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Praktikumsberichte

Schnupperpraktikum in Tostedt (09/2015)

Bis heute kann ich mich an dem Moment erinnern, als ich im November letztens Jahres meine Emails durchschaute und im Betreff Sie haben ein Schnupperpraktikum gewonnen! las. Unter den vielen Mitbewerbern habe ich tatsächlich eines der 6 Praktika gewonnen, meine Freude war unbeschreiblich. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich ganz herzlich bei meinem Paten Bayer Vital bedanken, der dieses Projekt finanziell möglich gemacht hat.

Im September nun sollte das Abenteuer Nutz- und Großtiere endlich beginnen. Zunächst musste ich allerdings googlen, wo Tostedt liegt, denn der Ort war mir bis zu diesem Zeitpunkt kein Begriff.

Je weniger Stationen mich von meinem Ziel trennten, desto nervöser wurde ich. Ich konnte es kaum erwarten, auszusteigen und den Tierarzt und die Praxis kennen zu lernen, die mich für diese Woche betreuten. Ich habe mit allem gerechnet, aber nicht damit, dass ich so gastfreundlich wie bei Dr. Ulrich aufgenommen werde.

An dieser Stelle möchte ich mein Wort und meinen Dank persönlich an Dr. Ulrich und seine Frau richten. Denn nur, wenn sich auch die praktizierenden Tierärzte an diesem Projekt beteiligen, kann das Schnupperpraktikum von Vets4Vieh aufrechterhalten werden. Ich war zu jeder Zeit willkommen und habe mich sehr wohl gefühlt.

Frühmorgens um 6.15 h begann unser Arbeitstag, eine sehr ungewohnte Zeit nach 4 Wochen Semesterferien. Etwas verschlafen wurde ich montags in der Praxis von Dr. Reinhard und der Assistentstierärztin Frau Vogt freundlich mit Kaffee und Tee begrüßt.

Zu den Aufgaben am Morgen gehörte die Bestandbetreuung der Rinderställe. Sehr oft waren die Landwirte und Dr. Ulrich per „Du“, sodass gleich eine angenehme Atmosphäre herrschte. Nicht selten wurden wir auf einen 2. oder manchmal auch 3. Kaffee eingeladen.

Direkt am 1. Tag standen eine Follikelkontrolle und eine künstliche Besamung (KB) auf dem Programm. Bei der KB wurden zunächst die Brunstsignale überprüft, wobei einige Kühe einen Brunstschleim wie aus dem Lehrbuch zeigten. Danach wurde unter rektaler Kontrolle die Seminette vaginal eingeführt und das Sperma im Bereich der Cervix abgegeben. Nach erfolgreicher Insemination durfte ich rektal fühlen, wo sich die Seminette befindet und konnte mich dadurch viel besser orientieren. Das durfte ich dann nach jeder KB machen, sodass ich in den 5 Tagen mehr Kühe rektalisiert habe, als in meiner ganzen bisherigen Studienzeit!

Ebenfalls zugehörig zu der Bestandsbetreuung in den Rinderställen ist die Aufklärungsarbeit im Bereich der Prophylaxe.  Der Winter steht vor der Tür und viele neugeborene Kälber laufen Gefahr  in dieser kalten, nassen Jahreszeit, an Kälbergrippe zu erkranken. Es ist allerdings oft sehr schwer, den Landwirten die Vorteile der prophylaktischen Impfung und vor allem den richtigen Zeitpunkt für die Impfung zu erklären, denn das bedeutet zunächst zusätzliche Kosten. Viele vergessen, dass ein krankes Tier oft mehr Kosten bereitet als die Impfung selbst. Zusätzlich kann man dadurch den Antibiotikaeinsatz deutlich minimieren.

Nicht nur Rinder gehören zu den Patienten der Tierärztlichen Gemeinschaftspraxis Tostedt sondern auch Pferde. Ich habe die perfekte Woche erwischt, denn neben Impfungen und dem Behandeln von Strahlfäule warteten noch weitere spannende Sachen auf mich.

Wie zum Beispiel die Zahnbehandlung bei zwei Friesen. Zunächst führten wir eine allgemeine Untersuchung mit besonderem Augenmerk auf das Herzkreislaufsystem in Hinblick auf die spätere Sedierung durch. Sowohl vor als auch nach der Behandlung, durfte ich die Zahnstellung fühlen und anschauen. Es handelte sich hierbei um einen jüngeren und einen älteren Friesen, sodass ich die beiden Gebisse gut miteinander vergleichen konnte. Dr. Ulrich erklärte mir seine Vorgehensweise und welche Probleme es oft bei älteren Pferden gibt.

