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Shamonda-Virus bei zwei Rinderbetrieben in Niedersachsen nachgewiesen

Von Südosten her breitet sich das im August 2026 neu in Deutschland entdeckte Shamonda-Virus (SHAV) weiter Richtung Nordwesten aus. Einen ersten Nachweis des Erregers aus der Gattung der Orthobunyaviren gab es nun auch in Niedersachsen. In zwei rinderhaltenden Betriebe im Landkreis Holzminden wurde jedoch eine andere Variante (SHAV-EU2) des bisher in Süddeutschland aufgetretenen Erregers (SHAV-EU1) nachgewiesen. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) geht daher von zwei unabhängigen Ereignissen bei dem derzeitigen Seuchengeschehen aus.

Das Virus, das von Gnitzen auf Rinder und andere Wiederkäuer übertragen wird, verursacht bei erkrankten Tieren Fieber, Milchleistungsrückgang und Durchfall.

Das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium ruft Halter:innen von Rindern, Schafen und Ziegen zu Achtsamkeit in Bezug auf Symptome, die auf eine Infektion mit dem Shamonda-Virus hinweisen können, auf. 

Ministerium Niedersachsen

Antibiotikaverbrauch in der Schweiz erneut gesunken

Seit 2008 sinkt die Menge der in der Veterinärmedizin eingesetzten Antibiotika in der Schweiz. So auch im Jahr 2025, allerdings zeigen sich je nach Tierart unterschiedliche Entwicklungen.

Wie aus den Vertriebs- und Verschreibungsdaten 2025 hervorgeht, wurde bei Rinderns erstmals über alle Kategorien und Kennzahlen hinweg ein leichter Rückgang verzeichnet. Das Verbrauchsniveau liegt bei Rindern jedoch weiterhin deutlich höher als bei Schweinen und Geflügel. Die Behandlungszahlen bleiben insbesondere bei Milchvieh und in der Kälbermast hoch.

Bei Schweinen nahmen die Gesamtwirkstoffmenge und die Behandlungszahlen leicht zu. Gleichzeitig ging die Zahl der Behandlungen mit kritischen Wirkstoffen weiter zurück. Dies deutet auf einen vermehrten Ersatz durch Penicilline hin.

Beim Geflügel stiegen 2025 sowohl die Gesamtwirkstoffmenge als auch die Menge kritischer Antibiotika leicht an. Im mehrjährigen Trend geht der Einsatz kritischer Wirkstoffe jedoch zurück. Bei Hunden und Pferden blieben die Werte stabil bis leicht rückläufig. Bei Katzen nahm die Wirkstoffmenge zu, während weniger kritische Wirkstoffe eingesetzt wurden.

Die Ergebnisse zeigen Fortschritte beim sachgemässen Einsatz von Antibiotika. Weitere Verbesserungen sind vor allem bei Milchvieh und in der Kälbermast erforderlich. Bei Schweinen und Geflügel gilt es, das erreichte Niveau zu halten, da der Einsatz von Antibiotika grundsätzlich die Entstehung von Resistenzen begünstigt.

BVL Schweiz

EU verhängt Importstopp für tierische Produkte aus Brasilien

Die EU setzt ab heute (3.9.2026) die Einfuhr von Fleisch und anderer tierischer Produkte aus Brasilien aus. Der Grund: Brasilien kann nicht nachweisen, auf den Einsatz sogenannter Wachstumsförderer wie Reserveantibiotika bei Export-Rindern während der Mastperiode von etwa 24 Monaten zu verzichten. Dafür hatte das Land drei Jahre Zeit. Desweiteren wurde ein Importverbot für Honig und Geflügelfleisch aus Brasilien verhängt. Wie lange der Importstopp gilt, ist unklar und aktuell nicht absehbar.

In der EU ist der Einsatz von Antibiotika bei der Vieh- und Geflügelzucht zur Wachstumsförderung und zur reinen Ertragssteigerung bereits seit vielen Jahren verboten; ebenso der Einsatz von antimikrobiell wirksamen Arzneimitteln, die der Behandlung von Menschen vorbehalten sind.

Agrarheute

Sachsen meldet ersten Nachweis des Shamonda-Virus

Nach Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland ist das neue Shamonda-Virus nun auch in Sachsen nachgewiesen worden. Betroffen ist ein Rind aus einem Bestand im Vogtland. Ein weiterer Verdacht besteht bei einem Rinderbestand im Erzgebirge, hier steht die Bestätigung durch das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) noch aus.

Das Virus aus der Gattung der Orthobunyaviren, von dem inzwischen zwei Varianten (SHAV-EU1 und SHAV-EU2) in Deutschland nachgewiesen wurden, verursacht bei infizierten Milchkühen Symptome wie Fieber und einen deutlichen Milchrückgang. Aber auch Durchfall und respiratorische Probleme wurden bereits beobachtet. Expert:innen befürchten, dass das Shamonda-Virus, ähnlich wie das Schmallenberg-Virus, ebenfalls zu Missbildungen und Fehlgeburten bei einer Infektion trächtiger Tiere führen könnte. Bislang lassen sich die Symptome tierärztlich gut behandeln und die Tiere genesen nach zwei bis drei Wochen. 

„Unsere Veterinärbehörden stehen mit denen von Bund und Ländern in engem Kontakt und analysieren die Lage. Wichtig sind die regelmäßige Kontrolle der Rinderbestände und ein möglichst effektiver Mückenschutz in den Ställen. Wir haben die Tierhalter in Sachsen schon informiert und halten sie weiter auf dem Laufenden“, erklärt Sachsens Sozialministerin Petra Köpping. Ihr Ministerium veranstaltet am 10. September 2026 um 14 Uhr ein Informations-Webinar für Rinderhalter:innen und praktische Tierärzt:innen. Zudem weist das Ministerium ausdrücklich darauf hin, dass Tierhalter:innen ihre Bestände aufmerksam beobachtet sollten.

Ministerium Sachsen

Brasilien droht Importstopp von Rindern in die EU 

Ab dem 3. September 2026 wird voraussichtlich kein Rindfleisch mehr aus Brasilien in die Länder der Europäischen Union importiert werden. Sollte das südamerikanische Land nicht doch noch fristgerecht bis Ende August 2026 nachweisen, dass auf Reserveantibiotika und Wachsturmshormone in der Zucht verzichtet wurde, wird die EU Ernst machen und Rindfleischimporte aus Brasilien stoppen. Noch seien keine ausreichenden Nachweise eingegangen, so eine Sprecherin der EU-Kommission. Es sei kaum damit zu rechnen, dass die Deadline gehalten werde.

Laut einer EU-Regelung muss Brasilien nachweisen, dass die Rinder über den gesamten Lebenszyklus nicht mit in der EU verbotenen Wirkstoffen oder nach EU-Recht als Reserveantibiotika deklarierten Wirkstoffen behandelt worden sind. Bei mehreren Audits des brasilianischen Kontrollsystems hatte die EU-Kommission zuvor Mängel festgestellt. Nach Informationen der EU ist für Ende August noch ein entsprechendes Audit eines Teams aus Kommissionsexperten der Generaldirektion für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (DG SANTE) geplant.

Agrarheute

Baden-Württemberg sagt Weidetierhaltenden finanzielle Unterstützung zu

Viele Wochen mit extrem hohen Temperaturen und wenig Niederschlägen haben in zahlreichen Region Deutschlands zu ausgetrockneten Weiden und Wiesen geführt. Teilweise mussten Reserven bereits jetzt an die Tiere verfüttert werden. In manchen Betrieben sind die Futterbestände so stark eingebrochen, dass Landwirt:innen erste Tiere notschlachten mussten.  

Um die Tierhalter:innen finanziell zu unterstützen, stellt das Agrarministerium Baden-Württemberg bis zu fünf Millionen Euro zur Verfügung. Halter:innen von Rindern, Schafe und Ziegen haben so die Möglichkeit, auf einen finanziellen Teilausgleich von Schäden zu erhalten, die unmittelbar infolge der Hitze und Trockenheit an Futterflächen verursacht wurden.

„Im ganzen Land sind Wiesen und Weiden ausgetrocknet und auf den Grünlandflächen wächst kaum noch etwas nach. Silomais ist zum Teil großflächig vertrocknet oder gänzlich ausgefallen“, erklärt Agrarministerin Marion Gentges. „Sofern ergiebiger Regen ausbleibt und in den verbleibenden Vegetationsmonaten nichts nachwächst, stehen wir folglich erst am Anfang einer großen Herausforderung“, so Gentges weiter.

Proplanta

FLI rechnet mit weiterer Ausbreitung des Shamonda-Virus

Anfang August 2026 ist in Deutschland erstmals das Orthobunyavirus nachgewiesen worden. Diese neu eingeschleppte europäische Variante des Shamonda-Virus wird durch blutsaugende Gnitzen übertragen und verursacht ähnliche Symptome wie das Schmallenberg-Virus, das hierzulande vor rund 15 Jahren erstmalig festgestellt wurde.

Nach Informationen des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) breitet sich das Shamonda-Virus weiter bei Rindern von Süddeutschland aus. Inzwischen gab es Nachweise in Rheinland-Pfalz und Hessen. Wie das FLI mitteilt, scheint es sich diesem Virus um das gleiche zu handeln, das kürzlich auch in der Schweiz und Frankreich aufgetreten ist. 

Noch sei der Zeitpunkt der Einschleppung des Erregers nach Europa ungeklärt, so das Institut. Aktuell laufen die Untersuchungen dazu noch. Das FLI geht jedoch von einer weiteren Ausbreitung aus. So seien den Veterinärlaboren der Bundesländer bereits Testprotokolle für die Diagnostik zur Verfügung gestellt worden, um Erstuntersuchungen von Verdachtsfällen in den dafür zuständigen Landeslaboren zu beschleunigen. 

FLI

Verbot von Lebendtiertransporten gefordert

Der Sommer hält ganz Deutschland mit Extremtemperaturen und einem dramatischen Mangel an Niederschlägen in Atem. Die wichtigsten Flüsse hierzulande weisen ein fast historisches Niedrigwasser auf, sodass der Transport zunehmende auf die Straße verlagert werden muss.

Der Deutsche Tierschutzbund macht in diesem Zusammenhang die drohenden Gefahren für Tiere auf Transporten deutlich und fordert Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer und Bundesverkehrsminister Steffen Bilger deshalb auf, während der Hitzeperiode umgehend ein bundesweites Verbot von Lebendtiertransporten zu verhängen.

„Tiertransporte sind insbesondere bei Hitze für Rinder, Schweine, Schafe und Geflügel purer Stress. Kommt durch die Verlagerung des Güterverkehrs von den Wasserwegen auf die Straße noch mehr Verkehr hinzu, drohen zunehmende Staus. Für die Tiere auf Transportern kann das zu einer Tortur werden, die mit dem Tod endet. An den Autobahnen gibt es keine ausreichende Versorgung, wenn beladene Tiertransporter stundenlang feststecken. Minister Rainer und Minister Bilger sind deshalb gefordert, sofort zu handeln und Lebendtiertransporte während der extremen Hitze zu untersagen“, erklärt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

In dem Fall, dass Transporte nicht vermeidbar seien, müssten diese gut geplant und so kurz wie möglich gehalten werden, so der Tierschutzbund weiter. Neben einer Verlagerung der Fahrten auf Morgen- oder Abendstunden fordern die Tierschützer:innen eine Reduzierung der Ladedichte sowie den Einsatz von Fahrzeugen mit aktiver Kühlung. Zudem sei eine ausreichende Wasserversorgung der Tiere jederzeit sicherzustellen. 

„Die aktuellen Regelungen sind unzureichend und können Tiere auf Transporten nicht sicher schützen. Hitzestress kann bei landwirtschaftlich genutzten Tieren bereits bei deutlich niedrigeren Temperaturen und auch auf kürzeren Strecken zum ernsten Problem werden – insbesondere, wenn die Fahrt durch einen Stau deutlich länger dauert als geplant. Direkte Sonneneinstrahlung und mangelnde Luftbewegung können die Belastung zusätzlich enorm verstärken“, kritisiert Schröder.

Der Tierschutzverein Vier Pfoten ermuntert zudem auch Passanten dazu, bei beobachteten Missständen auf Tiertransporten oder bei Pannenfahrzeugen sowie verlassenen Tiertransportern die Polizei oder ggf. auch die Autobahnpolizei zu benachrichtigen. Sie sind verpflichtet, dem nachzugehen. Außerdem sollten die beobachteten Missstände per Foto und Video dokumentiert und an das zuständige Veterinäramt weitergeleitet werden.

Deutscher Tierschutzbund

Französisches Gericht weist Beschwerde gegen LSD-Impfpflicht ab

Seit Ende Juni vergangenen Jahres sind mehrere Ausbrüche der Lumpy-Skin-Disease (LSD) in Frankreich aufgetreten. In den betroffenen Regionen Auvergne-Rhône-Alpes Savoie und Haut-Savoie wurden daraufhin Schutz- und Überwachungszonen eingerichtet, die auch das Schweizer Kanton Genf miteingeschlossen haben. 

Um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden, hat die französische Regierung in den Risikoregionen und definierten Sperrzonen eine verpflichtende Impfung angeordnet. Gegen diese haben verschiedene Impfgegner, darunter der Kleinverband Verte France, Klage eingereicht. Der französische Staatsrat hat als das oberste Verwaltungsgericht  Frankreichs nun mehrere Beschwerden abgewiesen. So stehen der Fortführung der Impfkampagne und weiterer angeordneter Schutzmaßnahmen nichts mehr im Weg.

Verte France hatte in seiner Beschwerde angeführt, dass Eigentumsrechte und Unternehmensfreiheit dadurch eingeschränkt würden. Ebenfalls nicht stattgegeben hat das Gericht zudem mehreren Beschwerden nach behördlichen Anordnungen gegen impfunwillige Betriebe, wie ein Verbot von Viehtransporten.

Der Kleinverband war in der Vergangenheit bereits mit dem Versuch gescheitert, die Impfkampagne zur Bekämpfung der LSD vom Staatsrat stoppen zu lassen. Im Umfeld des Verbandes haben sich mittlerweile die impfkritischen Rinderhalter:innen organisiert und das „Collectif Libre“ gegründet, dem sich etwa tausend Unterstützer:innen angeschlossen haben. Das Kollektiv hat zudem eine Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) eingelegt. 

Die LSD ist eine anzeigepflichtige Virusseuche, die Rinder und Wasserbüffel betrifft. Sie wird hauptsächlich durch blutsaugende Insekten übertragen und verursacht schwere wirtschaftliche Schäden. Die erkrankten Tiere zeigen Symptome wie schmerzhafte Knoten am ganzen Körper sowie hohes Fieber und starken Tränen- und Nasenausfluss.

Schweizerbauer

Tierseucheninfo Niedersachsen

Warnsignale für Schmerzen bei Kühen erkennen

Ob Kühe Schmerzen haben, ist für Tierhalter:innen nicht leicht erkennbar. Die Tiere verändern meist trotz Beschwerden ihr Fressverhalten nicht oder machen sich durch Lautäußerungen bemerkbar. Rinerhalter:innen können jedoch anhand von Veränderungen an Beinen, Rücken, Gesicht oder im Verhalten erkennen, dass eine Kuh Beschwerden hat. Bei solchen Anzeichen sollten die Tiere genauer beobachtet werden, ein gesundheitliches Problem könnte bestehen, insbesondere wenn mehrere Auffälligkeiten zusammenkommen.

Belastet etwa eine Kuh ihre Gliedmaßen ungleichmäßig, könnte eine Lahmheit vorliegen. Dies zeigt sich dann in der Bewegung. Probleme an den Klauen äußern sich häufig in dem Versuch, die schmerzenden Bereiche zu entlasten. Ein gewölbter Rücken kann auf Schmerzen im Bauch- oder Beckenbereich bzw. an den Klauen oder Gliedmaßen hinweisen. Ein Hinweis auf starke Schmerzen ist ein hörbares Zähneknirschen. Ein solches Verhalten sollte deshalb zeitnah tierärztlich abgeklärt werden.

Kühe mit Schmerzen zeigen teilweise auch ein „Schmerzgesicht“. Die Augen können verengt oder eingesunken wirken, am Oberlid kann es zu Falten kommen. Hängende oder nach hinten gerichtete Ohren sowie eine Anspannung rund um Maul und Nüstern kann ebenfalls ein Zeichen für Schmerzen sein.

Weitere durch Schmerzen getriggerte Verhaltensauffälligkeiten sind eine Kopftiefhaltung, Unaufmerksamkeit, Apathie und ein leerer Blick. Manche Tiere ziehen sich außerdem von der Herde zurück. Auch ein verändertes Fress- und Trinkverhalten sowie ein gedämpftes Brunstverhalten kann ein Hinweis sein.

Agrarheute

Antiparasitikum verändert Zusammenspiel zwischen Pflanze und Insekt

Damit Weidetiere gesund bleiben und vor Parasiten geschützt sind, verabreichen Landwirt:innen ihren Tieren Wurmmittel. Diese Antiparasitika haben jedoch einen vielfältigen Einfluss auf die Umwelt. Unter anderem wird das Keimungsverhalten von Samen verändert oder die Überlebensraten von Käfer- und Fliegenlarven verringert. 

Nun haben Forschende der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und der Universität Trier in einer Studie belegen können, dass ganze ökologische Beziehungsgefüge verändert werden. Die Wissenschaftler:innen haben den Einfluss des von Landwirt*innen häufig eingesetzten Präparates Cydectin® analysiert und die Effekte auf das Zusammenspiel mehrerer Arten unter die Lupe genommen.Der enthaltene Wirkstoff Moxidectin gehört zur Gruppe der makrozyklischen Laktone (Antiparasitika mit Langzeitwirkung). Da dieser im Körper der behandelten Tiere kaum abgebaut wird, gelangt der Wirkstoff deshalb zu großen Teilen über den Kot in den Boden. Die Forschenden konnten in Modellversuchen nachweisen, dass dadurch einerseits Pflanzen weniger Früchte bilden, andererseits sich Blattläuse zehnmal stärker vermehren können.

