Antibiotika-Resistenzgene von Nutztieren in Wildtieren nachweisbar
Eine Studie des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) und des Max Delbrück Centers zu Antibiotikaresistenzen hat gezeigt, dass Gewässer in Städten und im Agrarland stark mit antibiotika-resistenten Bakterien belastet sind und auch ein Großteil der auf Bauernhöfen lebenden Mäuse Antibiotika-Resistenzgene (ARG) von gehaltenen Nutztieren in sich tragen.
In ihren Untersuchungen analysierten Forschenden die Genome von Darm-Mikroorganismen aus einer großen Population von 875 wildlebenden Hausmäusen (Mus musculus) in der Nähe zu größeren viehwirtschaftlichen Betrieben in ganz Deutschland. In der Hälfte der untersuchten Mäuse fanden die Wissenschaftler:innen ARG von Rindern, Schweinen oder Geflügel. „Wir haben eine gewisse Überschneidung erwartet, aber dass rund 50 Prozent der Resistenzgene aus den Kühen, Schweinen und Hühnern auch in unseren wildlebenden Mäusen wiederzufinden war, hat uns überrascht“, erklärt Dr. Víctor Hugo Jarquín-Díaz vom Max Delbrück Center.
Die Ergebnisse legen viele ökologische Brücken zwischen Menschen, Nutztieren und Wildtieren dar und zeigen, dass räumliche Nähe immer auch funktionale, ökologische Verflechtung bedeuten kann.
„Unsere statistischen Modelle zeigten auf, dass sich einzelne Faktoren sehr stark auf das Vorhandensein von einzelnen Resistenzgenen auswirken“, sagt Prof. Emanuel Heitlinger vom Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz (LUA). „So steht die Besatzdichte von Schweinen in starkem Zusammenhang mit Resistenzgenen, die mit von Tierärzten und Viehzüchtern häufig eingesetzten Breitbandantibiotika im Zusammenhang stehen, wie beispielweise Sulfonamide, Tetracyclin oder Beta-Laktame.“ Es gebe also direkte, nachweisbare Auswirkungen von intensiver Nutztierhaltung auf spezifische Antibiotikaresistenzen in Wildtieren.
Die erkennbaren Zusammenhänge zwischen Wirten, Mikrobiomen, Resistenzgenen und räumlichen Umweltfaktoren erfordern ein erweitertes Monitoring von Resistenzen, erklären die Wissenschaftler:innen abschließend. Wildtiere und natürliche Ökosysteme könnten eine große Unbekannte in dieser Gleichung sein und ungeahnte Reservoire für Antibiotikaresistenzen darstellen.
IZW Berlin
Antibiotikaverbrauch in der Schweiz erneut gesunken
Seit 2008 sinkt die Menge der in der Veterinärmedizin eingesetzten Antibiotika in der Schweiz. So auch im Jahr 2025, allerdings zeigen sich je nach Tierart unterschiedliche Entwicklungen.
Wie aus den Vertriebs- und Verschreibungsdaten 2025 hervorgeht, wurde bei Rinderns erstmals über alle Kategorien und Kennzahlen hinweg ein leichter Rückgang verzeichnet. Das Verbrauchsniveau liegt bei Rindern jedoch weiterhin deutlich höher als bei Schweinen und Geflügel. Die Behandlungszahlen bleiben insbesondere bei Milchvieh und in der Kälbermast hoch.
Bei Schweinen nahmen die Gesamtwirkstoffmenge und die Behandlungszahlen leicht zu. Gleichzeitig ging die Zahl der Behandlungen mit kritischen Wirkstoffen weiter zurück. Dies deutet auf einen vermehrten Ersatz durch Penicilline hin.
Beim Geflügel stiegen 2025 sowohl die Gesamtwirkstoffmenge als auch die Menge kritischer Antibiotika leicht an. Im mehrjährigen Trend geht der Einsatz kritischer Wirkstoffe jedoch zurück. Bei Hunden und Pferden blieben die Werte stabil bis leicht rückläufig. Bei Katzen nahm die Wirkstoffmenge zu, während weniger kritische Wirkstoffe eingesetzt wurden.
Die Ergebnisse zeigen Fortschritte beim sachgemässen Einsatz von Antibiotika. Weitere Verbesserungen sind vor allem bei Milchvieh und in der Kälbermast erforderlich. Bei Schweinen und Geflügel gilt es, das erreichte Niveau zu halten, da der Einsatz von Antibiotika grundsätzlich die Entstehung von Resistenzen begünstigt.
BVL Schweiz
Krise von nationaler Tragweite in Land- und Forstwirtschaft
In Deutschland ist im Jahr 2026 mit deutlichen Ernteverlusten zu rechnen. Nach dem aktuellen Erntebericht des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) wird beim Getreide ein Minus von rund 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr erwartet.
Für die Tierhaltung ergibt sich aus der anhaltenden Trockenheit und der hohen Temperaturen in diesem Frühjahr und Sommer eine angespannte Futtersituation. Auf vielen Grünlandflächen im Süden und Südwesten wuchs nach dem ersten Schnitt kaum noch Gras nach. Zahlreiche Betriebe mussten deshalb bereits im Sommer auf eigentlich für Herbst und Winter vorgesehene Futterreserven zurückgreifen. Gleichzeitig treffen die Ernteausfälle auf hohe Kosten für Diesel und Dünger sowie wirtschaftlichen Druck insbesondere in der Schweinehaltung. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer spricht deshalb von einer „Krise von nationaler Tragweite“.
Um die Betriebe zu stabilisieren, plant der Bund mehrere Unterstützungsmaßnahmen. Das bestehende Liquiditätsprogramm der Landwirtschaftlichen Rentenbank soll um 300 Millionen auf insgesamt 500 Millionen Euro Darlehensvolumen aufgestockt und durch ein weiteres Programm mit günstigeren Zinsen und längeren Laufzeiten ergänzt werden. Zudem sollen 60 Millionen Euro EU-Düngemittelhilfen als Hektarprämien an besonders belastete Betriebe fließen. Für 2027 ist außerdem eine einmalige Erhöhung der Direktzahlungen vorgesehen.
BMLEH
ArtificialVet unterstützt Amtstierärzt:innen bei der Fleischuntersuchung
Seit Ende 2025 läuft am Standort Oer-Erkenschwick des Unternehmens Westfleisch das von Künstlicher Intelligenz (KI) unterstützte Projekt ArtificialVet. Das innovative System soll Tierärzt:innen durch digitale Vorbefunde bei der amtlichen Fleischuntersuchung unterstützen.
Im Zentrum des Pilotprojektes stehen sechs Hochleistungskameras, die den geschlossenen Schweineschlachtkörper erfassen. Eine KI analysiert auf Basis von tausenden Beispielbildern die Aufnahmen und erkennt unter anderem Veränderungen an Ohren und Schwanz sowie Umfangsvermehrungen. Abschließende Befundentscheidungen ergehen jedoch immer durch die amtlichen Tierärzt:innen.
„Unser Ziel ist es, mit dem Einsatz von KI, einen zusätzlichen Baustein für die amtliche Fleischuntersuchung zu entwickeln. Die enge Zusammenarbeit mit Behörden und Wissenschaft ist dafür eine wesentliche Voraussetzung“, sagt Dr. Anne Hiller, Leiterin Konzernqualitätsmanagement bei Westfleisch.
Das bundesweit einmalige Projekt ist eine gemeinsame Entwicklung von Westfleisch, der CIMT AG, einem international tätigen IT Consulting-Spezialisten für digitale Transformationsprojekte mit Hauptsitz in Hamburg, und dem Veterinäramt des Kreises Recklinghausen.
Mit dem Pilotbetrieb in Oer-Erkenschwick sammelt Westfleisch gemeinsam mit Wirtschaft, Behörden und Wissenschaft wichtige Erkenntnisse für die Bewertung der Chancen und Grenzen KI-gestützter Verfahren in der Fleischuntersuchung für die gesamte Branche. Diese Erfahrungen sollen die weitere Entwicklung und Einordnung der Technologie unterstützen.
Westfleisch
Tropilaelaps-Milbe erfordert neue Strategie bei Monitoring und Bekämpfung
Die ursprünglich aus Asien stammende Tropilaelaps-Milbe (Tropilaelaps mercedesae) breitet sich im Südosten und Osten Europas weiter aus und könnte schon in wenigen Jahren auch in Deutschland heimisch werden. Nach Expert:innenmeinung hat sich der Parasit in den vergangenen Jahrzehnten an das europäische Klima angepasst und stellt für die Populationen der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera) eine massive Bedrohung dar.
Da die Tropilaelaps-Milbe sich jedoch grundlegend von der bekannten Varroamilbe unterscheidet, müssen Strategien für Monitoring, Diagnostik und Bekämpfung zeitnah angepasst werden. Das ist das Ergebnis einer Übersichtsarbeit unter der Leitung der Universität Hohenheim. In der Studie beschreiben die Wissenschaftler:innen, wie groß das Risiko für die Bienen in Europa tatsächlich ist und welche Konsequenzen sich daraus ergeben.
„Befallene Völker entwickeln sich deutlich schwächer, produzieren weniger Honig und weisen eine erhöhte Sterblichkeit sowohl bei der Brut als auch bei erwachsenen Tieren auf“, erklärt Dr. Kirsten Traynor, Leiterin der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim sowie der Studie. Das Tückische an der Tropilaelaps-Milbe ist, dass diese bereits während der Larven- und Puppenentwicklung erhebliche Schäden verursacht, die sich unter anderem durch Missbildungen an Antennen, Flügeln und Beinen zeigen. „Weil die Milbe auf erwachsenen Bienen kaum auffällt, bleibt sie oft lange unentdeckt“, so Traynor weiter.Aus diesem Grund, und auch wegen der möglichen Übertragung von verschiedenen Krankheitserregern durch Tropilaelaps, sei eine frühzeitige Erkennung entscheidend. Das erfodere eine Anpassung des Völkermanagements, insbesondere durch regelmäßige vollständige Brutpausen im Abstand von zwei bis drei Monaten.
„Tropilaelaps kann nicht als ‚weitere Varroa‘ betrachtet werden“, warnt die Bienenkundlerin. „Ihre Biologie unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von der der Varroamilbe. Umso wichtiger ist es, Überwachungs- und Bekämpfungsstrategien frühzeitig weiterzuentwickeln und Maßnahmen international abzustimmen, bevor sich die Milbe in weiteren Regionen etablieren kann“, sagt die Hohenheimer Wissenschaftlerin abschließend.
Voraussichtlich zum Ende des Jahres können sich Tierärzt:innen auf Myvetlearn.de wieder über Bienenerkrankungen fortbilden.
Uni Hohenheim
BfR: Antibiotikaverbrauchsmengen in 2025 leicht rückläufig – Resistenzentwicklung unerfreulich
Die Antibiotikaverbrauchsmengen bei Rindern, Schweinen, Hühnern und Puten sind für das Jahr 2025 um 3% gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Insgesamt wurde im Jahr 2025 in allen Nutzungsarten ein Antibiotikaverbrauch von etwa 494 Tonnen erfasst. Das geht aus dem Jahresbericht des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) hervor.
Die bei Rindern, Schweinen, Hühnern und Puten erfassten Verbrauchsmengen von für die Humanmedizin besonders wichtigen Wirkstoffen konnte seit Bestehen des Antibiotika-Minimierungskonzeptes deutlich von über 66 Tonnen im Jahr 2014 nur bei Masttieren auf 29 Tonnen im Jahr 2025 bei allen Nutztieren reduziert werden. Der Rückgang ist hauptsächlich auf die Reduktion des Antibiotikums Colistin zurückzuführen.
Auch die Therapiehäufigkeiten war bei zugekauften Kälbern, Milchkühen sowie Lege- und Junghennen rückläufig; besonders stark bei Legehennen (−55 %) und Milchkühen (−7 %). Bei Mastferkeln und ‑schweinen, Masthühnern sowie Mastputen stieg die Therapiehäufigkeiten dagegen zumeist an.
„Seit der Einführung des Antibiotika-Minimierungskonzepts ist der Einsatz von für die Humanmedizin wichtigen Wirkstoffen deutlich reduziert worden”, sagt BfR-Präsident Professor Andreas Hensel. „Zudem sind in vielen neu in das System aufgenommenen Nutzungsarten bereits leichte Rückgänge des Antibiotika-Einsatzes zu verzeichnen. Bei den Masttieren sollte allerdings eine weitere Reduktion angestrebt werden.“
Dagegen ist die Resistenzentwicklung bei E. coli von Mastschweinen sowie Mastkälbern und Jungrindern weniger positiv als noch vor zwei Jahren. Kurzfristig, im Vergleich von 2025 zu 2023, stiegen die Resistenzraten bei E. coli von Mastschweinen bei der Schlachtung gegenüber den Wirkstoffen Sulfamethoxazol und Trimethoprim signifikant an. Die langfristigen Trends für den Zeitraum von 2015 bis 2025 zeigen bei Mastschweinen lediglich gegenüber einer einzigen Substanz eine statistisch signifikante Abnahme der Resistenz, nämlich gegenüber Tetracyclin. Gleichzeitig gab es eine statistisch signifikante Zunahme der Resistenz gegenüber dem Makrolid Azithromycin.
Auch bei Mastkälbern und Jungrindern wurde eine kurzfristige signifikante Zunahme der Resistenzraten gegenüber den Wirkstoffen Sulfamethoxazol und Trimethoprim festgestellt. Langfristig stehen zwei statistisch signifikanten Rückgängen von Resistenzraten (gegen Nalidixinsäure und Azithromycin) sogar drei Zunahmen gegenüber (gegen Ampicillin, Chloramphenicol und Tetracyclin). Angesichts des ansteigenden Antibiotika-Einsatzes bei Masthühnern und ‑puten ist auch in diesen Nutzungsarten mit weiteren Zunahmen der Resistenzen von E. coli zu rechnen.
Weitere Informationen zum Thema Antibiotikaeinsatz bei Lebensmittel liefernden Tieren finden sich auf der BfR-Website. Online-Fortbildungen zur Antibiotikaminimierung im Stall finden Landwirt:innen und Tierärzt:innen auf VetMAB.de
BfR
Tierschutzbeirat Niedersachsen feiert 35-jähriges Jubiläum
Seit 35 Jahren steht der Tierschutzbeirat des Landes Niedersachsen der Landesregierung beratend zur Seite. Während seiner langjährigen Tätigkeit hat der Beirat den Tierschutz in dem Bundesland maßgeblich verbessert, unter anderem bei der Haltung landwirtschaftlicher Nutztiere oder bei grundsätzlichen Fragen im Tierschutzrecht. Viele Empfehlungen und Positionen des Gremiums sind dabei über die Jahre zu wichtigen Impulsen für die tierschutzpolitische Arbeit in Niedersachsen geworden.
„35 Jahre Tierschutzbeirat stehen für 35 Jahre fachliche Kompetenz, ehrenamtliches Engagement und den gemeinsamen Einsatz für das Wohl der Tiere. Der Beirat ist ein wichtiges Bindeglied zwischen Praxis, unterschiedlichsten Verbänden, Wissenschaft und Politik. Heute sind Dialogformate ein beliebtes Instrument der niedersächsischen Landesregierung, aber vor 35 Jahren war es etwas Besonderes, ein solches Gremium einzurichten. Seine Arbeit zeigt: Guter Tierschutz braucht den Dialog, aber auch den Mut, Veränderungen anzustoßen. Dafür danke ich allen Mitgliedern, die sich über viele Jahre mit großer Sachkenntnis und Leidenschaft eingebracht haben“, betonte Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten.
„Jahrzehnte-andauernden Tätigkeit des Tierschutzbeirats werden gleichzeitig auch konstruktive Auseinandersetzungen darüber geführt, wie wir das Leben von Tieren besser schützen und verbessern können. Besonders wertvoll ist, dass im Beirat unterschiedliche Sichtweisen zusammenkommen. Tierschutz lebt vom fachlichen Austausch und davon, dass auch schwierige Fragen offen diskutiert werden“, erklärt die Landestierschutzbeauftragte Dr. Julia Pfeiffer-Schlichting.
Am 3. und 4. September 2026 findet die traditionelle Hybrid-Tagung Aktuelle Probleme des Tierschutzes statt. Eine Anmeldung für das zweitägige Online-Seminar auf Myvetlearn.de ist auch jetzt noch möglich.
Ministerium Niedersachsen
Neuer Sammelband zum Kamel im Zusammenhang mit One-Health
Angesichts von zunehmenden Dürrezeiten gewinnen Kamele immer mehr an Bedeutung. Anders als Nutztiere wie Schafe und Rinder können Kamele wochenlang ohne Wasser auskommen und fressen auch verdorrte Pflanzen. Aber auch in Hinblick auf den One-Health-Ansatz können die robusten und anpassungsfähigen Tiere Gesundheit, Ernährung und Klima verbinden. Das wird in einem neuen Sammelband verdeutlicht. Dieser Band thematisiert neben Zoonosen-Prävention und Tiergesundheit auch die nachhaltige Milch- und Fleischproduktion, Naturschutz und biomedizinische Anwendungen.
Gemeinsam mit einem internationalen Forschungsteam zeigt Mitherausgeberin Pamela Burger vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI), wie Kamele in Trockengebieten Leben sichern können und wie die Bedeutung der Tiere im Zusammenhang mit One-Health stetig wächst. Die Wissenschaftler:innen legen dar, wie sehr Kamele zur Gesundheit von Gemeinschaften, zur Nachhaltigkeit von Lebensmittelsystemen und zur Resilienz gegenüber dem Klimawandel beitragen.
Als Open-Access-Publikation macht der Band aktuelle Erkenntnisse zu Kamelgesundheit, Produktivität und ökologischem Einfluss breit zugänglich – und zeigt, warum Kamele für nachhaltige Entwicklung und die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt zentral sind.
Eine neue dreiteilige Online-Seminar-Reihe auf Myvetlearn.de befasst sich mit Neuweltkamelen im Notdienst. Tierärzt:innen können sich ab dem 15. Oktober 2026 zu dem Thema online fortbilden.
Vetmeduni Wien
FLI rechnet mit weiterer Ausbreitung des Shamonda-Virus
Anfang August 2026 ist in Deutschland erstmals das Orthobunyavirus nachgewiesen worden. Diese neu eingeschleppte europäische Variante des Shamonda-Virus wird durch blutsaugende Gnitzen übertragen und verursacht ähnliche Symptome wie das Schmallenberg-Virus, das hierzulande vor rund 15 Jahren erstmalig festgestellt wurde.
