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Praktikumsberichte

Schnupperpraktikum in Büren (03/2019)

Mein Name ist Lara Maas und ich studiere ab kommendem Oktober im 5. Semester Tiermedizin an der Universität Leipzig. Nachdem ich letzten Sommer mein Physikum abgeschlossen habe, reichte ich den Antrag auf zwei Urlaubssemester ein. Einfach, um noch mal eine kleine „Auszeit“ zu nehmen, bevor der klinische Teil des Studiums beginnt und man sich schneller als man denkt im Arbeitsleben wiederfindet. So verbrachte ich also die letzten fünf Monate in Südamerika und war froh, diese Erfahrung gemacht zu haben. Nach meiner Rückkehr war die Vorfreude auf das Schnupperpraktikum in Büren groß -  endlich wieder in die Welt der Tiermedizin reinschnuppern, helfen und vielleicht sogar neue praktische Erfahrungen sammeln dürfen. Zudem war ich wirklich neugierig auf den Großtierbereich, da ich bisher eher in Kleintierpraxen Praktika gemacht habe.

Ich reiste am Sonntagabend mit dem Zug an und wurde sogleich herzlich von einem der Inhaber, der in Begleitung seines Sohnes war, empfangen. Nach einem kurzen Kennenlernen gingen wir direkt zum ortsbekannten Italiener, was mir natürlich sehr gelegen kam. Nach einer wirklich leckeren Pizza und Gesprächen über Schweinehaltung, Landwirtschaft etc., fuhren wir zur Praxis, wo man mir direkt mein schönes neues Zimmer, Bad und Küche zeigte. Ich fühlte mich sofort willkommen und freute mich, mein Praktikum vom 04.-08.03. in dieser herzlichen Umgebung absolvieren zu dürfen. In meinem folgenden Bericht will ich einen kurzen Überblick über meine Erfahrungen während des Praktikums in Büren geben:

Montag: Jeden Morgen treffen sich alle (über 20!) Tierärzte gegen halb acht zu einer kurzen Besprechung, um sich über das Tagesgeschehen auszutauschen und Fragen zu klären. Nachdem man mir kurz die Praxis und alle dazugehörigen Räume, wie z.B. das Labor und den Sektionsraum gezeigt hat, entschied ich mich bei einer Tierärztin mitzufahren, die für Schweine zuständig ist. Wir fuhren zu einem relativ großen Sauenmastbetrieb und informierten uns vor Ort über den Zustand der Schweine. Der Landwirt hatte Verdacht auf Influenza bei den abgesetzten Ferkeln und so nahmen wir ein paar Proben mithilfe von Nasentupfern bei Tieren mit erhöhter Temperatur. Bei den ausgewachsenen Sauen entnahmen wir ein paar Blutproben, um diese auf etwaige Mängel/Krankheiten hin zu untersuchen. Zum Schluss füllten wir noch ein bisschen Futter in Probenbehälter, um dieses auf die genauen Anteile der Bestandteile hin zu untersuchen und somit die Ration in Zukunft optimal zu gestalten. Für mich war die Arbeit mit Schweinen neu und sehr interessant, da ich vorher in diesem Bereich so gut wie gar keine Erfahrungen gesammelt habe.

Nach einer kurzen Mittagspause in der Praxis machten wir uns auf den Weg zu einem anderen Sauenbetrieb, wo es ca. 30 Binneneberferkel (Ferkel mit Leistenbruch/nicht abgestiegenen Hoden) zu kastrieren gab. Nachdem die Tierärztin mir den Ablauf erklärt hatte – einfangen, narkotisieren, kastrieren und Medikamentengabe- ging dann alles recht schnell. Nach der Hälfte bot sie mir schließlich an, doch mal selbst ein Eberferkel zu kastrieren, welches doch abgestiegene Hoden hatte. Was bei ihr so einfach aussah, fiel mir beim ersten Mal ziemlich schwer. Doch mit ihrer großen Geduld und guten Erklärungsgabe gelang es mir schließlich nicht nur bei diesem Tier, sondern auch noch bei ein paar weiteren. Somit war meine erste eigens durchgeführte Kastration ein echtes Erfolgserlebnis für mich. Nachdem wir gegen 19 Uhr wieder in der Praxis ankamen, war ich wirklich stolz und zufrieden mit den Eindrücken des Tages.

Gerade, als ich mit einer anderen Praktikantin zu Abend essen wollte, kam die Tierärztin und fragte, ob wir mit zu einem Notfall in einem Rinderstall kommen wollen, es ginge um zwei Kälber mit Durchfall. Ich sagte sofort zu und so fuhren wir noch mal los, um die beiden Kälber mit NaCl, Glucose und Natriumbicarbonat zu infundieren. Der Grund für die Schwäche und den Durchfall mit einhergehender Dehydratation waren Kryptosporidien, die der Landwirt im Laufe der Woche mit geeigneten Medikamenten zu bekämpfen versuchte.

Dienstag: Vormittags fuhr ich mit der gleichen Tierärztin wie vom Vortag zu einem Bio-Hof mit circa 700 Sauen. Dort sollten mithilfe eines Geräts, welches die Tiere mit Isoflurangas narkotisiert, einige Eberferkel kastriert werden. Danach impften wir noch einige Jungsauen mithilfe einer Impfspritze, was ich dort ebenfalls ausprobieren durfte. Für mich persönlich war es interessant, die Unterschiede zwischen biologischer und konventioneller Haltung mal direkt zu sehen.
Nachmittags blieb ich in der Praxis, um bei der Kleintiersprechstunde dabei zu sein. Dort durfte ich beim Impfen und Proben nehmen helfen. Die Proben wurden dann im hauseigenen Labor vorbereitet und unter dem Mikroskop ausgewertet.

