Bovine Spongiforme Enzephalopathie

Meinungsbildner zum Fokusthema

'Nach der Krise' kann auch 'Vor der Krise' bedeuten 06.06.2003
Ein Interview der Agrarzeitschrift Milchpraxis mit Prof. Dr. Reiner Doluschitz , Fachgebiet Agrarinformatik und Unternehmensführung, Hohenheim, über die derzeitige BSE- und Fleisch-Krise und zum Thema "Krisenmanagement" .

"Die prophylaktische Überprüfung möglichst vieler, auch vermeintlich sicherer Bereiche auf ihre potenzielle Krisenanfälligkeit sollte in Verbindung mit der Etablierung jeweils geeigneter Maßnahmen zur Krisenprophylaxe die wohl wichtigste Aufgabe der Zukunft sein, die als Lehre aus der BSE-Krise zu ziehen ist."

Die MILCHPRAXIS stellt dieses Interview freundlicher Weise VETION.DE zur Veröffentlichung im Internet zur Verfügung.

Milchpraxis

Erst BSE, dann der Tierärzteskandal. Die "Fleisch-Krise" nimmt existenzbedrohende Formen an? War diese Krise unvermeidbar oder hätte man sie durch ein vorbeugendes Krisenmanagement verhindern oder zumindest im Rahmen halten können?

 

Doluschitz In der Theorie unterscheidet man Stör- und Unglücksfälle von so genannten Produktkrisen und diese wiederum von Wirtschaftskrisen. Im Falle von BSE würde ich eine Produktkrise (unsachgemäße Aufbereitung von Futtermitteln und deren Komponenten) mit Elementen eines Stör-und Unglücksfalles (aus Sicht landwirtschaftlicher Betriebe z. B. das Abschlachten gesamter Herden) sehen, während es sich beim "Tierärzteskandal" eindeutig um eine Produktkrise (unsachgemäße Anwendung von Sub-stanzen) mit strafrechtlichen Elementen handelt. Folge beider Krisen sind durch berechtigte Verbraucherreaktionen verursachte Wirtschaftskrisen (Nachfragerück-gang, Preiseinbrüche), auf die im Falle von Rindfleisch erst jüngst durch eine Abschlachtaktion zur Marktstützung reagiert wurde. Während bei den jeweiligen Ausgangskrisen eine Prophylaxe und Kontrolle aufgrund kurzfristig äußerst eingeschränkter Beeinflussbarkeit der Beteiligten und Zusammenhänge sicher schwierig gewesen wäre bzw. ist, lassen sich die daraus entstandenen Wirtschaftskrisen vergleichsweise gut handhaben, weil die notwendigen Instrumentarien und die Wirkungszusammenhänge bei deren Einsatz hinreichend bekannt und erprobt sind.

Milchpraxis Was hätte anders laufen müssen?
Doluschitz Hier wären sicherlich viele Punkte zu nennen, die zum Teil weit in die Vergangenheit hineinreichen;
zum Beispiel hätte im Falle von BSE durch eine Beibehaltung der offenen Deklaration bei Futtermitteln viel Unklarheit vermieden werden können. Ich möchte mich aber nur auf einige wenige, aus Sicht eines geordneten Krisenmanagements wichtige und darüber hinaus aktuelle Elemente beschränken. In den Medien kursierten unmittelbar nach Bekanntwerden der ersten Krankheitsfälle sehr viele unvollständige und zum Teil auch unrichtige Informationen. Dies ist bei der wirklich außerordentlich komplexen Problematik auch kein Wunder. An dieser Stelle hätte durch eine geordnete und mit Sachverstand aus allen beteiligten Fachgebieten ausgestattete gezielte Informationspolitik viel Unruhe vermieden werden können. Auch auf das vorübergehende "Schweigen" bei unklaren Zusammenhänge hätte dabei zurückgegriffen werden müssen. Die zuständigen Stellen reagierten darüber hinaus zum Teil sehr träge, was durch strukturell vorbereitete Krisenstäbe mit einem straffen Management bereits in krisenfreien Zeiten hätte vermieden werden können. Rücktritte von politisch Verantwortlichen wirken häufig wie der bekannte "Tropfen auf dem heißen Stein". Sie entschärfen die Situation - wenn überhaupt - i.d.R. nur äußerst kurzfristig, indem sie die Medien und die Öffentlichkeit dadurch einerseits etwas beruhigen, dass scheinbar offensiv agiert und nicht nur reagiert wird. Nachhaltig kommt es aber häufig zu einer Ausweitung der Turbulenzen, weil meist mit den Nachfolgern auch neue Ideen in zahlreichen, dem akuten Problem oft weit entfernten Bereichen etabliert werden sollen, was häufig auch bisher recht stabile Strukturen ins Wanken bringen kann, auf die man gerade in Krisenzeiten angewiesen ist.

