Menü ≡

Blauzungenkrankheit / Blue Tongue Disease

mit freundlicher Unterstützung von

Intervet Deutschland GmbH

Einleitung

Seit Dezember 2018 grassiert die Blauzungenkrankheit vom Serotyp 8 (BTV-8) wieder in Deutschland. Auch andere europäische und nicht-europäische Länder wie die Türkei, Frankreich, Italien und die Schweiz sind betroffen, jedoch grassiert hier neben dem Serotyp 8 teilweise auch noch der Serotyp 4 (BTV-4). In Deutschland sind bislang Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland betroffen. Bisher wurde das Virus ausnahmslos bei Rindern nachgewiesen.

Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) rät in einer aktualisierten Stellungnahme zur Blauzungenkrankheit dringend zur Impfung von Rindern, Schafen und Ziegen. Die StIko Vet geht zudem davon aus, dass es mittelfristig auch zum Eintrag von BTV-4 nach Deutschland kommt. Deshalb sollte die Impfung gegen die Serotypen 4 und 8 erfolgen.

Erstmals ist die von Stechmücken der Gattung Culicoides übertragene Viruskrankheit am 17. August 2006 in Deutschland festgestellt worden.

In dem Fokusthema "Blauzungenkrankheit" erfahren Sie Einzelheiten über die Erkrankung, die Infektionswege, die Verbreitung und ihre Bekämpfung.

 

Stand: 1.2.2019

Allgemeines & Verbreitung

Schaf

Die Blauzungenkrankheit (Bluetongue Disease) ist eine nicht ansteckende Virusinfektion bei Wiederkäuern. Sie ist in Deutschland und in den Ländern der EU anzeigepflichtig. Während die Erkrankung bei Schafen in der Regel akut verläuft, ist der Verlauf bei Rindern, Ziegen und Wildwiederkäuern deutlich milder oder symptomlos. Jedoch können Tiere dieser Spezies für eine gewisse Zeit Virusträger sein und ein Virusreservoir für das Blue Tongue Virus (BTV) darstellen. Hierbei kommt dem Rind und Wildwiederkäuern die größte Bedeutung zu.

Blue Tongue Virus                                                                       Das Blue Tongue Virus (BTV) ist ein doppelsträngiges RNA-Virus, das zusätzlich noch einzelne Segmente besitzt. Es gehört zum Genus Orbivirus der Familie Reoviridae und wird ausschließlich durch Stechmücken der Gattung Culicoides (Gnitzen) transdermal übertragen. Es sind derzeit 24 Serotypen bekannt. Bei dem 2006 in Deutschland, den Niederlanden und Belgien grassierenden BTV handelt es sich um den Serotyp 8. Dieser grassiert auch seit Ende 2018 wieder in Deutschland. Vor 2006 ist BTV-8 in Europa nicht nachgewiesen worden. Sein Ursprung wird im südlichen Afrika (Südafrika, Nigeria) vermutet. Er kann aber auch in Indien oder Parkistan liegen, wo dieser Serotyp ebenfalls schon aufgetreten ist. Der Serotyp 8 scheint sehr "rinderaffin" zu sein. Schafe erkranken abhängig von der Rasse. In der Eifel ist die Infektion auch bei einem Mufflon nachgewiesen worden. Auch bei Rotwild gab es bereits positive Nachweise. 

