Versiegelte Flächen, künstliches Licht und anhaltender Lärm: Die Urbanisierung verändert das tierische Sozialverhalten. Dies betrifft sowohl die Auswahl der Partner:innen für die Fortpflanzung als auch das Zusammenleben in Gruppen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue umfassende internationale Übersichtsarbeit von Wissenschaftlerinnen der Universität Bielefeld. Die Ergebnisse, die im Fachjournal Biological Reviews veröffentlicht wurden, sind hochrelevant für Naturschutz und Stadtplanung. Denn in Städten wirken sogenannte urbane Stressoren auf Tiere ein. Damit sind menschengemachte Belastungen wie Verkehrslärm, künstliches Licht in der Nacht, wenige Rückzugsmöglichkeiten oder chemische Verschmutzung gemeint.
„Städte greifen massiv in soziale Beziehungen von Tieren ein – viel stärker, als bisher angenommen“, sagt Avery L. Maune, Erstautorin der Studie und Forscherin an der Universität Bielefeld. „Soziales Verhalten beeinflusst, ob Tiere sich fortpflanzen, Nahrung finden oder Fressfeinden entkommen. Veränderungen dieser Verhaltensweisen können weitreichende Folgen haben.“ Somit bestätigt sich wieder einmal: kaum ein Tier bleibt unbeeinflusst vom menschlichen Lebensraum.
Die Forscherinnen werteten für die Analyse 227 wissenschaftliche Studien aus. Das Ergebnis ist eindeutig: 92 Prozent der untersuchten Arbeiten zeigen einen signifikanten Einfluss der Urbanisierung auf das Sozialverhalten von Tieren. Die Studie ist die erste systematische Zusammenfassung dazu, wie urbane Lebensräume soziale Systeme über Artgrenzen hinweg beeinflussen.
Biological Reviews
Für ihr gemeinsames Projekt benötigen das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) und der Naturschutzbund NABU die Mithilfe von interessierten Bürger:innen. Im Zeitraum zwischen dem 15. Februar 2024 und dem 28. Februar 2025 geht es darum, wertvolle Daten über das Vorkommen und die Lebensweise von Eichhörnchen zu sammeln. Dafür sollen Bürger:innen im ganzen Bundesgebiet die flinken Nagetiere an einem festen Standort, wie dem eigenen Garten oder im Park, regelmäßig beobachten und Sichtungen auf einer Web-App melden.
„Uns interessieren dabei aber nicht nur Sichtungen von Tieren an einem ausgewählten Standort. Für uns ist es genauso wichtig zu wissen, ob eine Fläche zu einem bestimmten Zeitpunkt kontrolliert, aber kein Eichhörnchen gesichtet wurde“, sagt Dr. Milena Stillfried, NABU-Referentin für Citizen Science. „Diese sogenannten Nicht-Sichtungen sind wichtig, um berechnen zu können, ob es regionale Unterschiede im Vorkommen und in der zeitlichen Aktivität der Tiere gibt. Die Nicht-Sichtungen geben uns wertvolle Hinweise darauf, ob die Eichhörnchen tatsächlich abwesend oder gerade nicht aktiv sind und sind eine notwendige Voraussetzung für die korrekte Analyse und Interpretation der Daten. Daher bitten wir die Teilnehmenden, uns auch zu melden, wenn sie an den von ihnen beobachteten Plätzen oder Wegen keine Eichhörnchen gesehen haben.“
Um klare Aussagen über die Populationsentwicklung der Eichhörnchen machen zu können, werden Daten zur Anzahl von Nachkommen und zur Häufigkeit von Würfen innerhalb eines Jahres benötigt, sagt Prof. Dr. Stephanie Kramer-Schadt von der Technischen Universität Berlin und Abteilungsleiterin am Leibniz-IZW. „Uns interessiert in dem nun anlaufenden bürgerwissenschaftlichen Projekt vor allem, wie sich Eichhörnchen an die zunehmende Verstädterung anpassen und ob es in Deutschland regionale Unterschiede gibt, zum Beispiel was die Anzahl der Jungtiere oder den Zeitpunkt der Fortpflanzung betrifft.“
Um Eichhörnchen und andere Wildtiere geht es auch in der vierteiligen Online-Fortbildungsreihe Wildtiere, die Myvetlearn.de jeweils für Tierärzt:innen und Tiermedizinische Fachangestellte anbietet.