Milchpraxis Die Wissenschaft hat Methoden erarbeitet, wie man mit Krisen umgeht und vor allem, wie man sie vermeidet. Könnte man mit diesem Instrumentarium auch in der Landwirtschaft arbeiten?
Doluschitz Ich sehe keinen Grund, warum dies nicht möglich sein sollte. Eine Analyse der Krisenanfälligkeit, die Etablierung von Frühwarnsystemen, die Erstellung von Szenarien und von Prognosen sowie die Ergreifung vorhandener Maßnahmen zur Konfliktbewältigung lassen sich beispielsweise in der Landwirtschaft ebenso anwenden wie in jeder anderen Branche auch. Viele der genannten Maßnahmen sind ja auch bereits seit Jahren etabliert und werden erfolgreich bei der Krisenprophylaxe angewandt; ich nenne nur Frühwarndienste im Bereich der Pflanzenkrankhei-ten und Angebots-, Nachfrage- und Preisprognosen auf zahlreichen Märkten für landwirtschaftliche Produkte und Produktionsmittel als Beispiele.
Milchpraxis Wer müsste sich um das Krisenmanagement kümmern?
Doluschitz Auf der Ebene der Unternehmen wäre dies die Führungsebene, die bei Bedarf beispielsweise Krisenstäbe als so genannte Stabsstellen einsetzt, einen geeigneten Verantwortlichen bestimmt und die personelle Zusammensetzung so beeinflusst, dass mit dem geschaffenen Spektrum an Fachkompetenz ein möglichst breites Gebiet potenzieller Krisenherde abgedeckt werden kann. Auch in Verwaltungs- und anderen öffentlichen Einrichtungen sind an dieser Stelle die Führungsebenen gefordert. In jedem Fall ist es notwendig, dass alle Maßnahmen bereits außerhalb akuter Krisenzeiten vorbereitend ergriffen werden, weil nach Auftreten einer Krise für ein geordnetes und fundiertes Handeln im Regelfall keine Zeit mehr bleibt.
Milchpraxis Wer sollte dem Krisenstab angehören? Welche Persönlichkeit sollte ihn leiten? Ständig oder nur im Krisenfall?
Doluschitz Der Krisenstab ist das zentrale Gremium in der Krisensituation. Er wird in krisenfreien Zeiten eingerichtet und tritt bei Bedarf zusammen. Idealerweise setzt sich ein Krisenstab aus Mitarbeitern mehrerer Abteilungen und Funktionsbereichen zusammen, da die Ursachen einer Krise selten einem einzigen Bereich zuzuordnen sind. Krisenstäbe sollten möglichst klein gehalten werden, damit Entscheidungen so schnell wie möglich zu treffen sind. Organisatorisch gesehen stellt der Krisenstab eine Entlastung der Linieninstanzen und Unternehmensleitung dar und ist in der Regel als Stabstelle angeordnet.
Besondere Bedeutung kommt dem Leiter des Krisenstabes zu:
Er organisiert und koordiniert das Projektmanagement in verantwortlicher Weise, er stellt die Nahtstelle zur Geschäftsführung bzw. zu anderen übergeordneten Hierarchien dar und ist verantwortlich für die Hinzuziehung eventuell benötigter externer Berater.
Eine hohe Auffassungsgabe, Flexibilität, Verantwortungsbewusstsein, Durchsetzungsvermögen und Belastbarkeit sind neben einer möglichst breiten Fachkompetenz Merkmale, die diese Personen auszeichnen sollten. Ein wesentliches Hilfsmittel des Krisenstabes ist das Krisenhandbuch, in dem die Richtlinien für die Vorgehensweise im Krisenfall enthalten sind. Dazu zählen beispielsweise organisatorische Regeln, Zuständigkeiten, Informationsbefugnisse und Adressenlisten. Zu einer guten Vorbereitung eines Krisenstabes gehört das Krisentraining, das naturgemäß ebenfalls in krisenfreien Zeiten (quasi wie eine Feuerwehrübung) durchgeführt wird. Neben Grundlagen wie der Kenntnis über Ablauf von Kommunikations- und Gruppenprozessen werden in Simulationen Krisensituationen beispielhaft dargestellt und "durchgespielt".