„Wir waren überrascht, wie weitreichend ein einzelnes Präparat das Zusammenspiel zwischen Pflanze und Insekt verändern kann“, sagt Dr. Andrés García, Erstautor der Studie. „Das zeigt, dass wir bei der Bewertung von Tierarzneimitteln nicht nur einzelne Arten, sondern ganze ökologische Beziehungen im Blick behalten müssen.“

Weitere Studien sollen zeigen, welchen Anteil der Wirkstoff Moxidectin, die übrigen Inhaltsstoffe und deren Abbauprodukte an diesen Effekten haben und wie sie in der Nahrungskette weitergegeben werden. 

Uni Kiel

Neue Impfung gegen Mastitis Erreger

Mastitis gehört zu den Gesundheitsproblemen in Milchviehbetrieben, die am häufigsten auftreten. E. coli und coliforme Keime sind Umwelterreger, deren Bedeutung in Deutschland stetig zunimmt und die häufig zu schweren, akut verlaufenden Euterentzündungen führen, mit teilweise tödlichem Ausgang. Zudem verursacht eine Infektion hohe Kosten durch sinkende Milchleistung und tierärztliche Behandlungen sowie den potenziellen Verlust von Tieren. Weiterhin bedeuten Euterentzündungen einen erhöhten Arbeitsaufwand und ein beeinträchtigtes Tierwohl.

Das Unternehmen Boehringer Ingelheim Vetmedica hat nun die Zulassung für einen Impfstoff erhalten, der ein bestehendes Mastitis-Management ergänzt und dazu beitragen kann, Häufigkeit und Schwere von Mastitiden bei Kühen und Färsen durch E. coli und Staphylococcus aureus zu reduzieren.

Der neue inaktivierte Impfstoff erhöht die spezifischen Antikörperspiegel und konnte unter Feldbedingungen die somatische Zellzahl (SCC) bei geimpften Kühen senken. Durch die gezielte Stärkung der Immunabwehr in der Hochrisikophase der Laktation unterstützt der Impfstoff eine bessere Eutergesundheit, reduziert den Antibiotikaeinsatz und fördert Tierwohl sowie Leistungsstabilität.

Das Unternehmen weist auf seiner Internetseite darauf hin, dass eine Impfung in ein strategisches Mastitis-Kontrollprogramm integriert werden muss. Die Impfung stärkt die Kuh in ihrer Abwehr gegen die genannten Mastitiserreger. Allerdings muss der Erreger, um die Immunantwort in Gang zu setzen, erst in das Euter eindringen – die Infektion kann also, wie bei vielen anderen Impfungen auch, nicht verhindert werden. Die meisten klinischen Mastitisfälle treten am Anfang der Laktation bis in die Hochlaktation hinein auf. Um diese Zeitspanne bestmöglich abzusichern, hat sich die gut planbare Impfung der Trockensteher etabliert. Die rechtzeitige Impfung in der Trockenstehzeit stellt sicher, dass zum Laktationsstart schützende Antikörper gebildet worden sind.

Boehringer Ingelheim Vetmedica

BTK und bpt nehmen Stellung zum Eckpunktepapier des BMELH

Im vergangenen Monat hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat (BMELH) ein Eckpunktepapier zur Vereinfachung des nationalen Antibiotikaminimierungskonzeptes vorgelegt.

Dieses hat das Ziel, das nationale Antibiotikaminimierungskonzept durch das Tierarzneimittelgesetz (TAMG) zu entschlacken. Demnach sollen Nutztierhaltende von Bürokratie entlastet und die Zahl behördlicher Maßnahmenpläne landesweit um mehr als die Hälfte verringert werden.  

In einer gemeinsamen Stellungnahme begrüßten die Bundestierärztekammer (BTK) und der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) Anpassungen, die zu einer sachgerechteren Differenzierung von Tierhaltungs- und Produktionssystemen beitragen. Diese bringen aus ihrer Sicht eine Reduzierung des teils unnötigen Dokumentations- und Verwaltungsaufwands mit sich.

Des Weiteren gehen die Verbände in ihrem Schreiben detailliert auf einzelne Punkte des Eckpunktepapiers ein. Die Stellungnahme kann hier nachgelesen werden.

Pflanzenfresser sollen Landschaften widerstandfähiger gegen Waldbrände machen

Verheerende Waldbrände haben in zahlreichen europäischen Ländern für enorme Verwüstung gesorgt. Besonders schwere und teilweise unkontrollierbare Feuer haben in diesem Jahr in Frankreich und Spanien zu massenhaften Evakuierungen geführt. Aber auch Portugal, Griechenland, Zypern, Süditalien, die Türkei, die Ukraine und Teile Großbritanniens waren oder sind betroffen.

Nach Informationen des französischen Innenministers Laurent Nuñez haben die Brände seit Beginn des Jahres 119.000 Hektar Wald in seinem Land verwüstet. Weitgehend eingedämmt sind die Brände in den Regionen Madrid, Ávila und Toledo, wie auf dem Portal „Incendios España“ zu lesen ist. Demnach seien die meisten Evakuierungen und Ausgangsbeschränkungen in Spanien inzwischen aufgehoben.

Insgesamt haben die Waldbrände in Europa ein dramatisches Ausmaß erlangt. Die EU verfolgt daher einen neuen Ansatz gegen zukünftige Waldbrände. Neben einer feuerresistenten Vegetation und grünen Brandschneisen sollen Rinder, Pferde und Wisente als Brandschützer eingesetzt werden. Durch ihr Fressverhalten könnte neben der Reduzierung des Brandrisikos so auch die Artenvielfalt gefördert werden. Die Weidetiere halten die Vegetation kurz und verringern damit die Menge an leicht brennbarem Material, wodurch sich Brände langsamer ausbreiten können.

Während die Europäische Umweltagentur davon überzeugt ist, dass Wälder auf diesem Weg langfristig widerstandsfähiger gegen Feuer sein könnten, kritisieren Gegner, dass große Renaturierungsprojekte häufig ohne ausreichende Beteiligung der betroffenen ländlichen Bevölkerung umgesetzt würden.

Agrarheute

Handelsblatt

Neues Virus bei Rindern in Deutschland nachgewiesen

In Deutschland ist erstmals das Orthobunyavirus aus der Simbu-Serogruppe bei Rindern festgestellt worden. Der Nachweis erfolgte durch das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), nachdem mehrere Tiere in Süddeutschland klinische Symptome zeigten, die auf das Schmallenberg-Virus hinwiesen. Die Untersuchungen auf das Schmallenberg-Virus verliefen in der Folge jedoch negativ. Auch Infektionen mit dem Blauzungenvirus (BT) konnten ausgeschlossen werden.

Das neu nachgewiesene Orthobunyavirus wird durch blutsaugende Gnitzen übertragen und kommt vor allem in Afrika, Asien und Australien bei Wiederkäuern vor. Nach dem erstmals vor rund 15 Jahren nachgewiesenen Schmallenberg-Virus gibt es damit erneut gesicherte Hinweise auf die Einschleppung eines neuen Virus dieser Gruppe nach Deutschland.

Die vollständige Charakterisierung des Erregers soll in den kommenden Wochen erfolgen. Zudem arbeitet das FLI an der Anpassung und Entwicklung spezifischer diagnostischer Verfahren. Die Untersuchungen der kommenden Wochen werden zeigen, wie rasch sich das Virus ausbreitet, welche Tierarten besonders betroffen sind und mit welchen klinischen Folgen zu rechnen ist.

Die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Orthobunyaviren erfordere einen entsprechenden zeitlichen Vorlauf und setze umfangreiche Informationen über die klinische und insbesondere reproduktionsmedizinische Bedeutung des Erregers voraus, so Prof. Dr. Martin Beer, Vizepräsident des Friedrich-Loeffler-Instituts. Noch ließe sich auch nicht abschätzen, ob und in welchem Umfang Infektionen trächtiger Tiere zu Schädigungen der Feten führen können. 

Da die Gnitzensaison in Deutschland noch bis Ende November andauern kann, müsse mit einer weiteren und möglicherweise schnellen Ausbreitung des Virus in empfänglichen Tierbeständen gerechnet werden, so das FLI abschließend.

FLI

BTV-8-Ausbruch in Niedersachsen  

Erstmals im aktuellen Seuchenzug ist die Blauzungenkrankheit des Serotyps 8 (BTV-8) in Niedersachsen nachgewiesen worden. Betroffen ist eine Rinderhaltung in Herzberg am Harz im Landkreis Göttingen. Die nach dem BTV-Ausbruch in Hessen eingerichtete Restriktionszone wächst um weitere 150 Kilometer. Große Teile Niedersachsens liegen nun innerhalb dieser Sperrzone. Betroffen sind die Landkreise im Süden des Bundeslandes bis hin zu Teilen der Landkreise Osnabrück, Nienburg, Diepholz, Verden, Heidekreis, Uelzen und Lüchow-Dannenberg.

Für Rinder, Schafe, Ziegen, Lamas, Kamele und Alpakas gelten nun Einschränkungen, wenn diese aus der Zone heraus in noch BTV-8-freie Gebiete innerhalb Deutschlands oder in andere EU-Mitgliedstaaten verbracht werden sollen. Innerhalb der Zone bestehen keine Beschränkungen.

Schon seit Längerem gilt auch in Niedersachsen die Empfehlung, empfängliche Wiederkäuer gegen BTV-3 und BTV-8 zu impfen. Denn nur die Impfung schützt vor schweren Verläufen. Auch dürfen nur geimpfte Tiere aus der Sperrzone gebracht werden

Land und Forst

NDR

Schweinepreise weiter unter Druck

Während in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres die Erzeugerpreise für Rinder und Geflügel teilweise deutlich gestiegen sind, fielen die Preise für Schweine und Ferkel weiter.  Die Preise für Kälber nahmen im Vorjahresvergleich von rund 259 € auf 310 € pro Tier zu, was einem Plus von 21 % entspricht. Gründe für die Preissteigerungen waren unter anderem eine anhaltend gute Nachfrage und ein geringeres Tieraufkommen. Auch die Erlöse für Geflügelfleisch konnte im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 zulegen.

Auf der anderen Seite ist der Schweine- und Ferkelmarkt weiter massiv unter Druck. Die rückläufigen Erzeugerpreise sind das Ergebnis eines zunehmend schwierigen Fleischabsatzes, der die Nachfrage nach Schlachtschweinen erheblich gedrosselt hat. Auf dem an die Entwicklung gebundenen Ferkelmarkt kam es im Verlauf des Halbjahres zu einem spürbaren Angebotsüberhang. Mit durchschnittlich 53,40 € pro Tier lagen die Ferkelpreise um rund 22 % unter dem Niveau des Vorjahres.

Topagrar

Streichung der Weideprämie für Tierschutzbund nicht nachvollziehbar

Am 15.07.2026 hat die Bundesregierung im Rahmen eines Entlastungskabinetts über das sogenannte Bürokratierückbaugesetz beraten. So plant der Bund aktuell, die bereits im Jahr 2024 beschlossene, bundesweite Prämie (Öko-Regelung) für die Weidehaltung von Milchkühen im Rahmen der EU-Agrarpolitik (GAP) zu streichen, was vom Deutschen Tierschutzbund kritisiert wird. 

Dieser fordert die regierende Koalition auf, die geplante Streichung zurückzunehmen und die beschlossene Öko-Regelung umsetzen. Der Verband weist darauf hin, dass tierschutzgerechte Rinderhaltung nur mit Zugang zu einer Weide möglich sei. 

„Zugesagte Anreize für mehr Tierschutz zu streichen hat nichts mit Bürokratieabbau zu tun – es wäre ein fatales Signal!“, kommentiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Wer wirklich bessere Bedingungen für Tiere in der Landwirtschaft möchte, muss deshalb Betriebe, die vorangehen, auch verlässlich unterstützen – anstatt beschlossene Förderungen kurz vor dem Start wieder abzuräumen und damit für Vertrauensverlust und noch mehr Planungsunsicherheit zu sorgen.“

Lediglich ein Drittel aller in Deutschland gehaltener Rinder haben die Möglichkeit eines regelmäßigen Weideganges, was einer tierschutzgerechten Haltung der sozialen und bewegungsaktiven Tiere entspricht. Zehn Prozent aller Rinder stehen zudem noch in Anbindehaltung.

Der Koalitionsvertrag verspreche ausdrücklich die Ausweitung der Öko-Regelung für die Weidehaltung, so Schröder. „Eine Streichung ist daher umso weniger nachvollziehbar.“ Auch nach ausdrücklicher Empfehlung der Zukunftskommission Landwirtschaft sei es notwendig, die Gemeinsame Agrarpolitik so weiterzuentwickeln, dass sie gesellschaftliche und Ökosystemleistungen stärker honoriert, und das Budget für Öko-Regelungen anzuheben. 

Deutscher Tierschutzbund

Tierhaltung: Hitzetage erfordern Änderungen im Haltungsmanagement 

Der Sommer in Deutschland bleibt weiterhin heiß und trocken. Menschen sowie Haus- und Nutztiere leiden unter den anhaltend hohen Temperaturen. Das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) ruft daher Tierhaltende ausdrücklich auf, eventuell nötige Änderungen im Haltungsmanagement schnellstmöglich vorzunehmen.

Insbesondere Geflügelbetriebe stünden vor Herausforderungen durch die anhaltenden Extremtemperaturen, die in Verbindung mit hoher Luftfeuchtigkeit zu erhöhten Tierverlusten führen können, so das Ministerium. Demnach mussten nach dem letzten Juni-Wochenende eine rund dreimal größere Menge an Kadavern aus den niedersächsischen Geflügelhaltungen abgeholt werden.

Für Rinder, Schafe und Pferde, die auf der Weide gehalten werden, sollte immer ausreichender Witterungsschutz, Schatten und Zugang zu Wasser sichergestellt werden. Aufgrund der aktuell schwindenden Futtergrundlage müsse unter Umständen zugefüttert werden. 

Das Ministerium rät zudem, dass bei Hütehaltung keine großen Distanzen zurückgelegt und Aktivitäten wie Umtreiben, Tierbehandlungen, Tiertransporte etc. auf die kühleren Morgenstunden verschoben werden sollten.

Ministerium Niedersachsen

Tierhaltungsstrategie der EU wird unterschiedlich bewertet

Am 7. Juli 2026 hat die Europäische Kommission die Strategie für die Nutztierhaltung (Livestock Strategy) angenommen. Ziel der Strategie ist die Sicherstellung eines nachhaltigen und widerstandfähigen Tierhaltung in Europa.

„In der heute angenommenen Strategie wird ein zukunftsorientierter Ansatz für die Tierhaltung vorgeschlagen, bei dem die Tiergesundheit und der Tierschutz im Mittelpunkt stehen. Es ist das Ergebnis unseres umfassenden Konsultationsprozesses mit Interessenträgern in der gesamten Branche, insbesondere Landwirten, deren Ansichten sorgfältig berücksichtigt wurden. Durch Investitionen in Prävention, Innovation und Vorsorge helfen wir Tieren und Landwirten gleichermaßen“, erklärte Olivér Várhelyi, Mitglied der EU-Kommission für Gesundheit und Tierwohl in der vergangenen Woche.

Der Deutsche Tierschutzbund begrüßt den nun festgelegten Zeitplan für Tierschutzverbesserungen, kritisiert jedoch das Festhalten der Kommission an einer auf den Erhalt und Ausbau der Tierhaltung ausgerichteten Agrarpolitik. Stattdessen fordern die Tierschützer:innen den dringend notwendigen Wandel des Ernährungssystems.

„Mit dieser Strategie zementiert die Europäische Kommission ein System der Tierhaltung, das erhebliches Tierleid verursacht und zugleich Klima, Umwelt und Ressourcen belastet“, sagt Jürgen Plinz, Präsidiumsmitglied des Deutschen Tierschutzbundes und Board Member des europäischen Tierschutzdachverbands Eurogroup for Animals. „Wer Europas Landwirtschaft zukunftsfähig machen will, muss den Mut haben, den Umfang der Tierhaltung zu reduzieren und pflanzliche Proteine deutlich stärker zu fördern. Diese Chance lässt die Kommission ungenutzt.“

Europa brauche weniger Tiere in besseren Haltungssystemen – nicht eine Strategie, die den Tierschutz ausbremst, statt ihn voranzubringen, so Plinz weiter. Der Verband kritisiert besonders, dass die Strategie die Ursachen vieler Probleme der intensiven Tierhaltung ausblende. Zwar würden Maßnahmen zur Krankheitsprävention und Biosicherheit angekündigt, die Risiken hoher Tierbestände und Besatzdichten seien aber weitgehend unberücksichtigt geblieben.

Ganz anders das Urteil des Bundesverbandes Rind und Schwein e. V. (BRS). Er bewertet die EU-Tierhaltungsstrategie grundsätzlich positiv. Besonders begrüßt der Verband, dass die Nutztierhaltung ausdrücklich als strategisch wichtiger Sektor für Ernährungssicherheit, ländliche Räume, Biodiversität und Kreislaufwirtschaft anerkannt wird; ebenso den Ansatz, Tiergesundheit, Tierwohl, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit künftig stärker zusammenzudenken. Auch die angekündigte Förderung der Kreislaufwirtschaft, die Unterstützung von Innovationen sowie der Abbau bürokratischer Hürden werden ausdrücklich begrüßt.

