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„Mach mal was mit KI“ – warum viele an ChatGPT scheitern, bevor es überhaupt losgeht

02.06.2026

Herzlich willkommen!

In dieser monatlichen Kolumne gehen wir gemeinsamen mit Dr. Björn Becker und Magnus Kirschstein von Petleo mit klaren Worten, unbequemen Fragen und konkreten Lösungsansätzen für einen gesünderen Praxisalltag auf die Fragen ein, wie Prozesse, Organisation und Kommunikation neu gedacht werden können und müssen und welche Lösungen verfügbar sind. Seien Sie gespannt auf das, was alles schon geht!


„Mach mal was mit KI“ – warum viele an ChatGPT scheitern, bevor es überhaupt losgeht

Nach der letzten Kolumne kamen erstaunlich viele Reaktionen. Von „nutze ich täglich“ bis „hab’s probiert, war nur generischer Quatsch“.

Beides stimmt. Und der Unterschied liegt fast immer an derselben Stelle.

Die meisten steigen bei ChatGPT ein wie bei Google. Kurze Frage rein, Antwort erwartet. Oder sie behandeln den Chatbot wie einen Mitarbeiter, der Gedanken lesen kann.

Ein Beispiel:

„Schreib einen Instagram-Post über Zahngesundheit beim Hund.“

Ergebnis: Facebook 2014.

Natürlich.

Das Werkzeug, in dem Fall ChatGPT, ist nicht schlecht. Aber das Ergebnis hängt vor allem von der Aufgabenstellung ab!

Ich vergleiche das gerne mit dem ersten Arbeitstag einer neuen TFA. Wenn ich sage: „Mach mal den Raum fertig“ – bekomme ich irgendetwas. Vielleicht brauchbar. Vielleicht nicht.

Wenn ich sage: „Raum 2 für Zahnpatient vorbereiten. Dentalröntgen starten, kleine Tuben legen, Inhalationsnarkose checken, Besitzerunterlagen bereithalten“ – dann weiß ich, was mich erwartet.

Genau so funktioniert auch das Prompting.

Was ein guter Prompt braucht die Angaben auf folgende Fragen:

  • Was willst du?
  • Für wen ist es gedacht?
  • In welchem Ton?
  • Wie lang?
  • Was soll vermieden werden?

Und jetzt nochmal derselbe Post:

Schlecht: „Schreib einen Post über Zahngesundheit beim Hund.“

Besser: „Schreibe einen kurzen Facebook-Post für Hundehalter über Zahnstein beim älteren Hund. Ton locker, keine Panikmache, max. 120 Wörter. Ziel: Tierhalter sollen verstehen, dass Mundgeruch oft unterschätzt wird.“

Das Ergebnis ist ein völlig anderes. Versprochen!

Was kannst Du noch machen, um gute Ergebnisse zu erzielen? ChatGPT eine Rolle geben – und zwar die richtige.

Stell dir vor, du schickst eine neue TFA alleine ins Aufklärungsgespräch. Ohne Briefing. Ohne zu wissen, mit wem sie spricht oder worum es geht. Was du zurückbekommst, ist irgendwas zwischen möglicherweise hilfreich und Chaos.

Sagst du ihr jedoch vorher: „Du sprichst gleich mit einer älteren Dame, deren Hund zum ersten Mal eine Narkose bekommt. Bleib ruhig, erkläre einfach, nimm die Sorgen ernst.“

Daraus ergibt sich ein völlig anderes Gespräch. Sofort.

Genau das passiert, wenn du ChatGPT eine gute/richtige Rolle gibst.

Und trotzdem läuft es auch dann oft schief, da viele bei der Rolle dann sowas eingeben wie: „Du bist der beste Tierarzt der Welt.“ Gut gemeint – aber für ChatGPT so hilfreich wie „sei einfach gut.“ Kein Rahmen, keine Zielgruppe, kein „Ton“. Die KI weiß schlicht nicht, für wen sie gerade spricht bzw. wen sie anspricht und wie.