Verbreitung
Die Blauzungenkrankheit ist bisher zwischen dem 35. südlichen und dem 44. nördlichen Breitengrad aufgetreten. Es wurden Fälle aus Afrika, dem Nahen Osten, dem indischen Subkontinent, aus China, den USA und Mexiko gemeldet. Die Seuche zeigt aber bereits seit Jahren eine expansive Tendenz. So wurde sie im Jahre 2000 in Schafbeständen auf den Balearen, Sardinien, Sizilien und Korsika bestätigt. Allerdings handelte es sich dabei nie um den Serotyp 8, sondern um die Serotypen 1, 2, 9 und 16. Der Serotyp 8 wurde Mitte August 2006 erstmals in Europa, nämlich in den Niederlanden, Belgien und Deutschland nachgewiesen. Aus dem niederländischen Kerkrade, unweit der deutschen Grenze, wurden die ersten Fälle in diesen Breiten gemeldet. In den sich anschließenden Untersuchungen konnte das Virus aber auch in mehreren deutschen und belgischen Betrieben bei Rindern und Schafen nachgewiesen werden. Je mehr Betriebe untersucht werden, desto mehr positive Befunde gibt es, auch wenn die Tiere des Betriebes zuvor keine klinischen Symptome gezeigt haben oder diese auf Grund ihrer Milde übersehen wurden.

In den Jahren 2008 und 2009 wurde in Deutschland flächendeckend eine Impfung gegen den Serotyp 8 der Blauzungenkrankheit durchgeführt. Deutschlandweit traten dann 2010 und 2011 keine weiteren Fälle der Blauzungenkrankheit mehr auf und Deutschland, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden wurde der Status „BTV - frei“ zuerkannt - bis Ende 2018.

Infektionswege
Für die Ausbreitung der Krankheit in Richtung Norden wird die anhaltende Wärme in diesem Sommer sowie die voranschreitende Klimaerwärmung verantwortlich gemacht. Durch die ausreichend langen hohen Temperaturen konnten sich die virusübertragenden Stechmücken der Gattung Culicoides auch hierzulande vermehren. Im Zusammenhang mit dem Ausbruch in Deutschland, Belgien und den Niederlanden wird Culicoides obsoletus die größte Bedeutung als biologisch effektiver Vektor beigemessen. Aber auch Culicoides pulicaris könnte als Vektor von Bedeutung sein. Derzeit wird die Bedeutung der beiden Culicoidesarten am FLI untersucht. Bei insgesamt 7 Spezies der Gattung Culicoides konnte bislang die Übertragung des BTV nachgewiesen werden, bei 24 weiteren ist eine Übertragung denkbar.

Nachdem eine erwachsene Culicoides-Mücke das BTV aufgenommen hat, vermehrt sich das Virus in einer Replikationsdauer von 6 - 8 Tagen in den Mitteldarmzellen und der Speicheldrüse der Mücke. Einmal infizierte Mücken bleiben lebenslang Virusträger. Die mittlere Überlebensdauer einer Culicoides-Mücke in Deutschland beträgt etwa 20 Tage. Während die Übertragung von einem mit dem Virus infizierten Tier (Wirt) auf die Stechmücke (Vektor) sehr ineffizient ist, verläuft die Übertragung vom Vektor auf den Wirt außerordentich effizient.

Außer durch Culicoides-Mücken kann das BTV auch iatrogen übertragen werden. Eine besondere Gefahr stellt die Benutzung nicht sterilisierter Kanülen bei Mehrfachverwendung dar. Das direkte Verbringen des BTV in die Lymph- oder Blutbahn gleicht der Infektion über Vektoren.

Eine Virusübertragung von Tier zu Tier ist dagegen nicht möglich. Die Blue Tongue Disease ist keine Zoonose und stellt somit keine Gefahr für den Menschen dar. Fleisch- und Milchprodukte können daher bedenkenlos verzehrt werden.

Es besteht die Möglichkeit, große und kleine Wiederkäuer gegen die Blauzungenkrankheit zu impfen. Dies wird von der StIko Vet auch dringend und flächendeckend empfohlen. Da mittelfristig auch von einem Eintrag des Serotyps 4 (BTV-4) nach Deutschland ausgegangen werden muss, sollte die Impfung gegen die Serotypen 4 und 8 erfolgen.

Dennoch sind nach der Feststellung der Seuche gegen die betroffenen Länder Exportverbote für lebende Rinder verhängt worden. Dies führt zu erheblichen wirtschaftlichen Einbußen.

