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Igel - Patient in der Tierarztpraxis

mit freundlicher Unterstützung von

PRO IGEL  e.V.

Herbstzeit ist Igelzeit - Wer braucht Hilfe vor dem Winter?

Igel sind possierliche, unter Naturschutz stehende Wildtiere, die das Herz von Tierfreunden höher schlagen lassen. Gerade im Spätsommer und im Herbst sind die Stacheltiere wieder vermehrt ab der Dämmerung und Nachts zu hören und zu sehen, wenn sie durch die Gärten und Parks flitzen auf der Suche nach Nahrung, um sich noch rasch vor dem Winterschlaf genügend Energiereserven anzufressen.

Igel, besonders junge und kleine Igel, die hingegen tagaktiv sind, haben meistens ein Problem und bedürfen Hilfe. Ebenso Tiere, die Ende November weniger als etwa 500 Gramm wiegen. Solche und natürlich verletzt oder krank wirkende Tiere sollten zu einer Igelstation oder einer Tierarztpraxis gebracht werden.

Da der Igel in der Tierarztpraxis das in der Regel meist gesehene Wildtier ist, sollte die Tierärztin/Tierarzt zumindest über solide Grundkenntnisse über Igel, ihre Pflege sowie die Untersuchung und die häufigsten Erkrankungen verfügen.

Dieses Fokusthema vermittelt solch ein Basiswissen über Igel und gibt Tierärzten weiterführende Tipps in bezug auf Untersuchung und Behandlung. Dieses Fokusthema wurde mit freundlicher Unterstützung von Pro Igel e.V. erstellt.

Der Igel als Patient

Jungtier

Es kommt vor, insbesondere im Spätsommer und im Herbst, das Ihnen ein Igel in die Praxis gebracht wird. Wie Sie dann weiter vorgehen, auf was Sie achten und was Sie erfragen sollten, haben wir Ihnen hier zusammengestellt.
  1. Funddatum, -uhrzeit, -gewicht und genaue Fundstelle notieren.
  2. Geschlechtsbestimmung – Wichtig v.a. bei Alttieren im Sommer, um säugende Muttertiere ermitteln zu können.
  3. Igel auf Verletzungen untersuchen.
  4. Unterkühlte Igel (Bauchseite kälter als handwarm) wärmen.
  5. Wenn möglich Fliegeneier und/oder –maden, Flöhe, Zecken entfernen - nicht baden.
  6. Füttern als Erstversorgung.
  7. Notunterkunft bauen.
  8. Kot für Untersuchung sammeln (1-2 Tage).
  9. Grundregeln der Hygiene beachten.
  10. Gesunde Tiere sofort wieder freilassen (möglichst am Fundort)!
    Verletzte und geschwächte Tiere sollten unverzüglich dem Tierarzt vorgestellt werden!
Der Igel in der Praxis:
  1. Igel grammgenau wiegen.
  2. Igel untersuchen (Geschlecht, Alter, Ernährungszustand, Verhalten, Verletzungen, Atemgeräusche, Körperöffnungen..).
  3. Schwache Tiere erst aufbauen – niemals sofort entwurmen!
  4. Ekto- und Endoparasiten entfernen.
  5. Krankheiten behandeln.
  6. Der Igel in der Praxis:
    PDF
    mit Arzneimittelliste

  7. Rechtliche Situation erklären.
  8. Merkblätter von Pro Igel e.V. empfehlen/mitgeben.
  9. Gesunde Tiere sofort wieder freilassen (möglichst am Fundort)!
Ziel jeder Pflege muss es sein, den Igel zur Wiedereingliederung in die Natur zu befähigen! Die bei immer mehr Menschen vorhandene Schutz- und Pflegebereitschaft für solche Tiere soll nicht blockiert, sondern in geordnete Bahnen gelenkt werden.

