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Praktikumsberichte

Schnupperpraktikum in Owschlag

Am Samstag, den 21.09.2008 machte ich mich auf den Weg ins nördliche Schleswig-Holstein. Nach etwas über 7 Stunden Zugfahrt, wurde ich am Owschlager Bahnhof von Herrn Dr. xxx empfangen. Als wir das Wohnhaus erreichten, wurde ich gleich von zwei schwanzwedelnden Hunden und dem Rest der insgesamt 6 köpfigen Familie begrüßt. Nachdem ich mein Zimmer bezogen hatte, nahm mich Herr xxx mit, um seine Pferde zu füttern. Dabei wurde ich gleich in die Grundlagen der Holsteinerzucht eingeführt.

Montag, den 22.09.08
Nach einem leckeren Frühstück folgte die Beratung mit den anderen 2 Tierärzten, Herrn Dr. xxx und Herrn xxx. Dabei wurden gleich die anstehenden Behandlungen untereinander aufgeteilt und über mögliche Therapien ausgetauscht.
An diesem Morgen fuhr ich bei Herrn xxx mit. Als erstes besuchten wir einen Kleinbauern, dessen 2 Deckbullen gegen Blauzungenkrankheit geimpft werden mussten. Dann führte uns der Landwirt zu einer Kuh, die an Milchfieber erkrankt war. Mit einer intravenös verabreichten Calcium-Lösung ging es ihr dann nach geraumer Zeit wieder besser. Es folgte dann der Besuch einer Metzgerei, bei der eine Fleischbeschau von insgesamt ca. 20 Schweinen und 6 Rindern durchgeführt wurde. Dabei entnahmen wir den Rindern Nervengewebe, um es auf BSE testen zu lassen. Bei der Untersuchung der Rinderleber bekam ich zum ersten Mal einen Leberegel zu sehen, der sich in einem Gallengang aufgehalten hatte. Als wir mit der Fleischuntersuchung fertig waren, wurden wir zu einem familiären Bauernhof gerufen. Dort standen 5 Trächtigkeitsuntersuchungen auf dem Plan. Dabei gehörte ein Handschuh (wie so oft in der Woche noch) mir. Bei einer hochtragenden Kuh, konnte ich die Klauen des Kalbes ertasten. Dies war ein schönes Erlebnis. Als letztes vor der Mittagspause fuhren wir zu einem Landwirt, an dessen Kuh Herrn xxx gerade einen Kaiserschnitt durchführte. Beim Zunähen erklärte mir Herr xx welche einzelnen Schichten er schloss und wie er die Wundversorgung gestaltete.
Am Nachmittag fuhr ich bei Herrn xxx mit. Er behandelt hauptsächlich Pferde und so war unsere erste Anlaufstelle ein Reitverein. Hier wurden bei einem Turnierpferd die Zähne geraspelt. Es folgte dann bei einem anderen Pferd eine Maukebehandlung, sowie eine Herpes- und Influenzaimpfung. Als nächstes fuhren wir zu einem Michviehbetrieb, wo eine Kuh an Mastitis erkrankt war. Nachdem Herr xxx selber ein bisschen Milch gemolken hatte beurteilte er die Konsistenz und den Geruch und erklärte mir, dass es sich um eine E. Coli-Mastitis handelt. Er suchte die Medikamente heraus und sagte dann: „Dies einfach s.c. spritzen.“ Und reichte mir eine aufgezogene Spritze. Die Injektion gelang auch auf Anhieb (ganz zu meinem Erfreuen). Der Abschluss des ersten Tages war leider etwas traurig, denn unser letzter Einsatz war die Euthanasie eines 20 jährigen Friesenhengstes. Dieser litt aufgrund seines Alters an akuter Lahmheit, sodass es keine weitere Möglichkeit mehr gab, als ihn zu erlösen. Um 20.30 Uhr endete mein erster Tag und das Abendessen wartete schon auf mich.

Dienstag, den 23.09.08
Als erstes stand die Besamung von 2 Kühen auf dem Plan. Danach fuhr ich mit Herrn Dr. xxx zu einem Rinderbestand, wo ich selber Kälber gegen IBR impfen durfte. Unser nächster Fall gestaltete sich etwas komplizierter. Ein Pferd scharrte ständig in seiner Box und wirkte insgesamt unruhig. Herr xxx rektalisierte das Pferd und hörte die Darmgeräusche ab und kam zu dem Ergebnis, dass eine Kolik vorliegt. Er verabreichte dann ein Medikament i.v. Eine Stunde später ereilte uns ein Anruf, dass sich der Zustand verschlechtert hätte. Schnell fuhren wir zu dem Reitverein zurück und untersuchen das Pferd noch einmal. Hohes Fieber und kein Kot im Enddarm veranlassten Herrn xxx dazu, dass Pferd auf schnellstem Wege in die Pferdeklinik zu überweisen. Dort wurde das Pferd operiert und sein Verdacht einer Dickdarmdrehung wurde bestätigt.

