gegen die Tierseuche zu öffnen.

Laut Informationen des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) ist die Zahl der seit Anfang September 2025 erfassten HPAI-Ausbrüche in kommerziellen Geflügelhaltungen bundesweit auf 35 gestiegen. Täglich würden neue Fälle gemeldet, das Infektionsgeschehen sei weiterhin sehr dynamisch, sagte eine Sprecherin des FLI. Die Zahl der vorsorglich getöteten Tiere liege bundesweit inzwischen deutlich über 500.000.

Das aktuelle Seuchengeschehen hat in mehreren Bundesländern zu Zehntausenden getöteten Nutztieren und einem Massensterben bei Wildvögeln geführt. Allein in Niedersachsen mussten bis zum vergangenen Dienstag mehr als 118.500 Tiere wegen der Krankheit getötet werden, wie das Agrarministerium in Hannover bekannt gab.

Betroffen ist demnach insbesondere der Landkreis Cloppenburg mit rund 70.400 Puten und 5.300 Enten. Im Landkreis Vechta wurden 41.500 getötete oder verendete Puten gemeldet, im Landkreis Diepholz 1.300 Junghennen. Hinzu kommen 14 tote Tiere aus der Kleinstgeflügelhaltung im Heidekreis. Nach Angaben des Ministeriums Brandenburg mussten landesweit bereits 155.000 Tiere gekeult werden – so schlimm war das Ausmaß bislang nur im Jahr 2016/2017.

Hamburg, Brandenburg und das Saarland haben daher bereits eine Stallpflicht verhängt, um die Ausbreitung einzudämmen. Ein bundesweites „Aufstallungsgebot“ ist bislang nicht in Sicht. „Wir plädieren für ein einheitliches, risikobasiertes Vorgehen, um die Tiergesundheit und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Abwarten ist keine Option“, teilte der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG) mit.

Der BfT fordert bereits seit einiger Zeit, Impfungen vermehrt in die Seuchenbekämpfung einzubeziehen und der präventiven Impfung einen höheren Stellenwert einzuräumen, wie es in anderen Ländern der EU bereits durchgeführt werde. Die massiven Ausbrüche der Geflügelpest bereits zu Beginn der Wintersaison zeigen einmal mehr, dass angesichts der weiten Verbreitung des Virus in der Wildvogelpopulation ein Umdenken erforderlich ist.

Zudem fordert der BfT, die Anforderungen für das Monitoring auf Einträge des Feldvirus laut EU-Recht weiter zu entwickeln und auf ein praktikables Maß zu reduzieren. Auch hier schaffen neue Testverfahren neue Optionen. Handelsbarrieren müssen überwunden werden.

„Besonders gefährdet sind Freilandhaltungen und Wassergeflügel“, so Dr. Sabine Schüller, Geschäftsführerin des BfT, „vor allem in Regionen mit starkem Vogelzug. Auch Putenbetriebe haben ein erhöhtes Infektionsrisiko. Den Betrieben sollte die Impfung als ergänzende Option zu Biosicherheitsmaßnahmen ermöglicht werden.“

„Durch den Einsatz der Impfung kann vielfaches Tierleid verhindert, erhebliche Kosten für Tötung und Beseitigung eingespart und die Versorgung mit Eiern und Geflügelfleisch gesichert werden“, so Schüller. Nicht zuletzt sei die vorbeugende Impfung statt der Tötung von Tieren auch ein Beitrag zur Nachhaltigkeit.

BfT

Tagesschau

Trump-Forderungen sorgen für Unmut bei Rinderhaltern

US-Präsident Donald Trump hatte in seinem Wahlprogramm versprochen, die Lebensmittelpreise zu senken. Aufgrund der stetig abnehmenden Zahl der Rinderbestände in den USA und der weiterhin hohen Nachfrage sind die Preise für Rindfleisch aktuell jedoch sehr hoch. Die Preissteigerungen in dem Sektor übertrafen die allgemeine Lebensmittelinflation, die bei 3,1 % lag, deutlich.

Um das Problem zu lösen und sein Versprechen dennoch einzuhalten, hat Trump die Viehzüchter über die sozialen Medien angehalten, ihre Preise zu senken, was bei den Rinderhalter:innen für massive Kritik gesorgt hat. Trump hatte zudem angekündigt, mehr Rindfleisch aus Argentinien zu importieren und damit die US-Importe potenziell zu vervierfachen, was die Proteste seitens der Landwirt:innen weiter angefacht hat.

Nach Informationen des US-Landwirtschaftsministeriums haben die USA seit 2017 über 150.000 Rinderfarmen verloren, was einem Rückgang um 17 % entspricht. Aktuell befindet sich der Rinderbestand auf dem niedrigsten Niveau seit fast 75 Jahren, was die Sorgen der Viehzüchter um ihre Existenzgrundlage ohnehin nährt, ebenso wie auch die starken Dürreperioden in den vergangenen Jahren. Abgesehen davon hätten sie auch gar keinen Einfluss auf die Supermarktpreise. Derrell Peel, Professor für Agrarökonomie an der Oklahoma State University, geht davon aus, dass die Preise mindestens bis zum Ende des Jahrzehnts hoch bleiben werden, da die Wiederaufbau der Bestände Jahre dauert.

Trump versicherte den Landwirt:innen daraufhin, er helfe ihnen auf anderem Wege und verwies auf die Zölle, die die Importe aus Brasilien einschränkten. „Es wäre schön, wenn sie das verstehen würden, aber sie müssen auch ihre Preise senken, denn der Verbraucher spielt in meinen Überlegungen eine sehr große Rolle“, schreibt Trump. Doch auch das konnte die Empörung der Viehzüchter nicht schmälern.

Topagrar

Impfkampagne gegen HPAI in Frankreich zeigt Wirkung

Die Impfkampagne gegen die Geflügelpest (HPAI) in Frankreich zeigt jetzt Wirkung. Frankreich meldet 96 % weniger Geflügelpestfälle, wie das nationale Agrarforschungsinstitut Inrae bekannt gibt. Laut Inrae wurden in diesem Jahr nur 11 Fälle in kommerziellen Beständen festgestellt – gegenüber 396 Fällen 2023/24 und 1.378 im Jahr davor.

Anfang Oktober 2025 hat in Frankreich die dritte Impfphase begonnen. Geimpft werden erneut Tausende Enten auf Betrieben mit mehr als 250 Tieren. Der Staat beteiligt sich zu 40 % an den Impfkosten. In den Jahren zuvor wurden 70 bzw. 85% der Kosten vom Staat getragen.

Frankreich gilt dank der Impfkampagne seit Februar 2025 offiziell als frei von Aviärer Influenza.

Topagrar

Tierwohl-Gipfel im BMELH enttäuscht Teilnehmende

Am 14. Oktober 2025 hatte Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) mehr als 30 Verbände zu einem ersten Tierwohl-Gipfel eingeladen. Man wollte über die Zukunft der Tierhaltung in Deutschland sprechen und eine klare Richtung mit Bekenntnissen erarbeiten. Herausgekommen ist stattdessen noch mehr Verwirrung, welchen Weg die Bundesregierung in Zukunft einschlagen möchte. Denn die von den Teilnehmenden erhoffte, klärende Diskussion im Anschluss an die Darlegung der verschiedenen Positionen blieb aus.