Der Igel - Das geschützte Tier

Igel im Laub

Igel gehören zu den besonders geschützten Tierarten. Es ist daher verboten, ihnen nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten, ihre Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören. Es ist ferner verboten, Igel in Besitz zu nehmen.
Abweichend von diesen Verboten ist es zulässig, verletzte und kranke Igel, sowie verwaiste Igelsäuglinge aufzunehmen, um sie gesund zu pflegen. Sie sind unverzüglich in die Freiheit zu entlassen, sobald sie sich dort selbständig erhalten können.
(Bundesnaturschutzgesetz §39)

...Verletzte Igel..
Oft deuten schon Fundort und –umstände (Straßen und Bauarbeiten) auf Verletzungen hin. Tiere, die vermutlich tagelang in Gruben, Lichtschächten o.ä. ohne Wasser und Futter gefangen waren, brauchen ebenfalls Hilfe.

...Kranke Igel..
Den kranken Igel erkennt man an den eingefallenen, schlitzförmigen Augen, den Besatz mit Schmeißfliegen (in der warmen Jahreszeit) und am schlechten Ernährungszustand (Einbuchtung hinter dem Kopf, hervorstehende Hüftknochen). Ein kranker Igel verhält sich apathisch, rollt sich kaum ein, sucht tagsüber Futter, torkelt oder liegt herum.
Ausnahmen stellen säugende Igelweibchen dar, die manchmal auch tagsüber zwischen Aufzuchtnest und einem weiteren Tagesschlafplatz wechseln. Ebenso können aufgescheuchte Igel dazu gezwungen sein auch tagsüber einen neuen Unterschlupf zu suchen.

...Verwaiste Igelsäuglinge..
Igeljunge mit noch geschlossenen Augen und Ohren, die sich tagsüber außerhalb ihres Nestes aufhalten und sich wohlmöglich kühl anfühlen sind mutterlos. Im Zweifelsfall Nest und Umgebung eine kurze Zeit beobachten.

Auch Igel, die nach Wintereinbruch (bei Dauerfrost und/oder Schnee) herumlaufen brauchen i.d.R. Hilfe. Auch diese Tiere findet man überwiegend am Tage. Es kann sich um kranke oder schwache Alttiere handeln. Häufiger sind es jedoch spätgeborene Jungtiere, die sich wegen Krankheit oder geringen Nahrungsangebotes keinen ausreichenden Winterspeck anfressen konnten.

Wann kann sich ein Igel in der Freiheit selbstständig erhalten?
Igel, die Anfang November über 500g wiegen und nicht verletzt oder krank sind, gelten nicht als hilfsbedürftig. Ausnahmen sind Igel, die bei Frost oder Schnee i.d.R. tagsüber unterwegs sind.
Igel, die in menschlicher Obhut überwintert haben, sollten ab Mitte April (Bodenleben muss vorhanden sein) bis spätestens Mitte Mai abends am Fundort freigelassen werden. Jungigel sollten dabei ein Gewicht von 650-700g aufweisen.

Nach dem Tierschutzgesetz gilt...
Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,
1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,
2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbares Leiden oder Schäden zugefügt werden,
3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerecht Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.
(Tierschutzgesetz §2)

Steckbrief

Igel im Jägerzaun

Igel gehören erdgeschichtlich zu den ältesten noch existierenden Säugetierformen. Sie sind seit dem Tertiär nachgewiesen.

Vorkommen:
Durchgrünte Siedlungsrandbereiche, Gärten, Parks je nach Nistgelegenheiten und Nahrungsangebot

Lebensraum:
Männchen: bis zu 100 ha, je nach Verteilung der Weibchen
Weibchen: 20 – 30 ha, je nach Nahrungsangebot Igel sind reviertreue Einzelgänger, verteidigen ihr Revier aber nicht gegen Artgenossen.

Lebenserwartung:
Ein Alter von 7 – 8 Jahren kann erreicht werden. Aufgrund der hohen Jugendsterblichkeit beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung allerdings nur 2 – 4 Jahre.