Nach Informationen des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) breitet sich das Shamonda-Virus weiter bei Rindern von Süddeutschland aus. Inzwischen gab es Nachweise in Rheinland-Pfalz und Hessen. Wie das FLI mitteilt, scheint es sich diesem Virus um das gleiche zu handeln, das kürzlich auch in der Schweiz und Frankreich aufgetreten ist.
Noch sei der Zeitpunkt der Einschleppung des Erregers nach Europa ungeklärt, so das Institut. Aktuell laufen die Untersuchungen dazu noch. Das FLI geht jedoch von einer weiteren Ausbreitung aus. So seien den Veterinärlaboren der Bundesländer bereits Testprotokolle für die Diagnostik zur Verfügung gestellt worden, um Erstuntersuchungen von Verdachtsfällen in den dafür zuständigen Landeslaboren zu beschleunigen.
FLI
Verbot von Lebendtiertransporten gefordert
Der Sommer hält ganz Deutschland mit Extremtemperaturen und einem dramatischen Mangel an Niederschlägen in Atem. Die wichtigsten Flüsse hierzulande weisen ein fast historisches Niedrigwasser auf, sodass der Transport zunehmende auf die Straße verlagert werden muss.
Der Deutsche Tierschutzbund macht in diesem Zusammenhang die drohenden Gefahren für Tiere auf Transporten deutlich und fordert Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer und Bundesverkehrsminister Steffen Bilger deshalb auf, während der Hitzeperiode umgehend ein bundesweites Verbot von Lebendtiertransporten zu verhängen.
„Tiertransporte sind insbesondere bei Hitze für Rinder, Schweine, Schafe und Geflügel purer Stress. Kommt durch die Verlagerung des Güterverkehrs von den Wasserwegen auf die Straße noch mehr Verkehr hinzu, drohen zunehmende Staus. Für die Tiere auf Transportern kann das zu einer Tortur werden, die mit dem Tod endet. An den Autobahnen gibt es keine ausreichende Versorgung, wenn beladene Tiertransporter stundenlang feststecken. Minister Rainer und Minister Bilger sind deshalb gefordert, sofort zu handeln und Lebendtiertransporte während der extremen Hitze zu untersagen“, erklärt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.
In dem Fall, dass Transporte nicht vermeidbar seien, müssten diese gut geplant und so kurz wie möglich gehalten werden, so der Tierschutzbund weiter. Neben einer Verlagerung der Fahrten auf Morgen- oder Abendstunden fordern die Tierschützer:innen eine Reduzierung der Ladedichte sowie den Einsatz von Fahrzeugen mit aktiver Kühlung. Zudem sei eine ausreichende Wasserversorgung der Tiere jederzeit sicherzustellen.
„Die aktuellen Regelungen sind unzureichend und können Tiere auf Transporten nicht sicher schützen. Hitzestress kann bei landwirtschaftlich genutzten Tieren bereits bei deutlich niedrigeren Temperaturen und auch auf kürzeren Strecken zum ernsten Problem werden – insbesondere, wenn die Fahrt durch einen Stau deutlich länger dauert als geplant. Direkte Sonneneinstrahlung und mangelnde Luftbewegung können die Belastung zusätzlich enorm verstärken“, kritisiert Schröder.
Der Tierschutzverein Vier Pfoten ermuntert zudem auch Passanten dazu, bei beobachteten Missständen auf Tiertransporten oder bei Pannenfahrzeugen sowie verlassenen Tiertransportern die Polizei oder ggf. auch die Autobahnpolizei zu benachrichtigen. Sie sind verpflichtet, dem nachzugehen. Außerdem sollten die beobachteten Missstände per Foto und Video dokumentiert und an das zuständige Veterinäramt weitergeleitet werden.
Deutscher Tierschutzbund
Antiparasitikum verändert Zusammenspiel zwischen Pflanze und Insekt
Damit Weidetiere gesund bleiben und vor Parasiten geschützt sind, verabreichen Landwirt:innen ihren Tieren Wurmmittel. Diese Antiparasitika haben jedoch einen vielfältigen Einfluss auf die Umwelt. Unter anderem wird das Keimungsverhalten von Samen verändert oder die Überlebensraten von Käfer- und Fliegenlarven verringert.
Nun haben Forschende der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und der Universität Trier in einer Studie belegen können, dass ganze ökologische Beziehungsgefüge verändert werden. Die Wissenschaftler:innen haben den Einfluss des von Landwirt*innen häufig eingesetzten Präparates Cydectin® analysiert und die Effekte auf das Zusammenspiel mehrerer Arten unter die Lupe genommen.Der enthaltene Wirkstoff Moxidectin gehört zur Gruppe der makrozyklischen Laktone (Antiparasitika mit Langzeitwirkung). Da dieser im Körper der behandelten Tiere kaum abgebaut wird, gelangt der Wirkstoff deshalb zu großen Teilen über den Kot in den Boden. Die Forschenden konnten in Modellversuchen nachweisen, dass dadurch einerseits Pflanzen weniger Früchte bilden, andererseits sich Blattläuse zehnmal stärker vermehren können.
„Wir waren überrascht, wie weitreichend ein einzelnes Präparat das Zusammenspiel zwischen Pflanze und Insekt verändern kann“, sagt Dr. Andrés García, Erstautor der Studie. „Das zeigt, dass wir bei der Bewertung von Tierarzneimitteln nicht nur einzelne Arten, sondern ganze ökologische Beziehungen im Blick behalten müssen.“
Weitere Studien sollen zeigen, welchen Anteil der Wirkstoff Moxidectin, die übrigen Inhaltsstoffe und deren Abbauprodukte an diesen Effekten haben und wie sie in der Nahrungskette weitergegeben werden.
Uni Kiel
BTK und bpt nehmen Stellung zum Eckpunktepapier des BMELH
Im vergangenen Monat hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat (BMELH) ein Eckpunktepapier zur Vereinfachung des nationalen Antibiotikaminimierungskonzeptes vorgelegt.
Dieses hat das Ziel, das nationale Antibiotikaminimierungskonzept durch das Tierarzneimittelgesetz (TAMG) zu entschlacken. Demnach sollen Nutztierhaltende von Bürokratie entlastet und die Zahl behördlicher Maßnahmenpläne landesweit um mehr als die Hälfte verringert werden.
In einer gemeinsamen Stellungnahme begrüßten die Bundestierärztekammer (BTK) und der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) Anpassungen, die zu einer sachgerechteren Differenzierung von Tierhaltungs- und Produktionssystemen beitragen. Diese bringen aus ihrer Sicht eine Reduzierung des teils unnötigen Dokumentations- und Verwaltungsaufwands mit sich.
Des Weiteren gehen die Verbände in ihrem Schreiben detailliert auf einzelne Punkte des Eckpunktepapiers ein. Die Stellungnahme kann hier nachgelesen werden.
Campylobacter immer häufiger resistent
Campylobacter-Bakterien entwickeln sich zunehmend zu einem Problem für Geflügelhaltende auf der ganzen Welt. Stämme des Erreger, die ursprünglich in Wildvogelpopulationen zirkulierten, konnten sich in den vergangenen Jahren in kommerziellen Geflügelbeständen ausbreiten. Das geht aus einer neuen Studie des Ineos Oxford Institute for Antimicrobial Research hervor. Demnach nehmen auch die Resistenzen der Campylobacter-Bakterien gegen Antibiotika zu. Wie die Forschenden erklären, können sich die Stämme an das Leben im Geflügel anpassen und dabei Eigenschaften entwickeln, die ihr Überleben unter widrigen Bedingungen sichern.
Nach Meinung der beteiligten Wissenschaftler:innen haben die ursprünglich von Wildvögeln stammenden Bakterienstämme dauerhaft in den weltweit massiv zugenommenen Geflügelbeständen ideale Bedingungen für die Ausbreitung und Vermischung des Bakteriums sowie für die Entwicklung neuer, das Überleben begünstigender Eigenschaften gefunden haben. Dabei können riesige, dicht gedrängte Hühnerbestände als ökologische „Erreger-Schwämme“ fungieren, die Bakterienstämme aus verschiedensten Quellen aufnehmen und vermehren.
Campylobacter ist weltweit die häufigste bakterielle Ursache für Durchfallerkrankungen. Die Behandlung solcher Infektionen wird durch die Zunahme der antimikrobiellen Resistenzen (AMR) erschwert.
„Die industrielle Tierhaltung hat einen der größten Lebensräume für Tiere auf unserem Planeten geschaffen. Unsere Ergebnisse liefern neue Belege dafür, dass vom Menschen verursachte Umweltveränderungen die Ausbreitung von Infektionskrankheiten begünstigen können“, erklären die Studienautor:innen. „Mit dem Wachstum der Hühnerbestände haben Bakterien, die zuvor weitgehend auf Wildvögel beschränkt waren, weitaus mehr Gelegenheiten erhalten, in Geflügelbestände einzudringen, sich dort auszubreiten und dauerhaft zu etablieren. Das Verständnis dieser evolutionären Folgen ist entscheidend, wenn wir künftige Risiken durch Zoonosen und antimikrobielle Resistenzen verringern wollen.“
Agrarheute
Earth Overshoot Day: Ressourcenverbrauch dringend senken
Schon bevor der Juli 2026 zu Ende geht, hat die Welt die natürlichen Ressourcen, die die Erde innerhalb eines Jahres erneuern kann, aufgebraucht. Denn der gobale Erdüberlastungstag (Earth Overshoot Day) fällt in diesem Jahr auf den 30. Juli. Rein rechnerisch heißt das, dass 1,73 Erden nötig wären, um den aktuellen weltweiten Verbrauch zu decken. Für die verbleibenden fünf Monate lebt die Menschheit über ihre ökologischen Verhältnisse. Dieser Trend hält seit dem Jahr 1970 an, seit mehr als 55 Jahren übersteigt der jährliche Verbrauch die global zur Verfügung stehenden Ressourcen.
„Tatsächlich wächst die Lücke zwischen dem hohen Ressourcenverbrauch der Menschheit und der Regenerationsfähigkeit der Erde weiter“, sagt Björn Schulz, Experte für Kreislaufwirtschaft beim WWF Deutschland. „Das könnte sich jedoch ändern. Viele Menschen sind bereit, ressourcenschonender zu leben – wenn die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen.“ „Der Earth Overshoot Day macht deutlich, wie groß der Handlungsbedarf ist. Um den Ressourcenverbrauch zu senken, kommt es jetzt darauf an, die notwendigen politischen Weichen zu stellen. Dafür brauchen wir einen entschlossenen Ausstieg aus fossilen Energien und eine konsequente Priorisierung von zirkulären Geschäftsmodellen“, so Schulz abschließend.
WWF Deutschland
BTV-8-Ausbruch in Niedersachsen
Erstmals im aktuellen Seuchenzug ist die Blauzungenkrankheit des Serotyps 8 (BTV-8) in Niedersachsen nachgewiesen worden. Betroffen ist eine Rinderhaltung in Herzberg am Harz im Landkreis Göttingen. Die nach dem BTV-Ausbruch in Hessen eingerichtete Restriktionszone wächst um weitere 150 Kilometer. Große Teile Niedersachsens liegen nun innerhalb dieser Sperrzone. Betroffen sind die Landkreise im Süden des Bundeslandes bis hin zu Teilen der Landkreise Osnabrück, Nienburg, Diepholz, Verden, Heidekreis, Uelzen und Lüchow-Dannenberg.
Für Rinder, Schafe, Ziegen, Lamas, Kamele und Alpakas gelten nun Einschränkungen, wenn diese aus der Zone heraus in noch BTV-8-freie Gebiete innerhalb Deutschlands oder in andere EU-Mitgliedstaaten verbracht werden sollen. Innerhalb der Zone bestehen keine Beschränkungen.
Schon seit Längerem gilt auch in Niedersachsen die Empfehlung, empfängliche Wiederkäuer gegen BTV-3 und BTV-8 zu impfen. Denn nur die Impfung schützt vor schweren Verläufen. Auch dürfen nur geimpfte Tiere aus der Sperrzone gebracht werden
Land und Forst
NDR
Tierhaltung: Hitzetage erfordern Änderungen im Haltungsmanagement
Der Sommer in Deutschland bleibt weiterhin heiß und trocken. Menschen sowie Haus- und Nutztiere leiden unter den anhaltend hohen Temperaturen. Das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) ruft daher Tierhaltende ausdrücklich auf, eventuell nötige Änderungen im Haltungsmanagement schnellstmöglich vorzunehmen.
Insbesondere Geflügelbetriebe stünden vor Herausforderungen durch die anhaltenden Extremtemperaturen, die in Verbindung mit hoher Luftfeuchtigkeit zu erhöhten Tierverlusten führen können, so das Ministerium. Demnach mussten nach dem letzten Juni-Wochenende eine rund dreimal größere Menge an Kadavern aus den niedersächsischen Geflügelhaltungen abgeholt werden.
Für Rinder, Schafe und Pferde, die auf der Weide gehalten werden, sollte immer ausreichender Witterungsschutz, Schatten und Zugang zu Wasser sichergestellt werden. Aufgrund der aktuell schwindenden Futtergrundlage müsse unter Umständen zugefüttert werden.
Das Ministerium rät zudem, dass bei Hütehaltung keine großen Distanzen zurückgelegt und Aktivitäten wie Umtreiben, Tierbehandlungen, Tiertransporte etc. auf die kühleren Morgenstunden verschoben werden sollten.
Ministerium Niedersachsen
Tierhaltungsstrategie der EU wird unterschiedlich bewertet
Am 7. Juli 2026 hat die Europäische Kommission die Strategie für die Nutztierhaltung (Livestock Strategy) angenommen. Ziel der Strategie ist die Sicherstellung eines nachhaltigen und widerstandfähigen Tierhaltung in Europa.
„In der heute angenommenen Strategie wird ein zukunftsorientierter Ansatz für die Tierhaltung vorgeschlagen, bei dem die Tiergesundheit und der Tierschutz im Mittelpunkt stehen. Es ist das Ergebnis unseres umfassenden Konsultationsprozesses mit Interessenträgern in der gesamten Branche, insbesondere Landwirten, deren Ansichten sorgfältig berücksichtigt wurden. Durch Investitionen in Prävention, Innovation und Vorsorge helfen wir Tieren und Landwirten gleichermaßen“, erklärte Olivér Várhelyi, Mitglied der EU-Kommission für Gesundheit und Tierwohl in der vergangenen Woche.
Der Deutsche Tierschutzbund begrüßt den nun festgelegten Zeitplan für Tierschutzverbesserungen, kritisiert jedoch das Festhalten der Kommission an einer auf den Erhalt und Ausbau der Tierhaltung ausgerichteten Agrarpolitik. Stattdessen fordern die Tierschützer:innen den dringend notwendigen Wandel des Ernährungssystems.
„Mit dieser Strategie zementiert die Europäische Kommission ein System der Tierhaltung, das erhebliches Tierleid verursacht und zugleich Klima, Umwelt und Ressourcen belastet“, sagt Jürgen Plinz, Präsidiumsmitglied des Deutschen Tierschutzbundes und Board Member des europäischen Tierschutzdachverbands Eurogroup for Animals. „Wer Europas Landwirtschaft zukunftsfähig machen will, muss den Mut haben, den Umfang der Tierhaltung zu reduzieren und pflanzliche Proteine deutlich stärker zu fördern. Diese Chance lässt die Kommission ungenutzt.“
Europa brauche weniger Tiere in besseren Haltungssystemen – nicht eine Strategie, die den Tierschutz ausbremst, statt ihn voranzubringen, so Plinz weiter. Der Verband kritisiert besonders, dass die Strategie die Ursachen vieler Probleme der intensiven Tierhaltung ausblende. Zwar würden Maßnahmen zur Krankheitsprävention und Biosicherheit angekündigt, die Risiken hoher Tierbestände und Besatzdichten seien aber weitgehend unberücksichtigt geblieben.
Ganz anders das Urteil des Bundesverbandes Rind und Schwein e. V. (BRS). Er bewertet die EU-Tierhaltungsstrategie grundsätzlich positiv. Besonders begrüßt der Verband, dass die Nutztierhaltung ausdrücklich als strategisch wichtiger Sektor für Ernährungssicherheit, ländliche Räume, Biodiversität und Kreislaufwirtschaft anerkannt wird; ebenso den Ansatz, Tiergesundheit, Tierwohl, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit künftig stärker zusammenzudenken. Auch die angekündigte Förderung der Kreislaufwirtschaft, die Unterstützung von Innovationen sowie der Abbau bürokratischer Hürden werden ausdrücklich begrüßt.
Positiv bewertet der BRS zudem den europäischen Ansatz im Bereich der Tiergesundheit. Die stärkere Ausrichtung auf Prävention, Biosicherheit, Früherkennung und Krisenmanagement sei der richtige Weg. Auch die angekündigte Überprüfung der Kategorisierung von Tierseuchen im EU-Tiergesundheitsrecht wird als sinnvoll angesehen. Da Tierseuchen keine Landesgrenzen kennen, brauche es europaweit einheitliche Maßstäbe, klare Zuständigkeiten sowie verlässliche Bekämpfungs- und Finanzierungsmechanismen. Einen vergleichbar präventiven und strategischen Ansatz wünsche sich der Verband auch auf nationaler Ebene.
Ob die Strategie tatsächlich zu Verbesserungen für die Tierhaltung in Deutschland führe, hänge jedoch maßgeblich von ihrer konkreten Ausgestaltung ab, mahnt der BRS.
Deutscher Tierschutzbund
BRS
Niederlande reduziert Emissionen aus Tierhaltung
Die Stickstoffemissionen aus der niederländischen Tierhaltung sind 2025 leicht gesunken. Das Ziel der Regierung, durch den Abbau des landesweiten Viehbestandes durch die Zahlung von Ausstiegsprämien, den Stickstoffeintrag der Landwirtschafts zu reduzieren, wurde somit erreicht. Die Emissionen blieben unter dem geltenden Grenzwert. Bei Phosphat verringerten sich die Emissionen zwar ebenfalls (- 3 Prozent), allerdings wurde der Grenzwert dennoch um 5 Prozent überschritten.
Laut den Angaben des Nationalen Statistikamtes wurden 2025 insgesamt 439,5 Mio. kg Stickstoffverbindungen aus Viehmist ausgestoßen und damit gegenüber dem Vorjahr 2,1 Prozent weniger. Die geltende Stickstoffemissionsgrenze liegt bei 440 Mio. kg.
