Landwirte aus Pakistan verklagen deutsche Industrieunternehmen wegen Klimaschädigung
Kaum ein Sektor ist so vom Klima abhängig wie die Landwirtschaft. Denn das Wetter entscheidet über eine gute Ernte oder Ernteausfälle und damit über die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln. Durch den menschengemachten Klimawandel kommt es weltweit jedoch immer häufiger zu Wetterextremen, wie Stürme, Überflutungen und Dürren. Darunter leiden neben den Bewohner:innen der betroffenen Regionen vor allem die Landwirt:innen.
Jetzt haben 39 Bäuerinnen und Bauern aus der Provinz Sindh in Pakistan, die von den starken Überflutungen im Jahr 2022 betroffen waren, eine Klage in Deutschland beim Landgericht Heidelberg eingereicht. Die Klage richtet sich gegen die Energiekonzern RWE und den Zementhersteller Heidelberg Materials. Die Menschenrechtsorganisationen medico international, ECCHR sowie die pakistanischen Organisationen HANDS Welfare Foundation und der National Trade Union Federation unterstützen die Landwirt:innen.
Die Überflutungen im Sommer 2022 setzten ein Drittel des Landes unter Wasser, vernichteten Ernten und beschädigten Häuser. Die Kläger:innen berufen sich auf das in Deutschland geltende Verursacherprinzip. Sie argumentieren, dass diejenigen, die langfristig große Mengen Treibhausgase ausgestoßen haben, dafür auch finanziell Verantwortung übernehmen müssen. Einer Studie zufolge soll RWE mindestens für 0,68 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen und Heidelberg Materials für 0,12 Prozent verantwortlich sein. RWE ist zudem eines der 100 Unternehmen, die gemeinsam für 70 % der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich sind.
RWE hält die Vorwürfe unterdessen für unbegründet und hat Forderungen nach Schadensersatzleistungen bereits zurückgewiesen.
Agrarheute
Wissenschaftler empfehlen 19% Mehrwertsteuer auf Fleischprodukte
Schon länger und immer wieder mal wird in der Politik diskutiert, die Mehrwertsteuervergünstigungen auf Fleischprodukte aufzuheben. Der Grund ist, dass der Fleischkonsum am Fußabdruck der Ernährung einen beträchtlichen Anteil hat, zum Beispiel 28 Prozent bei den Treibhausgasen. Hinzu kommen weitere negative Auswirkungen, wie beispielsweise der Verbrauch von Wasser.
Würde beim Fleisch der normale Mehrwertsteuersatz veranschlagt, dann reduzieren sich die Umweltschäden durch Ernährung je nach Schadenskategorie um 3,48 bis 5,7 Prozent. Die durchschnittlichen Ernährungsausgaben je EU-Haushalt und Jahr liegen würden dadurch um 109 Euro steigen. Dagegen stehen Steuermehreinnahmen von 83 Euro je Haushalt – aus denen sich im Prinzip, etwa in Form einer Pro-Kopf-Zahlung, ein sozialer Ausgleich finanzieren ließe. Die Netto-Kosten würden dann also nur noch 26 Euro pro Haushalt und Jahr betragen.
Das geht aus einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) hervor, die in Nature Food den ökologischen „Fußabdruck“ der Ernährung aufzeigt. Das Forschungsteam stützt sich auf repräsentative Erhebungen zu den Ausgaben der privaten Haushalte in den 27 EU-Staaten und auf ein etabliertes Input-Output-Modell. Dieses bildet die Wertschöpfungsketten ab, in denen die von den Haushalten gekauften Produkte entstehen, und beziffert auch die damit einhergehenden Belastungen für Klima und Ökosysteme.
„Aus ökonomischer Perspektive sollte man je nach Produkt die Umweltkosten, die bei der Herstellung entstehen, auf den Preis aufschlagen“, erklärt Charlotte Plinke, PIK-Forscherin und Autorin der Studie. „Das hieße, es wird umso teurer, je mehr CO₂ ausgestoßen wird. Eine solche Staffelung für die ungeheure Vielzahl von Nahrungsmitteln umzusetzen, ist sehr komplex und daher zumindest kurzfristig nicht praktikabel. Deshalb haben wir zunächst eine einfache und aktuell politisch diskutierte Variante untersucht: die Steuervergünstigungen auf Fleischprodukte aufzuheben.“
PIK
CO2-Bepreisung für dänische Landwirt:innen geplant
Dänemark plant, bis zum Jahr 2030 seinen CO2-Ausstoß um 70 % gegenüber dem Stand von 1990 zu senken. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, sollen die Landwirt:innen ihren Teil beitragen. Nach Plänen der dänischen Regierung sollen die durch die Landwirtschaft produzierten Treibhausgase, einschließlich der Methanemissionen von Rindern, mit einem CO2-Preis belegt werden. Gut 100 Euro pro Tonne CO2 sollen von den Landwirt:innen bezahlt werden.