Fortpflanzung:
Paarungszeit: April bis Ende August
Tragezeit: ca. 35 Tage
Jungtiere: 2 – 10, durchschnittlich 4 – 7 blinde und taube Jungtiere einmal pro Jahr
Säugeperiode: 6 Wochen tagsüber
Im Alter von 4 Wochen verlassen die Jungtiere erstmals alleine das Nest, erste feste Nahrung wird aufgenommen.
Die Männchen nehmen an der Aufzucht der Jungtiere nicht teil.

Feinde:
Die natürlichen Feinde des Igels sind Füchse, Uhus, Dachse und Hund. Auch Katzen können Igelbabys töten. Der größte Feind des Igels sind allerdings vom Menschen gemachte Gefahren!

Nahrung:
Igel sind nachtaktive Insektenfresser. Zu ihrer Nahrung gehören u.a. Schnecken, Spinnen, Käfern, Larven und Regenwürmern, seltener Asseln, gelegentlich Aas. Pflanzenteile werden vermutlich nur zufällig mit anderer Nahrung aufgenommen.

Nestbau:
Im laufe des Sommers bauen Igel sich mehrere Nester. Sorgfältig konstruiert wird meist nur das Nest zur Aufzucht der Jungen. Winterschlafnester müssen gut wärmeisoliert und möglichst regen- und schneedicht sein.

Winterschlaf:
Herzschläge auf 8 Schläge pro Minute reduziert, Atmung 3-4 mal pro Minute. Die Körpertemperatur sinkt auf etwa 5°C. Verlust von 20-30% des Körpergewichts.

Größe, Gewicht:
Körperlänge erwachsener Igel: 24 -28 cm
Gewicht erwachsener Igel: 800 - 1500g
Männchen sind im allgemeinen schwerer als Weibchen.

Stacheln:
Bei der Geburt: ca. 100 in die aufgequollene Rückenhaut eingebettete Stacheln
Ausgewachsene Igel: 6000 - 8000 Stacheln

Sinne:
Gehör, Geruchs- und Tastsinn sind sehr gut ausgebildet, das Sehvermögen ist nur mäßig.

Lautäußreungen:
Bei Gefahr: fauchen, puffen, tuckern
Schmerz: Schreie erinnern an das Kreischen einer Kreissäge
Paarungsvorspiel: schnaubende Geräusche
Igelsäuglinge: zwitschern wie Vögel

Pro Igel e.V.

Pro Igel ist ein gemeinnütziger Verein, dem Wissenschaftler, Forscher, Biologen, Tierärzte, Sachbuchautoren und Vorsitzende großer deutscher Igelschutzvereine angehören. Pro Igel arbeitet mit dem Deutschen Tierschutzbund, dem BUND und dem NABU zusammen.

Zielsetzung:

  • Qualifizierte Betreuung notleidender Igel
  • Informationssammlung und –austausch zum Schutz des Igels
  • Aufklärung der Öffentlichkeit über Maßnahmen zum Igelschutz
  • Unterstützung der Forschung über Verhalten, Biologie und Lebensräume des Igels


Leistungen:

  • Angebot von ausführlichem Informationsmaterial
  • Pressemitteilungen, Buchbesprechungen
  • Herausgeber von Forschungsarbeiten
  • Videofilm "Igel-Leben" zusammen mit Pro Igel Schweiz
  • Herausgeber der Fachzeitschrift "Igel- Bulletin"
  • Ausführliche Website zum Thema Igel
  • Veranstalter der "Fachtagung Rund um den Igel", 1993 in Stuttgart, 2001,2009 und 2018 in Münster/Westfalen



Informationsmaterial erwünscht?

Pro Igel e.V. Vertrieb

Bremer Str. 95

49163 Bohmte

Email: info@pro-igel.de

Homepage: www.pro- igel.de


Tipps & Tricks für die Praxis

Sollte in keiner Tierarztpraxis fehlen: das Buch Igel in der Tierarztpraxis

Hier haben wir Ihnen die wichtigsten Tipps und Tricks für die Behandlung von Igeln nochmal stichpunktartig zum Nachschlagen zusammengestellt.

