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Schweinepest

Afrikanische und Klassische Schweinepest als Gefahr für deutsche Landwirte

Afrikanische (ASP) und Klassische Schweinepest (KSP) sind jeweils hoch ansteckende virale Infektionskrankheiten der Schweine mit seuchenhaftem Verlauf. Sie sind in Deutschland und Europa anzeigepflichtig. Der letzte Ausbruch der Klassischen Schweinepest in der Europäischen Union ist bereits drei Jahre her.

Eine aktuelle Bedrohung stellt die Afrikanische Schweinepest dar, die bisher in den baltischen Ländern, der Ukraine, Polen, Tschechien und Rumänien bei Wildschweinen, in einigen dieser Länder aber auch bereits bei Hausschweinen nachgewiesen werden konnte. Seit der Einschleppung des Virus über eine weite Strecke an die östliche Grenze der Tschechischen Republik, stuft das Friedrich- Loeffler-Institut das Risiko einer Einschleppung nach Deutschland
mittlerweile als hoch ein (Stand: 17. Juli 2017).

Wie bei der klassischen Schweinepest müssen in Folge einer Infektion bei Hausschweinen in der Regel Tausende Tiere getötet werden, um eine weitere Ausbreitung der Seuche sowie größere Handelsbeschränkungen zu verhindern. Somit gilt es, eine Einschleppung nach Deutschland in jedem Fall zu verhindern.

Was Verbraucher dazu beitragen können, lesen Sie in diesem Fokusthema. Hier finden Sie außerdem Informationen über das Virus, die Ätiologie, die Klinik und die Pathologie sowie die vorgeschriebenen Bekämpfungsmaßnahmen beider Tierseuchen.

Aktuell: 

Der Bundesrat hat am 2. März 2018 einer Änderung der Schweinepest-Verodnung zugestimmt. Mit dieser wird unter anderem die von 1. Februar bis 15. Juni geltende Jagdruhe für Wildschweine außér Kraft gesetzt. Damit soll die Population der Wildschweine weiter eingedämmt und somit ein Eintrag des ASP-Virus nach Deutschland verhindert werden. Tierschutzrechtlich ist die Maßnahme umstritten.

Ätiologie & Pathologie

Sowohl die KSP als auch die ASP sind für den Menschen ungefährlich. Bei Schweinen rufen beide Viren jedoch schwere, häufig tödliche Erkrankungen hervor. Beide Infektionskrankheiten sind hochansteckend und haben eine relativ kurze Inkubationszeit.

Europäische Schweinepest

Die Klassische (Europäische) Schweinepest (KSP) wird durch das Schweinepestvirus verursacht. Bei diesem großen, behüllten RNA-Virus handelt sich um ein Pestivirus aus der Familie der Flaviviridae. Die Infektion erfolgt oral über kontaminierte Speiseabfälle, als Tröpfcheninfektion, direkt von Tier zu Tier oder indirekt über unbelebte Vektoren wie Kot, Gülle oder Jauche. Eventuell spielen auch Vögel eine Rolle. In jedem Fall geht aber von dem Kontakt mit Wildschweinen ein Infektionsrisiko für Hausschweine aus. Außerdem ist eine intrauterine Infektion der Feten möglich, wodurch es zu einer Immuntoleranz gegenüber dem Schweinepestvirus kommen kann und somit zur Geburt von Schweinepest-Virämikern (Dauerausscheider). Das Virus wird mit allen Körpersekreten und -exkreten ausgeschieden und ist sehr widerstandsfähig in der Umwelt. 

Nach der Infektion erfolgt die erste Virusvermehrung im lymphoretikulären Gewebe der Eintrittspforte (Tonsillen und regionäre Lymphknoten). Nach einer lymphogenen und hämatogenen Ausbreitung, erfolgt die Virusvermehrung in allen Zellen des retikulo-histiozytären Systems. Nach einer Inkubationszeit von 2-5 Tagen kommt es bei einer Infektion mit virulenten Stämmen zu einer degenerativen Gefäßschädigung mit lokalen und allgemeinen Zirkulationsstörungen. Die dadurch ausgelöste Blutungsneigung wird noch durch eine Verbrauchskogulopathie verstärkt.

Die Gefäßschäden begünstigen vor allem in Darm und Lunge bakterielle Sekundärinfektion durch Salmonellen und Pasteurellen. Außerdem kommt es durch Schäden in der Gefäßwand zu punkt- bis knopfgroßen Blutungen sowie zu Entzündungen der Maulschleimhaut und der Konjunktiven.