Milchpraxis Kann man den Krisenverlauf jetzt noch beeinflussen?
Doluschitz Wir haben ja eingangs des Gespräches bereits festgestellt, dass aus den ursprünglichen Unglücks- und Störfällen bzw. Produktkrisen erhebliche Wirtschaftskrisen entstanden sind, deren Verläufe nicht unbekannt sind, weil sie in ähnlichen Formen auch als Reaktion auf andere Markterscheinungen bereits aufgetreten sind. Es ist somit als sicher anzunehmen, dass der künftige Verlauf deutlich beeinflussbar ist.
Milchpraxis Welche Anpassungen sind beispielsweise im Bereich der Futterwirtschaft zu erwarten?
Doluschitz Den Mischfutterherstellern fehlt mit dem Tiermehl künftig, zumindest befristet, ein kostengünstiger Eiweißträger, der adäquat und nach Möglichkeit auch kostenneutral substituiert werden muss. Neben den etablierten pflanzlichen Eiweißträgern wäre hier zum Beispiel auch an eine Anbauausdehnung bei heimischen Körnerleguminosen (Ackerbohnen, Futtererbsen, Lupine) zu denken, die bezüglich der Wirtschaftlichkeit den dominierenden Ackerkulturen nur unwesentlich nachstehen und bezüglich des Vorfruchtwertes und der ökologischen Vorteile in der Fruchtfolge eine wertvolle Ergänzung darstellen können. Die feststellbare "Ausverkaufsstimmung" bei Körnerleguminosen- Saatgut lässt vermuten, dass viele Landwirte diesen Weg schon eingeschlagen haben. Darüber hinaus lassen sich Eiweißdefizite in der Futterration durchaus durch eine ausgewogene und sachgerechte Grundfutterration zumindest teilweise kompensieren. Zum Beispiel gewinnen hier Futtermittel auf Grünland-Basis relative Vorzüglichkeit gegenüber reinen Energieträgern wie z. B. Mais.
Milchpraxis Wie kann der Übergang zur chronischen Form, zur "Dauerkrise", verhindert werden?
Doluschitz

Dies ist die Aufgabe einer systematischen Krisennachbereitung. In der Praxis fällt es allerdings schwer, den exakten Zeitpunkt zu benennen, an dem die Krise vorüber ist. Selbst wenn das Unternehmen bzw. der Krisensachverhalt aus den Schlagzeilen ist und auch die finanzielle Situation wieder in Ordnung ist, können die Folgen eines Image- und Vertrauensverlustes deutlich spürbar bleiben. Eine wichtige Aufgabe der Nachbereitung ist es demnach auch, aus der Krisensituation Lehren zu ziehen, denn in einer dynamischen Umwelt kann "Nach der Krise" auch immer "Vor der Krise" sein. Die Dokumentation des Krisenverlaufs ist eines der wichtigsten Hilfsmittel bei der Nachbereitung, da hierbei alle relevanten Daten und Fakten für eine Analyse bereitgestellt werden. Anhand der Analyse und der Dokumentation von überstandenen Krisen lassen sich auch Konsequenzen für den Krisenplan und damit für das zukünftige Verhalten in Krisen ziehen, um in vergleichbaren Situationen besser reagieren zu können. Falls nötig, kann die Dokumentation auch als Beweissicherung für mögliche juristische Auseinandersetzungen dienen.