Der nächste Patient war ein adipöses New Forest Pony mit Cushing und Hufrehe. Bei diesem Pony haben wir mit einem mobilen Röntgengerät die betroffenen Vorderhufe geröntgt und zusammen mit der Besitzerin und dem Hufschmied das weitere Vorgehen besprochen. Diese Aufnahmen waren sehr essentiell und aussagekräftig, da sie zeigten, dass es schon eine deutliche Rotation des Hufbeins gab und die Hufbeinspitze sehr dicht an der Sohle war. Ein großzügiges Ausschneiden wäre in diesem Fall fatal gewesen. Später in der Praxis zeigte mir Dr. Ulrich verschiedene Möglichkeiten der Bearbeitung von Röntgenbildern und die Winkelmessung bei Hufrehe.

Zu allerletzt möchte ich von meinen drei Highlights wären der Praktikumszeit erzählen:

Mein erstes Hightlight war die bedeckte Kastration eines Hengstes auf der Wiese. Auf dem Weg zu dem Stall nahm Dr. Ulrich sich die Zeit, mit mir gemeinsam die Vorbereitung für die Kastration und das eigentliche Vorgehen durchzusprechen. Dadurch konnte ich währenddessen jeden Schnitt nachvollziehen, besser als jede Vorlesung .

Mein zweites Highlight war die Blutentnahme von zwölf Schweinen in einem Bio-Mastschweinebetrieb. Die Blutproben wurden für ein Monitoring-Programm der Tierseuchenkasse benötigt. Diese Vorsorgeuntersuchung soll der frühzeitigen Erkennung von Tierseuchen dienen und damit das Risiko eines Ausbruchs minimieren. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine Erfahrung im Umgang mit Schweinen.

Dr. Ulrich und der Landwirt haben dann gemeinsam mit einer Oberkieferschlinge die Schweine gefangen und Dr. Ulrich hat dann bei der V. jugularis externa Blut entnommen. Es zeigte sich, dass Dr. Ulrich schon sehr viel Erfahrung beim Fangen der Schweine hatte, denn bei ihm schien der Draht immer noch am besten zu schmecken.

Mein letztes Highlight war ebenfalls eine Blutprobenentnahme, allerdings bei Mastrindern. Ziel war es, die Tiere auf BHV1 (Bovines Herpesvirus Typ-1) zu untersuchen, damit der Betrieb als BHV1-frei anerkannt wird. Es mussten alle weiblichen und alle männlichen Tiere bis 9 Monate untersucht werden. Insgesamt 118 Tiere!!! Bei dieser großen Anzahl war Teamwork gefragt. Zwei Landwirte haben die Tiere gefangen und fixiert, Dr. Ulrich hat Blut aus der Schwanzvene oder Jugularvene entnommen und ich habe Spritzen gereicht und die Tiere entsprechend ihrer Ohrmarke den Proben zugeordnet. Nur durch diese gute Zusammenarbeit war ein schnelles und erfolgreiches Arbeiten möglich.

Mein Fazit für diese eine Woche:

Ich kann nur jedem Studenten empfehlen, sich zu bewerben. Man wird kein Tierarzt, indem man in jede Vorlesung geht und jedes kleinste Detail auswendig lernt. Natürlich sind das essentielle Grundlagen für den späteren Beruf. Aber was bringt einem das theoretische Wissen, wenn man nichts davon anwenden kann?

In dieser Zeit habe ich mehr gelernt und erfahren, als ich mir je erhofft hätte. Die Praxis war super, ich wurde von allen sehr herzlich empfangen und auch kleine Fehler wurden mir verziehen. Das Arbeiten mit den Rindern und Pferden hat mir sehr viel Freude bereitet und ich kann mir sehr gut vorstellen später einmal selbst in diesem Bereich tätig zu sein.

Vielen Dank!

Maja Haut



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Praktikant:

Maja Haut

aus 3. Semester

Praxis:


Tierärztliche Gemeinschaftspraxis Tostedt
Dr. Stefanie Reinhardt & Dr. Bernhard Ulrich
Im Stocken 8a
21255 Tostedt
T: 04182-1241
www.tierarzt-tostedt.de

Pate:


Bayer Vital GmbH
Gebäude K56
D-51366 Leverkusen
Telefon: 0214 / 30-1

www.bayer-tiergesundheit.de/