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Schweinegrippe

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Einleitung

Zwischen Ende März und Mitte April 2009 sind in den USA in den Bundesstaaten Texas und Kalifornien acht Menschen an milden Grippesymptomen erkrankt. Nahezu parallel zu dem Infektionsgeschehen in den USA erkrankten auch in Mexiko City Personen an Grippe. Inzwischen hat sich diese Neue Grippe zu einer weltumspannenden Pandemie entwickelt. Ende Oktober 2009 gab es weltweit bereits 414.000 bestätigte Influenzafälle vom Typ A/H1N1. Die Dunkelziffer schätzen Experten um ein Vielfaches höher ein. Bislang hat die Neue Grippe weltweit rund 5.000 Todesopfer gefordert.

Eine Statistik über die bestätigten Fälle sowie Opferzahlen ist auf der Website der Weltgesundheitsorganisation zu finden.

Verantwortlich für die Erkrankungen ist ein neuer, humaner Subtyp eines Influenza-A-Virus, A/H1N1. Das Virus enthält Teile der Erbinformationen von Influenzaviren von Mensch, Schwein und Geflügel. Es besitzt die Fähigkeit, sowohl vom Tier auf den Menschen und umgekehrt, als auch von Mensch zu Mensch übertragen zu werden. Die WHO hat am 11.6.2009 die höchste Stufe des Pandemiewarnsystems ausgerufen. Damit gilt die neue Grippe vom Typ A/H1N1 ab sofort als Pandemie. Die einzelnen Länder haben sich jedoch bereits vor Wochen mit Hilfe eines speziellen, nationalen Pandemieplans auf einen möglichen Ernstfall vorbereitet, um einen Ausbruch ggf. schnell eindämmen zu können. Als Pandemie wird ein länder- und auch kontinentübergreifender Seuchenzug bezeichnet.

Inzwischen ist in einigen Ländern, darunter auch Deutschland, ein Impfstoff (Pandemrix®) gegen die Neue Grippe zugelassen worden. Die Mehrheit der Experten rät der Bevölkerung, insbesondere Risikogruppen, sich impfen zu lassen.

Von dem Verzehr von Schweinefleisch geht jedoch keinerlei Gefahr aus.

Influenzaviren

Aufbau eines Influenzavirus

Es gibt drei verschiedene Gattungen von Influenzaviren (Influenza A-, B- und C-Viren), die alle zur Familie der Orthomyxoviren gehören. Influenza A-Viren besitzen jedoch die größte Bedeutung und kommen bei Vögeln, verschiedenen Säugetieren wie Schwein, Pferd, Nerz, Seehund sowie beim Menschen vor. Der Übergang der Viren von einer Spezies auf die andere ist möglich, jedoch unterschiedlich schwierig. Das Schwein gilt als "Mischgefäß" verschiedener Influenzaviren, in dem neue Subtypen mit neuen Eigenschaften entstehen können.

Influenza-A-Viren sind runde oder ovale, 75 bis 120 nm Durchmesser große, behüllte RNA-Viren. Sie besitzen ein aus 8 Segmenten bestehendes, lineares Genom. Die einzelnen Subtypen zeichnen sich durch große Unterschiede in ihren antigenen Eigenschaften sowie durch ihre sehr hohe Mutationsbereitschaft und Neugruppierungen aus. Sie werden anhand ihrer antigenen Eigenschaften der Oberflächenantigene Hämagglutinin (H) und Neuraminidase (N) in verschiedene Subtypen unterteilt. Derzeit sind 16 H- und 9 N-Subtypen bekannt. Außer H1N1 sind die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung.

Die Influenza A tritt häufig epidemisch auf. Beim Menschen kann es auch zu einem pandemischen Geschehen kommen, das die ganze Welt umfasst. Ein Beispiel dafür ist die Spanische Grippe von 1918.