Positiv bewertet der BRS zudem den europäischen Ansatz im Bereich der Tiergesundheit. Die stärkere Ausrichtung auf Prävention, Biosicherheit, Früherkennung und Krisenmanagement sei der richtige Weg. Auch die angekündigte Überprüfung der Kategorisierung von Tierseuchen im EU-Tiergesundheitsrecht wird als sinnvoll angesehen. Da Tierseuchen keine Landesgrenzen kennen, brauche es europaweit einheitliche Maßstäbe, klare Zuständigkeiten sowie verlässliche Bekämpfungs- und Finanzierungsmechanismen. Einen vergleichbar präventiven und strategischen Ansatz wünsche sich der Verband auch auf nationaler Ebene.

Ob die Strategie tatsächlich zu Verbesserungen für die Tierhaltung in Deutschland führe, hänge jedoch maßgeblich von ihrer konkreten Ausgestaltung ab, mahnt der BRS.

Deutscher Tierschutzbund

BRS

Virtuelle Zäune überzeugen im Praxistest

Schon seit längerem werden virtuelle Weidezäune als Alternative zu herkömmlichen Weidezäunen untersucht, da man sich davon mehr Flexibilität und weniger Kosten für die Einzäunung verspricht. Eine neue Studie der Universität Göttingen, die jetzt in der Fachzeitschrift Animal veröffentlicht wurde, zeigt, dass nicht die Art des Zauns entscheidend war, sondern die Grenze selbst – unabhängig davon, ob sie sichtbar ist oder nicht. Die Tiere hielten sich unabhängig vom System seltener in den Randbereichen auf, bewegten sich dort langsamer und nutzten vor allem die Weidemitte. Gleichzeitig führten die virtuellen Zäune zu einer gleichmäßigeren Verteilung der Tiere auf der Fläche.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass nicht der Zauntyp entscheidend ist, sondern die Wahrnehmung der Weidegrenze durch die Tiere“, sagt Erstautorin Dr. Natascha A. Grinnell von der Abteilung Graslandwissenschaft der Universität Göttingen. „Virtuelle Zäune werden von Rindern ähnlich zuverlässig respektiert wie herkömmliche Elektrozäune und sind aus Tierschutzsicht nicht grundsätzlich problematischer. Daraus ergeben sich neue Möglichkeiten für ein modernes und flexibles Weidemanagement.“

Universität Göttingen

Giftige Substanzen können Verbrennungen bei Rindern verursachen

Starke Sonneneinstrahlung in Kombination mit der Aufnahme giftiger Substanzen können bei Rindern zu extremen Verbrennungen der Haut führen. Diese Photosensibilitätsreaktion kann besonders bei hellen Rinderrassen wie Galloway auftreten.  

Die ersten Symptome dieser Reaktion sind Hautveränderungen, die zunächst wie ein starker Sonnenbrand aussehen. Nach Informationen von betroffenen Rinderhalter:innen folgen weitere Hautveränderungen, wie Rötungen und Verdickungen der weniger pigmentierten Hautflächen. Diese Stellen verfärben sich nach zwei oder drei Tagen dunkel und lösen sich von der Hautunterlage. Der ganze Prozess dauert rund zwei Wochen.

Analysen der Rinderklinik der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) zufolge sind größere Mengen giftiger Substanzen wie Johanniskraut  und Buchweizen Verursacher der Verbrennungen. Zudem können Leberegel schwere Symptome hervorrufen. Ein sofortiges Aufstallen und eine symptomatische Behandlung in Zusammenarbeit mit der/dem Tierärzt:in sind hier dringend angeraten.

Agrarheute

Große Veränderungen in der dänischen Landwirtschaft  

Der Strukturwandel in der Landwirtschaft zeichnet sich in Dänemark inzwischen deutlich ab. Wie auch in anderen Ländern, hat die Zahl der Betriebe stark abgenommen, während gleichzeitig die Zahl der größeren landwirtschaftlichen Betriebe spürbar gewachsen ist. 

Nach Informationen des dänischen Statistikamtes gab es zum Stichtag am 1. Juni 2026 noch rund 27.000 Betriebe, was einem Minus von knapp 48 Prozent im Vergleich zum Jahr 2005 entspricht. Währenddessen ist der Anteil der Höfe mit mehr als 400 Hektar von 0,6 % auf 5,4 % gestiegen. Kleine Höfe mit weniger als 30 Hektar stellen weiterhin über die Hälfte aller Betriebe; ihr Anteil ist von 2005 bis 2025 mit 53,9 % beziehungsweise 54,4% vergleichsweise stabil geblieben.

Die Zahl der Rinder oder Schweine haltenden Betriebe ist in den vergangenen 20 Jahren von 32,7 % auf 28,6 % bzw. von 17,4% auf 6,3% gesunken.

Topagrar

Neuerungen für Rinder- und Schweinebetriebe im QS-System

Mit Beginn der zweiten Jahreshälfte treten für tierhaltende, QS-zertifizierte Betriebe mit Rindern oder Schweinen zwei wichtige Änderungen in Kraft.

Ab 1. Juli muss eine betriebsindividuelle Biosicherheitsbewertung vorgelegt werden. Rinder- und Schweinehalter:innen sind dann verpflichtet, einen Nachweis über eine Risikobewertung eines möglichen Seucheneintrags für ihren Standort vorzuweisen. Sowohl ein behördlich anerkanntes Konzept als auch die Risikoampel der Universität Vechta gelten als möglicher Nachweis. Schweine haltende Betriebe können zudem den „Hygieneplan zum Schutz vor biologischen Gefahren“ nutzen, der im Zusammenhang mit der ASP-Statusuntersuchung eingesetzt wird. Für Betriebe mit Sauenhaltung gilt zudem die Bescheinigung über die Teilnahme am BayPHV als anerkannter Nachweis. 

Das QS weist darauf hin, dass Schweinehalter:innen bis spätestens 31. Juli die erforderlichen Antibiotikameldungen in der QS-Antibiotikadatenbank eingepflegt haben müssen. Liegen diese Daten nicht rechtzeitig vor, verlieren die Betriebe ihre Lieferberechtigung im QS-System so lange, bis die erforderlichen Angaben nachgereicht wurden.

Ab dem 1. Juli gelten die Vorgaben auch für Rindermäster:innen. Kann kein Therapieindex berechnet werden, entfällt die Lieferberechtigung für das QS-System. Die entsprechende Sperre wird zum 8. August wirksam.

Agrarheute

Einfache Maßnahmen können Mensch, Tier und Wald schützen

Die aktuell herrschenden Temperaturen stellen eine hohe Belastung für Mensch und Tier dar. Gleichzeitig steigt auch das Waldbrandrisiko in vielen deutschen Regionen wieder gefährlich an.

„Heiße Tage und tropische Nächte können für Mensch und Tier herausfordernd sein. Übermäßige Hitze kann gesundheitliche Folgen haben. Daher müssen wir insbesondere bei der erwarteten Hitze der kommenden Tage uns und unsere Tiere vor den hochsommerlichen Temperaturen schützen. Zudem steigt die Waldbrandgefahr im Land“, erklärt Marion Gentges, Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat des Landes.

Viel Flüssigkeit und nur leichte Kost können der Bevölkerung helfen, durch diese Hitzewelle zu kommen. Auch für Hunde und Katzen stellen die jetzigen Temperaturen eine Herausforderung dar, denn die Tiere schwitzen nicht und können hohe Außentemperaturen nur in begrenztem Maße kompensieren. Um einen Hitzschlag zu vermeiden, benötigen Haustiere ausreichend kühles Wasser und einen möglichen Rückzug in kühle und schattige Plätze. Ein Hitzestress zeigt sich durch Symptome wir schnelles Atmen oder Verwirrung. In diesen Fällen sollten umgehend Gegenmaßnahmen in Absprache mit dem Tierarzt eingeleitet werden.

Nutztiere müssen ebenfalls vor Hitze geschützt werden. Hitzestress kann zu Kreislaufproblemen, Leistungseinbußen, erhöhter Krankheitsanfälligkeit und im Extremfall auch zum Tod führen. „Auf der Weide würden den Tieren Zugänge zu Schattenplätzen, idealerweise natürlich durch Bäume oder Sträucher, helfen. Ställe sollten gut durchlüftet, durch Ventilatoren oder Luftströme gekühlt und vor direkter Sonne geschützt sein. Frisches, sauberes Wasser müsse immer verfügbar sein“, erklärt die Ministerin. Der Wasserbedarf steige bei Hitze stark an, daher sollten Tränken regelmäßig kontrolliert und nachgefüllt werden. Garten- oder Balkonbesitzer:innen helfen den heimischen Wildtieren durch das Bereitstellen von Tränken. „Diese sollten regelmäßig gereinigt und mit frischem Wasser gefüllt werden“, so Gentges.

Die Waldbrandgefahr steigt aktuell in den deutschen Wäldern, besonders im Osten und Süden des Landes. In einigen Regionen wie in Brandenburg, Bayern und Baden-Württemberg, gilt Stufe 4 von 5. „Daher gilt sich umsichtig zu verhalten, denn ein heißer Katalysator von einem unachtsam abgestellten Fahrzeug oder die Hitze eines Einweggrills kann ausreichen, um einen Waldbrand zu entfachen“, warnt Ministerin Gentges.

Sollten Waldbesucher bei ihrem Aufenthalt im Wald Rauch oder Feuer feststellen, bittet die Forstverwaltung darum, sofort den Notruf 112 zu wählen und die Feuerwehr zu verständigen. Eine schnelle Entdeckung und Meldung von Waldbränden hilft, das Ökosystem Wald aktiv zu schützen.

Ministerium Baden-Württemberg

Bundesrat: Tierschutz muss weiterentwickelt werden

In seiner Sitzung am vergangenen Freitag (12.06.2026) hat sich der Bundesrat für eine Wiederaufnahme der Tierschutzreform ausgesprochen. Das Plenum sieht einen dringenden Handlungsbedarf bei verschiedenen Themen und fordert die Bundesregierung zur Überarbeitung der bestehenden Regelungen auf. Das Verfahren war im Jahr 2024 nach dem Ende der Ampel-Koalition ausgesetzt worden.

So begrüßen die Ländervertreter:innen zwar die geplante Einführung einer verpflichtenden Videoüberwachung in größeren Schlachthöfen, die Maßnahmen sind nach ihrer Sicht aber längst nicht ausreichend. Der Bundesrat fordert daher zusätzliche Maßnahmen bei Tierschutzkontrollen in Verarbeitungsbetrieben für tierische Nebenprodukte (VTN-Betriebe) sowie eine weitere Reduzierung nicht-kurativer Eingriffe.

Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte sieht in der Kameraüberwachung einen wichtigen Baustein zur Weiterentwicklung einer tierschutzgerechten Schlachtung, betrachtet die Neuregelung jedoch lediglich als einen ersten Schritt. Die Ministerin weist auf weiteren Handlungsbedarf unter anderem bei den Mindestanforderungen für die Putenhaltung hin. Eine Empfehlung des Agrarausschusses zum kürzlich ergangenen Putenhaltungs-Urteil hingegen fand im Plenum keine Mehrheit. Dieser wollte festhalten, dass ein erheblicher Teil der Nutztiere bislang nur unzureichend durch das Tierschutzrecht geschützt sei.

Geflügelnews

Mit 50.000 Unterschriften für Verbot von Tiertransporten

Am 14. Juni findet jedes Jahr der Internationale Tag gegen Tiertransporte  (Ban Live Exports Day) statt. Dieser weltweite Aktionstag macht auf die grausame Realität von Tiertransporten aufmerksam, auf denen jedes Jahr Schweine, Rinder und Geflügel millionenfach großes Leid erfahren. Anlässlich dieses Gedenktages hat die Animal Welfare Foundation gemeinsam mit Partnerorganisationen knapp 50.000 Unterschriften gegen Tiertransporte in Krisen- und Kriegsgebiete an die Europäische Kommission übergeben. Der Verein erneuert damit seine Forderung nach einem Ende des Exports lebender Tiere in Krisengebiete sowie ein generelles Verbot von Langstreckentransporten in Drittstaaten.

Neben dem massiven Stress und Leid für die Tiere über Tage und Wochen auf Lastwagen und Schiffen stellen die Transporte in politisch instabile Regionen ein großes Risiko dar, wie u.a. ein Vorfall im Mai 2026 vor der Küste Omans gezeigt hat. Hier war ein indisches Tiertransportschiff  mit rund 4.000 Schafen und Ziegen auf dem Weg nach Somalia von einer Bombe oder Drohne getroffen worden und gesunken

Trotz der seit Februar 2026 andauernden Eskalation im Nahen Osten sind nach Angaben von Animal Welfare mehr als 50 Schiffstransporte nach Behördengenehmigung in Krisenregionen durchgeführt worden, unter anderem nach Israel, in den Libanon und in weitere Staaten der Region. Bezugnehmend auf das geltende EU-Recht fordert die Tierschutzorganisation einen sofortigen Stopp von Transporten von lebenden Tieren in Krisengebiete, da hier ein ausreichender Schutz keinesfalls gewährleistet werden kann.

Animal Welfare Foundation

Rückläufige Tierhaltung gefährdet Grünland

Der Strukturwandel in der Nutztierhaltung hat dazu geführt, dass sowohl die Fleischproduktion als auch der gesamte Nutztierbestand in Deutschland seit Jahren rückläufig ist. Die Hauptgründe liegen an einem veränderten Konsumverhalten, gestiegenen Kosten für Futter und Energie sowie geringen Erlösen und letztendlich auch an den verschärften gesetzlichen Auflagen. Der Rückgang der Weidetierhaltung beeinflusst aber auch das Grünland.

Durch die sinkende Nachfrage nach Grünlandfutter bestehe die Gefahr, dass die bisher benötigten Flächen langfristig nicht mehr genutzt und gepflegt werden. Das wiederum habe negative Auswirkungen auf Biodiversität und Landschaftsbild, erklärt Prof. Dr. Andre Deppermann von der Technischen Hochschule Bingen. Um die Risiken zu identifizieren, hat der Wissenschaftler ein Forschungsprojekt ins Leben gerufen, in dem verschiedene Daten systematisch zusammengeführt werden, um Risiken zu identifizieren.

Das Projekt „Entwicklung eines integrierten Analyserahmens für die Landnutzung in Rheinland-Pfalz“ läuft von Juni 2026 bis Mai 2028 und wird von der Carl-Zeiss-Stiftung im Rahmen des Programms „CZS Forschungsstart“ mit rund 236.000 Euro gefördert. Ziel des Vorhabens ist, Szenarien zu gefährdeten Regionen zu erstellen. Langfristig soll das Projekt zur Reform der Europäischen Gemeinsamen Agrarpolitik beitragen.

Das Forschungsprojekt richtet sich an Akteur:innen in Rheinland-Pfalz, darunter Politik, Verwaltung und Praxis, die sich mit der Nutzung und Pflege von Grünlandflächen befassen. 

TH Bingen

Hessen schreibt Tierwohlpreis aus

Tierwohl in der Nutztierhaltungwird in Hessen ernst genommen. So hat sich die Landesregierung das Ziel gesetzt, das Leben und Wohlbefinden, die Unversehrtheit sowie die Würde von Tieren besonders zu schützen. Verschiedene Maßnahmen wurden bereits umgesetzt, um diesem Ziel näher zu kommen. So hat die Regierung unter anderem Tierschutzindikatoren entwickelt sowie die Qualifizierung und Fortbildung Nutztierhalter:innen und Weiterentwicklung der rechtlichen Anforderungen vorangetrieben.

Zudem haben die hessischen Veterinärbehörden Kontrollen in den landwirtschaftlichen Betrieben, bei Tiertransporten und der Schlachtung oder Tötung von Tieren intensiviert. Mittels einer Informationsplattform, die das Hessische Umweltministerium und die hessische Landestierschutzbeauftragte gemeinsam mit der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) ins Leben gerufen haben, soll die Umsetzung von mehr Tierwohl in den Ställen unterstützt werden. Hier können sich Tierhaltende über kritische Haltungsbedingungen als auch charakteristisches Tierverhalten bei nicht artgerechter Haltung informieren.

Und auch in diesem Jahr hat das Landwirtschaftsministerium den Hessischen Preis „Tierwohl in der Landwirtschaft“ 2026 ausgeschrieben. Für den mit 17.000 Euro dotierten Preis sucht das Ministerium beispielhafte und innovative Projekte für eine zukunftsfähige Tierhaltung. Bis zum 1. September 2026 können Vorschläge von Bewerber:innen selbst eingereicht oder auch von Dritten benannt werden.

Um aktuelle Probleme des Tierschutzes geht es auch in der gleichnamigen Hybrid-Veranstaltung am 3. und 4. September 2026. Die Teilnahme ist sowohl vor Ort in Hannover oder online im Live-Stream möglich. Eine Anmeldung ist bis zum 31. August 2026 um 16 Uhr möglich

Ministerium Hessen

Tierseuchen: Schweiz beschließt Gesetzesänderung

Der Bundesrat der Schweiz hat in der vergangenen Woche einen Gesetzesentwurf zur Änderung des Tierseuchengesetzes verabschiedet. Mit der Reform soll eine gesetzliche Grundlage geschaffen werden, damit Behörden schnell und rechtssicher auf Tierseuchen reagieren können. Demnach sollen Nutztiere im Fall von Tierseuchen unter bestimmten Bedingungen schneller auch mit nicht zugelassenen Impfstoffen geimpft werden können.  

Voraussetzung ist, dass in der Schweiz kein alternativ anwendbares und gleichwertiges Tierarzneimittel zugelassen und verfügbar ist und auch kein entsprechendes im Ausland zugelassenes Präparat eingeführt werden kann. Der Bundesrat verweist auf den Ausbruch des Blauzungenkrankheit (BTV) im Spätsommer 2024. Mangels Impfstoffs mit entsprechender Zulassung hatte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) eine Allgemeinverfügung erlassen müssen, um den Import und die Verteilung eines nicht zugelassenen Impfstoffs zu ermöglichen.

