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Praktikumsberichte

Praktikum in der Praxis für Alles Pfützner und Beetz

Weite, ebene Landschaft, kleine Wäldchen, viele Wiesen und dazwischen kleine, verträumte Orte, das war mein erster Eindruck, als ich aus dem Zugfenster blickte. Nächster Halt: Jessen (Elster) na dann mal los! Evy, Auszubildende im 2. Lehrjahr, die mich am Bahnhof abholen wollte, erkannte ich sofort... schließlich war sie die einzige wartende Person auf dem kleinen Bahnsteig. In der Praxis angekommen wurde ich erst einmal von einem freundlichen Hallo gefolgt von einem lauten Miauen begrüßt: Freddy, der Praxispapagei.
Die Praxis erwies sich als größer als ich erwartet hatte: ein großes Wartezimmer, zwei Behandlungszimmer, ein leeres Zimmer, das bald zu einem OP umgebaut werden soll, ein geräumiges Labor und 2 Lager mit bis unter die Decke voll geräumten Regalen. Im Obergeschoß befanden sich noch ein Büro und ein großer Aufenthaltsraum mit Küche, Bad und einem kleinen Schlafzimmer, das ich für die nächsten Tage beziehen würde.
Alles war liebevoll für mich vorbereitet: das Bett war bezogen, der Kühlschrank gefüllt und es war einfach gemütlich.
Während wir dann noch gemeinsam zu Abend aßen, erzählte mir Evy einiges über die Praxis, in der sowohl Großtiere als auch Kleintiere und Vögel behandelt werden. Auch die beiden Praxisinhaber André Pfützner und Olav Beetz kamen mich kurz darauf noch begrüßen. Nachdem ich mich dann häuslich eingerichtet hatte, erschien auch noch die an diesem Wochenende Notdienst habende Ärztin und mit ihr gleich mein erster Fall: ein Chihuahua-Mischling mit einem Insektenstich, der jedoch schnell behandelt war. So endete mein erster Tag.

Montag
Mein erster Blick aus dem Fenster ließ mich direkt in den Sonnenaufgang schauen, es stand ein sonniger Tag bevor.
Der Arbeitstag begann um 8 Uhr erst einmal mit einer gemütlichen Besprechung des Tagesablaufes bei einer Tasse Tee. Hier wird jeden Morgen besprochen, welcher der 5 Ärzte und Ärztinnen zu welchen Höfen und Betrieben fährt und wer die Kleintiersprechstunde übernimmt. Das Erste, was ich an diesem Tag kennen lernte, waren mehrere große Milchviehbetriebe. Da ich noch nie große Viehbetriebe in Natura gesehen hatte, war ich ziemlich beeindruckt. Was ich hier sah, war hauptsächlich die wöchentliche Routine: Trächtigkeitsuntersuchungen, Impfungen, Nachuntersuchungen nach Geburten, Kühe mit Nachgeburtsverhalten und schließlich noch 2 Nachuntersuchungen nach Labmagen-Operationen. Meine Rolle bestand dabei hauptsächlich darin zuzuschauen und ganz viele Fragen zu stellen, während ich zum Beispiel versuchte, auf dem Ultraschallgerät etwas zu erkennen (sei es nun ein Embryo oder überhaupt irgendetwas, was ich identifizieren könnte), oder während ich versuchte dahinter zu kommen, was die ganzen Abkürzungen bedeuteten, die zwischen dem Herdsman und Daniela, der Ärztin, hin und her flogen.
Doch dann auf einmal: Diese Kuh hier hat eine Schwäche des Gelbkörpers und produziert deswegen nicht genug schwangerschaftserhaltende Hormone. Ihr muss eine Spirale eingesetzt werden, die mit Hormonen benetzt ist. Das kannst du jetzt mal machen. Was, ich??? So setzte ich nach anfänglichem Schock meine erste Spirale... natürlich unter Anleitung.
Danach fuhren wir in die Praxis zurück zur Kleintiersprechstunde, wo bereits ein Hund mit einer Hautkrankheit auf uns wartete. Danach stand noch eine Katze zur Kastration auf dem Programm. Doch wie es im Leben so ist, kommt immer Alles anders als man denkt. So stellten wir nach dem ersten Schnitt fest: Die Katze ist schwanger, also wurden, auf Wunsch der Besitzer, neben der Kastration gleichzeitig noch die Früchte entfernt. Als wir uns die winzigen Welpen später anschauten, stellten wir fest, dass sie äußerlich schon vollständige, kleine Katzen waren, auch wenn sie noch lange nicht lebensfähig gewesen wären. Am Nachmittag ging es wieder in den Kuhstall und anschließend noch zu 2 Pferden. Das eine bekam nur einen neuen Verband, das andere bekam Akupunktur gegen Rückenschmerzen, vom Besitzer bestätigt mit großem Erfolg.
Gegen halb 7 waren wir dann wieder zurück und ich nutzte das letzte Tageslicht noch für einen Spaziergang, da ich bei dem nun noch anstehenden Papierkram eh nicht helfen konnte. Als ich zurückkam war die Praxis schon fast leer, nur Anja, eine weitere Ärztin, saß noch an ihrem Schreibtisch. Mein Angebot für uns beide ein paar Nudeln zu kochen nahm sie gerne an und so hatte ich beim Abendessen auch noch etwas Gesellschaft.

