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Praktikumsberichte

Schnupperpraktikum in Wallhausen (07/2019)

Über Facebook bin ich auf das Gewinnspiel von Vetion aufmerksam geworden und war gleich begeistert von der Idee. Sofort lud ich ein Foto von mir im Tierarztoutfit hoch. Als mich Vetion.de dann kontaktierte, um mir mitzuteilen, dass ich gewonnen hatte, konnte ich es zunächst gar nicht glauben. Aber dann war es endlich soweit und ich fuhr los ins wunderschöne ländlich gelegene Wallhausen, wo ich herzlichst begrüßt wurde und in eine wunderschöne offene und helle Praktikantenwohnung über der Praxis einziehen durfte.

Erwartungen zu Praktikumsbeginn und bisheriger Kontakt zur Großtierpraxis
Ich fand Nutztiere immer sehr interessant und freute mich jedes Mal, wenn ich die Möglichkeit hatte, mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Jedoch hatte ich bislang mit diesen liebenswürdigen Zeitgenossen wenig zu tun. Zwar kam ich vom Land, hatte aber Bauern und Landwirtschaft immer nur aus der Ferne beobachtet. Doch ich hatte immer Respekt davor, da ich selbst gar nicht wusste, wie man mit so einer Kuh oder einem Schwein umgeht – sie sind ja doch deutlich schwerer als ich selbst und wesentlich weniger an das Handling gewöhnt als ein Pferd.

Mit diesem eher mageren Erfahrungspool fuhr ich also am Sonntagnachmittag los nach Wallhausen, wo ich eine Woche lang nun die Möglichkeit nutzen wollte, in eine Schweinepraxis mit 4 Tierärzten reinzuschnuppern. Meine Erwartungen waren nicht sehr präzise; schließlich konnte ich mir nicht so richtig vorstellen, was es heißt, einen Betrieb mit mehreren hundert Sauen zu haben und das alles zusammen mit der Landwirtschaft unter einen Hut zu bekommen. Ich wollte mir also zunächst mal einen Eindruck verschaffen, wie es im „Schweinebusiness“ zugeht, dabei ein paar praktische Fertigkeiten erlernen und mich einfach mal berieseln lassen, um mir eine Vorstellung davon machen zu können, ob diese Berufssparte nicht doch vielleicht etwas für mich ist.

Das Praktikum
Zu Beginn muss ich einmal erwähnen, dass die Praxis im Schweinebereich ganz anders ist, als ich es mir vorgestellt hatte und man das von anderen Tierarten wie Kleintier, Pferd, oder auch Rind kennt. Die Behandlung von Einzeltieren und die Behandlung durch den Tierarzt ist eher die Ausnahme. In der Regel läuft es so ab, dass der Landwirt Anzeichen für ein Krankheitsgeschehen bemerkt und den Tierarzt bestellt. Die Bauern kennen ihre Tiere in der Regel sehr gut und kennen sich auch verhältnismäßig gut aus, was bei welchen Krankheitsbildern Heilung verspricht. Trotzdem ist die Behandlung von Einzeltieren seltener, zumeist muss am Management geschraubt oder geimpft werden, um die Gesundheit des Bestands sicherzustellen. Jeder Betrieb ist verpflichtet, einen bestandsbetreuenden Tierarzt zu haben, mit dem er regelmäßig Rücksprache hält. Ca. die Hälfte aller Betriebe werden von der Schweinepraxis Wesselmann wöchentlich besucht!