Unterkühlung
Fütterung
Baden
Notunterkunft
Untersuchung
Geschlechtsbestimmung
Altersbestimmung
Ernährungszustand
Injektionstechnik
Igelsäuglinge - Insektizide


Unterkühlung
Eine Unterkühlung ist vorhanden, wenn sich das Tier an der Bauchseite deutlich kälter als die eigene Hand anfühlt. Eine mit gut handwarmem Wasser gefüllte Gummiwärmflasche umwickelt man mit einem Frotteehandtuch (ohne Aufhänger, ohne Löcher oder heraushängende Fäden - Verletzungsgefahr!) und legt sie in einen passenden hochwandigen Karton. Darauf setzt man den Igel und deckt ihn mit einem weiteren Handtuch zu. (zurück)

Fütterung
Erstversorgung: Hunde- oder Katzenfutterdose oder kurz angebratenes Rinderhack oder Rührei (keine Gewürze, zerkleinert).
Wasser – keine Milch!
Schwache Tiere: Fenchel- oder Kamillentee (lauwarm, ungesüßt) mit der Spritze eingeben.
Frißt der Igel über Nacht nicht von selbst, ist unverzüglich der Tierarzt aufzusuchen. (zurück)

Baden
Baden bedeutet für den Igel Stress. Deshalb sollten schwache Tiere und Igelsäuglinge auf keinen Fall gebadet werden. Stabile Tiere kann man zur Säuberung und zur Entfernung von Flöhen baden. Dazu läßt man wenig handwarmes Wasser in ein Waschbecken ein und setzt den Igel hinein. Die Hand stützt Kopf und Brust. Aus einem Becher kann man Wasser über Kopf und schultern rieseln lassen. Nach dem Bad hüllt man den Igel in ein Handtuch ein, das man wechselt, sobald es feucht ist. Der Igel soll an einem warmen und vor Zutluft geschützten Ort trocknen.
Nicht abbrausen! Nicht schwimmen lassen! Nicht fönen! (zurück)

Notunterkunft
Igel sind Einzelgänger, nur ganz junge Tiere eines Wurfs vertragen sich. Auch die Notunterkunft für einen Igel muss ausbruchssicher gestaltet sein (Seitenwände 45-50cm hoch). Karton kann durch genagt werden. Den Boden mit mehreren Lagen Zeitungspapier auslegen (kein Katzenstreu, Sägemehl o.ä.) und täglich (morgens) wechseln. Schlafhaus (Karton ca. 30x30cm mit Schlupfloch 12x12cm) mit zerrissenem Zeitungspapier füllen. (zurück)

Untersuchung
Zur Untersuchung den Igel sanft über den Rücken streicheln, bis er sich ausrollt. Dann mit der flachen Hand in Seitenlage bringen. Das entspannte Tier kann auch behutsam an den Hinterbeinen gefaßt und angehoben werden (Handstandstellung). (zurück)

Geschlechtsbestimmung
Die Geschlechtsbestimmung ist vor allem bei Alttieren in den Sommermonaten wichtig, da es sich um säugende Muttertiere handeln kann. Zur Geschlechtsbestimmung den Igel sanft über den Rücken streicheln, bis er sich ausrollt. Dann mit der flachen Hand in Seitenlage bringen. Das entspannte Tier kann auch behutsam an den Hinterbeinen gefaßt und angehoben werden (Handstandstellung).
Weibchen: Vagina unmittelbar vor dem After
Männchen: Penisöffnung in der Mitte der hinteren Körperhälfte (zurück)

Altersbestimmung

  Geburt 1 Woche 2 Wochen 3 Wochen 4 Wochen
Hautfarbe rosa rosa grau grau grau
Stacheln weiß einzelne dunkle dunkel dunkel dunkel
Fell ohne ohne etwas Flaum vorhanden dicht
Augen/
Ohren
ge-
schlossen
ge-
schlossen
öffnen sich offen offen
Zähne keine keine keine stoßen durch vollzählig
Gewicht (g) 12-25 30-50 60-80 100-130 140-180

(zurück)