Immerhin sei es den Teilnehmenden gelungen, den gesellschaftlichen Konsens für eine bessere Tierhaltung dem Minister deutlich zu spiegeln. Dieser Wille zeige sich an der hohen Nachfrage nach Produkten aus Bio-Tierhaltung, meint Peter Röhrig, geschäftsführender Vorstand vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). „Höfe brauchen Planungssicherheit, um investieren zu können, daher verträgt es keinen Aufschub, auch um Vertrauen zurückzugewinnen.“

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, warnte davor, ein falsches Signal zu senden. „Wer den bereits mühsam erkämpften Konsens zwischen Landwirtschaft, Wissenschaft und Tierschutz einfach unter den Tisch fallen lässt, verspielt nicht nur Vertrauen, sondern gefährdet auch die Zukunftsfähigkeit der Tierhaltung in Deutschland“, so Schröder. Den Umbau der Tierhaltung jetzt zu stoppen oder zu verzögern, „wäre ein Rückschritt – nicht nur für den Tierschutz, sondern für die gesamte Landwirtschaft.“

Einig waren sich die anwesenden Verbände über die Enttäuschung, dass Bundeslandwirtschaftsminister Rainer zentrale Instrumente zum Umbau der Tierhaltung aufgebe oder blockiere. Dazu gehörten das Ende des Bundesprogramms für den Umbau der Tierhaltung, das Ausbleiben ernsthafter Bemühungen um eine ausreichende finanzielle Ausstattung im Bundeshaushalt sowie die Absage an mögliche Finanzierungsinstrumente wie eine Tierwohlabgabe oder eine Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes auf tierische Produkte. Es sei zudem unverständlich, warum man den Konsens der Borchert-Kommission und deren Protagonisten in der aktuellen Diskussion nicht nutze. Vor diesem Hintergrund könne man sich schon fragen, „was solche Runden beim Minister bringen und zu was sie gut sein sollen“, hieß es.

Agrarheute

Lumpy Skin Disease erstmals in Spanien nachgewiesen

Während sich die Lage hinsichtlich der Lumpy Skin Disease (LSD) in Italien und Frankreich nach ersten Ausbrüchen Ende Juni 2025 entspannt hat, ist die hochansteckende Tierseuche erstmals in Spanien nachgewiesen worden. Betroffen sind neben einem Betrieb mit rund 120 Rindern in der katalanischen Gemeinde Castelló d’Empúries in der Provinz Girona, die nur knapp 30 Kilometer von der Grenze zu Frankreich entfernt ist, auch zwei weitere Betriebe in der Region. Umfassende Maßnahmen seien eingeleitet worden, um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden, teilt das spanische Landwirtschaftsministerium mit.

Wie Landwirtschaftsminister Òscar Ordeig erklärt, soll die Impfung gegen die LSD beginnen, sobald die ersten Impfdosen eintreffen. Die Regierung plant, die Tiere von etwa 700 Betrieben mit 90.000 Rindern im Umkreis von 50 Kilometern um den ersten Ausbruch impfen.

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) rät Rinderhaltenden, weiterhin auf Symptome von LSD zu achten und Ausschlussuntersuchungen bei klinisch verdächtigen Tieren durchzuführen.

FLI

Ara.cat

Rasante Zunahme von Antibiotikaresistenzen weltweit

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet über eine rasche und weltweite Zunahme von Antibiotikaresistenzen. Demnach war bereits 2023 jede sechste im Labor bestätigte bakterielle Infektion durch antibiotikaresistente Erreger ausgelöst worden. Die WHO betrachtete dabei auch verschiedene Kombinationen von Bakterien und Antibiotika. Das Ergebnis: Von 2018 bis 2023 ist die Resistenz bei mehr als 40 Prozent davon gestiegen und zwar je nach Kombination um 5 bis 15 Prozent pro Jahr. In die Studie sind rund 23 Millionen Daten aus mehr als 100 Ländern eingeflossen. Der Direktor der zuständigen WHO-Abteilung, Yvan Hutin, warnt: „Antibiotikaresistenz ist weit verbreitet und bedroht die Zukunft der modernen Medizin.“

Allerdings gibt es große regionale Unterschiede. In Südostasien und im östlichen Mittelmeerraum seien bereits eine von drei gemeldeten Infektionen gegen die untersuchten Antibiotika resistent.

Neben einem verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika seitens der Ärzte und Patienten und mehr präventiver Hygiene, sind vor allem dringend mehr Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika notwendig. „Wenn der Antibiotikaverbrauch global nicht sinkt, droht die Rückkehr in ein „präantibiotisches Zeitalter'“, warnt der Direktor des Instituts für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Jena, Mathias W. Pletz.

Allein in Europa lasse sich das Problem nicht lösen, sagt Annemarie Käsbohrer vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin: „Aufgrund der globalen Vernetzung werden Resistenz-Entwicklungen in anderen Regionen der Welt auch direkt Auswirkungen auf die Situation in Europa haben, mit all den negativen Auswirkungen für Mensch, Tier und Umwelt.“

WHO

Wiederkäuerhaltung auf Grasland hat viele Vorteile

Die Haltung von Wiederkäuern wie Kühe, Schafe und Ziegen wird wegen der Methanemissionen der Tiere beim Wiederkäuen immer wieder kritisiert. Aber stimmt das auch? Dem neuen Faktenblatt des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (Fibl) und Bio Suisse sind viele Argumente zu entnehmen, die dem „Kühe sind Klimakiller“ entgegenstehen.

So werden die positiven Beiträge der Wiederkäuer im Ernährungssystem genannt, zum Beispiel bei Weidehaltung als Graslandverwerter. Dort nutzen sie Pflanzenmasse, die Menschen nicht direkt verwerten können. Gleichzeitig erhalten sie Kulturlandschaften, fördern die Biodiversität und stabilisieren Nährstoffkreisläufe.

Dauergrünland, das rund 70 Prozent der Nutzfläche ausmacht und nicht ackerbaulich genutzt werden kann, speichert bei Bewirtschaftung durch Wiederkäuer Kohlenstoff und kann so das Klima schützen. Daher überwiegt der Nutzen der Tiere gegenüber ihrer Methan- ​und CO2-Emissionen. Diese sollten besser und effektiver in anderen Sektoren, wie beispielsweise im Energiesektor eingespart werden, so Fibl und Bio Suisse.

Fibl

Sachsen startet Projekt zur Rettung des Feldhamsters

Um den vom Aussterben bedrohten Feldhamster zu schützen und seine Population zu fördern, ist Anfang Oktober 2025 ein EU-gefördertes Vorhaben im Raum Delitzsch gestartet. Das Projekt bezieht dabei Bewirtschaftungsmaßnahmen und Auswilderungen mit ein. LIFE4HamsterSaxony soll sechs Jahre laufen und ist mit Mitteln in Höhe von 12,2 Mio. Euro ausgestattet. Neben dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) sind der Zoo Leipzig und der Landkreis Nordsachsen an dem Projekt beteiligt.

Konkret geht es in dem Projekt darum, landwirtschaftliche Maßnahmen zu erproben und einzuführen, die eine Erholung der Feldhamsterpopulation ermöglichen. Hierbei arbeiten die Projektpartner mit Landwirtschaftsbetrieben zusammen. Zudem sind weitere Auswilderungen geplant.

Erste Auswilderungen von Tieren aus der Aufzucht im Leipziger Zoo auf entsprechend vorbereitete Flächen waren bereits voriges Jahr in Nordsachsen erfolgt, zuletzt im Mai 2025. Mit den Nachkommen der im Jahr 2024 ausgewilderten Tiere könne der Bestand bereits auf etwa 300 Feldhamster angewachsen sein, so die Vermutung des LfULG.

Geplant sind nun weitere Auswilderungen im kommenden Frühjahr. Dafür wollen das LfULG und der Landkreis Nordsachsen Verträge mit interessierten Landwirtschaftsbetrieben abschließen. Insgesamt sollen mehr als 80 ha Landwirtschaftsfläche ab dem kommenden Frühjahr auf den Feldhamster ausgerichtet sein.