Der auf die Rinderhaltung zurückzuführende Stickstoffausstoß ging im Jahresvergleich um 2 Prozent auf 292 Mio. kg zurück. Davon entfielen 260 Mio. kg auf Milchkühe einschließlich Jungtiere. Im Schweinesektor wurden 2025 insgesamt 77,7 Mio. kg Stickstoffverbindungen freigesetzt (- 3 Prozent), bei Geflügel waren es 48,1 Mio. kg (- 1,2 Prozent).
Schweizerbauer
Giftige Substanzen können Verbrennungen bei Rindern verursachen
Starke Sonneneinstrahlung in Kombination mit der Aufnahme giftiger Substanzen können bei Rindern zu extremen Verbrennungen der Haut führen. Diese Photosensibilitätsreaktion kann besonders bei hellen Rinderrassen wie Galloway auftreten.
Die ersten Symptome dieser Reaktion sind Hautveränderungen, die zunächst wie ein starker Sonnenbrand aussehen. Nach Informationen von betroffenen Rinderhalter:innen folgen weitere Hautveränderungen, wie Rötungen und Verdickungen der weniger pigmentierten Hautflächen. Diese Stellen verfärben sich nach zwei oder drei Tagen dunkel und lösen sich von der Hautunterlage. Der ganze Prozess dauert rund zwei Wochen.
Analysen der Rinderklinik der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) zufolge sind größere Mengen giftiger Substanzen wie Johanniskraut und Buchweizen Verursacher der Verbrennungen. Zudem können Leberegel schwere Symptome hervorrufen. Ein sofortiges Aufstallen und eine symptomatische Behandlung in Zusammenarbeit mit der/dem Tierärzt:in sind hier dringend angeraten.
Agrarheute
EU mit ambitionierten Zielen für die Nutztierhaltung
Die Nutztierhaltung in der Europäischen Union generiert rund 400 Milliarden Euro Umsatz jedes Jahr und beschäftigt etwa sieben Millionen Arbeitskräfte. Gemäß einem Leak zur EU-Tierhaltungsstrategie soll verhindert werden, dass die Nutztierbestände in den EU-Ländern weiter sinken. Dem Entwurf zufolge soll bis 2040 eine Trendwende erreicht sein.
Damit die Branche in die Lage versetzt werden kann, profitabel zu wirtschaften, möchte die EU-Kommission -im Einklang mit den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO)- für gleichwertige Tierwohlauflagen sorgen. Konkrete Maßnahmen, wie die Konkurrenz zwischen tierischen Erzeugnissen aus der EU und Importen aus Drittstaaten entschärfen kann, nennt der Entwurf aber nicht.
Sicher ist, dass die Käfighaltung von Hühnern und die Kastenstandhaltung von Sauen sowie das systematische Töten männlicher Küken aus Legehennenlinien beendet werden soll. Damit würde die EU der Europäischen Bürgerinitiative End the Cage Age (EBI) folgen. Ein konkreter Zeitplan ist aber nicht genannt, so Agra Europe.
Ob die ambitionierten Ziele angesichts fehlender Fristen, unklarer Finanzierung und des politischen Gegenwinds aus den Mitgliedsstaaten mehr als Absichtserklärungen werden, dürfte sich spätestens bei den konkreten Gesetzgebungsvorhaben zeigen. Der Entwurf soll am 1. Juli 2026 zusammen mit dem EU-Proteinplan offiziell in Brüssel präsentiert werden.
Schweizerbauer
Österreich plant Außenstelle für Nutztiermedizin
Besonders in ländlichen Regionen siedeln sich immer weniger Tierärzt:innen an, was die tierärztliche Versorgung von Nutztieren gefährdet. Um Studierenden der Veterinärmedizin die Nutztiermedizin näherzubringen, plant die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni) gemeinsam mit dem Land Oberösterreich eine neue Außenstelle für Nutztiermedizin. Hier sollen künftig zehn bis zwanzig Studierende pro Semester sowie wissenschaftliches Personal, Ausbildende und Tierärzt:innen in die Arbeit der Außenstelle eingebunden werden.
Die gemeinsame Ausbildungsinitiative soll dem wachsenden Nutztierärztemangel entgegenwirken. Geplant ist die Einrichtung einer Außenstelle im Zentralraum, die künftig als Ausbildungs- und Forschungsstandort für Wiederkäuer-, Schweine- und Geflügelmedizin dienen soll. Neben klinischen Ausbildungsmodulen in Kooperation mit regionalen Tierarztpraxen sind Bereiche der angewandten Forschung sowie Weiterbildungsangebote geplant. Darüber hinaus soll die Zusammenarbeit mit den Höheren landwirtschaftlichen Schulen intensiviert werden, um frühzeitig Interesse an der Nutztiermedizin zu wecken.
„Unsere Bäuerinnen und Bauern brauchen eine verlässliche tierärztliche Versorgung direkt in den Regionen. Die neue Außenstelle ist ein Meilenstein für unsere heimische Landwirtschaft“, erklärt Agrarlandesrätin Michaela Langer-Weninger. „Wir investieren gezielt in die Ausbildung hochqualifizierter Fachkräfte und stärken damit unseren ländlichen Raum“, ergänzt Landeshauptmann Thomas Stelzer.
„Mit der neuen Außenstelle in Oberösterreich schaffen wir einen wichtigen Ausbildungsstandort für die Nutztiermedizin und stärken gleichzeitig die Praxisnähe im Studium. Unser Ziel ist es, Studierende frühzeitig mit den vielfältigen beruflichen Perspektiven in der Großtierpraxis und den Chancen des ländlichen Raums vertraut zu machen. Wir freuen uns auf die enge Zusammenarbeit mit dem Land Oberösterreich, den Schulen sowie allen Partnern, um gemeinsam die tierärztliche Versorgung der Zukunft zu sichern“, sagt Vetmeduni-Rektor Matthias Gauly abschließend.
Vetmeduni Wien
Extremhitze in Frankreich verursacht Massensterben von Hühnern
Nicht nur in Deutschland leiden Menschen und Tiere seit Tagen unter Extremtemperaturen, die beinahe überall deutlich über der 30-Grad-Marke liegen. Auch in Frankreich lähmt eine rekordverdächtige Hitzewelle das Land. Am vergangenen Dienstag wurden regional bis zu 44,3 Grad Celsius gemessen. Die Extremhitze hat dort nun zum Tod von Hunderttausenden Stück Geflügel geführt, da es immer wieder auch zu Stromausfällen gekommen ist. Eine endgültige Zahl lässt sich bislang nicht beziffern, zumal die Hitzewelle noch einige Tage anhalten sollen.
„In unseren beiden größten Geflügelregionen beobachten wir hitzebedingte Übersterblichkeit“, erklärt Yann Nedelec, der Präsident des französischen Geflügelverbandes ANVOL. „Die Kapazitäten der Tierkörperbeseitigung reichen vielerorts nicht mehr aus, um die verendeten Tiere zeitnah abzuholen“, so Nedelec. Da die Kadaversammeldienste komplett überfordert sind, sollten die Behörden in Erwägung ziehen, in den beiden wichtigsten Geflügelregionen des Landes, der Bretagne und im Pays de la Loire, Bestattungen auf den Betrieben zuzulassen.
Durch die gleichzeitig stark gestiegene Luftfeuchtigkeit stoßen aber auch gut belüftete Ställe an ihre Grenzen. Die Tiere können überschüssige Körperwärme nur über die Atmung abgeben.
Agrarheute
NRW schreibt Tierschutzpreis 2026 aus
Das Land Nordrhein-Westfalen hat den Tierschutzpreis 2026 ausgerufen. Der mit 30.000 Euro dotierte Preis wird durch die Landestierschutzbeauftragte Dr. Gerlinde von Dehn und Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen beriets zum sechsten Mal an Menschen verliehen, die sich in den Bereichen des Tierschutzes und Tierwohles besonders engagieren. Eine Jury, bestehend aus Mitgliedern des Tierschutzbeirates des Landes sowie Mitarbeiter:innen des Landwirtschaftsministeriums, wählt aus den Bewerbungen aus.
„Wer sich im Tierschutz engagiert, zeigt Herz und Haltung. Mit dem Tierschutzpreis NRW sollen Menschen gewürdigt werden, die Verantwortung übernehmen und denen eine Stimme verleihen, die keine eigene Stimme haben. Die jährliche Auslobung und Verleihung des Preises zeigt die Wertschätzung für das Engagement sowie die ehrenamtliche Arbeit und soll die vielen verschiedene Tierschutzinitiativen in Nordrhein-Westfalen sichtbar machen. Ich möchte alle, die sich für Tiere einsetzten, ermuntern, sich zu bewerben“, betont von Dehn.
In NRW ansässige Bürger:innen, Verbände, Vereine, Betriebe sowie sonstige Einrichtungen und Organisationen können sich bis einschließlich 4. September 2026 bewerben bzw. Tierschutzinitiativen in ihrem Umfeld vorschlagen.
Ministerium NRW
Einfache Maßnahmen können Mensch, Tier und Wald schützen
Die aktuell herrschenden Temperaturen stellen eine hohe Belastung für Mensch und Tier dar. Gleichzeitig steigt auch das Waldbrandrisiko in vielen deutschen Regionen wieder gefährlich an.
„Heiße Tage und tropische Nächte können für Mensch und Tier herausfordernd sein. Übermäßige Hitze kann gesundheitliche Folgen haben. Daher müssen wir insbesondere bei der erwarteten Hitze der kommenden Tage uns und unsere Tiere vor den hochsommerlichen Temperaturen schützen. Zudem steigt die Waldbrandgefahr im Land“, erklärt Marion Gentges, Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat des Landes.
Viel Flüssigkeit und nur leichte Kost können der Bevölkerung helfen, durch diese Hitzewelle zu kommen. Auch für Hunde und Katzen stellen die jetzigen Temperaturen eine Herausforderung dar, denn die Tiere schwitzen nicht und können hohe Außentemperaturen nur in begrenztem Maße kompensieren. Um einen Hitzschlag zu vermeiden, benötigen Haustiere ausreichend kühles Wasser und einen möglichen Rückzug in kühle und schattige Plätze. Ein Hitzestress zeigt sich durch Symptome wir schnelles Atmen oder Verwirrung. In diesen Fällen sollten umgehend Gegenmaßnahmen in Absprache mit dem Tierarzt eingeleitet werden.
Nutztiere müssen ebenfalls vor Hitze geschützt werden. Hitzestress kann zu Kreislaufproblemen, Leistungseinbußen, erhöhter Krankheitsanfälligkeit und im Extremfall auch zum Tod führen. „Auf der Weide würden den Tieren Zugänge zu Schattenplätzen, idealerweise natürlich durch Bäume oder Sträucher, helfen. Ställe sollten gut durchlüftet, durch Ventilatoren oder Luftströme gekühlt und vor direkter Sonne geschützt sein. Frisches, sauberes Wasser müsse immer verfügbar sein“, erklärt die Ministerin. Der Wasserbedarf steige bei Hitze stark an, daher sollten Tränken regelmäßig kontrolliert und nachgefüllt werden. Garten- oder Balkonbesitzer:innen helfen den heimischen Wildtieren durch das Bereitstellen von Tränken. „Diese sollten regelmäßig gereinigt und mit frischem Wasser gefüllt werden“, so Gentges.
Die Waldbrandgefahr steigt aktuell in den deutschen Wäldern, besonders im Osten und Süden des Landes. In einigen Regionen wie in Brandenburg, Bayern und Baden-Württemberg, gilt Stufe 4 von 5. „Daher gilt sich umsichtig zu verhalten, denn ein heißer Katalysator von einem unachtsam abgestellten Fahrzeug oder die Hitze eines Einweggrills kann ausreichen, um einen Waldbrand zu entfachen“, warnt Ministerin Gentges.
Sollten Waldbesucher bei ihrem Aufenthalt im Wald Rauch oder Feuer feststellen, bittet die Forstverwaltung darum, sofort den Notruf 112 zu wählen und die Feuerwehr zu verständigen. Eine schnelle Entdeckung und Meldung von Waldbränden hilft, das Ökosystem Wald aktiv zu schützen.
Ministerium Baden-Württemberg
Dänemark plant radikale Veränderung in der Schweinehaltung
Dänemark gehört zu den weltweit größten Top-Exporteuren für Ferkel. Deutschland ist eins der Hauptabnehmer. Den dänischen Schweinehalter:innen steht aktuell ein radikaler Umbruch bevor. Die Regierung des skandinavischen Landes plant ein Ende der exportorientierten Schweineproduktion. Das erklärte politische Ziel der neuen Mitte-links-Regierung ist die massive Drosselung der Ferkelimporte, die bei mehr als 16,7 Millionen Tieren jährlich liegen.
Das Ziel ist eine stärkere Ausrichtung auf die heimische Wertschöpfung. Nach den Plänen der Regierung sollen Ferkel bevorzugt in Dänemark gemästet, veredelt und geschlachtet werden, anstatt diese zur Mast nach Deutschland oder Polen zu schicken. Das würde zudem dem Arbeitsmarkt im eigenen Land zu Gute kommen.
Die vorgeschlagenen Maßnahmen umfassen neben einem Stopp für Stallneubauten auch die Einführung einer CO2-Steuer für die Tierhaltung. Weiterhin sollen die Tierschutzregeln verschärft werden, die den Export indirekt erschweren könnten. Bis 2030 soll ein vollständiges Verbot des Schwanzkupierens durchgesetzt werden, die Fixierung von Sauen im Abferkelbereich komplett abgeschafft, die Absetzzeit auf mindestens vier Wochen festgelegt und deutlich mehr Platz in den Buchten vorgeschrieben werden. Für viele Betriebe könnte das zu einer Existenzbedrohung werden. Auch auf die deutschen Abnehmer dänischer Ferkel hätte die Neuregelung einen starken Einfluss.
Aktuell werden rund 7,3 Millionen Ferkel nach Deutschland sowie 7,8 Millionen nach Polen importiert. Ein Wegbrechen dieser Exportmärkte ohne die Möglichkeit, die Tiere im Inland kostendeckend zu mästen, würde für viele dänische Betriebe das Aus bedeuten.
Jedoch zweifeln Expert:innen an der Umsetzung dieser Vorhaben. So betont Peter Pagh, Professor für Recht an der Universität Kopenhagen, dass der EU-Vertrag mengenmäßige Ausfuhrbeschränkungen zwischen Mitgliedstaaten strikt untersagt. „Man darf nicht das Ziel haben, Exporte zu beschränken. Man darf auch keine Maßnahmen beschließen, die darauf abzielen, Exporte einzuschränken“, so Pagh in der LandbrugsAvisen. Selbst indirekte Maßnahmen, wie eine Sonderabgabe auf exportierte Ferkel, wären demnach rechtswidrig.
Zwar setzt die dänische Regierung auf einen radikalen Kurs in Richtung Tierschutz und Binnen-Wertschöpfung. Doch der rechtliche Spielraum innerhalb des EU-Binnenmarktes ist eng. Sollte Kopenhagen versuchen, den Export durch nationale Vorschriften – etwa im Bereich Transport oder Tierschutz – indirekt zu drosseln, drohen Klagen vor dem Europäischen Gerichtshof und hohe Schadensersatzforderungen.
Agrarheute
Bundesrat: Tierschutz muss weiterentwickelt werden
In seiner Sitzung am vergangenen Freitag (12.06.2026) hat sich der Bundesrat für eine Wiederaufnahme der Tierschutzreform ausgesprochen. Das Plenum sieht einen dringenden Handlungsbedarf bei verschiedenen Themen und fordert die Bundesregierung zur Überarbeitung der bestehenden Regelungen auf. Das Verfahren war im Jahr 2024 nach dem Ende der Ampel-Koalition ausgesetzt worden.
So begrüßen die Ländervertreter:innen zwar die geplante Einführung einer verpflichtenden Videoüberwachung in größeren Schlachthöfen, die Maßnahmen sind nach ihrer Sicht aber längst nicht ausreichend. Der Bundesrat fordert daher zusätzliche Maßnahmen bei Tierschutzkontrollen in Verarbeitungsbetrieben für tierische Nebenprodukte (VTN-Betriebe) sowie eine weitere Reduzierung nicht-kurativer Eingriffe.
Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte sieht in der Kameraüberwachung einen wichtigen Baustein zur Weiterentwicklung einer tierschutzgerechten Schlachtung, betrachtet die Neuregelung jedoch lediglich als einen ersten Schritt. Die Ministerin weist auf weiteren Handlungsbedarf unter anderem bei den Mindestanforderungen für die Putenhaltung hin. Eine Empfehlung des Agrarausschusses zum kürzlich ergangenen Putenhaltungs-Urteil hingegen fand im Plenum keine Mehrheit. Dieser wollte festhalten, dass ein erheblicher Teil der Nutztiere bislang nur unzureichend durch das Tierschutzrecht geschützt sei.
Geflügelnews
Tag der offenen Tür im BMLEH
Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) öffnet am kommenden Wochenende seine Türen für die Öffentlichkeit. Besucher:innen haben am Samstag und Sonntag (21./22.06.2026) die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen des Ministeriums in der Französischen Straße in Berlin zu werfen.
Neben Talks, Musik, Kochen und Quiz zum Mitmachen sowie Führungen durch das Ministerium und einem bunten Kinderprogramm gibt es auch viel Wissenswertes über Bienen und torffreies Gärtnern zu erfahren. Außerdem stehen Praktikerinnen und Praktiker aus der Landwirtschaft für Gespräche bereit.
In verschiedenen Themenbereichen, unter anderem Digitalisierung und Ernährung, können sich die Besucher:innen zudem über die Arbeit des BMLEH informieren. Wer Einblicke in das Dolmetschen bei Internationalen Konferenzen erhalten möchte, kann sich außerdem selbst einmal beim Live-Dolmetschen ausprobieren.
Das BMLEH ist jeweils von 10-18 Uhr geöffnet. Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig.
BMLEH
Mecklenburg-Vorpommern stellt Weichen für rechtssicheres Wolfsmanagement
Am 2. April 2026 ist das geänderte Bundesjagdgesetz in Kraft getreten. So haben Behörden nun die Möglichkeit, schneller und zielgerichteter auf Wolfsrisse reagieren zu können. Unter der Voraussetzung, dass Nachweise sowohl über einen Nutztierriss durch einen Wolf als auch über ausreichende Maßnahmen zum Herdenschutz vorliegen, können Maßnahmen unmittelbar nach der Begutachtung eingeleitet werden. Über die Umsetzung der neuen Regelungen sind die zuständigen Behörden und beteiligten Institutionen in Kenntnis gesetzt worden.