Klinik

Nach der transdermalen Infektion (p.i.) kommt es etwa 3 Tage später zu einer Virämie, die ihren Höhepunkt nach etwa 10 –- 15 Tagen p. i. erreicht. Bei Schafen und Ziegen kann sie aber auch bis 60 Tage andauern. Die Dauer der Virämie bei natürlich infizierten Rindern beträgt rund 60 Tage. Fälle bis zu 100 Tagen und intermittierender Verlauf wurden beschrieben.

In den ersten 10 Tagen nach der Infektion sind die Lymphorgane des Wirts primäres Ziel des Virus. Anschließend heftet sich das Virus an die Erythrozyten und bleibt dort, bis der Erythrozyt abstirbt.               

Klinik
Der Krankheitsverlauf sowie die Morbidität hängt zum einen von der Art und der Rasse der betroffenen Tiere ab, zum anderen von der Virulenz des Virusstammes. Obgleich die Krankheit einen unterschiedlichen Verlauf nehmen kann, treten beim Schaf nach einer Inkubationszeit von 3-7 Tagen in der Regel folgende Symptome auf: Fieber, allgemeine Schwäche, Hyperämie der oralen und nasalen Schleimhäute, Salivation, Nasenausfluss, Gingivitis, Ulzerationen im und um das Maul (Zahnfleisch, Backen und Zunge). Im weiteren Verlauf setzen Inappetenz und Schläfrigkeit ein. Akute Formen führen vom Katarrh der Kopfschleimhäute bis hin zu Kopfödemen und Gangränen. Typisch und damit namengebend für die Krankheit ist die intensive Hyperämie und Schwellung der Zunge wegen des Austritts intravasaler Flüssigkeit infolge der Gefäßwandzerstörungen durch das Virus. Rötungen und Blutungen des oberen Klauenrandes und Lahmen können ebenfalls beobachtet werden. Mitunter können auch Aborte und kongenitale Missbildungen insbesondere nach Infektion mit schwach virulenten BTV-Serotypen auftreten. Auch können in einigen Fällen Veränderungen der Skelettmuskulatur eintreten. Die befallenen Schafe sterben meist nach 2-8 Tagen. Die Mortalitätsrate wird mit 2-80 Prozent angegeben. Die Stärke der Symptome kann zwischen den einzelnen Rassen variieren. In vielen Teilen der Welt verläuft die Blauzungenkrankheit gewöhnlich subklinisch.

Beim Rind ist die klinische Symptomatik i.d.R. geringer ausgeprägt als beim Schaf. Auch Ziegen sind verglichen mit Schafen weniger empfänglich. Wegen der Besonderheiten der diaplazentaren Übertragung beim Rind ist ein Verdacht auf eine BTV-Infektion bei Fruchtbarkeitsstörungen und Aborten eine intensive differential- diagnostische Untersuchung einschließlich BTV-Abklärung erforderlich.

Virusnachweis
Ein Virusnachweis im Blut gelingt frühestens 6 Tage p.i.. Die Antikörperbildung beginnt ca. 7 Tage p.i. und erreicht innerhalb von 4 Wochen den Höhepunkt. Hinweise bezüglich einer möglichen Immuntoleranz gegen BTV sind nicht bekannt. Der Nachweis kann mit Hilfe von Realtime-PCR oder ELISA erfolgen. Der Virusnachweis im Blut gelingt etwa 45-90 Tage lang. Der Nachweis von Virusgenom mittels rt-PCR bis zu 220 Tagen.

Differenzialdiagnose
Maul- und Klauenseuche, Rinderpest, Bovine Virusdiarrhoe (BVD), Bösartiges Katarrhalfieber (BKF), Infektiöse Stomatitis, Schafpocken und Photosensibilisierung.