Das Projekt wird vom Regionalbauernverband (RBV) Delitzsch befürwortet. Voraussetzung sei jedoch, dass die Landwirtschaftsbetriebe für Einschränkungen infolge einer an den Feldhamster angepassten Bewirtschaftung entschädigt würden. Zu den Maßnahmen zählen ein späterer Stoppelumbruch, das Stehenlassen einzelner Getreidestreifen bis in den Herbst, Luzerneanbau und das Anlegen von Blühstreifen mit hamsterfreundlichen Saatmischungen.

Sachsen.de

Prävention statt Massenkeulung

Anlässlich des Welttierschutztages am 4. Oktober hat die Österreichische Tierärztekammer auf die Bedeutung wirksamer Präventionsmaßnahmen im Kampf gegen Tierseuchen aufmerksam gemacht. Fälle wie Maul- und Klauenseuche (MKS), Lumpy Skin Disease oder Geflügelpest zeigen, wie verheerend die Folgen von Seuchenausbrüchen für Tiere, Landwirt:innen und die Gesellschaft sein können.

Bislang ist die Keulung des gesamten betroffenen Tierbestandes immer noch häufig die vorgeschriebene Bekämpfungsmaßnahme bei bestimmten Tierseuchen. Dazu sagt Tierärztekammer-Präsident Mag. Kurt Frühwirth: „Dieses Vorgehen bedeutet unermessliches Tierleid, wirtschaftliche Schäden und ist gesellschaftlich nicht mehr akzeptabel. Wir müssen endlich konsequent in Vorbeugung investieren – in bessere Biosicherheitsmaßnahmen und eine gut vorbereitete Impfstrategie – dazu gehören auch schnell verfügbare Impfstoffe. Alle wichtigen Vertreter:innen der Politik, von Pharmaunternehmen, der Veterinärbehörden und Tiergesundheitsdienste sowie auch der Landwirtschaft müssen an einem Strang ziehen.“

Eine moderne Tierseuchenpolitik müsse auf Biosicherheit und Hygiene, wie etwa klare Standards für Stallhygiene, Transport und Einfuhr von Tieren und tierischen Produkten beruhen. Weiters müssen eine funktionierende landesweite Impfstrategie sowie eine länderübergreifende Zusammenarbeit etabliert werden. Das oberste Ziel muss eine nachhaltige Früherkennung und ein weitreichendes Monitoring sein, um die schnelle Ausbreitung von Tierseuchen zu verhindern.

EU-Kommission bittet um Input beim Tierschutz

Zu Ende 2026 sind in der EU tiefgreifende Änderungen beim Tierschutz geplant, u.a. ein grundsätzliches Verbot der Käfighaltung. Dies könnte Nutztierhalter:innen vor Herausforderungen stellen. Entsprechende Vorschläge für geänderte Tierschutzgesetze will die EU-Kommission Ende 2026 vorlegen. Bis zum 12.12.2025 können Landwirt:innen und andere Interessierte hierzu noch ihre Meinung auf der Website der EU-Kommission abgeben.

Bestäuber benötigen mehr naturnahe Flächen

In der EU-Biodiversitätsstrategie ist das Ziel verankert worden, 10% der landwirtschaftlichen Flächen bis 2030 naturnah zu belassen. Dieser Anteil reicht aber einer neuen Studie zufolge nicht aus, um Bestäuber wie Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge nachhaltig zu schützen. Wie Forschende unter der Leitung der Universität Wageningen im Wissenschaftsmagazin Science schreiben, benötigen wildlebende Bestäuber mindestens 16 bis 37 Prozent natürlichen oder halbnatürlichen Flächenanteil. Darüber hinaus ist auch eine bessere Qualität und der langfristige Erhalt der Lebensräume entscheidend.

Durch die Bestäubung von Nutzpflanzen leisten Insekten einen wichtigen Beitrag zur Lebensmittelproduktion und Ernährungssicherheit. Doch sind die Populationen von Bestäuberinsekten seit Jahren rückläufig.

Grundsätzlich kann festgehalten werden, je mehr natürlicher Lebensraum vorhanden ist, desto mehr Bestäuber gibt es in landwirtschaftlichen Gebieten. Die Mindestflächenanteile für den Erhalt von Populationen unterschieden sich dabei zwischen den Artgruppen.

Ist eine Vergrößerung der naturnahen Flächen nicht möglich, sind deutliche Verbesserungen der Habitatqualität – das heißt vor allem mehr und vielfältigere Blütenpflanzen – notwendig, um vergleichbare positive Effekte zu erzielen. „Doch es reicht auch nicht aus, Bestäubern nur Blüten, also Nahrung, anzubieten, ohne ihnen einen dauerhaften Wohnort zum Nisten und Überwintern zu geben“, sagt Dr. Felix Fornoff, Co-Autor der Studie und wissenschaftlicher Assistent an der Professur für Naturschutz und Landschaftsökologie der Universität Freiburg. Zudem hat die Verbesserung der Lebensraumqualität nur anfangs einen starken positiven Effekt auf die Insektenpopulationen; dieser flacht bei weiteren Verbesserungen ab. „Deshalb ist es besser, zunächst die Fläche natürlicher Lebensräume zu vergrößern, statt viele kleine Lebensräume zu bewirtschaften – auch wenn sie viele Blüten enthalten“, sagt Erstautorin Gabriella Bishop von der Universität Wageningen.

Die neue Studie zeige, dass viel mehr Lebensraum benötigt wird und dass die Qualität der neuen Lebensräume langfristig gewährleistet sein muss. Dafür sollten Landwirte entsprechend be- und entlohnt werden. Idealerweise für mindestens 20 Jahre, denn dies bietet entsprechende Sicherheit für beide Seiten, so die Wissenschaftler.

Universität Freiburg

LSD breitet sich in Frankreich trotz Impfung weiter aus

In Frankreich breitet sich die Lumpy-Skin-Disease (LSD) weiter aus. Die Zahl der Nachweise war zuletzt zwar deutlich zurückläufig, nun wurde die Tierseuche jedoch im bislang unberührten Département Rhône nachgewiesen. Der betroffene Milchviehbetrieb liegt in der Gemeinde Saint-Laurent-de-Chamousset, rund 20 Kilometer westlich von Lyon, und damit viel weiter im Landesinneren als die Fälle zuvor. Diese konzentrierten sich bislang auf das Grenzgebiet zu Italien und zur Schweiz.

Übertragen wird das Virus vor allem von Gnitzen, die mit dem Wind bis zu 100 km zurücklegen können. Daher war versucht worden, durch einen 100 km breiten Impfgürtel, die weitere Ausbreitung zu unterbinden.

Die Landwirte bekommen unter bestimmten Umständen eine Entschädigung für Tiere, die aufgrund der Erkrankung getötet werden müssen.

Umweltschutzorganisationen beklagen Rückschritte in der Agrarpolitik

Anlässlich der aktuell in Heidelberg stattfindenden Agrarministerkonferenz in Heidelberg hat der Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), Jörg-Andreas Krüger, die geplante Ausrichtung der Landwirtschaft kritisiert. „Degradierte Böden, ausgeräumte Landschaften und belastetes Trinkwasser: Eine solche Agrarpolitik geht am Interesse der Menschen vorbei. Was wir jetzt brauchen, ist ein grundlegender Paradigmenwechsel weg vom kurzfristigen Weg des geringsten Widerstands hin zu mutigen, teils auch ungemütlichen Entscheidungen, die aber unausweichlich sind und unsere Landwirtschaft zukunftsfest machen.”

