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Dr. House hat jetzt eine App

04.08.2026

Herzlich willkommen!

In dieser monatlichen Kolumne gehen wir gemeinsam mit Dr. Björn Becker und Magnus Kirschstein von Petleo mit klaren Worten, unbequemen Fragen und konkreten Lösungsansätzen für einen gesünderen Praxisalltag auf die Fragen ein, wie Prozesse, Organisation und Kommunikation neu gedacht werden können und müssen, und welche Lösungen verfügbar sind. Seien Sie gespannt auf das, was alles schon geht!


Es gibt diesen Moment in der Praxis, den wahrscheinlich jeder kennt.

Ein Fall, der nicht ganz passt. Eine Diagnose, die stimmt – aber irgendwie auch nicht. Gerne würde man sich kurz dazu mit jemandem austauschen. Mit jemandem, der wirklich Ahnung hat. Nicht, um die Verantwortung abzugeben, sondern um den eigenen Kopf zu sortieren.

Früher hieß das: den Kollegen anrufen. Hoffen, dass er/sie rangeht. Hoffen, dass er/sie Zeit hat. Hoffen, dass er/sie nicht gerade selbst im OP steht.

Heute gibt es andere Möglichkeiten: ChatGPT.

ChatGPT ist in erster Linie kein Schreibwerkzeug, sondern ein Gesprächspartner – einer mit dem kombinierten Wissen eines Internisten, eines Chirurgen, eines Betriebswirts und eines Kommunikationsprofis. Gleichzeitig ist ChatGPT mit einer Geduld ausgestattet, die kein Mensch dieser Welt aufbringen könnte. Des Weiteren ist ChatGPT rund um die Uhr erreichbar, ohne Termin und praktisch beinahe ohne Honorar. Außerdem ist es schonungslos ehrlich. Wenn deine Diagnose Lücken hat, benennt er sie. Wenn dein Businessplan blinde Flecken hat, zeigt er sie dir. Wenn deine Argumentation nicht trägt, hält er dagegen – sachlich, direkt, ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten.

Dr. House, sozusagen. Das Wissen, die Direktheit, die unbequemen Fragen – aber ohne das Ego.

Das klingt dir zu abstrakt? Dann werde ich jetzt konkret.

Du hast einen Hund mit atypischer Symptomatik, alles Offensichtliche hast du ausgeschlossen, und irgendwo im Hinterkopf nagt das Gefühl, dass du etwas übersiehst. Früher hättest du jetzt den Kollegen angerufen – heute tippst du deine Befunde rein und schreibst dazu:

„Welche Differentialdiagnosen übersehe ich möglicherweise? Wo hat meine Diagnose die größten Schwachstellen?“

Kein Kollege der Welt antwortet auf diese Frage so direkt, weil Direktheit im echten Leben immer auch bedeutet, dass jemand sein Gesicht riskiert. ChatGPT hat kein Gesicht zu verlieren.

Oder du planst eine Veränderung in der Praxis – ein neues Abrechnungsmodell, eine neue Stelle, neue Öffnungszeiten – beschreibst die Situation und fragst:

„Welche Argumente sprechen gegen diesen Plan? Was habe ich nicht bedacht?“

Und dann passiert etwas, womit die meisten nicht rechnen: Du bekommst echten Widerspruch. Keinen gemeinen, aber einen konkreten. Und plötzlich merkst du, dass du gar keine Bestätigung wolltest – sondern jemanden, der dein Denken herausfordert.

Worum es eigentlich geht

Genau das ist der Moment, in dem viele zum ersten Mal verstehen, worum es eigentlich geht. Nicht darum, Texte zu generieren. Sondern darum, besser zu denken. Man fängt an zu tippen, formuliert ein Problem – und während man schreibt, sortiert sich der Kopf. Die KI antwortet. Man widerspricht. Sie hält dagegen. Und irgendwann, nach ein paar Runden, ist plötzlich klar, was die eigentliche Frage war.

ChatGPT ist kein Therapeut, kein Mentor und kein Ersatz für das Gespräch mit einem Menschen, dem man vertraut. Aber es ist -richtig eingesetzt- ein Spiegel – einer, der zurückfragt.

Du glaubst mir das nicht? Dann überzeug dich selbst – hier sind drei Prompts, die du heute noch ausprobieren kannst:

Für den klinischen Alltag:
„Ich habe folgenden Fall: [Befunde, Symptome, bisherige Diagnostik]. Welche Differentialdiagnosen übersehe ich möglicherweise?“

Für Praxisentscheidungen:
„Ich plane folgende Veränderung in meiner Praxis: [Beschreibung]. Welche Argumente sprechen dagegen? Was habe ich nicht bedacht?“

Für den eigenen Kopf:
„Ich stecke bei folgendem Problem fest: [Beschreibung]. Stell mir die unbequemen Fragen, die ich mir selbst nicht stelle.“

Der letzte Prompt klingt seltsam. Probier ihn trotzdem aus.

Und damit das Ganze von Anfang an funktioniert – hier der „Dr. House“ PrePrompt, den du einmal ganz am Anfang einsetzt:

„Du bist mein kritischster Kollege – fachlich brillant, ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten, aber immer konstruktiv. Deine Aufgabe ist nicht, mir zuzustimmen, sondern mein Denken herauszufordern.“

Der beste Sparringspartner ist nicht der, der dir immer recht gibt. Sondern der, der dich besser denken lässt.


Dr. Björn Becker  

Tierarzt, Unternehmer und Brückenbauer zwischen Praxis und Zukunft – ich bringe Digitalisierung, KI und Telemedizin dahin, wo sie wirklich wirken: in den Alltag und die Köpfe von Tierärzt:innen.
Mein Antrieb: bessere Medizin, bessere Arbeitsbedingungen und eine Branche, die endlich mutig nach vorne denkt.

Bild mit KI erstellt


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