Ernährungszustand
Normaler Igel: Körper birnenförmig, kein Hals.
Magerer Igel: Körper wurstförmig, Einbuchtung hinter dem Kopf, herausstehende Hüftknochen, schlitzförmige Augen. (zurück)

Injektionstechnik
Stachelhaut z.B. mit Kodan reinigen, rechts oder links am Hinterkörper mit Pinzette oder Arterienklemme fixieren, leicht anheben, in die sich bildende Falte subcutan parallel zur Körperoberfläche injizieren. Citarin- oder Ivomec-Injektionen in Kopfnähe oder in die Bauchhöhle können zum Exitus führen! (zurück)

Igelsäuglinge - Insektizide
Igelsäuglinge grundsätzlich nicht mit Insektiziden behandeln. (zurück)

Mehr wertvolle Informationen über Igel, die häufigsten Erkrankungen, Diagnostik und Behandlungsmöglichkeiten finden Tierärzte in dem Fachbuch "Igel in der Tierarztpraxis".

Publikationen

Pflege hilfsbedürftiger Igel in Stichworten:

Autor: Dr. Barbara Gooß in Zusammenarbeit mit PRO IGEL e. V.
PRO IGEL - Verein für integrierten Naturschutz Deutschland e.V. ist ein bundesweit tätiger, gemeinnütziger Verein der sich mit Hilfe umfangreicher Öffentlichkeitsarbeit für Igelschutz und Igelhilfe einsetzt und dem Wissenschaftler, Forscher, Biologen, Tierärzte, Sachbuchautoren und Vorsitzende großer deutscher Igelschutzvereine angehören.
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In einigen europäischen Ländern steht der Igel bereits auf der Roten Liste. In Deutschland ist der Igel ganzjährig gesetzlich geschützt. Es dürfen lediglich kranke und verletzte Igel vorübergehend in menschliche Pflege genommen werden. Nicht jeder Igel braucht Hilfe, aber jede Hilfe muss richtig sein! Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter Aktuelles im Monatsthema Igel.

Weitere Informationen

Hilfsbedürftig sind:

  • Verwaiste Igelsäuglinge
    befinden sich tagsüber außerhalb des Nestes - evtl. unterkühlt, Augen und Ohren sind geschlossen.
  • Verletzte Igel
    zeigen Wunden, Knochenbrüche, Bissverletzungen oder Verbrennungen. Sie sind möglicherweise in Gruben, Schächte o.ä. gefallen oder in Drahtzäunen gefangen.
  • Kranke Igel
    sind meist tagsüber aktiv, apathisch, abgemagert und zeigen einen torkelnden Gang und tiefliegende Augen.
  • „Herbst-Igel *)“
    sind Jungigel, die Anfang November unter 500g wiegen.
    *)Ob ein Igel in menschliche Obhut gehört oder nicht, muss im Einzelfall beurteilt werden. Es ist ein Rechenexempel, dass Tiere unter 500 Gramm den 1. Winterschlaf nicht überleben können, wenn der Herbst nicht besonders mild ist, so dass Nahrungstiere ausreichend verfügbar sind, oder in der nahrungsarmen Zeit Zufütterung gewährleistet ist. Denn Igel verlieren während des Winterschlafs etwa 30-40% Körpergewicht. Fast immer sind die kleinen so genannten „Herbst-Igel“, die in menschliche Obhut kommen, auch krank, das belegen Statistiken deutscher Igelstationen. Übrigens sind dies zu „ganz normaler Zeit“ geborene Tiere. 80% der Igel in Deutschland werden in August und September geboren, es gibt nur einen Wurf pro Jahr, das belegen mehr als 20jährige Datenerhebungen.
  • Igel, die bei Frost und/oder Schnee aktiv sind,
    sind meist bei Tag unterwegs, oft mager - evtl. ist ihr Nest zerstört.

Igel sind gesetzlich geschützt! Lassen Sie Igel, die nicht hilfsbedürftig sind, sofort wieder – möglichst am Fundort – frei!