Neuer Subtyp A/H1N1
Dieses derzeit in Mexiko und den USA beim Menschen grassierende Virus vom Typ A/H1N1 ist ein neuer Subtyp, der bislang weder beim Menschen noch beim Schwein nachgewiesen worden ist. Das Virusgenom setzt sich aus Anteilen von Influenzaviren des Typs A vom Schwein, vom Menschen und auch von Vögeln zusammen. Obwohl es sich dabei um einen neuen humanen Subtyp handelt, wird das Virus in den Medien unkorrekter Weise als Schweinegrippevirus bezeichnet. Jedoch ist das Virus bei Schweinen überhaupt noch nicht nachgewiesen worden. Jedoch besteht die Gefahr, dass das Virus vom Menschen auf das Schwein übergeht, so dass Schweine haltende Betriebe ihre Schutz- und Hygienemaßnahmen gegen Infektionskrankheiten verstärken sollten (BTK 2009).

Das Schwein hat jedoch bereits seit langem eine Bedeutung als "Mischgefäß" verschiedener Influenzaviren, so dass es denkbar ist, dass das Virus ursprünglich im Schwein entstanden ist, da sich im Schwein auch humane Subtypen vermehren können. Durch Antigen- Drift bzw. Antigen-Shift können dann neue Subtypen entstehen, die in ihrem Genom sowohl Teile von Influenzaviren des Menschen als auch des Schweines enthalten, wie dies jetzt bei dem neuen Subtyp A/H1N1 der Fall ist. Durch die Adaptation an den Menschen kann es dann nicht nur zu einer Übertragung vom Tier auf den Menschen und umgekehrt, sondern auch von Mensch zu Mensch kommen.

Damit es zu einer Pandemie kommt, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:
1. Es muss ein neuer Virus- Subtyp entstehen
2. dieser muss den Menschen infizieren können und zu einem schweren Krankheitsverlauf führen
3. der Virus-Subtyp muss sich schnell und anhaltend unter Menschen verbreiten

Infektionen mit Influenzaviren beim Schwein

Sau

Viren
Wie alle Influenzaviren unterliegt das Schweineinfluenza-Virus ständigen Veränderungen. Schweine können durch Schweine-Influenzaviren, aber auch aviäre (Vogel) und humane Influenzaviren infiziert werden. Bei einer gleichzeitigen Infektion mit verschiedenen Influenza-Viren kann es zu einem Reassortment kommen (Austausch von Genen). Dadurch entstehen Viren, die aus Genen von Schweinen, Menschen und / oder Vögeln bestehen. Während der letzten Jahre sind verschiedene Subtypen des Schweineinfluenza-Virus isoliert worden. Es können dabei vier Subtypen unterschieden werden, die von Bedeutung sind: H1N1, H1N2, H3N2 und H3N1.

Klinik
Typisch ist ein plötzliches, sich schnell ausbreitendes Krankheitsgeschehen, das große Teile eines Bestandes erfasst, während die Mortalität gering ist (< 5%).
Bei Schweinen äußert sich eine Infektion mit porcinen Influenzaviren mit plötzlich einsetzendem Fieber, Mattigkeit/Depression, Husten ("Bellen"), Augen- und/oder Nasenausfluss, Niesen, Atembeschwerden, Konjunktivitis und durch eine verringerte bzw. verweigerte Nahrungsaufnahme und damit einhergehender Gewichtsverlust.
Nach einem Krankheitsverlauf von etwa drei Tagen, genesen die Tiere wieder, es sei denn, es kommt zu bakteriellen Sekundärinfektionen des durch die Virenreplikation vorgeschädigten Gewebes.
Infektionen treten bei den Tieren vor allem in der kälteren Jahreszeit auf. Erkrankte Schweine können mit Medikamenten gegen auftretende Symptome wie Fieber behandelt werden.

Pathologie & Histologie
Makroskopisch finden sich grau-rötliche, läppchenbezogene Herde, die über die gesamte Lunge verteilt sind. Die Befunde ähneln den primären Veränderung bei PRRS. Die histologische Untersuchung zeigt eine bronchointerstitielle Pneumonie. Die Entzündungsherde befinden sich überwiegend um die Bronchioli / Bronchien herum und strahlen von dort ins Interstitium aus.
Weiterhin ist eine Nekrose des respiratorischen Epithels zu erkennen, das sich teils im Lumen der Bronchioli / Bronchien ansammelt. Es ist aber auch eine Regeneration des Epithels zu erkennen, die an sehr flachen Zellen und dem Fehlen von Becherzellen zu erkennen ist.
Typisch sind auch alveoläre Ödeme, die teilweise mit einer Fibrinausschwitzung, Verbreiterung der Alveolarsepten und der Ansammlung von Entzündungszellen gekennzeichnet ist. Im Interstitium finden sich Ödeme in den interlobulären Septen mit Dilatation der Lymphgefäße.

