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Bienenschutz-Bienensterben

Die Zeit rennt!

Honigbienen sind für die Bestäubung von gut 80 Prozent unserer heimischen Nutz- und Wildpflanzen unentbehrlich. Den Bienen, insbesondere den Wildbienen, geht es jedoch zunehmend schlechter. In Deutschland sind 31 Wildbienenarten vom Aussterben bedroht. Als Hauptgründe wurde der Verlust von Lebensraum durch intensivierte, monokulturlastige Landwirtschaft und die zunehmende Urbanisierung erkannt. Außerdem stehen Pestizide, insbesondere Neonicotinoide, im Verdacht, das Insektensterben voran zu treiben. Sie werden als Nervengift gegen Schädlinge auf die Äcker ausgebracht, locken jedoch auch Bienen und andere nützliche Insekten an und schädigen diese.

Rückblicke

Nützlinge anstelle von Pestiziden - Zukunftsdialog Agrar und Ernährung in Berlin
von Sophia Neukirchner >>>

Aktuelle Meldungen

28.05.2020: Ursache für Waldtrachtkrankheit bei Bienen gefunden

Laut einer Studie der Universität Hohenheim ist Melezitose-Zucker als Ursache für die sogenannte Waldtrachtkrankheit bei Bienen verantwortlich. Starke Ertragsverluste und die Gefährdung ganzer Bienenvölker sind die Folge der Bienenkrankheit. Laborexperimente der ForscherInnen haben ergeben, dass der spezielle Zucker, den die Bienen über Waldhonig aufnehmen, die Darmbakterien der Insekten schädigen und so ihre Lebensdauer reduzieren. Betroffene Bienen weisen Krankheitssymptome wie geschwollene Hinterbeine oder massiven Haarausfall auf. Zudem zeigen erkrankte Bienen auch ein verändertes Verhalten: sie bleiben am Eingang des Bienenstocks, anstatt auszufliegen. Bisher hatten Bienenforscher vermutet, dass der hohe Mineralstoffgehalt im Waldhonig die Ursache für die Waldtrachtkrankheit ist. Nun konnte erstmals Melezitose-Zucker als Ursache bestätigt werden. „Wir gehen deshalb davon aus,
dass Melezitose von den Bienen nicht gut verdaut werden kann und sich im Darm ansammelt“, sagt Victoria Seeburger von der Landesanstalt für Bienenkunde. Die Bienen sind offenbar mangelhaft ernährt, obwohl sie eigentlich ausreichend fressen. „Die geschwächten Tiere sind zudem auch anfälliger für Krankheitserreger, was die Sache noch verschlimmert.“ Den Imkern empfiehlt Seeburger, Honigtau mit einem hohen Gehalt an Melezitose zu vermeiden: „Sie sollten ihre Kolonien aus den Wäldern entfernen, wenn die Umweltbedingungen die Melezitoseproduktion begünstigen.“ Dies sei beispielsweise bei Honigtau der von Imkern gefürchteten großen schwarzen Fichtenrindenlaus der Fall. Eine Gefahr für Menschen bestehe nicht, wie die Wissenschaftlerin betont: „Flüssiger Waldhonig hat nur einen niedrigen Melezitosegehalt und mit diesen geringen Mengen sollte das menschliche Verdauungssystem gut klarkommen.“

27.05.2020: Neonikotinoide verzögern Entwicklung der Honigbiene

Durch eine neu entwickelte Videotechnik ist erstmals die komplette Entwicklung einer Honigbiene im Bienenstock aufgezeichnet worden. Dabei konnten die Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt am Institut für Bienenkunde der Polytechnischen Gesellschaft feststellten, dass bestimmte zum Schutz von Nutzpflanzen eingesetzte Neonikotinoide das Verhalten der Ammenbienen verändern. So fütterten die Ammenbienen die Larven unter dem Einfluss der Neonikotinoide seltener. Dadurch benötigten Larven bis zu 10 Stunden länger in ihrer Entwicklung, wodurch wiederum ein Befall mit Bienenschädlingen wie der Varroa-Milbe begünstigt wird. „Neonikotinoide wirken auf das Nervensystem der Bienen, indem sie den Rezeptor für den Nerven-Botenstoff Acetylcholin
blockieren“, erklärt Dr. Paul Siefert, der in der Arbeitsgruppe von Prof. Bernd Grünewald am Institut für Bienenkunde Oberursel die Experimente durchgeführt hat. Siefert: „Wir konnten erstmals zeigen, dass Neonikotinoide auch das Sozialverhalten der Bienen verändern. Das könnte ein Hinweis auf die von anderen Wissenschaftlern beschriebenen Störungen der Brutentwicklung durch Neonikotinoide sein.“ Es sei allerdings noch zu klären, so der Wissenschaftler, ob die Verzögerung der Larvenentwicklung auch auf die Verhaltensstörung der brutpflegenden Bienen zurückzuführen sei oder ob sich die Larven durch veränderten Futtersaft langsamer entwickeln. Solchen Futtersaft produzieren die Ammenbienen und füttern die Larven damit.

26.05.2020: Neonikotinoide verzögern Entwicklung von Bienenlarven

Eine innovative Videotechnik ermöglichte es Forschern zum ersten Mal, die gesamte Entwicklung einer Honigbiene im Bienenstock zu filmen. Dafür konstruierten Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt am Institut für Bienenkunde der Polytechnischen Gesellschaft einen Bienenstock mit einer Glasscheibe und zeichneten über mehrere Wochen hinweg viele Brutzellen von insgesamt vier Bienenvölkern gleichzeitig auf. Im Fokus ihrer Untersuchungen stand das Fütterungsverhalten der Ammenbienen, deren Futter geringe Mengen an Pflanzenschutzmitteln, so genannten Neonikotinoiden, zugefügt wurden. Die Forscher fanden heraus, dass die Larven seltener von den Ammenbienen gefüttert wurden, was dazu führte, dass sich die Entwicklung der Larven um bis zu 10 Stunden verzögerte. Mit Hilfe von Machine-Learning-Algorithmen konnten die Wissenschaftler belegen, dass schon geringe Dosen der Neonikotinoide Thiacloprid oder Clothianidin bewirkten, dass die Ammenbienen an einigen Tagen der 6-tägigen
Larvenentwicklung weniger häufig und somit kürzer fütterten. Manche der so aufgezogenen Bienen benötigten bis zu 10 Stunden länger bis zum Verschluss der Zelle mit einem Wachsdeckel. Dementsprechend höher ist auch das Risiko, dass Schädlingen wie beispielsweise die Varroa-Milbe die Brutzellen befallen. „Wir konnten erstmals zeigen, dass Neonikotinoide auch das Sozialverhalten der Bienen verändern. Das könnte ein Hinweis auf die von anderen Wissenschaftlern beschriebenen Störungen der Brutentwicklung durch Neonikotinoide sein“, erklärt der Bienenexperte Dr. Paul Siefert, der an den Experimenten beteiligt war. Bekannt war bereits vor den Untersuchungen, dass Neonikotinoide auf das Nervensystem der Bienen wirken. „Unsere innovative Technologie erlaubt es, grundlegende wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen über die sozialen Interaktionen im Bienenvolk, über die Biologie von Parasiten und die Sicherheit von Pflanzenschutzmitteln“, beschreibt Siefert das große Potenzial der neuen Videotechnik.

Corona-Auswirkungen auf die Tierarztpraxis

Die Corona-Pandemie hat Deutschland noch fest im Griff: Merken Sie in der Tierarztpraxis bereits die Auswirkungen der Pandemie?