Mittwoch: Heute entschloss ich mich dazu, bei einem Pferdetierarzt mitzufahren. Außer während meines Voltigierunterrichts als Kind hatte ich bisher wenige Erfahrungen mit Pferden gesammelt und war daher umso gespannter. Zunächst führten wir eine Lahmheitsuntersuchung an einem Hengst durch, der seit einiger Zeit an der Vordergliedmaße Probleme hatte. Die vom Tierarzt angeordnete „Ruhe“ war ein voller Erfolg, denn das Pferd war fast schon wieder vollständig genesen.                      Direkt im Anschluss fuhren wir zu einem Kutschpferd, was seit einiger Zeit Zahnprobleme hatte. Nachdem es etwas Betäubungsmittel injiziert bekam, schliff der Tierarzt die scharfen Kanten ab, die sich seitlich an den Backenzähnen gebildet hatten. Danach führten wir eine Vaginalspülung bei einer Stute durch, die am Vortag ein hübsches Hengstfohlen geboren hatte. Diese Spülung ist wichtig, um alle Reste der Nachgeburt zu entfernen, bevor sich Entzündungen und Ähnliches bilden können. Zum Abschluss der Vormittagsrunde behandelten wir noch ein Pferd mit Husten mit einem schleimlösenden Medikament und wurden direkt vom Besitzer zu einem Kaffee eingeladen.

Nach einer kurzen Mittagspause in der Praxis fuhren wir weiter zu einem Gestüt, wo ein paar Pferde Standardimpfungen bekamen. Im nächsten Stall führten wir mithilfe eines tragbaren Ultraschallgeräts eine Rossekontrolle durch. Der Tierarzt erklärte mir, dass die typische Faltenbildung der Gebärmutter um die Rossezeit herum aussieht wie ein Wagenrad mit den typisch angeordneten Speichen. Als ich diese Struktur dann tatsächlich auf dem Ultraschallgerät erkennen konnte, war das für mich ein großer Erfolg. Daraufhin maßen wir noch den Durchmesser des Follikels, um den Besamungszeitpunkt so genau wie möglich bestimmen zu können. Das letzte Ziel an diesem Tag war ein kleiner Privatstall. Dort hatten sich laut Aussage der Besitzerin am Nachmittag zwei Pferde auf dem Auslauf etwas „in die Haare gekriegt“. Also behandelten wir die entstandene Schürfwunde an der hinteren Fessel, indem wir eine Salbe auftrugen, die Wunde dann verbanden und im Anschluss noch ein Antibiotikum gaben. Ich fand diesen Tag wirklich interessant und abwechslungsreich und möchte auf jeden Fall gern noch mehr Erfahrungen im Pferdebereich sammeln.

Donnerstag: Dies war nun leider schon mein vorletzter Tag in Büren und ich bekam das tolle Angebot, mit zwei Schweinetierärztinnen zum 4. Düsseldorfer Schweinetag zu fahren. Den ganzen Tag über hatte man die Möglichkeit sich Vorträge über eine Vielfalt an Themen anzuhören. Ich persönlich fand die Vorträge über Eisenmangelanämie, Saugferkel-kokzidiose und über die Auswirkungen globaler Zusammenhänge auf den deutschen Schweinemarkt sehr informativ.

Freitag: An meinem letzten Tag bekam ich die Möglichkeit mit einem Schweinetierarzt zum Schlachthof Altenburg zu fahren. Für mich war es die erste Erfahrung auf einem Schlachthof und ich war dementsprechend gespannt bzw. hatte Respekt. Dort angekommen, war es unsere Aufgabe, circa 200 Schweinelungen zu begutachten. Der Tierarzt beurteilte die Lungen direkt am Band nicht nur visuell, sondern auch palpatorisch. Das Ergebnis hielt ich dann auf einer Liste fest. Im Anschluss fuhr ich direkt von dort weiter nach Leipzig und somit war mein Praktikum in Büren leider auch schon wieder vorbei.

Fazit

Zusammenfassend kann ich sagen, dass das Praktikum meine Erwartungen wirklich übertroffen hat. Ich war rundum zufrieden und habe mich sehr wohl gefühlt in diesem netten Umfeld. Auch wenn ich viele Fragen hatte, wurden diese jederzeit geduldig beantwortet. Innerhalb dieser einen Woche habe ich so viel Neues erfahren und auch praktisch viele Sachen dazugelernt. Der Großtierbereich ist nun für mich noch interessanter geworden und ich kann mir durchaus vorstellen, später in der Gemischtpraxis zu arbeiten.
Zum Abschluss möchte ich mich noch mal allen bei allen bedanken, die dieses Praktikum möglich gemacht haben!



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Praktikant:

Lara Maas

Uni Leipzig

Praxis:


FGS – Veterinär GmbH
Tierärztliche Gemeinschaftspraxis
Bruchberg 24
33142 Büren
T: 02951 - 98750
fgs-vet@t-online.de
www.fgs-bueren.de

Pate:


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