 

Milchpraxis Schwelende Konflikte sind häufig Auslöser von Krisen. War dies auch bei der derzeitigen Fleisch- Krise so? Wo wurden hier Fehler gemacht?
Wie kann man hier vorbeugen?

Doluschitz Ich denke, dass die durch das Auftreten der BSE-Erkrankungen allgemeine Sensibilisierung der Medien, Öffentlichkeit und der Verbraucher für alle möglichen Fragen der Fleisch-, ja sogar der ganz allgemeinen Lebensmittelqualität und sicherheit nicht unwesentlich dazu beigetragen hat, dass quasi "im Schlepptau" andere Problemkomplexe, die man aufgrund ent-sprechender Skandale in der Vergangenheit durchaus als "schwelende Konflikte" bezeichnen kann, in die öffentliche Diskussion geraten sind. Auch in diesen Fällen ist es notwendig, den aufgedeckten Missständen durch ein systematisches und zeiteffizientes Krisenmanagement der bereits beschriebenen Art zu reagieren.

Milchpraxis Die laufende Analyse der Krisenanfälligkeit und der Eignungstest von Frühwarnsystemen sind Möglichkeiten, um Krisen erst gar nicht entstehen zu lassen. Wie kann dafür Sorge getragen werden, dass dabei aufgezeigte Schwachstellen auch beseitigt werden?
Doluschitz Eine Möglichkeit besteht darin, dass man beispielsweise nach dem Muster einer Technikfolgenabschätzung die (potenziellen) Folgen technischer Neuerungen und etablierter Produktionspraktiken simuliert und diese Simulationsergebnisse, die häufig durchaus den Charakter von Katastrophen haben können, den Entscheidungsträgern und der Öffentlichkeit präsentiert. An dieser Stelle wäre auch ein eindeutiger Appell an die Medien zu richten, die durch entsprechende Berichterstattung auch bereits in krisenfreien Zeiten und ohne aktuellen "Aufhänger" Aufklärungsarbeit leisten könnten.
Milchpraxis Welche Lehren sollte man aus der BSE-Krise für die Zukunft ziehen?
Doluschitz Das Wichtigste scheint mir zu sein, dass man sich ganz klar vor Augen hält, dass - wie bereits gesagt - "Nach der Krise" immer auch gleich "Vor der Krise" sein kann bzw. ist und dass es in der Natur von Krisen liegt, dass deren Auftreten weder zeitlich noch bezüglich des Ausmaßes und der Dauer vorhersehbar ist. Es ist also keinerlei Garantie dafür gegeben, dass nicht jederzeit - auch in kürzestem Zeitabstand - wieder eine krisenhafte Situation entstehen kann. Die prophylaktische Überprüfung möglichst vieler, auch vermeintlich sicherer Bereiche auf ihre potenzielle Krisenanfälligkeit sollte in Verbindung mit der Etablierung jeweils geeigneter Maßnahmen zur Krisenprophylaxe die wohl wichtigste Aufgabe der Zukunft sein, die als Lehre aus der BSE-Krise zu ziehen ist. Voraussetzung hierfür ist selbstverständlich die Bereitstellung ausreichender personeller, materieller und finanzieller Ressourcen, damit diese Aufgaben effektiv durchgeführt werden können. Auch in der Forschung sollte ein stärkeres Augenmerk auf die Handhabung von Krisen gelegt werden, was ansatzweise im breiten Feld der Technikfolgenabschätzung bereits geschieht.
  Anschrift des Autors:
Prof. Dr. Reiner Doluschitz
Institut für Landwirtschaftliche Betriebslehre (410 A),
Fachgebiet Agrarinformatik und Unternehmensführung,
Universität Hohenheim,
70593 Stuttgart