Die Gesetzesänderung könne in Krisensituationen von entscheidender Bedeutung sein, so der Bundesrat. Die Bewilligung sei befristet und diene ausschließlich dazu, eine Versorgungslücke im Tierseuchenfall zu überbrücken, teilt der Bundesrat weiter mit. Der ordentliche Zulassungsprozess werde dadurch nicht ersetzt.

Die Europäische Union verfügt bereits über eine entsprechende gesetzliche Grundlage. Mit der vorgeschlagenen Regelung schafft die Schweiz vergleichbare gesetzliche Möglichkeiten, eine Benachteiligung des Alpenstaates bei der Bekämpfung zu vermeiden.

Bundesrat Schweiz

Zwei Kälber in Texas von Larven der Schraubenwurmfliege befallen

Die Neue Welt-Schraubenwurmfliege (NWS) ist ein verheerender Schädling, dessen Larven sich in das Fleisch lebender Tiere einbohren. In der Regel legen NWS ihre Eier in offenen Wunden oder Körperöffnungen von Rindern und Wildtieren ab. Unbehandelt können die Maden schwere, oft tödliche Schäden verursachen.

Während NWS in Kuba, der Dominikanischen Republik sowie einigen südamerikanischen Ländern endemisch ist, gilt der Parasit in den USA als ausgerottet. Seit dem Jahr 2024 breitet sich die Neue Welt-Schraubenwurmfliege jedoch von Mexiko in Richtung USA aus. Nun hat das US-Landwirtschaftsministerium USDA den ersten NWS-Fall bestätigt. Bei zwei Kälbern in Texas wurde der Parasit nachgewiesen.

Die Behörden haben eine 20-Kilometer-Befallszone rund um den Fundort eingerichtet. Zudem haben sie Tierhaltende aufgerufen, ihre Nutz- und Haustiere regelmäßig auf mögliche Anzeichen eines Befalls zu untersuchen. Das Landwirtschaftministerium weist zudem darauf hin, dass Körperöffnungen wie Nase, Ohren und Genitalbereich sowie Nabel neugeborener Tiere regelmäßig untersucht werden sollten, um auszuschließen, dass sich Larven oder Eier dort befinden. Bei einem Verdachtsfall sollte umgehend die zuständige Tiergesundheitsbehörde oder der zuständige USDA-Amtstierarzt informiert werden. 

Als Reaktion hat Kanada als erstes Land einen Importstopp verhängt. Demnach dürfen Rinder und Pferde nicht eingeführt werden, wenn sie sich innerhalb von 21 Tagen vor dem Grenzübertritt in Texas aufgehalten haben.

Agrarheute

Bayern erhöht Fördergelder für Tierwohlprogramm

Der Freistaat Bayern wird auch in diesem Jahr das Tierwohlprogramm „BayProTier“ fortsetzen. Trotz angespannter Haushaltslage stellt die Landesregierung insgesamt mehr als 15,6 Millionen für das Förderprogramm zur Verfügung. Mit der Fördersumme, die im Vergleich zum letzten Förderzeitraum um 3,5 Millionen Euro erhöht wurde, können rund 1.200 Betriebe sowohl bei Investitionen als auch bei den laufenden Mehrkosten besonders tierwohlgerechter Haltung unterstützt werden.

„Tierwohl hat für uns weiterhin höchste Priorität. Unser Programm gleicht die laufenden Mehrkosten moderner Tierwohlställe aus und wird von den Betrieben sehr gut angenommen. Das zeigt: Wir unterstützen genau dort, wo die Landwirtschaft verlässliche Partner braucht“, erklärt Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber.

Landwirtschaftliche Betriebe können ab sofort wieder Anträge stellen. Alle bisherigen Maßnahmen werden auch in 2026 mit unveränderten Anforderungen fortgeführt.

Für die Zukunft der heimischen Landwirtschaft fordert Kaniber vom Bund endlich langfristige Planungssicherheit für die Betriebe: „Wer mehrere hunderttausend oder sogar Millionen Euro in einen neuen Stall investiert, braucht Verlässlichkeit und keine ständig wechselnden Vorgaben.“

Ministerium Bayern

Deutsche Bio-Milchproduktion weiter rückläufig

In Deutschland ist die Nachfrage nach Biomilchprodukten im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Nach Informationen des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) wurden in 2025 6,7 Prozent mehr abgesetzt. Gleichzeitig geben immer mehr Bio-Produzent:innen ihren Betrieb auf, wie der Deutsche Bauernverband (DBV) erklärt. Im vergangenen Jahr stiegen annähernd 400 Biobetriebe mit Rinderhaltung aus, obwohl die Molkereien einen höheren Preis für Biomilch zahlten.

Der DBV sieht das Ziel, einen Anteil von mehr als 25 Prozent Ökolandbau zu erreichen, inzwischen „in weite Ferne gerückt“. Die „praxisferne gesetzliche Auslegung der EU-Öko-Verordnung durch die EU-Kommission“ sei die Hauptursache für die hohe Anzahl an Betriebsaufgaben, so der Verband. Denn auch in den Nachbarländern zeige sich eine ähnliche Entwicklung. Hier stellten seit 2021 zwischen 10 und 15 Prozent der Bio-Milchbauern wieder auf konventionelle Produktion um.

Darum fordert der Verband nun in einem Positionspapier zur Zukunft des Ökolandbaus eine grundlegende agrarpolitische Kurskorrektur. Darin werden sowohl praxistaugliche und gleichzeitig tierwohlgerechte Regelungen als auch verlässliche Investitionsbedingungen für die Öko-Tierhaltung gefordert. Zudem ist nach Meinung des Verbandes eine „verfahrensoffene“ Gestaltung der Kreislaufwirtschaft im Ökolandbau und eine stärkere Förderung praxisnaher Forschung notwendig, um die Effizienz im Ökolandbau zu steigern.

Ohne funktionierende Nährstoffkreisläufe verliert der Ökolandbau seine Grundlage, warnt der DBV. EU, Bund und Länder seien daher gefordert, die gesetzlichen Regelungen praxisgerecht anzupassen. Andernfalls drohe dem Ökolandbau ein struktureller Rückgang – mit negativen Folgen für die betroffenen Betriebe, aber auch für die Umweltleistungen des Ökolandbaus und die regionale Wertschöpfung. 

DBV

Verbot der Anbindehaltung in Niedersachsen in Kraft getreten

Als erstes deutsches Bundesland steigt Niedersachsen aus der Anbindehaltung für Rinder aus.  Am gestrigen Dienstag (02.06.2026) sind die niedersächsischen Veterinärbehörden über das Inkrafttreten des Runderlasses informiert worden und haben nun vier Wochen Zeit, die Untersagung der Anbindehaltung mittels Allgemeinverfügung öffentlich bekanntzugeben.

„In Zukunft wird in Niedersachsen kein Rind mehr sein Leben im Stall angebunden verbringen. Ich bin froh und dankbar, dass die unterschiedlichsten Interessengruppen aus Landwirtschaft, Wissenschaft und Tierschutz beim ‚Niedersächsischen Tierschutzplan für nachhaltige Nutztierhaltung‘ gemeinsam einen Ausstiegsplan erarbeitet haben, sich vereint hinter dieses Ziel stellen und an einem Strang ziehen. Das ist wirklich etwas ganz Besonderes und kann Vorbild für ganz Deutschland sein. Auf diesen gemeinsamen Ausstiegsplan können alle Beteiligten stolz sein“, erklärt Landwirtschafts- und Tierschutzministerin Miriam Staudte.

Für die Landwirt:innen sind Übergangsfristen vorgesehen. Abhängig von der Haltungsform sind diese nun aufgerufen, binnen einer bestimmten Frist mitzuteilen, ob sie beabsichtigen, die Anbindehaltung auf ein anderes Haltungssystem umzustellen oder die betroffene Rinderhaltung aufzugeben.

Betriebe mit saisonaler, kombinierter oder Anbindehaltung von männlichen Mastrindern, die ihrer Meldepflicht nicht nachkommen oder beabsichtigen, die betroffene Rinderhaltung aufzugeben, müssen diese mit Ablauf von fünf Jahren ab Bekanntgabe der Allgemeinverfügung beenden.

„Wer die Bilder sieht, wenn Rinder nach dem Winter wieder auf die Weide gelassen werden, weiß, dass sie Bewegung lieben. Viele landwirtschaftliche Betriebe haben bereits in den vergangenen Jahren in mehr Tierwohl investiert und halten ihre Rinder in Laufställen oder bieten ihnen darüber hinaus noch Hof- und Weidegang. Es ist nur fair, wenn künftig alle Betriebe die Anforderungen nach artgerechter Bewegungsmöglichkeit erfüllen müssen. Dank angemessener Umstellungsfristen haben alle anderen Tierhalterinnen und Tierhalter ausreichend Zeit, nachzuziehen. Über das Agrarinvestitionsförderprogramm können entsprechende Zuschüsse beantragt werden. Und über unsere Diversifizierungsrichtlinie ermöglichen wir den Umstieg auf andere Einkommensquellen. Die Landwirtschaftskammer unterstützt die Betriebe mit einer fachlichen Beratung“, so die Ministerin abschließend.

Ministerium Niedersachsen

Deutscher Tierschutzbund erneuert Forderung nach Verbot der Anbindehaltung

Heute (1.6.) ist der Internationale Tag der Milch. Aus diesem Anlass hat der Deutsche Tierschutzbund seine Forderung nach einem Verbot der Anbindehaltung für Rinder noch einmal bekräftigt. Laut Angaben der Tierschutzorganisation werden in Deutschland für die Produktion von Kuhmilch noch immer 410.000 Milchkühe in Anbindehaltung gehalten. Hinzu kommen Jungtiere, Bullen und Färsen.

„Milch entsteht nicht im idyllischen Bilderbuchstall, sondern oft unter Bedingungen, die aus Tierschutzsicht nicht akzeptabel sind. Kühe sind soziale und bewegungsaktive Tiere – dennoch werden noch immer hunderttausende von ihnen den Großteil des Jahres oder sogar dauerhaft angebunden“, erklärt Dr. Melanie Dopfer, Fachreferentin für Tiere in der Landwirtschaft beim Deutschen Tierschutzbund. Der Verband fordert ein klares gesetzliches Verbot sowohl für die ganzjährige als auch für die saisonale Anbindehaltung. „Das Anbinden von Rindern ist ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz“, so Dopfer.

Gleichzeitig sind auch die Verbraucher:innen aufgefordert, mit ihrer Kaufentscheidung ein Zeichen zu setzen.

Deutscher Tierschutzbund

Praxisnetzwerk SwissVets soll tiermedizinische Versorgung von Nutztieren sichern

Das Schweizer Praxisnetzwerk SwissVets betreibt in der Deutschschweiz aktuell sechs Tierarztpraxen mit Schwerpunkt Nutztiermedizin. Der Eintritt der Agrargenossenschaft fenaco im Juni 2026 soll dem Netzwerk eine langfristige Entwicklungsperspektive geben, erklärt Ulrich Witschi, Präsident des Verwaltungsrats von SwissVets.

Als neue Mehrheitsaktionärin von SwissVets wird die fenaco Genossenschaft gemeinsam mit Swissgenetics, der Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter (ASR) und weiteren Kleinaktionären daran arbeiten, die tiermedizinische Versorgung in ländlichen Regionen der Schweiz langfristig zu sichern. Dafür soll das Netzwerk in der nahen Zukunft um weitere Nutztierpraxen erweitert werden.  

„Mit der Beteiligung an SwissVets will die fenaco einen Beitrag zur langfristigen Sicherung der medizinischen Versorgung für Nutztiere in der Schweiz leisten. Das entspricht unserem genossenschaftlichen Zweckauftrag. Gleichzeitig stärken wir unsere Position als Nahversorgerin für essenzielle Bedürfnisse der Bevölkerung auf dem Land“, betont Michael Feitknecht, Vorsitzender der Geschäftsleitung der fenaco.

Aktuell stehen viele selbstständige Großtierärzt:innen vor der Pensionierung, haben aber Probleme, Nachfolger:innen für ihre Praxis zu finden. Jüngere Veterinärmediziner:innen lehnen meist jedoch die Übernahme einer Einzelpraxis mit 24-Stunden-Notfalldienst ab und entscheiden sich stattdessen für die Mitarbeit in einer bestehenden Praxisstruktur. Das Konzept von SwissVets  soll dieser Entwicklung entgegenwirken.

fenaco

Rindertuberkulose: Baden-Württemberg trifft Vorbereitungen

Das seit Jahren durchgeführte Monitoring der Rotwild-Tuberkulose in Tirol hat eine erneute Zunahme der Infektionen in einzelnen Regionen gezeigt. Damit steigt auch das Risiko einer Übertragung auf Rinder, die während der Alpung Weideflächen gemeinsam mit Rotwild nutzen. Das haben Ausbrüche von Rindertuberkulose (M. bovis, TBC) in den vergangenen Monaten, zuletzt im April 2026 im österreichischen Vorarlberg, belegt.
 
Die aktuelle Entwicklung wird von dem baden-württembergischen Agrarministerium intensiv beobachtet. In dem Land gab es zuletzt im Jahr 2024 Fälle der TBC. Zwar gäbe es keinen Grund zur Beunruhigung, aber Vorbereitungen für das Übergehen der Krankheit auf Rinder aus dem Südwesten seien getroffen worden, so das Ministerium. Bereits seit dem Jahr 2013 werden alle
zurückkehrenden Weidetiere, die auf bayerischen und österreichischen Almen aufgetrieben worden sind, getestet.

„Die Untersuchung der rückkehrenden Weidetiere von bayerischen und österreichischen Almen hat sich bewährt und wird fortgesetzt“, teilte ein Sprecher mit. 

Die anzeigepflichtige Tierseuche kann unter Umständen vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Bei einem positiven TBC-Nachweis in einem Betrieb müssen laut dem Bundeslandwirtschaftsministerium alle Rinder des Bestands getestet sowie erkrankte Tiere gekeult werden.

Proplanta

Zahl der Milchviehbetriebe in Ostdeutschland nimmt weiter ab

Im Osten Deutschlands schreitet der Strukturwandel in der Nutztierhaltung massiv voran. So habe sich die Zahl der Milchviehbetriebe in den fünf ostdeutschen Bundesländern bereits stark verringert, erklärt Klaus Siegmund vom Interessenverband Milcherzeuger (IVM). Während vor gut 30 Jahren noch rund 4.760 Milchkuhbetriebe in der Region gezählt wurden, könnten in 10 Jahren möglicherweise nur noch 500 bis 700 Betriebe aktiv sein. Gleichzeitig dominierten immer mehr Großbetriebe den Markt, betonte Siegmund auf der IVM-Jahrestagung in der vergangenen Woche, auf der auch das 35-jährige Verbandsbestehen gefeiert wurde.

Damit einhergehend wurden seit 2015 1 Mio. Tonnen Milch weniger produziert, was einem bundesweiten Anteil an 18,4 Prozent entspricht. Ein Grund für den Strukturwandel ist nach Angaben des Branchenexperten der stark unterschiedliche Modernisierungsgrad der ostdeutschen Milchviehbetriebe.

Der Milchindustrieverband (MIV) hob anlässlich des Jubiläums die zielorientierte Zusammenarbeit hervor. Dabei sei der IVM als „durchaus kritischer, aber auch konstruktiver Begleiter“ der eigenen Verbandsarbeit aufgetreten. Als ein wichtiger Beitrag zur Transparenz in der Milchbranche seien Zahlen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in der Vergangenheit kritisch hinterfragt worden, so MIV-Hauptgeschäftsführer Björn Börgermann.

Schweizerbauer

Datenbank für Falltiere gefordert

In Deutschland versterben jedes Jahr Millionen Nutztiere auf landwirtschaftlichen Betrieben schon vor der Schlachtung. Die Hauptgründe sind Krankheiten oder Verletzungen, die sich Geflügel und Schweine sowie andere Tiere aufgrund von schlechten Haltungsbedingungen zuziehen. Wie hoch die Zahl der sogenannten Falltiere genau ist, steht nicht fest. Lediglich für Rinder wird jährlich eine Zahl ermittelt, die bei ca. 500.000 Tieren pro Jahr liegt.

Der Deutsche Tierschutzbund fordert daher von der Bundesregierung, eine Datenbank über die Sterblichkeitsraten von Nutztieren zu erstellen, um einen grundlegenden Überblick über die tatsächliche Zahl der Tiere, die die Schlachtung gar nicht erst erreichen, sondern verenden oder notgetötet werden müssen, zu erhalten.

 „Die Bundesregierung hat offensichtlich kein Interesse daran zu wissen, wie viele Tiere in Deutschland “für die Tonne” gezüchtet werden“, kritisiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Trotz bestehender Strukturen zur Entsorgung der Tiere werden diese Daten nicht systematisch gesammelt oder ausgewertet. Dadurch bleibt unsichtbar, wie groß das tatsächliche Ausmaß von Tierverlusten in der Landwirtschaft ist und wo die größten tierschutzrelevanten Probleme liegen.“

Gemäß Koalitionsvertrag sollte „eine praxistaugliche Rechtsgrundlage für Kontrolle und Kennzeichnung von toten Tieren in Verarbeitungsbetrieben tierischer Nebenprodukte“ geschaffen werden, was bisher nicht umgesetzt wurde, so der Verband. Die Tierschützer:innen fordern daher eine verpflichtende bundesweite Erfassung aller „Falltiere“ und ihrer Todesursachen in einer Datenbank.

Deutscher Tierschutzbund

EU-Parlament fordert mehr Unterstützung von heimischen Tierhaltenden

Ende April 2026 hat das Europäische Parlament eine Entschließung zur stärkeren Unterstützung der Tierhaltenden in Europa verabschiedet. Darin fordern die Parlamentarier:innen die Europäische Kommission auf, Maßnahmen festzulegen, um die Tierhaltenden vor der Konkurrenz durch Importe aus Drittstaaten zu schützen und eine Verlagerung der Produktion ins außereuropäische Ausland zu verhindern.

