Trotz zahlreicher vielversprechender Methoden kann die Forschung nicht gänzlich auf Versuche mit Tieren verzichten. Im Fokus steht dabei -oder sollte stehen- das Wohlbefinden der Tiere. Schmerzen sollen möglichst vermieden werden.
Bislang werden die Versuchstiere von den beteiligten Forschenden beobachtet, die beispielsweise anhand einer veränderten Mimik und einem Vergleich mit entsprechenden Detailfotos, das Wohlbefinden und eventuelle Schmerzen der Tiere beurteilen. Das ist jedoch zeitaufwendig und subjektiv und verursacht bei den Tieren zusätzlichen Stress.
Ein an der ETH Zürich entwickeltes neues System nutzt Künstliche Intelligenz (KI) zur Überwachung von Wohlbefinden und Schmerz bei Mäusen und könnte das Tierwohl bei den Versuchstieren grundlegend verbessern. Dabei filmen zwei Kameras die Mäuse durchgehend. Mit Hilfe von maschinellem Sehen und Lernen werden sowohl Gesichtsausdruck und Körperhaltung der Mäuse automatisch beurteilt. Zusammengekniffene Augen, eine Wölbung von Nase und Wangen sowie eine veränderte Ohrenstellung oder Tasthaare, die ein Hinweis auf Schmerz und Unwohlsein sein können, werden mittels eines Algorithmus in Echtzeit ausgewertet. Das sogenannte Grimace-System wählt automatisch die aussagekräftigsten Bilder aus und bewertet die Merkmale, die auf einen erhöhtes Maß an Schmerzen hindeuten könnten. So können die Forschenden direkt erkennen, ob die Tiere leiden und unter Umständen mit zusätzlichen Schmerzmitteln versorgt werden müssen.
Das ganze System inklusive Software wurde von Mitarbeitenden des 3R-Hubs entwickelt – und wird nun als Open-Source-Bausatz mit der ganzen Welt geteilt. „Die Idee ist, dass es möglichst viele Nutzende ohne Aufwand standardisiert zusammenbauen und anwenden können – und dass die Daten miteinander vergleichbar sind“, betont Oliver Sturman, Leiter des 3R-Hubs an der ETH Zürich.