Bekämpfungsmaßnahmen

Schwarzes Milchschaf

Die Blauzungenkrankheit ist in Deutschland und den Ländern der EU anzeigepflichtig. Ihre Bekämpfung ist durch die EU-Richtlinie 2000/75/EG des Rates vom 20. November 2000 geregelt. National gilt in Deutschland die "Verordnung zum Schutz gegen die Blauzungenkrankheit vom 22. März 2002.

Da der Ausbruch der Blauzungenkrankheit eine ernste Gefahr für die Tierhaltung in der betroffenen Region, im jeweiligen Mitgliedstaat und für die ganze EU darstellt, sind alle Maßnahmen darauf gerichtet, vor allem eine Ausbreitung der Seuche zu verhindern.

Sperrzone, Schutzzone und Beobachtungsgebiet
Es ist eine Sperrzone sowie ein Beobachtungsgebiet festzulegen, das Wiederkäuer nicht verlassen dürfen. Der Transport innerhalb des Beobachtungsgebietes ist jedoch gestattet. In der Sperrzone müssen die Tiere während der Nacht in ihren Ställen bleiben, der Transport auf oder von den Höfen ist verboten. Der Einsatz von Insektiziden ist vorgeschrieben, um den Überträger des Virus auszurotten.

Die Zonen werden in Abhängigkeit von den verfügbaren epidemiologischen, geografischen, entomologischen und klimatischen Daten festgelegt. Da das Klima einschließlich Windverhältnisse einen großen Einfluss auf die Epidemiologie hat, muss mit deutlicher Dynamik hinsichtlich der Grenzen infizierter Gebiete gerechnet werden. In den Niederlanden, Belgien und in Deutschland wurde um die betroffenen Betriebe ein Sperrzone mit einem Radius von 20 km, eine Schutzzone mit einem Radius von 100 km und ein Beobachtungsgebiet von 150 km Radius eingerichtet.

Keulung
Eine Bestandstötung wird durch die BT-Verordnung nicht zwingend vorgeschrieben. Jedoch sollten unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es sich bei der Blauzungenkrankheit in Deutschland um eine so genannte exotische Tierseuche handelt und immer die Gefahr einer unkontrollierten Infektion von einheimischen Vektoren besteht, zumindest betroffene Schaf- und Ziegenbestände getötet werden. Für die weit weniger krankheitsempfänglichen, aber häufig persistent infizierten Rinder sollte in Abhängigkeit von der Einschätzung der Mückensituation, der Situation im Betrieb, dem Serotyp des BTV, der Wirtschaftsform (z.B. Weidehaltung) sowie der epidemiologischen Gesamtsituation bezüglich der Blauzungenkrankheit in der Region entschieden werden.

Impfung
Es besteht die Möglichkeit, große und kleine Wiederkäuer gegen die Blauzungenkrankheit zu impfen. Dies wird von der StIko Vet auch dringend und flächendeckend empfohlen. Da mittelfristig auch von einem Eintrag des Serotyps 4 (BTV-4) nach Deutschland ausgegangen werden muss, sollte die Impfung gegen die Serotypen 4 und 8 erfolgen.

Bei der Impfung ist darauf zu achten, dass eine Kontamination der Blutproben mit dem Impfstoff vermieden wird, um keine falsch positiven Ergebnisse bei der Beprobung zu erhalten. Der Feldvirus ist nicht vom Impfvirus zu unterscheiden.
Nach Möglichkeit sollten Impfung und Probenahme nicht am selben Tag durchgeführt werden. Zudem ist immer zuerst die Probenahme und dann erst die Impfung vorzunehmen. Bei der Impfung sollten Handschuhe getragen werden und es ist auf die Einhaltung der Hygienevorschriften zu achten. Im Falle von positiven/reaktiven BTV-Befunden in Beständen, in denen dennoch am selben Tag geimpft worden ist, sollte das zuständige Veterinäramt sowie das Untersuchungsamt informiert werden. Die Abklärung von BTV-Nachweisen, die auf eine Kontamination der Blutproben mit Impfstoff hindeuten, erfolgt mittels Nachproben der betroffenen Tiere im Abstand von etwa sieben Tagen nach der ersten Probenahme.