Neben Maßnahmen zur Sicherung der Budgets der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), der Berücksichtigung der EU-Standards für Tierschutz, Tiergesundheit und Umweltverträglichkeit in allen Handelsabkommen und einer optimierten Vermarktung von EU-Tierprodukten im Ausland, fordert das Parlament unter anderem auch eine verbesserte EU-Koordinierung bei Impfstrategien, Früherkennungssystemen und Datenaustausch, einschließlich einer zentralen Impfdatenbank sowie Entschädigungsregelungen für von Krankheitsausbrüchen betroffene Landwirt:innen.

Mit diesen Maßnahmen soll der zunehmende ökonomische, ökologische und soziale Druck der Tierhaltenden verringert werden, damit ein weiterer Rückgang der Tierzahlen in Europa verhindert wird.

BRS

Erneuter Rinder-Diebstahl in Brandenburg

Nachdem bereits im April diesen Jahres 70 junge Rinder aus einem Stall in Brandenburg entwendet worden sind, ist es nun zu einem weiteren Rinder-Diebstahl in dem Bundesland gekommen. Betroffen ist ein Landwirt aus Raddusch im Spreewald, dessen 48 Rinder von der Weide gestohlen wurden. Wie die Polizei in Cottbus mitteilt, war der Landwirt im Begriff, seine Tiere zu impfen, als er den Diebstahl feststellte. Der rein finanzielle Schaden betrage rund 75.000 Euro, so die ermittlende Kriminalpolizei.

Der Vorstandsvorsitzende der von dem Diebstahl im April betroffenen Agrargenossenschaft, Michael Jänsch, vermutet, dass die Täter:innen mit einem Sattelschlepper rückwärts an den Stall gefahren sind, nachdem sie das Tor aufgebrochen hatten. Darauf hatten Lkw-Spuren hingedeutet. Die 70 entwendeten Rinder gehören der Rasse Deutsches Schwarzbuntes Niederungsrind an, sind alle weiblich und zwischen drei und sechs Monate alt. Noch nicht geklärt ist bis jetzt, wo Tiere in beiden Fällen gebracht worden sind. Da die Polizei noch völlig im Dunkeln tippt, ist die Bevölkerung dringend aufgerufen, sich mit Hinweisen an sie zu wenden.

NTV

Mehr Geld für Rinderhaltende bei TBC-Ausbrüchen

Offiziell gilt Frankreich als frei von der Rindertuberkulose. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde ANSES wurden besonders im Südwesten des Landes sowie in der Normandie immer wieder TBC-Ausbrüche nachgewiesen. Trotz umfangreicher Überwachungs- und Bekämpfungsmaßnahmen hatten diese Ausbrüche lokal teils erhebliche Auswirkungen. Zu einer der möglichen Ursachen zählt die lange Überlebensdauer des Erregers in der Umwelt, wodurch auch indirekte Infektionen möglich sind.

Um die Rinderhalter:innen im Fall eines Tuberkulose-Ausbruchs besser zu entschädigen, hat die französische Regierung nun die Entschädigungszahlungen deutlich erhöht. Demnach erhalten die Landwirt:innen über zwei Jahre eine pauschale Zahlung in Höhe 3.350 Euro für jedes gekeulte Tier. Wie Landwirtschaftsministerin Annie Genevard mitteilt, gilt die Regelung rückwirkend ab Beginn des Wirtschaftsjahres 2025/26. Weiterhin können sich künftig die Tierhaltenden auch Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen vollständig staatlich finanzieren lassen, die Kosten für den Abtransport der gekeulten Tiere werden ab sofort ebenfalls erstattet. Im Rahmen des Programms zur vorübergehenden Produktionsausfallkompensation können Beihilfen für Milchbetriebe künftig erhöht werden.

Mit der Erhöhung der Zahlungen beugt sich die Regierung den Forderungen verschiedener Agrarverbände. Die begrüßen den Beschluss und erwarten, dass dadurch Maßnahmen zur Bekämpfung der Rindertuberkulose konsequenter umgesetzt werden. Gleichzeitig fordern sie die vollständige Umsetzung des Tuberkulose-Maßnahmenplans für den Zeitraum 2024 bis 2029.

Landwirt-Media

Schweizerbauer

Videoüberwachung in Schlachthöfen soll Pflicht werden

Die Einführung einer verpflichtenden Videoüberwachung in größeren Schlachthöfen steht kurz vor der Entscheidung. Mitte der vergangenen Woche hat die Bundesregierung den Entwurf eines 5. Gesetzes zur Änderung des Tierschutzgesetzes beschlossen. Wenn der Bundestag dem Gesetzesentwurf zustimmt, sollen Schlachtbetriebe ab einer festgelegten Größe ab dem 1. Januar 2027 verpflichtet werden, Videoaufzeichnungen von tierschutzsensiblen Vorgängen am Schlachthof anzufertigen und diese der zuständigen Kontrollbehörde zur Verfügung zu stellen.

Das Gesetz soll für Betriebe gelten, die jährlich 150.000 Geflügel-Tiere oder 1.000 sogenannte Großvieheinheiten schlachten, also 1.000 Rinder oder 5.000 Mastschweine. Kleinere Schlachtbetriebe sollen demnach von dieser Verpflichtung ausgenommen sein. Jedoch sieht das Gesetz vor, dass die Landesbehörden eine Videoüberwachung auch für kleinere Betriebe anordnen können, wenn tatsächliche Anhaltspunkte für Verstöße gegen Tierschutzvorschriften bestehen.

„Die Kameras sind wie ein Tierschutz-Assistent“, erklärt  Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer. „Wer Tiere auf den letzten Metern ihres Lebens schlecht behandelt, muss dafür geradestehen.“

BMLEH

Proplanta



Mecklenburg-Vorpommern bündelt Wolfsmanagement im Ministerium

Am 30. April wird jedes Jahr der internationale Tag des Wolfes begangen. Diesen Tag sowie die veränderten rechtlichen und fachlichen Rahmenbedingungen hat das Land Mecklenburg-Vorpommern (MV) zum Anlass genommen, wichtige Weichen für die Zukunft des Wolfsmonitorings im Land zu stellen. So soll das bisher in Jasnitz angesiedelte Wolfskompetenzzentrum künftig organisatorisch in das Agrarministerium integriert werden. Zudem arbeitet das Land derzeit an einem eigenen Wolfsmanagementplan.

„Wir reagieren damit auf neue Anforderungen im Umgang mit dem Wolf. Mit der Bündelung im Ministerium stellen wir sicher, dass fachliche Expertise, rechtliche Bewertung und politische Steuerung noch enger verzahnt sind“, erklärt Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus.

In MV leben aktuell 26 Wolfsrudel und zwei Paare (2024/25: 28 Rudel, 5 Paare, ein Einzeltier). Trotzdem die Population stabil geblieben ist, wurden mehr Nutztierrisse verzeichnet. In den vergangenen 19 Jahren hat das Land mehr als 270.000 Euro an Kompensationszahlungen beglichen.

„Diese Entwicklung zeigt, dass wir den Schutz des Wolfs und die berechtigten Interessen der Weidetierhalter gemeinsam denken müssen. Unser Ziel ist ein funktionierendes Wolfsmanagement, das beides in den Blick nimmt“, so Backhaus.

Mit der neuen Bündelung sollen sowohl Entscheidungswege verkürzt als auch Abläufe verbessert sowie die Handlungsfähigkeit im Wolfsmanagement weiter gestärkt werden. Das Kompetenzzentrum bleibt dabei eine zentrale Schnittstelle zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und Verwaltung.

Abschließend warb der Minister für einen sachlichen Umgang mit dem Thema: „Der Wolf polarisiert. Umso wichtiger ist es, dass wir faktenbasiert diskutieren und praktikable Lösungen entwickeln. Unser Anspruch ist es, sowohl dem Artenschutz als auch den Interessen der Menschen im ländlichen Raum gerecht zu werden.“

Ministerium Mecklenburg-Vorpommern

Tierärzt:innen leisten wichtigen Beitrag zur öffentlichen Gesundheit

Veterinärmediziner:innen leisten einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Zukunft. Darauf weist die österreichische Tierärztekammer anlässlich des am vergangenen Samstag begangenen World Veterinary Day hin.

Der Welttierärztetag hat das Ziel, die zentrale Rolle der Tierärzt:innen für Gesellschaft und öffentliche Gesundheit sichtbar zu machen. „Unsere Arbeit als Tierärzt:innen reicht weit über die medizinische Versorgung von Tieren hinaus: Wir sind Frühwarnsystem, Seuchenbekämpfer:innen und wirtschaftliche Stabilitätsfaktoren zugleich“, erklärt ÖTK-Präsident Mag. Kurt Frühwirth.

So leisten Tierärzt:innen einen wichtigen Beitrag zu einer resilienten Landwirtschaft, unter anderem durch die Betreuung von Betrieben im Bereich Biosicherheitsmaßnahmen, was in Anbetracht grassierender Tierseuchen besonders bedeutsam sei, so Frühwirth.

„Wir Tierärzt:innen erkennen Entwicklungen frühzeitig und tragen entscheidend dazu bei, geeignete Gegenmaßnahmen einzuleiten – zum Schutz von Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit und letztlich auch der menschlichen Gesundheit“, betonte der ÖTK-Präsident. „Tierärzt:innen sichern nicht nur das Wohl der Tiere, sondern auch wirtschaftliche Existenzen. Tierärztliche Arbeit wirkt sich direkt auf Produktivität, Qualität und Nachhaltigkeit der Lebensmittelproduktion aus.“

ÖTK

Südafrika geht mit umfangreichen Impfungen gegen MKS vor

In Südafrika grassiert seit August vergangenen Jahres die Maul- und Klauenseuche (MKS). Schwerste Ausbrüche verzeichnete das Land besonders im Februar 2026. Inzwischen hat sich die Seuche in fast allen Provinzen ausgebreitet. Als Konsequenz unterliegen viele landwirtschaftliche Betriebe der Quarantäne. Zudem wurden Viehauktionen eingestellt sowie Tiertransporte gestoppt, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. 

Angesichts der sich verschärfenden Lage hat sich Südafrika Impfstoffe gesichert. Nach den Angaben der südafrikanischen Regierung hat das türkische Unternehmen Dollvet zwei Millionen Dosen Maul- und Klauenseuche-Impfstoff geliefert, die in den kommenden Tagen je nach Tierbestand und Risiko an die Provinzen verteilt werden sollen. Das Landwirtschaftsministerium teilte zudem mit, dass weitere vier Millionen Dosen bestellt worden seien. Fünf Millionen Impfstoffdosen hat das Ministerium außerdem in Argentinien bestellt. Die Lieferung soll in zwei Tranchen erfolgen, sobald die südafrikanische Arzneimittelbehörde die Importgenehmigung erteilt hat, hieß es in der Erklärung

Nach Meinung zahlreicher Viehhalter:innen hat die Regierung Südafrikas jedoch viel zu spät auf das Seuchengeschehen reagiert, was daher zu massiven Verluste geführt habe. So drohen der Regierung einige Klagen seitens der Tierhalter:innen..

Nach Plänen der Regierung sollen 80 % der etwa 14 Millionen Rinder in dem Land geimpft werden. Das Landwirtschaftsministerium gab bekannt, dass es einen Teil der Impfstoffdosen für die Schweinehaltung bereitstellen werde, da auch Schweine von Maul- und Klauenseuche betroffen sein können.

The Pig Site

EuroTier: DLG-VetCon folgt dem bpt-Jahreskongress

Seit 30 Jahren findet die EuroTier alle zwei Jahre auf dem Messegelände Hannover statt. Der Startschuss für die diesjährige Ausgabe fällt am 10. November. Ab dann werden sich erneut mehr als 100.000 Besucher:innen auf der Weltleitmesse für professionelle Tierhaltung und Livestock-Management über Neuigkeiten in der Branche umsehen.
 
Von 2008-2024 hat der Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt) seinen Jahreskongress im Zweijahresrhythmus parallel zur EuroTier auf dem Messegelände durchgeführt. Ab diesem Jahr wird der bpt-Kongress allerdings von der Weltleitmesse abgekoppelt und neun Tage später beginnen.

Um den Groß- und Bestandstierärzt:innen im Rahmen der EuroTier jedoch weiterhin eine Plattform für den fachlichen Austausch zu bieten, findet am 12. und 13. November 2026 erstmals die DLG-VetCon – powered by EuroTier statt. Die von der Akademie der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) organisierte Fachveranstaltung verbindet Weiterbildung, Networking und Innovationsschau. Eine Foyerausstellung begleitet die DLG-VetCon. 
 


Zielgruppe sind Groß- und Bestandstierärzte für die Tierarten Rind, Schwein und Geflügel, die sich auf eine Vielzahl an Vorträgen mit renommierten Expertinnen und Experten aus Veterinärmedizin und Tierhaltung, Workshops mit praxisnahen Inhalten und Lösungsansätzen, Guided Tours über die EuroTier mit exklusiven Einblicken in technische Innovationen sowie einem Networking-Abend freuen können.

DLG

Erst Parasitenbehandlung, dann Weideaustrieb

Im Frühjahr heißt es für viele Rinder endlich wieder hinaus auf die Weide. Vor dem Weideaustrieb sollten die Tiere aber noch gegen Parasiten behandelt werden, rät der Bundesverband für Tiergesundheit (BfT). Eine betriebsindividuelle, gezielte und verantwortungsbewusste Strategie gegen Parasiten sei ein unverzichtbarer Baustein für dauerhaften Erfolg und gesunde Rinder.

Denn Tiergesundheit ist die Voraussetzung für das Wohlbefinden der Tiere, für die Erzeugung sicherer Lebensmittel und für eine ökonomische, nachhaltige und effiziente Produktion. Parasiten wie Würmer, Einzeller und Leberegel schwächen jedoch das Immunsystem, stressen die Tiere und führen oftmals zu langanhaltenden Leistungseinbußen.

Die Parasitenbehandlung zum Frühjahrsaustrieb ist – in Ergänzung zu einem angepassten Weidemanagement – eine der erfolgreichsten Maßnahmen in Rinder haltenden Betrieben. Der Fokus liegt in erster Linie auf Jungrindern sowie trächtigen Färsen. Die Parasitenbelastung lässt sich dadurch dauerhaft senken. Dabei richtet sich die Notwendigkeit von Bekämpfungsmaßnahmen auf der Weide nach der Besatzdichte, dem Jahresverlauf und der Beschaffenheit der Weide. Auch regionale Unterschiede sind zu beachten, wie zum Beispiel beim großen Leberegel. Regelmäßige Untersuchungen von Kotproben der Jungtiere, aber auch Tankmilchuntersuchungen, geben darüber Aufschluss und erleichtern die Wahl der richtigen Behandlungsstrategie.

Im Austausch mit der Tierärztin bzw. dem Tierarzt sollten Rinderhalter:innen prüfen, eine Parasitenbekämpfung zum Weideaustrieb in das betriebsindividuelle Konzept einzubeziehen, zumal wirksame Mittel und Behandlungskonzepte in ausreichendem Umfang zur Verfügung stehen.

Zusätzlich sind weidehygienische Maßnahmen als Unterstützung der medikamentösen Bekämpfung aber unverzichtbar, ebenso wie die regelmäßige Reinigung und Desinfektion im Stall. Unter dem Begriff Biosicherheit sind alle Maßnahmen zusammengefasst, die dazu beitragen, die Kontamination der Tierbestände mit Krankheitserregern bzw. die Ausbreitung der Erreger, ausgehend von infizierten Tieren, zu verhindern. 

Die Initiativplattform GesundesKalbGesundeKuh.de bietet in kompakter Form einen Startpunkt, um tiefer in fachliche Empfehlungen unterschiedlicher Quellen einzutauchen. Neben dem Modul zur Parasitenkontrolle stehen Module zur Euter-, Kälber-, Stoffwechsel- und Klauengesundheit für Landwirte zur Verfügung. 

Mehr zum Thema Biosicherheit in Rinderbeständen finden bestandsbetreuende Tierärzt:innen in Form von Online-Fortbildungen bei Myvetlearn.de

Sachsen stoppt Nutztiertransporte nach Nahost

Vor mehr als fünf Wochen ist die Situation im Nahen Osten eskaliert. Seitdem herrscht Krieg in der Region. Als Konsequenz wurde der Flugverkehr stark eingeschränkt, zudem arbeiten teilweise die Behörden nur begrenzt. Aus diesem Grund hat nach Niedersachsen nun auch das Land Sachsen beschlossen, Tiertransporte in diese Region auszusetzen. Denn die Transportdauer sei aktuell unkalkulierbar und stelle ein zu großes Risiko für Stress und Tierleid dar, sagt Sozialministerin Petra Köpping.
 
„Das Wohl der Tiere auf dem Transport und nicht zuletzt auch die Gesundheit der begleitenden Beschäftigten können derzeit nicht sichergestellt werden. Deshalb muss der Handel von Nutztieren in die vom Krieg betroffenen Länder und die Anrainerstaaten momentan ausgesetzt werden. Dies dient der Sicherheit von Mensch und Tier. Unkalkulierbare Verzögerungen oder auch Umleitungen der Transporte können deren Dauer erheblich verlängern. Damit steigt das Risiko für Stress, Verletzungen und Leiden der Tiere deutlich an. Das ist nicht hinnehmbar“, betont die Ministerin.

Das Verbot von Tiertransporten in die Kriegsregion soll so lange bestehen bleiben, wie die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland bestünden.