NABU
Viele Nashornarten sind vom Aussterben bedroht. Um sie zu erhalten sowie die Reproduktion der Tiere zu verbessern, arbeiten Forschende derzeit an neuen Methoden. Bislang scheinen die Entwicklung und Erprobung fortgeschrittener Technologien der assistierten Reproduktion (aART), wie das Ovum Pick-up (OPU) – die Entnahme unreifer Eizellen (Oozyten) – sowie die In-vitro-Fertilisation (IVF) die vielversprechendsten Ansätze zu sein. Diese Technologien ermöglichen die Erzeugung von Embryonen im Labor, die später in Leihmütter transferiert und von diesen ausgetragen werden können.
Das BioRescue-Projekt, das die Technologien der assistierten Reproduktion unter der Leitung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) entwickelt und erprobt, hat 65 aART-Eingriffe ausgewertet, die von 2015 bis 2022 durchgeführt wurden. Bislang konnten mit dieser Technologie 51 Embryonen in 65 Eingriffen ohne schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit der betroffenen Tiere produziert werden, was zeigt, dass die assistierte Reproduktion sicher und erfolgreich ist. Vielmehr kamen regelmäßige OPUs der reproduktiven Gesundheit der Nashornweibchen zugute, indem sie nachweislich die Funktion der Eierstöcke verbesserten, die Zahl der Follikel erhöhten und die Rückbildung pathologischer Strukturen wie Zysten bewirkten.
Die erfolgreiche Produktion der Embryonen – insbesondere der Embryonen des nördlichen Breitmaulnashorns – unterstreicht die Bedeutung der Technologie und ihr Potenzial, eines der drängendsten globalen Probleme unserer Zeit anzugehen: den dramatischen Verlust der Artenvielfalt. Dieser Rückgang führt zu einer unkalkulierbaren Beeinträchtigung wichtiger Ökosysteme und begünstigt gleichzeitig das Auftreten neuartiger Krankheitserreger, die die Lebensgrundlage der Menschheit zerstören können.
IZW
Die durch den Klimawandel steigenden Temperaturen haben auch Auswirkungen auf Fledermäuse. So konnten Wissenschaftler:innen der Universität Greifswald in einem mehrjährigen Feldexperiment mit Bechsteinfledermäusen belegen, dass der Temperaturanstieg im Tagesquartier während der Wachstumsphase der Jungtiere zu größeren Tieren führt. Sollte sich das Klima weiter erwärmen und sich gleichzeitig der Rückgang von Insekten intensivieren, könnte das einen negativen Einfluss auf die Populationsentwicklung der Bechsteinfledermäuse haben. Frühere Studien konnten bereits belegen, dass größere Bechsteinfledermäuse eine kürzere Lebenserwartung bei einer gleichzeitig höheren Fortpflanzungsrate haben.
„Die schnellere Fortpflanzungsstrategie größerer Bechsteinfledermäuse kann nur bei jährlich günstiger Insektenverfügbarkeit funktionieren. Wenn nun die Körpergröße der Fledermäuse direkt von der Temperatur beeinflusst wird und gleichzeitig das Insektensterben anhält, könnten sich die wärmeren Sommer langfristig negativ auf die Population der Bechsteinfledermäuse auswirken, da größere Tiere ihren Nahrungsbedarf nicht mehr stillen können“, erklärt Janis Wolf, Co-Erstautor der Studie.
Uni Greifswald