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Praktikumsberichte

Schnupperpraktikum in Unna (04/2019)

Mein Name ist Laura Sadewater und ich studiere im 6. Semester an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover. Im vergangenen Winter habe ich an einem von Vetion.de ausgeschriebenem Gewinnspiel unter www.vets4vieh.de teilgenommen, allerdings nicht damit gerechnet auch etwas zu gewinnen. Umso mehr habe ich mich gefreut, als mich die Mail mit der Zusage für das Praktikum in der Tierarztpraxis Odenkirchen erreichte. Für mich stand schon seit Beginn des Studiums relativ sicher fest, dass ich später im Großtierbereich arbeiten möchte, daher war ich sehr gespannt auf das Praktikum und die damit verbundene Möglichkeit, einen Einblick in die Arbeit eines Großtierarztes zu bekommen.

Die Praxis von Herrn Odenkirchen in Unna besteht sowohl aus einer Fahrpraxis und einer stationären Praxis.
Unter einer Fahrpraxis versteht man in diesem Fall, dass die vier Tierärzte mit ihren Autos (in welchen man fast alles findet, was für die Behandlung notwendig ist) zu den Höfen fahren um hauptsächlich Pferde, aber auch ab und zu Rinder zu behandeln. Die stationäre Praxis besteht aus einem Behandlungsraum für Kleintiere, einer Behandlungshalle für Pferde, einem OP, einem Röntgenraum, einigen Boxen für Pferde die eventuell länger in der Praxis bleiben müssen sowie einem Reitplatz, einer Reithalle und einer Lahmheitsbahn. Letztere sind sehr gut geeignet, um die Bewegungsabläufe der Pferde zu beurteilen. Lahmheit ist bei Pferden ohnehin ein oft gesehenes Problem, allerdings hat sich Herr Odenkirchen auf die Pferdeorthopädie spezialisiert, wodurch die Einrichtungen natürlich noch an Wichtigkeit gewinnen.

An einem Montagmorgen machte ich mich also auf den Weg nach Unna, wo ich direkt von Herrn Dr. Appelbaum und Sabine Hachen in Empfang genommen wurde, welche mir die Praktikantenwohnung direkt über der Praxis zeigten und mir eine kleine Einführung in den Ablauf des Praxisalltags gaben. Anschließend ging es dann direkt schon los. Der Tag beginnt jeweils mit dem Auffüllen der Wagen (Medikamente, Verbände, etc.) und der Organisation des Tages, dann gibt es eine Teambesprechung der Tierärzte, bevor es dann je nach anstehenden Terminen raus geht zu den Höfen oder den Patienten, die in der Praxis untersucht und behandelt werden.

An meinem ersten Tag bin ich zuerst mit Herrn Dr. Odenkirchen selbst mitgefahren, um bei einer Stute, die besamt werden sollte, eine Folikelkontrolle zu machen. Bei dieser Stute stellte er einen sprungreifen Follikel fest, sodass die Besitzerin zum nächsten Tag die Samen bestellen konnte.
Danach ging es zurück zur Praxis um eine Beugesehnenverletzung zu schallen, und den Rest des Tages war ich dann mit einer anderen Ärztin unterwegs. Zunächst fuhren wir zur Bestandskontrolle auf einen Milchviehbetrieb, wo wir uns speziell eine Kuh mit Mastitis sowie das Euter einer Kuh mit einer Verletzung des Strichkanals ansahen.
Am Nachmittag wurde es spannend, als wir zu einem Kolik-Notfall gerufen wurden. Nach einer Allgemeinuntersuchung der Stute und dem Gespräch mit der Besitzerin entschied die Tierärztin sich zu rektalisieren, um eine bessere Idee von der Verstopfung zu erhalten. Dabei wurde klar, dass es sich hier um einen eher ernsteren Fall handelt und höchstwahrscheinlich die normale Behandlung (Eingabe von Öl und Glaubersalz über die Nasensonde sowie Schmerzmittelgabe) wahrscheinlich nicht ausreichen wird. Da aber die Möglichkeit bestand, die Verstopfung über mehrmaliges Schieben der Sonde doch zu lösen, entschied sich die Besitzerin zunächst, diesen Weg zu versuchen, bevor sie das Pferd in die Klinik fährt.
Zum Ende des Tages durfte ich dann noch in der Klinik bei der Behandlung eines Hundes mit Durchfall sowie eines weiteren Hundes mit einer Warze am Kopf dabei sein, sodass ich gleich am ersten Tag alle Tierarten gesehen hatte, die in der Praxis behandelt wurden.