Impfungen
Gegen die Schweineinfluenza wird intensiv geimpft. Dazu stehen verschiedene inaktivierte Impfstoffe zur Verfügung. Bei geimpften Tieren kommt es nur sporadisch zu Erkrankungen. Meist werden bei immunisierten Tieren nur geringe oder gar keine Symptome beobachtet.

Wie sich inzwischen an Fällen aus Argentinien, den USA, Kanada, Singapur, Island, Irland und Norwegen gezeigt hat, kann das neue Virus vom Typ A/H1N1 auch auf verschiedene Tierarten wie das Schwein und Geflügel übertragen werden. Da das Virus auch vom Mensch auf das Schwein übertragen werden kann, müssen die Schweinebestände vor einer Infektion mit diesem neuen Virus durch Menschen geschützt werden. In vielen Schweinebeständen wird in Deutschland gegen Influenzaviren geimpft. Ob der Impfschutz der Schweine auch einen Schutz gegen dieses neue Virus ermöglicht, ist bisher unklar. Für alle Schweinehalter ist es wichtig darauf zu achten, dass, wie heute allgemein üblich, nur zugangsberechtigte Personen in Schweinebeständen anwesend sind. So sind die Schweine bestmöglich vor Infektionen geschützt, informiert die Bundestierärztekammer.

Infektion des Menschen

Bei dem neuen Grippevirus vom Typ A/H1N1 handel es sich laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) um ein neues Influenza-A Virus, das bisher weder bei Menschen noch beim Schwein festgestellt wurde. Demnach besitzt das neue Virus Teile der Erbinformationen von Influenzaviren des Typs A Subtyp H1N1 von Mensch, Schwein und Geflügel. Der Begriff "Schweinegrippevirus" und Schweinegrippe sind in diesem Zusammenhang also irreführend (BTK). Inzwischen wird anstelle des Begriffes "Schweinegrippe" auch vielfach der Begriff "Neue Grippe" verwendet.

Zahl der bestätigten Fälle
Die Anzahl der bislang weltweit bestätigten Infektionen mit dem neuen Virus finden Sie bei der WHO.
Beim European Centre of Disease Prevention and Control (ECDC) wird die europäische Statistik geführt.

Inkubationszeit, Virusausscheidung & Infektionsquellen
Die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch (Inkubationszeit) beträgt meist nur wenige Stunden bis zu drei Tage. Währenddessen aber bereits die Virusausscheidung über die Schleimhäute des Nasen-Rachen-Raums beginnt. Die Virenausscheidung erfolgt durchschnittlich bis zu sieben Tage, Personen mit schwächerem Immunsystem scheiden Viren auch länger aus. Durch Niesen und Husten werden die Viren in der Umgebung verteilt und es kommt zu Tröpfcheninfektionen.
Als Infektionsquelle sind daher vor allem bereits infizierte Menschen anzusehen. Von dem Verzehr von Schweinefleisch geht jedoch keinerlei Infektionsrisiko aus, es kann ohne Sorge verzehrt werden. Bei Temperaturen von bereits 72°C wird das Virus vollkommen unschädlich gemacht.

Klinische Symptome
Die Krankheitssymptome sind ähnlich wie bei saisonaler Influenza. Das sind vor allem Fieber, Mattigkeit, Atemwegsbeschwerden und Gliederschmerzen. Einige Patienten litten außerdem an Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

Behandlungsmöglichkeiten
Mit den Neuraminidasehemmern (antivirale Medikamente gegen Influenzaviren) Oseltamivir und Zanamivir scheinen Infektionen mit dem neuen Virus vom Typ A/H1N1 wirksam bekämpft werden zu können. Darauf lassen Wirksamkeitsprüfungen der amerikanischen Infektionsschutzbehörde CDC schließen.