Als pathognomonisch für die KSP gelten Petechien auf der Harnblasenschleimhaut und der Nierenkapsel, Infarzierungen der Milz sowie blutig marmorierte Lymphknoten mit markiger Schwellung. Ebenso charakteristisch sind Anämie und Leukopenie in Verbindung mit einer relativen Lymphozytose. Jedoch sind die Befunde nicht immer klar ausgeprägt und können bei einem perakuten Verlauf sogar fehlen.

 

Afrikanische Schweinepest

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hingegen wird durch ein völlig anderes Virus, ein DNA-Virus, verursacht. Dieses Virus ist der bisher einzige Vertreter der Gattung Asfivirus in der Virusfamilie der Asfarvirida. Übertragen werden kann das Virus über direkten Tierkontakt (Kontakt von Hausschweinen zu Wildschweinen unterbinden!) und besonders effizient über Blut, da das Virus recht widerstandsfähig ist.

Chronisch infizierte Tiere gelten als Virusreservoir und scheiden das Virus in allen Ex- und Sekreten aus.

In Blut hält sich das ASP-Virus wie in gepökelten und geräucherten Fleischwaren monatelang. Eine indirekte Übertragung über Gerätschaften, Stiefel, Hände, Jagdutensilien, Transportfahrzeuge, Stalleinrichtung, Futtermittel, aber auch Gülle und Jauche ist somit möglich. In Afrika, wo das Virus endemisch ist, spielen Lederzecken eine große Rolle in der Übertragung von Schwein zu Schwein. In Mitteleuropa ist dies jedoch weniger relevant.

Eine orale Übertragung durch Speiseabfälle ist hier wie bei der klassischen Schweinepest besonders bedeutungsvoll. Unter anderem deshalb ist die Einfuhr von Fleisch- und Milchprodukten in die europäische Union verboten, genauso wie die Verfütterung von Speiseabfällen an Schweine per se.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium warnt mit Blick auf die aktuelle Bedrohung vor allem davor, Speisereste, besonders solche aus nicht gegartem Schweinefleisch (Salami, Schinken etc.), achtlos wegzuwerfen und startete dazu jüngst eine Aufklärungskampagne unter anderem an deutschen Autobahnraststätten. (Stand: Juli 2017) Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt sagt dazu: "Alle sind aufgerufen, sich mit der Afrikanischen Schweinepest vertraut zu machen und durch vorsorgendes Verhalten ihren Teil dazu beizutragen, eine weitere Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern."

Im akuten und subakuten Verlauf der ASP können nach Sektion punkt- oder flächenhafte Blutungen in der Haut und den inneren Organen auffallen, zudem eine vergrößerte Milz. Bei der Sektion von Schwarzwild wird zudem von diffusen Blutungen in Lymphknoten, Petechien in der Niere und schaumigem Inhalt in der Lunge berichtet, die auffallen können.

Klinik & Diagnose

Die Klassische Schweinepest (KSP) kann perakut, subakut-chronisch oder selten sogar inapparent verlaufen. Der Verlauf ist bei der Klassischen Schweinepest zum einen von der Konstitution des Tieres und zum anderen von der Virulenz des Erregers und der jeweiligen Infektionsdosis abhängig. Bei der Afrikanischen Schweinepest (ASP) spielt die Konstitution, etwa das Alter des Tieres, hingegen keine Rolle für den Krankheitsverlauf. In der Regel ist die Morbidität hoch und die Mortalitätsrate empfänglicher Schweine beträgt bis zu 100 Prozent.

Klinik
Nach einer Inkubationszeit von etwa 2-5 Tagen (ASP: 2-7 Tagen) kommt es bei einer Infektion mit einem virulenten Erreger zu einer akuten Störung des Allgemeinbefindens mit einer Temperaturerhöhung von bis zu 42°C und plötzlichen Todesfällen.

Symptome der KSP sind zudem: Konjunktivitis, Ataxie, Durchfall bzw. Verstopfungen. Es können blaurote bis blauschwarze Exantheme auftreten sowie linsen- bis zwanzigcentstückgroße Unterhautblutungen im Bereich von Ohren, Schulter, Nacken und Leiste.
Der Tod tritt in der Regel nach 5-20 Stunden durch allgemeines Kreislaufversagen auf. Die Morbidität kann bis zu 100 Prozent betragen.

Weitere Symptome der ASP sind ähnlich denen der KSP und neben hohem Fieber: Futterverweigerung, Atemprobleme, (blutige) Diarrhoe, Rot- oder Blaufärbung der Haut, insbesondere im Bereich der Ohren, des Schwanzes, der unteren Extremitäten sowie im Unterbauchbereich, und Festliegen.

