Weltweit verschwinden immer mehr natürliche Habitate wie Wälder, Grasländer und Feuchtgebiete. Sie werden weltweit immer schneller in Acker- und Weideflächen umgewandelt – häufig für die Viehzucht und den Export von Agrarprodukten. Ein internationales Team unter Leitung von Forschenden des Senckenberg-Instituts hat nun erstmalig global analysiert, dass natürliche Nicht-Wald-Ökosysteme fast viermal so schnell umgeformt werden wie Wälder. Brasilien steht mit 13 Prozent der betroffenen Fläche weltweit an der Spitze, gefolgt von Russland, Indien, China und den USA mit jeweils etwa 6 Prozent. Weltweit entfielen 54 Prozent der Ackerflächenumwandlung auf Nahrungsmittelproduktion. 34 Prozent der Ackerflächenumwandlung wurden für Tierfutter verwendet, wobei dieser Anteil in Brasilien, Argentinien, den USA, China und der EU sogar über 50 Prozent lag.
Es bedarf dringend umfassender Schutzstrategien, die über Wälder hinausgehen und auch den Konsum und internationale Nachfragestrukturen berücksichtigen, wie die Wissenschaftler:innen im Fachjournal „PNAS“ schreiben.
Denn Grasland ist zwar ein häufig unbeachteter Leistungsträger, in diesen Ökosystemen wird aber 20 bis 35 Prozent des weltweit gebundenen Kohlenstoffs gespeichert. Damit tragen sie dazu bei, den Klimawandel abzumildern. Gleichzeitig liegen rund 33 Prozent der globalen Biodiversitäts-Hotspots in Graslandregionen. „Ob als Wasserspeicher, Schutz vor Bodenerosion oder Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten: Grasländer liefern wichtige Ökosystemleistungen, von denen sowohl lokale Gemeinschaften als auch das globale Klima unmittelbar profitieren“, erläutert Erstautorin Dr. Siyi Kan vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt.
„Unsere Ergebnisse zeigen, welche Risiken die Umwandlung landwirtschaftlicher Flächen für einzelne Regionen mit sich bringt, welche natürlichen Nicht-Wald-Ökosysteme besonders schutzbedürftig sind und wo man entlang globaler Lieferketten ansetzen kann. Da sich politische Maßnahmen bisher vor allem auf den Schutz von Wäldern konzentrieren, wächst der Druck auf andere ökologisch wichtige, aber oft übersehene Lebensräume wie Grasländer und offene Feuchtgebiete. Um zu verhindern, dass sich dieser Nutzungsdruck einfach auf andere Ökosysteme verlagert, braucht es besser abgestimmte politische Maßnahmen sowie mehr Verantwortung von Produzierenden und Konsument*innen in international vernetzten Lieferketten“, appelliert Kan.