Ein Tag in der Schweinepraxis Wesselmann läuft in der Regel so ab, dass sich alle Tierärzte um 8 Uhr in der Praxis treffen und besprechen, wer an diesem Tag wohin fährt. Bei ihnen hat nämlich nicht jeder Tierarzt sein Gebiet mit den Betrieben, für die er zuständig ist, sondern jeder Tierarzt fährt zu jedem Betrieb, um der sogenannten Betriebsblindheit vorzubeugen. Gegen 8.30 geht es dann los und jeder Tierarzt fährt zu mehreren Betrieben. Mittags zwischen ca. 12.00 und 14.00 fahren alle zurück zur Praxis, essen Mittag und fahren, wenn sie am Vormittag nicht fertig geworden sind, nochmal los oder erledigen am Nachmittag eine Menge Papierkram. Davon fällt nämlich durch die vielen gesetzlichen Vorgaben für die Schweinehaltung eine ganze Menge an. Feierabend wird dann in der Regel ganz flexibel – natürlich erst nachdem alles erledigt wurde – zwischen 16.00 – 18.00 gemacht. Der große Vorteil an dieser Art von kurativer Tätigkeit ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Man hat im Vergleich zu anderen Sparten sehr geregelte Arbeitszeiten, und dass am Wochenende oder in der Nacht mal jemand anruft mit einem Notfall, ist eher die Ausnahme.

Am Montag ging es für mich gleich los und ich durfte beim Blut Abnehmen auf einem der wenigen Bio-Betriebe, die es in Deutschland gibt, Hand anlegen. Dass man dabei ins Blinde sticht, während einem das Schwein mit einer unglaublichen Lautstärke ins Ohr schreit, ist zunächst sehr ungewohnt; nach ein paar Versuchen klappte es jedoch wie am Schnürchen und ich konnte über 10 Blutproben nehmen. Auf Bio-Betrieben ist das eine der jährlichen staatlichen Kontrollen, da die Schweine dort Freilauf nach draußen haben und sie dann auf Krankheiten, die durch Wildschweine übertragen werden können (Europäische und Afrikanische Schweinepest, Brucellose, Aujeszky), stichprobenartig untersucht werden. Zusätzlich sollten wir noch ein Tier euthanasieren, das einen fußballgroßen schmerzenden Abszess am Hinterlauf hatte; auch das kommt leider vor. In der Regel werden bei fast jedem Besuch auch Medikamente abgegeben, die der Landwirt dann selbst anwendet, wobei genau festgehalten wird, für welche Schweine was angewendet werden soll. Was mir auch sehr zusprach ist die Spezialisierung der Praxis auf Homöopathie, wodurch die Bauern ein gutes Mittel in der Hand haben, um bei leichten Symptomen ihren Schweinen Erleichterung zu verschaffen, ohne gleich nach der „Antibiotikakeule“ beim Tierarzt fragen zu müssen.

Beim nächsten Betrieb war das sogenannte Scannen angesagt, das je nach Rhythmus des Betriebs alle 2 – 4 Wochen gemacht werden muss. Dabei hat man ein recht handliches Ultraschallgerät und macht eine ultraschallgestützte transabdominale Trächtigkeitsuntersuchung bei den Sauen. Ca. ab Tag  19 der Trächtigkeit ist es möglich, die Fruchtblasen in der Gebärmutter des Schweins darzustellen. Beim ersten Mal hab ich der Tierärztin zugesehen und sie erklärte mir genau, worauf ich achten musste. Da diese Aufgabe fast täglich auf einem Betrieb anfällt, durfte ich bald auch selbst mein Glück versuchen und hab so manche Trächtigkeit diagnostizieren können.

In einem dritten Betrieb traten bei den abgesetzten Ferkeln mehrere plötzliche Todesfälle auf und wir wurden hinzugerufen. Unser Verdacht fiel dabei auf die durch Shigatoxin-bildende E. coli Bakterien hervorgerufene Ödemkrankheit oder die auch bei Ferkeln häufiger vorkommende Streptokokkenmeningitis. Wir rieten dem Bauern seine Fütterung und den Absetzvorgang zu optimieren sowie die folgende Gruppe gegen das Shigatoxin zu impfen.

Am Mittwochnachmittag hielten wir zusammen mit dem Produktionsberater und einem Fütterungsberater eine Fortbildung zum Thema Schweinefütterung ab. Dabei sprachen wir über verschiedene spezifische Probleme von Betrieben sowie über allgemeine Fragestellungen wie: Wie bekommt man nach der Säugeperiode wieder mehr Rückenspeck auf die Sau? und wie kann man Ohrrandnekrosen bei Ferkeln, ausgelöst durch Mykotoxinbelastung, vorbeugen?.