Mit Blick darauf mahnt der NABU an, die EU-Agrarförderung (GAP) konsequent an klare Umwelt- und Klimaziele zu binden: „Dass die EU-Kommission vor den aktuellen Herausforderungen Prioritäten neu setzen und GAP-Gelder im EU-Haushalt kürzen will, ist nachvollziehbar. Umso effizienter müssen die Gelder nun vergeben werden. Gelder einfach an die Fläche zu binden, führt in die falsche Richtung. Ohne eine breite gesellschaftliche Akzeptanz für die Milliardenzahlungen drohen weitere Kürzungsrunden. Das ist weder im Sinne der Natur noch von Landwirt*innen, die langfristig planen wollen“, so Krüger weiter. Der NABU würde es vor diesem Hintergrund ausdrücklich begrüßen, jenseits des GAP-Budgets zusätzliche Mittel für die EU-Wiederherstellungsverordnung bereitzustellen.

Mit großer Sorge blickt der NABU auf rückwärtsgewandte Vorschläge zur Deregulierung von Pflanzenschutzmitteln. Die Anerkennung der Nervenerkrankung Parkinson als Berufskrankheit, die durch den Umgang mit Pestiziden ausgelöst wird, oder steigende Gefahren durch Pestizid-bedingte Ewigkeitschemikalien im Trinkwasser zeigen: Es ist wichtiger denn je, den Pestizideinsatz deutlich zu reduzieren. „Umso befremdlicher ist der Vorschlag, bereits geltende Berichtspflichten zur Erfassung des Pflanzenschutzeinsatzes abzuschaffen. Wir brauchen mehr und gezieltere anstatt weniger Informationen über eingesetzte Wirkstoffmengen”, so Krüger.

Andere Naturschutzorganisationen wie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisieren die von der Regierung geplanten Rückschritte in Sachen Tierhaltungskennzeichnung und der Abschaffung des Bundesprogrammes für den Umbau der Tierhaltung. Dies zeige, wie wenig der Regierung wirksamer Tierschutz wert sei. Statt den Tierschutz auszubauen, droht der Abbau erkämpfter Standards, beklagt Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND.

Kuh-gebundene Aufzucht von Kälbern vorteilhaft

Kälber, die mit ihren Müttern Kontakt haben, fühlen sich deutlich wohler als Kälber, die früh von ihren Müttern getrennt wurden. Das zeigt eine neue Studie von Anna Rademann und Kolleginnen vom Zentrum für Tierernährung und Tierschutzwissenschaften der Vetmeduni Wien. Dazu untersuchten die Forschenden auf 50 Milchviehbetrieben in Österreich das Verhalten, die Gesundheit und die Lebensbedingungen von Kälbern und Jungrindern in den beiden Aufzuchtsystemen.

Zur möglichst objektiven Erhebung des Wohlergehens der Tiere wurde das Welfare Quality® Protocol (WQP) verwendet, ein von Expert:innen entwickeltes Protokoll zur Tierwohl-Beurteilung. Die Analyse zeigte, dass Kälbermit Kuhkontakt weniger Verhaltensstörungen, wie gegenseitiges Besaugen, zeigten als jene ohne mütterlichen Kontakt. Solche Verhaltensweisen gelten als Anzeichen für Stress oder unbefriedigte Bedürfnisse. Gleichzeitig hatten Kontakt-Kälber mehr Platz und häufiger Zugang zu Weideflächen zur Verfügung, was für die Kälber essenziell ist, da es ihnen besser ermöglicht, sich artgerecht zu bewegen und zu spielen. Diese Faktoren tragen wiedrum maßgeblich zu einer besseren Lebensqualität bei.

Aus früheren Studien ist zudem bekannt, dass sich Kontakt zu Kühen auch langfristig positiv insbesondere auf das Sozialverhalten der Tiere auswirkt.

Trotz der Vorteile ist die KKK-Aufzucht in der Praxis noch selten. Die Studie zeigt jedoch, dass die kuhgebundene Kälberaufzucht in der Praxis gut möglich ist. „Die kuhgebundene Kälberaufzucht verbessert nicht nur das Wohlbefinden der Tiere, sondern ist auch mit einer nachhaltigeren Landwirtschaft vereinbar. Insbesondere für Kälber, die in den ersten Lebenswochen besonders verletzlich sind, bietet der Kontakt zu Kühen wichtige Vorteile“, so Rademann. Auch das Wohlergehen der Kühe, der Landwirt:innen und die Einflüsse der Mensch-Tier Beziehung wurden in dem Projekt genauer untersucht. Die Ergebnisse befinden sich aktuell noch in der Auswertung und Aufbereitung.

Vetmeduni Wien

EFSA gibt Toolkit zur Geflügelpest heraus

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und die EU-Kommission haben gemeinsam ein neues Kommunikations-Toolkit zur Geflügelpest veröffentlicht. Dieses Toolkit richtet sich an Landwirte und alle, die mit landwirtschaftlichen Betrieben zu tun haben. Ziel ist es, Geflügel, andere Tiere und Menschen vor dem Erreger der Geflügelpest zu schützen.

Das Toolkit #NoBirdFlu, das anlässlich des derzeit beginnenden saisonalen Vogelzugs in Europa veröffentlicht wurde, soll das Bewusstsein für die Bedeutung einfacher Biosicherheitsmaßnahmen vor allem in kleinen und mittleren landwirtschaftlichen Betrieben schärfen. „Mit der Veröffentlichung von #NoBirdFlu zeigen wir, wie Vorsorgemaßnahmen von heute Krisen von morgen verhindern können“, sagt Nikolaus Kriz, geschäftsführender Direktor der EFSA. „Indem wir gemeinsam handeln, können wir unsere Tiere schützen, die Lebensmittelsicherheit gewährleisten und uns gegen künftige Gesundheitsgefahren wappnen. Die EFSA wird die wissenschaftlichen Gutachten vorlegen, die erforderlich sind, um die Vogelgrippe von landwirtschaftlichen Betrieben in Europa fernzuhalten.“

„Diese Kampagne vermittelt Praxis-Tipps zum Schutz der Bestände und der europäischen Geflügelbranche“, so Claire Bury, stellvertretende Generaldirektorin für Nahrungsmittelnachhaltigkeit bei der Europäischen Kommission.

Das Toolkit enthält mehrere Kommunikationsmaterialien wie eine ausführliche Infografik mit Hinweisen zu Hygiene, Schutzausrüstung und Bewegungskontrolle, Poster zur bildlichen Darstellung der wichtigsten Maßnahmen und ein Kit für Social Media Aktivitäten.

Weiterhin verschafft sich die EFSA ein genaues Bild von der Risikowahrnehmung von Landwirten, Tierärzten und Landarbeitern in Europa in Bezug auf die Geflügelpest. Diese Daten werden in eine für 2026 geplante umfassendere EU-weite Initiative einfließen, mit der die Vorsorge- und Bereitschaftspläne zur Bekämpfung der Vogelgrippe gestärkt und das Risiko künftiger Pandemien verringert werden sollen.

EFSA

LSD: Schweizer Landwirt:innen bleiben auf zusätzlichen Kosten sitzen

Nach dem ersten Ausbruch der Lumpy-Skin-Krankheit (Lumpy Skin Disease, LSD) in Frankreich am 29. Juni 2025 hat sich die Krankheit weiter in Richtung Schweizer Grenze ausgebreitet. Die Schweizer Regierung hatte daraufhin Überwachungszonen in verschiedenen Kantonen eingerichtet sowie eine Impfpflicht für sämtliche Rinder und Bisons in diesen Zonen ausgerufen.

Wegen der Einschränkungen im Handel und bei der Verarbeitung entstehen den Tierhaltenden in diesen Regionen zusätzliche Kosten. Beispielsweise können weder die Felle noch die Häute der geimpften Tiere verwertet werden, wie Nationalrat Christian Glur (SVP/AG) in einer offiziellen Anfrage schreibt. „Weil der Bund diese Zonen verordnet hat, erwarte ich, dass er die anfallenden Kosten für die Entsorgung übernimmt“, so Glur.