Bei subakutem bis chronischem (bei der ASP sind chronische Verläufe selten) Verlauf sind die klinischen Symptome wesentlich untypischer. Hier sind nur mäßige Anzeichen einer Störung des Allgemeinbefindens sowie eine Temperaturerhöhung von bis zu 40,5°C zu beobachten. Bei der ASP spricht man davon, dass in Gebieten, in denen die Krankheit endemisch auftaucht ein subakuter Verlauf durch wellenförmiges Fieber gekennzeichnet sein kann. Bei der KSP kommt es beim subakuten Verluf gelegentlich zur Nachhandparese und zu Blutungsneigungen. Bedingt durch bakterielle Sekundärinfektionen, wo besonders Infektionen mit Pasteurella multocida und Salmonella choleraesuis zu nennen sind, kann es zu Enteritiden, Pneumonien und Hautnekrosen kommen. Bei längerem Krankheitsverlauf magern die Tiere stark ab.

Der atypische Verlauf ist durch Fruchtbarkeitsstörungen, Umrauschen, Aborte, Totgeburten, kongenitalen Tremor, Kümmern, Koordinationsstörungen sowie erhöhte Ferkelsterblichkeit charakterisiert.

Tiere, die eine Infektion überleben, bilden in der Regel einen lebenslangen Immunschutz aus.

Die ASP ist rein von der Klinik nicht von der KSP oder anderen schweren Allgemeinerkrankungen zu unterscheiden. Erst eine Probennahme bringt Gewissheit.

Dr. Sandra Blome vom Friedrich-Loeffler-Institut erklärt in einem Interview, woran Jäger die ASP beim Wildschwein erkennen können: „Wir gehen davon aus, dass das auffälligste Anzeichen eines Eintrages der ASP eine erhöhte Sterblichkeit ist“. Sie sagt auch: „Vermutlich ist es eher eine Frage, wann die Seuche uns erreicht – weniger ob.“

Diagnose
KSP: Der Virusnachweis kann mittels Immunfluoreszenz (IF), Antigen-ELISA und PCR geführt werden.

ASP: Nukleinsäurenachweis mittels RT-PCR oder Virusanzucht auf Makrophagen- oder Leukozytenkultur. Ein ELISA für Antigen und Antikörpernachweis ist zudem vorhanden.

Bekämpfungsmaßnahmen

Die Klassische Schweinepest (KSP) sowie die Afrikanische Schweinepest (ASP) sind in Deutschland und Europa anzeigepflichtige Krankheiten, d.h., dass ein Verdacht eines Ausbruchs unverzüglich der zuständigen Veterinärbehörde gemeldet werden muss.

Bricht eine Schweinepest in einem Stall aus, ist die Keulung des gesamten Schweinebestandes durch die EU vorgeschrieben. In Deutschland sowie in den übrigen EU-Mitgliedsstaaten wird die Bekämpfung der KSP durch Richtlinie 2001/89/EG des Rates vom 23. Oktober 2001 über Maßnahmen zur Bekämpfung der klassischen Schweinepest (ABl. EG Nr. L 316, S. 5) geregelt. Die Richtlinie wird in Deutschland durch die Verordnung zum Schutz gegen die klassische und die afrikanische Schweinepest (Schweinepest-Schutzverordnung) in nationales Recht umgesetzt. Die Maßnahmen wie Keulung oder die Errichtungen von Sperrbezirken in Verbindung mit strengen Handelsrestriktionen sollen dazu beitragen, eine weitere Ausbreitung zu verhindern und die wirtschaftlichen Schäden zu begrenzen.

Die Afrikanische Schweinepest wurde wahrscheinlich durch den Menschen (Reiseverkehr) und nicht durch Tiere über 400 Kilometer aus der Ukraine nach Tschechien gebracht und sorgte so für die zuletzt bekannt gewordenen verendeten Wildschweine nahe der Slowakischen Grenze Ende Juni 2017. Damit ist das Virus nur noch 300 Kilometer von Deutschland entfernt. (Stand: 18. Juli 2017)

Die Afrikanische Schweinepest stellt damit eine akute Gefahr für Schweine haltende Betriebe in Deutschland dar. Christian Meyer, Landwirtschaftsminister von Niedersachsen, sagt in einem Beitrag des NDR: „Dann hätten wir schlimme Zustände sowohl für die Schweine als auch wirtschaftlich, wenn dann ganz viele Schweine getötet werden müssten, wenn sie von dieser hochinfektiösen Krankheit betroffen wären.“ Denn heilbar ist die Krankheit nicht. Norbert Meyer vom Kreislandvolk Vechta ergänzt, dass man das Virus, wenn es einmal in der deutschen Wildschweinpoulation angekommen ist, sehr schwer wieder herausbekommen würde. 

