Die Naturschutzmedizin (Conservation Medicine) beschäftigt sich unter anderem mit der Gesundheit von Menschen und Tieren im Zusammenspiel mit Umweltfaktoren und ökologischen Herausforderungen. Friederike Pohlin betreibt am Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) Forschung an freilebenden Tieren aller Größenordnungen. Ihr Ziel sind unter anderem die Verbesserung von Naturschutzmaßnahmen mit Wildtieren. „Mein Team setzt sich für wirksame und humane Wildtierschutzmaßnahmen ein“, erklärt die neue FIWI-Assistenzprofessorin. „Zur praktischen Umsetzung und für Empfehlungen an die Politik braucht es wissenschaftliche Grundlagen.“
Im Fokus ihrer Forschungsarbeit stehen vor allem Anästhesieverfahren, Um- und Wiederansiedlungen sowie die Überwachung der Wildtiergesundheit. Ihr Herz schlägt besonders für Nashörner, seit sie deren Leid auf einer Studienreise nach Südafrika miterleben musste. Für ihr Horn werden die vom Aussterben bedrohten Dickhäuter brutal gewildert. „Oft wird es ihnen samt halbem Schädelknochen abgeschnitten“, so Friederike Pohlin. „Nicht selten verenden Tiere, die das überleben, kläglich.“ Die Wissenschaftlerin promovierte zum Nashorn-Transportstress, absolvierte eine europaweite Fachausbildung als Veterinäranästhesistin und kam 2020 als Karenzvertretung an die Vetmeduni Wien. Das Fachtierärztinnendiplom für Zoo- und Wildtiere hat sie ebenfalls in der Tasche. „Die klinischen Skills waren mir immer genauso wichtig wie die wissenschaftlichen“, erklärt die 38-Jährige. Die Anästhesie etwa ist unerlässlich in der Wildtierarbeit. Egal, ob es gilt, Nashörner in Safe Spaces zu verfrachten oder, wie in einem hiesigen Projekt, Rotwild zu Forschungszwecken GPS-Halsbänder umzulegen – freiwillig machen die vierbeinigen Schützlinge da nicht mit. „Das erfordert Spezialwissen und stetige Optimierung der Methoden.“
Aktuell stehen Studien mit heimischen Wildtieren sowie Nashorn-Nachfolgeprojekte auf dem Plan. Für Letztere hat sie Hydrierungsmethoden mitentwickelt und sich wegen deren reisebedingten Magen-Darm-Problemen mit deren Mikrobiom beschäftigt.
Kranke oder geschwächte Wildtiere werden auch häufiger in der Tierarztpraxis vorgestellt. Daher bietet Myvetlearn.de die ATF-anerkannte E-Learningreihe Wildtiere in der Tierarztpraxis an, bei der sich Tierärzt:innen online fortbilden können. Eine separate Reihe richtet sich an Tiermedizinische Fachangestellte. Beide Kursreihen enthalten zudem zahlreiche interaktive Elemente, die einerseits den Spaß steigern und andererseits die Bearbeitung der Inhalte intensivieren.