Der Bund lehnt die Übernahme dieser zusätzlichen Kosten ab. „Eine Entschädigung des Bundes ist nach Artikel 32 des Tierseuchengesetzes nur für (ganze) Tierverluste vorgesehen“, antwortete der Bundesrat. Nur bei einer Erkrankung gibt es eine Entschädigung, ansonsten muss die Landwirtin oder der Landwirt die Kosten tragen.

Für Tiere, die auf Anordnung der Behörde getötet werden, übernimmt der Bund die Entschädigung. Diese beträgt 90 Prozent des Schätzwertes, sagte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV).

Schweizer Bauer

Liste zeigt Gefährdungsstufen von Nutztierrassen auf

Alle zwei Jahre veröffentlicht die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) eine Liste, die die einheimischen Nutztierrassen in Deutschland und deren Gefährdungsstufen aufzählt. Der Inhalt wird nach den Vorgaben des entsprechenden nationalen Fachprogramms erstellt. Dieses wurde im Jahr 2003 von der Agrarministerkonferenz verabschiedet, um  erstellt, mit dem Ziel, die Nutzung einheimischer Nutztierrassen und deren Erhalt für nachfolgende Generationen sicherzustellen.

Das BLE legt den Gefährdungsstatus der einheimischen Nutztierrassen in Zusammenarbeit mit dem Fachbeirat Tiergenetische Ressourcen fest. Der Gefährdungsstatus der in der Liste aufgeführten Nutztierrassen bildet die Entscheidungsgrundlage für staatliche Förderungen.

Die Broschüre ist kostenlos und kann beim Informations- und Koordinationszentrum Biologische Vielfalt (IBV) angefragt werden.

BLE

Bundesverband der Klauenpflegenden gegründet

Ende August 2025 ist im Rahmen des Drei-Länder-Treffens Klauenpflege in Salzburg der Bundesverband der Klauenpflegenden gegründet worden. Der neue Fachverband mit Sitz in Berlin vertritt künftig bundesweit die Interessen von Berufsklauenpflegerinnen und -pflegern sowie weiterer in der Klauenpflege tätiger Fachkräfte.

Ziel des Bundesverbands ist es, die fachlichen, wirtschaftlichen und politischen Anliegen seiner Mitglieder zu bündeln und zu vertreten. Darüber hinaus engagiert sich der Verband für die Förderung von Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie für die Verbesserung der Klauengesundheit bei landwirtschaftlichen Nutztieren. Weiterhin soll die Bedeutung der Klauenpflege für das Tierwohl und die Landwirtschaft bestmöglich sichtbar gemacht werden.

Der Bundesverband strebt eine enge Zusammenarbeit mit der IKD (Interessenvereinigung Klauengesundheit Deutschland), dem VgK (Verein geprüfter Klauenpfleger), dem VKKD (Verein für Klauenpflege und Klauenhygiene) und allen weiteren relevanten Institutionen an.

Unterstützt wird der Bundesverband von Fachleuten aus Wissenschaft und Praxis, darunter Prof. Dr. Alexander Starke und Ulrich Peper.

Bundesverband der Klauenpflegenden

FAO-Experten befürchten Pandemie durch HPAI

Immer mehr Experten sehen die ansteigende Gefahr einer Pandemie, hervorgerufen durch das Virus der Geflügelpest (HPAI). Denn das Virus ist längst nicht mehr nur ein Problem für Geflügel. Inzwischen erkranken auch 83 Säugetierspezies inkl. dem Mensch an dem Virus. Hinzu kommen zahlreiche Ausbrüche bei Wildvögeln und Nutzgeflügel weltweit, wie auch auf dem ersten globalen Dialog im brasilianischen Foz do Iguacu der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) besprochen wurde. Hier ging es neben der Erfassung des Status quo vor allem um den Umgang mit der Sitaution und um mögliche Gegenmaßnahmen.

Der stellvertretenden FAO-Generaldirektorin Beth Bechdol zufolge ist die Geflügelpest keine sporadische Bedrohung mehr. Das Geschehen entwickele sich zu einer globalen Herausforderung. Eine praktische, wissenschaftlich fundierte Zusammenarbeit bezeichnete sie als unerlässlich. Anders könnten die Agrar- und Ernährungssysteme sowie die öffentliche Gesundheit nicht geschützt werden.

Unterdessen wurden auch aus Mecklenburg-Vorpommern zwei neue Ausbrüche mit dem Geflügelpestvirus vom Typ H5N1 gemeldet. Betroffen sind rund 5.000 Enten im Landkreis Rostock, die alle getötet werden müssen. Dies zeige, dass es in Deutschland inzwischen ein beständiges Risiko für den Eintrag des Virus gibt, wie das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) mitteilt. Um so wichtiger sei es, die Biosicherheitsmaßnahmen konsequent umzusetzen und einzuhalten.

Eine entsprechende Fortbildung zu den Biosicherheitsmaßnahmen in Geflügelbetrieben finden Tierärzt:innen bei Myvetlearn.de.

Schweizer Bauer

QS-Betriebe setzen weniger Antibiotika ein

Ende August 2025 hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) neue Zahlen zum Antibiotikaverbrauch bei Rindern, Schweinen, Hühnern und Puten im Jahr 2024 im Vergleich zu Daten aus 2023 veröffentlicht. Erkennbar ist ein Anstieg des Antibiotikaverbrauchs im Jahr 2024. Allerdings wird auch bei QS seit mehr als 10 Jahren der Antibiotikaeinsatz bei den QS-Systempartnern systematisch erfasst. Der Vergleich der beiden Auswertungen – staatlich und QS – zeigt einen geringeren Anstieg der eingesetzten Antibiotika als in der staatlichen Erfassung. Bei QS-Betrieben beträgt dieser 3,5 %, wohingegen das staatliche Monitoring einen Anstieg von 6 % verzeichnete. Betrachtet man den Antibiotikaeinsatz bei einzelnen Tiergruppen, ging der Antibiotikaverbrauch im QS-System sogar zurück, wie beispielsweise bei den Jungsauen (- 4 %). Für Sauen reduzierte sich der Einsatz um 5 %, bei Hühnern (Elterntiere) lag die Reduktion sogar bei 24 %.

Positiv fällt zudem auf, dass sich der Einsatz von Polypeptidantibiotika, zu denen u.a. Colistin zählt, bei QS insgesamt um 3,5 % verringerte. Speziell bei den Masthühnern reduzierte sich der Verbrauch im QS-System sogar um über 10 %. Im staatlichen Monitoring hingegen zeigte sich bei keiner Wirkstoffklasse eine Reduktion gegenüber dem Vorjahr.

Auch beim Vergleich der Verbrauchsmengen in den einzelnen Tiergruppen zeigt sich ein anderes Bild zugunsten der QS-Systempartner. Bei Mastschweinen stieg der Antibiotikaeinsatz bei QS um 4 % (BfR: 9 %), bei Aufzuchtferkeln um knapp 6 % (BfR: 15 %). Für Mastputen lag der Anstieg im QS-System bei 7 % – ebenfalls geringer als im staatlichen Monitoring (9%). Bei Masthühnern wurde im QS-System sogar ein leichter Rückgang von 0,35 % verzeichnet, im Gegensatz zu einem Anstieg von 1 % laut BfR.

Insgesamt zeigt sich, dass eine differenzierte Betrachtung der Daten sinnvoll ist, um Entwicklungen in der deutschen Nutztierhaltung und gezielt im QS-System einschätzen zu können.

Um die Verringerung des Einsatzes von Antibiotika bei Nutztieren geht es auch in der kostenfreien Fortbildungsveranstaltung für Tierärzt:innen und Landwirt:innen „Maßnahmen zur Bekämpfung der Resistenz gegen antimikrobielle Mittel“ der FVE in Frankfurt am 8. Oktober 2025 sowie auf der Lernplattform VetMAB.de.

