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Praktikumsberichte

Schnupperpraktikum in Passail (02/2017)

Im Dezember 2016 entdeckte ich in meinem Spam-Ordner eine E-mail von der Vetion.de GmbH mit dem Titel „Sie haben gewonnen“. Juhu! Ich konnte es gar nicht glauben!

Kurze Zeit später bekam ich dann meine Praxis zugeteilt: Die Tierärztliche Gemeinschaftspraxis in Passail, Österrreich, also sogar ein Auslandspraktikum ;)

Ich war in der Woche von Februar auf März 2017 in der Gemischtpraxis in Passail und hätte es besser nicht haben können – ein sehr, sehr nettes Team, top Arbeitsklima und -bedingungen, eine tolle Praxis und vor allem Kühe ohne Ende :). Ich habe mich gleich ab dem ersten Tag sehr wohl gefühlt, auch wenn ich (aus dem tiefsten Schwabenland) zunächst mit dem Dialekt meine Probleme hatte.

Ehrlich gesagt, ging ich mit der Erwartung nach Passail, „eine von vielen“ PraktikantInnen zu sein, was sich aber überhaupt nicht bestätigt hat. Die Praxis hat zwar definitiv viele Praktikanten, aber das ganze Team dort ist motiviert, das Praktikum so schön und informativ wie möglich zu gestalten.

Der Montag begann für mich um 7.30 Uhr in der Ordination (Praxis), wo mir erst einmal alles gezeigt wurde. Besonders beeindruckend fand ich das sehr moderne Labor, das viele diagnostische Möglichkeiten bietet. Danach ging es los auf Großtiervisite durch das Almenland. Ich war erst einmal fasziniert von der Landschaft und bereute es, keine bessere Kamera dabei zu haben.

Unterwegs war ich, wie die meiste Zeit, mit einem recht jungen Assistenztierarzt, der mir alles wunderbar erklärt hat und mich oft auch am Tier arbeiten ließ. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle!
Gleich am ersten Tag gab es für mich viele spannende Patienten, u.a eine Milchkuh mit einer Mastitis, die ich im Laufe der Woche noch öfters wiedersehen sollte, aber auch die Routine eines Großtierarztes: Nutztierreproduktion. Dazwischen behandelten wir Kälber mit Grippe, Nabelentzündung; impften, kastrierten und enthornten einige. Diese Erkrankungen/Aufgaben wiederholten sich einige Male in der Woche. Immer wieder fiel mir jedoch auf, dass jeder Fall und auch jeder Patient anders ist, und damit auch dieselbe Diagnose einen anderen Behandlungsweg erfordern kann. Der erste Tag ging dann um 19.00 Uhr zu Ende, natürlich nicht ohne Mittagspause, in der ich mir die Landschaft noch etwas mehr angeschaut habe.

Der Dienstag startete mit einer schönen Rundfahrt mit Sightseeing über die Teichalm, dann kam ein echter Notfall, ein Kolik-Pferd, dem aber schnell geholfen werden konnte.
Es herrschte immer ein angenehmes Arbeitsklima zwischen den Kunden und Tierärzten - zwischen den Visiten gab es das ein oder andere mal ein Tässchen Kaffee und einen Krapfen auf den Höfen.
Sehr interessant fand ich die verschiedenen Rinderrassen, von „normalem“ Fleckvieh über Limousin, Holstein, Braunvieh bis zu meinen Lieblingen, den zu den gefährdeten Nutztierrassen gehörenden Murbodenern.  
Bei den Besamungen war es sehr spannend, welchen Stier (Bullen) die Landwirte für ihre „Damen“ denn wählen würden – faszinierend fand ich den Einsatz von EDV: Zum Beispiel benutzen viele Landwirte eine App, die den am besten passenden Anpaarungspartner für die jeweilige Kuh oder Kalbin (Färse) vorschlägt. Alle Tiere werden im EDV-System verwaltet. Das finde ich sehr spannend, da nicht nur jeder einzelne Fall pro Visite behandelt wird, sondern auch die Historie jedes einzelnen Tieres Aufschluss auf das akute Problem geben und das Gesamtbild bewertet werden kann. Auch bietet die Praxis in Passail eine Bestandsberatung, oft in Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik, an.

Am Freitag dann der nächste Notfall: Eine Schwergeburt. Leider konnten wir das Kalb nur noch tot zur Welt bringen, auch die Kuh wurde schwer verletzt. Besonders eingeprägt haben sich mir in dieser Situation die sogenannten Soft-Skills, z.B., dass man als Tierarzt immer die Ruhe behalten sollte, um konzentriert zu arbeiten und die manchmal scheuen Tiere (und nervösen Besitzer) nicht unnötig aufzuregen.
Abends ging mein letzter Tag in der Praxis dann doch wieder schön aus. Einer festliegenden Kuh, bei der die Diagnose einige Schwierigkeiten bereitete, konnte doch noch geholfen werden. Auch der Mastitis-Kuh, der wir jeden Tag der Woche einen Besuch abgestattet haben, ging es wieder deutlich besser.

Fazit

Das Praktikum war für mich ein voller Erfolg, ich kann mir definitiv noch mehr als vorher vorstellen, nach dem Studium als Groß- und Nutztierarzt zu arbeiten. Besonders gefällt mir daran die Mischung aus Routine und der „Sherlock Holmes“ der Diagnosestellung zu sein. Auch ist es sehr schön, draußen an der Luft und im Stall zu sein, körperliche Arbeit mit Köpfchen zu verbinden und mit so vielen verschiedenen Menschen Kontakt zu haben. Natürlich darf man nicht vergessen, dass in der Nutztierbranche die Wirtschaftlichkeit wichtig ist, und am Ende die Produkte stehen: Milch, Wolle, Eier, Fleisch. Die Anstrengungen und wenigen eher unangenehmen Dinge werden durch die vielen Erfolgserlebnisse wie z.B. genesene, herumspringende Kälbchen, zufrieden wiederkäuende Rinder, glückliche Weidekühe und seinem persönlichen Beitrag zum Tierwohl gut abgedeckt.

Ich denke, viele (angehende) Studenten stellen sich dieses Berufsfeld zu negativ und anstrengend vor, was sich aber durch ein solches Schnupperpraktikum durchaus ändern lässt – ich finde das Konzept super und hoffe, dass sich noch mehr Kommilitonen für diese Berufsrichtung begeistern lassen, hoffentlich können auch meine Eindrücke dazu beitragen.

Meinen herzlichen Dank an Vetion.de, meine Patenfirma Zoetis, Dr. Elmer und das gesamte Team in Passail für diese perfekte Woche!



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Praktikant:

Valerie Thierer

LMU München

Praxis:


Tierärztliche Praxisgemeinschaft
Dr. Elmer - Dipl. Tzt. Wurm
Weizerstr. 132
8162 Passail 132

Pate:


Zoetis Deutschland GmbH
Schellingstraße 1
D-10785 Berlin
Telefon: 030 / 330063-0
Telefax: 030 / 330063-332
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