Insektenbekämpfung
Die BTV-Verordnung schreibt außerdem eine Insektenbekämpfung in den betroffenen Gebieten vor. Den Tierhaltern wird die prophylaktische Anwendung von Insektenschutzmitteln empfohlen, um ihre Tiere vor einer Ansteckung zu schützen. Butox 7,5 mg/ml pour on ist zur Behandlung und Prophylaxe des Befalls mit stechenden und nicht stechenden Weidefliegen (Rinder) und Schaflausfliegen, sowie Läusen und Haarlingen (Rinder und Schafe) zugelassen. Darüber hinaus wird es in europäischen Nachbarländern (Italien, Frankreich, Spanien) erfolgreich zur Kontrolle der lebenden Vektoren der Blauzungenkrankheit eingesetzt.

Tiermedizin Inside

Impfen gegen die Blauzungenkrankheit ist aus Sicht des Tierschutzes ein MUSS

von Dr. Julia Henning >>>

Aktuelle Meldungen

11.11.2019: Weiterer Fall der Blauzungenkrankheit in Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz ist erneut die Blauzungenkrankheit festgestellt worden. Drei Rinder im Kreis Südwestpfalz wurden am vergangenen Freitag (8.11.2019) positiv auf die Viruserkrankung getestet, wie das Umweltministerium und das Landesuntersuchungsamt laut Proplanta mitteilt. Nachdem bereits Anfang des laufenden Jahres die Blauzungenkrankheit in Rheinland-Pfalz ausgebrochen war, wurde das gesamte Bundesland zum Sperrbezirk erklärt, ein Zustand, der mindestens zwei Jahre andauert. Der Handel mit Rindern aus diesem Bezirk ist daher
stark eingeschränkt, denn nur geimpfte Tiere dürfen in externe Regionen verbracht werden. Aus diesem Grund zahlt die Landesregierung seit Anfang November einen Zuschuss in Höhe von bis zu 1,50 Euro pro Impfung. „Die Impfung ist aktiver Tierschutz: Sie dient der Tierseuchenprophylaxe und erleichtert auch den Handel mit empfänglichen Tieren“, erklärt Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) laut einer Mitteilung in Mainz. In unserem Fokusthema Blauzungenkrankheit erhalten Sie weitere wichtige Informationen über Verbreitung, Infektionswege und Bekämpfung der Krankheit.

04.11.2019: Sperrbezirke wegen Blauzungenkrankheit verursachen Probleme

Als Schutz vor der Blauzungenkrankheit in Deutschland ist in Bayern ein umfangreiches Sperrgebiet eingerichtet worden. Viele Rinderhalter wollen ihre Tier nicht impfen, obwohl ihnen damit nur zwei Möglichkeiten bleiben: entweder sie verkaufen ihre Rinder nur innerhalb des Sperrbezirks oder nach Spanien bzw. Holland. Was das für sie bedeutet, erläutern zwei Landwirte in einem Video, das auf dem Portal von Agrarheute veröffentlicht wurde. Bauer Christian Hauber, der einen Milchviehbetrieb in Missen-Wilhams im Oberallgäu führt, hat Probleme, seine Kälber zu vermitteln, da sein Hof im besagten Sperrbezirk liegt. Eine Impfung kommt für ihn jedoch nicht in
Frage. „Warum soll ich meine Kühe dem Stress einer Impfung aussetzen?“, sagt er. Seine Tier seien gesund. Doch das führt zu Problemen, denn die Preise sinken. Im Sperrgebiet sind seine Kälber 150 Euro weniger wert als im freien Gebiet. Aus diesem Grund entschied sich Landwirt Georg Spicker mit eigenem Milchviehbetrieb im Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck auch für die Impfung. Mehr Informationen zur Blauzungenkrankheit und ihrer Bekämpfung finden sich im gleichnamigen Fokusthema. Zudem hat sich Vetion.de mit Frau Dr. Iris Fuchs über „Impfungen gegen die Blauzungenkrankheit aus Sicht des Tierschutzes“ unterhalten.