„Der Wolf gehört inzwischen dauerhaft zur Natur in Mecklenburg-Vorpommern. Gleichzeitig tragen unsere Weidetierhalter täglich Verantwortung für ihre Tiere und leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt unserer Kulturlandschaften. Artenschutz und Weidetierhaltung dürfen deshalb nicht gegeneinander ausgespielt werden“, erklärt Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus.
Der Minister betont, dass sowohl Nutztiere wirksam zu schützen seien als auch der günstige Erhaltungszustand des Wolfes gesichert werden müsse. Vor dem Einleiten einer Maßnahme müsse fachkundlich begutachtet werden, dass nachweislich ein Wolf trotz ausreichender Schutzmaßnahmen Schäden in Nutztierbeständen verursacht hat. Herdenschutzmaßnahmen seien weiterhin die beste Maßnahme, um eine nachhaltige Koexistenz von Weidetierhaltung und Wölfen in dem Bundesland zu gewährleisten, so der SPD-Politiker.
„Wer seine Tiere schützt und dennoch von Wolfsschäden betroffen ist, erwartet zu Recht, dass der Staat handlungsfähig ist. Die neuen Regelungen schaffen dafür zusätzliche Möglichkeiten und mehr Rechtssicherheit für alle Beteiligten“, so Backhaus.
Ein landesweiter Wolfsmanagementplan zur Schaffung eines einheitlichen Rahmens für den Umgang mit dem Wolf in Mecklenburg-Vorpommern ist derzeit in Arbeit.
Ministerium Mecklenburg-Vorpommern
Maßnahmen zur Sicherung des tierärztlichen Nachwuchses dringend notwendig
Die Österreichische Tierärztekammer (ÖTK) hat eine aktuelle Zukunftsprognose zur Entwicklung der tierärztlichen Versorgung in Österreich veröffentlicht. Demnach bereitet die derzeitige Altersstruktur große Sorgen. Denn zum Ende des vergangenen Jahres waren rund 360 versorgungsrelevante Tierärzt:innen über dem gesetzlichen Pensionsantrittsalter angesiedelt. Entsprechend werden in den nächsten Jahren ein Großteil erfahrener Praktiker:innen aus dem Berufsleben ausscheiden, so die ÖTK.
Die Studie hat gezeigt, dass in den kommenden 14 Jahren durchschnittlich rund 84 Pensionierungen pro Jahr stattfinden werden. Besonders im Nutztierbereich würden diese Stellen nicht mehr adäquat besetzt werden können. So prognostiziert die Studie ein Defizit zwischen 43 und minus 65 Vollzeitäquivalenten, je nachdem, wie sich das tatsächliche Pensionsverhalten der Tierärzt:innen entwickeln wird. Dies entspricht etwa 70 bis 100 Tierärzt:innen, die für eine ausreichende Versorgung im Nutztierbereich fehlen würden.
Die ÖTK zeigt sich aber zufrieden, dass die Zukunftsprognose bei verschiedenen Medien auf großes Interesse gestoßen ist und das Thema aufgegriffen haben. So werde vermehrt auf die Notwendigkeit, frühzeitig Maßnahmen zur Sicherung des tierärztlichen Nachwuchses und zur langfristigen Aufrechterhaltung der tierärztlichen Versorgung in Österreich zu ergreifen, aufmerksam gemacht.
ÖTK
Mit 50.000 Unterschriften für Verbot von Tiertransporten
Am 14. Juni findet jedes Jahr der Internationale Tag gegen Tiertransporte (Ban Live Exports Day) statt. Dieser weltweite Aktionstag macht auf die grausame Realität von Tiertransporten aufmerksam, auf denen jedes Jahr Schweine, Rinder und Geflügel millionenfach großes Leid erfahren. Anlässlich dieses Gedenktages hat die Animal Welfare Foundation gemeinsam mit Partnerorganisationen knapp 50.000 Unterschriften gegen Tiertransporte in Krisen- und Kriegsgebiete an die Europäische Kommission übergeben. Der Verein erneuert damit seine Forderung nach einem Ende des Exports lebender Tiere in Krisengebiete sowie ein generelles Verbot von Langstreckentransporten in Drittstaaten.
Neben dem massiven Stress und Leid für die Tiere über Tage und Wochen auf Lastwagen und Schiffen stellen die Transporte in politisch instabile Regionen ein großes Risiko dar, wie u.a. ein Vorfall im Mai 2026 vor der Küste Omans gezeigt hat. Hier war ein indisches Tiertransportschiff mit rund 4.000 Schafen und Ziegen auf dem Weg nach Somalia von einer Bombe oder Drohne getroffen worden und gesunken
Trotz der seit Februar 2026 andauernden Eskalation im Nahen Osten sind nach Angaben von Animal Welfare mehr als 50 Schiffstransporte nach Behördengenehmigung in Krisenregionen durchgeführt worden, unter anderem nach Israel, in den Libanon und in weitere Staaten der Region. Bezugnehmend auf das geltende EU-Recht fordert die Tierschutzorganisation einen sofortigen Stopp von Transporten von lebenden Tieren in Krisengebiete, da hier ein ausreichender Schutz keinesfalls gewährleistet werden kann.
Animal Welfare Foundation
Rückläufige Tierhaltung gefährdet Grünland
Der Strukturwandel in der Nutztierhaltung hat dazu geführt, dass sowohl die Fleischproduktion als auch der gesamte Nutztierbestand in Deutschland seit Jahren rückläufig ist. Die Hauptgründe liegen an einem veränderten Konsumverhalten, gestiegenen Kosten für Futter und Energie sowie geringen Erlösen und letztendlich auch an den verschärften gesetzlichen Auflagen. Der Rückgang der Weidetierhaltung beeinflusst aber auch das Grünland.
Durch die sinkende Nachfrage nach Grünlandfutter bestehe die Gefahr, dass die bisher benötigten Flächen langfristig nicht mehr genutzt und gepflegt werden. Das wiederum habe negative Auswirkungen auf Biodiversität und Landschaftsbild, erklärt Prof. Dr. Andre Deppermann von der Technischen Hochschule Bingen. Um die Risiken zu identifizieren, hat der Wissenschaftler ein Forschungsprojekt ins Leben gerufen, in dem verschiedene Daten systematisch zusammengeführt werden, um Risiken zu identifizieren.
Das Projekt „Entwicklung eines integrierten Analyserahmens für die Landnutzung in Rheinland-Pfalz“ läuft von Juni 2026 bis Mai 2028 und wird von der Carl-Zeiss-Stiftung im Rahmen des Programms „CZS Forschungsstart“ mit rund 236.000 Euro gefördert. Ziel des Vorhabens ist, Szenarien zu gefährdeten Regionen zu erstellen. Langfristig soll das Projekt zur Reform der Europäischen Gemeinsamen Agrarpolitik beitragen.
Das Forschungsprojekt richtet sich an Akteur:innen in Rheinland-Pfalz, darunter Politik, Verwaltung und Praxis, die sich mit der Nutzung und Pflege von Grünlandflächen befassen.
TH Bingen
Aromatisiertes Stroh animiert Schweine zum Spielen
Beschäftigungsmangel kann in Schweinehaltungen dazu führen, dass Schweine Verhaltensstörungen wie Schwanzbeißen entwickeln. Fehlt organisches Beschäftigungsmaterial, beginnen die Tiere, sich gegenseitig durch Bisse und Knabbern zu verletzen. Parfümiertes Stroh kann dieses Verhalten von Schweinen ändern und das Spielen fördern. Das ist das Ergebnis einer Studie der Schwedischen Universität für Agrarwissenschaften (Sveriges lantbruksuniversitet, SLU).
Ein Forschungsteam hat über einen Zeitraum von zwei Jahren untersucht, ob sich das Spielverhalten von Schweinen ändert, wenn den Tieren aromatisiertes Stroh angeboten wird. Die Wissenschaftler:innen haben 1.600 Ferkel im Alter von 10 Wochen bis zur Schlachtung Stroh zur Verfügung gestellt, das einerseits mit ätherischen Ölen, wie beispielsweise Lavendel, Anis und Kiefer, andererseits mit geruchsneutralem Mineralöl behandelt war. Die Untersuchungen konnten belegen, dass parfümiertes Stroh sowohl das Spielverhalten der Schweine als auch ihr Interesse am Stroh erhöhte.
„Mit dieser Studie wollten wir das Gesamtbild betrachten: Es ging uns nicht nur darum, wie sich ein schlechtes Tierwohl vermeiden lässt, sondern auch darum, ob geeignete biologische Maßnahmen die Schweine positiv beeinflussen können – etwa indem sie natürliche Verhaltensweisen wie Spielen und das Erkunden der Umgebung fördern“, sagt Maria Vilain Rørvang, außerordentliche Professorin am Institut für Biosysteme und Technologie der SLU und Hauptautorin der Studie. Es sei sehr interessant zu beobachten, wie die Neugier der Schweine geweckt werde, wenn sie an etwas riechen dürfen, das sie normalerweise nicht kennen, so die Forscherin. Die Aromatisierung des Strohs könnte eine Möglichkeit sein, Stroh über einen längeren Zeitraum hinweg interessant zu halten.
Der wissenschaftliche Artikel wurde nun in der Fachzeitschrift „Animal“ veröffentlicht.
SLU
Agrarheute
Hessen schreibt Tierwohlpreis aus
Tierwohl in der Nutztierhaltungwird in Hessen ernst genommen. So hat sich die Landesregierung das Ziel gesetzt, das Leben und Wohlbefinden, die Unversehrtheit sowie die Würde von Tieren besonders zu schützen. Verschiedene Maßnahmen wurden bereits umgesetzt, um diesem Ziel näher zu kommen. So hat die Regierung unter anderem Tierschutzindikatoren entwickelt sowie die Qualifizierung und Fortbildung Nutztierhalter:innen und Weiterentwicklung der rechtlichen Anforderungen vorangetrieben.
Zudem haben die hessischen Veterinärbehörden Kontrollen in den landwirtschaftlichen Betrieben, bei Tiertransporten und der Schlachtung oder Tötung von Tieren intensiviert. Mittels einer Informationsplattform, die das Hessische Umweltministerium und die hessische Landestierschutzbeauftragte gemeinsam mit der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) ins Leben gerufen haben, soll die Umsetzung von mehr Tierwohl in den Ställen unterstützt werden. Hier können sich Tierhaltende über kritische Haltungsbedingungen als auch charakteristisches Tierverhalten bei nicht artgerechter Haltung informieren.
Und auch in diesem Jahr hat das Landwirtschaftsministerium den Hessischen Preis „Tierwohl in der Landwirtschaft“ 2026 ausgeschrieben. Für den mit 17.000 Euro dotierten Preis sucht das Ministerium beispielhafte und innovative Projekte für eine zukunftsfähige Tierhaltung. Bis zum 1. September 2026 können Vorschläge von Bewerber:innen selbst eingereicht oder auch von Dritten benannt werden.
Um aktuelle Probleme des Tierschutzes geht es auch in der gleichnamigen Hybrid-Veranstaltung am 3. und 4. September 2026. Die Teilnahme ist sowohl vor Ort in Hannover oder online im Live-Stream möglich. Eine Anmeldung ist bis zum 31. August 2026 um 16 Uhr möglich
Ministerium Hessen
Tierseuchen: Schweiz beschließt Gesetzesänderung
Der Bundesrat der Schweiz hat in der vergangenen Woche einen Gesetzesentwurf zur Änderung des Tierseuchengesetzes verabschiedet. Mit der Reform soll eine gesetzliche Grundlage geschaffen werden, damit Behörden schnell und rechtssicher auf Tierseuchen reagieren können. Demnach sollen Nutztiere im Fall von Tierseuchen unter bestimmten Bedingungen schneller auch mit nicht zugelassenen Impfstoffen geimpft werden können.
Voraussetzung ist, dass in der Schweiz kein alternativ anwendbares und gleichwertiges Tierarzneimittel zugelassen und verfügbar ist und auch kein entsprechendes im Ausland zugelassenes Präparat eingeführt werden kann. Der Bundesrat verweist auf den Ausbruch des Blauzungenkrankheit (BTV) im Spätsommer 2024. Mangels Impfstoffs mit entsprechender Zulassung hatte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) eine Allgemeinverfügung erlassen müssen, um den Import und die Verteilung eines nicht zugelassenen Impfstoffs zu ermöglichen.
Die Gesetzesänderung könne in Krisensituationen von entscheidender Bedeutung sein, so der Bundesrat. Die Bewilligung sei befristet und diene ausschließlich dazu, eine Versorgungslücke im Tierseuchenfall zu überbrücken, teilt der Bundesrat weiter mit. Der ordentliche Zulassungsprozess werde dadurch nicht ersetzt.
Die Europäische Union verfügt bereits über eine entsprechende gesetzliche Grundlage. Mit der vorgeschlagenen Regelung schafft die Schweiz vergleichbare gesetzliche Möglichkeiten, eine Benachteiligung des Alpenstaates bei der Bekämpfung zu vermeiden.
Bundesrat Schweiz
Bayern erhöht Fördergelder für Tierwohlprogramm
Der Freistaat Bayern wird auch in diesem Jahr das Tierwohlprogramm „BayProTier“ fortsetzen. Trotz angespannter Haushaltslage stellt die Landesregierung insgesamt mehr als 15,6 Millionen für das Förderprogramm zur Verfügung. Mit der Fördersumme, die im Vergleich zum letzten Förderzeitraum um 3,5 Millionen Euro erhöht wurde, können rund 1.200 Betriebe sowohl bei Investitionen als auch bei den laufenden Mehrkosten besonders tierwohlgerechter Haltung unterstützt werden.
„Tierwohl hat für uns weiterhin höchste Priorität. Unser Programm gleicht die laufenden Mehrkosten moderner Tierwohlställe aus und wird von den Betrieben sehr gut angenommen. Das zeigt: Wir unterstützen genau dort, wo die Landwirtschaft verlässliche Partner braucht“, erklärt Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber.
Landwirtschaftliche Betriebe können ab sofort wieder Anträge stellen. Alle bisherigen Maßnahmen werden auch in 2026 mit unveränderten Anforderungen fortgeführt.
Für die Zukunft der heimischen Landwirtschaft fordert Kaniber vom Bund endlich langfristige Planungssicherheit für die Betriebe: „Wer mehrere hunderttausend oder sogar Millionen Euro in einen neuen Stall investiert, braucht Verlässlichkeit und keine ständig wechselnden Vorgaben.“
Ministerium Bayern
Bundeskabinett beschließt Lockerungen beim Umbau von Tierwohlställen
In der vergangenen Woche hat das Bundeskabinett beschlossen, den Umbau von Tierställen zu erleichtern, die vor 2013 errichtet worden sind. Ein entsprechender Gesetzentwurf hatte das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) vorgelegt. Demnach wird auch ein Wechsel der in dem Stall gehaltenen Tierart ermöglicht, sofern der Umbau die Haltungsbedingungen verbessert. Die neue Regelung soll ab 2027 greifen.
Gemäß der aktuellen Gesetzeslage dürfen Landwirt:innen ihre Ställe, die vor 2013 errichtet wurden, nicht umgebauen. Gemäß einer Rechtsänderung waren vor allem flächenarme Betriebe mit starker Tierhaltung im Außenbereich nicht mehr privilegiert.
„Wir machen den Stallumbau möglich, damit Tierwohl nicht am Genehmigungsrecht scheitert“, erklärt Silvia Breher, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH). „So stärken wir unsere Landwirtschaft und sichern Wertschöpfung im ländlichen Raum.“ Nach Information des BMLEH werden künftig zahlreiche unnötige Auflagen aufgehoben. Unter anderem entfällt die bisherige Vorgabe, dass der Umbau die höheren Haltungsstufen des Tierhaltungskennzeichnungsgesetzes erfüllen muss. Ab 2027 soll zudem ein Rück- und Neubau statt eines Stallumbaus erlaubt sein. Auch die Genehmigung von Biomasseanlagen im Außenbereich soll mit dem Gesetzentwurf erleichtert werden.
Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) fordert außerdem, dass die laufenden Mehrkosten für die Tierwohlställe in den nächsten Jahren gefördert werden. Anlässlich der Haushaltsdebatte soll daher die Bundesregierung eine entsprechende zusätzliche Fördersumme aus dem Kernhaushalt auch für das Jahr 2027 für das Bundesprogramm Umbau Tierhaltung (BUT) bereitstellen.
BMLEH
Agrarheute
Praxisnetzwerk SwissVets soll tiermedizinische Versorgung von Nutztieren sichern
Das Schweizer Praxisnetzwerk SwissVets betreibt in der Deutschschweiz aktuell sechs Tierarztpraxen mit Schwerpunkt Nutztiermedizin. Der Eintritt der Agrargenossenschaft fenaco im Juni 2026 soll dem Netzwerk eine langfristige Entwicklungsperspektive geben, erklärt Ulrich Witschi, Präsident des Verwaltungsrats von SwissVets.
Als neue Mehrheitsaktionärin von SwissVets wird die fenaco Genossenschaft gemeinsam mit Swissgenetics, der Arbeitsgemeinschaft Schweizerischer Rinderzüchter (ASR) und weiteren Kleinaktionären daran arbeiten, die tiermedizinische Versorgung in ländlichen Regionen der Schweiz langfristig zu sichern. Dafür soll das Netzwerk in der nahen Zukunft um weitere Nutztierpraxen erweitert werden.
„Mit der Beteiligung an SwissVets will die fenaco einen Beitrag zur langfristigen Sicherung der medizinischen Versorgung für Nutztiere in der Schweiz leisten. Das entspricht unserem genossenschaftlichen Zweckauftrag. Gleichzeitig stärken wir unsere Position als Nahversorgerin für essenzielle Bedürfnisse der Bevölkerung auf dem Land“, betont Michael Feitknecht, Vorsitzender der Geschäftsleitung der fenaco.
Aktuell stehen viele selbstständige Großtierärzt:innen vor der Pensionierung, haben aber Probleme, Nachfolger:innen für ihre Praxis zu finden. Jüngere Veterinärmediziner:innen lehnen meist jedoch die Übernahme einer Einzelpraxis mit 24-Stunden-Notfalldienst ab und entscheiden sich stattdessen für die Mitarbeit in einer bestehenden Praxisstruktur. Das Konzept von SwissVets soll dieser Entwicklung entgegenwirken.
fenaco
Rindertuberkulose: Baden-Württemberg trifft Vorbereitungen
Das seit Jahren durchgeführte Monitoring der Rotwild-Tuberkulose in Tirol hat eine erneute Zunahme der Infektionen in einzelnen Regionen gezeigt. Damit steigt auch das Risiko einer Übertragung auf Rinder, die während der Alpung Weideflächen gemeinsam mit Rotwild nutzen. Das haben Ausbrüche von Rindertuberkulose (M. bovis, TBC) in den vergangenen Monaten, zuletzt im April 2026 im österreichischen Vorarlberg, belegt.