Kranke, verletzte und geschwächte Igel sind auf fachmännische Hilfe durch den Tierarzt oder eine Igelstation angewiesen. Unterkunft und Nahrung allein helfen ihm nicht!

Unterbringung

Raum:
  • ruhig,
  • gut belüftbar,
  • Tageslichteinfall,
  • Zimmertemperatur (18-22°C).
Gehege:
  • nur ein Tier pro Gehege,
  • Gehege-Größe: ca. 2m²,
  • absolut ausbruchssicher (Höhe der Seitenwände 45-50cm),
  • Material: leicht zu reinigen (beschichtete Span- oder Hartfaserplatten),
  • mit Boden zur Wärmedämmung,
  • Bodenbelag: mehrere Lagen Zeitungspapier (kein Katzenstreu oder Sägemehl).
Schlafhaus:
  • Karton (30cm Kantenlänge) oben zuklappbar mit seitlichem Schlupfloch.
Nistmaterial:
  • viel zerrissenes oder zerknülltes Zeitungspapier (kein Kleintierstreu, Heu o.ä., keine Holzwolle oder Lappen).

Pflegebericht

  • Funddatum, -uhrzeit, -gewicht und genaue Fundstelle notieren.
  • Gewichtszunahmen sowie Tierarztbesuche und verabreichte Medikamente dokumentieren.

Nahrung

Die Gewichtszunahme sollte pro Woche 70-100g betragen.
Nahrungsmenge: 2 gehäufte Esslöffel für einen Igel von rund 500g, oder je Igel soviel Futter, wie in einen 150g Joghurtbecher passt.

Grundnahrung:
  • Katzen- oder Hundefeuchtfutter, Eier (hartgekocht oder Rührei), Geflügelfleisch (gekocht), Rinderhackfleisch (kurz angebraten) – alles ungewürzt.
Ballaststoffe:
  • Pro Portion (Dose, Fleisch, Ei s.o.) 1-2 EL Haferflocken, Igeltrockenfutter oder 1 EL Weizenkleie untermischen.
Zahnpflege:
  • 1-2x wöchentlich gekochtes, enthäutetes Hühnerfleisch mit Knochen füttern.
Flüssigkeit:
  • Nur Wasser
  • Keine Milch!!

Winterschlaf

Igel sollten auch in menschlicher Obhut Winterschlaf halten, wenn sie wegen der fortgeschrittenen Jahreszeit nicht mehr ausgewildert werden können. Dazu sollten sie folgendes Gewicht erreicht haben:
  • Jungigel: 600-700g,
  • Altigel: 900-1000g.
Unterbringung:
  • Überwinterung bei Außentemperatur (Balkon, Terrasse, Gartenhaus, Freigehege im Garten).
  • Schlafhaus in einen etwas größeren Karton oder in eine Holzkiste (Kantenlänge: 40cm) mit deckungsgleichem Schlupfloch setzen, die Zwischenräume mit Zeitung ausstopfen.
  • Tägliche Kontrolle. Ist der Igel eingeschlafen, ein Blatt Toilettenpapier mit zwei Stückchen Klebeband vor den Eingang kleben.
Fütterung:
  • Bis der Igel schläft normale Fütterung.
  • Schläft der Igel, Wasser und Trockenfutter (Notration) bereitstellen.

Aufwachen und Auswilderung

  • Auffütterung des Igels bis zu dem Gewicht, das er vor seinem Winterschlaf hatte (idealerweise im Freigehege).
  • Bei aufgezogenen Jungigeln ist eine Gewöhnung an die Freiheit in einem Freigehege unumgänglich.
  • Freilassung ab Mitte April bis spätestens Mitte Mai (Bodenleben muss vorhanden sein) - abends und unbedingt am Fundort.
  • Wenn möglich noch einige Tage zufüttern.