QS

Schweinebestand in Niedersachsen erstmals unter 7 Millionen Tieren

Niedersachsen ist das Bundesland in Deutschland mit dem höchsten Schweinebestand. Doch auch hier ziehen sich immer mehr Landwirt:innen aus der Schweinehaltung zurück. Innerhalb eines Jahres ist die Zahl der in Niedersachsen gehaltenen Schweine um 3,7 Prozent gesunken. Nach Informationen des Landesamtes für Statistik Niedersachsen (LSN) gab es zum Stichtag 3. Mai 2025 noch etwas mehr als 6,86 Mio. Schweine in niedersächsischen Ställen.

Damit ist erstmals seit 28 Jahren die Sieben-Millionen-Marke unterschritten worden. Niedersachsen liegt damit auch weit unter dem bundesdeutschen Vergleich. In ganz Deutschland ist der Schweinebestand um 1,2 % auf insgesamt 20,9 Mio. zurückgegangen. Gleichzeitig sank die Zahl der Schweine haltenden Betriebe um 300 auf nunmehr 3.700 (-7,2 %). Im Bundesdurchschnitt gaben 3,3 % die Haltung auf.

Gemäß den Zahlen der aktuellen Statistik zeigt sich auch, dass die Landwirt:innen vermehrt nicht mehr nur den alleinigen Fokus auf die Schweinehaltung legen. Stattdessen bauen sie sich zur Krisenabfederung sowie der Existenzsicherung ein weiteres Standbein auf, was Pascal Leddin, agrarpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Landtag, sehr begrüßt. „In vielen Fällen beginnen die Programme zur Diversifizierung in der Schweinehaltung zu greifen“, sagt der Politiker. Ziel sei es, die Betriebe, die aufgrund des Strukturwandels unter Druck stehen, widerstandsfähig zu machen.

LSN

Proplanta

Schweiz lässt weitere 1.700 Rinder gegen LSD impfen

In Frankreich breitet sich die Lumpy-Skin-Disease (LSD) weiter aus. Erstmals war die LSD Mitte August 2025 bei einem Rind im französischen Departement Ain nachgewiesen worden. Der Ausbruch hatte zur Folge, dass alle zur Herde gehörenden Tiere geschlachtet werden mussten. Nun wurde ein zweiter Ausbruch der Rinderkrankheit im gleichen Departement bekannt.

Da das Ausbruchsgeschehen lediglich 50 Kilometer von der Grenze zur Schweiz entfernt liegt, hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) die Überwachungszone für die Lumpy-Skin-Disease ausgeweitet. Bisher gab es noch keine LSD-Ausbrüche in dem Alpenstaat. Zum Schutz der Bestände und zur Vermeidung der Ausbreitung müssen nun rund 1.700 Rinder sowie alle Büffel und Bisons in elf Gemeinden im Bezirk Nyon gegen die LSD geimpft werden.

Frankreich hatte bereits am 18. Juli 2025 eine groß angelegte Impfkampagne für die 310.000 Rinder in den von der LSD betroffenen Departements sowie in den angrenzenden Regionen gestartet.

Das BLV hat zur Bekämpfung der Tierseuche in verschiedenen Kantonen der Schweiz Überwachungszonen mit Impfpflicht eingerichtet. Nach Informationen des Bundesamtes wurden in diesen Zonen bereits alle Rinder, Büffel und Bisons geimpft. Außerhalb dieser Überwachungszonen sind Impfungen gegen die LSD verboten.

Stechinsekten wie Bremsen, Fliegen, Gnitzen oder Stechmücken sowie Milben und Zecken sind Überträger des Virus. Eine Übertragung ist aber auch durch direkten Tierkontakt, infiziertes Sperma, unbehandelte Tierhäute und Felle sowie Rohfleisch- und Rohmilchprodukte und durch daraus gewonnenes Tierfutter inklusive Kolostrum möglich, so das BVL.

Schweizerbauer

Komplettförderung soll Akzeptanz für den Wolf stärken

Das Land Brandenburg fördert Maßnahmen zum Schutz von Weidetieren gegen Wölfe zu 100 Prozent. Die Komplettförderung hat das Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz (MLEUV) nach Gesprächen mit dem Ministerium der Finanzen und (MdFE) verkündet.

„Damit wurde eine gute Entscheidung für den Brandschutz in unseren Wäldern und für die Akzeptanz des Wolfes im Land Brandenburg getroffen. Sowohl für den Bau von Löschwasserbrunnen als auch wirksame Maßnahmen, die die Herden unserer Weidetierhalterinnen und -halter gegen Angriffe von Wolfsrudeln schützen, gibt es ein großes gesellschaftliches Interesse. Deshalb halten sowohl wir als auch das Finanzministerium eine 100-Prozent-Förderung für angemessen und gerechtfertigt“, erklärt Landwirtschaftsministerin Hanka Mittelstädt.

Dem Beschluss zu Folge werden die Maßnahmen der Weidetierhalter:innen für ihre Herdenschutzmaßnahmen zu 100 Prozent gefördert.

 „Das wird die Akzeptanz des Wolfes in Brandenburg erhöhen. Ein wirksamer Herdenschutz ist einer der wichtigsten Bausteine für ein erfolgreiches Wolfsmanagement“, hofft die Ministerin.

MLEUV

Agrarbranche proaktiv bei der Tierhaltungskennzeichnung

Schon lange wird über das Thema Tierhaltungskennzeichnung diskutiert. Doch konkrete Änderungen am entsprechenden Gesetz blieb die neue Bundesregierung bislang schuldig. Da Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) den Start des neuen Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes vorerst nach hinten geschoben hat, hat der Bauern- und Raiffeisenverband gemeinsam mit weiteren Verbänden ein Konzept vorgelegt.

„Jetzt muss die Bundesregierung die grundlegende Reform der Tierhaltungskennzeichnung konsequent angehen“, erklärt Martin Müller, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Fleischwirtschaft (VDF).

Langsam werde die Zeit eng, denn bis zum vereinbarten Start im März 2026 bleiben nur noch wenige Monate. Schließlich müssen die Betriebe die neuen Rahmenbedingungen zeitnah in ihren Betrieben umsetzen.

In ihrem Konzept verweisen die Verbände auf eine bundesweit einheitliche Auslegung inklusiv der Klarstellung offener Spielräume. Das sei nötig, um individuelle Auslegungshinweise der Länder zu verhindern, sowie eine bundesweit einheitliche Umsetzung und damit Wettbewerbsgleichheit zu gewährleisten. Zudem müssten die Haltungsformen bei den Kriterien und der Prüfsystematik aufeinander aufbauen.

Die Agrarbranche schlägt neben einer verbraucherfreundlichen Kennzeichnung und der praxisgerechteren Ausgestaltung auch das Abschaffen unnötiger Meldepflichten und Register vor, um den Bürokratieabbau voranzubringen. Außerdem fordern die Unterschreibenden mehr Transparenz durch die gleiche Kennzeichnungspflicht auch für ausländische sowie verarbeitete Ware. Um Lebensmittelverschwendung und Marktverwerfungen zu verhindern, schlagen die Verbände zudem vor, höherwertige Produkte bei Bedarf als niedrigere Haltungsform vermarkten (Downgrading).

Agrarheute

Zuverlässige Erkennung von Kühen mit KI

Besonders in großen Milchviehbetrieben besteht die Schwierigkeit, einzelne Kühe zuverlässig zu identifizieren. Denn die Grundvoraussetzung für eine zielgerichtete Behandlung ist eine sichere Tieridentifikation. Abhilfe schafft eine Bildanalyse, die durch Künstliche Intelligenz (KI) gestützt wird. Forschende der Hochschule Osnabrück haben in einem aktuellen Projekt ein solches KI-basiertes System entwickelt, das der individuellen Identifikation von Milchkühen dient.