Die aktuelle Entwicklung wird von dem baden-württembergischen Agrarministerium intensiv beobachtet. In dem Land gab es zuletzt im Jahr 2024 Fälle der TBC. Zwar gäbe es keinen Grund zur Beunruhigung, aber Vorbereitungen für das Übergehen der Krankheit auf Rinder aus dem Südwesten seien getroffen worden, so das Ministerium. Bereits seit dem Jahr 2013 werden alle
zurückkehrenden Weidetiere, die auf bayerischen und österreichischen Almen aufgetrieben worden sind, getestet.
„Die Untersuchung der rückkehrenden Weidetiere von bayerischen und österreichischen Almen hat sich bewährt und wird fortgesetzt“, teilte ein Sprecher mit.
Die anzeigepflichtige Tierseuche kann unter Umständen vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Bei einem positiven TBC-Nachweis in einem Betrieb müssen laut dem Bundeslandwirtschaftsministerium alle Rinder des Bestands getestet sowie erkrankte Tiere gekeult werden.
Proplanta
Widerstandsfähige Viehhaltungssysteme im Fokus der EAAP 2026
Nach Innsbruck im vergangenen Jahr wird die Jahrestagung der European Federation of Animal Science (EAAP) in 2026 in Hamburg stattfinden. Vom 7. bis 11. September 2026 werden rund 1.800 Fachleute aus Landwirtschaft, Wissenschaft, Beratung, Wirtschaft und Politik aus mehr als 60 Ländern zu nahezu 100 wissenschaftlichen Veranstaltungen zu Themen wie Tiergesundheit, Tierwohl, Genetik und Fütterung erwartet. Im Fokus der 77. EAAP-Tagung steht die Gestaltung widerstandsfähiger Viehhaltungssysteme als Schlüssel zur Kreislauflandwirtschaft.
Eine frühzeitige Buchung lohnt sich. Noch bis zum 31. Mai 2026 können Interessierte von vergünstigten Teilnahmegebühren profitieren. Den Teilnehmenden bietet sich auf der Tagung die Möglichkeit, sich über neue Entwicklungen und wissenschaftliche Erkenntnisse zu informieren, internationale Perspektiven kennenzulernen und sich mit Fachleuten aus aller Welt auszutauschen. Neben dem umfangreichen Fachprogramm erwartet die Besucher:innen außerdem ein vielseitiges Rahmenprogramm mit Exkursionen, Netzwerkveranstaltungen und zahlreichen Möglichkeiten zum persönlichen Austausch.
Der Kongress wird gemeinsam vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Züchtungskunde e.V (DGfZ) organisiert. Die Kongresssprache ist Englisch.
EAAP
Zahl der Milchviehbetriebe in Ostdeutschland nimmt weiter ab
Im Osten Deutschlands schreitet der Strukturwandel in der Nutztierhaltung massiv voran. So habe sich die Zahl der Milchviehbetriebe in den fünf ostdeutschen Bundesländern bereits stark verringert, erklärt Klaus Siegmund vom Interessenverband Milcherzeuger (IVM). Während vor gut 30 Jahren noch rund 4.760 Milchkuhbetriebe in der Region gezählt wurden, könnten in 10 Jahren möglicherweise nur noch 500 bis 700 Betriebe aktiv sein. Gleichzeitig dominierten immer mehr Großbetriebe den Markt, betonte Siegmund auf der IVM-Jahrestagung in der vergangenen Woche, auf der auch das 35-jährige Verbandsbestehen gefeiert wurde.
Damit einhergehend wurden seit 2015 1 Mio. Tonnen Milch weniger produziert, was einem bundesweiten Anteil an 18,4 Prozent entspricht. Ein Grund für den Strukturwandel ist nach Angaben des Branchenexperten der stark unterschiedliche Modernisierungsgrad der ostdeutschen Milchviehbetriebe.
Der Milchindustrieverband (MIV) hob anlässlich des Jubiläums die zielorientierte Zusammenarbeit hervor. Dabei sei der IVM als „durchaus kritischer, aber auch konstruktiver Begleiter“ der eigenen Verbandsarbeit aufgetreten. Als ein wichtiger Beitrag zur Transparenz in der Milchbranche seien Zahlen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in der Vergangenheit kritisch hinterfragt worden, so MIV-Hauptgeschäftsführer Björn Börgermann.
Schweizerbauer
Weltbienentag: gesunde Bienenvölker für Ökosysteme unverzichtbar
Am 20. Mai ist Weltbienentag. Im Jahr 2018 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen diesen besonderen Tag eingeführt, um einerseits auf die immense Bedeutung von Bienen hinzuweisen und andererseits auf den starken Rückgang der Bienenpopulation und den erforderlichen Schutz dieser Insekten aufmerksam zu machen.
Die Österreichische Tierärztekammer (ÖTK) nimmt den Weltbienentag zum Anlass, die Bedeutung von Honigbienen als eines der wichtigsten landwirtschaftlichen Nutztiere aufzuzeigen. „Der Weltbienentag erinnert uns daran, wie unverzichtbar gesunde Bienenvölker für unsere Ernährung und unsere Ökosysteme sind. Bienengesundheit ist daher auch ein veterinärmedizinisches Thema“, betont ÖTK-Präsident Mag. Kurt Frühwirth. Höhere Bestandsdichten sowie eingeschleppte Parasiten und Krankheitserreger, die das Risiko für Krankheitsausbrüche erheblich erhöhen, hätten die Anforderungen an die Bienenhaltung in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert, so Frühwirth weiter. Um so wichtiger sei die veterinärmedizinische Expertise. So fordert die ÖTK eine stärkere Einbindung der Veterinärmedizin in die Betreuung von Bienenvölkern. Wie bei anderen Nutztieren müsse auch bei Bienen die Gesunderhaltung, Prävention und Behandlung veterinärmedizinisch begleitet werden.
„Seuchenhafte Erkrankungen gefährden nicht nur die Bienen, sondern auch die gesamte Lebensmittelkette. Mit wissenschaftlich fundierter Expertise und gesetzlicher Grundlagen setzen wir uns gezielt für die Gesunderhaltung der Bienenvölker ein. Denn gesunde Bienen bedeuten nicht nur sichere Honigprodukte, sondern auch eine funktionierende Landwirtschaft und Biodiversität. Die Biene verdient unsere volle Aufmerksamkeit – heute und jeden Tag“, sagt Frühwirth abschließend.
„Wir Menschen sind auf Bienen angewiesen“, betont auch Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus und verweist auf die Rolle der Landwirt:innen. „Auch sie sind wichtig bei der Erhaltung der Bienen. Schließlich werden 58 Prozent der Fläche unseres Landes landwirtschaftlich genutzt.“
Um die Nahrungssituation der Bienen auch in den Städten und Gemeinden zu verbessern, seien öffentliches Grün und private Gärten von großer Bedeutung. „Und da zählt jede noch so kleine Wiese oder jedes begrünte Dach. Denn jeder kann selbst zum Bienenschutz und damit zur Artenvielfalt beitragen. Neben der Schaffung von Lebensräumen, in denen Nahrungsquellen und Nistmöglichkeiten für Insekten vorkommen, sollte man darauf achten, gezielt Gehölze oder Wildpflanzen aus der Region zu kaufen und anzupflanzen. Beliebt bei Wildbienen sind etwa Glockenblumen, Korbblütler wie Färberkamille und Rainfarn sowie der Natternkopf“, sagt der Minister abschließend.
Hinweis: Im Herbst startet auf Myvetlearn.de zum Thema Bienengesundheit eine mehrteilige Fortbildungsreihe für Tierärztinnen und Tierärzte.
ÖTK
Ministerium Mecklenburg-Vorpommern
Datenbank für Falltiere gefordert
In Deutschland versterben jedes Jahr Millionen Nutztiere auf landwirtschaftlichen Betrieben schon vor der Schlachtung. Die Hauptgründe sind Krankheiten oder Verletzungen, die sich Geflügel und Schweine sowie andere Tiere aufgrund von schlechten Haltungsbedingungen zuziehen. Wie hoch die Zahl der sogenannten Falltiere genau ist, steht nicht fest. Lediglich für Rinder wird jährlich eine Zahl ermittelt, die bei ca. 500.000 Tieren pro Jahr liegt.
Der Deutsche Tierschutzbund fordert daher von der Bundesregierung, eine Datenbank über die Sterblichkeitsraten von Nutztieren zu erstellen, um einen grundlegenden Überblick über die tatsächliche Zahl der Tiere, die die Schlachtung gar nicht erst erreichen, sondern verenden oder notgetötet werden müssen, zu erhalten.
„Die Bundesregierung hat offensichtlich kein Interesse daran zu wissen, wie viele Tiere in Deutschland “für die Tonne” gezüchtet werden“, kritisiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Trotz bestehender Strukturen zur Entsorgung der Tiere werden diese Daten nicht systematisch gesammelt oder ausgewertet. Dadurch bleibt unsichtbar, wie groß das tatsächliche Ausmaß von Tierverlusten in der Landwirtschaft ist und wo die größten tierschutzrelevanten Probleme liegen.“
Gemäß Koalitionsvertrag sollte „eine praxistaugliche Rechtsgrundlage für Kontrolle und Kennzeichnung von toten Tieren in Verarbeitungsbetrieben tierischer Nebenprodukte“ geschaffen werden, was bisher nicht umgesetzt wurde, so der Verband. Die Tierschützer:innen fordern daher eine verpflichtende bundesweite Erfassung aller „Falltiere“ und ihrer Todesursachen in einer Datenbank.
Deutscher Tierschutzbund
Hessen stellt Broschüre rund um die Schaf- und Ziegenhaltung vor
Schafe und Ziegen tragen seit Jahrtausenden durch ihre Beweidung wesentlich zur Förderung der biologischen Vielfalt bei und leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum Erhalt und zur Pflege der Kulturlandschaft in Deutschland. Mit einer überarbeiteten Broschüre möchte das Land Hessen die Situation von Halter:innen dieser kleinen Wiederkäuer verbessern und neue Perspektiven aufzeigen.
Die Broschüre „Schaf- und Ziegenhaltung in Hessen“ bietet den Halter:innen und politischen Entscheidungsträger:innen umfassende Informationen zum Herdenschutz und beleuchtet unter anderem Tiergesundheit, Tierwohl und Wirtschaftlichkeit in der Haltung. Gleichzeitig möchte das hessische Landwirtschaftsministerium die gesellschaftliche Wahrnehmung und Wertschätzung dieser Haltungsformen stärken. Interessierten steht die Broschüre auf der Internetseite des Ministeriums zum Download zur Verfügung.
Darüber hinaus informiert die Broschüre über Bildungs- und Beratungsangebote des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH), Fördermöglichkeiten des Landes und stellt ausgewählte Projekte vor.
Da Ziegen sich auch als Haustiere zunehmender Beliebtheit erfreuen und nicht nur als Nutztiere gehalten werden, bietet Myvetlearn.de zwei Online-Seminare zu den kleinen Wiederkäuern für die tierärztliche Fortbildung an. Die beiden Kurse wurden in Zusammenarbeit mit der Tierklinik für Reproduktionsmedizin und Neugeborenenerkrankungen der Justus-Liebig-Universität durchgeführt.
Ministerium Hessen
EU-Parlament fordert mehr Unterstützung von heimischen Tierhaltenden
Ende April 2026 hat das Europäische Parlament eine Entschließung zur stärkeren Unterstützung der Tierhaltenden in Europa verabschiedet. Darin fordern die Parlamentarier:innen die Europäische Kommission auf, Maßnahmen festzulegen, um die Tierhaltenden vor der Konkurrenz durch Importe aus Drittstaaten zu schützen und eine Verlagerung der Produktion ins außereuropäische Ausland zu verhindern.
Neben Maßnahmen zur Sicherung der Budgets der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), der Berücksichtigung der EU-Standards für Tierschutz, Tiergesundheit und Umweltverträglichkeit in allen Handelsabkommen und einer optimierten Vermarktung von EU-Tierprodukten im Ausland, fordert das Parlament unter anderem auch eine verbesserte EU-Koordinierung bei Impfstrategien, Früherkennungssystemen und Datenaustausch, einschließlich einer zentralen Impfdatenbank sowie Entschädigungsregelungen für von Krankheitsausbrüchen betroffene Landwirt:innen.
Mit diesen Maßnahmen soll der zunehmende ökonomische, ökologische und soziale Druck der Tierhaltenden verringert werden, damit ein weiterer Rückgang der Tierzahlen in Europa verhindert wird.
BRS
Mecklenburg-Vorpommern bündelt Wolfsmanagement im Ministerium
Am 30. April wird jedes Jahr der internationale Tag des Wolfes begangen. Diesen Tag sowie die veränderten rechtlichen und fachlichen Rahmenbedingungen hat das Land Mecklenburg-Vorpommern (MV) zum Anlass genommen, wichtige Weichen für die Zukunft des Wolfsmonitorings im Land zu stellen. So soll das bisher in Jasnitz angesiedelte Wolfskompetenzzentrum künftig organisatorisch in das Agrarministerium integriert werden. Zudem arbeitet das Land derzeit an einem eigenen Wolfsmanagementplan.
„Wir reagieren damit auf neue Anforderungen im Umgang mit dem Wolf. Mit der Bündelung im Ministerium stellen wir sicher, dass fachliche Expertise, rechtliche Bewertung und politische Steuerung noch enger verzahnt sind“, erklärt Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus.
In MV leben aktuell 26 Wolfsrudel und zwei Paare (2024/25: 28 Rudel, 5 Paare, ein Einzeltier). Trotzdem die Population stabil geblieben ist, wurden mehr Nutztierrisse verzeichnet. In den vergangenen 19 Jahren hat das Land mehr als 270.000 Euro an Kompensationszahlungen beglichen.
„Diese Entwicklung zeigt, dass wir den Schutz des Wolfs und die berechtigten Interessen der Weidetierhalter gemeinsam denken müssen. Unser Ziel ist ein funktionierendes Wolfsmanagement, das beides in den Blick nimmt“, so Backhaus.
Mit der neuen Bündelung sollen sowohl Entscheidungswege verkürzt als auch Abläufe verbessert sowie die Handlungsfähigkeit im Wolfsmanagement weiter gestärkt werden. Das Kompetenzzentrum bleibt dabei eine zentrale Schnittstelle zwischen Naturschutz, Landwirtschaft und Verwaltung.
Abschließend warb der Minister für einen sachlichen Umgang mit dem Thema: „Der Wolf polarisiert. Umso wichtiger ist es, dass wir faktenbasiert diskutieren und praktikable Lösungen entwickeln. Unser Anspruch ist es, sowohl dem Artenschutz als auch den Interessen der Menschen im ländlichen Raum gerecht zu werden.“
Ministerium Mecklenburg-Vorpommern
Tierärzt:innen leisten wichtigen Beitrag zur öffentlichen Gesundheit
Veterinärmediziner:innen leisten einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Zukunft. Darauf weist die österreichische Tierärztekammer anlässlich des am vergangenen Samstag begangenen World Veterinary Day hin.
Der Welttierärztetag hat das Ziel, die zentrale Rolle der Tierärzt:innen für Gesellschaft und öffentliche Gesundheit sichtbar zu machen. „Unsere Arbeit als Tierärzt:innen reicht weit über die medizinische Versorgung von Tieren hinaus: Wir sind Frühwarnsystem, Seuchenbekämpfer:innen und wirtschaftliche Stabilitätsfaktoren zugleich“, erklärt ÖTK-Präsident Mag. Kurt Frühwirth.
So leisten Tierärzt:innen einen wichtigen Beitrag zu einer resilienten Landwirtschaft, unter anderem durch die Betreuung von Betrieben im Bereich Biosicherheitsmaßnahmen, was in Anbetracht grassierender Tierseuchen besonders bedeutsam sei, so Frühwirth.
„Wir Tierärzt:innen erkennen Entwicklungen frühzeitig und tragen entscheidend dazu bei, geeignete Gegenmaßnahmen einzuleiten – zum Schutz von Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit und letztlich auch der menschlichen Gesundheit“, betonte der ÖTK-Präsident. „Tierärzt:innen sichern nicht nur das Wohl der Tiere, sondern auch wirtschaftliche Existenzen. Tierärztliche Arbeit wirkt sich direkt auf Produktivität, Qualität und Nachhaltigkeit der Lebensmittelproduktion aus.“
ÖTK
Gerichtsurteil wird Putenhaltung stark verändern
Am Donnerstag (23.04.2026) hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ein Urteil gegen einen Putenmastbetrieb ausgesprochen, das eine umfassende Diskussion ausgelöst hat und als ein wegweisendes Signal für den Tierschutz angesehen wird. Der Beklagte ist ein Putenmastbetrieb in Baden-Württemberg, gegen dessen Haltungsbedingungen ein in dem Bundesland ansässiger Tierschutzverband im Jahr 2024 geklagt hatte. Neben fehlender Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere stand auch das umstrittene Schnabelkürzen im Fokus der Klage.
Das Bundesverwaltungsgericht hat nun in dritter Instanz entschieden, dass die Haltungsbedingungen in diesem Betrieb mit dem Tierschutzgesetz nicht vereinbar sind.
Das Urteil nimmt Miriam Staudte, Landwirtschaftsministerin des Landes Niedersachsen, zum Anlass, auf die Defizite in der Putenhaltung in Deutschland hinzuweisen und klare und verlässliche gesetzliche Mindestanforderungen im Tierschutz zu fordern. „Zwar zielt das Bundesverwaltungsgericht zunächst auf einen konkreten Einzelfall ab und stellte fest, dass die Haltungsbedingungen eines putenhaltenden Betriebes in Baden-Württemberg nicht mit den Grundsätzen des § 2 des Tierschutzgesetzes im Einklang stehen. Dennoch wird dieses Urteil maßgeblichen Einfluss auf die gesamte Branche haben, weil die kritisierten Bedingungen sehr weit verbreitet sind. Wenn uns das Urteil vorliegt, werden wir als Land mit viel Putenhaltung in bestimmten Regionen sehr schnell prüfen, welche weiteren Schritte wir in Niedersachsen initiieren können“, so die Ministerin. Ihr zufolge könnte nun sogar eine Klagewelle drohen.
