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Tiere wenden Mechanismen zur Anpassungen an den Klimawandel an

09.03.2026

Der Klimawandel hat zahlreiche Auswirkungen auf die Tierwelt. So haben sich unter anderem die Brutzeiten teilweise deutlich verschoben. Frühere oder spätere jahreszeitliche Entwicklungsprozesse von verschiedenen Tierarten können durch Temperaturveränderungen teils massiv beeinflusst werden. Das ergab eine aktuelle Metastudie von Forschenden aus mehr als 60 Forschungseinrichtungen unter der Leitung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW), der James Cook University sowie des University College Cork. Dabei nutzten die Forschenden Daten aus 15 bis 25 Jahren.

Die internationalen Wissenschaftler:innen haben mehr als 200 wissenschaftliche Untersuchungen an 73 Vogel-, Reptilien- und Säugetierarten durchgeführt, um den Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und der Phänologie (jahreszeitlichen Entwicklungserscheinungen), der Morphologie sowie der Bestandentwicklungen zu beleuchten. Die Analysen ergaben, dass die Phänologie ­sehr sensibel auf Temperaturveränderungen reagiert, was für viele Arten einen Mechanismus zur Bewältigung des Klimawandels darstellt.

„Die Mehrzahl der Studien zeigte zudem, dass Temperatur-induzierte Verschiebungen in der Phänologie adaptive Reaktionen sind. Das bedeutet, dass die Anpassungen funktionierende Bewältigungsmechanismen für den Klimawandel sind, indem beispielsweise die Verschiebung des tatsächlichen Zeitpunkts des Eierlegens einer Vogelart mit der Verschiebung des optimalen Zeitpunkts für das Eierlegen einhergeht“, erklärt Dr. Viktoriia Radchuk vom Leibniz-IZW, Erstautorin der Meta-Studie.

Andererseits scheinen die Klimaveränderungen keine eindeutigen Effekte auf die Morphologie der untersuchten Tiere zu haben. Die Forschenden nehmen an, dass sich Veränderungen in Körperbau oder Größe deutlich langsamer einstellen als phänologische Veränderungen.

Die Meta-Studie zeigt jedoch auch eine nennenswerte Zahl an Fehlanpassungen an den Klimawandel auf. „Der Effekt der Erwärmung auf die Phänologie ist sehr klar, die Auswirkungen auf die Tierwelt jedoch heterogen“, sagt Dr. Tom Reed vom University College Cork in Irland, einer der Seniorautoren der Studie. „Wir haben es wohl vorrangig mit sogenannter Plastizität von Merkmalen zu tun und, in den untersuchten Zeiträumen, noch nicht mit evolutionären Prozessen. Phänologische Merkmale können von den Tieren offenkundig ausreichend flexibel angepasst werden“.

Die Meta-Studie sei jedoch lediglich ein Schlaglicht in die hochkomplexe Welt der Auswirkungen des Klimawandels auf die Artenvielfalt, betont Dr. Martijn van de Pol von der James Cook University in Australien, der zweite Seniorautor der Studie. Dennoch liefere dieser Datensatz dringend benötigte Informationen, die es ermöglichen, mechanistische Modelle für die Populationsdynamik zu erstellen und die Auswirkungen des Klimawandels vorherzusagen – eine Aufgabe, die heute so wichtig ist wie nie zuvor.

Leibniz-IZW