Absetzdurchfall bei Ferkeln zählt nach wie vor zu den wichtigsten Ursachen für den Einsatz von Antibiotika in der Schweinehaltung. Besonders in der sensiblen Phase des Absetzens – meist im Alter von drei bis vier Wochen – kommt es häufig zu Durchfällen. Ursache sind vor allem Stress durch die Trennung von der Sau, die Umstallung und Durchmischung von Würfen sowie die Umstellung von Milch auf festes Futter.
In der Praxis erfolgt die Behandlung häufig als Herdenmedikation über das Trinkwasser, sodass nicht nur erkrankte, sondern ganze Tiergruppen antibiotisch behandelt werden. Studien zeigen jedoch, dass tatsächlich nur ein sehr geringer Anteil der Tiere behandlungsbedürftig ist. Durchschnittlich bräuchte nur ein 1% der Tiere eine tägliche Antibiotikagabe. Leichtere Durchfälle seien überwiegend selbstlimitierend und heilen ohne antibiotische Therapie bei guten Tageszunahmen aus.
Untersuchungen belegen, dass durch eine gezielte Einzeltierbehandlung anstelle der routinemäßigen Gruppenmedikation der Antibiotikaeinsatz um bis zu 70–75 % reduziert werden kann, ohne negative Auswirkungen auf Tiergesundheit oder Wachstum zu haben. Voraussetzung dafür ist eine konsequente und sorgfältige Tierbeobachtung, um erkrankte Tiere frühzeitig zu erkennen.
Das bedeutet für die Bestandsbetreuung: eine differenzierte, indikationsgerechte Behandlung ist in Hinblick auf das Resistenzrisiko der Bestandsmedikation vorzuziehen.