Anstieg der Scrapiefälle in Deutschland - von Kari Köster-Lösche
In Deutschland haben jahrzehntelange Keulungsmaßnahmen dafür gesorgt, daß Scrapie nicht zum Problem wurde, da bei dem seltenen Vorkommen die ganze Herde gekeult wurde. Sofern Scrapie auftrat, handelte es sich nachweislich jeweils um Zukäufe aus ausländischen Herden.
Bemerkenswert ist deshalb der Anstieg von Scrapie seit dem vergangenen Jahr: in 2001 gab es 3 Scrapiefälle, jeweils 1 in Hessen, Sachsen-Anhalt und Konstanz. In den ersten drei Monaten dieses Jahres sind es bereits 9 Fälle. Von diesen gehörten 3 verendete Schafe zu einer Herde in Bocholt/NRW; unter den gekeulten Tieren fanden sich 4 weitere Scrapie-infizierte Schafe. Die jüngsten zwei Fälle traten Anfang April in Mecklenburg-Vorpommern bzw. Hessen auf.
Da die Scrapiefälle in Deutschland parallel zu den BSE-Fällen bei Rindern zugenommen haben, liegt der Zusammenhang mit BSE nahe. Am wahrscheinlichsten ist eine Infektion durch BSE-belastete Milchaustauscher. Milchaustauscher oder Starterfutter, eigentlich für Kälber hergestellt, wird Lämmern verabreicht, wenn das Muttertier diese nicht annimmt oder eine Amme nicht zur Verfügung steht. Es gibt handfeste Indizien, daß viele BSE-Fälle bei deutschen und dänischen Rindern durch Milchaustauscher verursacht wurden.

Literatur: Kari Köster-Lösche: BSE - die heimtückische Gefahr. Wie schütze ich mich? Bergisch-Gladbach, 2001 Kari Köster-Lösche, 1997: BSE - eine Zoonose? TW Neurologie Psychiatrie 11, S. 279-281 Email:koeloe@t-online.de
Homepage der Autorin

BSE- Infektion oder Vererbung? Ein Kommentar von Dr. Kari Köster-Lösche
Zu BSE nehmen viele fachfremde Stimmen mit kuriosen Theorien Stellung, in der Annahme, es gäbe kaum wissenschaftliche Erkenntnisse zu BSE. Dieses trifft so nicht zu, wenn man die Kenntnisse aus dem gesamten Krankheitskreis der Transmissiblen Spongiformen Encephalopathien (TSE) einbezieht, zu dem u.a. CJD, nvCJD, Kuru, Baku-Baku, BSE, Scrapie, TME, CWD und FSE gehören.

Nach den Erfahrungen aus anderen TSE-Erkrankungen handelt es sich bei BSE eindeutig um eine Infektionserkrankung, die hauptsächlich peroral übertragen wird (daß genetische Konstellationen eine Rolle spielen ist selbstverständlich: deshalb bekommen Menschen Masern und nicht Staupe, obwohl beide Erreger eng verwandt sind). Ob die Infektionserreger durch Milchaustauscher oder Kraftfutter oder beides übertragen werden, ist derzeit nicht entschieden. BSE müßte man aufgrund seiner Übertragbarkeit auf Menschen und andere Tierarten als Zooanthroponose ansprechen.

FSE (Feline spongiforme Encephalopathie) ist BSE der Haus- und Großkatzen, so wie nvCJD BSE des Menschen ist. Die Hauskatzen haben sich an Tischabfällen bzw. Dosenfutter infiziert, die Großkatzen an Tierkadavern. Die 98 FSE-Fälle bei Hauskatzen, davon je einer in Liechtenstein und Norwegen, die übrigen in Großbritannien, wurden hauptsächlich im Umfeld von Universitätsstädten diagnostiziert: Es ist deshalb davon auszugehen, daß es eine große Dunkelziffer gibt.

CWD (Chronic wasting disease) der Hirschartigen trat ab 1967 bei gehegten Großohr-, Weißwedel- und Maultierhirschen sowie Wapitis auf, alles Hirscharten, die Futter vom Boden aufnehmen. Offensichtlich infizierten sie sich durch Winterfutter (incl. Tiermehl) oder/und an Scrapieschafen, mit denen gemeinsam sie weideten. Derzeit breitet CWD sich mit gesteigerter Geschwindigkeit in der freien Wildbahn aus, vermutlich durch Speichel, Kot und Nachgeburten, möglicherweise können die Erreger sogar durch Wasser transportiert werden. (Elche sind entgegen der gelegentlich anzutreffenden Verwechslung von elk (Wapiti) mit Elch nicht betroffen.)