Ministerium Sachsen

Fleisch gewinnt in Deutschland an Beliebtheit

Nachdem viele Jahre lang der Fleischkonsum der Menschen in Deutschland stetig gesunken ist, zeichnet sich seit 2023 ein Aufwärtstrend ab. Im dritten Jahr hintereinander ist der Pro Kopf-Verbrauch gestiegen. Nach dem bislang tiefsten Stand in 2022 mit 52,7 kg pro Person hat sich der Appetit auf Fleisch im vergangen Jahr wieder vergrößert (54,9 kg). Laut Informationen des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) sind das 1,4 kg mehr im Vergleich zu 2024.

Die Beliebtheit von Geflügelfleisch hat dabei stark zugenommen und macht inzwischen mehr als ein Viertel des gesamten Fleischkonsums in Deutschland aus (14,7 kg/Person). Neben der zunehmenden Beliebtheit von Hähnchenfleisch könnte auch der niedrigere Anstieg der Verbraucherpreise von Geflügelfleisch im Vergleich zu den anderen Fleischsorten Grund für den Anstieg sein. Aber sowohl Schweine- als auch Rindfleisch haben laut der Statistik leicht zugenommen.

Doch während der Verzehr steigt, ist die Nettofleischproduktion (Schlachtmenge) in Deutschland nach vorläufigen Angaben um 0,3 Prozent auf 7,3 Millionen Tonnen Schlachtgewicht gesunken. Einen großen Anteil daran hatten die rückläufigen Rinderschlachtungen. Die Geflügelpest hatte zudem einen großen Anteil an der rückläufigen Geflügelfleischproduktion und hat einen Rückgang um 1,5 Millionen Tonnen verursacht.

Zur Deckung des gestiegenen Bedarfs mussten höhere Mengen an Fleisch importiert werden. Die Einfuhren legten um knapp 11% auf 3,6 Mio. Tonnen zu.

BMEL-Statistik

BHV-1 im Kreis Kleve nachgewiesen

Nachdem der Kreis Kleve (NRW) gerade eine heftige Zeit mit zahlreichen Geflügelpestausbrüchen sowie 340.000 toten Tieren in Geflügelbetrieben hinter sich gebracht hat, ist hier nun eine neue Tierseuche nachgewiesen worden. Ein Rinderbetrieb in Kee­ken ist in der vergangenen Woche positiv auf das Bovine Herpesvirus (BHV-1) getestet worden. Neben dem Haupt­be­trieb sind wei­tere Stand­orte auf der ande­ren Rhein­seite betrof­fen. Insgesamt mussten 1.100 Tiere gekeult werden, um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden.

Innerhalb dieses Gebietes wurden zudem weitere Untersuchungen in den Rinderbeständen angeordnet. BHV-1 ist eine anzeigepflichtige Tierseuche und für Rinder hochansteckend. Das Virus wird von Tier zu Tier übertragen, aber auch indirekt über Geräte oder Menschen, die mit Tieren arbeiten. Daher appellieren die Veterinärbehörden an die Tierhalter:innen, ihre Biosicherheitsmaßnahmen zu überprüfen.

Myvetlearn.de bietet Tierärzt:innen die 9-teilige Online-Reihe Biosicherheit in der tierärztlichen Bestandsbetreuung zur Weiterbildung an. Kurs 3 beschäftigt sich mit Rinderbeständen.

WDR

Massenkeulungen in Sibirien deuten auf MKS-Ausbruch hin – Behörden dementieren

Die russischen Behörden haben die Massenkeulung von Vieh angeordnet im sibirischen Nowosibirsk angeordnet. Der vermeintliche Grund: Fälle von Tollwut und Pasteurellose. Die fünf Bezirke Bagansky, Kupinsky, Cherepanovsky, Ordynsky und Karasuksky wurden unter Quarantäne gestellt.

Nach Informationen von Anwohner:innen erfolgten die Tötungen auch von gesunden Tieren ohne tierärztliche Untersuchungen und ohne ordnungsgemäße Genehmigungen. Offiziell werde lediglich von einer angeblich besonders gefährlichen Krankheit gewarnt. Die Landwirt:innen, die an der offiziellen Darstellung der Behörden zweifeln,  fürchten um ihre Existenz.

Zur Eindämmung dieser nicht weiter benannten Krankheit hat die Regionalregierung nun den Notstand ausgerufen, um auch eine „effektive Koordination der Maßnahmen“ zu ermöglichen und die Bewegung von Tieren einzuschränken, wie Landwirtschaftsminister Andrej Schindelow erklärt.

Der Widerstand gegen die drastischen Maßnahmen und die mangelnde Kommunikation unter den Tierhaltenden wächst täglich und lässt die Menschen auf die Straße gehen. So sollen Bewohner:innen Fahrzeuge blockiert haben, die zur Tötung der Tiere eingesetzt wurden. Auch soll es zu Konfrontationen mit Polizei und Behörden gekommen sein. Die Bäuer:innen zweifeln an der Darstellung von Behördenseite, denn sowohl Tollwut als auch Pasteurellose erfordern keine flächendeckende Tötung ganzer Tierbestände.

Die durchgeführten Maßnahmen haben eher den Anschein, dass es sich um Ausbrüche der hochansteckenden Maul- und Klauenseuche (MKS) handelt. Diese würde tatsächlich eine Tötung aller Tiere im Umkreis eines Ausbruchs erfordern. Hinweise darauf sehen Kritiker:innen unter anderem auch darin, dass auch Kamele getötet wurden – Tiere, die als Paarhufer ebenfalls für die MKS empfänglich sind. Die Behörden bestreiten jedoch einen MKS-Ausbruch. Ein möglicher Vertuschungsgrund könnten jedoch Handelsbeschränkungen sein. Kasachstan und Belarus sollen allerdings schon Importstopps aus Teilen Sibiriens verhängt haben.

Die Behörden reagieren bislang vor allem mit Druck: Neben Festnahmen wird laut dem Nachrichtenportal auch von Einschüchterungsversuchen der Landwirt:innen berichtet.

NTV

Euronews

Ausbruch der Maul- und Klauenseuche auf Lesbos

Auf der griechischen Insel Lesbos gibt es einen bestätigten Ausbruch der hochansteckenden und anzeigepflichtigen Maul- und Klauenseuche (MKS). Der Ausbruch wurde in einem Rinderzuchtbetrieb im nordöstlichen Teil der Insel, in der Region Pelopi, festgestellt, wie Agrobite berichtet.

Die zuständigen griechischen Behörden haben schnell gehandelt und strenge Kontrollmaßnahmen am und rund um den Ausbruchsort angeordnet. Sämtliche Exporte von Rindern, Schafen, Ziegen und Schweinen sowie von deren Produkten und Verarbeitungsprodukten wurden gestoppt. 

Dieser Ausbruch auf Lesbos zeigt, dass die Bedrohung durch die MKS in der Region wächst. Denn zuvor war am 20. Februar 2026 auf Zypern im Bezirk Larnaca ein MKS-Ausbruch festgestellt worden. Dort wurde der Virus-Serotyp SAT1 nachgewiesen, der normalerweise in Nordafrika, Asien und der Türkei vorkommt. Der auf Lesbos nachgewiesene Virus-Serotyp wird derzeit im Labor getestet.

Für Reisende auf Zypern wie Lesbos bedeutet das, jeden Kontakt zu Nutz- und Wildtieren zu vermeiden, keine Viehzuchtbetriebe, Märkte oder Ausstellungen zu besuchen und auf keinen Fall tierische Produkte (Fleisch, Milch, Käse usw.) im persönlichen Gepäck auszuführen.

Aber nicht nur in Südeuropa breitet sich das Virus aus. Auch in Deutschland gab es Anfang Januar 2025 einen MKS-Fall bei Wasserbüffeln in Brandenburg. In Deutschland konnte das Virus rasch getilgt werden und es gilt wieder der Status „MKS-frei ohne Impfung“. Anschließend breitete sich das Virus in Ungarn aus. Seit Sommer 2025 gibt es auch in verschiedenen Regionen Südafrikas immer wieder MKS-Ausbrüche.

Deutschland und Südafrika wollen nun gemeinsam den Kampf gegen die MKD angehen. Dafür hat Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer mit seinem südafrikanischen Amtskollegen John Steenhuisen eine sogenannte Joint Declaration of Intent unterzeichnet. Ziel der gemeinsamen Absichtserklärung ist der fachliche Austausch sowie die Stärkung der Bekämpfung- und Präventionsmöglichkeiten der Tierseuche.

„Die Auswirkungen eines Tierseuchenausbruchs trifft jede Agrar- und Lebensmittelwirtschaft hart. Nur mit sorgfältig geplanten Präventionsmaßnahmen und einer entschlossenen Bekämpfung lassen sich die Auswirkungen begrenzen“, betonte Rainer. „Von einer vertieften Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Südafrika profitieren beide Länder. Deutschland kann wertvolle Erfahrungen weitergeben und gleichzeitig zeigen, dass regionale Ausbrüche nicht zwangsläufig zu einem jahrelangen Importstopp führen müssen. Die Vereinbarung ist für unsere exportorientierte Agrar- und Lebensmittelwirtschaft ein wichtiges Signal.“

Die Kooperationspartner wollen einen weiteren Fokus auf die Unterstützung der Betriebe im Bereich der Biosicherheit legen. Auch bei der Diagnostik und praktikable Monitoringsysteme werden die Länder eng zusammen arbeiten.

BMELH

Jetzt für Tierschutzpreise bewerben!

Auch in diesem Jahr werden wieder Tierschutzpreise in zahlreichen Bundesländern vergeben. Wir haben einige für Sie aufgelistet:

Im Zentrum des Tierschutzpreises des Landes Sachsen-Anhalt stehen nachahmungswerte Schulprojekte, die Kindern und Jugendlichen den verantwortungsvollen Umgang mit Tieren vermitteln. Schulen in Sachsen-Anhalt mit Arbeitsgemeinschaften oder Projekten, die sich intensiv mit dem Schutz von Nutz- oder Heimtieren befassen, können sich noch bis Ende März 2026 bewerben.

Ab April 2026 (Termin wird noch bekanntgegeben) können sich Menschen, Initiativen und Vereine, die sich mit voller Leidenschaft und Engagement für den Tierschutz einsetzen und gleichzeitig den Tieren helfen, für den Deutschen Tierschutzpreis 2026 bewerben. Im vergangenen Jahr gab es erstmals eine eigene Kategorie für ein Kinder- oder Jugendtierschutzprojekt, um der Nachwuchsarbeit im Tierschutz eine besondere Gewichtung zu geben.

Das Thüringer Ministerium für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie verleiht seinen Tierschutzpreis in 2026 bereits zum 32. Mal. Einzelpersonen, Gruppen oder landwirtschaftliche Betriebe, die sich durch außergewöhnliches Engagement und innovative Projekte im Bereich Tierschutz hervorgetan haben, können für die Kategorien Karitativer Tierschutz oder Artgerechte Haltung landwirtschaftlicher Nutztiere vorgeschlagen werden oder sich selber bewerben. Eine Bewerbung ist bis zum 31. Mai 2026 möglich.

Auch die Bayerische Staatsregierung zeichnet jedes Jahr Personen und Institutionen mit Sitz bzw. Wohnort in Bayern aus, die sich um den Tierschutz besonders verdient gemacht haben. Über die Vergabe des mit 12.000 Euro dotierten Tierschutzpreises entscheidet eine Fachjury. Zusätzlich wird der Tierschutz-Sonderpreis des Staatsministers verliehen. Bewerbungsschluss ist der 15. Juni 2026.

Der Tierschutzforschungspreis 2026 wird vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) ausgeschrieben. Nominierungsschluss ist der 31. März 2026. Nominierungsberechtigt sind die nationalen 3R-Zentren sowie die Leitungen nationaler Forschungseinrichtungen im Bereich der Lebens- und Naturwissenschaften. Die Preisträger:innen erhalten ein Preisgeld von bis zu 100.000 Euro.

Außerdem wird der Erwin-Becker-Preis – Pferd 2026 im Rahmen des DVG-Vet-Congresses im Oktober 2026 in Berlin verliehen. Die mit 1.000 Euro dotierte Auszeichnung der DVG-Fachgruppe Pferdekrankheiten würdigt alle zwei Jahre herausragende wissenschaftliche Arbeiten (Originalarbeiten) zu Pferden oder Equiden, die innerhalb der letzten zwei Jahre publiziert wurden. Bewerbungsschluss ist der 31.5.2026. Mehr Informationen dazu im DTBL 2/2026, S. 230.

Bereits am 15.5.2026 endet die Ausschreibungsfrist für den mit 20.000 Euro dotierten Stockmeyer Wissenschaftspreis 2026. Dieser Preis zeichnet herausragende lebensmittelwissenschaftliche Forschungsarbeiten aus. Die prämierten Arbeiten bestechen durch praktikable Lösungsansätze und anwendungsorientierte Forschung, die im Sinne des Stiftungszwecks zur Verbesserung der Lebensmittelsicherheit und des Verbraucherschutzes sowie zur Stärkung des Verbrauchervertrauens in die Qualität und Sicherheit von Lebensmitteln beitragen.

Nutztierforum 2026: Umbau der Tierhaltung muss planbarer werden

In der vergangenen Woche sind Expert:innen bei dem diesjährigen Nutztierforum am Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) zusammengekommen, um über die aktuellen Herausforderungen der tiergerechten Aufzucht von Rindern und Schweinen zu diskutieren.

Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus (SPD) eröffnete die Veranstaltung und forderte mehr Investition in die Forschung. „Nutztierhaltung ist ein tragender Pfeiler unserer Landwirtschaft, unserer Ernährungssicherheit und unserer ländlichen Räume. Sie sichert Wertschöpfung, Arbeitsplätze und eine verlässliche regionale Versorgung“, so Backhaus. Der Minister warnte vor einer leichtfertigen Schwächung der Lebensmittelproduktion: „Ernährungssicherheit beginnt im Stall – und sie endet nicht an der Supermarktkasse.“ Bundesweit würden Tiere und tierische Erzeugnisse 39,3 Milliarden Euro erwirtschaften – mehr als die Hälfte des landwirtschaftlichen Produktionswertes.

So machte der Minister auch klar, dass das Streben nach mehr Tierwohl, besseren Haltungsbedingungen und resilienten Systeme nicht einhergehe mit Politik, „die Betriebe in die Knie zwingt und Produktion ins Ausland verlagert“. Der Umbau der Tierhaltung müsse planbar, praxisnah und wettbewerbsfähig gestaltet werden. „So bleiben Wertschöpfung und Know-how in der Region – und zugleich werden hohe Standards bei Tierwohl und Umwelt gesichert.“

Der Minister unterstrich zudem die herausragende Rolle des FBN in Dummerstorf: „Ohne wissenschaftlich fundierte Lösungen wird es keine gesellschaftliche Akzeptanz geben. Das FBN forscht vom Tier her – und genau das brauchen wir: Wissen statt Schlagworte.“

„Die tiergerechte Aufzucht von Kälbern und Ferkeln ist ein zentrales, wissenschaftlich belegtes Fundament für gesunde, leistungsfähige und resilientere Tiere. Beim Nutztier-Forum 2026 bündeln wir Erkenntnisse aus vorgeburtlichen Einflüssen, Fütterungsstrategien, Zuchtplanung und tiergerechter Praxis, um gemeinsam praktikable Wege zu entwickeln, die Tierwohl, Gesundheit und nachhaltige Produktion verbinden. Die Forschung am FBN liefert dafür evidenzbasierte Antworten – für eine zukunftsorientierte Nutztierhaltung“, betonte FBN-Vorstand Prof. Klaus Wimmers.

FBN

Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht beschlossen

Der Wolf wird als grundsätzlich jagdbare Tierart ins Bundesjagdgesetz aufgenommen. Dem von der Bundesregierung vorgelegten Gesetzentwurf zur Änderung des Bundesjagdgesetzes hat der Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat in der vergangenen Woche zugstimmt.

Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf soll das Ziel verfolgt werden, die bestehenden Maßnahmen zum Schutz von Weidetieren vor Wölfen, insbesondere des präventiven Herdenschutzes, um die Option der Bejagung als Teil eines Bestandsmanagements zu ergänzen und so dem Anliegen einer tragfähigen Balance zwischen den Interessen der Wirtschaftsbeteiligten an der Vermeidung von Schäden sowie dem Interesse der Allgemeinheit am Schutz des Wolfs Rechnung zu tragen.

Mit dem Beschluss könnte das Gesetz noch vor Beginn der diesjährigen Weidesaison in Kraft treten. Die weiteren Termine im parlamentarischen Gesetzgebungsverfahren sind nur noch eine reine Formsache.

Mit der Gesetzesänderung sollen die Regelungen zur Jagd auf den Wolf bundesweit einheitlich vollzogen werden. In einem Entschließungsantrag von Union und SPD zur Änderung des Bundesjagdgesetzes werden die Länder angehalten, mehr Haushaltsmittel für Herdenschutzmaßnahmen zu verwenden. Weiterhin sieht der Antrag einige Klarstellung von Formulierungen im Gesetzentwurf der Bundesregierung vor. Für den Begriff „günstiger Erhaltungszustand“ soll auf die Definition im EU-Recht verwiesen werden. Liegt dieser Zustand bei einer Population nicht vor, soll die zuständige Behörde Maßnahmen zur dauerhaften Verbesserung ergreifen. 

Wie Helmut Dammann-Tamke, Präsident des Deutschen Jagdverbandes (DJV) in einer Sachverständigenanhörung im Ernährungsausschuss zu Beginn der Woche erklärte, müsse schnell und unbürokratisch gehandelt werden, um Problemwölfe möglichst zu erlegen. Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf werde spät, aber nicht zu spät, einer sich veränderten Wirklichkeit Rechnung getragen. Herdenschutz bleibe jedoch weiterhin notwendig und müsse dauerhaft gefördert werden, so der DJV-Präsident. 