Mittwoch, den 24.09.08
Am Mittwoch war ich vormittags mit Herrn xxx unterwegs. Als erstes wurden 2 Rinder besamt. Bei der Rektalisierung stellte der Tierarzt eine Zyste bei der einen Kuh fest. Danach fuhren wir zu einem Taubenhalter, dessen Tiere gegen Pocken- und Paramyxomatose geimpft wurden. Nach einer genauen Einweisung über das Taubenimpfen, durfte ich dann auch selbst ran. Und ehe ich mich versah, hatten wir die 60 Tauben parallel geimpft. Es folgte dann die Behandlung einer Kuh mit Milchfieber. Die Therapie sah eine intravenös verabreichte Calcium-Lösung vor, doch die Besonderheit bestand darin, dass ich selber die Vene stauen und punktieren durfte. Das Stauen klappte unter Anleitung zwar erst beim zweiten Anlauf, dafür verlief die Punktierung umso besser. Mit den Worten: „Du musst etwas fester drücken, Kuhhaut ist dick!“, machte Herr xxx mir Mut. Und dann floss auch schon der ersehnte rote Strahl aus der V. jugularis. Mit einem leichten Schmunzeln über den geglückten Eingriff fuhren wir zu einer Kuh mit Mastitis. Die eine Hälfte des Euters war sichtbar geschwollen und hart. „Da es eben so gut geklappt hat, gibst du ihr dieses Mittel in die Vene.“ hörte ich Herrn xxx nur sagen. Erfreut über soviel Vertrauen, gelang auch gleich die Injektion.

Donnerstag, den 25.09.08
Der Vormittag bei Herrn Dr. xxx begann damit, dass wir bei drei Pferden die Zähne geraspelt haben. Bei einem Pferd mussten wir einen losen Zahn ziehen. Doch dies gestaltete sich schwieriger als erwartet. Der Grund zeigte sich, als der Zahn draußen war. Er hatte „an der Wurzel eine starke Wucherung, ein sogenanntes Odontom“, wie Herr xxx mir später erklärte.
Am Nachmittag fuhren Herr Dr. xxx und ich durch die malerische Landschaft Schleswig-Holsteins, um 2 Rinder zu besamen. Hierbei durfte ich selber die Kühne nach der Besamung rektalisieren, um die genaue Position der Stafette zu ertasten. Danach wurden wir zu einem 37 jährigen Pony mit Rehe gerufen. Herr xxx erklärte mir, dass die Rehe durch das Cushing-Syndrom unterstützt wird, an dem das Pony zusätzlich erkrankt war. „Es zeichnet sich dadurch aus, dass die Tiere immer langes Fell haben, weil das Haarkleid nicht richtig gewechselt wird.“ Nach dieser Erläuterung erschien mir das vorher „nur zottelige“ Pony in einem ganz anderen Licht. Auf der Rückfahrt kamen wir an der Gaststätte „Du büs Kropper Busch noch ni vörbi“ entlang. Als ich nach dem Sinn des Namens fragte, begaben wir uns auf eine Zeitreise, denn in früheren Zeiten ging dort eine alte Handelsstraße vom Norden bis nach Italien. Auf diesem Ochsenweg, waren in Höhe des Kropper Waldes Wegelagerer, die regelmäßig die Händler überfielen. Den Höhepunkt unserer Geschichtsexkursion bildete ein alter Postkutschenhof, bei dem man mit etwas fachmännischer Erläuterung wirklich die ehemalige Einfahrt der Postkutschen sah. Doch dann holte uns die Realität schnell wieder ein, als ein lahmendes Pferd mit einem eingerissenen Huf auf dem Plan stand. Herr xxx schnitt zuerst den Huf und dann legten wir dem Tier einen Verband an.

Freitag, den 26.09.08
Mein letzter Praktikumstag begann mit einem Verbandswechsel bei einem Pferd. Es hatte sich in Höhe des Sprunggelenkes die Haut aufgerissen und war in den Tagen zuvor genäht worden. Herr Dr. xxx erklärte mir, wie man einen Verband anlegt und wie stramm er sitzen darf, ohne einzuschnüren. Als wir damit fertig waren, fuhren wir weiter zu einem Bauernhof, um bei einer Kuh die Nachgeburt abzunehmen. Nachdem Herr xxx die Nachgeburt abgenommen hatte, führte er noch Antibiotikastäbe in den Uterus ein. Auf einem anderen landwirtschaftlichen Betrieb galt es die Kälber gegen Trichophytie zu impfen. Hier bekam ich den Impfstab in die Hand und impfte dann selbst die 21 Kälber. Als letztes für den Tag, waren noch 3 Pferde gegen Pilzinfektionen zu impfen. Deutlich sah ich hierbei, wie wichtig auch eine psychologische Betreuung der „menschlichen Patienten“ ist.

Samstag, den 27.09.08
Ehe ich mich versah, war die Woche schon wieder um. Gestärkt durch ein schmackhaftes Frühstück trat ich die Rückreise an. Nachdem ich mich von den Familienmitgliedern verabschiedet hatte, brachte Herr Dr. xxx mich zum Bahnhof. Mit dem Versprechen, dass man sich spätestens im großen Praktikum wiedersieht, bestieg ich den Zug. Hiermit möchte ich mich nochmal recht herzlich bei der Familie xx für die nette und familiäre Atmosphäre bedanken und speziell bei Frau xxx für das gute Essen. Den drei Tierärzten bin ich für die stets netten Erläuterungen auf meine Fragen und für die Anleitungen zur eigenständigen Arbeit dankbar. Dadurch konnte ich meine Praxiserfahrungen erweitern. Abschließend bleibt mir zu sagen, dass sich mein Entschluss in die Großtierpraxis zu gehen gestärkt hat.

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Praktikant:

Marcus Klawitter