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Prompt statt PowerPoint

01.07.2026

Herzlich willkommen!

In dieser monatlichen Kolumne gehen wir gemeinsam mit Dr. Björn Becker und Magnus Kirschstein von Petleo mit klaren Worten, unbequemen Fragen und konkreten Lösungsansätzen für einen gesünderen Praxisalltag auf die Fragen ein, wie Prozesse, Organisation und Kommunikation neu gedacht werden können und müssen, und welche Lösungen verfügbar sind. Seien Sie gespannt auf das, was alles schon geht!


10 ChatGPT-Anwendungen, die du morgen in der Praxis nutzen kannst

In der letzten Kolumne ging es darum, warum viele nicht an KI scheitern, sondern die eigenen Prompts das Problem sind. Jetzt wird’s konkreter und wir kommen ins Machen.

Hier kommen zehn Dinge, die du direkt ausprobieren kannst – und solltest.

1. Befunde verständlich erklären

Der Klassiker -und einer der nützlichsten.

„Erkläre einem Tierhalter die Diagnose chronische Niereninsuffizienz bei einer 12-jährigen Katze. Einfache Sprache, keine Fachbegriffe, maximal 200 Wörter.“

Das Ergebnis ersetzt nicht deine Beratung, aber spart dir das dritte Umformulieren beim Verfassen von Merkblättern oder Entlassungsbriefen. In Kombination mit einer nachvollziehbaren Ablage ein serviceorientiertes und zeitsparendes Tool.

2. Nachsorgeanweisungen erstellen

Die meisten Praxen verwenden Standardtexte. Diese sind fünf Jahre alt und wurden siebenmal kopiert.

„Erstelle eine Nachsorgeanweisung nach Zahnbehandlung beim Hund. Freundlicher Ton, klare Handlungsempfehlungen, verständlich für Tierhalter.“

Meist ist der erste Entwurf bereits erstaunlich brauchbar.

3. Schwierige E-Mails formulieren

Es gibt diese Nachrichten, auf die man einfach keine Lust hat: Beschwerden, Kostendiskussionen, Missverständnisse, die sich aufgeschaukelt haben.

„Formuliere eine freundliche, professionelle Antwort auf einen Tierhalter, der sich über die Höhe der Rechnung beschwert. Verständnis zeigen, ohne defensiv zu wirken.“

Spart mehrere Anläufe, verringert den eigenen Ärger und rettet u.U. auch mal einen Abend.

4. Stellenanzeigen schreiben

„Wir suchen Verstärkung für unser Team“ lockt heute niemanden mehr oder motiviert, gar eine Bewerbung abzusetzen.

„Schreibe eine moderne Stellenanzeige für eine TFA in einer digital aufgestellten Kleintierpraxis. Fokus auf Teamkultur, Entwicklungsmöglichkeiten und moderne Arbeitsweise.“

Du wirst sehen, das Ergebnis ist ansprechend, einiges wäre dir selbst nicht in der Formulierung eingefallen und du musst den Entwurf jetzt nur noch auf die eigene Praxis anpassen – fertig.

5. SOPs* strukturieren

Nicht jeder schreibt gerne Prozesse auf. Ich kenne genug Kollegen, die das seit Jahren vor sich herschieben.

„Erstelle eine SOP für die stationäre Aufnahme eines Hundes zur geplanten Operation. Aufgeteilt nach Verantwortlichkeiten von TFA und Tierarzt.“

Das Ergebnis wird nicht perfekt sein. Aber du startest nicht mit einem leeren Blatt Papier, sondern mit den wichtigsten Punkten, die ggf. noch anderes strukturiert und ergänzt werden müssen. Das geht aber viiiiiel schneller.

*SOP = standard operating procedure/standardisierte Arbeitsanweisung, Anm. d. Red.

6. Social-Media-Ideen entwickeln

Die meisten Praxen scheitern nicht am fehlenden Wissen – sondern an fehlenden Ideen.

„Nenne 20 Themen für Facebook und Instagram, die Tierhalter einer Kleintierpraxis interessieren. Saisonale Themen, häufige Fragen aus dem Praxisalltag.“

Daraus entstehen meist gleich mehrere Wochen Content oder Ideen für Content. Hier kommt der Appetit beim Essen.  

