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Verlust an genetischer Vielfalt beim Deutschen Schäferhund

03.02.2026

Wissenschaftler:innen der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, der Universität Oxford sowie des National Institutes of Health (NIH) konnten in ihrer aktuellen Forschungsarbeit belegen, dass die genetische Vielfalt des Deutschen Schäferhundes bereits seit dem frühen 20. Jahrhundert abgenommen hat. Die stark geschrumpften Bestände als Folge des 2. Weltkriegs und der vermehrte Einsatz weniger, besonders gefragter Deckrüden, ein sogenannter Flaschenhals der Rasse, hat die Biodiversität weiter reduziert.   

„Unsere Daten zeigen einen massiven Verlust an genetischer Vielfalt bei Schäferhunden, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geboren wurden. Dieser Rückgang, teilweise durch den Zweiten Weltkrieg ausgelöst, hat die Gesundheit der Rasse mit ziemlicher Sicherheit erheblich beeinträchtigt“, erklärt der LMU-Paläogenetiker Professor Laurent Frantz, einer der Studienleiter. 

Der übermäßige Einsatz ‚populärer Deckrüden‘ habe zu weiteren genetischen Engpässen geführt, so Erstautor Dr. Lachie Scarsbrook (LMU und Universität Oxford). Die Konsequenz sei neben der Veränderung des Erscheinungsbildes auch die Verengung des Genpools der Rasse.

Die Sequenzierung der Genome von neun Deutschen Schäferhunden aus dem Zeitraum 1906 bis 1993 und dem Vergleich mit Genomen von mittelalterlichen europäischen Hunden, hatte zum Ergebnis, dass der jüngste Engpass auf das Jahr 1967 zurückzuverfolgen ist, das mit dem Geburtsjahr des populären Deckrüden Quanto von der Wienerau zusammenfällt. 

Ein Symptom für diesen Verlust an Vielfalt sind lange Abschnitte im Erbgut, in denen beide Chromosomen identisch sind, also homozygot. Solche Abschnitte begünstigten das Auftreten rezessiver Erbkrankheiten, die nur sichtbar werden, wenn das defekte Gen auf beiden Chromosomen liegt.

Mit Blick auf die Zukunft sind die Forschenden überzeugt, dass die effektivste Strategie zur Verbesserung der genetischen Gesundheit des Deutschen Schäferhundes darin besteht, Hunde aus Ländern oder Linien einzubeziehen, die nicht denselben genetischen Engpässen unterlagen. Auf diese Weise könne der „reinrassige“ Status der Hunde erhalten bleiben und gleichzeitig die Gesundheit und Langlebigkeit der Rasse maximiert werden.

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LMU München