Konkret fordert Staudte, dass weniger Puten in einem Stall zusammenleben müssen und dass es Strohballen und Pickblöcke für die Tiere gibt.
„Im Februar hat die Europäische Lebensmittelbehörde wissenschaftliche Empfehlungen zur Putenhaltung vorgelegt, von denen die deutschen Zustände Lichtjahre entfernt sind. Für eine entsprechende Anpassung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung existieren seit Jahren konkrete Vorarbeiten der letzten beiden Vorgänger-Regierungen. Anstatt auf eine EU-Putenhaltungsverordnung zu warten, liegt es nun an der amtierenden Bundesregierung, diese Vorlagen aufzugreifen, nachzubessern und zügig umzusetzen“, erklärt der Deutsche Tierschutzbund, der das Urteil begrüßt.
Ministerium Niedersachsen
Weitere ND-Ausbrüche in Brandenburg und Bayern
Die Newcastle-Krankheit (ND) breitet sich im Süden und Osten Deutschlands weiter aus. Neben einem aktuellen Ausbruch in einem Geflügelbetrieb in Brandenburg ist die Tierseuche auch im bayerischen Gemeindebereich Gangkofen bestätigt worden.
Der neueste Ausbruch der anzeigepflichtigen Tierseuche in Brandenburg ereignete sich am Ende der vergangenen Woche in einem Hähnchenmastbetrieb im Kreis Märkisch-Oderland mit mehr als 126.000 Tieren, die alle gekeult werden mussten. Damit hat sich die Zahl der Ausbrüche in Brandenburg auf 19 erhöht. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hat den Virusnachweis am Sonntag bestätigt. Nach Informationen des Ministeriums in Potsdam gehören die nachgewiesenen Viren zu einem Genotyp, der insbesondere in den osteuropäischen Ländern zirkuliert.
Ein weiterer Ausbruch der ND in Bayern ist zudem in Ganghofen bestätigt worden. Betroffen ist hier ein Geflügelbetrieb mit 40.000 Tieren, die bereits alle getötet wurden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Das zuständige Landratsamt Rottal-Inn ordnete alle erforderlichen Schritte nach dem Tierseuchenrecht an.
Für Geflügelhalter:innen in den von der ND betroffenen Gebieten gelten weiterhin strikte Regeln. Darunter fallen unter anderem die deutliche Verstärkung und Überwachung der Biosicherheitsmaßnahmen. Nach Informationen des FLI kann das Virus auch über die Luft und kontaminierte Materialien sowie über Anhaftungen an Schuhwerk, Kleidung oder Maschinen übertragen werden. Nur mit der strengen Einhaltung von Hygienemaßnahmen könne der Eintrag in Bestände verhindert werden, so das Institut.
Auf Myvetlearn.de finden Tierärzt:innen dazu eine entsprechende Online-Fortbildung.
Geflügelnews
EuroTier: DLG-VetCon folgt dem bpt-Jahreskongress
Seit 30 Jahren findet die EuroTier alle zwei Jahre auf dem Messegelände Hannover statt. Der Startschuss für die diesjährige Ausgabe fällt am 10. November. Ab dann werden sich erneut mehr als 100.000 Besucher:innen auf der Weltleitmesse für professionelle Tierhaltung und Livestock-Management über Neuigkeiten in der Branche umsehen.
Von 2008-2024 hat der Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt) seinen Jahreskongress im Zweijahresrhythmus parallel zur EuroTier auf dem Messegelände durchgeführt. Ab diesem Jahr wird der bpt-Kongress allerdings von der Weltleitmesse abgekoppelt und neun Tage später beginnen.
Um den Groß- und Bestandstierärzt:innen im Rahmen der EuroTier jedoch weiterhin eine Plattform für den fachlichen Austausch zu bieten, findet am 12. und 13. November 2026 erstmals die DLG-VetCon – powered by EuroTier statt. Die von der Akademie der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) organisierte Fachveranstaltung verbindet Weiterbildung, Networking und Innovationsschau. Eine Foyerausstellung begleitet die DLG-VetCon.
Zielgruppe sind Groß- und Bestandstierärzte für die Tierarten Rind, Schwein und Geflügel, die sich auf eine Vielzahl an Vorträgen mit renommierten Expertinnen und Experten aus Veterinärmedizin und Tierhaltung, Workshops mit praxisnahen Inhalten und Lösungsansätzen, Guided Tours über die EuroTier mit exklusiven Einblicken in technische Innovationen sowie einem Networking-Abend freuen können.
DLG
Asiatische Hornisse im Blick behalten – Sichtungen melden
Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) hat sich seit dem ersten Fund im Jahr 2014 in verschiedenen deutschen Bundesländern ausgebreitet. stammt aus Südostasien. Das ursprünglich aus Südostasien eingeschleppte invasive Insekt ist inzwischen in Baden-Württemberg, dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen heimisch geworden. Auch in Hamburg, Bremen und Berlin wurden schon Einzelfunde gemeldet.
Die Asiatische Hornisse stellt besonders für Bienenvölker in Deutschland eine große Gefahr dar, da die großen Staaten von bis zu 2.000 Tieren im Vergleich zu heimischen Hornissen (bis zu 700 Individuen) entsprechend viel Nahrung in Form von Insekten benötigen.
Der Landwirtschaftsminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Till Backhaus, weist eindrücklich auf di Notwendigkeit der Imker:innen hin, besonders jetzt aufmerksam auf mögliche Nester der Asiatischen Hornisse zu achten, und ruft dazu auf, Sichtungen umgehend zu melden.
„Auch wenn die Art in Mecklenburg-Vorpommern bislang noch nicht nachgewiesen wurde, müssen wir vorbereitet sein. Solange die Bäume noch nicht belaubt sind, sind mögliche Nester leichter sichtbar. Daher ist erhöhte Aufmerksamkeit sinnvoll, solange Blätter fehlen und die Tiere besser zu beobachten sind“, betont Backhaus.
Auch der Naturschutzbund NABU appelliert an die Behörden der noch nicht betroffenen Länder, die Maßnahmen zur Eindämmung konsequent umzusetzen, weist jedoch darauf hin, dass die von der Regierung vorgegebenen Maßnahmen zu kurz greifen und eher kontraproduktiv sind. Vor allem eine Erlaubnis zum Aufstellen von Fallen für Jungköniginnen könne dazu führen, dass viele heimische Hornissen- und Wespenjungköniginnen mit vernichtet werden.
Sichtungen können über verschiedene Online-Portale gemeldet werden.
Ministerium Mecklenburg-Vorpommern
NABU
Sachsen stoppt Nutztiertransporte nach Nahost
Vor mehr als fünf Wochen ist die Situation im Nahen Osten eskaliert. Seitdem herrscht Krieg in der Region. Als Konsequenz wurde der Flugverkehr stark eingeschränkt, zudem arbeiten teilweise die Behörden nur begrenzt. Aus diesem Grund hat nach Niedersachsen nun auch das Land Sachsen beschlossen, Tiertransporte in diese Region auszusetzen. Denn die Transportdauer sei aktuell unkalkulierbar und stelle ein zu großes Risiko für Stress und Tierleid dar, sagt Sozialministerin Petra Köpping.
„Das Wohl der Tiere auf dem Transport und nicht zuletzt auch die Gesundheit der begleitenden Beschäftigten können derzeit nicht sichergestellt werden. Deshalb muss der Handel von Nutztieren in die vom Krieg betroffenen Länder und die Anrainerstaaten momentan ausgesetzt werden. Dies dient der Sicherheit von Mensch und Tier. Unkalkulierbare Verzögerungen oder auch Umleitungen der Transporte können deren Dauer erheblich verlängern. Damit steigt das Risiko für Stress, Verletzungen und Leiden der Tiere deutlich an. Das ist nicht hinnehmbar“, betont die Ministerin.
Das Verbot von Tiertransporten in die Kriegsregion soll so lange bestehen bleiben, wie die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland bestünden.
Ministerium Sachsen
Fleisch gewinnt in Deutschland an Beliebtheit
Nachdem viele Jahre lang der Fleischkonsum der Menschen in Deutschland stetig gesunken ist, zeichnet sich seit 2023 ein Aufwärtstrend ab. Im dritten Jahr hintereinander ist der Pro Kopf-Verbrauch gestiegen. Nach dem bislang tiefsten Stand in 2022 mit 52,7 kg pro Person hat sich der Appetit auf Fleisch im vergangen Jahr wieder vergrößert (54,9 kg). Laut Informationen des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) sind das 1,4 kg mehr im Vergleich zu 2024.
Die Beliebtheit von Geflügelfleisch hat dabei stark zugenommen und macht inzwischen mehr als ein Viertel des gesamten Fleischkonsums in Deutschland aus (14,7 kg/Person). Neben der zunehmenden Beliebtheit von Hähnchenfleisch könnte auch der niedrigere Anstieg der Verbraucherpreise von Geflügelfleisch im Vergleich zu den anderen Fleischsorten Grund für den Anstieg sein. Aber sowohl Schweine- als auch Rindfleisch haben laut der Statistik leicht zugenommen.
Doch während der Verzehr steigt, ist die Nettofleischproduktion (Schlachtmenge) in Deutschland nach vorläufigen Angaben um 0,3 Prozent auf 7,3 Millionen Tonnen Schlachtgewicht gesunken. Einen großen Anteil daran hatten die rückläufigen Rinderschlachtungen. Die Geflügelpest hatte zudem einen großen Anteil an der rückläufigen Geflügelfleischproduktion und hat einen Rückgang um 1,5 Millionen Tonnen verursacht.
Zur Deckung des gestiegenen Bedarfs mussten höhere Mengen an Fleisch importiert werden. Die Einfuhren legten um knapp 11% auf 3,6 Mio. Tonnen zu.
BMEL-Statistik
Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz beschlossen
Wie schon vorherzusehen war, hat der Bundesrat am vergangenen Freitag (27.03.2026) die Novelle des Bundesjagdgesetzes beschlossen. Das „Gesetz zur Änderung des Bundesjagdgesetzes und zur Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes“ sieht vor, dass nicht nur Problemwölfe leichter zu entnehmen sind, sondern auch, dass Jäger:innen Wolfsbestände unter bestimmten Voraussetzungen aktiv regulieren können. Sobald feststeht, dass Wölfe Nutztiere gerissen haben, gelten die Beutegreifer nach dem neuen Bundesjagdgesetz als Problemwölfe und dürfen ganzjährig entnommen werden.
Die Zahl der Wolfspopulationen und der Risse von Nutztieren ist in den vergangenen Jahren gestiegen. So wurden im Jahr 2024 rund 4.300 Nutztiere, überwiegend Schafe und Ziegen, von den Raubtieren getötet.
Für alpine Regionen und an den Deichen gelten jedoch Ausnahmebestimmungen. So können die Länder, in denen kein günstiger Erhaltungszustand gilt, zur Vermeidung von Weidetierrissen nicht schützbare Weidegebiete ausweisen. In Regionen mit einem günstigen Erhaltungszustand sind die zuständigen Behörden künftig verpflichtet, revierübergreifende Managementpläne aufzustellen, die gewährleisten, dass trotz Jagd der günstige Erhaltungszustand des Wolfes erhalten bleibt.
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer erklärt: „Niemand will den Wolf ausrotten, er hat sich bei uns als Teil der Tierwelt etabliert. Wenn aber Weidehaltung vielerorts schlicht nicht mehr stattfinden kann, haben wir einen klaren Handlungsauftrag. Künftig gibt es klare, praxistaugliche Regeln und Rechtssicherheit im Umgang mit dem Wolf. Ich freue mich, dass der Bundesrat meinem Gesetzentwurf zugestimmt hat – das ist ein guter Tag für alle Betriebe mit Weidehaltung.“ Der Deutsche Bauernverband (DBV) drängt nun auf eine zügige Bundesverordnung mit klaren Vorgaben zu Entnahmequoten, Weidegebietskriterien und Zumutbarkeit der Zäunung.
Nach fünf Jahren muss die Bundesregierung dem Deutschen Bundestag berichten, inwieweit sich die neuen Regelungen bewährt haben oder ob sie anzupassen sind.
BMELH
Weitere ND-Ausbrüche in Brandenburg und Bayern
Die Newcastle-Krankheit (ND) greift weiet um sich. Insgesamt gibt es bereits 40 Ausbrüche in Brandenburg, Bayern und Berlin. Von aktuellen Ausbrüchen sind in Brandenburg besonders die Landkreise Dahme-Spreewald und Oder-Spree betroffen. In zwei großen Geflügelhöfen sowie in kleineren Geflügelhaltungen kam es in den vergangenen Tagen zu weiteren Ausbrüchen. In Brandenburg wurden insgesamt 26 Fälle bestätigt.
Der größte Legehennenbetrieb Deutschlands in Bestensee musste wegen der aktuellen Ausbrüche nun auch die letzten Tiere töten. Nach Angaben des brandenburgischen Landwirtschaftsministeriums sind sechs Stallanlagen mit jeweils etwa 40.000 Tieren von der Newcastle-Krankheit betroffen.
„Die Ereignisse der vergangenen Wochen erschüttern uns alle tief. Nun jetzt auch den letzten Stall des Geflügelbetriebes in Bestensee aufgeben zu müssen und die Tötung der Tiere anzuordnen, ist ein schwerer und schmerzlicher Schritt für uns alle“, erklärt Stefan Wichary, Beigeordneter und Dezernent für Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Landkreises Dahme-Spreewald.
Allein in seinem Landkreis ist die Zahl der gekeulten Tiere auf 1,36 Mio. gestiegen. Der Landkreis bittet daher weiterhin um erhöhte Wachsamkeit: Auch in geimpften Beständen sollten Auffälligkeiten wie erhöhte Tierverluste oder Leistungseinbrüche unverzüglich untersucht werden, um eine weitere Ausbreitung frühzeitig zu verhindern.
In Bayern ist die Zahl der ND-Ausbrüche ebenfalls auf 14 gestiegen: In Gangkofen (Landkreis Rottal-Inn) wiesen die Behörden ND in einem dritten Geflügelbetrieb mit insgesamt 23.000 Masthähnchen nach, die alle getötet werden mussten.
Agrarheute
LTK Niedersachsen
Dänische Schweinehaltung in der Kritik
Dänemark gehört weltweit zu den führenden Exporteuren von Schweinen und Schweinefleisch. Gemäß der aktuellen Zahlen des dänischen Statistikamtes wurden zum Stichtag am 1. Januar 2026 in Dänemark insgesamt 12,3 Millionen Schweine gehalten. Im Gegensatz zu anderen EU-Staaten hat das skandinavische Land seine Schweinehaltung im Vergleich zu den Vorjahren weiter ausgebaut.
Die intensive Haltung steht aber immer wieder im Mittelpunkt von politischen und gesellschaftlichen Diskussionen. Im Rahmen des dänischen Wahlkampfes forderte eine breite Allianz aus mehreren Umwelt- und Tierschutzorganisationen erneut eine Neuausrichtung der Schweinehaltung, die das Ziel der Bestandsreduzierung sowie weniger negative Auswirkungen auf die Umwelt hat.
„Wir stellen fest, dass mehrere Parteien eine Reduzierung des gesamten Schweinebestands in Dänemark anstreben“, erklärte Jeppe Bloch Nielsen, Vorsitzender des Verbandes der dänischen Schweineproduzenten, daraufhin. Der Verband reagierte und hat ein Ausstiegsprogramm ins Spiel gebracht. Grundsätzlich kritisiert der Verband, dass das schlechte Image der dänischen Schweinebranche das Ergebnis falscher Aussagen und unwahrer Behauptungen verschiedener politischen Parteien sei.
„Wenn es nun einmal so ist, dass man in Dänemark keine Schweineproduktion mehr wünscht, dann müssen wir uns darauf einstellen und uns darauf konzentrieren, wie wir mit dieser Situation bestmöglich umgehen“, so Bloch Nielsen weiter. Ziel des nun vorgelegten Vorschlags sei es, den gesamten Schweinebestand anzupassen, ohne dabei finanzielle Unsicherheit und psychologischen Druck auf die Schweineproduzenten und ihre Familien auszuüben.
Dieser Vorschlag wird jedoch von dem dänischen Fachverband der Land- und Ernährungswirtschaft (L&F) nicht unterstützt. Der frisch ins Amt gewählte Vorsitzende der L&F-Sektion für Schweine, HC Gæmelke, plant, die heimische Produktion weiterzuentwickeln und in Verbesserungen zu investieren.
Schweizerbauer
Frankreich wertet Impfkampagne gegen HPAI als Erfolg
Bis zum Start des umfangreichen Impfprogramms in Frankreich im Oktober 2023 war das Land massiv von der hochpathogene Aviären Influenza (HPAI) betroffen. Nahezu 10 Millionen Stück Geflügel in rund 400 Nutzgeflügelhaltungen mussten wegen HPAI-Ausbrüchen gekeult werden.
Um besonders die hochpreisigen Enten vor der Infektion zu schützen, starteten die französischen Veterinärbehörden Anfang Oktober 2023 eine landesweite, für größere Bestände ab 250 Tieren verpflichtende Impfkampagne, bei der mehr als 95 Prozent der Enten vakziniert wurden. Insgesamt wurden bis Ende März 2024 rund 51 Millionen Impfdosen verabreicht. In der Regel impften die Tierhaltenden zweimal im Abstand drei Wochen.
Wie die aktuelle Auswertung der ersten sechs Monate zeigt, hat die Impfkampagne ihren Zweck erfüllt. Auch wenn nicht jede Infektion vermieden werden konnte, konnte die Impfung die schwersten Folgen mindern. Wie die zuständige Behörde mitteilt, seien zwischen 40 und 45% des Entenbestandes vor den schlimmsten Auswirkungen der Seuche geschützt gewesen. Trotzdem sei das Niveau ausreichend, um die Ausbreitung der Seuche zu bremsen, sofern die Betriebe die Vorgaben konsequent einhalten, heißt es abschließend.
Geflügelnews
Newcastle-Krankheit im Berliner Zoo nachgewiesen
Die Newcastle-Disease (ND) breitet sich weiter in Deutschlands aus. Nachdem der bayerische Landkreis Rottal-Inn einen positiven ND-Nachweis in einem Geflügelbetrieb mit 15.000 Tiere gemeldet hat, ist die Zahl der bestätigten ND-Ausbrüche in Brandenburg inzwischen auf elf gestiegen.