TME (Transmissible Minc Encephalopathie) der Nerze brach in den USA nachweislich gleichzeitig in Beständen aus, die vom gleichen Futterlieferanten beliefert worden waren; ob die Erreger von einer unbekannten Scrapievariante oder von Downer-Cows mit einer unbekannten TSE-Variante stammten, ist bis heute nicht entschieden.

Baku-Baku in der Slowakei war - nach Aussage von Menschen, die dort lebten - auf Dörfer beschränkt, in denen Schafzucht betrieben wurde, und betraf hauptsächlich Schäfer und Schlachter sowie deren Familien. Ähnlich wie Kuru beim Volk der Fore in Neuguinea trat die Erkrankung erstmals zu einem definierten Zeitpunkt auf und breitete sich dann aus.

Frauen, die in den Stamm der Fore einheirateten und danach erkrankten, sind der Beweis, daß die Erkrankung nicht auf Vererbung beruhte. Ursache war das Trauerritual, das offensichtlich nicht nur das Schlucken infizierter Gehirnteile beinhaltete, sondern durch verkürzte Infektionswege (von Augen- und Nasenschleimhäuten, Wunden bei Zahnwechsel, Mandelentzündungen u.ä. unter Umgehung des Magen-Darmtraktes in Blut- oder Nervenbahn) zu sehr kurzen Inkubationszeiten führte.

Obwohl lange vor BSE viele wissenschaftliche Veröffentlichungen erschienen sind, in denen die herkömmliche CJD in Zusammenhang mit Eßgewohnheiten und Scrapievorkommen gebracht wurde, obwohl auch in jüngerer Zeit CJD bei jungen US-amerikanischen Jägern (die als erstes den Schädel aufbrechen, um das Gehirn an Ort und Stelle zu verzehren) sowie bei Einwohnern von Kentucky, die traditionell Burgoo = mit Ei verklapptes Hörnchenhirn essen, diagnostiziert wird, und trotz der Erkenntnisse aus der Veterinärmedizin, beharrt die herkömmliche Humanmedizin darauf, 85% der CJD-Fälle als "sporadisch" zu bezeichnen, Ursache unbekannt.

Jedoch spricht alles dafür, daß es eine "sporadische" CJD überhaupt nicht gibt, sondern statt dessen nicht identifizierte TSE-Quellen in der Land- und Futterwirtschaft. Solange nur wenige Menschen an CJD starben, blieb diese Gefahr von der Allgemeinheit unbemerkt. Heute aber, mit einer paneuropäischen BSE-Epidemie, und mit dem Wissen, daß CJD unter unbekannten Umständen wie bei den Fore auch beim Menschen zur Epidemie werden kann, ist es dringend geboten, alle TSE-Quellen ohne Scheuklappen zu untersuchen. Leider äußern sich zu diesem Thema häufig "Fachleute" mit gegenteiligem Interesse. Literatur: Kari Köster-Lösche:
BSE - die heimtückische Gefahr. Wie schütze ich mich? Bergisch-Gladbach, 2001 Kari Köster-Lösche, 1997: BSE - eine Zoonose? TW Neurologie Psychiatrie 11, S. 279-281

Zur Autorin:
Frau Dr. Kari Köster- Lösche wurde 1946 in Lübeck geboren, aufgewachsen ist sie in Schweden, - Grundschule schwedisch-sprachig,
- Studium der Tiermedizin in Gießen,
- Promotion in Bakteriologie, - 10 Jahre Wissenschaftlerin bzw. Abteilungsleiterin eines internationalen Forschungsinstitutes (Battelle) in Frankfurt/M.
- Seit 1980 in Nordfriesland ansässig, verheiratet, 2 Kinder,
- seit 1985 freie Schriftstellerin, BSE- Expertin
Email: koeloe@t-online.de
Homepage der Autorin

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Datum: 24.06.2019 >>>>

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Datum: 24.06.2019 >>>>

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