7. Mitarbeitergespräche vorbereiten

Führung gehört zum Praxisalltag. Auch wenn das vor zwanzig Jahren im Studium niemand erwähnt hat.

„Erstelle einen Gesprächsleitfaden für ein Mitarbeitergespräch mit einer fachlich starken Mitarbeiterin, die regelmäßig zu spät kommt.“

Hilft, das Gespräch strukturiert zu führen – und nicht mittendrin den Faden zu verlieren. Zudem sind die KI-Formulierungen meist freundlicher und damit auch zugänglicher formuliert, da die KI über das ständige Zuspätkommen nicht verärgert ist .

8. Vorträge strukturieren

Zwar hast Du das Wissen und wenn es gut läuft auch die Folien, aber damit noch keinen roten Faden.

„Erstelle die Struktur für einen 30-minütigen Vortrag über Zahngesundheit beim Hund für Tierhalter. Verständliche Dramaturgie, Einleitung, Hauptteil, Fazit.“

Hier ist die KI ein erstaunlich guter Sparringspartner – auch für Keynotes.

9. Praxisinterne Schulungen entwickeln

„Erstelle ein 15-minütiges Schulungskonzept für TFA zum Thema Telefonkommunikation bei Notfällen.“

Gerade für wiederkehrende Themen praktisch, weil man nicht jedes Mal von vorne anfangen muss.

10. Denken lassen, nicht nur schreiben lassen

Im Ernst: das ist wahrscheinlich die unterschätzteste Anwendung überhaupt, denn viele nutzen ChatGPT wie eine bessere Schreibmaschine, obgleich seine Qualitäten als Gesprächspartner häufig sogar wertvoller sind.

„Welche Schwachstellen erkennst du in unserem Terminbuchungsprozess?“ „Welche zusätzlichen Leistungen könnte eine moderne Kleintierpraxis anbieten, um Tierhalter stärker zu binden?“ „Welche Argumente sprechen gegen diesen Ansatz?“

Plötzlich bekommt man Widerspruch, Perspektiven und Ideen, auf die man selbst nicht gekommen wäre. Zugegeben, nicht alle sind richtig oder gleich umsetzbar, aber sehr häufig hilfreich und liefern Ideen. Überzeug dich selbst!

Die meisten Tierärzte haben kein Wissensproblem. Sie haben ein Zeitproblem. Zu viele Themen, zu viele Entscheidungen, zu wenig Raum zum Nachdenken. Wenn KI dabei hilft, genau diesen Raum zurückzugewinnen – dann ist das ihr eigentlicher Mehrwert. Nicht das Schreiben von Texten, sondern vielmehr das Anstoßen von Gedanken.

Darauf werden wir in einer der nächsten Kolumnen noch tiefer eingehen. Genauso wie auf ein Thema, das wir heute bewusst ausgespart haben: Was darf ich eigentlich eingeben? Wo beginnt der Datenschutz? Was bedeutet der EU AI Act für Tierarztpraxen?

Bis dahin gilt: Nicht alles auf einmal. Einen Bereich raussuchen und anfangen.

Eine E-Mail. Eine SOP. Eine Stellenanzeige. Wichtig dabei: Für jede Anfrage immer einen neuen Chat öffnen!

Die meisten Kollegen merken nach wenigen Tagen, dass die Frage gar nicht mehr lautet, ob KI im Praxisalltag sinnvoll ist – sondern nur noch, wo sie einem jeden Tag ein paar Minuten zurückgibt.

Und manchmal sind genau diese paar Minuten Gold wert!


Dr. Björn Becker  

Tierarzt, Unternehmer und Brückenbauer zwischen Praxis und Zukunft – ich bringe Digitalisierung, KI und Telemedizin dahin, wo sie wirklich wirken: in den Alltag und die Köpfe von Tierärzt:innen.
Mein Antrieb: bessere Medizin, bessere Arbeitsbedingungen und eine Branche, die endlich mutig nach vorne denkt.

Bild mit KI erstellt


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