Um wiederum zu verhindern, dass aufgrund der Mehrkosten die Produktion verringert oder gar Betriebe aufgegeben werden, hat sich Dänemark bereit erklärt, Landwirt:innen bei der Finanzierung eines Futtermittelzusatzes zu helfen. 69 Millionen Euro seien dafür vorgesehen, teilt die Regierung mit. Auf diese Weise sollen die Methanemissionen der 550.000 dänischen Rinder um bis zu 30 % reduziert werden.
In Deutschland sind die landwirtschaftlichen Betriebe bislang nicht zu einer CO2-Abgabe verpflichtet. Aktuell scheint eine CO2-Bepreisung auch nicht so bald auf der Agenda zu stehen. Denn die Landwirtschaft ist zugleich auch über die CO2-Speicherung in den Böden ein wichtiger Klimaschützer.
Agrarheute
Betäubungsmethode mit Argon wird getestet
Die Betäubung von Schlachttieren ist in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. Die am häufigsten eingesetzte Methode ist die Gasbetäubung mit CO2. Diese Methode hat jedoch den Nachteil, dass die Schlachttiere beim Eintreten in die CO2-Umgebung eine kurze Abwehrreaktion zeigen. Eine Alternative und eventuell tierschutzgerechtere und schonendere Betäubungsmethode könnte Argon darstellen. Diese neue Methode, die von Expert:innen der Bundesanstalt für Fleischforschung entwickelt wurde, wird aktuell bei Schweinen auf dem Schlachthof in Kulmbach getestet. Argon ersetzt das ursprünglich geplante Helium, das aber wegen des Kriegs in der Ukraine aktuell nicht verfügbar ist.
Erste Testläufe wurden bereits gestartet, nachdem die Betriebsgenehmigung von der Bernd-Tönnies Stiftung als Auftraggeber beantragt wurde. Die Stiftung geht davon aus, dass die Anlage zum Jahreswechsel in den Regelbetrieb gehen kann.
SUS
Tote Seelöwen und Delfine an Kaliforniens Stränden
An den Stränden Südkaliforniens wurde in den vergangenen Wochen eine extrem hohe Zahl an schwerkranken bzw. toten Seelöwen und Delfinen angeschwemmt. Allein in den letzten 14 Tagen starben 110 Delfine. Nach Einschätzung von Meeresbiologen ist das Nervengift „Domoinsäure“, das von Algen produziert wird, der Grund für das Sterben der Meerestiere. Der weltweit gestiegene CO2-Gehalt habe zu einer höheren Konzentration des Giftes in der sogenannten „Pseudo-Nitzschia“-Alge geführt, vermutet Michelle Kowalewski, Direktorin des Channel Islands Cetacean Research Unit.
In jedem Frühjahr werde das Nervengift, das über die Nahrungskette zu Delfinen und Seelöwen gelangt, von den Algen produziert, so die Biologin. „Es scheint, dass die Toxizität der Algen jedes Jahr zunimmt. Und wenn das der Fall ist, dann könnte das ein sehr großes Problem für mehrere Populationen sein, nicht nur für Seelöwen und Delfine, sondern auch für Vögel, Fische und andere Organismen“, befürchtet Kowalewski. Ein Grund für dieses Extremereignis könnten der starke Sturm sowie große Regenmengen im vergangenen Winter sein.
Die Domoinsäure kann zu Desorientierung, Erbrechen oder Krampfanfällen bei den Tieren führen, welche in schweren Fällen den Tod verursachen. Da sich der Giftstoff auch in Muscheln und Krabben ansammeln kann, überwacht die kalifornische Gesundheitsbehörde derzeit die Fischereien auf Giftstoffe und schließt diese dann gelegentlich. Vor 2 Wochen wurde bereits vor dem Verzehr verschiedener Muscheln aus Santa Barbara gewarnt, in denen gefährliche Mengen an Domoinsäure festgestellt worden waren. Im gesamten kalifornischen Küstengebiet ist für diese Muscheln bereits eine Quarantäne in Kraft.
ZDF