Nun hat der Berliner Zoo ebenfalls einen ersten Fall der Newcastle-Krankheit gemeldet. Bei einem verendeten Wallichfasan ist die Krankheit nachgewiesen worden. Wie der Zoo berichtet, seien umgehend Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Infektionen eingeleitet worden, unter anderem wurden weitere Vögel beprobt sowie Hygieneschleusen eingerichtet.
Geflügelnews
Jetzt für Tierschutzpreise bewerben!
Auch in diesem Jahr werden wieder Tierschutzpreise in zahlreichen Bundesländern vergeben. Wir haben einige für Sie aufgelistet:
Im Zentrum des Tierschutzpreises des Landes Sachsen-Anhalt stehen nachahmungswerte Schulprojekte, die Kindern und Jugendlichen den verantwortungsvollen Umgang mit Tieren vermitteln. Schulen in Sachsen-Anhalt mit Arbeitsgemeinschaften oder Projekten, die sich intensiv mit dem Schutz von Nutz- oder Heimtieren befassen, können sich noch bis Ende März 2026 bewerben.
Ab April 2026 (Termin wird noch bekanntgegeben) können sich Menschen, Initiativen und Vereine, die sich mit voller Leidenschaft und Engagement für den Tierschutz einsetzen und gleichzeitig den Tieren helfen, für den Deutschen Tierschutzpreis 2026 bewerben. Im vergangenen Jahr gab es erstmals eine eigene Kategorie für ein Kinder- oder Jugendtierschutzprojekt, um der Nachwuchsarbeit im Tierschutz eine besondere Gewichtung zu geben.
Das Thüringer Ministerium für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie verleiht seinen Tierschutzpreis in 2026 bereits zum 32. Mal. Einzelpersonen, Gruppen oder landwirtschaftliche Betriebe, die sich durch außergewöhnliches Engagement und innovative Projekte im Bereich Tierschutz hervorgetan haben, können für die Kategorien Karitativer Tierschutz oder Artgerechte Haltung landwirtschaftlicher Nutztiere vorgeschlagen werden oder sich selber bewerben. Eine Bewerbung ist bis zum 31. Mai 2026 möglich.
Auch die Bayerische Staatsregierung zeichnet jedes Jahr Personen und Institutionen mit Sitz bzw. Wohnort in Bayern aus, die sich um den Tierschutz besonders verdient gemacht haben. Über die Vergabe des mit 12.000 Euro dotierten Tierschutzpreises entscheidet eine Fachjury. Zusätzlich wird der Tierschutz-Sonderpreis des Staatsministers verliehen. Bewerbungsschluss ist der 15. Juni 2026.
Der Tierschutzforschungspreis 2026 wird vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) ausgeschrieben. Nominierungsschluss ist der 31. März 2026. Nominierungsberechtigt sind die nationalen 3R-Zentren sowie die Leitungen nationaler Forschungseinrichtungen im Bereich der Lebens- und Naturwissenschaften. Die Preisträger:innen erhalten ein Preisgeld von bis zu 100.000 Euro.
Außerdem wird der Erwin-Becker-Preis – Pferd 2026 im Rahmen des DVG-Vet-Congresses im Oktober 2026 in Berlin verliehen. Die mit 1.000 Euro dotierte Auszeichnung der DVG-Fachgruppe Pferdekrankheiten würdigt alle zwei Jahre herausragende wissenschaftliche Arbeiten (Originalarbeiten) zu Pferden oder Equiden, die innerhalb der letzten zwei Jahre publiziert wurden. Bewerbungsschluss ist der 31.5.2026. Mehr Informationen dazu im DTBL 2/2026, S. 230.
Bereits am 15.5.2026 endet die Ausschreibungsfrist für den mit 20.000 Euro dotierten Stockmeyer Wissenschaftspreis 2026. Dieser Preis zeichnet herausragende lebensmittelwissenschaftliche Forschungsarbeiten aus. Die prämierten Arbeiten bestechen durch praktikable Lösungsansätze und anwendungsorientierte Forschung, die im Sinne des Stiftungszwecks zur Verbesserung der Lebensmittelsicherheit und des Verbraucherschutzes sowie zur Stärkung des Verbrauchervertrauens in die Qualität und Sicherheit von Lebensmitteln beitragen.
NRW-Ministerin ruft zur Wachsamkeit bezüglich ND auf
Nach Niedersachsen ist Nordrhein-Westfalen das Land mit der höchsten Geflügelproduktion in Deutschland. In NRW werden mehr als 19 Millionen Legehennen, Mastputen und Jungmasthühner gehalten. Eine große Herausforderung für die gesamte Branche stellt die Geflügelpest dar, die dazu geführt hat, dass zahlreiche Betriebe ganze Herden keulen mussten.
Mit der Newcastle-Krankheit (ND) nähert sich dem Bundesland eine weitere Tierseuche. Aus Bayern und Brandenburg wurden im Februar 2026 bereits die ersten Ausbrüche in Hühner- und Putenbeständen gemeldet. Aus diesem Anlass appelliert NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen an alle Halter:innen, die Biosicherheitsmaßnahmen konsequent in den Betrieben umzusetzen, um einen Eintrag der Erreger zu vermeiden.
„Unsere Betriebe der Geflügelwirtschaft haben in den letzten Monaten mit großen Herausforderungen zu kämpfen gehabt. Auch wenn sich die Aviäre Influenza in Nordrhein-Westfalen langsam auf dem Rückzug befindet, müssen Landwirtinnen und Landwirte weiter wachsam bleiben aufgrund der in einigen europäischen Ländern und nun auch in anderen Teilen Deutschlands auftretende Newcastle-Krankheit. Damit NRW weiterhin frei von dieser Tierseuche bleibt, ist es wichtig, die Biosicherheitsmaßnahmen in den eigenen Betrieben konsequent zu überprüfen und auch den Impfschutz der eigenen Geflügelbestände gegen die ND zu kontrollieren und bei Notwendigkeit zu aktualisieren“, so die Ministerin.
Gorißen weist zudem auf die Pflichtimpfung gegen ND hin, die in Deutschland besteht. Vor dem Hintergrund des ersten Ausbruchs der ND seit 1996 in Deutschland ist es erforderlich zu überprüfen, ob eine Auffrischung der Impfung geboten ist.
Um über die aktuelle Seuchenlage und notwendige Schutzmaßnahmen zu informieren, veranstalten der Geflügelwirtschaftsverband NRW, das Netzwerk Fokus Tierwohl und die Tierseuchenkasse NRW eine kostenfreie Online-Informationsveranstaltung am Dienstag, dem 17. März 2026, um 18:30 Uhr. Gewerbliche und private Geflügelhalter:innen sind eingeladen, sich umfassend über die aktuelle Seuchenlage, die Umsetzung der Impfpflicht, Biosicherheitsmaßnahmen sowie diagnostische Möglichkeiten zu informieren.
Myvetlearn.de bietet Tierärzt:innen die 9-teilige Online-Reihe Biosicherheit in der tierärztlichen Bestandsbetreuung zur Weiterbildung. Kurs 5 beschäftigt sich mit Geflügelbeständen. Zur Biosicherheit in Geflügelbeständen gibt Dr. Christine Ahlers (u. a. FTÄ für Geflügel und Mitglied im BTK-Ausschuss Geflügel) spezielle Informationen für die tierärztliche Praxis.
Ministerium NRW
Impfquote gegen BTV unzureichend
Das Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz weist darauf hin, dass die Immunität der Wiederkäuerbestände gegen die Blauzungenkrankheit vom Serotyp 8 (BTV-8) derzeit unzureichend ist. Aktuelle Auswertungen zeigen, dass nur ein kleiner Teil der Tiere geimpft ist: Bis Anfang März waren rund 18,8 % der Rinder geimpft, bei Schafen etwa 7 % und bei Ziegen lediglich rund 3 %. Diese Impfquoten reichen nach Einschätzung der Behörden nicht aus, um eine weitere Ausbreitung der Krankheit wirksam zu begrenzen. Hierfür müsste der Immunisierungsgrad mindestens bei 50 % liegen.
Vor dem Hintergrund der derzeit niedrigen Impfquote appellieren die Behörden an Tierhalterinnen und Tierhalter sowie betreuende Tierärzte, empfängliche Tiere möglichst zeitnah gegen BTV-8 zu immunisieren, um die Bestände besser zu schützen und die Ausbreitung der Seuche zu begrenzen.
LUA
Nutztierforum 2026: Umbau der Tierhaltung muss planbarer werden
In der vergangenen Woche sind Expert:innen bei dem diesjährigen Nutztierforum am Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) zusammengekommen, um über die aktuellen Herausforderungen der tiergerechten Aufzucht von Rindern und Schweinen zu diskutieren.
Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus (SPD) eröffnete die Veranstaltung und forderte mehr Investition in die Forschung. „Nutztierhaltung ist ein tragender Pfeiler unserer Landwirtschaft, unserer Ernährungssicherheit und unserer ländlichen Räume. Sie sichert Wertschöpfung, Arbeitsplätze und eine verlässliche regionale Versorgung“, so Backhaus. Der Minister warnte vor einer leichtfertigen Schwächung der Lebensmittelproduktion: „Ernährungssicherheit beginnt im Stall – und sie endet nicht an der Supermarktkasse.“ Bundesweit würden Tiere und tierische Erzeugnisse 39,3 Milliarden Euro erwirtschaften – mehr als die Hälfte des landwirtschaftlichen Produktionswertes.
So machte der Minister auch klar, dass das Streben nach mehr Tierwohl, besseren Haltungsbedingungen und resilienten Systeme nicht einhergehe mit Politik, „die Betriebe in die Knie zwingt und Produktion ins Ausland verlagert“. Der Umbau der Tierhaltung müsse planbar, praxisnah und wettbewerbsfähig gestaltet werden. „So bleiben Wertschöpfung und Know-how in der Region – und zugleich werden hohe Standards bei Tierwohl und Umwelt gesichert.“
Der Minister unterstrich zudem die herausragende Rolle des FBN in Dummerstorf: „Ohne wissenschaftlich fundierte Lösungen wird es keine gesellschaftliche Akzeptanz geben. Das FBN forscht vom Tier her – und genau das brauchen wir: Wissen statt Schlagworte.“
„Die tiergerechte Aufzucht von Kälbern und Ferkeln ist ein zentrales, wissenschaftlich belegtes Fundament für gesunde, leistungsfähige und resilientere Tiere. Beim Nutztier-Forum 2026 bündeln wir Erkenntnisse aus vorgeburtlichen Einflüssen, Fütterungsstrategien, Zuchtplanung und tiergerechter Praxis, um gemeinsam praktikable Wege zu entwickeln, die Tierwohl, Gesundheit und nachhaltige Produktion verbinden. Die Forschung am FBN liefert dafür evidenzbasierte Antworten – für eine zukunftsorientierte Nutztierhaltung“, betonte FBN-Vorstand Prof. Klaus Wimmers.
FBN
Bis zu 200 Rinder in Norditalien von IBR-Ausbruch betroffen
Die Infektiöse Bovine Rhinotracheitis (IBR), eine anzeigepflichtige Viruserkrankung bei Rindern, die durch das Bovine Herpesvirus-1 (BHV-1) ausgelöst wird, breitet sich aktuell unter Rindern im Norden Italiens aus. In den vergangenen Wochen sind zwischen 150 und 200 Tiere in Betrieben im südlichen Trentino positiv auf das Virus getestet worden.
Die Landwirt:innen sind besorgt, da sich BHV-1 rasant zwischen Tieren ausbreiten kann. Neben der Tatsache, dass der IBR-Erreger zunächst keine sichtbaren Symptome zeigt, beunruhigt die Tierhalter:innen auch, dass in der Region seit über 20 Jahren gegen diesen Erreger angekämpft wird. Diese jahrelange Latenz kann die IBR so schwer beherrschbar machen.
Erkrankte Tiere zeigen Symptome wie hohes Fieber, eitrig-schleimigen Nasenausfluss, Husten und Atemnot sowie einen starken Rückgang der Milchproduktion. Bei trächtigen Kühen kann eine Infektion Fehlgeburten auslösen. Eine Übertragung des Erregers auf den Menschen ist hingegen ausgeschlossen.
Deutschland gilt seit annähernd neun Jahren als BHV-1-frei. Das Monitoring und die Bekämpfung durch strenge Verordnungen der Krankheit wurde jedoch fortgesetzt, um den Status zu sichern.
Merkur
Solarweiden können zum Tierwohl beitragen
Weltweit sorgt der Klimawandel für Extremtemperaturen in den Sommermonaten. Die Beweidung unter Photovoltaikanlagen kann Schafsherden zugute kommen, denn die Solarmodule bieten den Tieren auf der Weide ausreichend Schatten. Das geht aus einer neuen Studie der Universität Göttingen hervor, die das Verhalten von Schafen über zwei Weideperioden hinweg untersucht hat.
Die mit GPS-Halsbändern ausgestatteten Tiere konnten während der Untersuchungen zwischen einem Bereich mit und einem ohne Solarmodule wechseln. In beiden Bereichen war eine gleiche Menge Futter bereitgestellt. An heißen Tagen bevorzugten die Schafe die schattigen Bereiche unter den Photovoltaikanlagen, während sie nachts eher offene Flächen aufsuchen.
„Solarweiden bieten nicht nur eine Möglichkeit zur nachhaltigen Flächennutzung, sondern können auch zum Tierwohl beitragen, etwa durch Hitzeschutz“, erklärt Erstautorin Caroline Siede aus der Abteilung Graslandwissenschaft der Universität Göttingen. Allerdings seien für belastbare Aussagen zu langfristigen Effekten weitere Studien nötig.
Land und Forst
agri:change – Wie sieht die Agrar- und Ernährungswirtschaft der Zukunft aus?
Zwischen Ernährungssicherung und Nachhaltigkeitszielen: Zum Auftakt des Verbundprojekts agri:change kamen rund 160 Expert:innen an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) zusammen, um Wege für eine krisenfeste und zukunftsfähige Agrar- und Ernährungswirtschaft zu entwickeln. Wie kann es gelingen, die Agrar- und Ernährungssysteme nachhaltig in die Zukunft zu führen – gerade vor dem Hintergrund geopolitischer Krisen, globaler Unsicherheiten und wachsender Anforderungen an die Ernährungssicherheit? Mit dieser zentralen Frage beschäftigte sich die agri:change Auftaktveranstaltung „Zukunft durch Wandel?! – Brauchen wir Nachhaltigkeitstransformation in schweren Zeiten?“ Das Großvorhaben agri:change wird vom Land Niedersachsen mit 24,74 Millionen Euro unterstützt – gefördert durch zukunft.niedersachsen, dem gemeinsamen Wissenschaftsförderprogramm des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur und der VolkswagenStiftung.
Unter dem Leitmotiv „Zukunft durch Wandel“ verfolgt das Projekt agri:change das Ziel, strukturelle Veränderungen in der niedersächsischen Agrar- und Ernährungswirtschaft aktiv mitzugestalten. Eine starke Praxisorientierung und offene Dialogformate ermöglichen eine enge Zusammenarbeit von Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Praxis und Gesellschaft.
Beim Auftakt verdeutlichten Forschende die Spannungen zwischen ambitionierten Nachhaltigkeitszielen und der Notwendigkeit einer preiswerten Ernährungssicherung und diskutierten, welche Herausforderungen, Zielkonflikte und neue Handlungsspielräume sich für Forschung und Praxis ergeben.
Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs: „Innovationen aus der Wissenschaft können neue Wege eröffnen und praxistaugliche Lösungen ermöglichen – beispielsweise um die Effizienz der Höfe und Betriebe zu steigern, Ernten zu stabilisieren und zugleich Nachhaltigkeit und Tierwohl voranzubringen. Als Land investieren wir daher rund 68 Millionen Euro in drei große Forschungsverbünde im Agrar- und Ernährungsbereich. Mit agri:change schaffen wir eine starke wissenschaftliche Grundlage, um die niedersächsische Landwirtschaft und damit unsere Ernährungssicherheit zukunftsfest weiterzuentwickeln.“
Für Prof. Dr. Klaus Osterrieder (Präsident der TiHo Hannover) ist eine zentrale Frage, wie sich die Nutztierhaltung der Zukunft entwickeln wird: „Wie können wir dem Tierwohl, der Lebensmittelsicherheit und dem One-Health-Gedanken einen hohen Stellenwert einräumen und gleichzeitig eine Landwirtschaft betreiben, die Landwirtinnen und Landwirten ein gutes Auskommen sichert? In agri:change werden diese Themen von einem großen Kollegium der TiHo umfassend bearbeitet.“
Die Auftaktveranstaltung machte deutlich: Nachhaltigkeit und Ernährungssicherung sind kein Widerspruch. Vielmehr ist eine nachhaltige Transformation die Voraussetzung für resiliente und zukunftsfähige Agrar- und Ernährungssysteme.
Neben der Universität Göttingen als Projektleitung und dem Verbund Transformationsforschung agrar Niedersachsen (trafo:agrar) als transdisziplinäre Leitung sind die TiHo Hannover, die Universität Vechta, die Hochschule Osnabrück, die Universität Osnabrück, die TU Braunschweig, die Leibniz Universität Hannover, die ETH Zürich, die Leuphana Universität Lüneburg, die Jade Hochschule, die Hochschule Fulda, das Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik, das Leibniz-Zentrum für Agrarlandforschung, das Johann Heinrich von Thünen-Institut sowie zahlreiche Partner aus der Agrar- und Ernährungswirtschaft an dem Projekt beteiligt.
Sonderpreis für besonderes Engagement für mehr Tierwohl
Besonderes Engagement für mehr Tierwohl lohnt sich. Das findet auch die Initiative Tierwohl (ITW). Sie zeichnet in diesem Jahr erstmals besonderes Tierwohlengagement mit dem Sonderpreis
im Rahmen des renommierten CERES AWARD aus. Der Sonderpreis ist mit 2.500 Euro dotierten und würdigt die ITW Landwirtinnen und Landwirte, die über innovative und praxistaugliche Maßnahmen deutliche Verbesserungen für das Wohl ihrer Nutztiere erreichen.
Die Bewerbungsphase läuft vom 16. Februar bis 31. März 2026. Interessierte Geflügel- und Rindermäster sowie schweinehaltende Betriebe können in den Bewerbungsunterlagen für den CERES AWARD einfach das entsprechende Kästchen zum Sonderpreis markieren und zwei Zusatzfragen beantworten. Die Preisverleihung findet am 21. Oktober 2026 während der Nacht der Landwirtschaft
statt.