Frequently Asked Questions

Welche Spezies sind von der Blauzungenkrankheit (Blue Tongue Disease) betroffen?

Mit dem Blue Tongue Virus (BTV) können sich ausschließlich Wiederkäuer infizieren. In Deutschland sind demnach vor allem Schafe, Ziegen, Rinder und Wildwiederkäuer betroffen.


Ist die Blauzungenkrankheit für Menschen gefährlich?

Nein. Bei der Blauzungenkrankheit handelt es sich nicht um eine Zoonose. Das Virus ist nicht auf denm Menschen übertragbar. Fleisch- und Milchprodukte können daher bedenkenlos verzehrt werden.


Wie wird die Blauzungenkrankheit übertragen?

Das Blue Tongue Virus (BTV) wird durch Mücken der Gattung Culicoides übertragen. Diese können sich jedoch nur in einem anhaltend warmen Klima vermehren. Unter den derzeitigen klimatischen Bedingungen kann davon ausgegangen werden, dass Culicoides-Mücken und damit das BTV in Deutschland aber nicht überwintern können.
Außer durch Culicoides-Mücken kann das BTV auch iatrogen übertragen werden. Eine besondere Gefahr stellt die Benutzung nicht sterilisierter Kanülen bei Mehrfachverwendung dar. Das direkte Verbringen des BTV in die Lymph- oder Blutbahn gleicht der Infektion über Vektoren.


Wie kann ich meine Tiere vor einer Infektion schützen?

Schutz vor einer Infektion bietet ein wirksamer Mücken- und Insektenschutz. Butox® 7,5 mg/ml pour on ist zur Behandlung und Prophylaxe des Befalls mit stechenden und nicht stechenden Weidefliegen (Rinder) und Schaflausfliegen, sowie Läusen und Haarlingen (Rinder und Schafe) zugelassen. Darüber hinaus wird es in europäischen Nachbarländern (Italien, Frankreich, Spanien) erfolgreich zur Kontrolle der lebenden Vektoren der Blauzungenkrankheit eingesetzt.

Lexikon >>>

A

Abort

Abgang und/oder Tod einer nicht lebensfähigen Frucht vor Erreichen der unteren Grenze der physiologischen Tragezeit.

B

Blauzungenkrankheit

Blue Tongue Disease
Eine durch Stechmücken übertragene Viruserkrankung (Reovirus) bei Wiederkäuern (z.B. Schafe, Rinder, Ziegen). Für den Menschen besteht keine Ansteckungsgefahr. Die Erkrankung ist eine anzeigepflichtige Tierseuche.
Symptome sind Fieber, Ödeme an Lippen, Augen und Ohren sowie eine blaurote Färbung im Maulbereich, vor allem an der Zunge. Zudem kommt es zu Fruchtbarkeitsstörungen, Missbildungen der Nachkommen und Aborten.

E

Epidemiologie (Epizootiologie)

Wissenschaftszweig, der sich mit der Verbreitung von Krankheiten befasst. Hierbei werden besonders die Verteilung und die Häufigkeit der Erkrankung, Ursache, Risikofaktoren, Entstehung und Entwicklung sowie die Übertragungswege berücksichtigt.

G

Gangrän, Gangraena

Brand;
Sekundäre (aus einer anderen Krankheit folgende) physikalische oder bakterielle Veränderung von abgestorbenem Gewebe.

Gingivitis

Zahnfleischentzündung

I

iatrogen

Durch den (Tier)Arzt verursacht.