Aufzucht verwaister Igelsäuglinge

Allgemeines:
  • Igelmuttermilch ist sehr fett- (25,5%) und eiweißreich (16%) und enthält nur Spuren von Laktose (Trockensubstanz 45,2%).
  • Als Ersatz-Igelmuttermilch hat sich EsbilacÒ (Albrecht) bewährt – pro Tag ca. 25% des Körpergewichts (bis ca. 100g Körpergewicht).
  • Die Igelsäuglinge möglichst früh an selbstständige Futteraufnahme gewöhnen.
  • Keinesfalls Kuhmilch oder Ersatzmilchpräparate für Menschen verwenden!
Ektoparasiten:
  • Die Parasiten manuell absammeln, Igelsäuglinge weder baden, noch mit Insektiziden behandeln.
Unterbringung:
  • Pappkarton doppelt so groß wie eine Wärmflasche oder ein Käfig mit hoher Bodenwanne
  • Eine handwarme Wärmflasche mit doppelt gefaltetem Handtuch und Küchenpapier bedecken. Die Igelsäuglinge darauf betten und mit einem weiteren Handtuch zudecken.
  • Die andere Hälfte des Kartons bis auf das gleiche Niveau mit Zeitungspapier auslegen, als Ausweichbereich, falls es den Igeln zu warm wird.
  • Nach jeder Fütterung beschmutztes Küchenpapier, feuchte Handtücher und das Wasser in der Wärmflasche auswechseln.
  • Auf Sauberkeit und Hygiene ist größter Wert zu legen!
Markieren und wiegen:
  • Zur Unterscheidung der Igel, die Tiere mit pfenniggroßen Farbtupfern auf den Stachelspitzen an verschiedenen Stellen markieren (ungiftige Acrylfarbe, flüssiges Tipp-Ex, Nagellack).
  • Jeden Igel täglich wiegen, möglichst immer zur gleichen Zeit (morgens vor der 1. Fütterung) auf einer Digital-Briefwaage.
  • Gewicht im Pflegebericht notieren
Fütterung, Gewichtszunahme, Futtermenge:
  • Als Igelmuttermilch-Ersatz EsbilacÒ 1:2 mit ungesüßtem Fencheltee anrühren.
  • Steht kein Igelmuttermilch-Ersatz zur Verfügung max. 1 Tag nur Fencheltee füttern.
  • Futtermenge: In 24 Stunden 25% des Körpergewichts. Bei Neugeborenen auf 10, bei Igeln mit 100g Körpergewicht auf 5 Mahlzeiten verteilen.
  • Bis zu einem Alter von 14 Tagen (Augen öffnen sich) auch nachts füttern.
  • Die Gewichtszunahme sollte bei Igeln unter 90g ca. 4-6g/Tag, bei Igeln über 90g ca. 9-11g/Tag betragen.
  • Ab ca. dem 19. Lebenstag beginnt die selbstständige Aufnahme der Ersatzmilch (kleiner Teller, Dosendeckel). Nun mischt man Tatar (feingemahlenes Rinderhack ohne Sehnen) oder Rührei in winzigen Mengen unter die Milch.
  • Die Menge der „Feststoffe“ und des Fencheltee-Anteils wird langsam gesteigert.
  • Im Alter von ca. 30 Tagen sollte die Umstellung auf zerkleinerte Festkost vollzogen sein.
Toiletting:
  • Solange die Igelsäuglinge noch nicht selbstständig fressen, muss vor und/oder nach jeder Fütterung Bauch und Afterbereich mit einem angefeuchteten Finger oder Wattestäbchen massiert werden bis Kot (kleine, grüne aneinanderklebende Kügelchen) und Urin ausgeschieden werden.
  • Futterreste, Kot und Urin werden mit angefeuchtetem Zellstoff abgetupft und die Haut mit etwas Babyöl eingerieben (auch vor dem Toiletting).

Ziel jeder Pflege muss es sein, den Igel zur Wiedereingliederung in die Natur zu befähigen!

Pro Igel e.V.:

  • Hotline: 0180-5555-9551 (EMTEX 12 Cent die Minute)
  • Geschäftsstelle: 0180-5555-9555 (EMTEX 12 Cent die Minute)
  • Faxabruf: 0180-5555-9554 (EMTEX 12 Cent die Minute)
  • Internet: www.Pro-Igel.de
Bei der Igel-Hotline lassen sich rund um die Uhr jahreszeitlich aktuelle Informationen über Igel und Erste-Hilfe-Ratschläge abrufen (Ansagedauer: 5 Minuten). Kurzinformationen gibt es auch per Faxabruf.