Auch der Deutsche Bauernverband (DBV) begrüßt die Gesetzesnovelle. Die Landwirtschaft brauche beim Wolf endlich Rechtssicherheit statt unverbindlicher Absichtserklärungen, mahnte DBV-Generalsekretärin Stefanie Sabet. Notwendig sei zudem eine generelle Entnahmequote von 40 % des Wolfzuwachses. In Regionen, in denen Herdenschutz technisch oder wirtschaftlich nicht vertretbar sei, müsse sichergestellt werden, dass sich keine Wölfe ansiedelten.

Deutscher Bundestag

Agrarheute

Bis zu 200 Rinder in Norditalien von IBR-Ausbruch betroffen

Die Infektiöse Bovine Rhinotracheitis (IBR), eine anzeigepflichtige Viruserkrankung bei Rindern, die durch das Bovine Herpesvirus-1 (BHV-1) ausgelöst wird, breitet sich aktuell unter Rindern im Norden Italiens aus. In den vergangenen Wochen sind zwischen 150 und 200 Tiere in Betrieben im südlichen Trentino positiv auf das Virus getestet worden.

Die Landwirt:innen sind besorgt, da sich BHV-1 rasant zwischen Tieren ausbreiten kann. Neben der Tatsache, dass der IBR-Erreger zunächst keine sichtbaren Symptome zeigt, beunruhigt die Tierhalter:innen auch, dass in der Region seit über 20 Jahren gegen diesen Erreger angekämpft wird. Diese jahrelange Latenz kann die IBR so schwer beherrschbar machen.

Erkrankte Tiere zeigen Symptome wie hohes Fieber, eitrig-schleimigen Nasenausfluss, Husten und Atemnot sowie einen starken Rückgang der Milchproduktion. Bei trächtigen Kühen kann eine Infektion Fehlgeburten auslösen. Eine Übertragung des Erregers auf den Menschen ist hingegen ausgeschlossen.

Deutschland gilt seit annähernd neun Jahren als BHV-1-frei. Das Monitoring und die Bekämpfung durch strenge Verordnungen der Krankheit wurde jedoch fortgesetzt, um den Status zu sichern.

Merkur

Sachsen-Anhalt meldet Tierschutzverstöße in jeder fünften Tierhaltung

In Sachsen-Anhalt haben behördliche Kontrolleur:innen im Jahr 2024 in mehr als 20 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe Verstöße festgestellt. Das geht aus dem gerade vorgelegten Tierschutzbericht des Ministeriums für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten des Landes hervor. Wie das Ministerium mitteilt, ist die Gesamtzahl der Verstöße jedoch um 10,5 % zurückgegangen. Insgesamt wurden 2.190 Betriebe im Jahr 2024 kontrolliert. Die meisten Verstöße hätten die Kontrolleur:innen in Schweine-, Rinder-, Schaf- und Ziegenhaltungen dokumentiert.

Neben der mangelhaften Versorgung und Behandlung kranker und verletzter Tiere hätten die Behörden auch bei der Futter- und Wasserversorgung, der Pflege und Unterbringung sowie bei der Verfügbarkeit von fähigem Personal Verstöße entdeckt. Bei 17 Kontrollen seien schwerwiegendste Verstöße festgestellt worden, so der Bericht. Gerichtliche Maßnahmen waren in zwölf Fällen nötig. Eine unzureichende finanzielle, personelle und räumliche Ausstattung der Betriebe sei hauptsächlich die Ursache für die schwerwiegendsten Verstöße gewesen.

„Tierschutz ist ein kontinuierlicher Prozess, der nur durch gemeinsames Engagement von Politik, Landwirtschaft, des Handels, aber auch jedes einzelnen Bürgers – erfolgreich sein kann“, erklärt Landwirtschaftsminister Michael Richter. „Es ist wichtig, dass wir in der Landwirtschaft innovative Lösungen fördern, die Tierschutz und Wirtschaftlichkeit miteinander verbinden.“

MDR

Ministerium Sachsen-Anhalt

Hessen nun fast vollständig BTV-Handelsrestriktionszone

Nachdem zu Beginn dieser Woche die Blauzungenkrankheit vom Serotyp 8 (BTV-8) im rheinland-pfälzischen Landkreis Mainz-Bingen sowie im hessischen Kreis Bergstraße nachgewiesen worden ist, musste die ursprüngliche Sperrzone entsprechend vergrößert werden. Wie das Hessische Landwirtschaftsministerium mitteilt, befindet sich das Land Hessen mit nur wenigen Ausnahmen innerhalb der BTV-8-Handelsrestriktionszone.

Um Tiere vor schweren Krankheitsverläufen zu schützen, wird Halter:innen von Rindern, Schafen und Ziegen dringend geraten, ihre Tiere gegen die BTV-Serotypen 3, 4 und 8 schnell impfen zu lassen. Im Falle der Impfung gegen BTV-4 und 8 kann ein Kombinationsimpfstoff eingesetzt werden. Die Tatsache, dass BTV-4 in den vergangenen Jahren in Frankreich nachgewiesen wurde, lässt vermuten, dass sich dieser Serotyp auch in Deutschland ausbreiten wird.

Mit einer weiteren Ausbreitung von BTV-8 in Deutschland sei zu rechnen, so das Ministerium weiter. Denn mehrere BTV-8-Ausbrüche in Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und Sachsen lassen auf ein erhöhtes Risiko schließen. Die Impfungen sollten vor der nächsten Infektionswelle abgeschlossen sein, die mit einer Vermehrung der Stechmücken, die das Virus übertragen, in der wärmeren Jahreszeit beginnt.

Landwirtschaftsministerium Hessen

HPAI seit 20 Jahren in Deutschland

Vor beinahe genau 20 Jahren hat das hochpathogene aviäre Influenzavirus (HPAIV) vom Typ H5N1 erstmals in Deutschland für Ausbrüche gesorgt. Am 14. Februar 2006 waren auf der Insel Rügen die ersten beiden Singschwäne tot aufgefunden und positiv auf das Virus getestet worden. Danach ist das Virus auf zahlreiche weitere Wildvögel und die ersten Geflügelbestände übergesprungen, auch ein Steinmarder und zwei Freigänger-Katzen waren betroffen.

Die ersten HPAIV-Ausbrüche in Deutschland bedeuteten auch den Start von Real-Time PCR für die schnelle und sichere Diagnostik großer Probenzahlen im Rahmen eines solchen Ausbruchsgeschehens. In den vergangenen Jahren wurde die Diagnostik jedoch perfektioniert und Next-Generation-Sequencing (NGS) erlaubt das schnelle Erfassen ganzer H5N1-Genome in kürzester Zeit – ein enormer Vorteil für die Einschätzung des Zusammenspiels von Umwelt, Wildvogelpopulationen und Biosicherheit in Nutztierhaltungen. Zudem wurde die Kommunikation professionalisiert und Abläufe zwischen Behörden sind heute weitgehend harmonisiert. 

Leider hat sich auch das Virus weiterentwickelt, was zu einer weltweiten Ausbreitung geführt hat. Die Aktualität des Themas Aviäre Influenza (AI) ist keineswegs gebrochen, nicht zuletzt, weil HPAI-Viren Euterentzündungen bei tausenden Milchkühen in den USA und zuletzt in den Niederlanden verursacht haben. Aber das Virus breitet sich nach wie vor unter verschiedenen Wildvogelarten aus: einerseits führte das Virus in Brutkolonien von Küstenvögeln zu erheblichen Verlusten, nur wenige Monate später, im Herbst und Winter 2025/26, verstarben allein in Deutschland und weiteren Teilen Europas tausende Graukraniche.

Der Schutz von Wildvogelpopulationen und Geflügelbeständen, wirtschaftliche Folgen sowie das Monitoring möglicher zoonotischer Risiken der HPAI Viren und der Schutz des Menschen stellen weiterhin große Herausforderungen dar. Zu diesen Themen forscht das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in vielen internationalen Verbundprojekten weiter intensiv. Es berät Entscheidungsträgerinnen und -träger in der Seuchenbekämpfung, erarbeitet optimierte diagnostische Konzepte, führt Daten zusammen und analysiert sie. Monatliche aktualisierte Risikoabschätzungen unterstützen Geflügelhaltende, Tierärztinnen und Tierärzte sowie Vogelschützende in der Bekämpfung und Prävention vor Ort. 

FLI

Franzosen sollen weniger Fleisch konsumieren

In Frankreich wird immer mehr Fleisch konsumiert. So hat die französische Bevölkerung im Jahr 2024 durchschnittlich 85 Kilogramm / pro Kopf verzehrt. Im Vergleich zu Deutschland sind das rund 30 Kilogramm mehr.

Die französische Regierung will das ändern und hat zu einem reduzierten Konsum von Fleisch und Wurstwaren aufgerufen. Im Rahmen der neuen nationalen Strategie werden die französischen Bürger:innen aufgefordert, häufiger auf pflanzliche Nahrungsmittel zurückzugreifen, um einerseits die Gesundheit zu stärken und andererseits den CO2-Fußabdruck Frankreichs zu verringern.   

Umwelt- und Agrarministerium hatten im Vorfeld über die genaue Formulierung der Verzehrempfehlungen für Fleisch gestritten, sodass die Veröffentlichung der nationalen Strategie mehrfach verschoben werden musste.

NTV

Belgischer Rinderhalter wegen selbst durchgeführter Kaiserschnitte angeklagt

Ein pensionierter Landwirt aus dem belgischen Vielsalm steht aktuell vor dem Berufungsgericht in Lüttich, weil er eigenmächtig Kaiserschnitte bei seinen Kühen durchgeführt hat. Nach Informationen des Belgischen Rundfunks BRF habe der Tierhalter, der Rinder der Rasse „Blanc Bleu Belge“ züchtete, selbst zugegeben, mehr als hundert Geburten pro Jahr selbst begleitet zu haben, obwohl das Gesetz vorschreibe, dass solche Eingriffe ausschließlich von Tierärzt:innen vorgenommen werden dürfen.

Der Beklagte gab als Grund an, dass es einen Mangel an Tierärzt:innen in seiner Region gegeben habe. Die Staatsanwaltschaft forderte eine Geldstrafe von 32.000 Euro. Die Verteidigung beantragt eine Strafaussetzung.

Kontrolleuer:innen der Lebensmittelagentur Afsca waren bereits im Jahr 2022 stutzig geworden, nachdem sie festgestellt hatten, dass deutlich mehr Kälber geboren wurden, als Kaiserschnitte durch einen Tierarzt abgerechnet waren und Rinder dieser Rasse nicht ohne Kaiserschnitt gebären können.

BRF 

Niedersachsen plant Verbot der Anbindehaltung von Rindern

Niedersachsen plant als erstes Bundesland, die sogenannte Anbindehaltung von Rindern künftig zu verbieten. Dazu sei ein Erlass zur Umsetzung von mehr Tierschutz erarbeitet worden, sagte eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums. Es sei eine Übergangsfrist von sieben Jahren vorgesehen.

Die Anbindehaltung sei mit den Anforderungen des Tierschutzgesetzes nicht vereinbar. Dieses schreibt vor, dass ein Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernährt, gepflegt und verhaltensgerecht untergebracht werden muss. Die Anbindehaltung ermögliche keine artgerechten Verhaltensweisen.

Nach Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums gab es in Niedersachsen im Mai 2025 insgesamt 17.969 rinderhaltende Betriebe mit über 2,2 Millionen Tieren. Schätzungsweise werden auf „deutlich mehr als 1.000 Betrieben“ die Rinder in Anbindehaltung gehalten, so das Ministerium.

Das niedersächsische Landvolk steht nach eigenen Angaben „im Ergebnis“ hinter dem Schritt. Frank Kohlenberg, der Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen sagte: „Entscheidend ist für uns, dass der Wandel praxisnah und mit Augenmaß erfolgt. Für die betroffenen Landwirte ist vor allem eines unverzichtbar: Planungssicherheit.“

Utopia

Trendwende bei Milchpreisen in Sicht?

Die Ergebnisse der letzten drei Auktionen der globalen Handelsbörse GDT in 2026 lassen Milchviehhalter nach einer monatelangen Hängepartie bei niederigen Preisen nun auf die lang ersehnte Trendwende hoffen. Dank der steigenden globalen Nachfrage könnten die Preise rasch wieder anziehen. Der GDT-Index stieg am Dienstag um 6,7 Prozent – der höchste Anstieg seit März 2021.

Aktuell liegen die Auszahlungspreise der Molkereien an die Milchbauern teilweise noch unter 35 Cent je Liter, wodurch eine Kostendeckung bei den Landwirten nicht gegeben ist.

Bundesagrarminister Alois Rainer hat die Milchverbände daher für kommenden Mittwoch zu einem Milchgipfel in Berlin eingeladen. „Ich will nicht in die Preisgestaltung eingreifen“, sagte Rainer, „aber wenn Butter nur noch 99 Cent kostet, kann ich das nicht gut finden.“ Ein Thema dürfte auch die Diskussion um eine Risikoausgleichsrücklage sein, wie sie der Koalitionsvertrag vorsieht. Weiterhin dürfte es um eine Marktentlastung durch Lagerhaltung gehen, denn weniger Angebot an Butter, Käse oder Magermilchpulver könnte den Preisverfall bremsen. Ein Sprecher des Ministeriums warnte jedoch vor zu hohen Erwartungen.

Neues Positionspapier zu Tiergesundheit und Tierwohl von Kälbern

Kälber haben besonders in ihren ersten Lebenswochen ein hohes Erkrankungsrisiko. Um dieses zu verringern und einen guten Grundstein für das Immunsystem, den Stoffwechsel und das Verhalten zu legen, ist in dieser wichtigen Phase neben geeigneten Haltungsbedingungen und frühen sozialen Kontakten besonders die frühzeitige und ausreichende Kolostrum- und Milchversorgung von Bedeutung.

Das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) hat ein neues Positionspapier zur tiergerechten Kälberaufzucht erarbeitet. Darin weisen die Wissenschaftler:innen auf die Relevanz der ad-libitum-Milchversorgung, einer frühzeitigen Gruppenhaltung sowie auf die Bedeutung der kuhgebundenen Kälberaufzucht hin. Ein weiterer Fokus des Positionspapiers liegt in der Einordnung der aktuellen gesetzlichen Vorgaben sowie der Gegenüberstellung der weitergehenden wissenschaftlichen Empfehlungen, unter anderem der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).

„Eine tiergerechte Kälberaufzucht ist keine optionale Zusatzleistung, sondern eine Investition in Tiergesundheit, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Akzeptanz der Milchviehhaltung“, betonen die Autor:innen. Die empfohlenen Maßnahmen würden sich langfristig durch robustere, gesündere Tiere auszahlen, auch wenn der Aufwand zu Beginn höher sei.

Unter dem Titel „Tiergerechte Aufzucht von Kälbern – Herausforderungen, wissenschaftliche Erkenntnisse und Empfehlungen für die Praxis“ stellt das Positionspapier die wesentlichen Stellschrauben für Tiergesundheit und Tierwohl bereit und formuliert konkrete Empfehlungen für Landwirtschaft, Beratung und Politik.

FBN

Amsterdam verbietet Werbung für klimaschädliche Produkte

Als erste europäische Hauptstadt hat Amsterdam das Verbot für die öffentliche Werbung für Fleisch verkündet. Demnach verbietet die Stadt ab dem 1. Mai 2026 Werbung im öffentlichen Raum für Produkte, die nachweislich zur Klimakrise beitragen. Neben Fleisch betrifft das auch die Bewerbung von Flugreisen, Kreuzfahrten und Dieselautos auf Plakatwänden sowie Werbeflächen im öffentlichen Nahverkehr. Auf privaten Flächen und in Online-Kanälen gilt das Verbot, mit dem die Stadt ihre Bemühungen für mehr Klimaschutz verschärfen möchte, allerdings nicht.

Mit diesem Beschluss folgt der Stadtrat den Vorschlägen der beiden Parteien GroenLinks und der Partij voor de Dieren. Scharfe Kritik kommt von Seiten der Landwirt:innen. Sowohl die Werbebranche als auch verschiedene Wirtschaftsverbände werfen Amsterdam zudem vor, das Verbot schreibe den Menschen vor, was sie konsumieren sollten. Gegner:innen argumentieren zudem mit vertraglichen Risiken, da Werbeflächen langfristig vergeben sind. Laut der Interessengemeinschaft Wild beim Wild produziere ein Werbeverbot nicht direkt weniger Tierleid, aber es verändere die kulturelle Präsenz und Legitimation von tierlicher Nutzung im öffentlichen Raum.

In anderen niederländischen Städten, wie Den Haag, Delft und Nimwegen, gilt bereits ein solches Werbeverbot für Fleisch.

Agrarheute

Betäubungsloses Enthornung von Kälbern in Niedersachsen weiterhin untersagt

Niedersachsen hält an dem Verbot einer betäubungslosen Enthornung von Kälbern fest. Auch Kälber, die jünger als 6 Wochen sind, müssen für die Enthornung ein Beruhigungsmittel und ein mindestens 24 Stunden wirksames Schmerzmittel verabreicht bekommen. Diese Praxis hat Niedersachsen in einem neuen Erlass bekräftigt und präzisiert.

Der Erlass ist im Ministerialblatt abrufbar. Darin wird auch die Anforderungen an die Sachkunde der durchführenden Person konkretisiert. Demnach kann für Personen mit einer abgeschlossenen Ausbildung im Ausbildungsberuf Landwirt:in, die ihre Ausbildung auf einem rinderhaltenden Betrieb absolviert haben, auf dem Kälber enthornt wurden, sowie im Ausbildungsberuf Tierwirt:in Fachrichtung Rinderhaltung davon ausgegangen werden, dass diese über die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen. Alle anderen Personen müssen ihre Kenntnisse und Fähigkeiten der zuständigen Behörde auf Verlangen nachweisen. Beispielsweise durch Bescheinigungen über eine entsprechend fachkundige Unterweisung durch einen Tierarzt bzw. Tierärztin.