Besonders wichtig, um den Eintrag des Schweinepestvirus zu verhindern, sind daher korrelierend mit dem Niedersächsichen Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz folgende Verhaltensregeln und Maßnahmen:

  • Keine Küchenabfälle oder Essensreste an Schweine verfüttern! (Ausnahme: Speisereste, die in zugelassenen und amtstierärztlich kontrollierten Anla­gen erhitzt werden)
  • Keine Essensreste im Wald oder an Raststätten liegen lassen!
  • Keine aus dem Ausland eingeführten Wurst- oder Fleischwaren auf einen Schweine haltenden Betrieb bringen
  • Betriebsfremde Fahrzeuge und Fahrzeuge, die auch außerhalb des Betriebes eingesetzt werden, sind vom Betriebsgelände fernzuhalten
  • Tiertransporte auf ein Minimum beschränken
  • Tiere nur aus wenigen, bekannten und gesunden Beständen zukaufen
  • Viehtransporter nach jeder Fahrt reinigen und desinfizieren
  • Jeglichen Kontakt zwischen Haus- und Wildschweinen vermeiden
  • Wildschweine intensiv bejagen. Keine Tierkörper bzw. Tierkörperteile im Revier zurücklassen
  • Vermehrtes Fallwild sofort den zuständigen Behörden melden, die eine unschädliche Beseitigung des Kadavers und eine Beprobung anordnen
  • Jäger (die im Ausland aktiv sind) sollten auf eine gründliche Reinigung und Desinfektion von Messern, Stiefeln etc. achten. Auch das Einführen von nicht vollständig behandelten Trophäen aus dem Ausland kann eine Gefahr für die hiesige Schweinepopulation darstellen
  • Schadnager, wie Mäuse und Ratten, bekämpfen
  • Betriebsfremde Personen dürfen den Betrieb nur mit Schutzkleidung betreten
  • Die allgemeine Hygiene im Betrieb verbessern: Sauberkeit und Desinfektions­mittel in allen Bereichen
Für den Fall eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest in der deutschen Wildschweinpopulation, hat das FLI am 14.8. einen Maßnahmenkatalog erstellt.

Obwohl es entsprechende Impfstoffe gibt, ist eine prophylaktische Impfung gegen die KSP in der EU seit 1991 verboten. Ausnahmeregelungen sind jedoch im Einzelfall möglich.

Gegen die Afrikanische Schweinepest gibt es bis dato keinen Impfstoff.

Der Bundesrat hat am 2. März einer Änderung der Schweinepest-Verodnung zugestimmt. Mit dieser wird unter anderem die von 1. Februar bis 15. Juni geltende Jagdruhe für Wildschweine außér Kraft gesetzt. Damit soll die Population der Wildschweine weiter eingedämmt und damit ein Eintrag des ASP-Virus nach Deutschland verhindert werden. Tierschutzrechtlich ist die Maßnahme umstritten.

Medien

Lehrbuch der Schweinekrankheiten
von Waldmann/ Wendt (Hrsg.),
Parey, 2004

Das Lehrbuch der Schweinekrankheiten, ein Klassiker unter den veterinärmedizinischen Standardwerken, liegt jetzt in der 4.Auflage vor. Die Neuauflage berücksichtigt die neuen Vorgaben in der Arzneimittelgesetzgebung, die vor allem veterinärmedizinische Belange in der landwirtschaftlichen Nutzviehpraxis betreffen. Aktualisiert wurden deshalb vor allem die Neuerungen zur Arzneimittelanwendung.

Inhalt & Bestellung


A Color Atlas of Swine Diseases
von Sabec, Drago,
Littera Picta, 2002

Der Schwerpunkt des Buches ist die klinische und morphologische Diagnostik von Schweinekrankheiten. Ein Standardwerk.

Inhalt & Bestellung

Literatur

1 Flaviviridae

  G.R. Carter1, D.J. Wise2 and E. F. Flores3
  n: A Concise Review of Veterinary Virology, Carter G.R., Wise D.J. and Flores E.F. (Eds.). International Veterinary Information Service, Ithaca NY (www.ivis.org)
  Website


2 Tierseucheninfo: Schweinepest

  LAVES
  
  Website


3 Schweinepest

  
  BMELV
  Website


4 Neuropathologic study of experimental classical swine fever.

  Gomez-Villamandos JC et al.
  Vet Pathol. 2006 Jul;43(4):530-40.

100 Prozent Online-Fortbildung für Tierärzte

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Die Corona-Regelung vieler Tierärztekammern, dass in diesem Jahr die Zahl der vorgeschriebenen Fortbildungsstunden zu 100% durch Online-Fortbildungen abgeleistet werden können, sollte beibehalten werden.