Milchkühe haben einen ausgeprägten zirkadianen Rhythmus, der den Tag der Tiere durch Fressen, Wiederkäuen, Trinken, Liegen und Pflegen strukturiert. Bestimmte Managementfehler oder Stressoren können diesen Rhythmus stören, was negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Gesundheit nach sich ziehen kann. Zu diesen Faktoren gehören ungünstige Umweltbedingungen (z.B. Hitzestress) und Veränderungen der täglichen Routinen, die bei den Tieren Stress-Reaktionen verursachen können, wie eine verringerte Futteraufnahme, Veränderung der Ruhephasen und eine erhöhte Anfälligkeit für Erkrankungen. Um eine geringere Milch- und Fruchtbarkeitsleistung zu vermeiden, ist eine frühzeitige und genaue Erkennung von Stress von großer Bedeutung.
Wissenschaftler:innen aus Ecuador, Peru und Brasilien haben daher in einer aktuellen Studie untersucht, ob eine Stresserkennung bei Milchkühen durch die Erfassung ihres zirkadianen Rhythmus mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) aussagekräftige Vorhersagen ermöglicht. Die Forschenden haben Verhaltensbiomarker wie Futteraufnahme, Ruhephasen und Wiederkäuen bei zehn Kühen über einen Zeitraum von 12 Monaten mithilfe von Sensoren kontinuierlich überwacht. Anschließend wurden die Daten mithilfe von Kl ausgewertet. Diese konnte belegen, dass eine bis zu 82-prozentig genaue Vorhersage von Stressepisoden bei Rindern mit einer Vorlaufzeit von einer Stunde möglich ist.
Wie die Studienautoren erklären, bietet eine Vorlaufzeit von einer Stunde ein entscheidendes Zeitfenster für präventive Maßnahmen. Indem Maßnahmen bereits vor Auftreten von negativen Einflüssen ergriffen werden können, wäre dies ein grundlegender Fortschritt, um das Tierwohl und die Profitabilität zu verbessern.