An den folgenden Tagen bin ich meistens mit Herrn Dr. Odenkirchen aber auch wechselnd mit den anderen Ärzten unterwegs gewesen und hatte dabei die Möglichkeit, viele verschiedene Fälle zu sehen und auch selbst mit anzupacken. Immer wieder lies mich Herr Dr. Odenkirchen die Pferde abhören und erklärte mir eventuelle Besonderheiten der Herz- und Lungengeräusche, klärte mich darüber auf, warum er wann welche Behandlung oder welches Medikament einsetzt und zeigte mir geduldig, wie man Spritzen intramuskulär bei den verschiedenen Tieren setzt – und auch wenn es eigentlich keine große Sache ist, war es für mich doch ein Erfolgserlebnis, das erste Mal selbst ein Tier zu impfen.

Desweiteren sah ich noch die Behandlung diverser Lahmheiten (auch wenn noch keine Hauptsaison war, ist dies doch ein oft gesehener Fall), Zahnkontrollen, Röntgen und Ultraschalle, Untersuchungen von Kotproben, eine Gastroskopie und einen Herzultraschall (wobei die Ärzte uns Praktikanten genau zeigten, was man wo sieht). Sehr interessant zu sehen fand ich auch, wie bei einem Pferd ein Belastungs-EKG gemacht wurde (ähnlich wie beim Menschen wurden die Elektroden auf der rasierten Haut angebracht und über Funk das Signal auf ein Tablet übertragen, während ich das Pferd in den verschiedenen Gangarten longiert habe). Herauskam ein e AV-Block 2. Grades Typ Mobitz II (etwas, das ich vorher nur aus der Theorie kannte, aber anhand der EKG-Linien dann sehr anschaulich wurde). Ebenfalls sehr interessant fand ich die Behandlung eines Pferdes mit dem Headshaking-Syndrom, bei welchem eine Betäubung des N. alveolaris durchgeführt wurde (und ich dann nochmal ins Grübeln gekommen bin, wie genau doch nochmal die Aufzweigungen des N. trigeminus am Kopf verliefen – etwas das ich vergangenen Sommer noch ausführlich für das Anatomie-Physikum gepaukt hatte). So verging die Woche echt schnell und am Ende wäre ich lieber noch etwas länger geblieben.

Insgesamt war das Praktikum eine tolle Erfahrung, sowohl wegen des super Teams der Praxis als auch wegen all der Dinge, die ich in dieser Zeit sehen konnte, die ich in Gesprächen mit den Ärzten über den Alltag des Großtierarztes erfahren habe sowie über den Aufbau und die Organisation einer solchen Praxis. Auch Herr Dr. Odenkirchens Bemühen für die zukünftigen Tierärztegenerationen sowie seine positive Darstellung des Berufes haben mich nur noch mehr darin bestätigt, später im Rinder- und Pferdebereich zu arbeiten.

Ein großes Dankeschön an Herrn Dr. Odenkirchen und sein Team für die Zeit in der Praxis, in welcher ich mich sehr wohl gefühlt habe, sowie an Vetion.de und die Firma Heel, die mir dieses Praktikum ermöglicht haben!



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Praktikant:

Laura Sadewater

TiHo Hannover

Praxis:


Tierarztpraxis Stefan Odenkirchen
Hertingerstr. 135
59427 Unna
T: 02303-330140
www.tierarzt-odenkirchen.de

Pate:


Biologische Heilmittel Heel GmbH
Dr. Reckeweg-Str. 2-4
76532 Baden-Baden
Telefon: 07221 501- 00

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