Dienstag
Am Dienstag ging es wieder in die Milchbetriebe. Hier impfte ich tragende Kühe, spritzte nicht tragenden Kühen, die Zyklusprobleme hatten, Hormone (über die ich an diesem Tag auch sehr viel erfuhr und lernte), lernte ein Spekulum in die Scheide einer Kuh richtig einzuführen und versuchte mich an meinen ersten rektalen Untersuchungen, wobei es an meinen Diagnosen allerdings noch etwas haperte.
Danach ging es weiter mit 2 zu kastrierenden Kaninchen, diesmal ohne Zwischenfälle wie am Vortag. Mittags aßen wir alle gemeinsam in der Praxis.
Nachmittags gab es dann eine Kastration bei einem Hengst. Ein ziemlich eindrucksvoller Eingriff, auch wenn er mir hinterher ein bisschen Leid tat als er aufwachte und versuchte aufzustehen, was er aber einfach noch nicht schaffte und anscheinend gar nicht verstehen konnte.
Wir waren gerade fertig, da wurden wir zu einem Notfall gerufen: Einem anderen Pferd war ein Stück Brot im Hals stecken geblieben. Dieses Brot erwies sich als ziemlich hartnäckig und wir verbrachten viel Zeit damit die Speiseröhre immer und immer wieder über einen langen Schlauch zu spülen bis wir schließlich endlich den Weg in den Magen wieder frei bekamen, wofür uns Tier und Besitzer sehr dankbar waren.
Abends hatte mich dann Daniela zum Essen zu ihr nach Hause eingeladen und so verbrachte ich einen weiteren gemütlichen Abend.

Mittwoch
Heute durfte ich mit in den Kälberstall. Hier wurden entzündete Nabel behandelt, geimpft und Blut abgenommen. Beim Festhalten bemerkte ich erst, wie stark selbst 4 Wochen alte Kälber schon sind. Man musste sie schon gegen die Wand drängen, um überhaupt eine Chance zu haben, sie lange genug halten zu können. Trotzdem haben die Kleinen mir sehr gefallen mit ihrer Mischung aus Vorsicht und Neugier uns gegenüber.
Nachmittags war dann eine weitere OP fällig: Einem Yorkshire Terrier musste auf Grund von Tumoren die Mammaleiste auf einer Seite herausgenommen werden. Die OP selbst lief glatt und problemlos, nur die Narkose gestaltete sich etwas schwierig, da der Hund erst nicht schlafen wollte und als wir ihn endlich dazu gebracht hatten, nicht mehr alleine atmen wollte. Mit viel Geduld gelang es dann aber doch, ihn dazu zu überreden, beides zu tun.