Weitere Informationen und Bewerbungsunterlagen stehen unter ceresaward.de bereit.
Sachsen-Anhalt meldet Tierschutzverstöße in jeder fünften Tierhaltung
In Sachsen-Anhalt haben behördliche Kontrolleur:innen im Jahr 2024 in mehr als 20 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe Verstöße festgestellt. Das geht aus dem gerade vorgelegten Tierschutzbericht des Ministeriums für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten des Landes hervor. Wie das Ministerium mitteilt, ist die Gesamtzahl der Verstöße jedoch um 10,5 % zurückgegangen. Insgesamt wurden 2.190 Betriebe im Jahr 2024 kontrolliert. Die meisten Verstöße hätten die Kontrolleur:innen in Schweine-, Rinder-, Schaf- und Ziegenhaltungen dokumentiert.
Neben der mangelhaften Versorgung und Behandlung kranker und verletzter Tiere hätten die Behörden auch bei der Futter- und Wasserversorgung, der Pflege und Unterbringung sowie bei der Verfügbarkeit von fähigem Personal Verstöße entdeckt. Bei 17 Kontrollen seien schwerwiegendste Verstöße festgestellt worden, so der Bericht. Gerichtliche Maßnahmen waren in zwölf Fällen nötig. Eine unzureichende finanzielle, personelle und räumliche Ausstattung der Betriebe sei hauptsächlich die Ursache für die schwerwiegendsten Verstöße gewesen.
„Tierschutz ist ein kontinuierlicher Prozess, der nur durch gemeinsames Engagement von Politik, Landwirtschaft, des Handels, aber auch jedes einzelnen Bürgers – erfolgreich sein kann“, erklärt Landwirtschaftsminister Michael Richter. „Es ist wichtig, dass wir in der Landwirtschaft innovative Lösungen fördern, die Tierschutz und Wirtschaftlichkeit miteinander verbinden.“
MDR
Ministerium Sachsen-Anhalt
HPAI: Sachsen meldet nahezu 600.000 tote Vögel
Die Geflügelpest (Hochpathogene Aviäre Influenza, HPAI) hat seit dem Herbst vergangenen Jahres zur Keulung von unzähligen Tieren geführt. Besonders Sachsen ist in dieser Saison von Ausbrüchen der Tierseuche betroffen. Den Ort Ebersbach im Landkreis Meißen hat es bislang am härtesten erwischt, hier mussten allein in einem Legehennenbetrieb 550.000 Tiere getötet werden.
Nach Informationen des sächsischen Gesundheitsministeriums hat die HPAI zum Tod von nahezu 600.000 Vögeln geführt, auch Zoos sind betroffen. So mussten im Leipziger Zoo neun Pelikane getötet werden oder verendeten an der Krankheit, im Chemnitzer Zoo wurde das Virus bei 67 Enten, Gänsen und Hühnern nachgewiesen.
Das Virus breitet sich auch unter Wildvögeln aus. Seit dem letzten Herbst meldeten die sächsischen Behörden rund 50 bestätigte Fälle. Hier waren besonders häufig Wild- und Graugänse, Schwäne, Kraniche und Möwen betroffen. Aber auch Raubvögel wie Uhu, Rotmilan oder Bussard waren unter den infizierten Tieren.
Auch in den Vereinigten Staaten von Amerika hat das HPAI-Virus zu massiven Ausbrüchen geführt. Allein in den vergangenen 30 Tagen gab es Meldungen über mehr als 4,7 Mio. tote Legehennen, Puten und Masthähnchen. Neben einem Großbetrieb mit 104.000 Legehennen gab es weitere Fälle in einer kommerziellen Putenhaltung mit 36.000 und einem Geflügelbetrieb mit 25.100 Tieren. Zudem wurde ein Ausbruch in einem Masthähnchengroßbetrieb im kalifornischen Sonoma County mit 86.600 Tieren bekannt.
MDR
Franzosen sollen weniger Fleisch konsumieren
In Frankreich wird immer mehr Fleisch konsumiert. So hat die französische Bevölkerung im Jahr 2024 durchschnittlich 85 Kilogramm / pro Kopf verzehrt. Im Vergleich zu Deutschland sind das rund 30 Kilogramm mehr.
Die französische Regierung will das ändern und hat zu einem reduzierten Konsum von Fleisch und Wurstwaren aufgerufen. Im Rahmen der neuen nationalen Strategie werden die französischen Bürger:innen aufgefordert, häufiger auf pflanzliche Nahrungsmittel zurückzugreifen, um einerseits die Gesundheit zu stärken und andererseits den CO2-Fußabdruck Frankreichs zu verringern.
Umwelt- und Agrarministerium hatten im Vorfeld über die genaue Formulierung der Verzehrempfehlungen für Fleisch gestritten, sodass die Veröffentlichung der nationalen Strategie mehrfach verschoben werden musste.
NTV
Gutachten empfiehlt Überarbeitung der EU-Tierschutzgesetzgebung zur Putenhaltung
In der Europäischen Union konzentriert sich die Putenhaltung auf wenige Hauptländer. Seit dem Jahr 2017 ist Polen das Land mit der höchsten Putenproduktion, gefolgt von Deutschland und Frankreich. Hierzulande wurden im Jahr 2024 mehr als 30 Millionen Puten geschlachtet.
In der EU existiert bislang für die Putenhaltung keine eigene Regelung. Derzeit gilt lediglich die allgemeine Tierschutzrichtlinie 98/58/EG. So wurde die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) beauftragt, das Wohlergehen von Puten (einschließlich Zuchtputen und Puten zur Fleischproduktion) auf Grundlage des aktuellen Forschungsstands zu untersuchen.
Das gerade veröffentliche Gutachten belegt, dass es in der europäischen Putenhaltung viele tierschutzrelevante Probleme gibt. Darunter fallen eine zu hohe Besatzdichten und Federpicken. In ihrer Stellungnahme fordert die EFSA deutlich strengere Tierschutzstandards, um gravierende Mängel zu beheben.
Die Behörde identifizierte 19 zentrale Punkte, die das Wohlbefinden von Puten beeinträchtigen können. Dazu zählen Bewegungseinschränkungen, Erkrankungen des Bewegungsapparates, Haut- und Gewebeschäden sowie Stress durch Hitze oder Kälte. Neben den genannten Besatzdichten und feuchter Einstreu zählen auch fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten, schlechte Luftqualität und extreme Temperaturen zu den beeinträchtigen Faktoren.
Deutlich positioniert sich die EFSA gegen das Kürzen des Schnabels, das Entfernen des Hautanhangs am Schnabel („Snood“) und das Kürzen der Zehen. Diese Eingriffe sollen nach Empfehlung der Behörde schrittweise auslaufen.
Die Stellungnahme dient der Europäischen Kommission als wissenschaftliche Grundlage für mögliche neue Vorschriften. Nach der umfassenden wissenschaftliche Bewertung formuliert die EFSA deshalb konkrete Empfehlungen für die Überarbeitung der EU-Tierschutzgesetzgebung.
Agrarheute
Experten warnen vor Zusammenbruch der US-Landwirtschaft
Die US-amerikanische Landwirtschaft befindet sich trotz hoher staatlicher Zuschüsse in einem dramatischen Sinkflug. Wie aus dem aktuellen Februarbericht 2026 des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) hervorgeht, wird sich das Netto-Landwirtschaftseinkommen im laufenden Jahr um 0,7 % verringern. Als Folge der fehlenden Einnahmen verschulden sich immer mehr Landwirt:innen bzw. gehen in die Insolvenz. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters reichten die rekordverdächtigen staatlichen Zahlungen, die voraussichtlich fast 29 % des Gewinns der Erzeuger:innen ausmachen werden, nicht aus. Als Grund werden niedrige Erzeugerpreise und steigende Kosten genannt.
In einem offenen Brief haben ehemalige USDA-Beamt:innen sowie führende Vertreter:innen von Agrarverbänden nun vor einem Zusammenbruch der amerikanischen Landwirtschaft gewarnt. Darin wird die Bestürzung über den „Schaden, der den amerikanischen Landwirten zugefügt wurde“, zum Ausdruck gebracht. Es gebe zwar viele Gründe für die steigenden Insolvenzen in der Landwirtschaft und die sinkenden Gewinne, doch „es ist klar, dass die Maßnahmen der aktuellen Regierung, zusammen mit der Untätigkeit des Kongresses, die Kosten für Betriebsmittel erhöht, die ausländischen und inländischen Märkte gestört, der Landwirtschaft einen verlässlichen Arbeitskräftepool entzogen und wichtige Agrarforschung und -personal gekürzt haben“, heißt es weiter in dem Brief.
Um die sinkenden Erzeugerpreise und die hohen Betriebskosten abzufedern, sei nach Meinung der Verfasser:innen möglicherweise noch mehr staatliche Unterstützung nötig. Auch müsse verhindert werden, dass die Landwirt:innen sich weiter verschulden. Als Konsequenz fordern die Unterzeichner:innen, dass der Kongress die Zölle für den Agrarsektor senkt und die internationalen Märkte erweitert sowie ein neues Landwirtschaftsgesetz verabschiedet und die Finanzierung von Agrarforschung und -personal wiederherstellt.
„Unsere Landwirte und Viehzüchter können international konkurrenzfähig sein, aber nicht unter den gegebenen chaotischen politischen Bedingungen“, betont Jon Doggett, ehemaliger Geschäftsführer des US-amerikanischen Maiszüchterverbands (National Corn Growers Association).
Topagrar
Toennies versichert Landwirt:innen gegen Tierseuchen
Ab sofort können sich Landwirt:innenebei Tönnies gegen Ausbrüche von Tierseuchen, wie der Afrikanischen Schweinepest (ASP) oder der Maul- und Klauenseuche (MKS), versichern.
Die Tönnies-Unternehmensgruppe hat gemeinsam mit dem Versicherungsmakler Marsh und dem Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) Münster einen neuen Haftpflicht-Schutzschirm für Tierlieferungen entwickelt. Ziel ist es, landwirtschaftliche Lieferbetriebe und Viehhändler:innen besser gegen existenzbedrohende Haftungsrisiken abzusichern, wie das Unternehmen berichtet.
„Wir stellen heute eine konkrete Lösung für ein reales Problem vor, das Landwirte betrifft, die Tiere an uns liefern“, sagt Robert Elmerhaus, Leiter Lebendvieheinkauf der Tönnies-Unternehmensgruppe. Wer künftig seine Tiere an einen der Schlachthöfe des Familienunternehmens liefert, ist automatisch mitversichert. „Eine umfassende Analyse hat gezeigt, dass bisher bei den Haftpflichtversicherungen der Landwirte sowohl hinsichtlich der Versicherungssumme als auch hinsichtlich des Versicherungsumfangs Deckungslücken bestehen. Bei nicht wenigen war der Seuchenfall sogar gänzlich ausgeschlossen. Das kann im Ernstfall existenzbedrohend sein. Genau hier greift nun unser Schutzschirm“, erläutert Dr. Wilhelm Jaeger, Leiter Landwirtschaft bei Tönnies.
Tönnies
Neues Positionspapier zu Tiergesundheit und Tierwohl von Kälbern
Kälber haben besonders in ihren ersten Lebenswochen ein hohes Erkrankungsrisiko. Um dieses zu verringern und einen guten Grundstein für das Immunsystem, den Stoffwechsel und das Verhalten zu legen, ist in dieser wichtigen Phase neben geeigneten Haltungsbedingungen und frühen sozialen Kontakten besonders die frühzeitige und ausreichende Kolostrum- und Milchversorgung von Bedeutung.
Das Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN) hat ein neues Positionspapier zur tiergerechten Kälberaufzucht erarbeitet. Darin weisen die Wissenschaftler:innen auf die Relevanz der ad-libitum-Milchversorgung, einer frühzeitigen Gruppenhaltung sowie auf die Bedeutung der kuhgebundenen Kälberaufzucht hin. Ein weiterer Fokus des Positionspapiers liegt in der Einordnung der aktuellen gesetzlichen Vorgaben sowie der Gegenüberstellung der weitergehenden wissenschaftlichen Empfehlungen, unter anderem der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).
„Eine tiergerechte Kälberaufzucht ist keine optionale Zusatzleistung, sondern eine Investition in Tiergesundheit, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Akzeptanz der Milchviehhaltung“, betonen die Autor:innen. Die empfohlenen Maßnahmen würden sich langfristig durch robustere, gesündere Tiere auszahlen, auch wenn der Aufwand zu Beginn höher sei.
Unter dem Titel „Tiergerechte Aufzucht von Kälbern – Herausforderungen, wissenschaftliche Erkenntnisse und Empfehlungen für die Praxis“ stellt das Positionspapier die wesentlichen Stellschrauben für Tiergesundheit und Tierwohl bereit und formuliert konkrete Empfehlungen für Landwirtschaft, Beratung und Politik.
FBN
ASP in Katalonien sorgt für hohe Verluste
In der spanischen Provinz Katalonien greift die Afrikanische Schweinepest (ASP) unter Wildschweinen weiter um sich. Nach rund 30 Jahren war die Tierseuche in 2025 erstmals wieder in der Region nachgewiesen worden.
Die Zahl der ASP-Ausbrüche steigt unterdessen weiter, erst in der vergangenen Woche wurden 13 weitere Fälle bekannt. Auch wenn bislang keine Ausbrüche in Schweinebetriebe nachgewiesen wurden, leiden die katalanischen Landwirt:innen bereits massiv unter den bisherigen Folgen der ASP-Ausbrüche in dem schweinestärksten Land der EU. Nach Informationen des katalanischen Bauernverband Unió de Pagesos belaufen sich die Verluste der Schweinehalter:innen bis zum Jahresende 2025 schon auf 63 Mio. Euro.
Der Grund für die dramatischen Umsatzeinbußen sind die strikten Verbringungsbeschränkungen, denen rund 61.500 Tiere (10 Prozent des Bestands der Provinz Barcelona) unterliegen. Der Export wird durch die ASP erheblich belastet, was insbesondere den Handel mit China beeinträchtigt. Zudem wächst mit jedem neuen Fund der Druck auf Biosicherheit und Prävention.
Die 9-teilige Online-Fortbildungsreihe zum Thema Biosicherheit in der tierärztlichen Bestandsbetreuung von Myvetlearn.de vermittelt Tierärzt:innen in allgemeinen und tierartspezifischen Kursen fundiertes Wissen zu den Hygiene- und Biosicherheitsmaßnahmen in Beständen zu verschiedenen Tierarten. Kurs 4 behandelt die Biosicherheit von Schweinen.
Agrarheute
Amsterdam verbietet Werbung für klimaschädliche Produkte
Als erste europäische Hauptstadt hat Amsterdam das Verbot für die öffentliche Werbung für Fleisch verkündet. Demnach verbietet die Stadt ab dem 1. Mai 2026 Werbung im öffentlichen Raum für Produkte, die nachweislich zur Klimakrise beitragen. Neben Fleisch betrifft das auch die Bewerbung von Flugreisen, Kreuzfahrten und Dieselautos auf Plakatwänden sowie Werbeflächen im öffentlichen Nahverkehr. Auf privaten Flächen und in Online-Kanälen gilt das Verbot, mit dem die Stadt ihre Bemühungen für mehr Klimaschutz verschärfen möchte, allerdings nicht.
Mit diesem Beschluss folgt der Stadtrat den Vorschlägen der beiden Parteien GroenLinks und der Partij voor de Dieren. Scharfe Kritik kommt von Seiten der Landwirt:innen. Sowohl die Werbebranche als auch verschiedene Wirtschaftsverbände werfen Amsterdam zudem vor, das Verbot schreibe den Menschen vor, was sie konsumieren sollten. Gegner:innen argumentieren zudem mit vertraglichen Risiken, da Werbeflächen langfristig vergeben sind. Laut der Interessengemeinschaft Wild beim Wild produziere ein Werbeverbot nicht direkt weniger Tierleid, aber es verändere die kulturelle Präsenz und Legitimation von tierlicher Nutzung im öffentlichen Raum.
In anderen niederländischen Städten, wie Den Haag, Delft und Nimwegen, gilt bereits ein solches Werbeverbot für Fleisch.
Agrarheute
Betäubungsloses Enthornung von Kälbern in Niedersachsen weiterhin untersagt
Niedersachsen hält an dem Verbot einer betäubungslosen Enthornung von Kälbern fest. Auch Kälber, die jünger als 6 Wochen sind, müssen für die Enthornung ein Beruhigungsmittel und ein mindestens 24 Stunden wirksames Schmerzmittel verabreicht bekommen. Diese Praxis hat Niedersachsen in einem neuen Erlass bekräftigt und präzisiert.
Der Erlass ist im Ministerialblatt abrufbar. Darin wird auch die Anforderungen an die Sachkunde der durchführenden Person konkretisiert. Demnach kann für Personen mit einer abgeschlossenen Ausbildung im Ausbildungsberuf Landwirt:in, die ihre Ausbildung auf einem rinderhaltenden Betrieb absolviert haben, auf dem Kälber enthornt wurden, sowie im Ausbildungsberuf Tierwirt:in Fachrichtung Rinderhaltung davon ausgegangen werden, dass diese über die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen. Alle anderen Personen müssen ihre Kenntnisse und Fähigkeiten der zuständigen Behörde auf Verlangen nachweisen. Beispielsweise durch Bescheinigungen über eine entsprechend fachkundige Unterweisung durch einen Tierarzt bzw. Tierärztin.
Hintergrund des Erlasses ist, dass es in Deutschland grundsätzlich zulässig ist, die Hornanlagen bei Kälbern bis zu einem Alter von 6 Wochen ohne Betäubung zu veröden. Grundlage dafür ist Paragraph 6 des Tierschutzgesetzes in Verbindung mit der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung. Der Gesetzgeber erlaubt diese tierschutzrechtliche Ausnahme, wenn der Eingriff fachgerecht durchgeführt wird und alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um die Schmerzen oder Leiden der Tiere zu vermindern. Niedersachsen nutzt somit den rechtlichen Spielraum, um Detailanforderungen und Bedingungen zu präzisieren. Ab einem Alter von sechs Wochen ist das Enthornen in diesem Bundesland nur noch unter Betäubung durch eine Tierärztin oder einen Tierarzt erlaubt. Ministerin Staudte spricht sich dafür aus, die geplante Änderung des Bundestierschutzgesetzes aus der letzten Wahlperiode wieder aufzugreifen, die ohne Altersgrenze die Enthornung bei Rindern mit Betäubung vorsah.
Landwirtschaftsministerium Niedersachsen