Im Rahmen des Projektes IQexpert ist ein großer Datensatz entstanden, der die Basis für weitere Forschungen bildet. Das Hauptziel der Studie war es, Eutererkrankungen bei Milchkühen künftig gezielter und gleichzeitig konform zu aktuellen EU-Richtlinien zu behandeln. Dafür bedarf es zwingend einer sicheren Identifikation jeder einzelnen Kuh im Melkstand.

„Im Melkstand sind die Tiere zudem oft nur von hinten zu sehen. Bestehende Systeme zur Tieridentifikation stoßen hier also an ihre Grenzen oder arbeiten zu ungenau“, erklärt Sebastian Möller, wissenschaftlicher Mitarbeiter in dem Projekt.

Mit Hilfe von KI konnten in einem ersten Testlauf 23 Kühe mit rund 9.000 händisch aufgenommenen Bildern erfasst werden. Anschließend wurde die KI auf bildbasierte Identifikation trainiert. „Trotz der vergleichsweise kleinen Datenbasis waren die Ergebnisse vielversprechend“, sagt Dr. Karsten Morisse, Professor für Medieninformatik an der Hochschule Osnabrück und Projektleiter von IQexpert.

Mit Unterstützung einer stationären Kamera auf dem Testbetrieb Leyschulte-Steer GbR in Westerkappeln, die mithilfe von Transponderdaten zuordnen konnte, welches Tier sich gerade im Bild befand, ist ein Datensatz von fast einer Million Einzelbildern entstanden, mit dem ein erweitertes Modell für 120 Tiere trainiert werden konnte. Das Ergebnis: In 93 Prozent der Fälle wird das richtige Tier erkannt. 

„Die entwickelte Lösung läuft auf mobilen Geräten wie Smartphones und kommt ohne Cloud oder Server aus – eine Voraussetzung für den einfachen Einsatz im Stall oder auf der Weide“, erklärt Matthias Hölscher, wissenschaftliche Mitarbeiter im Projekt.

Hochschule Osnabrück

ASP dezimiert ein Zehntel des estnischen Schweinebestandes

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat sich in den vergangenen elf Jahren nahezu flächendeckend in ganz Europa ausgebreitet. Lediglich die Schweiz und Österreich sind bislang von Ausbrüchen verschont geblieben.

Während das Seuchengeschehen in Deutschland aktuell gering ist, hat die ASP in Estland im laufenden Jahr zu zahlreichen Ausbrüchen geführt. Nach Informationen des estnischen Landwirtschaftsministeriums wurden bis zum 19. August 2025 bereits acht ASP-Ausbrüche mit insgesamt 26.000 Hausschweinen registriert. Das entspricht rund 9 Prozent des landesweiten Bestandes entspricht und wirkt sich zunehmend auf die Ernährungssicherheit des Landes aus, wie Premierminister Kristen Michal bekanntgab.

Um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden, hat die Regierung knapp 3,8 Mio. Euro bereitgestellt. Mit den Geldern sollen insbesondere in die Verbesserung der Biosicherheit in Ställen sowie die Bejagung von Wildschweinen fließen. Zudem sollen Landwirt:innen bei der Beseitigung gekeulter Tiere unterstützt werden.

Auch Litauen und Polen meldeten jüngst ASP-Ausbrüche in ihren Ländern.   Der staatliche Veterinärdienst in Litauen gab am 20. August 2025 den fünften Ausbruch bei Hausschweinen in diesem Jahr bekannt. In Polen gab es bereits den zwölften Ausbruch in diesem Jahr. Betroffen war ebenfalls am 20. August ein Betrieb mit knapp 4.500 Schweinen in Suliborek, Woiwodschaft Westpommern.

Schweizerbauer

Kritik an Silvia Brehers Ernennung zur Bundestierschutzbeauftragten

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), Silvia Breher, wird die Nachfolge von Ariane Kari, der ersten Bundestierschutzbeauftragten, antreten. Am gestrigen Mittwoch (27.08.2025) hat das Kabinett den Vorschlag des Bundeslandwirtschaftsministers Alois Rainer (CSU) bestätigt.

Die Ernennung Brehers zur neuen Bundestierschutzbeauftragten hat von vielen Seiten für Kritik gesorgt. „Mit der heutigen Entscheidung wird die für das Amt sehr wichtige Unabhängigkeit endgültig begraben. Silvia Breher muss in ihrer Funktion als Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium selbstredend die Positionen des Ministeriums und des Ministers vertreten und kann keine unabhängige Stimme für die Tiere sein. Damit wird das Amt, was bisher unabhängig und weisungsfrei war, ad absurdum geführt“, lautet die Kritik von Volker Gaßner aus der Geschäftsleitung von VIER PFOTEN Deutschland.

Im Gegensatz zu Breher war die bisherige Tierschutzbeauftragte Ariane Kari parteilos. Auch müsse in Betracht gezogen werden, dass Brehers Wahlkreis Cloppenburg – Vechta, als Region mit der höchsten Tierdichte Deutschlands bekannt sei.

„Trotz der offensichtlichen Befangenheit und fehlenden Tierschutzfachexpertise, erwarten wir von Silvia Breher unabhängige und fachlich fundierte Stellungnahmen und Vorstöße zum Wohle der Tiere. Wir fordern, dass die Stimmen und die Expertise von Tierschützer:innen bei den Vorhaben der Bundesregierung Gehör finden und ernst genommen werden”, betont Gaßner.

Zu Anfang der Woche hatten sich mehrere Tierschutzorganisationen zu einer Protestaktion vor der Berliner SPD-Bundesparteizentrale zusammengefunden, um sich für eine unabhängige und kompetente Bundestierschutzbeauftragte einzusetzen und die Ernennung von Silvia Breher zu verhindern. Ihrer Meinung nach vertritt Breher die Linie des Bundesagrarministers und nicht die Interessen der Tiere.

Mit den aktuellen Problemen des Tierschutzes befasst sich auch die schon traditionelle Tierschutztagung, die am 11. und 12. September 2025 sowohl als Präsenz- als auch als Online-Veranstaltung stattfinden wird. Die Tagung richtet sich an Amtstierärzt:innen und kurativ tätige Tierärzt:innen, sowie an Studierende der Veterinärmedizin und Veterinärreferendar:innen. Die Anmeldung ist nur noch bis zum 9. September um 16 Uhr möglich.

Vier Pfoten

KI im Stall: Forschende plädieren für sorgfältige Entwicklung und Implementierung

Immer mehr landwirtschaftliche Betriebe nutzen automatisierte Prozesse bei der Bewertung der Gesundheit ihrer Nutztiere. Auch Systeme, die von Künstlicher Intelligenz (KI) gestützt sind, halten nach und nach Einzug in die Ställe.

Eine aktuelle Studie der Veterinärmedizinischen Universität Wien zeigt, dass die Entwicklung solcher Systeme mit zahlreichen Herausforderungen verbunden ist. Das Team um Borbala Foris vom Zentrum für Tierernährung und Tierschutzwissenschaften hat sich daher näher mit KI-gestützten Systemen zur automatisierten Bewertung des Tierwohls beschäftigt. 

„Die größte Herausforderung besteht darin, KI-Systeme zu entwickeln, die nicht nur präzise, sondern auch ethisch vertretbar sind. Wir müssen sicherstellen, dass die Technologie die Bedürfnisse der Tiere wirklich widerspiegelt und nicht nur auf Effizienzsteigerung abzielt,“ erklärt Studien-Co-Autor Christian Dürnberger vom Messerli Forschungsinstitut der Vetmeduni.