Donnerstag
Heute durfte ich mit André, dem Chef persönlich, mitfahren. Wir begannen mit einem Bullen mit einer Virusinfektion, wurden dann wiederum zu einem Hund mit Insektenstich gerufen und landeten schließlich im größten Milchviehbetrieb in ganz Sachsen-Anhalt: 1300 Tiere, fast 30.000 Liter Milch pro Tag… sehr beeindruckend. Auch hier stand die systematische Arbeit im Vordergrund: Trächtigkeitsuntersuchungen (inzwischen erkenne ich auf dem Ultraschall sogar schon einiges), Mutterschutzimpfungen, Blutuntersuchungen usw.
Nach einem weiteren gemeinsamen Mittagessen, die übrigens immer sehr lecker waren, lernte ich dann meinen ersten großen Schweinestall kennen. Hier wurden mehrere Studien zur Wirkung von Medikamenten und zu verschiedenen Fütterungsmethoden gemacht, die alle überwacht, protokolliert und betreut werden wollten. Während André den Papierkram erledigte, half ich drei studentischen Hilfskräften des Hofs dabei, über 300 neue Ferkel in Empfang zu nehmen. Das heißt: Ferkel in den Stall treiben, nach Männchen und Weibchen sortieren und dann in einzelne Buchten abzählen. Anstrengend aber auch sehr lustig. Kleine Bemerkung am Rande: Schweine sind zwar nicht so schmutzig wie der Volksmund sagt, aber stinken tun sie doch.
Auf dem Rückweg zur Praxis hielten wir dann noch bei einem Taubenzüchter um dessen Tauben zu impfen.
In der Kleintiersprechstunde traf ich dann auf einen Hund mit Problemen, die auch viele Menschen plagen: Zahnschmerzen, Zahnstein, Parodontitis. Der arme Kerl bekam erstmal Schmerzmittel und dann direkt einen OP-Termin für die nächste Woche, wo ihm dann die betroffenen Zähne gezogen werden sollen.
Als letzter Patient für diesen Tag kam danach ein Beo mit einer dicken Beule am Bauch. Das Röntgenbild brachte die traurige Diagnose: Leberkrebs. Für ihn konnten wir leider nicht mehr tun, als ihm den Rest seines Lebens, das bis jetzt immerhin stolze 12 Jahre zählte, durch Gabe von Eiweißpräparaten angenehmer zu gestalten.
Nachdem ich mir dann den Schweinegeruch abgeduscht hatte, war ich an diesem Abend noch bei André zum Essen eingeladen.

Freitag
Mein letzter Tag in dieser Praxis brachte mir wieder einige Kühe zur Trächtigkeits- oder Brunstuntersuchung, wobei ich bei zwei Tieren sogar richtig eine Brunst diagnostizierte woraufhin die eine direkt besamt wurde, und eine Kuh mit Acidose, die wir mit Natriumbicarbonatlösung behandelten.
Danach besuchten wir den einzigen Biobetrieb in der Gegend, einen Hobbybetrieb mit ca. 20 Tieren. Ein junger Bulle sollte hier einen Nasenring bekommen. Als Dank schenkte der Bauer uns eine Tüte leckerer Birnen aus seinem eigenen Garten.
Nach einem weiteren kleinen Abstecher zu einem Schweinestall, ging es wieder zum Taubenimpfen, was ich diesmal auch selbst machen durfte.
So endete mein letzter Arbeitstag, denn am nächsten Vormittag trat ich, begleitet von vielen netten Wünschen und der Einladung wiederzukommen, bereits die lange Heimreise an.
Das ganze Praktikum hat mir sehr gut gefallen, zum einen wegen der interessanten Arbeit zum anderen aber auch wegen dem sehr freundlichen Arbeitsklima in der Praxis.
An dieser Stelle noch einmal ein ganz großes Dankeschön an das gesamte Praxisteam, es hat mir sehr viel Spaß gemacht.
Auch wenn ich als Studentin im 2. Semester von vielem noch nicht viel Ahnung hatte, habe ich doch viel gelernt und einige interessante Einblicke erhalten. Selbst einmal Nutztierarzt zu werden könnte ich mir nach dieser Woche gut vorstellen.

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Praktikant:

Jenny Schneiders