Hintergrund des Erlasses ist, dass es in Deutschland grundsätzlich zulässig ist, die Hornanlagen bei Kälbern bis zu einem Alter von 6 Wochen ohne Betäubung zu veröden. Grundlage dafür ist Paragraph 6 des Tierschutzgesetzes in Verbindung mit der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung. Der Gesetzgeber erlaubt diese tierschutzrechtliche Ausnahme, wenn der Eingriff fachgerecht durchgeführt wird und alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um die Schmerzen oder Leiden der Tiere zu vermindern. Niedersachsen nutzt somit den rechtlichen Spielraum, um Detailanforderungen und Bedingungen zu präzisieren. Ab einem Alter von sechs Wochen ist das Enthornen in diesem Bundesland nur noch unter Betäubung durch eine Tierärztin oder einen Tierarzt erlaubt. Ministerin Staudte spricht sich dafür aus, die geplante Änderung des Bundestierschutzgesetzes aus der letzten Wahlperiode wieder aufzugreifen, die ohne Altersgrenze die Enthornung bei Rindern mit Betäubung vorsah.

Landwirtschaftsministerium Niedersachsen

Antikörper gegen HPAI bei Kuh in Europa nachgewiesen

Seit Frühjahr 2024 breitet sich das Geflügelpestvirus des Subtyps H5N1 unter Milchkühen in den USA aus. Betroffen sind viele hundert Betriebe in zahlreichen US-Bundesstaaten.

Nun wurden erstmals bei einer Kuh in Europa Antikörper gegen das Virus nachgewiesen. Auf einem Betrieb in den Niederlanden hatte die niederländische Behörde für Lebensmittel- und Produktsicherheit (NVWA) umfassend Milchproben von Tieren der Milchkuhherde genommen, nachdem der behandelnde Tierarzt bei einer Katze des Hofes die Geflügelpest festgestellt hatte. Die Proben wurden im Wageningen Bioveterinary Research (WBVR) untersucht. Bei einer der Milchkühe konnte zwar das Virus nicht nachgewiesen werden, jedoch fanden die Forschenden Antikörper dagegen. Das bedeutet, dass das Tier vorher mit H5N1 infiziert worden war. Nachforschungen der NVWA ergaben, dass die Kuh Mitte Dezember Symptome gezeigt, die für eine HPAI-Infektion sprechen. Das Tier ist inzwischen wieder frei von Symptomen.

Bei keiner der getesteten Kühe wurde das Virus H5N1 nachgewiesen. Die Suche nach Antikörpern dauert noch länger. Diese Untersuchungen nehmen mehr Zeit in Anspruch. Die Ergebnisse werden im Laufe der Woche erwartet. Bis dahin gelten für den Betrieb restriktive Maßnahmen.

Universität Wageningen

One-Health-Ansatz essentiell zur Bekämpfung von Zoonosen aus dem Stall

Die Kälberflechte ist eine Zoonose, das heißt, die Infektionskrankheit kann von Tieren auf den Menschen übertragen werden. Erkrankte Menschen zeigen Symptome wie kreisrunde rötliche Flecken und einen starken Juckreiz. Die Zahl der Zoonosen nimmt weltweit zu. Rinder, Schafe und Ziegen als Lebensmittel liefernde Nutztiere sind dabei häufig Erregerträger, wobei die Wiederkäuer selbst keine sichtbaren Anzeichen einer Erkrankung zeigen. Die Tiere scheiden Krankheitserreger häufig völlig symptomlos aus.

Um Übertragungen auf den Menschen zu vermeiden, müssen die Risiken auf dem Betrieb frühzeitig erkannt werden. Risken der Übertragung bestehen bei direktem Kontakt zu Tieren sowie zu Ausscheidungen, Geburtsmaterial oder kontaminiertem Stallstaub. Eine Infektion ist auch möglich durch den Verzehr von Rohmilch, Rohmilchkäse oder unzureichend erhitztem Fleisch, durch verunreinigtes Wasser oder Boden bzw. durch Vektoren wie Zecken oder Mücken. Eine zoonotische Erkrankung kann Magen-Darm-Beschwerden bis hin zu schweren systemischen Infektionen nach sich ziehen. 

Bakterielle Zoonosen, wie Q-Fieber, Brucellose, STEC/EHEC, Salmonellen und Campylobacter werden am häufigsten gemeldet. Viele von ihnen stehen direkt oder indirekt mit Wiederkäuern in Verbindung. Zudem treten auch immer wieder virale oder parasitäre Zoonosen auf. Pilzinfektionen oder Prionenerkrankungen sind eher selten, dafür aber folgenschwer.

Effektive Prävention, wie ein umfassendes Tiergesundheitsmonitoring, Lebensmittelüberwachung, ein Umwelt- und Aerosolmonitoring sowie humanmedizinische Überwachung sind essentiell bei der Früherkennung und Bekämpfung von Zoonosen. Diese lassen sich nur wirksam kontrollieren, wenn Veterinärmedizin, Humanmedizin und Umweltwissenschaft eng zusammenarbeiten. Ein integrierter One-Health-Ansatz ermöglicht es, Risiken frühzeitig zu erkennen, Infektionswege nachzuvollziehen und Ausbreitungen effektiv einzudämmen.

Ceva Tiergesundheit

Schweiz rät zur schnellen Impfung gegen BTV

Das Blauzungenvirus (BTV) der Serotypen 3 und 8 sind derzeit in allen Regionen der Schweiz verbreitet. Halter:innen von Rindern, Schafen und Ziegen sollten weiterhin ihre Tiere impfen.

„Es ist davon auszugehen, dass Fälle von BTV-3 und BTV-8 auch in diesem Jahr auftreten werden“, warnt Elena Di Labio vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Di Labio weist zudem darauf hin, dass auch BTV-4 weiter in den Fokus rücken werde, da bereits Nachweise aus Frankreich, Italien und Österreich gemeldet wurden. BLV und die Gesellschaft Schweizerischer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) raten Tierhalter:innen daher dringend, Rinder sowie Kleinwiederkäuer erneut zu impfen.

Hier zähle der richtige Zeitpunkt, so das BLV. Landwirt:innen sollten ihre Rinder zwischen Januar und März grundimmunisieren, Schafe bis spätestens Februar. „Bei Rindern und Ziegen reicht nach der Grundimmunisierung eine einfache Wiederholungsimpfung, bei Schafen empfehlen wir stets eine doppelte“, so die Vertreterin der GST, Patrizia Andina. 

Für jeden Serotyp ist eine eigene Impfung nötig, wobei ein Kombipräparat gegen BTV-4 und BTV-8 verfügbar ist. Die Impfstoffe können gleichzeitig, aber an unterschiedlichen Stellen verabreicht werden. Andina betont jedoch, dass die korrekte Lagerung von Bedeutung ist. Für das laufende Jahr ist die Versorgung mit Impfstoffen gegen die 3 Serotypen gesichert. Der Bund beteiligt sich auch in 2026 mit 5 Millionen Franken an den Kosten der Impfungen.

Bei einer aktuellen Online-Umfrage auf Schweizerbauer haben sich die teilnehmenden Landwirt:innen bislang nicht klar geäußert. Knapp die Hälfte der Tierhalter:innen werden ihre Tiere impfen, mehr als 40 % beantworteteten die Frage, ob sie gegen BTV impfen werden, mit „Nein“, rund 10% sind noch unschlüssig.

Schweizerbauer

KI zur Früherkennung von Stressepisoden bei Milchkühen

Milchkühe haben einen ausgeprägten zirkadianen Rhythmus, der den Tag der Tiere durch Fressen, Wiederkäuen, Trinken, Liegen und Pflegen strukturiert. Bestimmte Managementfehler oder Stressoren können diesen Rhythmus stören, was negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Gesundheit nach sich ziehen kann. Zu diesen Faktoren gehören ungünstige Umweltbedingungen (z.B. Hitzestress) und Veränderungen der täglichen Routinen, die bei den Tieren Stress-Reaktionen verursachen können, wie eine verringerte Futteraufnahme, Veränderung der Ruhephasen und eine erhöhte Anfälligkeit für Erkrankungen. Um eine geringere Milch- und  Fruchtbarkeitsleistung zu vermeiden, ist eine frühzeitige und genaue Erkennung von Stress von großer Bedeutung.

Wissenschaftler:innen aus Ecuador, Peru und Brasilien haben daher in einer aktuellen Studie untersucht, ob eine Stresserkennung bei Milchkühen durch die Erfassung ihres zirkadianen Rhythmus mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) aussagekräftige Vorhersagen ermöglicht. Die Forschenden haben Verhaltensbiomarker wie Futteraufnahme, Ruhephasen und Wiederkäuen bei zehn Kühen über einen Zeitraum von 12 Monaten mithilfe von Sensoren kontinuierlich überwacht. Anschließend wurden die Daten mithilfe von Kl ausgewertet. Diese konnte belegen, dass eine bis zu 82-prozentig genaue Vorhersage von Stressepisoden bei Rindern mit einer Vorlaufzeit von einer Stunde möglich ist.

Wie die Studienautoren erklären, bietet eine Vorlaufzeit von einer Stunde ein entscheidendes Zeitfenster für präventive Maßnahmen. Indem Maßnahmen bereits vor Auftreten von negativen Einflüssen ergriffen werden können, wäre dies ein grundlegender Fortschritt, um das Tierwohl und die Profitabilität zu verbessern.

Milchpraxis

Nach BTV-8 Nachweis ruft NRW zu Schutzimpfungen auf

Nach ersten Ausbrüchen der Blauzungenkrankheit des Virus BTV-3 im Jahr 2023 und einem anschließenden massiven Seuchengeschehen sowie einem eher ruhigen vergangenen Jahr ist das Blauzungenvirus vom Serotyp 8 (BTV-8) Anfang 2026 in Nordrhein-Westfalen nachgewiesen worden. Betroffen ist ein einzelnes Kalb eines Betriebes in Herzogenrath (Städteregion Aachen). Als Folge des Ausbruchs musste ein bereits bestehender 150-Kilometer-Radius um einen zuvor bestätigten Fall im benachbarten Rheinland-Pfalz erweitert werden. Aktuell ist mehr als die Hälfte des Bundeslandes von einem 150-Kilometer-Radius rund um einen BTV-8-Ausbruchsberieb herum betroffen. Das Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW appelliert daher an Halter:innen von Rindern, Schafen und Ziegen, die Schutzimpfungen gegen BTV durchzuführen, auch um unnötiges Tierleid zu verhindern und Tierverluste zu minimieren.

„Das Virus der Blauzungenkrankheit ist ein Virus, das großes Tierleid hervorrufen kann, wenn die Erkrankung ausbricht. Um die Tiere vor schweren klinischen Erkrankungen zu schützen und im Fall von BTV-8 auch Verbringungsbeschränkungen zu vermeiden, empfehlen wir, alle Tiere, die sich mit dem Virus infizieren können, gegen BTV impfen zu lassen. Die ersten Tiere, die Symptome einer Blauzungenkrankheit aufweisen, sind umgehend dem zuständigen Veterinäramt zu melden“, erklärt NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen.

Sowohl Grundimmunisierungen als auch Wiederholungsimpfungen von Tieren, die bereits im vergangenen Jahr geimpft worden sind, sollten spätestens im Mai abgeschlossen sein, so Gorißen weiter. „Um Tiere vor schweren klinischen Erkrankungen zu schützen und auch um Handelshemmnisse zu vermeiden, empfehle ich empfängliche Tiere jetzt gegen BTV-8 impfen zu lassen. Es stehen gut wirksame und zugelassene Impfstoffe zur Verfügung“, ergänzt Monika Meyer-Schoppmann, Vetrinäramtsleiterin des zuletzt betroffenen Oberbergischen Kreises.  

Erkrankte Tiere zeigen Symptome wie Fieber, Lahmheiten, Apathie und teilweise Schleimhautläsionen. Auch Aborte und Todesfälle sind möglich. Tierhalter:innen finden neben umfassenden Informationen auch eine interaktive Landkarte zur Überprüfung der eigenen Betroffenheit sowie gegebenenfalls erforderliche Vordrucke für Tierhaltererklärungen sind auf der Homepage des Landesamtes für Verbraucherschutz und Ernährung NRW (LAVE).

Ministerium NRW

Waldbröl.de

Neuer Höchstwert bei Geflügelfleischerzeugung in NRW

In Nordrhein-Westfalen ist die Produktion von Schweinefleisch im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Nach Informationen des Statistischen Landesamtes (IT.NRW) betrug die Menge des erzeugten Schweinefleisches in 2024 rund 1,6 Mio. Tonnen. Zwar haben die gewerblichen Schlachtunternehmen mehr Fleisch als im Vorjahr produziert, doch lag diese noch immer 14,5 % unter dem Niveau von 2010.

Während die nordrhein-westfälische Geflügelproduktion mit 58.300 t Schlachtgewicht in 2024 einen wahren Boom erlebt hat (+25,4 % im Vergleich zu 2010), setzt sich der seit 2015 anhaltende Rückgang bei der Schlachtmengen bei Rindern weiter fort. Wie IT.NRW mitteilt, wurden im letzten Jahr insgesamt 160.300 t Rindfleisch (Schlachtgewicht) produziert, was einen Rückgang von rund 28 % im Vergleich mit dem Jahr 2010 bedeutet.

Bei den Fleischimporten führt Geflügel (+28,5 %) vor Rindfleisch (+ 6,2 %) die Liste an. Die Importmenge bei Schweinefleisch hingegen hat sich um 17,3 % verringert.

IT.NRW

Topagrar

TBC-Testungen in Vorarlberg verstärkt

Im österreichischen Vorarlberg führen die Behörden aktuell eine intensive Testung auf Rinder-Tuberkulose (TBC) durch. Insgesamt wurden 12.500 der 64.000 Rinder auf die Tierseuche getestet. Nach Informationen der Landesveterinärbehörde sollen bis Ende Februar 2025 zahlreiche weitere Betriebe in der Region untersucht werden. Mehrere TBC-Ausbrüche im vergangenen Jahr haben zu der Intensivierung der Überwachung und der Bekämpfungsmaßnahmen geführt.

In Folge von positiven Testergebnissen bei einzelnen Tieren sind inzwischen vier Betriebe gesperrt worden. In einem landwirtschaftlichen Betrieb im Bregenzerwald, der bereits Anfang Dezember 2025 gesperrt wurde, mussten 49 Rinder aufgrund einer Häufung an positiv getesteten Tieren getötet werden. Auf dem Betrieb reagierten beim Hauttest 25 von 55 Tieren positiv. Zur weiteren Abklärung wurden sechs Tiere diagnostisch getötet, davon waren drei positiv.

Die betroffenen Landwirt:innen sollen finanziell unterstützt werden, wie der zuständige Landesrat Christian Gantner (ÖVP) erklärt. „Neben den materiellen Schäden ist vor allem das emotionale Leid nicht zu unterschätzen. Als Land stehen wir an der Seite des betroffenen landwirtschaftlichen Betriebes“, so Gantner. Durch die vorgesehenen Entschädigungszahlungen des Bundes sowie eine zusätzliche Auszahlung aus dem Tiergesundheitsfonds des Landes könnten zumindest die finanziellen Auswirkungen so gut wie möglich abgefedert werden, sagt der Landesrat Gantner.

Wildtiere gelten als Reservoire der Tuberkulose. Eine Übertragung des Erregers zwischen Wildtieren und Rindern ist in beide Richtungen durch direkten Tierkontakt oder durch verunreinigtes Wasser oder Futter möglich. Bis erste Symptome bei einem infizierten Rind auftreten, können Monate bis Jahre vergehen. In einer späten Phase der Erkrankung zeigt sich die Tuberkulose bei Rindern als chronisch-auszehrende Krankheit mit vergrößerten Lymphknoten, Fieberschüben, Milchleistungsrückgang und Abmagerung. Die Rindertuberkulose kann zudem vom Tier auf den Menschen übertragen werden.

ORF Vorarlberg

Schweizerbauer

LSD-Impfung nach neuen Nachweisen in Frankreich verstärkt

In dem französischen Département Ariège, nur wenige Kilometer von der Grenze zu Spanien entfernt, sind direkt zu Jahresbeginn zwei Fälle von Lumpy-Skin-Disease (LSD) bestätigt worden. Ein Grund mehr für die Behörden der beiden Nachbarländer, die Impfung gegen die Rinderkrankheit voranzutreiben.

Aktuell sehen die französischen sowie spanischen Impfkampagnen vor, 1,5 Millionen Rinder in deren Grenzgebiet zu impfen. Um das gesteckte Ziel zu erreichen, sind unter anderem auch Studierende der Veterinärmedizin, Freiwillige sowie Militärtierärzt:innen im Einsatz. Nach Informationen des Landwirtschaftsministeriums in Paris nähert sich der Impfkorridor, der die weitere Ausbreitung der Rinderseuche im Südwesten des Landes stoppen soll, seiner Vollendung. Insgesamt sollen hier , auch wegen der neuesten Nachweise, 750.000 Tiere bis Ende Januar 2026 geimpft werden.

Auch in Spanien werden die Impfungen intensiviert, wie das spanische Landwirtschaftsministerium mitteilte. In Nordspanien werden demnach rund 590.000 weitere Rinder auf mehr als 6.800 Betrieben angesichts der aktuellen LSD-Ausbrüche im Grenzbereich geimpft werden. Hinzu kommen 152.895 Tiere auf 2.000 Betrieben, die bereits in den Schutzzonen selbst geimpft wurden. Seit Oktober 2025 hat die Provinz Girona insgesamt 17 Infektionen gemeldet.

Topagrar

Raiffeisen