Am Donnerstag bekamen wir morgens einen Anruf wegen einer Sau, die plötzlich nicht mehr aufstehen wollte und eine hohe Atemfrequenz zeigte. 45 Minuten später waren wir dort, aber die Sau war in der Zwischenzeit leider schon verstorben. Der Landwirt entschied sich, die Sau im eigens dafür eingerichteten Sektionsraum von uns eröffnen zu lassen, um die Todesursache abzuklären. In der Sektion stellte sich heraus, dass die Sau an einer akuten Milztorsion gestorben war. Der Darm wurde dadurch mitgedreht und war schon dunkellila verfärbt und die Milz zeigte eine hochgradige Fibrinauflagerung und war mit der Bauchwand und der Leber verklebt.

Am Freitag durfte ich noch auf einen wunderschönen Bio-Betrieb mitfahren, wo Ferkel unter Isoflurannarkose kastriert und Tiere geimpft sowie Sauen gescannt wurden. Und mit dieser letzten schönen Ausfahrt neigte sich meine Praktikumszeit auch schon dem Ende zu.

Fazit
Abschließend kann ich sagen, dass ich in Wallhausen eine wunderschöne Woche erleben durfte. Ich möchte mich an dieser Stelle nochmal ganz herzlich bei Stefan Wesselmann und seiner Familie bedanken für die Unterkunft und die herzliche Betreuung! Auch dem Team der Praxis möchte ich danken dafür, dass sie mich so freundlich aufgenommen haben und ich so viel von ihnen lernen durfte – und das obwohl ich trotz dem 10. Semester an der LMU relativ wenig über Schweine Bescheid wusste. Was ich außerdem noch betonen möchte ist die freundliche Arbeitsatmosphäre, die in der Praxis herrscht, was mir völlig die Angst davor raubte, vielleicht eine dumme Frage stellen zu können. Desweiteren möchte ich mich auch bei Vetion.de und dabei insbesondere bei Frau Dr. Henning bedanken, die sich dieses tolle Gewinnspiel ausgedacht und mir dieses tolle Praktikum vermittelt haben.
Das Praktikum hat meine Erwartungen definitiv mehr als erfüllt! Nicht nur über die verschiedenen Schweinekrankheiten und Managementprobleme weiß ich nun deutlich mehr, sondern auch über die politisch und wirtschaftlich prekäre Lage der Schweinebauern. Und das scheint mir doch wichtig zu sein – egal in welcher Berufssparte man später einmal landet, das bleibt doch ein wichtiges Diskussionsthema.
Ob das Praktikum meine Einstellung zur Nutztierpraxis verändert hat? Definitiv! Obwohl ich noch nicht sagen kann, ob ich später tatsächlich mal in der Schweinepraxis arbeiten werde, so hat es mir auf jeden Fall die Möglichkeit aufgezeigt und mir einen guten Einblick gegeben, was es heißt, im Schweinebereich zu arbeiten.
Mitgenommen habe ich, dass man als Schweinetierarzt nicht von Hof zu Hof fährt und einzelne kranke Tiere behandelt, sondern, dass man ein sehr enges Betreuungsverhältnis mit den Landwirten pflegt und wie ein Detektiv immer wieder durch den Betrieb läuft und nach den kleinen Schräubchen im Management sucht, an denen gedreht werden muss, sodass die Schweine gesund bleiben und gar nicht erst krank werden. Ein 2. Punkt, der mir in Erinnerung bleiben wird, ist, dass es für die Landwirte nicht leicht ist, ihre Tiere leiden zu sehen, wenn sie krank werden oder auch, wenn man sie schmerzhaft fixieren muss (z.B. mit einer Oberkieferschlinge). Ich hatte das als „Laie“ davor nicht erwartet, dass es den Bauern etwas ausmachen würde. Theresa Ludwig, LMU



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Praktikant:

Theresa Ludwig

aus 7. Semester

Praxis:


Tierarztpraxis Wesselmann
Bölgentaler Straße 5
74599 Wallhausen
T: 07955-389705
www.tierarztpraxis-wesselmann.de

Pate:


Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft (DVG)
Friedrichstraße 17
35392 Gießen
Telefon: 0641 24466

www.dvg.de