Inappetenz

Appetitlosigkeit

Inkubationszeit

Zeitspanne zwischen dem Zeitpunkt der Ansteckung (Infektion) und dem Auftreten der ersten klinischen Krankheitssymptome. Sie ist bei den verschiedenen Infektionskrankheiten unterschiedlich lang (zwischen wenigen Stunden bis mehrere Wochen, in Ausnahmefällen Monate bis Jahre). Sie ist abhängig vom Wirt, seiner Anfälligkeit (Disposition) und der spezifischen und unspezifischen Abwehr sowie von Art und Virulenz des Erregers und der Befallsstärke (Infektionsdosis).

intermittierend

unterbrochen, zeitweilig aussetzend bzw. nachlassend

K

Katarrh

Oberflächliche Entzündung der Schleimhaut, geht mit einer Flüssigkeitsabsonderung einher.

kongenital

angeboren
Bezeichnet Merkmale oder Anlagen, die zum Zeitpunkt der Geburt bzw. des Schlupfes bereits vorhanden sind.

M

Morbidität

Erkrankungsziffer, Erkrankungshäufigkeit.
Anzahl an Individuen einer Ausgangspopulation bestimmter Größe, die innerhalb einer bestimmten Periode von einer bestimmten Erkrankung betroffen ist.

Mortalität

Sterblichkeit

Mortalitätsrate

Maß(zahl) für die auftretenden Todesfälle, bezogen auf eine festgelegte Gesamtzahl (z.B. Wurfgröße, Bestandsgröße, Zahl erkrankter Tiere).

P

p. i.

post infectionem
nach der Infektion

Persistenz

Fortbestehen, Bestehenbleiben
Charakteristische Merkmale durchschnittlich empfindlicher Keime, sich durch bestimmte Eigenschaften der für sie schädlichen Wirkung der Desinfektion zu entziehen.

S

Salivation

Speicheln, vermehrter Speichelfluss.

T

transdermal

über, durch die Haut

V

Virämie

Das Vorkommen von Virus im Blut.

Virulenz, virulent

Bezeichnung das Ausmaß der Fähigkeit eines Erregers, einen Organismus krank zu machen.

Virusreservoir

Spezies, in der sich der Erreger vermehrt und von dem er ausgeschieden wird, bei der er in der Regel aber keine Symptome hervorruft. Diese Tiere stellen eine Infektionsquelle für andere, empfängliche Spezies dar.

Literatur

1 Blauzungenkrankheit (Teil X)

  MNULV NRW
  MNULV NRW
  Website


2 Blauzungenseuche in Deutschland und Belgien

  EU-Kommission
  EU-Kommission
  Website


3 Die Blauzungenkrankheit

  FLI
  FLI und BVET
  Website


4 Bluetongue

  FAO
  FAO
  Website


5 Physicochemical and morphological relationships of some arthropod-borne viruses to bluetongue virus - a new taxonomic group. Physicochemical and serological studies.

  Journal of General Virology, 13:261-271.
  Borden EC, Shope RE, Murphy FA,


6 Bluetongue: A Review and Global Overview of the Only OIE List a Disease that is Endemic in North America .

  N. J. MacLachlan
  In: 55th Annual Meeting of the American College of Veterinary Pathologists (ACVP) and 39th Annual Meeting of the American Society of Clinical Pathology (ASVCP), 2004 - Orlando, FL, USA.


7 Bluetongue Disease in Deutschland? Risikoabschätzung mit Hilfe eines Geographischen Informationssystems (GIS)

  Sylvia Koslowsky
  Inaugural - Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Veterinärmedizin an der Freien Universität Berlin
  Website


8 Blauzungenkrankheit

  Beer M.
  6. Berlin Brandenburgischer Rindertag 2006 in Berlin

Online-Fortbildungen

Welche Arten der Online-Fortbildungen nutzen Sie? Wann machen Sie dies bevorzugt und welche Endgeräte nutzen Sie dafür?