Impfungen
Inzwischen ist in mehreren Ländern ein inaktivierter Impfstoff gegen A/H1N1 zugelassen (Pandemrix®). Dieser unterscheidet sich deutlich von dem Impfstoff gegen die saisonale Grippe. Die Mehrzahl der Experten rät insbesondere Personen, die Risikogruppen angehören, sich unbedingt gegen die Neue Grippe impfen zu lassen. Auch Landwirten wird empfohlen, von der Impfung schnellstmöglich Gebrauch zu machen, um das Risiko eines Viruseintrags in die Schweine- und Nutztierbestände zu reduzieren.

Risikoeinschätzung & Pandemiegefahr
Inzwischen sind aus nahezu allen Ländern der Welt Infektionen mit dem Virus vom Typ A/H1N1 gemeldet worden.
Nachdem die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen Wochen ein wenig gesunken war, rechnen Experten im Herbst/Winter mit einer neuen Welle. Außerdem besteht die Gefahr, dass das Virus mutiert und dann nicht wie bisher meist leichte Symptome hervorruft, sondern zu schweren Erkrankungen mit vielen Todesfällen führt.

Entsprechend hat die WHO das Virus bereits am 25.4.2009 als gesundheitliches Risiko von internationaler Bedeutung eingestuft. Eine vergleichbare Einstufung gab es beim Auftreten von SARS 2003. Die pandemische Warnstufe 3 der WHO, die seit einigen Jahren auf Grund der Geflügelpest A/H5N1 galt, wurde am 27. April von 3 auf 4 heraufgesetzt und am 29.4.2009 wurde schließlich die Warnstufe 5 ausgerufen. Seit dem 11.6.2009 gilt nun Warnstufe 6, die mit dem Ausbruch einer Pandemie gleichzusetzen ist. Die Erkrankung ist entsprechend in mehreren Weltregionen ausgebrochen. Es wird mit einer Erkrankungs- und Sterberate gerechnet, die übliche - auch schwere - Influenzawellen übertreffen.

Von dem Verzehr von Schweinefleisch geht jedoch keinerlei Infektionsrisiko aus, es kann ohne Sorge verzehrt werden. Bei Temperaturen von bereits 72°C wird das Virus vollkommen unschädlich gemacht.

Schutzmaßnahmen

Wegen der zunehmenden Globalisierung, des weltweiten Handels und des internationalen Reiseverkehrs besteht die Gefahr, dass das Virus in weitere Länder eingeschleppt wird.

Um das Einschleppen weiterer Fälle und ein Umsichgreifen des Virus und damit seine Ausbreitung zu vermeiden, sind sowohl auf EU-Ebene wie auch auf Ebene der einzelnen Mitgliedsländer bereits Maßnahmen ergriffen worden. In Deutschland hat das Bundesministerium für Gesundheit zusammen mit den Ländern und dem Robert-Koch-Institut (RKI) die bestehenden Empfehlungen zum Vorgehen in solchen Situationen an die aktuelle Situation angepasst und den Gesundheitsämtern, Krankenhäusern und Ärzten zur Verfügung gestellt. Die Maßnahme-Empfehlungen sind auch auf den Internetseiten des Robert Koch-Instituts abrufbar. Darunter sind auch Empfehlungen für Gesundheitsbehörden vor Ort zum Vorgehen bei einem Schweinegrippe-Verdachtsfall, zur Probenentnahme und Hinweise für Flugpassagiere, in deren Flugzeug sich Personen mit Atemwegserkrankungen aufhielten (in Englisch, Deutsch, Spanisch). Bezüglich des Schutzes des Medizinpersonals greifen die bestehenden Empfehlungen, wie sie bei Influenza üblich sind. Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Jörg Hacker, sagte: "Wir sind gut vorbereitet. Es gibt Pläne für den Fall der Fälle".

Für die Bevölkerung wird derzeit keine allgemeine Gefährdung durch das neue Virus gesehen. Generell empfohlene persönliche Hygienemaßnahmen wie Händewaschen sollten aber besonders beachtet werden.
Ausführliche Informationen zu persönlichen Schutzmaßnahmen bei Virusinfektionen finden sich auf der Website des RKI sowie in der Broschüre "Selbstverteidigung gegen Viren", die ab Mitte Mai 2009 bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln bestellt werden kann und unter www.wir-gegen-viren.de abrufbar ist.

Medien

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