Hilfreicher ist: „Du bist Praxismanagerin einer modernen Kleintierpraxis und erklärst Tierhaltern komplexe Themen verständlich, möglichst anschaulich und empathisch.“

Jetzt hat ChatGPT eine Haltung, eine Zielgruppe und einen Rahmen. Und plötzlich klingen Texte weniger nach Bedienungsanleitung, sondern nach echtem Gespräch.

Wichtig: nacharbeiten lassen.

ChatGPT ist keine Einmal-Antwort-Maschine. Viele nutzen es so – rein, raus, fertig. Dabei wird das Ergebnis oft erst im Dialog wirklich gut.

„Kürzer.“ „Weniger werblich.“ „Mehr wie ein Gespräch.“ – Das dauert Sekunden und verändert das Ergebnis enorm.

Im Praxisalltag entstehen so viele, sehr praktische und aufgrund der Geschwindigkeit von ChatGPT zeitsparende Anwendungen: E-Mails an Tierhalter, Befunderklärungen, SOP-Entwürfe, Stellenanzeigen, Antworten auf Google-Bewertungen, Gesprächsleitfäden für Mitarbeitergespräche.

Natürlich wird nicht alles gleich brillant, mit ein wenig Übung und Nachbearbeitung sind viele Ergebnisse aber durchaus zufriedenstellend oder gar gut! Hinzu kommt die Geschwindigkeit. Und was vorher auf der Liste unter „irgendwann mal“ lag, passiert auf einmal tatsächlich.

Natürlich bleibt fachliche Verantwortung fachliche Verantwortung. Kein Prompt verhindert Fehler. Aber die meisten Frustmomente entstehen gar nicht durch die KI selbst – sondern durch falsche Erwartungen ans Werkzeug.

Wer mit „mach mal irgendwas“ startet, bekommt meistens auch genau das: irgendwas. Und ärgert sich danach über die KI.

Wer vorher kurz denkt: Kontext, Rolle, Zielgruppe – bekommt Ergebnisse, die wirklich funktionieren und das schneller als erwartet und sogar richtig gut.

Du glaubst mir das nicht? Dann versuch es einfach mal selbst. Kostet dich fünf Minuten. Höchstens:

Hausaufgabe für diese Woche:

Öffne ChatGPT und tippe:

„Schreib eine E-Mail an eine Hundebesitzerin über Diabetes.“

Schau, was rauskommt.

Und dann versuch es nochmal – diesmal so:

„Schreib eine empathische, verständliche E-Mail an eine ältere Hundebesitzerin, die heute in der Praxis sehr aufgeregt wirkte. Bei ihrem Hund wurde gerade Diabetes diagnostiziert. Die E-Mail soll die Erkrankung einfach erklären, die nächsten Behandlungsschritte nennen und ihr das Gefühl geben, dass sie das hinkriegt.“

Und dann vergleich beide Ergebnisse.

Ich verspreche: Du wirst den Unterschied sofort sehen.

Danach überlege Dir, was Du noch anders haben möchtest und wie der entsprechende Prompt dafür aussehen könnte, damit der Emailtext von Dir, in Deiner Sprache und mit Deiner Empathie und „Handschrift“ versehen ist.

Am besten bearbeitest Du dazu einmal die Email weiter. Danach öffnest einen neuen Chat und gibst dann den anhand deiner jetzt gemachten Erfahrung formulierten Prompt ein und vergleichst die Ergebnisse.

Das Ergebnis wird dich überraschen!


Dr. Björn Becker  

Tierarzt, Unternehmer und Brückenbauer zwischen Praxis und Zukunft – ich bringe Digitalisierung, KI und Telemedizin dahin, wo sie wirklich wirken: in den Alltag und die Köpfe von Tierärzt:innen.
Mein Antrieb: bessere Medizin, bessere Arbeitsbedingungen und eine Branche, die endlich mutig nach vorne denkt.

Bild mit KI erstellt


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