Eine Herausforderung bei der Entwicklung der KI-gestützten Systeme liegt darin, dass es bislang keine validierten Indikatoren für die Bewertung gibt. Zudem müssen geeignete Indikatoren für das Tierwohl ausgewählt werden. Die untersuchten Systeme zeigten teilweise nur moderate Ergebnisse, z.B. hinsichtlich der Bewertung der Sauberkeit der Kühe.

Auch ethische und soziale Aspekte wurden in der Studie beleuchtet. Die Forschenden weisen darauf hin, dass das Einbinden von Expert:innen aus dem Bereich der Tierwohlwissenschaften entscheidend sei, um valide und praxisnahe Lösungen zu entwickeln. Gleichzeitig warnen sie vor möglichen „Rebound-Effekten“, bei denen Landwirt:innen sich zu stark auf KI-basierte Systeme verlassen und die persönliche Beobachtung der Tiere vernachlässigen könnten. Zudem sollte die KI menschliche Entscheidungen lediglich unterstützen, aber nicht vollständig ersetzen.

„Künstliche Intelligenz sollte als Werkzeug verstanden werden, das Landwirt:innen unter die Arme greift, jedoch nicht ersetzt. Nur durch die Kombination von menschlichem Fachwissen und KI-gestützten Analysen können wir nachhaltige Verbesserungen im Tierwohl erreichen,“ betont Studienerstautorin Borbala Foris, Zentrum für Tierernährung und Tierschutzwissenschaften der Vetmeduni.

Auch auf dem Netzwerktreffen Netzwerk Fokus Tierwohl des Verbands der Landwirtschaftskammern wird am 17. September 2025 in Berlin der Frage nachgegangen, wie künstliche Intelligenz das Tierwohl beeinflussen und welche Gefahren vom Einsatz von KI ausgehen können.

Vetmeduni Wien

H5N1-Viren in hunderten US-Milchviehbetrieben

In den USA breitet sich das Virus der Aviären Influenza in Milchviehherden immer weiter aus. Seit März 2024 grassiert das Geflügelpestvirus der Variante HPAIV H5N1 bereits in US-amerikanischen Milchviehherden. Wissenschaftliche Untersuchungen haben nun ergeben, dass sich die A(H5N1)-Viren weiter in zahlreichen Farmen des Landes ausbreiten.

Doch die neue Regierung unter Präsident Donald Trump hat die Geldmittel für Impfstoffe gegen eine potenzielle Pandemie durch das hochpathogene Virus, sowie für Forschung und Projekte mit mRNA-Vakzinen gekürzt bzw. gestoppt, was die Krise in der Landwirtschaft noch befeuert.

„Das (Vogelgrippe-)Virus ist buchstäblich überall auf den Farmen“, stellten Wissenschaftler:innen bei groß angelegten Untersuchungen fest. „Das infektiöse Vogelgrippe-Virus wurde in Milch, auf Geräten wie Melkmaschinen und im Abwasser gefunden, ebenso in der Luft als Aerosol in kalifornischen Milchviehbetrieben“, wird die britische Wissenschaftszeitschrift «Nature» mit Hinweis auf eine Preprint-Studie (bioRXiv) zitiert.

Wissenschaftler:innen sind wegen des anhaltenden Seuchengeschehens höchst besorgt. „Der A(H5N1)-Ausbruch bei Kühen ist anders als alles, was wir zuvor gesehen haben – die Viren haben eine außergewöhnliche Fähigkeit, sich zwischen landwirtschaftlichen Betrieben und zwischen Kühen innerhalb einer Farm auszubreiten. Es ist der seit hundert Jahren größte Ausbruch einer Infektionskrankheit in der US-Milchwirtschaft. Er zeigt unser Unvermögen auf, solche Ereignisse zu entdecken, zu dokumentieren und zu managen“, mahnt Jason Lombard von der Colorado State University

Aufgrund der wegen der Geflügelpest getöteten 28 Millionen Stück Geflügel und den rund 770  infizierten Milchkuherden in insgesamt 16 amerikanischen Bundesstaaten wächst die Sorge, dass das Virus auf den Menschen „überspringen“ könnte. „Wir haben bereits 70 bestätigte A(H5N1)-Fälle im Zusammenhang mit diesem Ausbruch gesehen, von denen die meisten Personen waren, die mit Rindern oder Geflügel arbeiteten“, berichtete Cherissa Abdul-Hamid von der Gesundheitsbehörde des US-Bundesstaates Texas.

Die Expert:innen sind sich einig, dass landesweite Kontrollmaßnahmen mit Proben aus allen US-Bundesstaaten notwendig seien, um das wahre Ausmaß des Ausbruchs bestimmen zu können. Zudem müsse die Situation in den USA als Notfall für die öffentliche Gesundheit angesehen werden. Seema Lakdawala, außerordentlicher Professor für Mikrobiologie und Immunologie an der Emory University School of Medicine (Atlanta/US-Bundesstaat Georgia) rät dringend, die Biosicherheitsmaßnahmen auszuweiten.

Schweizerbauer

Frankreich und Italien im Kampf gegen BTV und LSD

Die Blauzungenkrankheit (BT) breitet sich massiv in Italien und Frankreich aus. Besonders die französischen Rinderhalter:innen haben unter dem aktuellen Seuchengeschehen zu leiden. Nach Informationen des Pariser Landwirtschaftsministeriums hat vor allem der Serotyp 3 (BTV-3)
zwischen dem 1. Juni und dem 14. August 2025 annähernd 2.900 Ausbrüche verursacht. Besonders betroffen von BTV-3-Fällen sind Betriebe in der Bretagne.

In dem oben genannten Zeitraum wurden insgesamt 1.686 Nachweise mit dem Serotyp BTV-8 gemeldet. Die Ausbruchsschwerpunkte liegen hier im bretonischen Département Morbihan sowie in dem an der spanischen Grenze gelegene Département Pyrénées-Atlantiques.

In den Départements Savoie und Haute-Savoie grassiert noch immer die Lumpy-Skin-Krankheit (LSD), jedoch scheint sich die Rinderseuche zumindest räumlich nicht weiter zu verbreiten. Bis zum 13. August 2025 wurden zuletzt in aktuell 40 Betrieben 74 Ausbrüche gezählt und damit zehn mehr, als bis zum 4. August 2025 bekannt waren. Wie das französische Landwirtschaftsministerium mitteilt, haben im Rahmen der am 18. Juli 2025 begonnen Impfkampagne mittlerweile etwa 70% der zu immunisierenden Rinder das Vakzin erhalten. Nach offiziellen Angaben sollen insgesamt etwa 310.000 Rinder geimpft werden.

Italien hat zuletzt einen plötzlichen Anstieg der BTV-Ausbrüche gemeldet. Nach Informationen des Verbandes der größeren Betriebe (Confagricoltura) hat sich das Virus so schnell verbreitet, dass in den kommenden Wochen mit einer „Epidemie“ gerechnet werden müsse. Der Verband fordert daher, dass die italienische Regierung koordinierte Gegenmaßnahmen ergreift, um eine weitere Verbreitung zu unterbinden. Gebraucht werde unter anderem ein staatlicher Entschädigungsfonds.

Im Juni und im Juli 2025 wurden nach Angaben des Verbandes es in Italien mehr als 600 Ausbrüche der BTV registriert. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Regionen in Umbrien, Latium, Marken und den Abruzzen. Betroffen sind laut Confagricoltura Herden mit insgesamt 160.000 Tieren, vorwiegend Schafe.

Auf der Insel Sardinien, wo auch der erste Ausbruch des aktuellen Seuchenzuges bekannt geworden ist, verursachte die LSD zwischen dem 28. Juni und dem 5. August 2025 insgesamt 51 Ausbrüche. Auf dem italienischen Festland gab es hingegen zuletzt keine Nachweise mehr.

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