Nicht jeder Igel braucht Hilfe,
aber jede Hilfe muss richtig sein!

Dies ist ein Service von Vetion.de und Pro Igel e.V.

Gesetze und Verordnungen

Gesetze und Verordnungen

Quelle

Fassung vom

Aktuelle Meldungen

31.10.2019: BVL mahnt zu Vorsicht bei Parasitenbehandlung bei Igeln

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) weist auf die Schwierigkeit der Behandlung von Igeln mit Antiparasitika hin. Hier gilt es mehrere Dinge zu bedenken. Zunächst sind Igel Wildtiere und dürfen nicht als Haustiere gehalten werden. Nur verletzte, kranke und hilfsbedürftige Igel dürfen aufgenommen werden, um sie zu behandeln. Nach der Gesundung müssen die Tiere wieder in die Natur entlassen werden. Häufig weisen hilfsbedürftige Igel einen Befall mit Endo- und Ektoparasiten auf. Bevor der Igel jedoch entsprechend behandelt wird, muss abgeklärt werden, ob der Allgemeinzustand des Tieres dieses zulässt. Andernfalls kann eine Behandlung zum Tod
des Tieres führen. Ein weiteres Problem ist, dass es derzeit in Deutschland kein für Igel zugelassenes Präparat gibt. Deshalb müssen für andere Tierarten zugelassene Präparate für den Igel angewendet werden. Allerdings ist zu bedenken, dass die Angaben zu Dosierung, Anwendung und auch den Nebenwirkungen nicht direkt auf den Igel übertragbar sind. Auch besteht die Schwierigkeit, dass die Präparate meist für Tiere entwickelt wurden, die deutlich schwerer als Igel sind. Die Behandlung von Igeln bedarf daher eines speziellen Wissens und auch Erfahrungswerten, die u.a. im Online-Kurs "Einsteigerkurs Igel: Der Igel als Patient in der Kleintierpraxis" unter MyVetlearn.de erworben werden können.

Medien

Igel in der Tierarztpraxis
von Tanja Wrobbel,
Pro Igel e.V., 2018, 7. Auflage

Vor allem im Herbst werden vermehrt Igel der Tierärztin bzw. dem Tierarzt vorgestellt. Dann ist es von Vorteil, zumindest einige Kenntnisse über Igel zu besitzen und eine Grundlegende Untersuchung durchführen und bei Bedarf auch einige Behandlungen vornehmen kann. Da Igel jedoch bei der tierärztlichen Ausbildung nicht berücksichtigt werden, verfügen viele TierärztInnen über dieses Fachwissen nicht. Dank dem Fachbuch der Kollegin Tanja Wobbel und dem Verein ProIgel e.V., können Sie sich dieses jedoch gut aneignen. Das Buch steht auch als pdf-Version zum Download zur Verfügung. Im März 2018 ist die 7., aktualisierte Ausgabe erschienen.

Inhalt & Bestellung


Parasitosen und Mykosen des Igels
von Dora Lambert,
Pro Igel e.V., 2019, 2. Auflage

Dora Lambert, langjähriges Mitglied und Beirat bei Pro Igel e.V. für den Themenkomplex Igelparasiten, hat sich über viele Jahre darum verdient gemacht, die Identifikation von Igelparasiten und den Nachweis von parasiten beim Igel durch eine Bildersammlung für jedermann schlüssig und verständlich zu dokumentieren. Mit akribischer Sorgfalt hat sie das Bildmaterial zusammengetragen und immer wieder ergänzt und detailliert beschrieben.

Inhalt & Bestellung

Online-Fortbildungen

Welche Arten der Online-Fortbildungen nutzen Sie? Wann machen Sie dies bevorzugt und welche Endgeräte nutzen Sie dafür?